Energieeffiziente Gebäude - Baden-Württemberg

Energieeffiziente Gebäude - Baden-Württemberg
Energieeffiziente Gebäude - Baden-Württemberg
Einleitung
Energieeffiziente Gebäude brauchen möglichst wenig Energie, um im Winter warm, im Sommer angenehm und ganzjährig nutzbar zu sein. Dabei geht es nicht nur um eine einzelne Technik. Entscheidend ist das Zusammenspiel aus Dämmung, Fenstern, Luftdichtheit, Lüftung, Heizung, Warmwasserbereitung, erneuerbaren Energien, Regelungstechnik und dem Verhalten der Menschen im Gebäude.
Gerade im Gebäudebestand von Baden-Württemberg spielt die energetische Sanierung eine wichtige Rolle. Viele Häuser wurden in Zeiten gebaut, in denen Wärmeschutz und Heiztechnik anderen Anforderungen folgten als heute. Werden Gebäude fachgerecht saniert, können Wärmeverluste sinken, der Wohnkomfort steigen und fossile Energieträger zunehmend durch erneuerbare Wärme ersetzt werden.
Dieser aiMOOC richtet sich an Lernende in Ausbildung, Weiterbildung und lebenslangem Lernen. Du lernst technische Grundlagen kennen, untersuchst typische Sanierungsschritte und setzt Dich mit Berufen auseinander, die für die Wärmewende im Gebäudebereich gebraucht werden.

Die Thermografie zeigt anschaulich: Wo Bauteile schlecht gedämmt sind oder Wärmebrücken auftreten, kann mehr Wärme nach außen gelangen. Eine gute Gebäudehülle reduziert solche Verluste.
Warum Energieeffizienz bei Gebäuden wichtig ist
Gebäude benötigen Energie vor allem für Raumwärme, Warmwasser, Beleuchtung und technische Anlagen. In Wohngebäuden ist die Raumheizung meist ein besonders bedeutender Bereich. Deshalb haben Maßnahmen an Gebäudehülle und Heizungssystem großen Einfluss.
Energieeffizienz bedeutet nicht, auf Komfort zu verzichten. Im Gegenteil: Eine gut gedämmte Außenwand hat im Winter auf der Raumseite häufig eine höhere Oberflächentemperatur als eine schlecht gedämmte Wand. Das kann den thermischen Komfort verbessern. Gleichzeitig kann eine fachgerechte Sanierung Zugerscheinungen, kalte Oberflächen und unnötige Wärmeverluste vermindern.
Wichtig ist die Unterscheidung zwischen Energiebedarf und Energieverbrauch. Der Energiebedarf wird unter festgelegten Bedingungen rechnerisch bestimmt. Der tatsächliche Verbrauch hängt zusätzlich vom Wetter, vom Nutzerverhalten, von der Belegung und von der Betriebsweise der Anlagentechnik ab.
Die Gebäudehülle als Energiesystem
Zur Gebäudehülle gehören unter anderem Außenwände, Dach, oberste Geschossdecke, Kellerdecke oder Bodenplatte sowie Fenster und Türen. Über diese Bauteile kann Wärme von innen nach außen übertragen werden.
Ein wichtiger Kennwert ist der U-Wert. Er beschreibt, wie viel Wärme durch ein Bauteil bei einem bestimmten Temperaturunterschied übertragen wird. Ein niedriger U-Wert bedeutet einen besseren Wärmeschutz.
Bei einer Sanierung reicht es jedoch nicht, nur auf einzelne U-Werte zu schauen. Anschlussdetails, Feuchteschutz, Luftdichtheit und Wärmebrücken müssen ebenfalls berücksichtigt werden. Fehlerhafte Ausführungen können die Wirkung einer Dämmmaßnahme deutlich verschlechtern.

Die Grafik zeigt beispielhaft den Temperaturverlauf in einer außen gedämmten Wand. Außendämmung kann dazu beitragen, das tragende Mauerwerk im Winter wärmer zu halten.
Dämmung
Eine Wärmedämmung bremst den Wärmestrom durch ein Bauteil. Sie kann an Außenwand, Dach, oberster Geschossdecke, Kellerdecke oder anderen Bauteilen eingesetzt werden.
