RAINBOW DANCE

RAINBOW DANCE
RAINBOW DANCE
Einleitung
RAINBOW DANCE ist ein britischer kurzer Experimental- und Werbefilm aus dem Jahr 1936 unter der Regie von Len Lye. Der Film verbindet gefilmte Bewegung mit Animation, leuchtender Farbe, abstrakten Formen und populärer Tanzmusik. Im Mittelpunkt steht der Tänzer Rupert Doone, dessen Körper nicht naturalistisch, sondern häufig als farbige Silhouette erscheint. Seine Bewegungen werden vervielfacht, eingefroren, farblich aufgespalten und mit gemalten oder schablonierten Motiven kombiniert.
Für die Klassen 7–11 eignet sich der Film besonders, weil Du an ihm gleichzeitig Experimentalfilm, Werbefilm, Direktfilm, Farbfilm, Rhythmus, Bewegung und Medienästhetik untersuchen kannst. Dabei ist wichtig: RAINBOW DANCE ist kein vollständig kamerafreier Direct Film. Lye filmte den Tänzer zunächst in Schwarz-Weiß und verband dieses Material anschließend mit handgemalten, direkt auf Filmmaterial gestalteten Elementen sowie mit aufwendiger Farb- und Kopierarbeit im Gasparcolor-Verfahren.
Zum Einstieg kannst Du Dir einen Filmausschnitt mit markanten Bewegungs- und Farbmomenten ansehen:
Filmografische Daten
| Merkmal | Angabe |
|---|---|
| Titel | RAINBOW DANCE |
| Regie | Len Lye |
| Jahr | 1936 |
| Produktion | GPO Film Unit |
| Tänzer | Rupert Doone |
| Kamera | Frank Jones |
| Farbverfahren | Gasparcolor |
| Länge | etwa 4 Minuten |
| Form | Experimentalfilm, Werbefilm, Animation und Realfilm als Mischform |
Lernziele für Klasse 7–11
Nach der Arbeit mit diesem aiMOOC kannst Du die schemenhaften Tanzfiguren und abstrakten Motive in RAINBOW DANCE beschreiben und deuten. Du kannst erklären, wie Len Lye gefilmte Bewegung mit handgemalten Bildelementen verbindet, wie Farbe und Rhythmus die Wahrnehmung steuern und wie der Film eine avantgardistische Bildsprache für Werbung nutzt. Außerdem kannst Du zwischen Beobachtung, Analyse, Interpretation und Bewertung unterscheiden.
| Niveau | Schwerpunkt |
|---|---|
| Klasse 7–8 | Formen, Farben, Bewegungen und Werbebotschaft genau wahrnehmen und beschreiben |
| Klasse 9–10 | Filmische Mittel analysieren, Handmade Film erklären und Werbestrategien beurteilen |
| Klasse 11 | Avantgarde, institutionellen Auftrag, Ästhetik, Technik und Werbung historisch und medienkritisch miteinander verknüpfen |
Inhalt und Aufbau des Films
RAINBOW DANCE beginnt mit Regen, einem Regenschirm und einer zunächst noch erkennbaren Alltagssituation. Mit dem Auftauchen des Regenbogens löst sich die Bildwelt zunehmend von realistischer Darstellung. Der Tänzer bewegt sich durch wechselnde, stark stilisierte Räume. Karten, Landschaften, Fische, Sterne, Kreise, Regenbögen und andere grafische Elemente treten an die Stelle einer stabilen natürlichen Umgebung.
Die Reise des Tänzers ist weniger als geschlossene Handlung wichtig als als Anlass für Bildverwandlungen. Besonders auffällig sind Phasen, in denen mehrere farbige Silhouetten derselben Figur nebeneinander oder leicht versetzt erscheinen. Dadurch wird eine einzelne Bewegung in mehrere sichtbare Stadien zerlegt. Bewegung wird also nicht nur vorgeführt, sondern selbst zum Bildthema.
