Zum Inhalt springen

Automobilindustrie im Wandel - Baden-Württemberg

Aus MOOCsWiki Staging
Version vom 17. August 2026, 12:06 Uhr von Glanz (Diskussion | Beiträge) (aiMOOC über GPT aiMOOC Action erstellt)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)

Automobilindustrie im Wandel - Baden-Württemberg




Automobilindustrie im Wandel - Baden-Württemberg


Einleitung

Baden-Württemberg gehört zu den wichtigsten Automobilstandorten Europas. Unternehmen wie Mercedes-Benz, Porsche und zahlreiche große und mittelständische Automobilzulieferer prägen besonders die Region Stuttgart, aber auch andere Landesteile. Gleichzeitig verändert sich die Branche stark: Elektromobilität, Digitalisierung, Automatisierung, neue Software, veränderte Lieferketten und strengere Klimaziele stellen Unternehmen und Beschäftigte vor neue Aufgaben.

Für Dich ist dieser Wandel besonders interessant, wenn Du Dich für Wirtschaft, Technik, Ausbildung, Studium oder die Zukunft von Arbeit interessierst. Denn am Beispiel der Automobilindustrie lässt sich beobachten, wie technische Innovationen ganze Wertschöpfungsketten verändern können. Ein Elektroauto benötigt teilweise andere Bauteile als ein Fahrzeug mit Verbrennungsmotor. Dadurch entstehen neue Tätigkeiten, während andere an Bedeutung verlieren.

Der Wandel bedeutet deshalb nicht einfach „weniger Autoindustrie“. Vielmehr verändern sich Produkte, Produktionsverfahren, Geschäftsmodelle, Berufe und Qualifikationen. Baden-Württemberg versucht, seine starke industrielle Basis in neue Felder wie Batterietechnik, Leistungselektronik, Software, automatisiertes Fahren, Brennstoffzellen und klimafreundlichere Produktion zu übertragen.


Bedeutung der Automobilindustrie für Baden-Württemberg

Die Automobilwirtschaft ist in Baden-Württemberg besonders eng mit dem Maschinenbau, der Elektrotechnik, der Informationstechnik, der Metallverarbeitung, der Chemieindustrie, Logistik und Forschung verbunden. Deshalb spricht man häufig von einem Automobilcluster. Dazu gehören nicht nur Fahrzeughersteller, sondern auch Zulieferer, Entwicklungsdienstleister, Werkstätten, Händler, Forschungseinrichtungen und spezialisierte Dienstleistungsunternehmen.

Nach der Strukturstudie BW 2023 umfasste dieses breite Automobilcluster rund 480.100 Beschäftigte. Damit wird deutlich, dass Veränderungen in der Branche weit über einzelne Autofabriken hinauswirken.

Im Jahr 2024 machten Kraftwagen und Kraftwagenteile außerdem rund 21,5 Prozent der baden-württembergischen Warenausfuhren aus. Die Branche ist also nicht nur für Arbeitsplätze wichtig, sondern auch für den Export und damit für die internationale Verflechtung der Landeswirtschaft.

Die hohe Bedeutung bringt Chancen und Risiken mit sich. Ist die Nachfrage nach Fahrzeugen hoch und sind Unternehmen technisch wettbewerbsfähig, profitiert der Standort stark. Gerät die Branche jedoch gleichzeitig durch schwache Nachfrage, internationale Konkurrenz und einen Technologiewechsel unter Druck, sind besonders viele Unternehmen und Beschäftigte betroffen.


Produktion: Vom klassischen Werk zur vernetzten Fabrik

Automobilproduktion besteht längst nicht mehr nur aus Presswerk, Karosseriebau, Lackierung und Montage. Moderne Werke nutzen Industrieroboter, digitale Planung, Sensorik, automatische Transportsysteme und vernetzte Produktionsdaten. Dabei gewinnt die Idee der Industrie 4.0 an Bedeutung.

Ein Beispiel ist die Factory 56 in Sindelfingen. Solche modernen Produktionskonzepte zeigen, dass Fabriken flexibler werden sollen. Auf einer Produktionslinie können unterschiedliche Fahrzeugvarianten entstehen. Daten helfen dabei, Materialflüsse zu steuern, Qualität zu prüfen und Wartungsbedarf früh zu erkennen.

