Die Salier – Kaisertum und Konflikte um kirchliche Macht

Die Salier – Kaisertum und Konflikte um kirchliche Macht
Einleitung
Die Salier herrschten von 1024 bis 1125 über das römisch-deutsche Königtum. Vier salische Herrscher prägten diese Zeit besonders: Konrad II., Heinrich III., Heinrich IV. und Heinrich V.. Ihre Regierungszeit gehört zum Hochmittelalter. Sie war von großen Herrschaftsansprüchen, religiösen Reformbewegungen und heftigen Konflikten zwischen Königtum und Papsttum geprägt.
Wenn hier von „Deutschland“ gesprochen wird, musst Du vorsichtig sein: Einen deutschen Nationalstaat wie heute gab es im 11. Jahrhundert noch nicht. Die salischen Könige herrschten über ein großes, politisch vielfältiges Reich nördlich und südlich der Alpen. In der Geschichtswissenschaft wird dafür häufig der Begriff römisch-deutsches Reich verwendet. Zum Herrschaftsbereich gehörten Gebiete des heutigen Deutschlands, Österreichs, der Schweiz, Italiens, Frankreichs, Belgiens, der Niederlande und weiterer heutiger Staaten.
Im Mittelpunkt dieses aiMOOCs steht eine Frage, die im Mittelalter von größter Bedeutung war: Wer durfte bestimmen, wer Bischof oder Abt wurde – der König beziehungsweise Kaiser oder die Kirche? Aus dieser Auseinandersetzung entwickelte sich der Investiturstreit. Besonders bekannt wurde der Konflikt zwischen König Heinrich IV. und Papst Gregor VII. sowie Heinrichs Gang nach Canossa im Jahr 1077.

Die mittelalterliche Darstellung zeigt die salische Herrscherfamilie. Solche Bilder sind keine Fotografien, sondern politische und religiöse Darstellungen von Herrschaft. Sie müssen deshalb als historische Quellen kritisch gelesen werden.
Das Video von Terra X History führt in das 11. Jahrhundert, den Investiturstreit und den Gang nach Canossa ein.
Lernziele
Nach diesem aiMOOC kannst Du erklären, wie die Salier ihre Herrschaft organisierten, warum Bischöfe für Könige politisch wichtig waren und weshalb die Reformbewegung der Kirche die bestehende Ordnung herausforderte. Du kannst den Verlauf des Investiturstreits in Grundzügen darstellen, den Gang nach Canossa historisch einordnen und erklären, warum das Wormser Konkordat von 1122 einen Kompromiss zwischen geistlicher und weltlicher Macht darstellte.
Außerdem lernst Du, zwischen einem König und einem Kaiser zu unterscheiden. Das ist bei Heinrich IV. besonders wichtig: Als er 1077 nach Canossa ging, war er römisch-deutscher König. Zum Kaiser wurde er erst 1084 gekrönt.
Die Salier im Überblick
1024 starb Kaiser Heinrich II. aus dem Herrschergeschlecht der Ottonen ohne direkten männlichen Erben. Die Großen des Reiches wählten daraufhin Konrad II. zum König. Damit begann die Herrschaft der Salier.
Konrad II. wurde 1027 in Rom zum Kaiser gekrönt. Ihm folgten sein Sohn Heinrich III., sein Enkel Heinrich IV. und sein Urenkel Heinrich V. Mit dem Tod Heinrichs V. im Jahr 1125 endete die salische Herrscherlinie im Mannesstamm.
Ein mittelalterlicher König konnte nicht einfach wie ein moderner Regierungschef über einen festen Staatsapparat verfügen. Herrschaft beruhte auf persönlichen Bindungen, Besitz, Reisen, Verhandlungen, militärischer Macht, religiöser Anerkennung und der Zusammenarbeit mit Fürsten, Bischöfen, Äbten und anderen Großen des Reiches.

Das Relief im Speyerer Dom erinnert an die vier salischen Kaiser Konrad II., Heinrich III., Heinrich IV. und Heinrich V. Der Speyerer Dom wurde zu einem besonders wichtigen Erinnerungsort der Dynastie.
Konrad II.: Beginn der salischen Herrschaft
Konrad II. wurde 1024 zum König gewählt und 1027 zum Kaiser gekrönt. Unter ihm festigte sich die salische Herrschaft. 1032/33 fiel auch das Königreich Burgund, häufig als Arelat bezeichnet, an den Herrschaftsverband des Reiches. Damit umfasste das Reich große Gebiete nördlich der Alpen, Reichsitalien und Burgund.
Konrad II. ließ den Ausbau des Doms zu Speyer beginnen. Der Dom wurde eng mit der salischen Dynastie verbunden und entwickelte sich zu einer bedeutenden Grablege.

