Videokunst

Videokunst
Einleitung
Videokunst ist eine Kunstform, in der elektronische oder digitale Bewegtbilder nicht nur Mittel zur Dokumentation sind, sondern selbst zum künstlerischen Material werden. Sie kann auf einem einzelnen Monitor, als großformatige Projektion, in einer raumfüllenden Videoinstallation, als Videoskulptur, als Mehrkanalarbeit oder in einer interaktiven Anordnung erscheinen. Entscheidend ist dabei häufig nicht nur, was Du auf einem Bildschirm siehst, sondern auch wie, wo, wie lange und unter welchen technischen Bedingungen Du es wahrnimmst.
Videokunst gehört zur Medienkunst und steht in enger Beziehung zu Experimentalfilm, Performancekunst, Fluxus, Installationskunst, Konzeptkunst, Digitale Kunst und zeitgenössischer Netzkunst. Seit den 1960er Jahren haben Künstlerinnen und Künstler die Technik des Fernsehens, der Videokamera, der elektronischen Bildbearbeitung und später der digitalen Projektion genutzt, um Wahrnehmung, Zeit, Körper, Massenmedien, Politik, Identität und Technik kritisch zu untersuchen.

In diesem aiMOOC lernst Du, wie Videokunst entstanden ist, welche technischen und ästhetischen Verfahren sie verwendet, wie Du eine Videoinstallation analysieren kannst und welche Rolle Künstlerinnen und Künstler wie Nam June Paik, Wolf Vostell, VALIE EXPORT, Bill Viola und Pipilotti Rist für ihre Entwicklung spielen. Du entwickelst außerdem eigene künstlerische Ideen und setzt Dich mit Fragen des Urheberrechts, der Medienkritik und der Erhaltung technischer Kunstwerke auseinander.
Was ist Videokunst?
Bei Videokunst wird das bewegte elektronische oder digitale Bild als künstlerisches Ausdrucksmittel eingesetzt. Anders als bei einem klassischen Spielfilm muss eine Videoarbeit keine fortlaufende Handlung, keine festen Figuren und keinen eindeutigen Anfang oder Schluss besitzen. Ein Werk kann nur wenige Sekunden dauern und sich endlos wiederholen, aus mehreren gleichzeitig laufenden Bildspuren bestehen oder auf den Ausstellungsraum reagieren.
Der Begriff umfasst deshalb sehr unterschiedliche Erscheinungsformen. Eine Single-Channel-Arbeit wird meist als eine zusammenhängende Bild- und Tonspur auf einem Bildschirm oder einer Projektionsfläche gezeigt. Bei einer Multi-Channel-Arbeit laufen mehrere Bildspuren parallel. Eine Videoinstallation verbindet Bewegtbild mit dem Raum, während bei einer Videoskulptur technische Geräte wie Monitore, Kameras oder Projektoren selbst Teil der plastischen Gestaltung werden.
Ein wichtiges Merkmal vieler Werke ist ihre Zeitlichkeit. Eine Malerei kannst Du theoretisch in einem einzigen Blick erfassen, während eine Videoarbeit sich erst im Verlauf der Zeit entfaltet. Künstlerinnen und Künstler können Dauer, Wiederholung, Verzögerung, Zeitlupe oder Beschleunigung deshalb gezielt als Gestaltungsmittel einsetzen.
Videokunst und Film
Videokunst und Film verwenden bewegte Bilder und Ton, verfolgen aber nicht zwingend dieselben Ziele. Ein Film wird häufig für eine lineare Vorführung im Kino, Fernsehen oder Streaming produziert. Videokunst kann dagegen so angelegt sein, dass Du den Raum betrittst, während das Werk bereits läuft, Deinen Standort wechselst oder mehrere Bildquellen gleichzeitig wahrnimmst.
Die Grenzen sind fließend. Besonders der Experimentalfilm hat die Videokunst stark beeinflusst. Beide Bereiche können mit abstrakten Bildern, Montage, ungewöhnlichen Zeitstrukturen, gefundenem Material und nichtlinearem Erzählen arbeiten. Bei einer raumbezogenen Videoinstallation wird jedoch zusätzlich der Ausstellungsort zu einem zentralen Bestandteil des Werks.