Für die Wirtschaft ist dabei die Produktivität entscheidend: Unternehmen versuchen, mit möglichst effizientem Einsatz von Material, Energie, Kapital und Arbeit hochwertige Produkte herzustellen. Automatisierung kann bestimmte manuelle Tätigkeiten verringern, schafft aber gleichzeitig Bedarf an Fachkräften für Programmierung, Instandhaltung, Robotik, Datenanalyse und Prozesssteuerung.

Die baden-württembergische Industrie befand sich 2024 und 2025 in einer schwachen Konjunkturphase. Gerade die Automobilindustrie war von rückläufigen Umsätzen und hohem Anpassungsdruck betroffen. Das zeigt: Technologischer Wandel findet nicht unabhängig von der allgemeinen Wirtschaftslage statt.


Historische Entwicklung und Strukturwandel

Baden-Württemberg blickt auf eine lange Automobilgeschichte zurück. Die Entwicklung des modernen Automobils ist eng mit Erfindern wie Carl Benz und Gottlieb Daimler verbunden. Über Jahrzehnte entstand daraus eine dichte Industrielandschaft mit spezialisierten Fachkräften, Forschungseinrichtungen und Zulieferbetrieben.

Der Blick auf ältere Fabriken macht sichtbar, wie stark sich Produktion verändert hat. Früher waren viele Arbeitsschritte mechanisch und manuell geprägt. Heute spielen Elektronik, Software, Robotik und digitale Daten eine wesentlich größere Rolle. Strukturwandel ist daher kein völlig neues Phänomen. Neu ist jedoch die Geschwindigkeit, mit der gleichzeitig Elektrifizierung, Digitalisierung und internationale Konkurrenz wirken.


Beschäftigung im Wandel

Beschäftigung in der Automobilindustrie verändert sich nicht nur in ihrer Anzahl, sondern vor allem in ihrer Struktur. Ein klassischer Verbrennungsmotor benötigt zahlreiche mechanische Bauteile wie Kolben, Ventile, Einspritzsysteme oder Abgaskomponenten. Ein batterieelektrischer Antrieb besitzt deutlich weniger bewegliche Teile, benötigt dafür aber andere zentrale Komponenten: Batterie, Elektromotor, Leistungselektronik, Hochvoltsysteme und komplexe Steuerungssoftware.

Dadurch sinkt in einigen Bereichen der Arbeitskräftebedarf, während in anderen neue Beschäftigung entstehen kann. Besonders gefragt werden Qualifikationen aus Elektrotechnik, Informatik, Batterietechnik, Automatisierung und Datenanalyse.

Die Strukturstudie BW 2023 berechnet für das Automobilcluster bis 2030 je nach Entwicklung einen möglichen Beschäftigungsrückgang von etwa acht bis vierzehn Prozent. Das ist keine sichere Vorhersage, sondern ein Szenario. Wie stark die Veränderungen tatsächlich ausfallen, hängt unter anderem davon ab, wie erfolgreich Unternehmen neue Produkte entwickeln, wie hoch die Nachfrage nach Elektrofahrzeugen wird und wie viel Wertschöpfung in Baden-Württemberg bleibt.


Zulieferer unter besonderem Druck

Viele Zulieferunternehmen sind hoch spezialisiert. Ein Betrieb kann beispielsweise Einspritzsysteme, Getriebeteile oder Komponenten für Abgasanlagen herstellen. Wenn solche Bauteile bei batterieelektrischen Fahrzeugen weniger oder gar nicht benötigt werden, muss das Unternehmen neue Produkte, neue Kunden oder neue Geschäftsfelder erschließen.

Das ist besonders anspruchsvoll für kleine und mittlere Unternehmen. Sie verfügen häufig über weniger Kapital und weniger eigene Forschungsabteilungen als große Konzerne. Gleichzeitig besitzen viele dieser Betriebe spezialisiertes Produktionswissen, das sich auf neue Bereiche übertragen lässt.

Eine zentrale wirtschaftliche Frage lautet daher: Wie kann vorhandene Kompetenz in neue Wertschöpfung übersetzt werden? Aus einem Hersteller von Präzisionsteilen für Verbrennungsmotoren könnte beispielsweise ein Zulieferer für Elektromotoren, Wärmepumpen, Brennstoffzellensysteme oder Maschinen zur Batterieproduktion werden.


