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Widerstand gegen den Nationalsozialismus in Baden-Württemberg

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Widerstand gegen den Nationalsozialismus in Baden-Württemberg




Einleitung

Widerstand gegen den Nationalsozialismus hatte viele Gesichter. Auch im Gebiet des heutigen Baden-Württemberg widersetzten sich Menschen der nationalsozialistischen Diktatur: Arbeiterinnen und Arbeiter streikten, Jugendliche verbreiteten Flugblätter, Einzelne planten Attentate, Geistliche protestierten öffentlich, Juristen halfen Verfolgten, Angehörige kirchlicher Einrichtungen organisierten heimliche Unterstützung und politische oder militärische Netzwerke bereiteten einen Umsturz vor.

Dabei ist die Bezeichnung Baden-Württemberg für die Jahre 1933 bis 1945 eine heutige geografische Einordnung. Das Bundesland wurde erst 1952 gegründet. Während der NS-Zeit gehörten die hier behandelten Orte vor allem zu Baden, Württemberg und den preußischen Hohenzollerischen Landen.

Dieser aiMOOC fragt nicht nur danach, wer Widerstand leistete. Du untersuchst vor allem drei Fragen: Welche Motive bewegten Menschen? Welche Handlungsspielräume hatten sie? Und warum entschieden sich Menschen in ähnlichen Situationen unterschiedlich? Widerstand war weder einheitlich noch ungefährlich. Er reichte von öffentlichem Protest über Hilfe für Verfolgte bis zum Versuch, Adolf Hitler zu töten und das Regime zu stürzen.


Lernziele

Nach der Arbeit mit diesem aiMOOC kannst Du verschiedene Formen des Widerstands gegen den Nationalsozialismus im deutschen Südwesten unterscheiden, ausgewählte Personen und Gruppen historisch einordnen und ihre Motive vergleichen. Außerdem kannst Du erklären, warum Handlungsmöglichkeiten von Beruf, sozialen Kontakten, Wissen, Zugang zu Institutionen, Zeitpunkt und persönlichem Risiko abhingen. Schließlich sollst Du historische Entscheidungen beurteilen, ohne die unterschiedlichen Gefahrenlagen vorschnell aus heutiger Sicht zu vereinfachen.


Historischer Rahmen


Diktatur, Verfolgung und schrumpfende Handlungsspielräume

Nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 bauten die Nationalsozialisten die demokratische Ordnung innerhalb kurzer Zeit ab. Politische Gegner wurden verfolgt, Parteien und Gewerkschaften ausgeschaltet, Medien kontrolliert und staatliche sowie gesellschaftliche Einrichtungen gleichgeschaltet. Jüdinnen und Juden wurden entrechtet, ausgegrenzt, beraubt, deportiert und ermordet. Auch Sinti und Roma, Menschen mit Behinderungen, politische Gegner, homosexuelle Menschen, Zeugen Jehovas und weitere Gruppen wurden verfolgt.

Für Widerstand bedeutete dies: Handlungsspielräume wurden immer enger. Ein öffentlicher Streik war 1933 noch anders möglich als eine offene Protestaktion während des Krieges. Wer Flugblätter druckte, Verfolgte versteckte oder Kontakte zu Umsturzplänen hatte, riskierte Überwachung, Haft, Konzentrationslager oder den Tod. Trotzdem gab es immer wieder Menschen, die vorhandene Spielräume nutzten oder bewusst Grenzen überschritten.


Was bedeutet Widerstand?

Historikerinnen und Historiker verwenden den Begriff Widerstand nicht immer gleich. Zwischen bloßer Unzufriedenheit, unangepasstem Verhalten, Verweigerung, Protest, Hilfe für Verfolgte und organisiertem Widerstand gibt es Übergänge. Für diesen aiMOOC gilt deshalb ein weiter, aber genauer Blick: Entscheidend ist, ob eine Handlung bewusst gegen Ziele, Maßnahmen oder Herrschaftsansprüche des NS-Regimes gerichtet war.