Außenwanddämmung
Bei Außenwänden kommen verschiedene Systeme infrage. Dazu gehören zum Beispiel Wärmedämmverbundsysteme, vorgehängte hinterlüftete Fassaden oder Lösungen mit Dämmung innerhalb mehrschaliger Konstruktionen. Welches System geeignet ist, hängt von Gebäudetyp, Untergrund, Brandschutz, Feuchteschutz, Denkmalschutz, Kosten und gestalterischen Anforderungen ab.

Bei einem Wärmedämmverbundsystem werden Dämmplatten außen auf die Fassade aufgebracht und anschließend mit weiteren Schichten geschützt. Eine sorgfältige Verarbeitung an Sockel, Fenstern, Dachanschlüssen und Befestigungen ist besonders wichtig.
Dämmstoffe
Dämmstoffe unterscheiden sich unter anderem in Wärmeleitfähigkeit, Brandschutzverhalten, Feuchteverhalten, Schallschutz, Rohstoffbasis, Herstellungsaufwand, Wiederverwendbarkeit und Kosten. Verbreitet sind beispielsweise Mineralwolle, Holzfaser, Zellulose, Polystyrol und weitere mineralische oder biobasierte Dämmstoffe.
Es gibt daher nicht den einen „besten“ Dämmstoff für jedes Gebäude. Die Auswahl sollte zum jeweiligen Bauteil und zum geplanten Aufbau passen. Fachplanung ist besonders wichtig, wenn Bestandskonstruktionen bauphysikalisch empfindlich sind.

Wärmebrücken und Luftdichtheit
Wärmebrücken sind Bereiche, an denen im Vergleich zu benachbarten Bauteilen mehr Wärme übertragen wird. Typische Stellen sind Gebäudeecken, auskragende Bauteile, Fensteranschlüsse oder Übergänge zwischen verschiedenen Konstruktionen.
Daneben spielt die Luftdichtheit eine große Rolle. Durch unkontrollierte Fugen kann warme Innenluft nach außen strömen. Dabei geht nicht nur Energie verloren; in ungünstigen Fällen kann Feuchtigkeit in Bauteile gelangen und dort Schäden verursachen.
Eine energieeffiziente Gebäudehülle braucht deshalb ein durchgängiges Konzept: Dämmen, Wärmebrücken minimieren, Luftdichtheit sichern und Feuchtigkeit kontrollieren.
Fenster und Lüftung
Moderne Fenster können deutlich besser dämmen als alte Einfach- oder ältere Isolierverglasungen. Beim Fenstertausch muss jedoch das gesamte Gebäude betrachtet werden. Werden nur die Fenster sehr dicht, während Außenwände oder Lüftungskonzept unverändert bleiben, verändern sich die Feuchteverhältnisse.
Lüften bleibt deshalb notwendig. Es kann über Fenster oder über technische Lüftungsanlagen erfolgen. Anlagen mit Wärmerückgewinnung können einen Teil der Wärme aus der Abluft auf die Zuluft übertragen. Voraussetzung ist eine fachgerechte Planung, Installation, Wartung und hygienische Betriebsweise.
Heizungstechnik
Eine effiziente Heizung muss zum energetischen Zustand des Gebäudes passen. Ein unsaniertes Gebäude mit hohen Heizlasten stellt andere Anforderungen als ein gut gedämmtes Haus mit niedrigen Vorlauftemperaturen.
Wärmepumpe
Eine Wärmepumpe nutzt Umweltwärme, zum Beispiel aus Außenluft, Erdreich oder Grundwasser, und hebt deren Temperaturniveau mit Hilfe eines thermodynamischen Kreisprozesses an. Dafür wird Antriebsenergie benötigt, meist Strom.

Die Effizienz einer Wärmepumpe hängt unter anderem von der Temperatur der Wärmequelle, der benötigten Heizwassertemperatur, der Auslegung, dem hydraulischen System und der Betriebsweise ab. Je kleiner der erforderliche Temperaturhub ist, desto günstiger sind in der Regel die Bedingungen für einen effizienten Betrieb.
Deshalb sind große Heizflächen, geeignete Heizkörper, Flächenheizungen und eine reduzierte Heizlast oft hilfreich. Ein Gebäude muss aber nicht zwangsläufig vollständig saniert sein, bevor eine Wärmepumpe eingesetzt werden kann. Entscheidend ist die fachgerechte Prüfung des konkreten Gebäudes.