Der Bildschirm als Material
In der Videokunst ist ein Monitor nicht nur eine neutrale Fläche. Seine Größe, Form, Helligkeit, Auflösung, Position und technische Bauweise beeinflussen das Werk. Frühe Künstler arbeiteten häufig mit Kathodenstrahlröhren. Deren elektronische Bildsignale konnten gestört, verzerrt oder rückgekoppelt werden.

Bei heutigen Arbeiten können Flachbildschirme, Projektoren, LED-Wände, Smartphones oder Computergrafik eingesetzt werden. Dadurch verändern sich nicht nur die technischen Möglichkeiten, sondern auch die Art, wie sich Videokunst im Raum präsentiert.
Geschichte der Videokunst
Die Geschichte der Videokunst ist eng mit der Entwicklung elektronischer Massenmedien verbunden. Fernsehen war in den 1950er und 1960er Jahren zu einem prägenden Alltagsmedium geworden. Künstlerinnen und Künstler begannen, den Fernsehapparat nicht nur als Übertragungsgerät, sondern als veränderbares Objekt und als kulturelles Symbol zu betrachten.
Frühe Experimente um 1963
Ein zentraler Bezugspunkt ist das Jahr 1963. Nam June Paik zeigte in der Galerie Parnass in Wuppertal die Ausstellung Exposition of Music – Electronic Television. Dabei veränderte er elektronische Fernsehbilder und machte technische Störungen selbst zum ästhetischen Ereignis. Im selben Jahr arbeitete Wolf Vostell mit Fernsehgeräten und Störungen des TV-Bildes in Werken wie 6 TV Dé-coll/age und Sun in your head.
Damit verschob sich die Rolle des Fernsehens. Statt fertige Programme passiv zu empfangen, konnte das technische Signal manipuliert, verfremdet und zum Gegenstand künstlerischer Kritik gemacht werden. Diese Haltung steht auch in Verbindung mit Fluxus, einer internationalen Kunstbewegung, die traditionelle Grenzen zwischen Musik, bildender Kunst, Aktion und Alltag aufbrach.

Nam June Paik gilt als einer der wichtigsten Pioniere der Video- und Medienkunst. Seine Arbeit verband Musik, Performance, Fernsehen, elektronische Bildverarbeitung, Skulptur und später Satellitentechnik. Dabei interessierte ihn besonders die Frage, wie technische Medien Wahrnehmung und Kommunikation verändern.
Tragbare Videotechnik und der Portapak
Mitte der 1960er Jahre wurden tragbare Videoaufnahmesysteme verfügbar. Sie ermöglichten es Künstlerinnen und Künstlern, bewegte Bilder außerhalb professioneller Fernsehstudios aufzunehmen und relativ schnell wiederzugeben. Der Sony Portapak wurde dadurch zu einem Symbol für die frühe Videokunst.

Häufig wird das Jahr 1965 als symbolisches Geburtsjahr der Videokunst genannt. Die verbreitete Erzählung, Nam June Paik habe mit einem neu erworbenen Portapak eine Papstprozession in New York gefilmt und damit praktisch im Alleingang die Videokunst begründet, ist jedoch zu vereinfachend. Bereits mehrere Künstler experimentierten unabhängig voneinander mit elektronischem Bewegtbild. Sinnvoller ist es deshalb, die Entstehung der Videokunst als einen Prozess zu verstehen, in dem neue technische Geräte mit Entwicklungen aus Fluxus, Performancekunst, Konzeptkunst und Experimentalfilm zusammentrafen.
Fernsehen wird zum Ausstellungsraum
1969 fand in der Howard Wise Gallery in New York die Ausstellung TV as a Creative Medium statt. Sie gehört zu den wichtigen frühen Präsentationen, bei denen Fernsehen ausdrücklich als künstlerisches Medium thematisiert wurde.
Auch Künstler wie Gerry Schum versuchten, Kunst aus dem traditionellen Museum herauszulösen. Seine Idee einer Fernsehgalerie nutzte das Fernsehen als Verbreitungsraum. Dadurch stellte sich eine neue Frage: Muss ein Kunstwerk überhaupt an einen festen physischen Ort gebunden sein?