Gegen Ende spielt der Protagonist Tennis. Gemalte Kreise funktionieren zunächst wie Bälle und verwandeln sich anschließend in Münzen. Damit leitet der Film von spielerischer Abstraktion zur Werbeaussage über. Der Regenbogen, zuvor ein ästhetisches Leitmotiv, erhält nun eine ökonomische Bedeutung: Sparen wird mit der Vorstellung eines erreichbaren „Topfs voll Gold“ verbunden.
Schemenhafte Tanzfiguren erschließen
Eine Silhouette reduziert den menschlichen Körper auf Umriss, Haltung und Bewegung. Gesicht, Stofflichkeit, Hautfarbe und viele individuelle Details treten zurück. Dadurch wirkt Rupert Doone zugleich körperlich und grafisch. Du erkennst einen Menschen, aber sein Körper kann wie eine bewegte Fläche, ein Zeichen oder eine Zeichentrickfigur behandelt werden.
Len Lye filmte den Tänzer in Schwarz-Weiß als Schattenriss. Im weiteren Herstellungsprozess erhielt die Figur unterschiedliche Farben und konnte mehrfach versetzt kopiert werden. Die farbigen Bewegungsphasen erzeugen eine Art visuellen Nachhall. Eine Armbewegung oder ein Schritt bleibt nicht nur als Moment bestehen, sondern erscheint als Folge farbiger Körperumrisse.
Für Deine Analyse kannst Du deshalb fragen: Welche Körperteile bleiben trotz der Reduktion gut lesbar? Wann wirkt die Figur wie ein Mensch, wann eher wie ein abstraktes Zeichen? Welche Wirkung entsteht, wenn dieselbe Bewegung mehrfach in verschiedenen Farben sichtbar wird?
Abstrakte Motive als bewegte Zeichen
Viele Bildmotive in RAINBOW DANCE sind keine realistischen Gegenstände, sondern stark vereinfachte Zeichen. Kreise können Tennisbälle, Münzen oder reine Farbformen sein. Wellen, Sterne, Regenbögen und Fische wechseln zwischen Gegenständlichkeit und Dekoration. Gerade diese Mehrdeutigkeit macht die Bilder offen für schnelle Verwandlungen.
Abstraktion bedeutet hier nicht, dass alles gegenstandslos wird. Vielmehr verschiebt Lye die Grenze zwischen erkennbaren Dingen und selbstständigen Formen. Ein Kreis ist zugleich Form, Ball, Rhythmuspunkt und später Geldzeichen. Diese Wandlungsfähigkeit ist für die Verbindung von Avantgarde und Werbung besonders wichtig.
Handmade Film und Direct Film
Unter Handmade Film kannst Du Film verstehen, dessen sichtbare Spuren unmittelbar mit der Hand erzeugt werden: durch Malen, Zeichnen, Kratzen, Stempeln oder Schablonieren auf beziehungsweise am Filmmaterial. Ein Direktfilm kann sogar ganz ohne Kamera entstehen, wenn das Bild direkt auf dem Filmstreifen gestaltet wird.

RAINBOW DANCE ist technisch besonders spannend, weil der Film verschiedene Verfahren mischt. Der Tänzer wurde mit einer Kamera aufgenommen. Viele Hintergründe und grafische Motive wurden dagegen gemalt oder mit Schablonen gestaltet. Später kombinierte Lye diese Ebenen mit Farbkopien, Positiv- und Negativbildern sowie Mehrfachbelichtungen. Dadurch entsteht ein Hybrid aus Realfilm, Animation und direkter Bearbeitung des Filmmaterials.
Das folgende historische Foto zeigt nicht Len Lye, sondern den ebenfalls wichtigen Experimentalfilmer Norman McLaren beim direkten Zeichnen auf Film. Es veranschaulicht die materielle Arbeitsweise, die mit Direct Film verbunden ist.

Warum direkte Gestaltung auf Film wichtig ist
Beim normalen Spielfilm bildet die Kamera eine vor ihr befindliche Welt ab. Beim Direct Film wird der Filmstreifen selbst zur Bildfläche. Das verändert die Vorstellung davon, was ein Filmbild sein kann. Statt nur Wirklichkeit zu fotografieren, kann der Künstler Licht, Linie, Farbe und Rhythmus unmittelbar organisieren.