Das Bild zeigt eine variabel arbeitende Wärmepumpe an einem Gebäude in Heidelberg und stellt damit einen direkten Bezug zu Baden-Württemberg her.
Heizflächen, Vorlauftemperatur und hydraulischer Abgleich
Die Vorlauftemperatur ist die Temperatur des Heizwassers, das vom Wärmeerzeuger zu Heizkörpern oder Flächenheizungen strömt. Je geringer die notwendige Vorlauftemperatur, desto günstiger kann dies für viele Wärmepumpensysteme sein.
Ein hydraulischer Abgleich soll erreichen, dass die Heizflächen mit den jeweils erforderlichen Wassermengen versorgt werden. Ohne passende Einstellung können einzelne Räume überversorgt und andere unterversorgt sein. Pumpenleistung und Heizkurve sollten ebenfalls zum Gebäude passen.
Wärmenetze und weitere Systeme
Nicht jedes Gebäude benötigt einen eigenen Wärmeerzeuger. In geeigneten Gebieten kann der Anschluss an ein Wärmenetz sinnvoll sein. Je nach örtlichen Bedingungen können außerdem Solarthermie, Biomasse, direkte elektrische Systeme oder Kombinationen mehrerer Technologien eine Rolle spielen.
Bei der Entscheidung sollte nicht nur die Anschaffung betrachtet werden. Wichtig sind auch Energiepreise, Wartung, Lebensdauer, Platzbedarf, Emissionen, Verfügbarkeit von Energieträgern und die langfristige Entwicklung der Wärmeversorgung im Quartier.
Energetische Sanierung als Gesamtkonzept
Eine Sanierung ist besonders wirksam, wenn einzelne Maßnahmen aufeinander abgestimmt werden. Wird zuerst die Gebäudehülle verbessert, sinkt häufig die Heizlast. Dadurch kann eine später erneuerte Heizung kleiner dimensioniert werden.
Ein typischer Planungsweg kann so aussehen:
- Bestandsaufnahme: Gebäudehülle, Heizsystem, Verbrauchsdaten und sichtbare Schwachstellen erfassen.
- Energieberatung: Fachkundige Analyse und mögliche Sanierungsschritte prüfen.
- Sanierungsfahrplan: Maßnahmen sinnvoll aufeinander abstimmen.
- Gebäudehülle: Dämmung, Fenster, Luftdichtheit und Wärmebrücken planen.
- Heizung: Wärmebedarf und geeignete Systemtemperaturen berücksichtigen.
- Regelungstechnik: Heizkurve, Pumpen und Raumregelung optimieren.
- Qualitätssicherung: Ausführung kontrollieren und Anlagen einregulieren.
- Monitoring: Verbräuche und Betriebsdaten nach der Sanierung beobachten.
Sanierungsfahrplan und Beratung in Baden-Württemberg
Der gebäudeindividuelle energetische Sanierungsfahrplan Baden-Württemberg ist ein Beratungsinstrument für Eigentümerinnen und Eigentümer. Er kann dazu dienen, sinnvolle Maßnahmen für ein konkretes Gebäude in eine nachvollziehbare Reihenfolge zu bringen.
Für Wohngebäude kann ein Sanierungsfahrplan im Rahmen des baden-württembergischen Erneuerbare-Wärme-Gesetzes eine Rolle als Erfüllungsoption spielen. Für Nichtwohngebäude bestehen eigene Regelungen. Weil gesetzliche Anforderungen und Förderprogramme geändert werden können, solltest Du bei realen Projekten stets den aktuellen Stand bei zuständigen Stellen, Energieagenturen oder qualifizierten Energieberatenden prüfen.
Das landesweite Informationsprogramm Zukunft Altbau der KEA Klimaschutz- und Energieagentur Baden-Württemberg informiert neutral über energetische Sanierung. Regionale Energie- und Klimaschutzagenturen können ebenfalls Anlaufstellen sein.
Rechtlicher Rahmen in Baden-Württemberg
Für Gebäude in Baden-Württemberg wirken Bundes- und Landesrecht zusammen. Das Gebäudeenergiegesetz des Bundes enthält Anforderungen an die energetische Qualität von Gebäuden und an Heizungsanlagen. Daneben gilt in Baden-Württemberg weiterhin das Erneuerbare-Wärme-Gesetz, soweit es nicht durch vorrangiges Bundesrecht verdrängt wird.