Die Darstellung Konrads II. stammt aus dem Mittelalter. Insignien wie Krone und Reichsapfel sollten Herrschaft sichtbar machen und waren wichtige politische Symbole.
Heinrich III.: König, Kaiser und Kirche
Unter Heinrich III. erreichte die salische Königsmacht einen Höhepunkt. Er griff stark in kirchliche Angelegenheiten ein und setzte Bischöfe ein, die zugleich wichtige Aufgaben für das Reich übernahmen.
1046 griff Heinrich III. in eine schwere Krise des Papsttums ein. In Rom konkurrierten mehrere Männer um das Papstamt. Nach Synoden und Amtsverlusten rivalisierender Päpste wurde Suidger von Bamberg als Papst Clemens II. gewählt. Clemens II. krönte Heinrich III. anschließend zum Kaiser.
Für Heinrich III. war die starke Verbindung zwischen Königtum und Kirche selbstverständlich. Genau diese Vorstellung wurde wenig später von der kirchlichen Reformbewegung zunehmend infrage gestellt.

Herrschaft mit Hilfe der Kirche
Bischöfe und Äbte waren im 11. Jahrhundert nicht nur religiöse Amtsträger. Viele verfügten über Land, Einkünfte und politische Rechte. Sie berieten den König, verwalteten Besitz, stellten militärische Unterstützung bereit und konnten wichtige Aufgaben im Reich übernehmen.
In Schulbüchern wird diese enge Zusammenarbeit häufig als Reichskirchensystem bezeichnet. Der Begriff ist nützlich, darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Beziehungen zwischen König, Bischöfen, Klöstern und Fürsten sehr unterschiedlich und von Verhandlungen abhängig waren.
Ein wichtiger Begriff ist die Investitur. Damit ist die Einsetzung in ein Amt gemeint. Bei Bischöfen und Äbten war besonders umstritten, ob ein weltlicher Herrscher bei dieser Einsetzung eine entscheidende Rolle spielen durfte.
Das Problem war grundlegend: Ein Bischof war zugleich Geistlicher und politisch mächtiger Herr. Deshalb betraf die Frage seiner Einsetzung sowohl die Kirche als auch die weltliche Herrschaft.
Kirchenreform und neue Ansprüche des Papsttums
Im 10. und 11. Jahrhundert entstanden starke Reformbewegungen innerhalb der westlichen Kirche. Reformkräfte wandten sich unter anderem gegen Simonie, also den Kauf oder Verkauf kirchlicher Ämter, und gegen die zu starke Abhängigkeit kirchlicher Amtsträger von weltlichen Herren.
Viele Reformer verlangten eine größere Eigenständigkeit der Kirche. Besonders wichtig wurde die Frage, wer Bischöfe einsetzen durfte. Die sogenannte Laieninvestitur – also die Einsetzung eines Geistlichen durch einen weltlichen Herrscher – geriet zunehmend in die Kritik.
1073 wurde Hildebrand von Soana Papst und nahm den Namen Gregor VII. an. Er vertrat einen starken päpstlichen Führungsanspruch und geriet dadurch in einen grundlegenden Konflikt mit König Heinrich IV.

Diese Darstellung Gregors VII. stammt aus einer Handschrift des 12. Jahrhunderts. Auch hier zeigt das Bild nicht einfach das tatsächliche Aussehen des Papstes, sondern stellt sein Amt und seine Würde heraus.
Heinrich IV. und der Investiturstreit
Heinrich IV. wurde 1050 geboren und war beim Tod seines Vaters Heinrich III. im Jahr 1056 noch ein Kind. Während seiner Minderjährigkeit führten andere Personen die Regierung. Als Heinrich selbstständig herrschte, musste er sich unter anderem mit Aufständen mächtiger Fürsten und Konflikten in Sachsen auseinandersetzen.
Gleichzeitig verschärfte sich der Streit mit Papst Gregor VII. Heinrich wollte weiterhin Einfluss auf die Besetzung wichtiger Bischofsämter nehmen. Gregor VII. sah darin eine unzulässige Einmischung weltlicher Macht in kirchliche Angelegenheiten.
Der Konflikt eskalierte 1076. Heinrich ließ auf einer Versammlung in Worms die Autorität Gregors VII. zurückweisen und forderte ihn zum Rücktritt auf. Gregor reagierte mit dem Kirchenbann: Heinrich wurde exkommuniziert. Zugleich stellte der Papst die Bindung der christlichen Untertanen an den gebannten König infrage.
Für Heinrich war das äußerst gefährlich. Mehrere Fürsten des Reiches nutzten die Situation, um politischen Druck auf ihn auszuüben. Ein religiöser Konflikt wurde damit unmittelbar zu einem Machtkampf im Reich.

