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SHADOW PUPPETS AND INSTRUCTED MIME

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SHADOW PUPPETS AND INSTRUCTED MIME




SHADOW PUPPETS AND INSTRUCTED MIME


Einleitung

SHADOW PUPPETS AND INSTRUCTED MIME ist eine 1990 entstandene Arbeit des US-amerikanischen Künstlers Bruce Nauman. Obwohl sie im Unterricht wie ein Film analysiert werden kann, ist sie kunsthistorisch genauer als raumfüllende, sechskanalige Videoinstallation zu beschreiben. Die Arbeit verbindet bewegte Bilder, Projektionen, Monitore, Ton, skulpturale Elemente und den realen Ausstellungsraum. Gerade diese Verbindung ist entscheidend: Du siehst nicht einfach einen Film auf einer Leinwand, sondern befindest Dich in einem medialen Dispositiv, das Deine Wahrnehmung lenkt und Dich körperlich in die Situation einbezieht.

Im Zentrum steht eine geschminkte, clownhaft wirkende Pantomimin. Eine körperlich nicht sichtbare männliche Stimme gibt ihr immer neue Handlungsanweisungen. Die Performerin soll Positionen einnehmen, sich hinlegen, rollen, aufrichten, aufstehen oder sich tot stellen. Ihre Bewegungen erscheinen auf verschiedenen Bildträgern und Projektionen. Gleichzeitig gehören pendelnde beziehungsweise in Bewegung gesetzte Wachsköpfe und deren Schatten zum Raum. So entsteht eine dunkle, unübersichtliche Situation zwischen Bühne, Versuchsanordnung, Black Box, Kontrollraum und Albtraum.

Für die Jahrgangsstufen 11–13 eignet sich die Arbeit besonders, weil Du an ihr zentrale Fragen moderner und zeitgenössischer Kunst untersuchen kannst: Wie wird ein Mensch durch Sprache gesteuert? Was bleibt von Autonomie, wenn der Körper Befehlen folgt? Wann wird Wiederholung zu Übung, wann zu Zwang? Welche Rolle spielen Blick, Raum und technische Medien? Und was sagt die Installation über die Conditio humana, also über grundlegende Bedingungen menschlicher Existenz, aus?

Der folgende Film der Tate gibt Dir einen Überblick über Naumans künstlerische Praxis und seine Arbeit mit Körper, Handlung, Sprache und Installation:


Werkdaten und Einordnung

Künstler und Regie: Bruce Nauman

Titel: SHADOW PUPPETS AND INSTRUCTED MIME

Jahr: 1990

Gattung: Videokunst, Videoinstallation, Medienkunst, Installation

Technischer Aufbau: sechskanalige Videoinstallation in Farbe und mit Ton; vier Projektionen; vier Farbvideomonitore; drei Wachsköpfe; zwei Leintücher sowie Draht, Holz und Karton.

Sammlung: Emanuel Hoffmann-Stiftung; als Depositum in der Öffentlichen Kunstsammlung Basel.

Die Installation wurde 1990 im damaligen Museum für Gegenwartskunst Basel präsentiert und aus diesem Zusammenhang für die Sammlung der Emanuel Hoffmann-Stiftung erworben. Sie gehört zu einer Werkphase, in der Nauman Fragen nach Macht, Kontrolle, gesellschaftlicher Regulierung, körperlicher Präsenz und menschlicher Wahrnehmung besonders intensiv in raumgreifenden Medieninstallationen bearbeitet.


Bruce Nauman und die Erweiterung des Kunstbegriffs

Bruce Nauman arbeitet seit den 1960er Jahren mit sehr unterschiedlichen Medien. Dazu gehören Skulptur, Performance, Film, Video, Fotografie, Zeichnung, Neon, Sprache, Ton und architektonisch erfahrbare Räume. Für ihn kann bereits eine einfache körperliche Handlung zum Material von Kunst werden. Gehen, Stehen, Drehen, Wiederholen, Sprechen oder das Befolgen einer Regel werden zu Versuchsanordnungen, in denen sichtbar wird, wie Körper und Wahrnehmung organisiert sind.

Die folgende frei zugängliche Wikimedia-Commons-Aufnahme zeigt mit Diamond Shaped Room with Yellow Light eine andere Arbeit Naumans. Sie ist nicht Bestandteil von SHADOW PUPPETS AND INSTRUCTED MIME, eignet sich aber zum Vergleich, weil auch dort Raum, Licht und körperliche Orientierung zu künstlerischen Mitteln werden.

Ein Überblick von Art21 verdeutlicht, wie Nauman Handlungen, Sprache, Körper und unterschiedliche Medien als gleichwertige Bestandteile seiner Kunst versteht:


Die Black Box als Erfahrungsraum

Die Black Box ist hier nicht bloß ein neutraler Raum, in dem Videobilder gezeigt werden. Sie ist Teil des Werks. Dunkelheit, Leuchtflächen, Monitore, Projektionen, Stimmen, Geräusche und die im Raum vorhandenen Wachsköpfe erzeugen eine Situation, in der Du Dich orientieren musst. Die Installation verlangt deshalb eine andere Rezeptionshaltung als ein klassischer Kinofilm.