Neue Antriebe


Batterieelektrischer Antrieb

Bei einem Elektroauto treibt ein Elektromotor die Räder an. Die Energie stammt meist aus einer Lithium-Ionen-Batterie. Ein wichtiger Vorteil liegt im hohen Wirkungsgrad des Elektromotors. Beim Fahren entstehen keine lokalen Abgase. Für die Klimabilanz sind jedoch auch Stromerzeugung, Batterieproduktion, Fahrzeugherstellung, Nutzungsdauer und Recycling wichtig.

Die Batterie ist ein besonders wichtiger Teil der Wertschöpfung. Sie beeinflusst Reichweite, Gewicht, Kosten und Ladegeschwindigkeit. Deshalb sind Kenntnisse in Chemie, Materialwissenschaft, Elektrotechnik, Thermomanagement und Software wichtig.

In Baden-Württemberg erreichte der Anteil rein batterieelektrischer Fahrzeuge an den Pkw-Neuzulassungen 2025 21,0 Prozent. Damit zeigt sich, dass Elektromobilität zunehmend im Massenmarkt ankommt, auch wenn der Hochlauf nicht in jedem Jahr gleichmäßig verläuft.


Ladeinfrastruktur

Elektromobilität funktioniert nur mit ausreichender Ladeinfrastruktur. Dabei gibt es langsameres Laden mit Wechselstrom und schnelleres Laden mit Gleichstrom. Ladepunkte werden zu Hause, am Arbeitsplatz, auf Parkplätzen, an Autobahnen und im öffentlichen Raum benötigt.

Für Technik und Wirtschaft ergeben sich neue Aufgaben: Stromnetze müssen teilweise ausgebaut werden, Ladepunkte brauchen digitale Abrechnungssysteme, und Unternehmen entwickeln Geschäftsmodelle rund um Energie, Batteriespeicher und intelligentes Laden.


Wasserstoff und Brennstoffzelle

Bei einem Brennstoffzellenfahrzeug wird Wasserstoff in einer Brennstoffzelle mit Sauerstoff elektrochemisch umgesetzt. Dabei entsteht elektrische Energie, die einen Elektromotor antreibt. Im Fahrzeug entstehen lokal vor allem Wasser und Wärme.

Wasserstoff kann vor allem dort interessant sein, wo hohe Reichweiten, kurze Betankungszeiten oder schwere Fahrzeuge eine Rolle spielen. Gleichzeitig ist die gesamte Energiekette aufwendig. Für klimafreundlichen Wasserstoff wird viel erneuerbarer Strom benötigt. Deshalb wird diskutiert, in welchen Verkehrsbereichen batterieelektrische Systeme und in welchen Bereichen Wasserstoff sinnvoller sind.


E-Fuels und hybride Lösungen

Synthetische Kraftstoffe können mit erneuerbarem Strom hergestellt werden. Sie lassen sich grundsätzlich in Verbrennungsmotoren nutzen, benötigen in ihrer Herstellung jedoch viel Energie. Deshalb gelten sie vor allem für Bereiche als interessant, die sich schwer direkt elektrifizieren lassen.

Hybridfahrzeuge kombinieren Verbrennungs- und Elektromotor. Sie können eine Übergangstechnologie darstellen, sind technisch jedoch komplexer, weil zwei Antriebssysteme miteinander verbunden werden.

Für die Bewertung neuer Antriebe reicht es deshalb nicht, nur den Motor zu betrachten. Entscheidend ist die gesamte Kette von Energieerzeugung, Herstellung und Infrastruktur bis zur Nutzung und Wiederverwertung.


Digitalisierung: Das Auto wird zum Computersystem

Moderne Fahrzeuge enthalten zahlreiche Steuergeräte, Sensoren und Softwarefunktionen. Funktionen für Fahrerassistenz, Navigation, Batterie, Infotainment und Sicherheit werden zunehmend durch Software bestimmt. Deshalb spricht man immer häufiger vom softwaredefinierten Fahrzeug.

Für die baden-württembergische Automobilwirtschaft bedeutet das einen zusätzlichen Wettbewerb. Unternehmen konkurrieren nicht mehr nur über Motorleistung, Verarbeitung und Fahrwerk, sondern auch über Betriebssysteme, digitale Dienste, Datenverarbeitung, künstliche Intelligenz und schnelle Softwareentwicklung.

