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Die Arbeiterbewegung in Deutschland 1

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Die Arbeiterbewegung in Deutschland 1




Einleitung

Die Arbeiterbewegung in Deutschland entstand im Zusammenhang mit Industrialisierung, Urbanisierung und der Sozialen Frage. Immer mehr Menschen arbeiteten im 19. Jahrhundert als Lohnarbeiterinnen und Lohnarbeiter in Fabriken, Bergwerken, Werkstätten und im Transportwesen. Viele hatten kaum Einfluss auf Löhne, Arbeitszeiten oder Sicherheitsstandards. Krankheit, Unfall oder Arbeitslosigkeit konnten eine Familie schnell in existenzielle Not bringen.

Die Arbeiterbewegung war keine einzige Organisation. Sie bestand aus Arbeitervereinen, Gewerkschaften, politischen Parteien, Bildungsvereinen, Genossenschaften und unterschiedlichen sozialistischen, sozialdemokratischen, christlichen oder liberalen Strömungen. Gemeinsam war vielen von ihnen das Ziel, die wirtschaftliche, soziale und politische Lage arbeitender Menschen zu verbessern.

Bildimpuls: Die Montage zeigt mehrere bekannte Vertreter der frühen deutschen Arbeiterbewegung, darunter August Bebel, Wilhelm Liebknecht, Karl Marx, Carl Wilhelm Tölcke und Ferdinand Lassalle. Überlege: Warum können einzelne bekannte Personen eine Bewegung prägen, obwohl eine Massenbewegung von sehr vielen Menschen getragen wird?

Das Video führt in die Soziale Frage ein. Achte besonders darauf, welche Probleme durch die Industrialisierung entstanden und welche Lösungswege diskutiert wurden.


Arbeitsbedingungen in der Industrialisierung


Fabrikarbeit und soziale Frage

Die Industrielle Revolution veränderte Produktion und Alltag grundlegend. Maschinen ermöglichten größere Produktionsmengen, gleichzeitig verloren viele Beschäftigte die Kontrolle über Tempo und Ablauf ihrer Arbeit. In zahlreichen Betrieben waren Arbeitstage von zehn, zwölf oder noch mehr Stunden üblich. Schutzvorschriften waren zunächst schwach entwickelt. Lärm, Hitze, Staub, gefährliche Maschinen und fehlende Sicherungen erhöhten das Unfallrisiko.

Löhne konnten niedrig und unsicher sein. Wer krank wurde oder seine Arbeit verlor, hatte oft kein ausreichendes soziales Netz. Deshalb wurde die Frage, wie Armut, schlechte Arbeitsbedingungen und soziale Unsicherheit überwunden werden könnten, im 19. Jahrhundert als Soziale Frage bezeichnet.

Quellenhinweis: Adolph Menzels Gemälde Eisenwalzwerk entstand in den 1870er Jahren. Es ist keine neutrale Fotografie, sondern eine künstlerische Darstellung industrieller Arbeit. Trotzdem kannst Du daran Arbeitsumgebung, körperliche Belastung, Arbeitsteilung und soziale Unterschiede untersuchen.


Wohnen und Alltag

Mit dem schnellen Wachstum der Industriestädte entstand großer Bedarf an billigem Wohnraum. Arbeiterfamilien lebten häufig in kleinen, dicht belegten Wohnungen. In manchen Großstadtquartieren mussten sich mehrere Personen wenige Räume teilen. Schlechte Belüftung, mangelnde Hygiene und hohe Mietbelastungen konnten die Lebensbedingungen zusätzlich verschärfen.

Quellenfrage: Welche Informationen über Wohnverhältnisse kann ein historisches Foto vermitteln? Welche Informationen fehlen Dir, um die Lebenslage der Bewohnerinnen und Bewohner wirklich beurteilen zu können?


Frauen und Kinderarbeit

Auch Frauen und Kinder trugen zum Familieneinkommen bei. Arbeiterinnen waren unter anderem in der Textil-, Bekleidungs-, Nahrungsmittel- und Heimindustrie beschäftigt und erhielten häufig geringere Löhne als Männer. Zusätzlich blieb Haus- und Sorgearbeit meist an Frauen hängen. Kinderarbeit wurde im Verlauf des 19. Jahrhunderts schrittweise eingeschränkt, verschwand aber nicht sofort.