Im Kino ist Dein Blick meistens nach vorn gerichtet. In SHADOW PUPPETS AND INSTRUCTED MIME verteilt sich das Geschehen dagegen auf mehrere Orte. Du kannst nicht alles gleichzeitig überblicken. Wenn Du Dich einem Monitor zuwendest, geschieht hinter Dir möglicherweise etwas anderes. Dadurch wird die Erfahrung von Kontrollverlust formal in die räumliche Wahrnehmung übersetzt.

Die Installation macht den Betrachterkörper also selbst zum Bestandteil des Wahrnehmungsexperiments. Du wirst nicht körperlich gezwungen, aber Deine Aufmerksamkeit wird von Bild zu Bild, von Klang zu Klang und von Projektion zu Projektion gezogen. Damit entsteht eine wichtige Parallele zur Pantomimin: Auch sie wird dirigiert. Während ihre Bewegungen durch Befehle organisiert werden, wird Dein Blick durch die Medienanordnung organisiert.

Eine weitere frei lizenzierte Commons-Aufnahme zeigt Naumans Truncated Pyramid Room in Lörrach. Auch diese Arbeit gehört nicht zur hier untersuchten Installation, macht aber anschaulich, wie Nauman Räume als körperlich erfahrbare Formen einsetzt.


Raum statt einzelnes Filmbild

Bei einer konventionellen Filmanalyse untersuchst Du häufig Einstellung, Kamera, Montage, Mise-en-scène, Ton und Erzählstruktur. Diese Begriffe bleiben auch hier wichtig, müssen aber erweitert werden.

Die Montage findet nicht nur zeitlich innerhalb eines Videos statt. Sie wird räumlich: Sechs Videoabläufe verteilen sich auf vier Monitore und mehrere Projektionen. Die Sequenzen wandern in wechselndem Rhythmus von einem Wiedergabegerät zum nächsten und zirkulieren gegen den Uhrzeigersinn. Dadurch wird der Ausstellungsraum selbst zu einer Art Schnittfläche.

Der Raum organisiert also Übergänge, Unterbrechungen und Wiederholungen. Statt nur zu fragen „Was folgt im Film auf diese Einstellung?“ kannst Du zusätzlich fragen: „Wo taucht ein Bild als Nächstes im Raum auf?“ und „Wie verändert sich meine Wahrnehmung, wenn dasselbe Handlungsmaterial an einem anderen Ort erscheint?“


Die Pantomimin: Körper unter Anweisung

Die Performerin trägt eine für die Pantomime typische starke Bühnenmaske beziehungsweise ein theatralisches Make-up. Ihr Körper ist dadurch zugleich individuell und typisiert. Sie ist eine konkrete Person, wirkt aber auch wie eine Figur, ein Zeichen oder eine Rolle. Die clownhafte Erscheinung verstärkt die Spannung zwischen Komik und Bedrohung.

Eine männliche Stimme bleibt körperlich unsichtbar und gibt Anweisungen. Dieses Verhältnis erzeugt eine klare Asymmetrie: Der sichtbare Körper handelt, während die unsichtbare Stimme benennt, fordert, beschleunigt oder begrenzt. Sprache tritt hier nicht als Gespräch zwischen gleichberechtigten Personen auf, sondern als Instrument der Steuerung.

Die Pantomimin gehorcht jedoch nicht völlig mechanisch. In einzelnen Bewegungsabläufen entwickelt sie Variationen und behandelt Anweisungen zeitweise wie eine spielerische Herausforderung. Darin liegt eine wichtige Ambivalenz: Fremdsteuerung und Eigeninitiative schließen einander nicht vollständig aus. Gerade deshalb wird die Arbeit für eine Analyse von Freiheit, Verantwortung und Handlungsspielraum interessant.


Kontrolle und Fremdsteuerung

Die Installation stellt keine einfache Botschaft nach dem Muster „Befehl gleich Unterdrückung“ bereit. Sie erzeugt vielmehr ein Spannungsfeld.

Kontrolle zeigt sich zunächst in der Stimme. Jemand bestimmt, was als Nächstes geschehen soll.

Fremdsteuerung zeigt sich im sichtbaren Körper. Die Performerin reagiert auf Anforderungen, die nicht von ihr selbst formuliert wurden.

Eigenständigkeit zeigt sich in der Art der Ausführung. Ein Befehl legt eine Aufgabe fest, bestimmt aber nicht automatisch jede Geste und jede Nuance.

Verantwortung wird dadurch kompliziert. Wenn eine Person einen Befehl befolgt, stellt sich die Frage, wie weit sie für die konkrete Handlung verantwortlich bleibt.

Diese Struktur lässt sich auf viele gesellschaftliche Situationen übertragen: Schule, Arbeitswelt, Militär, Verwaltung, digitale Plattformen, Leistungsnormen oder soziale Rollen. Eine solche Übertragung ist jedoch eine Interpretation und kein Beweis für eine einzelne, von Nauman festgelegte Bedeutung.