Wichtige Zukunftsfelder sind:

  1. Fahrerassistenzsysteme: Kameras, Radar und andere Sensoren erfassen die Umgebung.
  2. Automatisiertes Fahren: Fahrzeuge übernehmen schrittweise bestimmte Fahraufgaben.
  3. Künstliche Intelligenz: KI kann bei Objekterkennung, Produktionsplanung und Qualitätskontrolle eingesetzt werden.
  4. Cybersecurity: Vernetzte Fahrzeuge und Fabriken müssen vor digitalen Angriffen geschützt werden.
  5. Datenanalyse: Produktions- und Fahrzeugdaten können für Wartung, Entwicklung und neue Dienste genutzt werden.


Forschung, Innovation und Investitionen

Baden-Württemberg besitzt eine besonders forschungsintensive Automobilwirtschaft. Unternehmen der Branche investierten im Jahr 2023 rund 13,9 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung. Damit entfiel ein sehr großer Anteil der privatwirtschaftlichen Forschungs- und Entwicklungsausgaben des Landes auf die Automobilbranche.

Forschung konzentriert sich heute unter anderem auf Batterien, elektrische Antriebe, Leistungselektronik, Brennstoffzellen, Leichtbau, neue Werkstoffe, Recycling, Software, automatisiertes Fahren und energieeffiziente Produktion.

Für einen Industriestandort ist Forschung besonders wichtig, weil neue Technologien nicht automatisch dort produziert werden, wo ältere Technologien erfolgreich waren. Unternehmen müssen neues Wissen aufbauen, Produktionsanlagen umstellen und Fachkräfte qualifizieren.


Ausbildung und Beruf

Der Wandel verändert auch die berufliche Bildung. Viele klassische Ausbildungsberufe bleiben wichtig, ihre Inhalte werden jedoch stärker digital und elektrisch.

Besonders passende Ausbildungswege sind zum Beispiel:

  1. Kraftfahrzeugmechatroniker: Diagnose, Wartung und Reparatur moderner Fahrzeuge; im Schwerpunkt System- und Hochvolttechnik besonders eng mit Elektromobilität verbunden.
  2. Mechatroniker: Verbindung von Mechanik, Elektrotechnik und Steuerungstechnik, etwa in automatisierten Produktionsanlagen.
  3. Elektroniker für Automatisierungstechnik: Programmierung, Überwachung und Instandhaltung automatisierter Systeme.
  4. Industriemechaniker: Aufbau, Wartung und Optimierung von Produktionsmaschinen.
  5. Fachinformatiker: Softwareentwicklung, Datenverarbeitung und IT-Systeme.
  6. Werkstoffprüfer: Untersuchung von Werkstoffen und Bauteilen, etwa für Batterien, Leichtbau oder Produktion.

In modernen Betrieben zählt nicht nur Fachwissen. Wichtig werden auch Problemlösefähigkeit, Teamarbeit, Lernbereitschaft und die Fähigkeit, mit digitalen Werkzeugen umzugehen.


Beispiel Hochvolttechnik

Elektrofahrzeuge arbeiten mit hohen elektrischen Spannungen. Deshalb gelten besondere Sicherheitsregeln. Beschäftigte müssen je nach Tätigkeit entsprechend qualifiziert sein. Für Dich zeigt dieses Beispiel, dass Transformation nicht nur neue Produkte erzeugt, sondern auch neue Anforderungen an Arbeitsschutz, Prüfung und Weiterbildung.


Studium und akademische Berufe

Wer sich für die technische Entwicklung oder das Management der Mobilität von morgen interessiert, findet in Baden-Württemberg zahlreiche passende Studienrichtungen. Dazu gehören:

  1. Fahrzeugtechnik: Konstruktion, Fahrwerk, Antrieb, Simulation und Gesamtfahrzeug.
  2. Mechatronik: Verbindung von Mechanik, Elektronik und Informatik.
  3. Elektrotechnik: Elektromotoren, Leistungselektronik, Sensorik und Energiesysteme.
  4. Informatik: Software, KI, Simulation, Datenanalyse und Cybersecurity.
  5. Maschinenbau: Entwicklung, Produktionstechnik, Konstruktion und Werkstoffe.
  6. Wirtschaftsingenieurwesen: Verbindung von Technik und Betriebswirtschaft.
  7. Materialwissenschaft und Chemie: Batteriezellen, Werkstoffe und Recycling.

Hochschulen und Universitäten im Land bieten verschiedene Profile an. Je nach Hochschule kann der Schwerpunkt stärker auf Fahrzeugtechnik, Elektromobilität, Produktionssystemen, Informatik oder nachhaltiger Mobilität liegen.