Diese Arbeitsweise macht auch kleine Unregelmäßigkeiten sichtbar. Handgemalte Formen sind nicht vollkommen identisch. Sie flimmern, pulsieren und verändern sich. Gerade darin liegt ein Teil ihrer Energie. Die Materialität des Films wird nicht versteckt, sondern gestalterisch genutzt.
Zum Vergleich eignet sich Len Lyes früherer Film A Colour Box von 1935, ein berühmtes Beispiel für direkt auf Film gemalte Animation:
Farbe und Gasparcolor
RAINBOW DANCE entstand in einer Zeit, in der Farbfilm technisch noch keineswegs selbstverständlich war. Lye arbeitete mit dem dreifarbigen Gasparcolor-Verfahren. Das Ausgangsmaterial des Tänzers war Schwarz-Weiß. Die Farbinformation wurde im Entwicklungs- und Kopierprozess erzeugt und gezielt manipuliert. Gerade die Trennung der Farbauszüge erlaubte Lye, Bewegungsphasen in unterschiedlichen Farben gegeneinander zu versetzen.

Die Farbe dient nicht primär dazu, eine reale Welt möglichst naturgetreu wiederzugeben. Sie ist selbst ein Ereignis. Pink, Gelb, Blau, Grün oder Rot können einen Körper oder einen Hintergrund schlagartig verändern. Farbe markiert Rhythmus, trennt Bewegungsphasen, steigert Kontraste und erzeugt Überraschung.
Für die Analyse ist deshalb die Frage „Welche Farbe hat ein Gegenstand wirklich?“ weniger wichtig als die Frage „Was macht die Farbe im Ablauf?“. In RAINBOW DANCE kann dieselbe Figur in mehreren Farben gleichzeitig auftreten. Farbe wird dadurch zeitlich: Sie zeigt verschiedene Momente der Bewegung als nebeneinanderliegende Spuren.
Positiv, Negativ und Mehrfachbild
Len Lye kombinierte positive und negative Bildwirkungen. Helle und dunkle Bereiche können dabei ihre gewohnte Funktion wechseln. Zusätzlich erzeugen Mehrfachkopien und Mehrfachbelichtungen den Eindruck, eine Figur hinterlasse farbige Echos.
Diese Verfahren lösen den Körper aus einem eindeutigen Raum. Der Tänzer scheint nicht mehr einfach vor einem Hintergrund zu stehen. Körper und Umgebung werden zu gleichwertigen grafischen Flächen. Die Filmfläche wirkt eher wie ein bewegtes Plakat als wie ein Fenster in eine reale Welt.
Bewegung und Rhythmus
Bewegung ist das zentrale Thema von RAINBOW DANCE. Lye zeigt nicht nur einen Tänzer, sondern organisiert beinahe jedes Bildelement als Bewegung: Farbflächen wechseln, Linien springen, Kreise fliegen, Silhouetten vervielfachen sich und Hintergründe verwandeln sich.
Die Musik, darunter der Tanzsong Tony’s Wife von Rico’s Creole Band, verstärkt diese Wirkung. Bildwechsel und Bewegungen erscheinen oft musikalisch gegliedert. Du kannst deshalb von visueller Musik sprechen: Formen und Farben übernehmen Funktionen, die in der Musik Töne, Akzente oder rhythmische Muster haben.
Vier Formen von Rhythmus im Film
| Form des Rhythmus | Woran Du sie erkennst |
|---|---|
| Körperrhythmus | Schritte, Gesten, Drehungen und Alltagsbewegungen des Tänzers |
| Schnittrhythmus | Wechsel von Einstellungen, Motiven und Bildzuständen |
| Farbrhythmus | schnelle Abfolgen, Kontraste und Wiederholungen farbiger Flächen |
| Formrhythmus | wiederkehrende Kreise, Linien, Sterne, Silhouetten und andere grafische Zeichen |
Wenn mehrere dieser Rhythmen zusammenfallen, wirkt der Film besonders dynamisch. Wenn sie gegeneinander laufen, entsteht Spannung oder Komik. So wird Musik nicht einfach illustriert; Bild und Ton bilden eine gemeinsame Choreografie.