Die körperlose Stimme

Besonders wirkungsvoll ist, dass die befehlende Stimme keinen sichtbaren Körper besitzt. In der Filmtheorie kann eine solche Stimme als Off-Stimme oder akusmatische Stimme beschrieben werden: Man hört eine sprechende Instanz, sieht ihre Quelle aber nicht.

Dadurch entsteht Macht ohne sichtbares Zentrum. Die Stimme muss nicht körperlich anwesend sein, um das Verhalten der Figur zu strukturieren. Genau darin liegt eine Verbindung zu modernen Formen von Kontrolle: Regeln, Algorithmen, institutionelle Vorgaben oder technische Systeme können Handlungen lenken, obwohl kein einzelner Befehlshaber unmittelbar vor einer Person steht.

Für Deine Analyse ist deshalb wichtig, zwischen Person und Funktion zu unterscheiden. Die Stimme ist eine männliche Stimme, kann innerhalb der Installation aber zugleich als abstrakte Funktion des Anweisens verstanden werden.


Wachsköpfe, Schatten und Verletzlichkeit

Neben der Pantomimin gehören drei Wachsköpfe zum Werk. Sie erscheinen nicht nur als reale skulpturale Gegenstände im Raum, sondern werden auch durch Licht und Projektion in Schattenbilder überführt. In aufgenommenen Sequenzen werden hängende Köpfe in Bewegung gesetzt; sie können gegeneinanderschlagen. Der Ton solcher Zusammenstöße verstärkt die körperliche Härte der Situation.

Wachs ist dabei ein bedeutungsoffenes Material. Es kann an Haut, Körperabdruck, Totenmaske, Verletzlichkeit und Vergänglichkeit erinnern. Anders als ein lebender Kopf kann ein Wachskopf nicht reagieren, ausweichen oder widersprechen. Er ist ein Objekt, das bewegt werden kann.

Dadurch entsteht ein Kontrast zur Pantomimin: Sie ist ein lebender Körper, der auf Befehle reagiert und Varianten entwickelt. Der Wachskopf dagegen ist vollständig verfügbar. Die Installation spannt so ein Spektrum zwischen handelndem Subjekt und bewegtem Objekt auf.

Die Schatten wiederum entziehen dem Kopf Materialität. Aus einem dreidimensionalen Gegenstand wird eine flüchtige Silhouette. Diese Wechsel zwischen Körper, Objekt, Bild und Schatten gehören zu den zentralen Wahrnehmungsoperationen des Werks.


Der Titel: Shadow Puppets

Der Ausdruck Shadow Puppets verweist auf Schattenspiel und Schattenfigur. Eine Schattenfigur ist abhängig von Lichtquelle, Gegenstand und Projektionsfläche. Sie besitzt keine autonome Bewegung, sondern entsteht durch ein technisches und räumliches Verhältnis.

Dadurch lässt sich der Titel auf die Pantomimin beziehen: Wird auch ihr Körper zu einer Art „Schattenpuppe“, weil er durch eine fremde Stimme organisiert wird? Gleichzeitig wäre diese Gleichsetzung zu einfach, denn die Performerin reagiert nicht rein mechanisch.

Der Begriff kann ebenso auf Dich als Betrachterin oder Betrachter zurückwirken. Auch Deine Wahrnehmung hängt von einem vorgegebenen Arrangement aus Licht, Projektion, Bildschirm, Ton und Bewegungsrichtung ab. Damit stellt sich die Frage, wer in dieser Installation eigentlich „Puppe“ ist: die Pantomimin, die Wachsköpfe, die projizierten Bilder oder vielleicht auch das Publikum.


Wiederholung und Loop

Wiederholung ist ein Grundprinzip der Installation. Die Videoabläufe zirkulieren, Handlungsfolgen kehren wieder, Befehle erzeugen neue Körperpositionen, und Bildmaterial springt von einem Wiedergabegerät zum nächsten.

Eine Wiederholung ist dabei nie vollkommen neutral. Wenn dieselbe oder eine ähnliche Handlung erneut erscheint, kennst Du sie bereits. Deine Erwartung verändert sich. Dadurch kann Wiederholung unterschiedliche Wirkungen erzeugen:

Sie kann wie Training erscheinen, weil Bewegungen eingeübt werden.

Sie kann wie Ritual erscheinen, weil eine Handlung nach festen Regeln wiederkehrt.

Sie kann wie Zwang erscheinen, weil der Ablauf kein erkennbares Ende besitzt.

Sie kann wie Experiment erscheinen, weil kleine Unterschiede innerhalb ähnlicher Vorgaben sichtbar werden.

Sie kann komisch wirken, wenn eine absurde Anweisung immer weiter ausgeführt wird, und zugleich bedrohlich, wenn das Aufhören nicht vorgesehen ist.

Gerade das offene Kreisen der Abläufe verhindert eine klassische dramatische Auflösung. Es gibt keinen eindeutigen Höhepunkt, nach dem die Ordnung wiederhergestellt wäre. Das Werk hält Dich in einem Zustand fortgesetzter Beobachtung.


Körper und Medium

Die Installation zeigt den Körper nie nur als unmittelbare Gegenwart. Der Körper ist gefilmt, übertragen, projiziert, verkleinert, vergrößert, wiederholt und räumlich verteilt. Deshalb eignet sich das Werk für eine Untersuchung der Frage, wie Medien Körperbilder verändern.