Nach Informationen des Umweltministeriums Baden-Württemberg gelten seit 1. Januar 2024 neue Vorgaben des Gebäudeenergiegesetzes zum erneuerbaren Heizen. Für ältere Bestandsgebäude in Baden-Württemberg kann bis zum Eingreifen der entsprechenden bundesrechtlichen Regelungen weiterhin das EWärmeG relevant sein. Das Ministerium weist darauf hin, dass sich Übergänge unter anderem nach Gemeindegröße, kommunaler Wärmeplanung und konkreter Einbausituation richten.
Das bedeutet für die Praxis: Eine Heizungsentscheidung sollte nicht allein auf Basis vereinfachter Schlagworte getroffen werden. Vor einem Heizungstausch müssen die aktuellen Anforderungen für das konkrete Gebäude und den konkreten Ort geprüft werden.
Kommunale Wärmeplanung
Die Kommunale Wärmeplanung untersucht, wie eine klimaneutrale Wärmeversorgung einer Kommune langfristig entwickelt werden kann. Dabei können unter anderem Wärmenetze, dezentrale Wärmepumpen, erneuerbare Wärmequellen und Abwärmepotenziale betrachtet werden.
Für Gebäudeeigentümer kann die Wärmeplanung eine wichtige Orientierung liefern. Sie ersetzt jedoch nicht automatisch die technische Untersuchung des eigenen Gebäudes.
Photovoltaik und Gebäude
Photovoltaik erzeugt Strom aus Sonnenlicht. Dieser Strom kann im Gebäude genutzt, ins Netz eingespeist oder je nach System gespeichert werden. Besonders interessant ist die Kombination mit elektrischen Verbrauchern wie einer Wärmepumpe.
Die zeitliche Erzeugung einer Photovoltaikanlage und der Heizstrombedarf passen allerdings nicht vollständig zusammen: Im Winter ist der Heizbedarf hoch, während die solare Stromerzeugung geringer sein kann. Deshalb bleibt der Anschluss an das Stromnetz in vielen Fällen wesentlich.
In Baden-Württemberg bestehen für bestimmte Bau- und Sanierungsvorhaben landesrechtliche Photovoltaikpflichten. Die genauen Bedingungen solltest Du für ein reales Projekt anhand der jeweils aktuellen Vorschriften prüfen.
Ausbildung und lebenslanges Lernen
Die energetische Sanierung braucht viele Berufe. Dazu gehören unter anderem Anlagenmechanikerinnen und Anlagenmechaniker SHK, Elektronikerinnen und Elektroniker, Dachdecker, Zimmerer, Stuckateure, Bauzeichner, Architektinnen, Bauingenieure, Energieberaterinnen und Fachkräfte der Gebäudeautomation.
Besonders deutlich wird der Wandel im SHK-Handwerk. Fachkräfte müssen nicht nur Rohrleitungen und Heizgeräte installieren. Sie benötigen zunehmend Kenntnisse über Wärmepumpen, hydraulische Systeme, Mess- und Regeltechnik, Photovoltaik, Energiemanagement und digitale Dokumentation.
Die Handwerkskammer Region Stuttgart entwickelte im Rahmen von „WEITER.mit.FUTURE_SKILLS@BW“ einen modularen Weiterbildungsansatz zum „SHK-Experten für Nachhaltige Gebäudetechnik“. Dazu gehörten unter anderem Module zu Wärmepumpe, Photovoltaik, Energieeffizienzmaßnahmen und Energiemanagement. Das Beispiel zeigt, warum lebenslanges Lernen in der Gebäudetechnik wichtig ist: Technik, Normen, Gesetze und digitale Werkzeuge entwickeln sich ständig weiter.
Kompetenzen für die Zukunft
Fachkräfte in der energieeffizienten Gebäudetechnik brauchen eine Kombination aus praktischen, technischen und kommunikativen Fähigkeiten. Dazu gehören beispielsweise:
- Technisches Verständnis: Wärmeübertragung, Hydraulik, Elektrotechnik und Regelung verstehen.
- Systemdenken: Gebäudehülle und Anlagentechnik gemeinsam betrachten.