Ein Studium führt beispielsweise in Entwicklung, Versuch, Simulation, Produktionsplanung, Qualitätsmanagement, Softwareentwicklung, Forschung oder technisches Projektmanagement. Duale Studiengänge verbinden Hochschulstudium und Arbeit in einem Unternehmen.


Wirtschaftliche Chancen und Risiken

Der Wandel der Automobilindustrie ist ein Beispiel für Strukturwandel. Bestehende Technologien verlieren an Bedeutung, während neue Technologien wachsen. Dieser Prozess kann gleichzeitig Gewinner und Verlierer hervorbringen.

Chancen entstehen, wenn Unternehmen aus Baden-Württemberg bei Batterietechnik, elektrischen Antrieben, Software, automatisiertem Fahren und neuen Produktionsverfahren international erfolgreich sind. Neue Produkte können neue Märkte schaffen.

Risiken entstehen, wenn wichtige Komponenten überwiegend im Ausland produziert werden, Unternehmen Marktanteile verlieren oder spezialisierte Zulieferer zu spät auf neue Technologien umstellen. Dann kann Wertschöpfung aus dem Land abwandern.

Auch internationale Konkurrenz spielt eine große Rolle. Hersteller aus China, Europa, den USA und anderen Regionen investieren stark in Elektromobilität und Software. Deshalb müssen Unternehmen zugleich Kosten kontrollieren, Innovationen beschleunigen und globale Märkte verstehen.


Nachhaltigkeit und Kreislaufwirtschaft

Ein klimafreundlicheres Auto entsteht nicht allein durch einen anderen Antrieb. Rohstoffe, Stahl, Aluminium, Kunststoffe, Batteriematerialien und Energie verursachen bereits bei der Herstellung Umweltwirkungen. Deshalb wird Kreislaufwirtschaft wichtiger.

Dazu gehören langlebige Produkte, Reparierbarkeit, Wiederverwendung von Bauteilen und hochwertiges Recycling. Bei Batterien ist besonders interessant, wie Rohstoffe wie Lithium, Nickel, Kobalt, Kupfer und Graphit möglichst lange im Wirtschaftskreislauf gehalten werden können.

Auch Fabriken selbst verändern sich. Unternehmen versuchen, Energieverbrauch und Treibhausgasemissionen zu reduzieren, erneuerbare Energie zu nutzen und Materialkreisläufe zu verbessern.


Fallbeispiel: Eine Zulieferfirma muss sich entscheiden

Stell Dir ein mittelständisches Unternehmen auf der Schwäbischen Alb vor. Es beschäftigt 400 Personen und produziert seit Jahrzehnten hochpräzise Bauteile für Verbrennungsmotoren. Die Nachfrage nach diesen Teilen sinkt voraussichtlich.

Die Geschäftsleitung prüft drei Möglichkeiten: Das bestehende Produkt möglichst lange weiterproduzieren, in Bauteile für Elektromotoren investieren oder Maschinen und Know-how für eine völlig andere Branche nutzen.

Für jede Strategie entstehen andere Kosten, Risiken und Qualifikationsbedarfe. Neue Maschinen müssen finanziert werden. Beschäftigte brauchen Weiterbildung. Gleichzeitig darf das Unternehmen seine bestehenden Kunden nicht verlieren.

Dieses Beispiel macht deutlich: Strukturwandel ist keine abstrakte Entwicklung. Er besteht aus vielen konkreten Entscheidungen in Unternehmen, Haushalten, Politik und Bildung.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Was beschreibt das Automobilcluster in Baden-Württemberg am besten? (Ein Netzwerk aus Herstellern Zulieferern Dienstleistern Handel Forschung und weiteren Betrieben) (!Nur die großen Fahrzeugfabriken) (!Nur Werkstätten und Autohäuser) (!Ausschließlich Hochschulen)




Welche Technologie ist für batterieelektrische Fahrzeuge besonders wichtig? (Leistungselektronik) (!Vergaser) (!Auspufftopf) (!Zündverteiler)




Warum verändert Elektromobilität die Beschäftigungsstruktur? (Weil andere Bauteile und Qualifikationen benötigt werden) (!Weil Elektroautos ohne Produktion entstehen) (!Weil jede Tätigkeit automatisch entfällt) (!Weil Fahrzeuge keine Software mehr brauchen)