Ein auf einem Monitor sichtbarer Körper ist materiell abwesend und bildlich anwesend. Eine Projektion kann größer als lebensgroß werden. Ein Schatten kann den Körper auf eine Kontur reduzieren. Ein Wachskopf kann den menschlichen Kopf als formbares Objekt wiederholen.

Du kannst deshalb vier Ebenen unterscheiden:

  1. Leib: der lebende, empfindende und handelnde Körper der Performerin.
  2. Körperbild: die technisch aufgezeichnete und wiedergegebene Erscheinung.
  3. Skulptur: der Wachskopf als materieller, aber nicht lebender Körperersatz.
  4. Schatten: die flüchtige, zweidimensionale Spur eines Gegenstands.

Diese Ebenen geraten ständig ineinander. Die Installation fragt dadurch indirekt, was einen Menschen als Subjekt auszeichnet: bloße Sichtbarkeit, körperliche Präsenz, Entscheidungsfähigkeit, Sprache oder Widerstand?


Videoinstallation und Zuschauerrolle

In SHADOW PUPPETS AND INSTRUCTED MIME wird das Publikum nicht nur informiert, sondern situiert. Die Arbeit schafft Bedingungen, unter denen Wahrnehmung stattfindet. In diesem Sinn ist der Begriff Dispositiv hilfreich.

Ein Dispositiv umfasst mehr als einzelne Gegenstände. Es bezeichnet ein Gefüge aus Raum, Technik, Regeln, Blickachsen, Körperpositionen und möglichen Handlungen. In dieser Installation gehören dazu die Black Box, Monitore, Projektionen, Leintücher, Stimmen, Geräusche, Wachsköpfe, Videosequenzen und Dein eigener Standort.

Die Frage „Was zeigt das Video?“ reicht deshalb nicht aus. Du solltest zusätzlich fragen: „Was macht die Installation mit meiner Position als Betrachter?“ und „Welche Wahrnehmungsentscheidungen zwingt oder ermöglicht sie mir?“


Vergleich: Naumans räumliche Versuchsanordnungen

Eine frei lizenzierte Commons-Aufnahme aus dem Inneren von Naumans Center of the Universe kann Dir helfen, seine Auseinandersetzung mit räumlicher Orientierung vergleichend zu untersuchen.

Wichtig ist die methodische Trennung: Das Foto zeigt ein anderes Werk. Es dient hier nicht als Abbildung von SHADOW PUPPETS AND INSTRUCTED MIME, sondern als Vergleichsmaterial zu Naumans Interesse an Raum, Körperposition und Wahrnehmung.


Conditio humana

Der lateinische Ausdruck Conditio humana bezeichnet grundlegende Bedingungen menschlichen Daseins. Dazu gehören Endlichkeit, Körperlichkeit, Abhängigkeit, Freiheit, Verantwortung, soziale Bindung, Verletzlichkeit und das Verhältnis zu anderen Menschen und zu gesellschaftlichen Ordnungen.

SHADOW PUPPETS AND INSTRUCTED MIME lässt sich unter diesem Blickwinkel als Versuchsanordnung über menschliche Existenz lesen.

Der Mensch ist körperlich: Die Performerin muss jede Anweisung mit ihrem Körper vollziehen.

Der Mensch ist abhängig: Handlungen entstehen nicht nur aus eigenem Willen, sondern auch aus Regeln, Sprache und Erwartungen anderer.

Der Mensch besitzt dennoch Spielräume: Die Art der Ausführung kann variieren.

Der Mensch ist verletzlich: Die Wachsköpfe und ihre Kollisionen erzeugen Bilder körperlicher Gefährdung und Objektwerdung.

Der Mensch ist zeitlich gebunden: Wiederholung und Loop lassen Handlungen in einer fortgesetzten Gegenwart kreisen.

Der Mensch ist verantwortlich: Gerade im Spannungsfeld zwischen Befehl und Ausführung stellt sich die Frage, wie individuelle Verantwortung möglich bleibt.

Die Installation liefert auf diese Fragen keine abschließende philosophische Antwort. Ihre Stärke liegt darin, dass sie die Probleme nicht nur benennt, sondern als körperlich-räumliche Erfahrung organisiert.


Autonomie und Heteronomie

Autonomie bedeutet Selbstbestimmung. Heteronomie bedeutet, dass Handeln von fremden Regeln oder Vorgaben bestimmt wird. In Naumans Installation treffen beide Pole unmittelbar aufeinander.

Die Stimme formuliert die Aufgabe. Das spricht für Heteronomie.

Die Performerin realisiert die Aufgabe durch ihren eigenen Körper. Dabei entstehen Variationen. Das eröffnet Momente von Autonomie.

Gerade diese Zwischenzone ist entscheidend. Menschen handeln häufig weder vollkommen frei noch vollständig unfrei. Sie handeln innerhalb von Bedingungen, Rollen, Institutionen und Erwartungen. SHADOW PUPPETS AND INSTRUCTED MIME kann deshalb als Modell für eine bedingte Freiheit gelesen werden.