1971 wurde in Berlin das Video-Forum des Neuen Berliner Kunstvereins gegründet. Die Sammlung wurde zu einem wichtigen Ort für die Bewahrung, Präsentation und Erforschung internationaler Videokunst.
Videokunst, Körper und Performance
Video wurde früh mit Performancekunst verbunden. Eine Kamera konnte eine Handlung dokumentieren, gleichzeitig aber auch Bestandteil der Handlung werden. Besonders wichtig ist dabei der Unterschied zwischen einer bloßen Aufzeichnung und einer Arbeit, die ausdrücklich für die Kamera entwickelt wurde.
VALIE EXPORT verband Film, Video, Körperkunst und feministische Medienkritik. Ihr Werk Facing a Family wurde 1971 im österreichischen Fernsehen ausgestrahlt. Es zeigte eine Familie beim Fernsehen und spiegelte damit den Fernsehzuschauenden ihre eigene Situation zurück. Das Fernsehen wurde so nicht nur zum Verbreitungsmedium, sondern zum Gegenstand des Werks.
Auch Künstlerinnen und Künstler wie Joan Jonas, Bruce Nauman, Vito Acconci, Ulrike Rosenbach, Marina Abramović und Ulay untersuchten mit Kamera und Monitor Körper, Raum, Identität und die Beziehung zwischen Beobachtenden und Beobachteten.
Von der Monitorarbeit zur Rauminstallation
Mit besseren Projektoren, digitalen Schnittsystemen und leistungsfähigerer Wiedergabetechnik wurde Videokunst zunehmend raumgreifend. Bilder konnten auf Wände, Böden, Decken, transparente Flächen oder mehrere Screens gleichzeitig projiziert werden. Der Ausstellungsraum wurde damit selbst zum Medium.
Bill Viola entwickelte großformatige Videoarbeiten, in denen Zeit, Wahrnehmung, Geburt, Tod, Wasser, Feuer und menschliche Emotionen zentrale Rollen spielen. Durch starke Zeitdehnung können kleinste Bewegungen sichtbar werden und eine beinahe meditative Wahrnehmung erzeugen.

Immersive Videoräume und Pipilotti Rist
Pipilotti Rist verbindet Videoprojektion, Farbe, Musik, Körper, Architektur und Alltagsgegenstände. Ihre Installationen machen den Raum häufig zu einer farbintensiven, sinnlichen Umgebung. Die Zuschauerinnen und Zuschauer stehen nicht nur vor einem einzelnen Bild, sondern bewegen sich durch eine mediale Situation.

Werke wie Sip My Ocean zeigen, wie stark Projektion, Raum und Wahrnehmung miteinander verschmelzen können. Der technische Apparat tritt dabei nicht unbedingt in den Vordergrund. Stattdessen kann die Videoprojektion ganze Wände und Raumecken in bewegte Bildflächen verwandeln.

Künstlerische Verfahren
Videokunst besitzt kein festes Regelwerk. Dennoch haben sich Verfahren herausgebildet, die besonders häufig verwendet werden.
Montage und Schnitt
Bei der Montage werden unterschiedliche Aufnahmen in eine zeitliche Reihenfolge gebracht. Ein schneller Schnitt kann Unruhe oder Überforderung erzeugen, während lange ungeschnittene Einstellungen Aufmerksamkeit auf minimale Veränderungen lenken. Schnitte können chronologisch, assoziativ, rhythmisch oder bewusst widersprüchlich gesetzt werden.
Eine Videoarbeit kann auch vollständig auf erzählerische Übergänge verzichten. In diesem Fall wird der Schnitt selbst zu einem sichtbaren Bruch.
Loop und Wiederholung
Ein Loop ist eine wiederholte Bild- oder Tonsequenz. Wenn das Ende unmittelbar wieder in den Anfang übergeht, kann der Eindruck einer endlosen Zeit entstehen. Der Loop ist für Ausstellungen besonders geeignet, weil Besucherinnen und Besucher ein Werk zu unterschiedlichen Zeitpunkten betreten können.