Welche Aussage zur Strukturstudie BW 2023 ist richtig? (Sie beschreibt mögliche Szenarien für Beschäftigung und Transformation) (!Sie sagt die Zukunft exakt voraus) (!Sie untersucht nur den Fahrradhandel) (!Sie verbietet elektrische Antriebe)




Welcher Beruf verbindet Mechanik Elektrotechnik und Steuerungstechnik? (Mechatroniker) (!Bäcker) (!Hotelfachkraft) (!Gärtner)




Was ist ein wichtiges Merkmal moderner Automobilproduktion? (Vernetzte und automatisierte Produktionssysteme) (!Vollständiger Verzicht auf Daten) (!Ausschließlich Handarbeit) (!Produktion ohne Qualitätskontrolle)




Wofür wird eine Traktionsbatterie im Elektroauto benötigt? (Zur Speicherung elektrischer Energie) (!Zur Reinigung von Abgasen) (!Zur Kühlung des Auspuffs) (!Zum Speichern von Benzin)




Warum ist Software für moderne Fahrzeuge wichtig? (Sie steuert zahlreiche Fahrzeugfunktionen und digitale Dienste) (!Sie ersetzt jede mechanische Komponente) (!Sie macht Sensoren überflüssig) (!Sie verhindert jede Vernetzung)




Was bedeutet Kreislaufwirtschaft im Fahrzeugbau? (Materialien und Bauteile möglichst lange im Nutzungskreislauf halten) (!Rohstoffe nach einmaliger Nutzung wegwerfen) (!Fahrzeuge nur im Kreis fahren lassen) (!Produktion ohne Recycling planen)




Welche Studienrichtung passt besonders zu Elektromotoren und Leistungselektronik? (Elektrotechnik) (!Archäologie) (!Literaturwissenschaft) (!Theaterwissenschaft)





Memory

Elektromobilität Batterie und Elektromotor
Brennstoffzelle Wasserstoff und elektrische Energie
Industrie 4.0 Vernetzte Produktion
Mechatronik Mechanik und Elektronik
Zulieferer Bauteile für Fahrzeughersteller
Kreislaufwirtschaft Wiederverwendung und Recycling
Hochvolttechnik Sicherheit bei elektrischen Antrieben





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Traktionsbatterie Energiespeicher im Elektroauto
Leistungselektronik Steuerung elektrischer Energie
Zulieferer Hersteller spezialisierter Komponenten
Automatisierung Technische Ausführung von Abläufen mit wenig direktem Eingriff
Weiterbildung Anpassung beruflicher Kompetenzen an neue Anforderungen




...


Kreuzworträtsel

Batterie Welches Bauteil speichert im Elektroauto elektrische Energie?
Robotik Welches Technikfeld ist für automatisierte Produktionsanlagen wichtig?
Zulieferer Wie nennt man ein Unternehmen das Teile an einen Hersteller liefert?
Software Was steuert viele digitale Fahrzeugfunktionen?
Wasserstoff Welcher Energieträger wird in Brennstoffzellen eingesetzt?
Recycling Wie heißt die Wiederaufbereitung von Materialien?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Baden-Württemberg besitzt ein dichtes

aus Herstellern, Zulieferern und weiteren Unternehmen. Der Wechsel zum batterieelektrischen Fahrzeug verändert besonders den

. In einem Elektroauto speichert die

elektrische Energie. Moderne Fabriken nutzen verstärkt digitale Daten und

. Für Beschäftigte gewinnt deshalb die berufliche

an Bedeutung. In der Fahrzeugentwicklung wird neben Mechanik immer mehr

benötigt. Wasserstoff kann in einer

in elektrische Energie umgewandelt werden. Eine nachhaltigere Produktion berücksichtigt auch die

.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Bauteilvergleich: Zeichne ein einfaches Schaubild mit den wichtigsten Komponenten eines Verbrenners und eines Elektroautos. Markiere, welche Teile nur bei einem der beiden Systeme vorkommen.
  2. Produktionsweg: Erstelle eine Bildfolge oder Infografik vom Rohmaterial bis zum fertigen Fahrzeug.
  3. Berufsprofil: Wähle einen Ausbildungsberuf aus der Automobilwirtschaft und stelle Tätigkeiten, benötigte Fähigkeiten und mögliche Veränderungen durch Elektromobilität vor.
  4. Ladesäulen-Erkundung: Untersuche in Deiner Umgebung, wo Elektroautos geladen werden können, und dokumentiere mindestens drei Standorte.