Macht, Disziplin und Verantwortung

Als theoretische Perspektive kann Michel Foucaults Analyse moderner Disziplinarmacht hilfreich sein. Foucault untersucht, wie Verhalten durch Regeln, Beobachtung, räumliche Organisation, Wiederholung und Übung geformt werden kann. Diese Theorie ist keine notwendige „Lösung“ des Werks, bietet aber Begriffe, um bestimmte Strukturen genauer zu beschreiben.

Die Pantomimin wird nicht durch sichtbare körperliche Gewalt gesteuert. Vielmehr ordnet Sprache ihre Handlungen. Die technische Installation wiederholt, verteilt und vervielfacht diese Körperbilder. Dadurch kann Macht als etwas erscheinen, das nicht nur von einer Person ausgeht, sondern in einem ganzen System von Anweisung, Technik, Raum und Wiederholung steckt.

Gleichzeitig bleibt die Frage nach individueller Verantwortung bestehen. Wer ist verantwortlich für eine ausgeführte Handlung: die befehlende Stimme, die ausführende Person, die technische Struktur oder alle Beteiligten in unterschiedlicher Weise?


Komik, Groteske und Bedrohung

Die clownhafte beziehungsweise pantomimische Figur erzeugt zunächst Erwartungen an Unterhaltung. Pantomime, Clown und Slapstick arbeiten traditionell mit überzeichneten Bewegungen, Wiederholung, Missverständnissen und körperlicher Komik.

Nauman nutzt ähnliche Mittel, verschiebt sie jedoch. Ein komischer Bewegungsauftrag kann durch ständige Wiederholung aggressiv werden. Ein Sturz kann zwischen Slapstick und Verletzung schwanken. Ein „Totstellen“ kann zugleich Spiel und Todesbild sein. Die Wachsköpfe können absurd erscheinen und dennoch an Gewalt oder Vergänglichkeit erinnern.

Diese Ambivalenz ist zentral: Das Werk zwingt Dich nicht, Dich eindeutig zwischen Lachen und Unbehagen zu entscheiden. Gerade das unsichere Nebeneinander von Komik und Gewalt verschärft die Frage nach der Rolle des Publikums. Wenn eine fremdgesteuerte Figur komisch wirkt, kann das eigene Lachen Teil des Problems werden.


Ton und akustische Macht

Der Ton ist kein Zusatz zum Bild, sondern ein gleichwertiges Gestaltungsmittel. Die befehlende Stimme strukturiert Zeit und Handlung. Geräusche von Bewegungen und Zusammenstößen setzen körperliche Akzente. In einer dunklen Installation kann Ton außerdem aus Richtungen kommen, die Du nicht sofort visuell zuordnen kannst.

Damit erhält das Hören eine räumliche Funktion. Die Stimme führt nicht nur die Pantomimin, sondern auch Deine Aufmerksamkeit. Ein plötzliches Geräusch kann Dich zum Umdrehen bringen. Der Klang übernimmt somit teilweise dieselbe Steuerungsfunktion, die der Befehl gegenüber der Performerin besitzt.


Filmanalytische Begriffe für das Werk

Für eine Oberstufenanalyse kannst Du klassische Begriffe der Filmanalyse verwenden und auf die Installation übertragen.

Mise-en-scène bezeichnet die Anordnung dessen, was im Bild beziehungsweise im Aufführungsraum erscheint: Körper, Stuhl, Gesten, Make-up, Wachsköpfe, Leintücher und Dunkelheit.

Montage bezeichnet hier nicht nur die zeitliche Verbindung einzelner Einstellungen, sondern auch die räumliche Verteilung des Materials auf unterschiedliche Monitore und Projektionsflächen.

Off-Stimme beschreibt die akustisch präsente, visuell aber abwesende Befehlsinstanz.

Loop bezeichnet den wiederkehrenden Ablauf ohne klassische narrative Auflösung.

Mehrkanaligkeit bedeutet, dass mehrere Videokanäle parallel beziehungsweise in räumlicher Folge eingesetzt werden.

Immersion bezeichnet das Eintauchen in eine mediale Raumsituation, die mehrere Sinne und den eigenen Körper einbezieht.

Dispositiv beschreibt das Zusammenwirken von Technik, Raum, Blickordnung, Ton, Regeln und Betrachterposition.


Vergleich mit anderen Arbeiten Bruce Naumans

Für ein tieferes Verständnis lohnt sich der Vergleich mit anderen Werken Naumans.

In frühen Studiofilmen untersucht Nauman einfache, wiederholte Körperhandlungen.

In Clown Torture von 1987 verbindet er Clownsfiguren, Wiederholung, Belastung und psychischen Druck.

In Anthro/Socio von 1991/1992 erscheinen Kopf, Sprache, Wiederholung und audiovisuelle Überwältigung in einer mehrkanaligen Installation.

In räumlichen Arbeiten wie Truncated Pyramid Room wird der Ausstellungsraum selbst zur körperlich wahrnehmbaren Form.

Diese Vergleiche zeigen, dass SHADOW PUPPETS AND INSTRUCTED MIME nicht isoliert steht. Körper, Sprache, Wiederholung, Kontrolle und räumliche Desorientierung kehren in Naumans Werk in unterschiedlichen Medien wieder.