Die mittelalterliche Darstellung zum Investiturstreit zeigt, wie eng religiöse und politische Macht in den zeitgenössischen Vorstellungen miteinander verbunden waren.
Dieses Erklärvideo konzentriert sich auf Heinrich IV., die Salier und die zentralen Stationen des Investiturstreits.
Was bedeutete der Kirchenbann?
Eine Exkommunikation schloss einen Menschen aus der kirchlichen Gemeinschaft aus. Für einen mittelalterlichen Herrscher war dies nicht nur eine persönliche religiöse Strafe. Königliche Herrschaft wurde religiös begründet und öffentlich als Teil einer christlichen Ordnung verstanden.
Deshalb konnten politische Gegner argumentieren, ein gebannter König habe seine besondere religiöse Legitimation verloren. Der Bann schwächte Heinrich IV. also auch politisch.
Das zeigt einen wichtigen Zusammenhang: Im Mittelalter lassen sich Religion und Politik nicht einfach voneinander trennen. Der Streit zwischen Heinrich und Gregor war zugleich ein Streit über die Ordnung der Kirche, die Legitimation von Herrschaft und die Frage, wer in der christlichen Welt über wen verfügen durfte.
Der Gang nach Canossa
Im Winter 1076/77 zog Heinrich IV. über die Alpen nach Italien. Papst Gregor VII. hielt sich auf der Burg Canossa auf, die unter dem Schutz der mächtigen Markgräfin Mathilde von Tuszien stand.
Heinrich wollte vom Kirchenbann gelöst werden. Ende Januar 1077 vollzog er vor Canossa eine öffentliche Buße. Die Quellen berichten von einem mehrtägigen Warten. Spätere Darstellungen machten daraus häufig das besonders dramatische Bild eines barfüßigen Königs im Schnee.
Gregor VII. nahm Heinrich wieder in die kirchliche Gemeinschaft auf. Damit war der Bann zunächst aufgehoben.

Dieses Bild entstand viele Jahrhunderte nach dem Ereignis. Es eignet sich deshalb besonders für eine quellenkritische Frage: Zeigt es, wie Canossa wirklich aussah – oder wie sich Menschen später Canossa vorstellen wollten?
Niederlage oder kluger Schachzug?
Der Gang nach Canossa wurde lange vor allem als Demütigung des Königs gedeutet. Tatsächlich musste Heinrich öffentlich Buße leisten und Gregor um Vergebung bitten.
Politisch gewann Heinrich dadurch aber zugleich Handlungsspielraum zurück. Solange er gebannt war, konnten seine Gegner im Reich leichter gegen ihn vorgehen. Nach der Lösung vom Bann war ihre Lage schwieriger.
Canossa war deshalb weder einfach ein vollständiger Sieg des Papstes noch das Ende Heinrichs. Es war ein spektakulärer Moment in einem viel längeren Machtkampf.
Die Redewendung „Gang nach Canossa“ wird heute noch verwendet, wenn jemand sich nach einem Konflikt demütigen, entschuldigen oder um Verzeihung bitten muss. Historisch sollte man jedoch beachten, dass Heinrichs Buße auch eine politische Strategie war.
Die ZDF-Dokumentation „Heinrich und der Papst“ behandelt den Konflikt zwischen Heinrich IV. und Gregor VII. ausführlicher und eignet sich besonders zur Vertiefung.
Der Konflikt geht nach Canossa weiter
Der Gang nach Canossa beendete den Investiturstreit nicht. Gegner Heinrichs wählten 1077 Rudolf von Rheinfelden zum Gegenkönig. Damit wurde aus der kirchenpolitischen Krise auch ein offener innerer Machtkampf.
Gregor VII. bannte Heinrich 1080 erneut. Heinrich unterstützte daraufhin Wibert von Ravenna, der als Gegenpapst Clemens III. auftrat. 1084 ließ sich Heinrich in Rom von Clemens III. zum Kaiser krönen.
Gregor VII. musste Rom verlassen und starb 1085 im Exil. Der Streit über das Verhältnis von geistlicher und weltlicher Macht war damit aber noch lange nicht beendet.
An dieser Stelle ist die Unterscheidung zwischen König und Kaiser besonders wichtig: 1077 in Canossa war Heinrich IV. noch König. Erst 1084 erhielt er die Kaiserkrönung.
Heinrich V. und das Wormser Konkordat
Auch Heinrich V., der Sohn Heinrichs IV., geriet in Konflikte mit dem Papsttum. Zuvor hatte er sich gegen seinen eigenen Vater gestellt und dessen Herrschaft 1105 entscheidend beendet. Nach Heinrichs IV. Tod 1106 regierte Heinrich V. allein.
Der Investiturkonflikt wurde schließlich 1122 durch eine Vereinbarung zwischen Heinrich V. und Papst Calixt II. beigelegt: das Wormser Konkordat.
Der Kompromiss unterschied stärker zwischen der geistlichen und der weltlichen Seite eines Bischofsamtes. Der Kaiser verzichtete auf die geistliche Investitur mit Ring und Stab. Die kirchliche Wahl und Weihe wurden als Aufgabe der Kirche anerkannt. Zugleich behielt der Herrscher Einfluss auf die Übertragung weltlicher Rechte und Besitzungen.
Der Konflikt war damit nicht so gelöst, dass eine Seite vollständig gewonnen hätte. Das Wormser Konkordat war ein Kompromiss. Es trennte geistliche und weltliche Zuständigkeiten deutlicher, ohne Politik und Kirche vollständig voneinander zu lösen.