Während des Ersten Weltkriegs übernahmen Frauen in größerem Umfang Tätigkeiten in Bereichen, in denen zuvor überwiegend Männer beschäftigt gewesen waren.

Die Arbeiterbewegung war lange stark männlich geprägt. Gleichzeitig beteiligten sich Arbeiterinnen an Streiks, Bildungsarbeit und politischen Organisationen. Persönlichkeiten wie Clara Zetkin verbanden soziale Forderungen mit Forderungen nach politischen Rechten und Gleichberechtigung.


Organisation: Gemeinsam statt allein


Frühe Zusammenschlüsse

Einzelne Beschäftigte hatten gegenüber Unternehmern meist wenig Verhandlungsmacht. Deshalb entstanden Zusammenschlüsse, die Unterstützung, Bildung und politische Vertretung organisierten. Während der Revolution von 1848/49 entwickelte sich mit der Allgemeinen Deutschen Arbeiterverbrüderung unter anderem eine frühe überregionale Arbeiterorganisation.

Die Zeitung Das Volk war 1848 ein Organ des Berliner Zentralkomitees der Arbeiter. Zeitungen, Flugblätter und Versammlungen waren für die Bewegung wichtig, weil sich Arbeiter über Forderungen informieren und miteinander vernetzen konnten.


Parteien und Gewerkschaften

1863 entstand unter maßgeblichem Einfluss von Ferdinand Lassalle der Allgemeine Deutsche Arbeiterverein (ADAV). 1869 gründeten August Bebel und Wilhelm Liebknecht mit anderen die Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP). 1875 vereinigten sich ADAV und SDAP zur Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (SAP), die sich 1890 in Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) umbenannte.

Parallel entstanden Gewerkschaften. Sie wollten Beschäftigte im Arbeitsleben organisieren, gemeinsame Forderungen stellen, Streiks vorbereiten und Mitglieder im Konfliktfall unterstützen. Streikkassen konnten Familien helfen, wenn während eines Arbeitskampfes kein Lohn gezahlt wurde. Neben den sozialdemokratisch geprägten freien Gewerkschaften gab es auch christliche und liberale gewerkschaftliche Strömungen.

Wichtig: Partei und Gewerkschaft sind nicht dasselbe. Eine Partei versucht politische Entscheidungen und Gesetze zu beeinflussen. Eine Gewerkschaft vertritt vor allem Interessen von Beschäftigten in der Arbeitswelt.

Die Dokumentation betrachtet die Arbeiterbewegung in einem breiteren europäischen Zusammenhang. Vergleiche beim Anschauen, welche Entwicklungen sich auf Deutschland übertragen lassen und welche nicht.


Repression und Sozialpolitik im Kaiserreich


Sozialistengesetz

Reichskanzler Otto von Bismarck betrachtete die wachsende Sozialdemokratie als Gefahr für die bestehende monarchische Ordnung. Das von 1878 bis 1890 geltende Sozialistengesetz verbot sozialistische und sozialdemokratische Vereine, Versammlungen und Schriften, wenn sie als gegen die bestehende Staats- und Gesellschaftsordnung gerichtet galten. Zahlreiche Organisationen und Zeitungen wurden aufgelöst oder verboten.

Sozialdemokratische Politiker konnten jedoch weiterhin als Einzelpersonen für den Reichstag kandidieren. Die parlamentarische Vertretung verschwand deshalb nicht vollständig. Das Gesetz schwächte die Bewegung organisatorisch, beseitigte sie aber nicht.

Methodentipp: Eine Karikatur will zuspitzen und überzeugen. Frage bei der Analyse immer: Wer wird dargestellt? Welche Symbole werden benutzt? Welche politische Haltung steckt dahinter?


Sozialversicherung: Reform und politische Strategie

Bismarcks Regierung reagierte nicht nur mit Repression. Sie führte zugleich staatliche Sozialversicherungen ein. 1883 kam die gesetzliche Krankenversicherung für große Teile der Arbeiterschaft, 1884 die Unfallversicherung und 1889 die Invaliditäts- und Altersversicherung.