Wiederholung verändert außerdem Bedeutung. Eine alltägliche Bewegung kann durch ständiges Wiederholen fremd, komisch, bedrückend oder meditativ wirken.
Zeitlupe, Beschleunigung und Umkehrung
Video ermöglicht eine gezielte Veränderung von Zeit. In der Zeitlupe werden Details sichtbar, die im normalen Ablauf kaum wahrgenommen werden. Beschleunigung verdichtet längere Vorgänge. Rückwärtslauf kann Ursache und Wirkung scheinbar vertauschen.
Zeit ist deshalb nicht bloß die Dauer eines Videos, sondern ein formbares künstlerisches Material.
Closed Circuit und Feedback
Bei einem Closed-Circuit-System nimmt eine Kamera ein Geschehen auf und überträgt das Bild unmittelbar auf einen angeschlossenen Monitor oder Projektor. Betrachtende können sich dadurch selbst im Werk sehen.
Wird eine Kamera auf den Monitor gerichtet, der ihr eigenes Bild zeigt, kann ein elektronisches Feedback entstehen: Das Bild enthält sich selbst immer wieder. Solche Rückkopplungen waren für frühe Videokünstler besonders interessant, weil sie technische Prozesse sichtbar machten.
Found Footage und Appropriation
Found Footage bezeichnet bereits existierendes Bildmaterial, das in einen neuen künstlerischen Zusammenhang gebracht wird. Fernsehbilder, Werbung, Nachrichten, private Filme oder Archivmaterial können neu montiert und dadurch kritisch kommentiert werden.
Dabei musst Du besonders auf Urheberrecht, Lizenzen und Persönlichkeitsrechte achten. Für eigene Schulprojekte eignen sich selbst erstellte Aufnahmen, gemeinfreie Materialien oder passend lizenzierte Creative-Commons-Inhalte.
Mehrkanal und Synchronisation
Bei einer Mehrkanalinstallation laufen mehrere Videos parallel. Sie können exakt synchronisiert sein oder unterschiedliche Längen besitzen, sodass sich immer neue Kombinationen ergeben.
Dadurch musst Du als Betrachtende oder Betrachtender entscheiden, wohin Du blickst. Das Werk zwingt Dich möglicherweise dazu, Informationen auszuwählen und gleichzeitig zu akzeptieren, dass Du nie alles vollständig sehen kannst.
Ton als Gestaltungsmittel
Der Ton kann die räumliche Wirkung einer Videoarbeit stark verändern. Sprache, Musik, Geräusche, elektronische Klänge oder Stille beeinflussen Atmosphäre und Bedeutung. Bei Mehrkanalarbeiten kann auch der Standort von Lautsprechern eine Rolle spielen.
Bild und Ton müssen nicht übereinstimmen. Gerade ein Widerspruch zwischen beiden Ebenen kann neue Bedeutungen erzeugen.
Raum, Körper und Betrachter
Eine Videoinstallation wird nicht nur mit den Augen wahrgenommen. Dein Körper befindet sich im selben Raum wie Projektoren, Monitore, Lichtquellen und Lautsprecher. Du bewegst Dich, wechselst den Blickwinkel und entscheidest selbst, wie lange Du an einem Ort bleibst.
Dadurch wird die Frage nach der Betrachterrolle wichtig. Einige Arbeiten behandeln Dich eher als beobachtende Person. Andere reagieren auf Deine Bewegung oder zeigen Dein eigenes Kamerabild. Wieder andere lassen Dich zwischen mehreren Screens wählen.
Bei interaktiven Medieninstallationen kann die Grenze zwischen Betrachtenden und Werk besonders stark aufgelöst werden. Sensoren, Kameras oder Software erfassen Handlungen des Publikums und verändern daraufhin Bild, Klang oder Licht.
Themen der Videokunst
Videokunst kann nahezu jedes gesellschaftliche und persönliche Thema behandeln. Bestimmte Fragestellungen tauchen jedoch besonders häufig auf.