Der folgende Mitschnitt einer MoMA-Veranstaltung zur Retrospektive Bruce Nauman: Disappearing Acts bietet einen vertiefenden kunsthistorischen Kontext:


Deutungsansätze


Interpretation 1: Der Körper als dressiertes System

Die fortlaufenden Anweisungen können als Form von Dressur gelesen werden. Der Körper soll auf Sprache reagieren und immer neue Positionen einnehmen. Durch die Wiederholung wird deutlich, wie Verhalten durch äußere Vorgaben organisiert werden kann.

Diese Lesart betont die Nähe zu Übung, Disziplin und Konditionierung. Sie darf jedoch die Eigenbewegung der Performerin nicht übersehen. Gerade kleine Variationen zeigen, dass der menschliche Körper nicht vollständig auf eine Befehlsfunktion reduziert werden kann.


Interpretation 2: Freiheit innerhalb von Regeln

Eine zweite Lesart setzt den Schwerpunkt auf Handlungsspielraum. Die Stimme legt Aufgaben fest, aber nicht jede Einzelheit der Ausführung. Die Performerin kann Gestik, Rhythmus und Haltung variieren.

Freiheit erscheint hier nicht als völlige Unabhängigkeit von Regeln, sondern als Fähigkeit, innerhalb von Bedingungen Unterschiede zu erzeugen. Diese Deutung eignet sich besonders für die philosophische Diskussion über Willensfreiheit.


Interpretation 3: Der Mensch als Bild und Objekt

Die Installation vervielfacht den menschlichen Körper medial. Die Pantomimin wird zum Monitorbild und zur Projektion. Die Wachsköpfe reduzieren den Menschen auf ein bewegliches Objekt. Schatten machen Körper zu Silhouetten.

Dadurch wird der Übergang vom Subjekt zum Objekt sichtbar. Die Frage lautet dann: Wann wird ein Mensch nur noch angeschaut, angeordnet, wiedergegeben oder bewegt?


Interpretation 4: Kontrolle des Publikums

Nicht nur die Pantomimin wird gesteuert. Auch das Publikum folgt Impulsen. Ein Ton lässt Dich den Kopf drehen. Eine wandernde Videosequenz lenkt Deinen Blick. Die dunkle Raumordnung erschwert Überblick.

Damit kann die Installation als doppelte Versuchsanordnung verstanden werden: Sie zeigt Fremdsteuerung und produziert zugleich eine kontrollierte Wahrnehmungssituation für die Betrachtenden.


Interpretation 5: Conditio humana als Konflikt von Wille und Ohnmacht

Eine existenzielle Lesart betrachtet den Loop als Bild menschlicher Grundbedingungen. Menschen müssen handeln, obwohl sie nicht alle Bedingungen ihres Handelns selbst gewählt haben. Sie sind körperlich verletzlich, zeitlich begrenzt und von anderen abhängig. Trotzdem bleiben Entscheidungen und Verantwortung bestehen.

Der offene Kreislauf zwischen Anweisung, Ausführung, Variation, Wiederholung und erneutem Befehl kann so zu einem Modell für den Konflikt zwischen Wille und Ohnmacht werden.


Analyseleitfaden für Klausur und Präsentation

Wenn Du das Werk schriftlich oder mündlich analysierst, solltest Du Beobachtung und Deutung klar trennen. Beginne mit überprüfbaren Merkmalen des Aufbaus. Beschreibe danach die Wahrnehmungswirkung. Erst anschließend entwickelst Du Interpretationen.

Eine überzeugende Analyse kann von folgender Leitfrage ausgehen: Wie verwandelt Bruce Nauman die Black Box in ein Dispositiv, in dem Fremdsteuerung nicht nur dargestellt, sondern für das Publikum räumlich erfahrbar wird?

Im Hauptteil kannst Du dann das Verhältnis von Stimme und Körper, die Mehrfachprojektion, den Wechsel zwischen Monitor und Projektion, die Wachsköpfe, den Loop, die akustische Struktur und Deine eigene Betrachterposition untersuchen.

Besonders wichtig ist eine begrifflich genaue Argumentation. Schreibe nicht nur, die Arbeit wirke „komisch“ oder „gruselig“, sondern erkläre, welche formalen Mittel diese Wirkung erzeugen.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Aus welchem Jahr stammt SHADOW PUPPETS AND INSTRUCTED MIME? (1990) (!1968) (!1984) (!2001)




Wie ist das Werk kunsthistorisch am präzisesten einzuordnen? (Als sechskanalige Videoinstallation) (!Als klassischer Spielfilm) (!Als einzelnes Tafelbild) (!Als reine Klangkomposition)




Wie viele Farbvideomonitore gehören zum beschriebenen Aufbau? (Vier) (!Zwei) (!Sechs) (!Acht)




Welches Material gehört zu den skulpturalen Elementen der Installation? (Wachs) (!Marmor) (!Bronze) (!Granit)