Diese Gesetze verbesserten die Absicherung gegen wichtige Lebensrisiken, lösten aber nicht alle Probleme der Arbeitswelt. Arbeitszeit, Lohnhöhe, Mitbestimmung und politische Gleichberechtigung blieben umkämpft. Bismarck wollte mit den Sozialgesetzen außerdem die Bindung der Arbeiter an den Staat stärken und den Einfluss der Sozialdemokratie begrenzen.

Darum wird Bismarcks Politik häufig als Verbindung von Repression und Sozialreform beschrieben. Der Aufbau sozialer Rechte war also weder ein Geschenk einer einzelnen Regierung noch ausschließlich das Werk der Arbeiterbewegung. Er entstand aus sozialen Konflikten, politischem Druck, staatlichen Reformen und langfristigen gesellschaftlichen Veränderungen.


Vom Arbeitskampf zum sozialen Recht


Streik, Solidarität und Arbeitszeit

Der Streik wurde zu einem wichtigen Mittel, um Forderungen durchzusetzen. Beschäftigte legten gemeinsam die Arbeit nieder, um Druck auf Unternehmer auszuüben. Das war riskant: Während eines Streiks fehlte Lohn, und je nach Zeit und Ort drohten Entlassungen, Aussperrungen oder staatliche Eingriffe.

Ein bekanntes Beispiel ist der Textilarbeiterstreik von Crimmitschau 1903/04. Die Beschäftigten verlangten unter anderem kürzere Arbeitszeiten und bessere Löhne. Der Konflikt zeigte, dass die Frage der Arbeitszeit inzwischen weit über einzelne Betriebe hinaus politische Bedeutung hatte.

Auch der 1. Mai entwickelte sich seit 1890 zu einem internationalen Demonstrations- und Aktionstag der Arbeiterbewegung. Eine zentrale Forderung war lange der Achtstundentag.


Der Achtstundentag 1918

Am Ende des Ersten Weltkriegs änderten sich die politischen Kräfteverhältnisse grundlegend. Im November 1918 erkannten die Arbeitgeberverbände im Stinnes-Legien-Abkommen die Gewerkschaften als Vertretung der Arbeiterschaft an. Der Achtstundentag wurde vereinbart und kurz darauf staatlich geregelt.

Der Achtstundentag war ein großer Erfolg, blieb aber umkämpft. Schon in der Weimarer Republik kam es zu Auseinandersetzungen über Ausnahmen und Verlängerungen der Arbeitszeit. Soziale Rechte sind historisch also nicht einfach einmal erreicht und danach unveränderlich.


Demokratie, Diktatur und Neubeginn

Die Weimarer Republik stärkte wichtige Rechte von Beschäftigten und Organisationen. Die Verfassung garantierte die Koalitionsfreiheit, also das Recht, Vereinigungen zur Wahrung wirtschaftlicher und sozialer Interessen zu bilden. Gewerkschaften und Tarifverträge gewannen an Bedeutung, und Betriebsräte wurden gesetzlich verankert.

1933 zerstörte die nationalsozialistische Diktatur die freie Arbeiterbewegung. Am 2. Mai wurden freie Gewerkschaften zerschlagen, ihr Vermögen beschlagnahmt und viele Funktionäre verfolgt. An ihre Stelle trat die staatlich kontrollierte Deutsche Arbeitsfront. Freie Interessenvertretung und eigenständige Tarifpolitik waren mit der Diktatur unvereinbar.

Nach 1945 wurden Gewerkschaften neu aufgebaut. In Westdeutschland entstand 1949 der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB). Das Grundgesetz schützt in Artikel 9 Absatz 3 die Koalitionsfreiheit. In der DDR hatte der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund (FDGB) dagegen eine eng in das politische System eingebundene Rolle und war keine unabhängige Gegenmacht zu Staat und Betrieben wie freie Gewerkschaften in einer pluralistischen Demokratie.

Mitbestimmung, Tarifautonomie, Arbeitsschutz und Sozialversicherung gehören heute zu den Grundelementen der deutschen Arbeits- und Sozialordnung. Ihre konkrete Ausgestaltung bleibt jedoch Gegenstand politischer und gesellschaftlicher Aushandlung.