Medienkritik untersucht, wie Fernsehen, Werbung, soziale Medien oder digitale Plattformen Wirklichkeit darstellen. Körper und Identität werden thematisiert, wenn Künstlerinnen und Künstler Selbstbilder, Geschlechterrollen, Verletzlichkeit oder Überwachung untersuchen. Zeit und Erinnerung stehen im Mittelpunkt, wenn Video Vergänglichkeit, Wiederholung oder Erinnerung sichtbar macht. Technik und Kontrolle werden relevant, wenn Kameras, Netzwerke, Daten oder automatische Systeme Teil des Werks sind.
Auch politische Themen können mit Video bearbeitet werden. Durch Montage, Archivmaterial und Zeugenschaft kann Videokunst gesellschaftliche Konflikte, Krieg, Migration, Umweltfragen oder Machtverhältnisse sichtbar machen. Dabei ist eine sorgfältige Einordnung der Bilder besonders wichtig.
Wie analysierst Du Videokunst?
Bei der Analyse einer Videoarbeit reicht es nicht, nur den Bildinhalt zu beschreiben. Du solltest zusätzlich untersuchen, wie Zeit, Technik, Raum und Deine eigene Wahrnehmung zusammenwirken.
| Analysebereich | Leitfragen |
|---|---|
| Beschreibung | Was siehst und hörst Du, ohne es sofort zu deuten? |
| Bildgestaltung | Welche Farben, Perspektiven, Einstellungen, Bewegungen und Schnitte werden verwendet? |
| Zeit | Ist das Werk linear, wiederholt, beschleunigt, verlangsamt oder offen angelegt? |
| Ton | Welche Geräusche, Stimmen, Musik oder Formen der Stille treten auf? |
| Technik | Welche Kameras, Monitore, Projektionen oder digitalen Verfahren sind erkennbar? |
| Raum | Wo befinden sich Bildquellen, Projektoren, Lautsprecher und Betrachtende? |
| Körper | Musst Du stehen, sitzen, gehen, Dich drehen oder selbst vor eine Kamera treten? |
| Kontext | Welche historischen, politischen oder kulturellen Bezüge sind wichtig? |
| Interpretation | Wie arbeiten Inhalt, Form, Technik, Raum und Zeit zusammen? |
Eine überzeugende Interpretation verbindet Beobachtung und Deutung. Statt nur zu schreiben, ein Werk wirke „spannend“ oder „seltsam“, solltest Du begründen, welche konkrete Gestaltung diese Wirkung erzeugt.
Technik als Teil der Bedeutung
In Videokunst ist Technik häufig nicht austauschbar. Ein alter Röhrenmonitor erzeugt eine andere Bildwirkung als ein moderner OLED-Bildschirm. Eine analoge Störung sieht anders aus als ein digital programmierter Glitch. Ein Projektor verändert den Raum anders als ein Smartphone.
Deshalb stellt sich bei historischen Werken die Frage, ob ein defekter alter Monitor durch ein modernes Gerät ersetzt werden darf. Wenn die Form des Geräts, seine Helligkeit und seine technische Funktionsweise zur Bedeutung gehören, kann ein Austausch das Werk stark verändern.
Die Konservierung von Medienkunst ist deshalb ein eigenes Fachgebiet. Museen dokumentieren technische Aufbauten, sichern digitale Dateien, erhalten historische Geräte oder entwickeln Strategien zur Migration auf neue Systeme. Dabei muss immer entschieden werden, welche Eigenschaften eines Werks unbedingt erhalten bleiben müssen.
Videokunst im digitalen Zeitalter
Digitale Kameras, Smartphones, Schnittprogramme und Projektoren haben die Produktion von Bewegtbildern stark vereinfacht. Gleichzeitig ist die Grenze zwischen Kunst, Onlinevideo, Social Media, Musikvideo, Film und interaktiven Medien durchlässiger geworden.
Videokunst reagiert auf diese Situation, indem sie etwa algorithmische Bildwelten, digitale Überwachung, Netzwerkkommunikation, virtuelle Räume oder die enorme Menge zirkulierender Bilder untersucht. Sie kann sich dabei mit Netzkunst, Virtual Reality, Augmented Reality, Computerkunst und generativen Verfahren überschneiden.