Welche Beziehung prägt die Handlung der Pantomimin besonders? (Das Verhältnis von Befehl und Ausführung) (!Das Verhältnis von Reise und Landschaft) (!Das Verhältnis von Natur und Wetter) (!Das Verhältnis von Porträt und Biografie)




Welche Rolle spielt die Wiederholung in der Installation? (Sie erzeugt einen offenen Kreislauf aus Handlung und erneuter Anweisung) (!Sie führt zu einer eindeutigen klassischen Auflösung) (!Sie verhindert jede Form von Bewegung) (!Sie macht den Ton für die Wahrnehmung bedeutungslos)




Was bewirkt die Mehrkanaligkeit besonders? (Sie verteilt das Geschehen räumlich und erschwert den vollständigen Überblick) (!Sie reduziert das Werk auf einen einzigen Blickpunkt) (!Sie macht den Ausstellungsraum unwichtig) (!Sie ersetzt bewegte Bilder vollständig durch Text)




Warum ist die körperlose männliche Stimme für eine Machtanalyse wichtig? (Sie kann Handlungen steuern ohne selbst sichtbar zu sein) (!Sie macht die Performerin automatisch zur Erzählerin) (!Sie hebt alle Regeln der Installation auf) (!Sie verwandelt die Arbeit in einen Stummfilm)




Welche philosophische Spannung eignet sich besonders zur Deutung des Werks? (Autonomie und Heteronomie) (!Geometrie und Perspektive) (!Botanik und Zoologie) (!Farbe und Pigmentherstellung)




Was bezeichnet Conditio humana im Zusammenhang dieser Analyse? (Grundbedingungen menschlicher Existenz wie Körperlichkeit Freiheit Abhängigkeit und Verantwortung) (!Nur die technische Ausstattung eines Videos) (!Eine bestimmte Kameramarke) (!Eine Methode der Wachsbearbeitung)





Memory

Fremdsteuerung Handeln nach äußeren Vorgaben
Autonomie Selbstbestimmung
Heteronomie Bestimmung durch fremde Regeln
Loop Wiederkehrender Medienablauf
Off-Stimme Hörbare aber nicht sichtbare Sprechinstanz
Mehrkanaligkeit Verteilung von Videomaterial auf mehrere Wiedergabewege
Wachskopf Skulpturaler Körperersatz
Dispositiv Gefüge aus Raum Technik Regeln und Betrachterposition





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Befehl sprachliche Steuerung
Pantomimin ausführender lebender Körper
Wachskopf bewegbares skulpturales Objekt
Projektion vergrößertes räumliches Körperbild
Loop fortgesetzte Wiederholung




...


Kreuzworträtsel

Nauman Wie lautet der Nachname des Künstlers?
Pantomime Welche darstellende Kunstform prägt die zentrale Performerin?
Wachskopf Welches skulpturale Element verbindet Körperersatz und Schatten?
Autonomie Wie heißt Selbstbestimmung mit einem Fachbegriff?
Dispositiv Welcher Begriff bezeichnet das Gefüge aus Raum Technik Regeln und Wahrnehmungsordnung?
Projektion Wie heißt die vergrößerte Wiedergabe eines Bildes auf einer Fläche?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

SHADOW PUPPETS AND INSTRUCTED MIME entstand

. Das Werk ist eine sechskanalige

. Eine männliche Stimme gibt einer

fortlaufend Handlungsanweisungen. Neben den Videobildern gehören drei

zum Aufbau. Die Sequenzen verteilen sich auf mehrere Monitore und

. Durch den wiederkehrenden Ablauf entsteht der Eindruck eines

. Der Konflikt zwischen Selbstbestimmung und Fremdbestimmung lässt sich mit den Begriffen Autonomie und

beschreiben. Die körperlich nicht sichtbare Stimme kann als

analysiert werden. Der Begriff

hilft dabei Raum Technik Regeln und Betrachterposition gemeinsam zu untersuchen. Unter dem Gesichtspunkt der

lässt sich die Installation als Untersuchung von Körperlichkeit Abhängigkeit Freiheit Verletzlichkeit und Verantwortung interpretieren.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Bildanalyse: Zeichne einen Grundriss einer möglichen Black-Box-Situation mit Monitoren, Projektionen, Leintüchern, Wachsköpfen und Betrachterpositionen. Markiere mit Pfeilen, wohin der Blick jeweils gelenkt werden könnte.
  2. Pantomime: Entwickle mit einer Partnerin oder einem Partner fünf neutrale Bewegungsanweisungen und führe sie pantomimisch in mehreren Varianten aus. Dokumentiere, wo trotz gleicher Anweisung individuelle Unterschiede entstehen.
  3. Klang: Nimm eine kurze Folge gesprochener Anweisungen in unterschiedlichen Tonfällen auf und untersuche, wie sich freundlich, sachlich, ironisch oder autoritär klingende Varianten auf die Wirkung derselben Wörter auswirken.
  4. Wiederholung: Filme eine einfache Alltagsbewegung sechsmal. Verändere bei jeder Wiederholung nur einen Aspekt wie Tempo, Richtung oder Körperhaltung und reflektiere die Wirkung.