Len Lye und die Kunst der Bewegung
Len Lye wurde 1901 in Neuseeland geboren und arbeitete später unter anderem in Großbritannien und den USA. Er beschäftigte sich mit Film, Malerei, Zeichnung, Schreiben und kinetischer Kunst. Über verschiedene Medien hinweg interessierte ihn die Frage, wie Bewegung selbst zum Material von Kunst werden kann.
Dieses Interesse reicht weit über RAINBOW DANCE hinaus. In späteren Skulpturen ließ Lye Metall, Stäbe oder andere Materialien tatsächlich schwingen, vibrieren und klingen. Das folgende Werk Wind Wand macht sichtbar, dass Bewegung für ihn kein Nebeneffekt, sondern ein eigenständiges künstlerisches Thema war.

Heute erinnert unter anderem das Len Lye Centre in New Plymouth, Neuseeland, an sein Werk.

Einen vertiefenden Einblick in Lyes Denken über Kunst bietet dieses Programm der Len Lye Foundation:
Ein aktuellerer dokumentarischer Zugang zu seinem Gesamtwerk findet sich in diesem Trailer:
Avantgarde und Werbung
RAINBOW DANCE wurde von der GPO Film Unit produziert, der Filmabteilung des britischen General Post Office. Die Einheit war in den 1930er Jahren ein wichtiger Ort für Dokumentarfilm, Informationsfilm, Gestaltung und Experimente. Der Auftrag gab Lye Produktionsmöglichkeiten, verlangte aber zugleich eine Werbefunktion: Der Film sollte am Ende für die Post Office Savings Bank werben.
Das ist für die Analyse besonders interessant. RAINBOW DANCE ist weder nur freie Kunst noch nur konventionelle Produktwerbung. Er nutzt künstlerische Experimente, um Aufmerksamkeit zu erzeugen, und nutzt einen Werbeauftrag, um avantgardistische Formen öffentlich sichtbar zu machen.
Das folgende Plakat gehört nicht zu RAINBOW DANCE, sondern zu Night Mail, einer anderen GPO-Produktion aus demselben Jahr 1936. Es zeigt, wie stark die GPO Film Unit moderne Film- und Grafikgestaltung als Teil öffentlicher Kommunikation einsetzte.

Auch eine Gedenktafel am ehemaligen Studiostandort erinnert heute an die GPO Film Unit:

Werbung für ein Sparkonto
Die Werbebotschaft erscheint erst am Ende des Films besonders eindeutig. Vorher dominieren Tanz, Musik, Farbe und spielerische Verwandlungen. Dadurch wird das Publikum zunächst ästhetisch angesprochen. Erst danach wird die Regenbogenmetapher auf das Sparen übertragen.
Mehrere Gestaltungsmittel unterstützen die Werbung. Der Regenbogen steht für Hoffnung und Belohnung. Die Verwandlung von Bällen in Münzen verbindet Spiel mit Geld. Die fröhliche Musik schafft eine positive Stimmung. Das beworbene Sparkonto erscheint dadurch nicht als trockenes Verwaltungsprodukt, sondern als Teil einer fantasievollen Zukunftsvorstellung.
Diese Strategie kannst Du mit heutiger Werbung vergleichen: Auch moderne Spots erzählen häufig zuerst eine emotionale Mini-Geschichte und nennen Marke oder Produkt erst später. Entscheidend ist deshalb die Frage, wie ästhetische Aufmerksamkeit in Produktbedeutung umgelenkt wird.
Avantgardistische Kunst als Werbestrategie
Avantgardistische Kunst bricht häufig mit vertrauten Sehgewohnheiten. Genau das kann für Werbung nützlich sein. Ungewöhnliche Bilder fallen auf, bleiben im Gedächtnis und unterscheiden sich von alltäglicher Kommunikation. In RAINBOW DANCE werden Abstraktion, knallige Farbe, schnelle Verwandlung und rhythmische Montage zu Mitteln der Aufmerksamkeit.