Wichtig ist außerdem: Wer Widerstand leistete, musste nicht automatisch alle heutigen demokratischen Werte teilen. Motive konnten politisch, religiös, moralisch, sozial, patriotisch oder persönlich geprägt sein und sich im Laufe eines Lebens verändern. Gerade diese Unterschiede machen den Vergleich interessant.


Menschen, Motive und Handlungsspielräume


Der Mössinger Generalstreik: früher Arbeiterwiderstand

Am 31. Januar 1933, nur einen Tag nach Hitlers Ernennung zum Reichskanzler, kam es im württembergischen Mössingen zu einem außergewöhnlichen Protest. Mehr als 800 Menschen folgten einem Aufruf zum Generalstreik. Viele von ihnen waren Arbeiterinnen und Arbeiter aus örtlichen Betrieben und politisch im kommunistischen oder gewerkschaftlichen Umfeld verankert.

Ihr Motiv war unmittelbar politisch: Sie wollten sich der nationalsozialistischen Machtübernahme entgegenstellen. Ihr Handlungsspielraum entstand aus bestehenden Kontakten in Betrieben, politischen Organisationen und der Fähigkeit, viele Menschen kurzfristig zu mobilisieren. Gleichzeitig zeigte sich die Grenze dieses Spielraums sehr schnell. Polizei und Staatsmacht beendeten den Streik; Beteiligte wurden verfolgt und verurteilt.

Der Mössinger Generalstreik macht deutlich, wie wichtig der Zeitpunkt für Widerstand war. Anfang 1933 existierten noch soziale Netzwerke aus der Weimarer Republik. Doch die nationalsozialistische Diktatur zerstörte solche Organisationsmöglichkeiten in kurzer Zeit.


Georg Elser: allein handeln, um einen Krieg zu verhindern

Georg Elser wurde 1903 in Hermaringen geboren und lebte zeitweise in Königsbronn. Der Schreiner und Kunsthandwerker erkannte früh die Gefahr, die von Hitlers Politik und einem kommenden Krieg ausging. Er entschied sich für einen außergewöhnlich weitgehenden Schritt: Am 8. November 1939 verübte er im Münchner Bürgerbräukeller ein Bombenattentat auf Hitler und weitere führende Nationalsozialisten. Hitler hatte den Saal jedoch früher als erwartet verlassen.

Elsers Handlungsspielraum beruhte weniger auf einem großen politischen Netzwerk als auf seinen handwerklichen Fähigkeiten, genauer Planung, Beobachtung und eigenständigem Handeln. Sein erklärtes Ziel war es, einen größeren Krieg zu verhindern. Gerade deshalb eignet sich sein Beispiel für eine schwierige historische und ethische Frage: Kann ein Attentat auf einen Diktator gerechtfertigt sein, wenn dabei auch andere Menschen gefährdet oder getötet werden?

Elser wurde noch am Tag des Anschlags bei dem Versuch festgenommen, in die Schweiz zu gelangen. Nach jahrelanger Haft ermordete ihn die SS im April 1945 im Konzentrationslager Dachau. Lange wurde seine Tat weniger anerkannt als andere Formen des Widerstands. Heute erinnert unter anderem die Georg-Elser-Gedenkstätte in Königsbronn an ihn.


Hans und Sophie Scholl: von Ulm zur Weißen Rose

Hans Scholl und Sophie Scholl wuchsen mit ihrer Familie in Ulm auf. Beide hatten zunächst Erfahrungen in nationalsozialistischen Jugendorganisationen gemacht, entfernten sich aber zunehmend von der Ideologie des Regimes. In München gehörten sie zur Weißen Rose, die 1942 und 1943 mit Flugblättern zum Nachdenken, zur Ablehnung der Diktatur und zum Widerstand aufrief.