Die mittelalterliche Darstellung Heinrichs V. zeigt den Herrscher mit einem Reichsapfel. Solche Herrschaftszeichen machten seinen Anspruch auf weltliche Macht sichtbar.
Der Speyerer Dom und die Erinnerung an die Salier
Der Speyerer Dom gehört zu den bedeutendsten Bauwerken der romanischen Architektur. Konrad II. ließ den Bau im 11. Jahrhundert beginnen. Unter seinen Nachfolgern wurde er erweitert.
Der Dom war nicht nur eine Kirche. Er war zugleich ein politischer Erinnerungsort der salischen Herrschaft. Mehrere salische Herrscher wurden dort bestattet.

Die Krypta als Grablege
Die Krypta des Speyerer Doms wurde zu einer bedeutenden Grablege mittelalterlicher Könige und Kaiser. Hier wird besonders deutlich, wie Herrschaft, Religion und dynastische Erinnerung zusammenwirkten.

Ein Herrscher konnte seine Macht nicht nur durch Gesetze oder Kriege zeigen. Kirchenbauten, Grabstätten, Rituale, Urkunden und Bilder gehörten ebenfalls zur Darstellung politischer Ordnung.
Ende der Salier
Heinrich V. starb 1125 ohne legitimen männlichen Nachkommen. Damit endete die direkte salische Herrscherlinie.
Die Fürsten wählten anschließend Lothar III. zum König. Später gewannen die Staufer an Bedeutung. Die Geschichte der Salier zeigt damit auch, dass das römisch-deutsche Königtum nicht automatisch vom Vater auf den Sohn überging. Die Wahl durch die Großen des Reiches blieb ein wichtiger Bestandteil der Herrschaftsordnung.
Die Salier hinterließen ein widersprüchliches Erbe: Unter Konrad II. und Heinrich III. war die Königsmacht sehr stark. Unter Heinrich IV. wurde sichtbar, wie verletzlich königliche Herrschaft werden konnte, wenn sich religiöse, politische und dynastische Konflikte verbanden. Das Wormser Konkordat von 1122 schuf schließlich einen neuen Ausgleich zwischen Kirche und weltlicher Herrschaft.
Zentrale Begriffe
- Salier: Herrscherdynastie, die von 1024 bis 1125 das römisch-deutsche Königtum prägte.
- Investitur: Einsetzung einer Person in ein Amt; im Investiturstreit besonders auf Bischöfe und Äbte bezogen.
- Laieninvestitur: Einsetzung eines Geistlichen durch einen weltlichen Herrscher.
- Simonie: Kauf oder Verkauf geistlicher Ämter oder geistlicher Güter.
- Exkommunikation: Ausschluss aus der kirchlichen Gemeinschaft.
- Canossa: Burg in Norditalien, vor der Heinrich IV. 1077 Buße leistete.
- Wormser Konkordat: Vereinbarung von 1122 zwischen Heinrich V. und Papst Calixt II., die den Investiturstreit in einem Kompromiss beilegte.
- Kaisertum: Herrschaftsform und politisch-religiöser Anspruch des mittelalterlichen Kaisers.
- Papsttum: Institution und Herrschaftsanspruch des Papstes als Oberhaupt der lateinischen Kirche.
Zeitleiste
- 1024: Konrad II. wird zum König gewählt und die salische Herrschaft beginnt.
- 1027: Konrad II. wird in Rom zum Kaiser gekrönt.
- 1039: Heinrich III. übernimmt nach dem Tod seines Vaters die Herrschaft.
- 1046: Heinrich III. greift in die Papstkrise ein und wird zum Kaiser gekrönt.
- 1056: Heinrich IV. wird als Kind König.
- 1073: Gregor VII. wird Papst.
- 1076: Der Konflikt zwischen Heinrich IV. und Gregor VII. eskaliert; Heinrich wird gebannt.
- 1077: Heinrich IV. leistet in Canossa Buße und wird vom Bann gelöst.
- 1084: Heinrich IV. wird in Rom zum Kaiser gekrönt.
- 1106: Heinrich V. übernimmt nach dem Tod seines Vaters die alleinige Herrschaft.
- 1122: Wormser Konkordat.
- 1125: Heinrich V. stirbt; die salische Herrscherlinie endet.
Quellenkritik: Bilder erzählen Geschichte
Historische Bilder sind besonders anschaulich, aber sie können täuschen. Ein Gemälde aus dem 19. Jahrhundert über Canossa ist keine direkte Aufnahme des Ereignisses von 1077. Es zeigt vielmehr, wie sich Menschen einer späteren Zeit das Mittelalter vorgestellt haben.
Wenn Du ein historisches Bild untersuchst, frage deshalb: Wann entstand das Bild? Wer schuf es? Welche Szene wird gezeigt? Welche Personen wirken mächtig oder schwach? Welche Symbole werden verwendet? Welche Gefühle soll das Bild auslösen? Und wie groß ist der zeitliche Abstand zwischen dem Ereignis und der Darstellung?
Vergleiche zum Beispiel die spätere Canossa-Darstellung mit einer mittelalterlichen Darstellung des Investiturstreits. Unterschiede können Dir zeigen, wie historische Erinnerung entsteht.