Standard

  1. Zulieferer-Fallstudie: Entwickle für das im Lerntext beschriebene Zulieferunternehmen einen Plan für die nächsten fünf Jahre.
  2. Antriebsvergleich: Vergleiche Batterie, Brennstoffzelle und synthetische Kraftstoffe nach Wirkungsgrad, Infrastruktur, Einsatzbereich und technischen Herausforderungen.
  3. Arbeitswelt im Wandel: Befrage eine Person aus Industrie, Handwerk, Ausbildung oder Studium dazu, welche Kompetenzen künftig wichtiger werden.
  4. Digitale Fabrik: Erstelle ein Poster, Video oder Modell, das zeigt, wie Sensoren, Roboter und Daten in einer modernen Autofabrik zusammenwirken.


Schwer

  1. Wertschöpfungsanalyse: Recherchiere, welche Teile eines Elektroautos in Baden-Württemberg entwickelt oder produziert werden, und stelle die Ergebnisse auf einer Karte dar.
  2. Standortentscheidung: Entwickle Kriterien für die Frage, ob eine neue Batteriefabrik in Baden-Württemberg gebaut werden sollte, und bewerte den Standort.
  3. Beschäftigungsszenario: Entwirf zwei unterschiedliche Szenarien für die Beschäftigung im Jahr 2035 und erkläre, welche Annahmen zu Deinen Ergebnissen führen.
  4. Mobilitätsprojekt: Entwickle ein Konzept für klimafreundlichere Mobilität in Deiner Stadt oder Gemeinde, bei dem Auto, öffentlicher Verkehr, Fahrrad und Sharing gemeinsam betrachtet werden.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Technologischer Zusammenhang: Erkläre, warum der Wechsel vom Verbrennungsmotor zum Elektroantrieb gleichzeitig Produktion, Zulieferer, Beschäftigung und Ausbildung verändert.
  2. Unternehmensentscheidung: Ein Zulieferer erzielt 70 Prozent seines Umsatzes mit Bauteilen für Verbrennungsmotoren. Entwickle zwei realistische Strategien für den Wandel und vergleiche ihre Risiken.
  3. Standort Baden-Württemberg: Beurteile, welche drei Standortfaktoren besonders wichtig sind, damit neue automobile Wertschöpfung im Land entsteht.
  4. Kompetenztransfer: Zeige an einem Beruf, welche bisherigen Fähigkeiten auch in der Elektromobilität nützlich bleiben und welche neu hinzukommen.
  5. Systembewertung: Begründe, warum die Klimawirkung eines Fahrzeugs nicht allein am Auspuff beurteilt werden kann.
  6. Internationale Konkurrenz: Analysiere, warum technologische Führungspositionen aus der Vergangenheit keine Garantie für zukünftigen wirtschaftlichen Erfolg sind.




Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zu diesem Thema solltest Du zeigen können, dass Du:

  1. die wirtschaftliche Bedeutung der Automobilindustrie für Baden-Württemberg erklären kannst.
  2. den Unterschied zwischen Fahrzeugherstellern, Zulieferern und weiteren Teilen des Automobilclusters kennst.
  3. beschreiben kannst, wie sich Produktion durch Digitalisierung und Automatisierung verändert.
  4. erklären kannst, warum Elektromobilität andere Bauteile und Qualifikationen benötigt.
  5. Batterieantrieb, Brennstoffzelle und synthetische Kraftstoffe sachlich vergleichen kannst.
  6. Chancen und Risiken des Strukturwandels für Beschäftigte und Unternehmen beurteilen kannst.
  7. passende Ausbildungs- und Studienwege mit neuen Technologien verbinden kannst.
  8. ökologische, technische und wirtschaftliche Kriterien gemeinsam in eine Bewertung einbeziehen kannst.
  9. ein begründetes Zukunftsszenario für die Automobilwirtschaft in Baden-Württemberg entwickeln kannst.




Quellen und Vertiefung

  1. e-mobil BW: Datencenter zur Automobilwirtschaft in Baden-Württemberg
  2. e-mobil BW: Strukturstudie BW 2023
  3. Statistisches Landesamt Baden-Württemberg
  4. Studieren in Baden-Württemberg
  5. Bundesagentur für Arbeit


OERs zum Thema



Verknüpfte Lernbereiche


aiMOOC-Projekte