Orientierung: wichtige Stationen

Zeitraum Entwicklung Bedeutung
1848 Allgemeine Deutsche Arbeiterverbrüderung Frühe überregionale Organisation von Arbeitern
1863 Gründung des ADAV Politische Organisation der Arbeiterbewegung
1869 Gründung der SDAP Neue sozialdemokratische Parteiorganisation
1875 Vereinigung zur SAP Bündelung wichtiger sozialdemokratischer Kräfte
1878–1890 Sozialistengesetz Repression gegen sozialistische Organisationen
1883–1889 Aufbau staatlicher Sozialversicherungen Absicherung gegen Krankheit, Unfall, Invalidität und Alter
1890 Name SPD und erster internationaler Maifeiertag Neue Phase legaler Organisation und öffentlicher Mobilisierung
1903/04 Textilarbeiterstreik in Crimmitschau Arbeitszeit wird zum überregionalen Konfliktthema
1918 Anerkennung der Gewerkschaften und Achtstundentag Bedeutender sozialpolitischer Durchbruch
1933 Zerschlagung der freien Gewerkschaften Ende unabhängiger Interessenvertretung in der NS-Diktatur
ab 1949 DGB in Westdeutschland und Koalitionsfreiheit im Grundgesetz Gewerkschaftliche Organisation erhält demokratischen Verfassungsrahmen


Was blieb langfristig?

Die Geschichte der Arbeiterbewegung zeigt, dass soziale Rechte meist durch längere Konflikte, Organisation und politische Entscheidungen entstehen. Arbeiterinnen und Arbeiter gründeten Vereine, Parteien und Gewerkschaften, sammelten Geld für Streikkassen, veröffentlichten Zeitungen, demonstrierten und verhandelten. Gleichzeitig reagierten Staaten und Unternehmer mit einer Mischung aus Ablehnung, Repression, Verhandlung und Reform.

Merksatz: Soziale Rechte sind das Ergebnis historischer Aushandlungsprozesse. Die Arbeiterbewegung war dabei ein wichtiger Akteur, aber nicht der einzige.

Für die Gegenwart ist außerdem wichtig: Das Recht, sich zur Wahrung von Arbeits- und Wirtschaftsbedingungen zusammenzuschließen, gehört in Deutschland zur demokratischen Verfassungsordnung. Die Geschichte von 1933 macht deutlich, wie eng freie Gewerkschaften, politische Freiheit und Demokratie miteinander verbunden sein können.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Was war ein zentrales Ziel der Arbeiterbewegung? (Verbesserung der Arbeits und Lebensbedingungen) (!Abschaffung aller Fabriken) (!Wiedereinführung der Leibeigenschaft) (!Verbot aller politischen Parteien)




Welches Problem gehörte zur Sozialen Frage des 19. Jahrhunderts? (Soziale Unsicherheit bei Krankheit und Arbeitslosigkeit) (!Ein Überangebot an gesetzlichem Urlaub) (!Eine allgemeine Vier Tage Woche) (!Kostenlose Krankenversicherung für alle)




Welche Organisation wurde 1863 unter maßgeblichem Einfluss Ferdinand Lassalles gegründet? (Allgemeiner Deutscher Arbeiterverein) (!Deutscher Gewerkschaftsbund) (!Deutsche Arbeitsfront) (!Freier Deutscher Gewerkschaftsbund)




Welche Aufgabe gehört besonders zu Gewerkschaften? (Interessen von Beschäftigten gemeinsam vertreten) (!Gerichte ersetzen) (!Reichstagswahlen organisieren) (!Unternehmen verstaatlichen)




Was bewirkte das Sozialistengesetz von 1878? (Es verbot viele sozialistische Organisationen Versammlungen und Schriften) (!Es führte den Achtstundentag ein) (!Es gründete den Deutschen Gewerkschaftsbund) (!Es schaffte die Sozialversicherung ab)




Welche Sozialversicherung wurde 1883 eingeführt? (Krankenversicherung) (!Arbeitslosenversicherung) (!Pflegeversicherung) (!Angestelltenversicherung)




Welche Sozialversicherung folgte 1884? (Unfallversicherung) (!Pflegeversicherung) (!Arbeitslosenversicherung) (!Studienversicherung)