Gleichzeitig entsteht ein Spannungsverhältnis. Wird experimentelle Kunst durch Werbung vereinnahmt? Oder schafft der Werbeauftrag erst die finanziellen und technischen Bedingungen, unter denen ein Künstler ein breites Publikum erreicht? Für eine anspruchsvolle Filmanalyse solltest Du beide Seiten berücksichtigen.
Filmanalyse: Farbe, Bewegung, Rhythmus und Werbung verbinden
Eine gute Analyse trennt zunächst Beobachtung und Deutung. Beobachtung beschreibt, was im Bild und Ton tatsächlich wahrnehmbar ist. Deutung erklärt, welche Wirkung oder Bedeutung daraus entstehen kann. Erst danach folgt eine Bewertung.
| Analyseebene | Leitfrage | Beispiel für eine mögliche Beobachtung |
|---|---|---|
| Farbe | Wie verändern Farben Figur, Raum und Stimmung? | Mehrere farbige Silhouetten derselben Bewegung erscheinen versetzt. |
| Bewegung | Was bewegt sich und wie wird Bewegung sichtbar gemacht? | Der Körper hinterlässt grafische Bewegungsspuren. |
| Rhythmus | Wie reagieren Bildwechsel auf Musik und Tanz? | Wiederholte Formen wirken wie visuelle Taktimpulse. |
| Raum | Ist der Raum realistisch oder grafisch organisiert? | Hintergründe wechseln abrupt und wirken wie bewegte Plakate. |
| Werbung | Wann wird aus dem Kunstfilm erkennbar ein Werbefilm? | Gegen Ende werden Münzen, Regenbogen und Sparprodukt miteinander verknüpft. |
Vergleich mit moderner Medienästhetik
RAINBOW DANCE kann heute an Musikvideos, Motion Graphics, Werbeclips oder digitale Effekte erinnern. Der Vergleich ist spannend, weil Lye viele Wirkungen ohne digitale Software erzeugte. Überlagerung, Farbsplitting, Loop, grafische Bewegung und Synchronisierung von Bild und Beat gehören inzwischen zum Alltag audiovisueller Medien, mussten hier aber analog und materialbezogen hergestellt werden.
Ein sinnvoller Vergleich fragt deshalb nicht nur, ob der Film „modern aussieht“, sondern warum. Welche heute digitalen Effekte besitzen analoge Vorläufer? Welche Unterschiede entstehen durch handgemachte Unregelmäßigkeit? Und wie verändert sich die Wirkung, wenn ein Bild sichtbar aus physischem Material hervorgegangen ist?
Häufige Fehlannahmen
RAINBOW DANCE ist kein gewöhnlicher Zeichentrickfilm. Die Hauptfigur basiert auf gefilmter Live-Action und wird anschließend grafisch verfremdet.
RAINBOW DANCE ist kein vollständig kamerafreier Direct Film. Direkte Filmgestaltung ist wichtig, aber sie wird mit Kameraaufnahmen und komplexer Kopierarbeit kombiniert.
Die Farben sollen nicht einfach die Wirklichkeit nachahmen. Sie strukturieren Bewegung, Rhythmus und Aufmerksamkeit.