- Digitale Kompetenz: Messdaten, Software und digitale Dokumentation nutzen.
- Fehlerdiagnose: Ursachen für ineffizienten Betrieb systematisch suchen.
- Beratungskompetenz: Technische Möglichkeiten verständlich erklären.
- Weiterbildung: Neue Technologien, Vorschriften und Verfahren regelmäßig lernen.
Messung, Steuerung und digitale Technik
Moderne Gebäude können mit Sensoren und Regelungssystemen ausgestattet werden. Erfasst werden beispielsweise Raumtemperatur, Außentemperatur, Luftfeuchte, Stromverbrauch, Wärmemenge oder Betriebszustände der Heizung.
Eine intelligente Regelung kann helfen, Anlagen bedarfsgerecht zu betreiben. Digitalisierung allein garantiert jedoch keine Effizienz. Schlechte Einstellungen können auch in einem technisch modernen Gebäude zu unnötigem Energieverbrauch führen.
Darum gilt: Messen – verstehen – einstellen – überprüfen.
In größeren Gebäuden spielt Gebäudeautomation eine wichtige Rolle. Dort können Heizungs-, Lüftungs-, Klima-, Beleuchtungs- und Verschattungssysteme miteinander verknüpft werden.
Typische Fehler bei Sanierungen
Energetische Sanierungen können ihre Ziele verfehlen, wenn Planung und Ausführung nicht zusammenpassen. Häufige Probleme sind unzureichend behandelte Wärmebrücken, ungeeignete Materialkombinationen, fehlende Luftdichtheit, falsch dimensionierte Heizungen, zu hohe Heizkurven oder fehlender hydraulischer Abgleich.
Auch das Nutzerverhalten muss berücksichtigt werden. Nach einer Sanierung können sich Lüftungsgewohnheiten ändern müssen. Gleichzeitig sollte Technik so geplant sein, dass sie verständlich und alltagstauglich bleibt.
Eine gute Sanierung ist deshalb kein reines Produktprojekt, sondern ein Planungs-, Ausführungs- und Lernprozess.
Fallbeispiel: Altbau wird schrittweise verbessert
Stell Dir ein Einfamilienhaus in Baden-Württemberg vor, das in den 1970er-Jahren errichtet wurde. Die oberste Geschossdecke ist kaum gedämmt, die Außenwände haben einen geringen Wärmeschutz und eine ältere Heizung arbeitet mit hohen Vorlauftemperaturen.
Eine Energieberatung untersucht zunächst das gesamte Gebäude. Danach werden mögliche Maßnahmen priorisiert. Die oberste Geschossdecke wird gedämmt, Schwachstellen an der Gebäudehülle werden reduziert und die Heizflächen werden überprüft. Anschließend kann die notwendige Heizleistung neu berechnet werden.
Erst auf dieser Grundlage wird über eine neue Heizung entschieden. Wird beispielsweise eine Wärmepumpe vorgesehen, werden Vorlauftemperaturen, Heizkörpergrößen, Warmwasserbereitung, Schallschutz und Aufstellort berücksichtigt. Nach der Installation wird das System hydraulisch abgeglichen und über eine Heizperiode beobachtet.