Welche Absicherung wurde 1889 gesetzlich eingeführt? (Invaliditäts und Altersversicherung) (!Pflege und Ausbildungsversicherung) (!Arbeitslosen und Reiseversicherung) (!Wohnungs und Studienversicherung)




Welche Forderung wurde im November 1918 zu einem wichtigen sozialen Erfolg? (Achtstundentag) (!Zwölfstundentag) (!Verbot von Tarifverträgen) (!Auflösung aller Gewerkschaften)




Was geschah am 2. Mai 1933 mit den freien Gewerkschaften? (Sie wurden von den Nationalsozialisten zerschlagen) (!Sie erhielten vollständige politische Unabhängigkeit) (!Sie gründeten den Deutschen Gewerkschaftsbund) (!Sie übernahmen die Reichsregierung)





Memory

Industrialisierung Fabrikarbeit
Gewerkschaft Tarifverhandlung
Streik Arbeitsniederlegung
ADAV Lassalle
Sozialistengesetz Repression
Krankenversicherung Risikoschutz
Achtstundentag Arbeitszeitverkürzung





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Funktion
Gewerkschaft Tarifverhandlung
Partei Parlamentsarbeit
Streikkasse Streikunterstützung
Sozialversicherung Risikoschutz
Betriebsrat Mitbestimmung






Kreuzworträtsel

Gewerkschaft Wie heißt eine Organisation zur gemeinsamen Interessenvertretung von Beschäftigten?
Streik Wie heißt eine organisierte gemeinsame Arbeitsniederlegung?
Lassalle Welcher Politiker prägte die Gründung des ADAV?
Bebel Welcher Sozialdemokrat gründete gemeinsam mit Liebknecht die SDAP?
Sozialversicherung Wie heißt das System zur Absicherung wichtiger sozialer Lebensrisiken?
Achtstundentag Wie heißt die lange umkämpfte Begrenzung der täglichen Arbeitszeit?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Die tiefgreifende Veränderung von Produktion und Arbeitswelt im 19. Jahrhundert wird als

bezeichnet. Die Probleme von Armut, unsicheren Arbeitsverhältnissen und fehlender Absicherung wurden als

diskutiert. Beschäftigte schlossen sich zur gemeinsamen Vertretung ihrer Interessen in

zusammen. Der 1863 gegründete Arbeiterverein hieß abgekürzt

. Von 1878 bis 1890 erschwerte das

die Arbeit sozialistischer Organisationen. Im Jahr 1883 wurde die gesetzliche

eingeführt. Ein Jahr später folgte die

. Im November 1918 wurde der

zu einem wichtigen sozialpolitischen Erfolg. Das Grundgesetz schützt das Recht zur Bildung von Vereinigungen für Arbeits und Wirtschaftsbedingungen als

. Die Zerschlagung freier Gewerkschaften 1933 war Teil der nationalsozialistischen

.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Bildanalyse Eisenwalzwerk: Untersuche Menzels Gemälde. Beschreibe Arbeitsräume, Körperhaltungen, Kleidung und Gefahren. Trenne Beobachtung und Deutung deutlich voneinander.
  2. Begriffsnetz Soziale Frage: Erstelle ein Begriffsnetz mit den Begriffen Arbeitszeit, Lohn, Wohnen, Krankheit, Unfall, Familie und soziale Sicherung.
  3. Tagebuch einer Arbeiterfamilie: Schreibe einen fiktiven Tagebucheintrag aus der Zeit um 1880. Nutze mindestens fünf historische Informationen aus dem Lerntext.
  4. Mini-Zeitstrahl: Gestalte einen Zeitstrahl mit acht Stationen von 1848 bis 1918 und ergänze zu jeder Station einen kurzen Bedeutungssatz.