Ihre Motive speisten sich aus moralischen, religiösen und politischen Überzeugungen. Die Erfahrungen des Krieges, die Gewalt des Regimes und das Wissen über Verbrechen verstärkten ihre Ablehnung. Ihr Handlungsspielraum lag vor allem in Bildung, Freundschaften, Universitätskontakten und der Möglichkeit, Texte zu verfassen, zu vervielfältigen und weiterzugeben. Gleichzeitig war die geheime Flugblattarbeit äußerst gefährlich. Hans und Sophie Scholl wurden im Februar 1943 in München festgenommen und wenige Tage später gemeinsam mit Christoph Probst hingerichtet.

Die Ulmer DenkStätte Weiße Rose erinnert nicht nur an Hans und Sophie Scholl, sondern auch an weitere Jugendliche aus Ulm, die sich auf unterschiedliche Weise dem Regime verweigerten oder widersetzten. Damit wird sichtbar, dass Jugendwiderstand mehr war als die Geschichte einer einzigen Gruppe.


Gertrud Luckner: konkrete Hilfe für Verfolgte

Gertrud Luckner lebte und arbeitete in Freiburg. Nach den Novemberpogromen 1938 intensivierte sie ihre Hilfe für verfolgte Jüdinnen und Juden. Im Umfeld der Caritas nutzte sie Kontakte, Reisen und persönliche Netzwerke, um Lebensmittel, Kleidung, Geld, Nachrichten und Unterstützung weiterzugeben. Sie suchte nach Fluchtmöglichkeiten und versuchte, Menschen vor Deportation und Verfolgung zu schützen.

Ihr Beispiel zeigt einen besonderen Handlungsspielraum: Eine berufliche und kirchliche Einbindung konnte Zugang zu Informationen, Kontakten und Reisemöglichkeiten schaffen. Gleichzeitig bot sie keinen sicheren Schutz. Die Gestapo überwachte Luckner. Im März 1943 wurde sie festgenommen und später in das Konzentrationslager Ravensbrück gebracht, wo sie bis zum Kriegsende inhaftiert blieb.

Luckners Widerstand beruhte stark auf einem moralischen und religiösen Verantwortungsgefühl. Statt einer öffentlich sichtbaren Protestbewegung setzte sie auf möglichst schnelle, konkrete Hilfe von Mensch zu Mensch. Diese Form des Widerstands konnte einzelne Leben schützen, blieb aber unter den Bedingungen der Diktatur ständig bedroht.


Der Freiburger Kreis: über eine Ordnung nach Hitler nachdenken

In Freiburg entstanden seit 1938 mehrere miteinander verbundene Gesprächskreise von Wissenschaftlern, Geistlichen und christlich geprägten Gegnern des Nationalsozialismus. Zu den bekannten Mitgliedern des sogenannten Freiburger Kreises gehörten unter anderem die Ökonomen Walter Eucken, Adolf Lampe und Constantin von Dietze.

Die Beteiligten diskutierten nicht nur Kritik am NS-Staat, sondern auch die Frage, wie eine politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Ordnung nach dem Ende der Diktatur aussehen könnte. Christliche Ethik, Rechtsstaatlichkeit und Vorstellungen einer verantwortlichen Wirtschaftsordnung spielten dabei eine wichtige Rolle. Einige Mitglieder standen in Verbindung mit weiteren Widerstandskreisen um Carl Friedrich Goerdeler und Dietrich Bonhoeffer.

Ihr Handlungsspielraum war ein anderer als bei einem Streik oder Attentat. Akademische Bildung, berufliche Kontakte und vertrauliche Gesprächsnetze ermöglichten es, Ideen zu entwickeln und Denkschriften zu verfassen. Gleichzeitig musste diese Arbeit geheim bleiben. Nach dem gescheiterten Umsturzversuch vom 20. Juli 1944 wurden auch Mitglieder aus diesem Umfeld verhaftet.


Joannes Baptista Sproll: öffentlicher kirchlicher Widerspruch

Joannes Baptista Sproll, Bischof von Rottenburg, kritisierte nationalsozialistische Weltanschauung und Politik in Predigten und kirchlichen Stellungnahmen. Besonders sichtbar wurde sein Konflikt mit dem Regime 1938, als er an der Reichstagswahl und der mit ihr verbundenen Abstimmung über den Anschluss Österreichs nicht teilnahm.