Das Beispiel zeigt: Energieeffizienz entsteht durch das Zusammenspiel vieler Schritte.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Was beschreibt ein niedriger U-Wert eines Bauteils? (Einen vergleichsweise guten Wärmeschutz) (!Einen besonders hohen Stromverbrauch) (!Eine hohe Luftfeuchtigkeit) (!Eine große Heizwasserpumpe)
Welche Maßnahme reduziert Wärmeverluste über eine Außenwand? (Eine fachgerecht geplante Wärmedämmung) (!Eine höhere Vorlauftemperatur) (!Ein dauerhaft geöffnetes Fenster) (!Eine größere Umwälzpumpe)
Warum ist eine niedrige Vorlauftemperatur für viele Wärmepumpen günstig? (Sie kann den erforderlichen Temperaturhub verringern) (!Sie erhöht grundsätzlich den Wärmeverlust der Fassade) (!Sie ersetzt jede Gebäudedämmung) (!Sie macht einen Stromanschluss überflüssig)
Was ist eine Wärmebrücke? (Ein Bereich mit erhöhtem Wärmefluss gegenüber angrenzenden Bauteilen) (!Eine Leitung zwischen zwei Heizwerken) (!Ein besonders großer Heizkörper) (!Eine Solaranlage auf einem Dach)
Was ist ein Ziel des hydraulischen Abgleichs? (Heizflächen bedarfsgerecht mit Heizwasser zu versorgen) (!Die Außenwand luftdurchlässiger zu machen) (!Fenster automatisch zu öffnen) (!Die Dachfläche zu vergrößern)
Welche Technik nutzt Umweltwärme für die Gebäudeheizung? (Die Wärmepumpe) (!Der Lichtschalter) (!Der Dachziegel) (!Die Regenrinne)
Warum sollte eine Sanierung als Gesamtsystem geplant werden? (Weil Gebäudehülle und Anlagentechnik sich gegenseitig beeinflussen) (!Weil nur die Fassadenfarbe entscheidend ist) (!Weil jede Maßnahme unabhängig von allen anderen wirkt) (!Weil Heizungen keinen Bezug zum Wärmebedarf haben)
Welche Aufgabe hat eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung? (Sie kann Wärme aus der Abluft auf die Zuluft übertragen) (!Sie erzeugt automatisch Solarstrom) (!Sie ersetzt die Wärmedämmung) (!Sie vergrößert die Wohnfläche)
Warum ist Weiterbildung in der Gebäudetechnik wichtig? (Weil sich Technologien, Regeln und digitale Werkzeuge weiterentwickeln) (!Weil technische Grundlagen bedeutungslos werden) (!Weil Gebäude künftig keine Heizungen mehr besitzen) (!Weil praktische Erfahrung nicht mehr gebraucht wird)
Was sollte vor einem realen Heizungstausch in Baden-Württemberg geprüft werden? (Die aktuell geltenden Anforderungen für Gebäude und Standort) (!Nur die Farbe des Heizgeräts) (!Nur die Grundstücksgröße) (!Nur die Anzahl der Fenster)
Memory
| U-Wert | Wärmedurchgangskoeffizient |
| Wärmebrücke | Bereich mit erhöhtem Wärmefluss |
| Wärmepumpe | Nutzung von Umweltwärme |
| Hydraulischer Abgleich | Bedarfsgerechte Verteilung des Heizwassers |
| Sanierungsfahrplan | Strukturierte Abfolge energetischer Maßnahmen |
| Gebäudeautomation | Vernetzte Steuerung technischer Anlagen |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Wärmedämmung | Reduziert Wärmeverluste durch Bauteile |
| Wärmepumpe | Hebt Umweltwärme auf ein nutzbares Temperaturniveau |
| Thermografie | Macht Temperaturunterschiede an Oberflächen sichtbar |
| Hydraulischer Abgleich | Stimmt Volumenströme im Heizsystem ab |
| Energieberatung | Analysiert Gebäude und entwickelt Sanierungsoptionen |
...
Kreuzworträtsel
| Daemmung | Welche Maßnahme verringert den Wärmestrom durch Bauteile? |
| Waermepumpe | Welche Heiztechnik nutzt Umweltwärme? |
| Heizkurve | Welche Einstellung verbindet Außentemperatur und Vorlauftemperatur? |
| Thermografie | Welches Verfahren stellt Oberflächentemperaturen bildlich dar? |
| Luftdichtheit | Welche Eigenschaft verhindert unkontrollierte Luftströmung durch Fugen? |
| Sanierung | Wie nennt man die bauliche und technische Verbesserung eines Bestandsgebäudes? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Energiespar-Check: Untersuche ein Gebäude in Deiner Umgebung und notiere fünf Stellen, an denen Energie verloren gehen könnte.
- Dämmstoff-Steckbrief: Erstelle einen Steckbrief zu einem Dämmstoff und erläutere seine typischen Einsatzbereiche.
- Heizsystem erklären: Zeichne den Weg der Wärme von einem Wärmeerzeuger bis in einen beheizten Raum.
- Berufsbild Gebäudetechnik: Recherchiere einen Ausbildungsberuf, der an energetischen Sanierungen beteiligt ist, und stelle typische Aufgaben vor.
Standard
- Thermografie auswerten: Suche ein geeignetes frei lizenziertes Thermografiebild und beschreibe, welche Wärmeverluste erkennbar sein könnten.