Standard

  1. Karikatur und Gesetz: Analysiere die Karikatur zum Sozialistengesetz und vergleiche ihre Botschaft mit den tatsächlichen Wirkungen des Gesetzes.
  2. Rollenspiel Arbeitskampf: Verteilt die Rollen Beschäftigte, Unternehmer, Gewerkschaft, Regierung und Presse. Verhandelt über eine Verkürzung der Arbeitszeit und wertet anschließend die Interessen aller Beteiligten aus.
  3. Fallstudie Lebensrisiko: Entwickle drei kurze Fallbeispiele zu Krankheit, Arbeitsunfall und Alter. Erkläre, warum Sozialversicherung für Arbeiterfamilien eine große Veränderung bedeutete.
  4. Arbeiterinnen sichtbar machen: Recherchiere die Arbeitsbedingungen von Frauen in einem Industriezweig des Kaiserreichs und gestalte ein digitales Informationsplakat mit Quellenangaben.


Schwer

  1. Debatte von 1918: Untersuche, warum Arbeitgeber und Gewerkschaften im November 1918 zu einer Vereinbarung bereit waren. Formuliere aus beiden Perspektiven Chancen und Risiken.
  2. Historischer Rechtevergleich: Vergleiche die Lage von Gewerkschaften unter dem Sozialistengesetz, in der Weimarer Republik, im Nationalsozialismus und unter dem Grundgesetz.
  3. Spurensuche vor Ort: Suche in einem Stadtarchiv, einer Bibliothek oder einer digitalen Sammlung nach Spuren der lokalen Arbeiterbewegung. Dokumentiere einen Betrieb, Streik, Arbeiterverein oder ein Gewerkschaftshaus.
  4. Eigenes Erklärvideo: Produziere ein drei- bis fünfminütiges Video zur Leitfrage: Wie wurden aus schlechten Arbeitsbedingungen soziale Rechte? Verwende mindestens zwei historische Quellen und kennzeichne Deutungen als solche.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Ursache und Reaktion: Erkläre an einem selbst gewählten Beispiel, wie eine Veränderung der Industrialisierung zu einer neuen Form der Arbeiterorganisation führte.
  2. Repression und Reform: Beurteile die These, Bismarcks Politik gegenüber der Arbeiterbewegung habe gleichzeitig bekämpfen und integrieren wollen. Begründe mit mindestens drei historischen Belegen.
  3. Mittel der Interessenvertretung: Vergleiche Streik, gewerkschaftliche Verhandlung und parlamentarische Arbeit. Erkläre, warum eine Bewegung unterschiedliche Mittel einsetzen kann.
  4. Erfolg oder Zwischenstand: Zeige am Achtstundentag, warum ein erreichtes Recht trotzdem weiter umkämpft bleiben kann.
  5. Freiheit und Organisation: Erkläre, warum die Zerschlagung freier Gewerkschaften 1933 nicht nur ein arbeitsrechtlicher, sondern auch ein demokratiegeschichtlicher Einschnitt war.
  6. Transfer in die Gegenwart: Wähle eine heutige Form unsicherer Beschäftigung und prüfe, welche historischen Instrumente der Arbeiterbewegung dort weiterhin relevant sein könnten und wo neue Lösungen nötig wären.




Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du nicht nur Jahreszahlen kennst, sondern historische Zusammenhänge erklären und Quellen kritisch auswerten kannst.

  1. Arbeitsbedingungen: Du kannst zentrale Belastungen der industriellen Arbeitswelt erklären und ihre Folgen für Familien beschreiben.
  2. Organisation: Du kannst Arbeiterverein, Partei und Gewerkschaft unterscheiden und ihre jeweiligen Aufgaben erläutern.
  3. Sozialistengesetz: Du kannst erklären, wie staatliche Repression die Arbeiterbewegung begrenzte und warum sie trotzdem weiterbestand.
  4. Sozialgesetzgebung: Du kannst Kranken-, Unfall- sowie Invaliditäts- und Altersversicherung historisch einordnen.
  5. Arbeitskampf: Du kannst die Bedeutung von Streik, Solidarität und Streikkassen für gemeinsame Interessenvertretung erklären.
  6. Achtstundentag: Du kannst den Weg von einer Forderung zu einem sozialen Recht am Beispiel von 1918 nachvollziehen.
  7. Demokratie: Du kannst den Zusammenhang zwischen Koalitionsfreiheit, freien Gewerkschaften und demokratischer Ordnung beurteilen.
  8. Quellenkritik: Du kannst Gemälde, Fotografien, Karikaturen, Gesetzestexte und politische Medien hinsichtlich Perspektive und Aussagewert vergleichen.




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