Nationalsozialistische Organisationen reagierten mit inszenierten Demonstrationen und Gewalt gegen den Bischof. Sproll wurde schließlich aus seiner Diözese vertrieben und konnte erst 1945 dauerhaft zurückkehren.

Sein Handlungsspielraum hing stark mit seinem kirchlichen Amt zusammen. Als Bischof hatte er eine Öffentlichkeit und konnte Menschen durch Predigten und Schreiben erreichen. Dieses Amt schützte ihn jedoch nicht vor massiver Einschüchterung und staatlichem Zwang. Sein Beispiel zeigt, wie institutionelle Stellung zugleich Möglichkeiten eröffnen und besondere Konflikte erzeugen konnte.


Eugen Bolz und Reinhold Frank: Politik, Recht und der 20. Juli

Eugen Bolz war Zentrumspolitiker und von 1928 bis 1933 Staatspräsident von Württemberg. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme verlor er seine politische Stellung und wurde zeitweise inhaftiert. Später kam er mit dem Widerstand um Carl Friedrich Goerdeler in Verbindung. Für den Fall eines erfolgreichen Umsturzes war er für eine politische Aufgabe vorgesehen.

Der Karlsruher Rechtsanwalt Reinhold Frank verteidigte während der NS-Zeit auch Menschen, die mit dem Regime in Konflikt geraten waren. Er knüpfte Kontakte zum Widerstandsnetzwerk des 20. Juli und war in den Planungen für den Fall eines erfolgreichen Staatsstreichs als politischer Ansprechpartner für Baden vorgesehen.

Beide Beispiele zeigen, wie berufliche Erfahrung und frühere politische Netzwerke Handlungsmöglichkeiten schaffen konnten. Gleichzeitig waren diese Netzwerke für die Gestapo nach dem Scheitern des Umsturzes rekonstruierbar. Bolz und Frank wurden verhaftet, vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und am 23. Januar 1945 in Berlin-Plötzensee ermordet.


Claus Schenk Graf von Stauffenberg und der Umsturzversuch vom 20. Juli 1944

Claus Schenk Graf von Stauffenberg hatte enge biografische Verbindungen zum heutigen Baden-Württemberg: Er wuchs unter anderem in Stuttgart auf; die Familie war außerdem mit Lautlingen auf der Schwäbischen Alb verbunden. Als Offizier gehörte er zunächst selbst zum militärischen System des NS-Staates. Im Verlauf des Krieges entwickelte er sich zu einer zentralen Figur des militärisch-konservativen Widerstands.

Am 20. Juli 1944 brachte Stauffenberg im Führerhauptquartier Wolfsschanze eine Bombe in Hitlers Nähe. Hitler überlebte. Parallel sollte mit dem Plan Unternehmen Walküre die staatliche Macht übernommen und die NS-Führung ausgeschaltet werden. Der Umsturz scheiterte noch am selben Tag. Stauffenberg wurde in der Nacht zum 21. Juli erschossen; viele weitere Beteiligte und Mitwissende wurden verfolgt und ermordet.

Sein Handlungsspielraum entstand gerade aus seiner Nähe zum militärischen Machtzentrum: Dienststellung, Zugang zu Hitler, Verbindungen zu Offizieren und Kenntnisse militärischer Abläufe machten einen Umsturzversuch möglich. Das Beispiel zeigt aber auch die Ambivalenz historischer Biografien. Nicht alle Beteiligten des 20. Juli waren von Anfang an Gegner des Nationalsozialismus, und nicht alle teilten dieselben Vorstellungen von Demokratie. Widerstand muss deshalb immer mit Blick auf Motive, Entwicklung und Ziele untersucht werden.