Zusammenfassung
Die Salier regierten das römisch-deutsche Königtum von 1024 bis 1125. Unter Konrad II. und Heinrich III. war die Verbindung zwischen Königsherrschaft und Reichskirche besonders eng. Bischöfe waren nicht nur Geistliche, sondern zugleich wichtige politische Partner.
Die Kirchenreform des 11. Jahrhunderts stellte die Einmischung weltlicher Herrscher in kirchliche Ämter zunehmend infrage. Daraus entstand der Investiturstreit. Der Konflikt zwischen Heinrich IV. und Gregor VII. eskalierte bis zum Kirchenbann und zum Gang nach Canossa von 1077.
Canossa löste den Machtkampf nicht dauerhaft. Erst das Wormser Konkordat von 1122 schuf einen Kompromiss: Die geistliche Einsetzung wurde stärker der Kirche zugeordnet, während der Herrscher bei weltlichen Rechten weiterhin eine wichtige Rolle behielt.
Der Investiturstreit zeigt, dass es nicht nur um die Ernennung einzelner Bischöfe ging. Im Kern wurde um eine viel größere Frage gerungen: Wie sollten geistliche und weltliche Macht in der christlichen Gesellschaft zueinander stehen?
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Welche Dynastie begann 1024 mit Konrad II. die Herrschaft im römisch-deutschen Reich? (Die Salier) (!Die Karolinger) (!Die Merowinger) (!Die Habsburger)
Was bedeutet Investitur im Zusammenhang mit dem Investiturstreit? (Die Einsetzung in ein kirchliches Amt) (!Die Wahl eines neuen Königs) (!Der Bau einer Kathedrale) (!Die Durchführung eines Kreuzzugs)
Warum waren Bischöfe für mittelalterliche Könige politisch wichtig? (Sie konnten geistliche und weltliche Aufgaben verbinden) (!Sie waren grundsätzlich unabhängig von jeder Herrschaft) (!Sie verfügten niemals über Land) (!Sie wurden ausschließlich von Bauern gewählt)
Welcher Papst geriet in den berühmten Konflikt mit Heinrich IV.? (Gregor VII.) (!Urban II.) (!Calixt III.) (!Leo X.)
Was geschah mit Heinrich IV. im Jahr 1076? (Er wurde von Gregor VII. exkommuniziert) (!Er starb in Speyer) (!Er schloss das Wormser Konkordat) (!Er wurde zum ersten Salier gewählt)
Warum zog Heinrich IV. 1077 nach Canossa? (Er wollte vom Kirchenbann gelöst werden) (!Er wollte den Speyerer Dom bauen) (!Er wollte zum König gewählt werden) (!Er wollte einen Kreuzzug beginnen)
Welche Aussage über Heinrich IV. in Canossa ist richtig? (Er war 1077 König und noch nicht Kaiser) (!Er war bereits seit Jahrzehnten Kaiser) (!Er war zu diesem Zeitpunkt Papst) (!Er hatte seine Herrschaft schon an Heinrich V. abgegeben)
Was zeigt die Fortsetzung des Konflikts nach Canossa? (Der Investiturstreit war 1077 noch nicht beendet) (!Der Papst verzichtete sofort auf alle Ansprüche) (!Das Reich wurde vollständig aufgelöst) (!Heinrich IV. zog sich aus der Politik zurück)
Welche Vereinbarung gilt als Kompromiss am Ende des Investiturstreits? (Das Wormser Konkordat) (!Der Westfälische Frieden) (!Die Goldene Bulle) (!Der Augsburger Religionsfrieden)
Welche zentrale Frage stand hinter dem Investiturstreit? (Wie geistliche und weltliche Macht zueinander stehen sollten) (!Welche Sprache im Reich gesprochen werden sollte) (!Ob Städte überhaupt gegründet werden durften) (!Welche Handelsroute nach Amerika führte)
Memory
| Konrad II. | erster salischer Kaiser |