- Sanierungsreihenfolge: Entwickle für einen fiktiven Altbau eine sinnvolle Reihenfolge aus fünf Sanierungsmaßnahmen und begründe Deine Entscheidung.
- Wärmepumpen-Interview: Führe ein Interview mit einer Fachkraft aus SHK-Handwerk, Energieberatung oder Planung und frage nach Voraussetzungen für effiziente Wärmepumpen.
- Gebäudetechnik-Video: Produziere ein kurzes Erklärvideo zum Zusammenhang von Dämmung, Heizlast und Vorlauftemperatur.
Schwer
- Sanierungskonzept: Entwickle für ein reales oder fiktives Bestandsgebäude ein grobes energetisches Sanierungskonzept mit Gebäudehülle, Heizung, Lüftung und erneuerbaren Energien.
- Lebenszyklusvergleich: Vergleiche zwei Sanierungsvarianten hinsichtlich Energieeinsparung, Materialeinsatz, Wartung und langfristiger Nutzbarkeit.
- Kommunale Wärmeplanung: Analysiere die Wärmeplanung einer baden-württembergischen Kommune und leite mögliche Folgen für ein ausgewähltes Quartier ab.
- Weiterbildungsprojekt: Entwirf eine kurze Lerneinheit für Auszubildende oder Berufstätige zum Thema „Wärmepumpe im Bestand“ mit Theorie, Praxisaufgabe und Lernkontrolle.


Lernkontrolle
- Systemanalyse Gebäude: Erkläre an einem Beispiel, warum der Austausch einer Heizung ohne Betrachtung der Gebäudehülle zu einer ungünstigen Lösung führen kann.
- Sanierungsentscheidung: Vergleiche die Wirkung einer Dämmmaßnahme mit der Optimierung der Heizungsregelung. Zeige, in welchen Situationen beide Maßnahmen sinnvoll kombiniert werden.
- Wärmepumpenplanung: Ein Gebäude benötigt sehr hohe Vorlauftemperaturen. Entwickle drei technische Prüfschritte, bevor über den Einbau einer Wärmepumpe entschieden wird.
- Fehlerdiagnose: Nach einer Sanierung sind einige Räume zu warm und andere zu kalt. Entwickle mögliche Ursachen und einen systematischen Prüfplan.
- Rechtsrahmen übertragen: Begründe, warum bei einem realen Heizungstausch in Baden-Württemberg sowohl Bundes- als auch Landesregelungen geprüft werden müssen.
- Berufliche Weiterbildung: Erkläre, welche neuen Kompetenzen eine erfahrene SHK-Fachkraft durch Digitalisierung und Wärmewende zusätzlich benötigen kann.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu diesem Thema solltest Du zeigen können, dass Du die technischen Zusammenhänge nicht nur benennen, sondern auf konkrete Gebäude übertragen kannst.
- Du kannst erklären, wie Wärme über die Gebäudehülle verloren geht.
- Du kannst den Zusammenhang zwischen Dämmung, Heizlast und Heiztechnik beschreiben.
- Du kannst die grundlegende Funktionsweise einer Wärmepumpe erläutern.
- Du kannst Vorlauftemperatur und hydraulischen Abgleich in ihrer Bedeutung einordnen.
- Du kannst eine sinnvolle Reihenfolge für Sanierungsmaßnahmen begründen.
- Du kannst erklären, weshalb Lüftung, Feuchteschutz und Luftdichtheit zusammengehören.
- Du kannst unterschiedliche Berufsbilder der energetischen Gebäudesanierung zuordnen.
- Du kannst begründen, warum lebenslanges Lernen in der Gebäudetechnik notwendig ist.
- Du kannst digitale Mess- und Regeltechnik als Bestandteil energieeffizienter Gebäude einordnen.
- Du kannst für ein reales Projekt erkennen, wann aktuelle fachliche oder rechtliche Beratung erforderlich ist.
OERs zum Thema
Quellen und weiterführende Informationen
- Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg: Fragen und Antworten zum Thema Heizen
- Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg: Fragen und Antworten zum EWärmeG
- Ministerium für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft Baden-Württemberg: Sanierungsfahrplan Baden-Württemberg
- KEA-BW: Zukunft Altbau
- Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg: Weiterbildungsbaustein Wärmepumpe
- Wikimedia Commons: Wärmepumpen in Baden-Württemberg
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