Motive im Vergleich

Menschen leisteten nicht aus einem einzigen Grund Widerstand. Oft überschnitten sich mehrere Motive. Manche wollten Krieg und Gewalt stoppen, andere verteidigten politische Überzeugungen, den Rechtsstaat oder ihren Glauben. Wieder andere handelten aus unmittelbarer Solidarität mit Verfolgten.

Beispiel Prägende Motive Typischer Handlungsspielraum
Mössinger Generalstreik Antifaschismus, Arbeiterbewegung, politische Gegenwehr Betriebe, politische Kontakte, gemeinsame Mobilisierung
Georg Elser Krieg verhindern, Ablehnung der Diktatur Handwerkliches Können, Planung, selbstständiges Handeln
Weiße Rose Gewissen, Freiheit, Religion, politische Verantwortung Bildung, Freundeskreis, Texte und Flugblätter
Gertrud Luckner Menschlichkeit, christliche Verantwortung, Hilfe für Verfolgte Caritas, Reisen, persönliche Hilfsnetzwerke
Freiburger Kreis Christliche Ethik, Rechtsstaat, Nachkriegsordnung Wissenschaftliche und persönliche Netzwerke
Joannes Baptista Sproll Religiöse Überzeugung, Ablehnung der NS-Weltanschauung Kirchliches Amt, Predigt und Öffentlichkeit
Eugen Bolz und Reinhold Frank Recht, politische Verantwortung, Neuordnung Juristische und politische Kontakte
Claus Schenk Graf von Stauffenberg Kriegsende, Staatsstreich, politische Verantwortung Militärische Stellung und Zugang zum Machtzentrum


Handlungsspielräume verstehen

Handlungsspielraum bedeutet nicht, dass Menschen völlig frei entscheiden konnten. Er beschreibt die Möglichkeiten, die jemand in einer bestimmten historischen Situation tatsächlich hatte. Diese Möglichkeiten waren ungleich verteilt und konnten sich schnell verändern.

Ein Arbeiter in Mössingen konnte Kolleginnen und Kollegen mobilisieren, hatte aber kaum Schutz vor Polizei und Justiz. Ein Student konnte Flugblätter verbreiten, brauchte dafür jedoch Papier, Vervielfältigungsmöglichkeiten und vertrauenswürdige Kontakte. Eine Mitarbeiterin der Caritas konnte reisen und Hilfsnetzwerke nutzen, geriet dadurch aber auch in den Blick der Gestapo. Ein hoher Offizier hatte Zugang zu militärischen Strukturen, war aber zugleich in Befehlssystem, Krieg und Eid eingebunden.

Für historische Urteile ist deshalb eine doppelte Perspektive wichtig: Die NS-Diktatur schränkte Entscheidungen durch Terror, Überwachung und Gewalt massiv ein. Trotzdem verschwanden persönliche Entscheidungen nicht vollständig. Menschen konnten helfen, schweigen, sich anpassen, verweigern oder Widerstand leisten – allerdings zu sehr unterschiedlichen Kosten und mit sehr unterschiedlichen Erfolgsaussichten.


Widerstand war keine reine Männersache

Die Erinnerung an den Widerstand konzentrierte sich lange stark auf Männer, besonders auf militärische Akteure. Doch Frauen waren in vielen Widerstandsformen aktiv: als Kurierinnen, Helferinnen, Organisatorinnen, Mitglieder von Freundeskreisen, Verfasserinnen und Verteilerinnen von Texten oder Unterstützerinnen konspirativer Netzwerke. Gertrud Luckner und Sophie Scholl sind bekannte Beispiele aus dem Südwesten. Auch im Umfeld des 20. Juli spielten Frauen wichtige Rollen.

Die Frage nach Frauen im Widerstand verändert daher auch den Blick auf Handlungsspielräume: Wer nur nach Attentätern und politischen Führungspersonen sucht, übersieht leicht lebenswichtige Hilfsarbeit, Kommunikation und organisatorische Tätigkeiten.