Gerade weil bewegte Bilder heute allgegenwärtig sind, bleibt eine zentrale Frage der Videokunst aktuell: Wie verändern technische Bilder unsere Wahrnehmung von Wirklichkeit?
Eigene Videokunst gestalten
Für ein eigenes Projekt brauchst Du nicht zwingend teure Technik. Ein Smartphone, ein einfaches Schnittprogramm und eine klare Idee reichen für viele Konzepte aus. Wichtig ist, dass die technische Gestaltung mit Deiner künstlerischen Absicht zusammenpasst.
Ein kurzer Loop kann eine Alltagsbewegung verfremden. Eine statische Kamera kann Veränderungen über längere Zeit beobachten. Eine Projektion kann einen gewöhnlichen Raum transformieren. Zwei gleichzeitig laufende Videos können widersprüchliche Perspektiven zeigen. Eine Live-Kamera kann die Betrachtenden in das Werk einbeziehen.
Bevor Du fremde Musik, Bilder oder Videos übernimmst, prüfe die Nutzungsrechte. Verwende möglichst eigenes Material, gemeinfreie Werke oder eindeutig passend lizenzierte Inhalte. Wenn Personen erkennbar aufgenommen werden, solltest Du ihre Zustimmung einholen und schulische Datenschutzregeln beachten.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Was kennzeichnet Videokunst besonders? (Bewegtbild und elektronische oder digitale Technik werden als künstlerisches Material eingesetzt) (!Sie besteht ausschließlich aus Spielfilmen) (!Sie darf nur auf einem Fernsehgerät gezeigt werden) (!Sie muss immer eine lineare Handlung besitzen)
Welches Ereignis gilt als wichtiger Bezugspunkt der frühen Videokunst im Jahr 1963? (Nam June Paiks Ausstellung mit elektronisch veränderten Fernsehbildern in Wuppertal) (!Die Erfindung des Smartphones) (!Die erste Kinovorführung der Brüder Lumière) (!Die Einführung von YouTube)
Warum war tragbare Videotechnik für die Entwicklung der Videokunst wichtig? (Künstler konnten bewegte Bilder unabhängiger von Fernsehstudios aufnehmen und wiedergeben) (!Sie machte jede Videokamera automatisch zu einem Kunstwerk) (!Sie ersetzte sofort alle Formen der Malerei) (!Sie verhinderte elektronische Bildmanipulation)
Was bezeichnet ein Closed-Circuit-System? (Eine Kamera überträgt ihr Bild unmittelbar innerhalb eines geschlossenen Systems auf einen Monitor oder Projektor) (!Ein Video wird ausschließlich im Kino gezeigt) (!Eine Kamera besitzt keinen Bildsensor) (!Ein Film wird ohne Ton abgespielt)
Was ist ein Loop in der Videokunst? (Eine wiederholt abgespielte Bild- oder Tonsequenz) (!Eine einmalige Liveübertragung ohne Aufzeichnung) (!Ein stillstehendes Gemälde) (!Eine rein schriftliche Bildbeschreibung)
Was ist bei einer Videoinstallation besonders wichtig? (Die Beziehung zwischen Bewegtbild und Ausstellungsraum) (!Nur der Preis der verwendeten Kamera) (!Ausschließlich die Länge des Videos) (!Nur die Zahl der Sitzplätze)
Welche Aussage beschreibt das Verhältnis von Videokunst und Experimentalfilm sinnvoll? (Beide können ähnliche Verfahren nutzen, doch Videokunst kann den Ausstellungsraum besonders stark einbeziehen) (!Videokunst darf niemals filmische Mittel verwenden) (!Experimentalfilm besitzt grundsätzlich keine bewegten Bilder) (!Beide Begriffe bedeuten immer genau dasselbe)
Welche Künstlerin ist für farbintensive und immersive Videoinstallationen bekannt? (Pipilotti Rist) (!Frida Kahlo) (!Käthe Kollwitz) (!Angelika Kauffmann)
Warum kann die Restaurierung historischer Videokunst schwierig sein? (Technische Geräte und Datenformate können veralten oder nicht mehr verfügbar sein) (!Videokunst besteht immer nur aus Papier) (!Elektronische Geräte verändern sich grundsätzlich nie) (!Museen dürfen technische Kunstwerke nicht dokumentieren)