| Heinrich III. | starker Einfluss auf die Reichskirche |
| Heinrich IV. | Gang nach Canossa |
| Gregor VII. | Reformpapst |
| Kirchenbann | Ausschluss aus der kirchlichen Gemeinschaft |
| Heinrich V. | Einigung von Worms |
| Speyer | salische Grablege |
| Wormser Konkordat | Kompromiss von 1122 |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Bedeutung |
|---|---|
| König | weltliche Herrschaft im Reich |
| Papst | Leitung der lateinischen Kirche |
| Bischof | geistliches Amt mit politischer Bedeutung |
| Investitur | Einsetzung in ein Amt |
| Kirchenbann | Ausschluss aus der kirchlichen Gemeinschaft |
Kreuzworträtsel
| Investitur | Wie heißt die Einsetzung einer Person in ein kirchliches Amt? |
| Canossa | An welchem Ort leistete Heinrich IV. 1077 Buße? |
| Gregor | Wie lautete der Papstname des Gegners Heinrichs IV.? |
| Speyer | Welche Stadt wurde mit ihrem Dom zu einem wichtigen Erinnerungsort der Salier? |
| Konkordat | Wie nennt man eine vertragliche Vereinbarung wie die Einigung von Worms? |
| Salier | Welche Dynastie regierte von 1024 bis 1125? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Salier-Steckbrief: Gestalte einen Steckbrief zu Konrad II., Heinrich III., Heinrich IV. oder Heinrich V. mit Herrschaftszeit, wichtigen Ereignissen und einem passenden Symbol.
- Canossa in eigenen Worten: Erkläre in höchstens 120 Wörtern, warum Heinrich IV. nach Canossa zog und warum das Ereignis politisch wichtig war.
- Begriffsplakat Investitur: Gestalte ein kleines Lernplakat, das die Begriffe Investitur, Laieninvestitur, Kirchenbann und Exkommunikation verständlich erklärt.
- Bildanalyse Canossa: Untersuche eines der Bilder in diesem aiMOOC. Beschreibe zuerst nur, was Du siehst, und deute anschließend, wie Macht dargestellt wird.
Standard
- Streitgespräch König und Papst: Verfasst zu zweit ein Streitgespräch zwischen einem königlichen und einem päpstlichen Berater. Beide Seiten sollen begründen, wer Bischöfe einsetzen darf.
- Canossa als Nachricht: Produziere eine Nachrichtensendung aus dem Jahr 1077. Berichte über Heinrichs Buße und lass mindestens zwei unterschiedliche Perspektiven zu Wort kommen.
- Machtkarte des Reiches: Zeichne ein Schaubild, das König, Fürsten, Bischöfe, Äbte und Papst miteinander verbindet. Kennzeichne Zusammenarbeit und Konflikte.
- Wormser Konkordat erklären: Gestalte eine Vorher-Nachher-Grafik, die zeigt, wie sich die Einsetzung von Bischöfen durch den Kompromiss von 1122 veränderte.
Schwer
- Quellenvergleich Canossa: Vergleiche zwei Darstellungen des Gangs nach Canossa aus unterschiedlichen Jahrhunderten. Untersuche Bildsprache, Entstehungszeit und mögliche Absichten.
- Podcast Investiturstreit: Produziere einen fünf- bis achtminütigen Podcast mit der Leitfrage: War Canossa eine Niederlage Heinrichs IV. oder ein politischer Erfolg?
- Herrschaft und Legitimation: Schreibe einen argumentativen Text darüber, warum ein religiöser Bann im 11. Jahrhundert politische Folgen haben konnte.
- Mittelalter vor Ort: Recherchiere einen mittelalterlichen Dom, ein Kloster, eine Burg oder einen Bischofssitz in Deiner Region. Prüfe, ob sich dort Verbindungen zwischen geistlicher und weltlicher Macht erkennen lassen.