Erinnerungskultur in Baden-Württemberg

Heute erinnern zahlreiche Gedenkstätten im Land an Menschen, die Widerstand leisteten oder vom NS-Regime verfolgt wurden. Dazu gehören die Georg-Elser-Gedenkstätte in Königsbronn, die Ulmer DenkStätte Weiße Rose, die Stauffenberg-Erinnerungsstätte im Alten Schloss in Stuttgart und zahlreiche lokale Gedenkorte.

Erinnerung ist selbst ein historisches Thema. Manche Widerständige wurden nach 1945 schnell geehrt, andere lange misstrauisch betrachtet oder kaum beachtet. Die heutige Erinnerungskultur fragt deshalb nicht nur: „Wer war mutig?“, sondern auch: „Warum erinnerte man sich wann an wen – und an wen nicht?“ Ein Besuch einer regionalen Gedenkstätte kann diese Frage mit konkreten Orten, Biografien und Quellen verbinden.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Warum ist Baden-Württemberg für die Jahre 1933 bis 1945 eine heutige geografische Bezeichnung? (Das Bundesland entstand erst 1952) (!Das Bundesland wurde 1933 aufgelöst) (!Während der NS-Zeit gehörte das ganze Gebiet zu Bayern) (!Baden-Württemberg war damals ein anderer Name für Preußen)




Welche Widerstandsform prägte die Ereignisse in Mössingen am 31. Januar 1933? (Ein Generalstreik) (!Ein militärischer Staatsstreich) (!Eine Universitätsbesetzung) (!Ein Attentat im Bürgerbräukeller)




Welches zentrale Ziel nannte Georg Elser für sein Handeln? (Einen größeren Krieg verhindern) (!Eine neue Monarchie errichten) (!Eine eigene Partei gründen) (!Eine Universität besetzen)




Welches Mittel nutzte die Weiße Rose besonders für ihren Widerstand? (Flugblätter) (!Militärische Panzerverbände) (!Staatliche Rundfunksender) (!Offizielle Regierungszeitungen)




Was kennzeichnete Gertrud Luckners Widerstand besonders? (Konkrete Hilfe für Verfolgte über persönliche Netzwerke) (!Leitung eines militärischen Putsches) (!Führung eines Generalstreiks) (!Aufbau einer nationalsozialistischen Jugendgruppe)




Womit beschäftigte sich der Freiburger Kreis unter anderem? (Mit einer politischen und gesellschaftlichen Ordnung nach der Diktatur) (!Mit der Erweiterung der NS-Rassenpolitik) (!Mit dem Aufbau der Gestapo) (!Mit der Planung nationalsozialistischer Parteitage)




Welche Handlung machte den Konflikt von Bischof Sproll mit dem NS-Regime 1938 besonders sichtbar? (Er nahm an der Wahl und Abstimmung nicht teil) (!Er trat der NSDAP bei) (!Er übernahm ein Ministeramt) (!Er gründete die Hitlerjugend in Rottenburg)




Wovon hing ein historischer Handlungsspielraum besonders ab? (Von Situation, Kontakten, Wissen, Stellung und Risiko) (!Nur vom Alter einer Person) (!Nur vom Wohnort einer Person) (!Nur von der Zahl gedruckter Zeitungen)




Warum muss der Widerstand des 20. Juli differenziert betrachtet werden? (Die Beteiligten hatten unterschiedliche Biografien und politische Ziele) (!Alle Beteiligten waren seit 1920 Mitglieder derselben Partei) (!Alle Beteiligten wollten exakt dieselbe Staatsordnung) (!Der Umsturz wurde ausschließlich von Jugendlichen vorbereitet)




Was zeigt der Vergleich verschiedener Widerstandsbiografien besonders gut? (Widerstand hing von Motiven, Möglichkeiten, Zeitpunkt und Risiko ab) (!Jede Form des Widerstands verlief auf dieselbe Weise) (!Nur bekannte Politiker konnten Widerstand leisten) (!Widerstand war während der Diktatur ungefährlich)