Standard

  1. Videoinstallation: Entwirf ein Storyboard für eine eigene Zwei- oder Dreikanalinstallation zum Thema Fremdsteuerung. Plane Bildorte, Tonquellen, Wiederholungen und Zuschauerbewegungen.
  2. Dispositiv: Analysiere einen schulischen oder öffentlichen Raum als Dispositiv. Untersuche, wie Türen, Sitzordnung, Bildschirme, Regeln, Durchsagen oder Kameras Verhalten strukturieren.
  3. Kunstvergleich: Vergleiche SHADOW PUPPETS AND INSTRUCTED MIME mit einer anderen Arbeit Bruce Naumans. Konzentriere Dich auf Körper, Sprache, Wiederholung oder räumliche Kontrolle.
  4. Conditio humana: Verfasse einen kurzen philosophischen Essay zur Frage, ob Freiheit auch dann möglich ist, wenn Menschen innerhalb vorgegebener Regeln handeln.


Schwer

  1. Michel Foucault: Prüfe, wie produktiv Foucaults Begriff der Disziplin für die Installation ist. Zeige mindestens einen überzeugenden Zusammenhang und mindestens eine Grenze dieses Deutungsansatzes.
  2. Performancekunst: Entwickle eine eigene fünfminütige Performance, in der ein Körper zwischen Befehl, Widerstand und freiwilliger Regelbefolgung wechselt. Begründe alle formalen Entscheidungen.
  3. Medienarchäologie: Recherchiere die Unterschiede zwischen Röhrenmonitor, Projektion und heutigen digitalen Displays. Untersuche, wie sich eine technische Aktualisierung der Installation auf ihre Wahrnehmung auswirken könnte.
  4. Kuratorisches Projekt: Konzipiere eine kleine Ausstellung unter dem Titel „Kontrolle – Körper – Wiederholung“. Wähle SHADOW PUPPETS AND INSTRUCTED MIME als Ausgangspunkt und ergänze mindestens drei weitere künstlerische Positionen. Begründe Raumfolge, Medien und Vermittlungsstrategie.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Raum und Macht: Erkläre, wie die räumliche Verteilung der Videobilder die inhaltliche Frage nach Kontrolle nicht nur illustriert, sondern selbst erfahrbar macht.
  2. Befehl und Verantwortung: Entwickle ein begründetes Urteil dazu, ob die Performerin trotz Fremdsteuerung als verantwortlich handelndes Subjekt erscheint.
  3. Körper und Objekt: Vergleiche die Pantomimin mit den Wachsköpfen. Zeige, wie die Installation Unterschiede und Übergänge zwischen lebendem Körper, medialem Bild und bewegtem Objekt inszeniert.
  4. Wiederholung und Bedeutung: Analysiere, wie sich die Bedeutung einer einfachen Handlung verändert, wenn sie in einem Loop immer wieder auftaucht und räumlich versetzt wird.
  5. Transfer Digitale Kontrolle: Übertrage die Struktur von Anweisung, Reaktion und Wiederholung auf ein heutiges digitales System wie Navigation, Plattformempfehlungen oder Fitness-Tracking. Arbeite Gemeinsamkeiten und Grenzen des Vergleichs heraus.
  6. Conditio humana: Begründe, ob das Werk eher ein pessimistisches Bild menschlicher Unfreiheit oder ein offenes Modell begrenzter Handlungsspielräume entwirft.




Lernnachweis

Für einen überzeugenden Lernnachweis zu SHADOW PUPPETS AND INSTRUCTED MIME ist wichtig, dass Du nicht nur Werkdaten wiedergeben kannst, sondern formale Beobachtungen mit einer begründeten Interpretation verbindest.

  1. Werkanalyse: Du kannst den Aufbau als sechskanalige Videoinstallation beschreiben und zwischen Monitor, Projektion, Skulptur, Ton und Ausstellungsraum unterscheiden.
  2. Raumanalyse: Du kannst erklären, wie die Black Box Deine Körperposition und Wahrnehmung beeinflusst.
  3. Filmanalyse: Du kannst Begriffe wie Montage, Off-Stimme, Loop, Mise-en-scène und Mehrkanaligkeit passend anwenden.
  4. Interpretation: Du kannst Kontrolle, Fremdsteuerung, Autonomie, Heteronomie, Körper und Wiederholung am Werk belegen.
  5. Philosophie: Du kannst den Begriff Conditio humana auf Freiheit, Abhängigkeit, Verletzlichkeit und Verantwortung beziehen.
  6. Urteilsbildung: Du kannst unterschiedliche Deutungen gegeneinander abwägen und zwischen belegbarer Beobachtung und Interpretation unterscheiden.
  7. Transfer: Du kannst Strukturen des Werks begründet mit gegenwärtigen Formen technischer, institutioneller oder sozialer Steuerung vergleichen.




OERs zum Thema

Der deutschsprachige Wikipedia-Artikel zu Bruce Nauman bietet biografische und kunsthistorische Grundlagen:

Zum eigenständigen Weiterlernen eignen sich außerdem die internen Themen Videokunst, Installation, Performancekunst, Konzeptkunst, Medienkunst, Pantomime, Michel Foucault, Autonomie, Heteronomie, Willensfreiheit, Conditio humana und Filmanalyse.


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