Lernkontrolle
- Macht und Kirche: Erkläre anhand eines selbst gewählten Beispiels, warum Könige des 11. Jahrhunderts auf Bischöfe angewiesen waren und warum genau daraus Konflikte mit Reformpäpsten entstehen konnten.
- Canossa beurteilen: Bewerte die Aussage „In Canossa gewann der Papst und der König verlor“. Formuliere mindestens zwei Argumente, die für eine differenziertere Beurteilung sprechen.
- König und Kaiser: Erkläre, warum es historisch ungenau ist, Heinrich IV. für das Jahr 1077 einfach als Kaiser zu bezeichnen. Zeige, was diese Unterscheidung über mittelalterliche Herrschaft verrät.
- Wormser Kompromiss: Übertrage das Grundproblem des Wormser Konkordats auf einen modernen Konflikt, bei dem zwei Institutionen Zuständigkeiten teilen müssen. Benenne Gemeinsamkeiten und Grenzen des Vergleichs.
- Bild als Quelle: Wähle eine Darstellung aus dem aiMOOC und erkläre, welche Informationen sie über die Zeit ihrer Entstehung liefert und welche Informationen über das dargestellte mittelalterliche Ereignis unsicher bleiben.
- Deutschland im Mittelalter: Begründe, warum der Begriff „Deutschland“ für die Zeit der Salier nur mit Vorsicht verwendet werden sollte und welche Missverständnisse sonst entstehen können.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du nicht nur Jahreszahlen nennen kannst. Du solltest Zusammenhänge erklären und historische Begriffe korrekt verwenden können.
- Du kannst die vier salischen Herrscher Konrad II., Heinrich III., Heinrich IV. und Heinrich V. in die richtige zeitliche Reihenfolge bringen.
- Du kannst erklären, warum Bischöfe zugleich religiöse und politische Bedeutung hatten.
- Du kannst Investitur, Laieninvestitur, Simonie, Exkommunikation und Wormser Konkordat verständlich erklären.
- Du kannst die Ursachen des Konflikts zwischen Heinrich IV. und Gregor VII. darstellen.
- Du kannst den Gang nach Canossa als religiöses Ritual und als politisches Handeln deuten.
- Du kannst erklären, warum der Konflikt nach 1077 weiterging.
- Du kannst das Wormser Konkordat als Kompromiss zwischen geistlicher und weltlicher Macht beurteilen.
- Du kannst zwischen König und Kaiser unterscheiden und Heinrich IV. 1077 korrekt als König einordnen.
- Du kannst historische Bilder auf Entstehungszeit, Perspektive und Darstellungsabsicht untersuchen.
- Du kannst begründen, warum das mittelalterliche Reich nicht mit dem heutigen Deutschland gleichgesetzt werden darf.
OERs zum Thema
Wikipedia: Salier
Wikipedia: Investiturstreit
Wikipedia: Wormser Konkordat
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