Memory

Mössingen Generalstreik
Königsbronn Georg Elser
Ulm Weiße Rose
Freiburg Gertrud Luckner
Rottenburg Joannes Baptista Sproll
Karlsruhe Reinhold Frank
Stuttgart Eugen Bolz





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Widerstandsbeispiel
Arbeitskampf Mössinger Generalstreik
Attentat Georg Elser
Flugblattarbeit Weiße Rose
Verfolgtenhilfe Gertrud Luckner
Kirchlicher Protest Joannes Baptista Sproll
Umsturzplanung Netzwerk des 20. Juli






Kreuzworträtsel

Königsbronn In welchem Ort erinnert eine Gedenkstätte besonders an Georg Elser?
Mössingen Welcher Ort wurde durch einen frühen Generalstreik gegen die NS-Machtübernahme bekannt?
Freiburg In welcher Stadt wirkte Gertrud Luckner?
Flugblatt Welches Medium nutzte die Weiße Rose besonders?
Gewissen Welcher innere Maßstab spielte bei vielen Widerständigen eine wichtige Rolle?
Sproll Wie hieß der Rottenburger Bischof mit Nachnamen?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Das heutige Baden-Württemberg wurde erst im Jahr

als Bundesland gegründet.
In Mössingen versuchten Gegner des Nationalsozialismus 1933 mit einem

Widerstand zu leisten.
Georg Elser wollte nach eigener Begründung einen größeren

verhindern.
Die Weiße Rose verbreitete ihre Kritik am Regime vor allem durch

.
Gertrud Luckner organisierte konkrete Hilfe für

.
Der Freiburger Kreis beschäftigte sich auch mit einer möglichen

.
Joannes Baptista Sproll machte seinen Widerspruch 1938 durch die Nichtteilnahme an einer

sichtbar.
Reinhold Frank und Eugen Bolz waren mit Planungen für einen politischen

verbunden.
Historische Handlungsspielräume waren für verschiedene Menschen sehr

.
Eine faire historische Beurteilung berücksichtigt neben Motiven immer auch das persönliche

.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Gedenkorte kartieren: Suche drei Erinnerungsorte zum NS-Widerstand in Baden-Württemberg und markiere sie auf einer Karte. Ergänze jeweils eine Person oder Gruppe, an die dort erinnert wird.
  2. Biografiekarte: Gestalte zu Georg Elser, Gertrud Luckner, Sophie Scholl, Reinhold Frank oder Joannes Baptista Sproll eine übersichtliche Karte mit Herkunft, Motiv, Handlung und Folgen.
  3. Commons-Bildanalyse: Wähle eines der Bilder aus diesem aiMOOC. Beschreibe zuerst nur, was Du siehst, und erkläre anschließend, welche Aussage das Bild für die Erinnerung an Widerstand haben kann.
  4. Zeitleiste des Widerstands: Ordne sechs Ereignisse aus dem aiMOOC zwischen 1933 und 1945 auf einer selbst gestalteten Zeitleiste an und notiere zu jedem Ereignis die jeweilige Widerstandsform.


Standard

  1. Zwei Biografien vergleichen: Vergleiche zwei Personen aus unterschiedlichen Widerstandsformen. Untersuche Motive, Ressourcen, Risiken, Ziele und Folgen.
  2. Flugblatt untersuchen: Suche einen kurzen, seriös edierten Auszug aus einem Flugblatt der Weißen Rose. Analysiere Sprache, Zielgruppe, Argumente und das Risiko der Verbreitung.
  3. Widerstand vor Ort: Recherchiere, ob es in Deiner Stadt oder Deinem Landkreis Menschen gab, die sich dem NS-Regime widersetzten oder Verfolgten halfen. Stelle Deine Ergebnisse mit Quellenangaben vor.
  4. Mini-Podcast: Produziere einen drei- bis fünfminütigen Podcast mit der Leitfrage „Warum war Widerstand in einer Diktatur so schwierig?“. Nutze mindestens drei Beispiele aus Baden-Württemberg.