Welche Frage gehört zu einer guten Analyse von Videokunst? (Wie beeinflussen Raum Zeit Technik Bild und Ton gemeinsam die Wahrnehmung) (!Welches Werk hat die meisten Pixel) (!Welche Kamera ist am teuersten) (!Welche Farbe gefällt mir unabhängig vom Werk am besten)
Memory
| Nam June Paik | Pionier elektronisch manipulierter Fernsehbilder |
| Sony Portapak | Tragbare Aufnahmetechnik |
| Closed Circuit | Direkte Liveübertragung innerhalb eines Systems |
| Loop | Wiederholte Sequenz |
| Bill Viola | Zeitdehnung und monumentale Bewegtbilder |
| Pipilotti Rist | Immersive Farb- und Raumwelten |
| Videoskulptur | Technisches Gerät als plastischer Bestandteil |
| Videoinstallation | Bewegtbild gestaltet einen Ausstellungsraum |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Single-Channel | Eine zusammenhängende Bildspur auf einem primären Ausgabegerät |
| Multi-Channel | Mehrere Bildspuren werden gleichzeitig eingesetzt |
| Closed Circuit | Kamerabild wird unmittelbar im selben System wiedergegeben |
| Found Footage | Bereits vorhandenes Bildmaterial wird neu kontextualisiert |
| Site-specific | Die Arbeit ist gezielt auf einen bestimmten Ort bezogen |
Kreuzworträtsel
| Portapak | Wie heißt eine tragbare Videotechnik, die für die frühe Videokunst besonders wichtig wurde? |
| Monitor | Wie heißt ein elektronisches Anzeigegerät, das in vielen Videowerken verwendet wird? |
| Feedback | Wie heißt eine Rückkopplung, bei der ein Bildsignal wieder auf sich selbst wirkt? |
| Installation | Wie heißt eine Kunstform, bei der verschiedene Elemente einen Raum gestalten? |
| Montage | Wie heißt das Zusammenfügen verschiedener Einstellungen zu einer Bildfolge? |
| Projektion | Wie heißt das Werfen eines Bildes auf eine Fläche mit einem Projektor? |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Video-Loop: Nimm eine alltägliche Bewegung auf und gestalte daraus einen Loop von höchstens 20 Sekunden. Begründe, wie die Wiederholung die Bedeutung verändert.
- Storyboard: Entwirf sechs Bilder für eine Videoarbeit zum Thema „Zeit“. Plane dabei Einstellung, Bewegung, Dauer und Ton.
- Klang und Bild: Filme einen Ort zunächst ohne Ton und kombiniere die Aufnahme anschließend mit selbst aufgenommenen Geräuschen aus einem anderen Umfeld. Beschreibe die veränderte Wirkung.
- Werkanalyse: Wähle eine kurze Videoarbeit aus einem Museum oder einer seriösen Kunstsammlung und analysiere Bild, Ton, Zeit und Präsentationsform.
Standard
- Closed Circuit: Baue mit einer Kamera und einem Bildschirm eine einfache Live-Rückkopplung auf. Experimentiere mit Blickwinkel und Verzögerung und dokumentiere Deine Beobachtungen.
- Found Footage: Erstelle aus selbst produziertem oder frei lizenziertem Material eine kurze Montage, die eine neue Aussage erzeugt. Dokumentiere die Herkunft aller verwendeten Medien.
- Videoinstallation: Projiziere ein eigenes Video auf drei unterschiedliche Oberflächen und fotografiere die Ergebnisse. Entscheide anschließend, welche Oberfläche inhaltlich am besten zum Werk passt.
- Interview: Führe ein Interview mit einer Person, die sich mit Video, Kunst, Film, Mediengestaltung oder Ausstellungstechnik beschäftigt. Frage besonders nach dem Verhältnis von Idee und Technik.
Schwer
- Mehrkanalinstallation: Entwickle eine Arbeit mit mindestens zwei gleichzeitig laufenden Videos. Plane, welche Informationen gleichzeitig sichtbar sein sollen und welche bewusst verborgen bleiben.