Die Werbung ist kein zufälliger Nachspann. Der Film wurde im Rahmen der GPO Film Unit produziert und sollte für die Post Office Savings Bank werben.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Wer führte bei RAINBOW DANCE Regie? (Len Lye) (!Norman McLaren) (!Basil Wright) (!John Grierson)
In welchem Jahr entstand RAINBOW DANCE? (1936) (!1926) (!1946) (!1956)
Wie heißt der Tänzer, dessen Körper als Silhouette erscheint? (Rupert Doone) (!Jack Ellitt) (!Frank Jones) (!Béla Gaspar)
Welches Farbverfahren wurde für RAINBOW DANCE eingesetzt? (Gasparcolor) (!Cinemascope) (!Dolby) (!Vistavision)
Was kennzeichnet die Bildgestaltung des Tänzers besonders? (Farbige vervielfachte Silhouetten) (!Nur naturalistische Nahaufnahmen) (!Ausschließlich unbewegte Fotografien) (!Nur schwarzweiße Schriftkarten)
Was bedeutet Direct Film im Kern? (Das Filmmaterial wird unmittelbar gestaltet) (!Der Film wird nur im Freien gedreht) (!Der Ton wird live im Kino gesprochen) (!Die Kamera filmt ausschließlich Dokumente)
Welche Institution produzierte RAINBOW DANCE? (GPO Film Unit) (!BBC News) (!Walt Disney Studios) (!National Film Board of Canada)
Wofür wirbt RAINBOW DANCE am Ende? (Für ein Angebot der Post Office Savings Bank) (!Für ein neues Tennisturnier) (!Für eine Reisegesellschaft) (!Für eine Musikschule)
Welche Funktion hat Farbe im Film besonders? (Sie strukturiert Bewegung und Rhythmus) (!Sie dient nur naturgetreuer Wiedergabe) (!Sie wird ausschließlich in den Titeln verwendet) (!Sie bleibt während des ganzen Films unverändert)
Warum lässt sich RAINBOW DANCE als Verbindung von Avantgarde und Werbung untersuchen? (Experimentelle Gestaltung dient zugleich einem Werbeauftrag) (!Der Film enthält keinerlei Produktbezug) (!Der Film wurde erst Jahrzehnte später nachkoloriert) (!Der Film besteht nur aus einem gesprochenen Werbetext)
Memory
| Len Lye | Regie und Gestaltung |
| Rupert Doone | Tänzer |
| Gasparcolor | Farbfilmverfahren |
| GPO Film Unit | Produktion und Auftrag |
| Silhouette | schemenhafter Körperumriss |
| Schablone | Werkzeug für direkt gestaltete Muster |
| Rhythmus | Verbindung von Musik und Bildbewegung |
| Sparkonto | beworbenes Finanzprodukt |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Schablonenmotive | direkt gestaltete Formen auf Filmmaterial |
| Silhouetten | gefilmter Körper als farbiger Umriss |
| Gasparcolor | experimentelles Farbverfahren |
| Tanzmusik | akustische Grundlage für den Bildrhythmus |
| Savings Bank | Ziel der Werbebotschaft |
Kreuzworträtsel
| Gasparcolor | Wie heißt das im Film eingesetzte Farbverfahren? |
| Silhouette | Wie nennt man eine schemenhafte Darstellung eines Körpers als Umriss? |
| Schablone | Welches Hilfsmittel ermöglicht wiederholbare gemalte Formen? |
| Rhythmus | Welcher Begriff verbindet zeitliche Ordnung von Musik und Bild? |
| Werbung | Welchem Kommunikationszweck dient der Sparkonto-Hinweis am Filmende? |
| Bewegung | Welches zentrale Thema prägt Tanz, Formen und Lyes Kunst insgesamt? |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Farbanalyse: Wähle drei auffällige Farbmomente aus RAINBOW DANCE und beschreibe jeweils, wie die Farbe Deine Wahrnehmung der Bewegung verändert.
- Silhouette: Zeichne vier aufeinanderfolgende Körperhaltungen einer einfachen Bewegung als schwarze oder farbige Silhouetten und ordne sie so an, dass eine Bewegungsspur entsteht.
- Rhythmus: Klatsche oder tippe zu einem kurzen Filmausschnitt einen passenden Puls und notiere, wann Bildwechsel oder Formwechsel mit Deinem Puls zusammenfallen.
- Werbung: Entwirf ein Standbild, das den Übergang vom Regenbogenmotiv zur Sparidee sichtbar macht, ohne Text zu verwenden.
Standard
- Direktfilm: Gestalte auf transparentem Material eine Folge abstrakter Bilder, fotografiere oder scanne sie und animiere sie zu einem kurzen Handmade-Film.
- Storyboard: Erstelle ein Storyboard für einen 30-sekündigen Werbefilm, in dem ein abstraktes Motiv schrittweise in ein Produktzeichen übergeht.
- Filmanalyse: Analysiere eine Sequenz nach Farbe, Bewegung, Rhythmus, Raum und Werbewirkung und trenne dabei Beobachtung und Interpretation deutlich.