Schwer

  1. Attentat und Verantwortung: Erörtere am Beispiel Georg Elsers, unter welchen Bedingungen ein Attentat auf einen Diktator moralisch beurteilt werden kann. Entwickle zuerst Kriterien und wende sie anschließend auf den historischen Fall an.
  2. Grenzen des Widerstandsbegriffs: Entwickle eine begründete Skala von Anpassung über Verweigerung und Protest bis zum organisierten Widerstand. Ordne mindestens fünf Beispiele ein und diskutiere Grenzfälle.
  3. Der 20. Juli im Südwesten: Untersuche anhand mehrerer Biografien, welche politischen Vorstellungen Menschen im Umfeld des 20. Juli verbanden und worin sie sich unterschieden. Prüfe besonders, ob „Widerstand“ automatisch „Demokratie“ bedeutete.
  4. Eigene Gedenkausstellung: Entwirf eine kleine Ausstellung mit dem Titel „Handlungsspielräume“. Wähle fünf Personen oder Gruppen, plane Objekte oder Medien und formuliere zu jeder Station eine historische Leitfrage.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Vergleich Elser und Luckner: Erkläre, warum Georg Elser und Gertrud Luckner trotz derselben Diktatur völlig unterschiedliche Formen des Widerstands wählten. Beziehe Fähigkeiten, Kontakte, Ziele und Risiken ein.
  2. 1933 und 1944 vergleichen: Vergleiche die Handlungsmöglichkeiten beim Mössinger Generalstreik 1933 mit denen des Widerstandsnetzwerks vom 20. Juli 1944. Erkläre, welche Rolle die Entwicklung der Diktatur spielte.
  3. „Widerstand ist Heldentum“: Nimm begründet Stellung zu dieser Aussage. Zeige, warum Anerkennung von Mut wichtig ist, eine historische Analyse aber trotzdem Widersprüche und unterschiedliche Motive berücksichtigen muss.
  4. Ressourcen des Widerstands: Entwickle ein Schaubild, das zeigt, wie Beruf, Familie, Freundschaften, Institutionen und Wissen Handlungsspielräume erweitern oder begrenzen konnten. Belege jede Verbindung mit einem Beispiel.
  5. Erinnern und vergessen: Erkläre, warum eine Gesellschaft manche Widerstandspersonen früher und andere später würdigt. Übertrage Deine Überlegungen auf mindestens einen regionalen Erinnerungsort.
  6. Entscheidung unter Diktaturbedingungen: Formuliere ein historisches Fallbeispiel zu einer fiktiven Person im Jahr 1942. Zeige mehrere realistische Handlungsmöglichkeiten, Risiken und Grenzen auf, ohne so zu tun, als seien alle Entscheidungen gleich leicht gewesen.


Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du nicht nur Namen und Daten wiedergibst, sondern historische Zusammenhänge erklären und begründet urteilen kannst.

  1. Du kannst mindestens vier Personen oder Gruppen aus dem Gebiet des heutigen Baden-Württemberg historisch einordnen.
  2. Du kannst unterschiedliche Motive wie politische Überzeugung, Gewissen, Religion, Solidarität, Kriegsgegnerschaft oder Rechtsstaatsdenken erklären.
  3. Du kannst verschiedene Widerstandsformen voneinander unterscheiden und Grenzfälle des Widerstandsbegriffs diskutieren.
  4. Du kannst den Begriff Handlungsspielraum auf konkrete Biografien anwenden.
  5. Du kannst Quellen und Erinnerungsmedien kritisch untersuchen und zwischen historischer Handlung und späterer Erinnerung unterscheiden.
  6. Du kannst Widerstand würdigen, ohne Personen unkritisch zu idealisieren oder ihre Entscheidungen aus dem historischen Kontext zu lösen.
  7. Du kannst mindestens zwei Fälle vergleichend beurteilen und dabei Möglichkeiten, Grenzen, Risiken und Folgen berücksichtigen.




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