- Ausstellungskonzept: Kuratiere eine kleine fiktive Ausstellung zur Videokunst. Wähle mindestens vier künstlerische Positionen aus und begründe Raumfolge, Projektion, Licht und Ton.
- Medienkonservierung: Entwickle für ein fiktives Werk aus Röhrenmonitor, Videokassette und Lautsprecher ein Erhaltungskonzept. Entscheide, welche Bestandteile original bleiben müssen und welche technisch ersetzt werden dürfen.
- Medienkritik: Produziere eine eigene Videoarbeit zu algorithmischen Feeds, Überwachung oder digitaler Selbstdarstellung. Verknüpfe Deine ästhetischen Entscheidungen mit einer begründeten gesellschaftlichen Aussage.


Lernkontrolle
- Raumwirkung: Vergleiche eine Videoarbeit auf einem Smartphone mit derselben Arbeit als großformatige Projektion. Erkläre, wie sich Wahrnehmung, Körperbezug und Bedeutung verändern können.
- Technik und Aussage: Entwickle für dasselbe Thema zwei unterschiedliche technische Konzepte, eines als Closed Circuit und eines als vorproduzierten Loop. Begründe, welche Aussage jeweils entsteht.
- Medienkritische Analyse: Untersuche ein kurzes Social-Media-Video und überlege, wie eine Videokünstlerin oder ein Videokünstler dessen Bildsprache verfremden könnte, um die Funktionsweise der Plattform kritisch sichtbar zu machen.
- Kuratorische Entscheidung: Ein historisches Werk wurde ursprünglich auf einem Röhrenmonitor gezeigt, der nicht mehr funktioniert. Diskutiere mindestens zwei Restaurierungsstrategien und ihre Folgen für die Authentizität.
- Mehrkanaldramaturgie: Plane drei gleichzeitig laufende Bildspuren zum Thema „Erinnerung“. Erkläre, weshalb die Zuschauenden nicht alles gleichzeitig erfassen sollen oder können.
- Transferaufgabe: Entwirf eine Videoinstallation für einen konkreten Ort in Deiner Schule, Hochschule oder Stadt. Zeige, wie Architektur, Laufwege, Licht, Ton und Inhalt zusammenwirken.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zur Videokunst solltest Du zeigen können, dass Du Videokunst nicht nur über einzelne Namen oder Jahreszahlen definierst, sondern ihre ästhetischen, technischen und räumlichen Zusammenhänge verstehst.
- Begriffskompetenz: Erkläre Videokunst, Videoinstallation, Videoskulptur, Loop, Closed Circuit, Feedback, Multi-Channel und Found Footage sicher.
- Historische Einordnung: Ordne die Entstehung der Videokunst in die Medienentwicklung seit den 1960er Jahren ein und beschreibe die Bedeutung früher Positionen wie Nam June Paik, Wolf Vostell und VALIE EXPORT.
- Analysekompetenz: Untersuche Bild, Ton, Zeit, Technik, Raum, Körper und Betrachterrolle in einer konkreten Videoarbeit.
- Interpretationskompetenz: Verbinde formale Beobachtungen mit einer nachvollziehbaren Deutung.
- Gestaltungskompetenz: Entwickle eine eigene Videoidee, bei der technische Mittel bewusst zur Aussage beitragen.
- Medienkompetenz: Berücksichtige Urheberrecht, Lizenzen, Persönlichkeitsrechte und einen verantwortungsvollen Umgang mit Bildmaterial.
- Reflexionskompetenz: Begründe, wie digitale Technik und gesellschaftliche Mediennutzung die heutige Videokunst beeinflussen.
OERs zum Thema
Weiterführende Quellen
Der Wikipedia-Artikel Videokunst bietet einen Überblick über Geschichte, Formen und wichtige künstlerische Positionen. Zur Vertiefung eignen sich außerdem Sammlungs- und Forschungsangebote des Museum of Modern Art, der Tate Gallery, des ZKM sowie des n.b.k. Video-Forums.
ZKM | Zentrum für Kunst und Medien
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