- A Colour Box: Vergleiche RAINBOW DANCE mit A Colour Box und arbeite heraus, welche Rolle Kameraaufnahme, direkte Filmbearbeitung und Musik jeweils spielen.
Schwer
- Avantgarde: Diskutiere in einem kurzen Essay, ob der Werbeauftrag die künstlerische Freiheit in RAINBOW DANCE eher begrenzt oder ermöglicht.
- Mediengeschichte: Recherchiere die GPO Film Unit und präsentiere, warum eine staatliche Postorganisation in den 1930er Jahren experimentelle Filmkunst finanzierte.
- Motion Graphics: Produziere einen kurzen digitalen Clip, der einen Effekt aus RAINBOW DANCE nachbildet, und erkläre anschließend, wie sich digitale und analoge Herstellung unterscheiden.
- Werbeethik: Entwickle für ein heutiges Sparprodukt zwei Konzepte, eines emotional-avantgardistisch und eines sachlich-informativ, und bewerte, welches verantwortungsvoller überzeugt.


Lernkontrolle
- Sequenzanalyse: Untersuche eine ausgewählte Szene und erkläre, wie Farbe, Körperbewegung und Musik zusammen eine bestimmte Wirkung erzeugen.
- Medientransfer: Übertrage ein Gestaltungsprinzip aus RAINBOW DANCE auf ein heutiges Musikvideo oder eine App-Werbung und begründe, was sich dabei verändern müsste.
- Kunst und Auftrag: Erkläre anhand des Films, wie ein kommerzieller oder institutioneller Auftrag künstlerische Innovation sowohl fördern als auch begrenzen kann.
- Materialität: Vergleiche direkt auf Film erzeugte Spuren mit digitalen Animationen und beurteile, welche ästhetischen Unterschiede aus den Produktionsweisen entstehen.
- Werbestrategie: Analysiere, wie die Regenbogenmetapher und die Verwandlung von Formen in Münzen die Vorstellung des Sparens emotional aufladen.
- Historischer Vergleich: Setze RAINBOW DANCE in Beziehung zu einem heutigen Werbeclip und untersuche Gemeinsamkeiten und Unterschiede bei Aufmerksamkeit, Markenbezug und Erzählweise.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu RAINBOW DANCE ist wichtig, dass Du nicht nur Fakten wiedergibst, sondern filmische Zusammenhänge erklärst.
- Filmbeschreibung: Du kannst eine Sequenz präzise beschreiben, ohne Beobachtung und Interpretation zu vermischen.
- Filmische Mittel: Du kannst Farbe, Bewegung, Rhythmus, Silhouette, Montage und grafische Formen mit Fachbegriffen untersuchen.
- Handmade Film: Du kannst erklären, was Direct Film bedeutet und warum RAINBOW DANCE als Mischform aus Kameraaufnahme und handgemachter Filmgestaltung betrachtet werden muss.
- Gasparcolor: Du kannst erläutern, warum das Farbverfahren für Lyes experimentelle Gestaltung wichtig war.
- Werbefilm: Du kannst die Sparkonto-Werbung erkennen und ihre bildlichen sowie emotionalen Strategien analysieren.
- Avantgarde: Du kannst begründet beurteilen, wie experimentelle Kunst und Werbung in diesem Film zusammenwirken.
- Transfer: Du kannst mindestens ein Gestaltungsprinzip auf heutige audiovisuelle Medien übertragen und Unterschiede der Produktionsbedingungen reflektieren.
Quellen und Vertiefung
- Len Lye Foundation: Rainbow Dance, 1936
- DFF – Deutsches Filminstitut & Filmmuseum: RAINBOW DANCE – Unterrichtsmaterial
- BFI Screenonline: Rainbow Dance
- Ngā Taonga Sound & Vision: RAINBOW DANCE
- Wikimedia Commons: Len Lye
- Wikimedia Commons: GPO Film Unit
OERs zum Thema
Der englischsprachige Wikipedia-Artikel bietet einen kompakten Überblick über den Film:
Ergänzend kannst Du den deutschsprachigen Artikel zur Produktionsinstitution lesen:
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