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Konzil von Konstanz – Kirche, Politik und europäische Begegnungen

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Konzil von Konstanz – Kirche, Politik und europäische Begegnungen



Einleitung

Das Konzil von Konstanz von 1414 bis 1418 war eine der bedeutendsten Kirchenversammlungen des europäischen Spätmittelalters. In der damaligen Reichs- und Bischofsstadt Konstanz am Bodensee trafen kirchliche Würdenträger, Gelehrte, Gesandte, Fürsten, Händler, Handwerker, Musiker und viele weitere Menschen aus unterschiedlichen Regionen Europas aufeinander. Im Mittelpunkt standen drei große Probleme: die Spaltung der lateinischen Kirche, umstrittene Glaubenslehren und der Wunsch nach einer Reform der Kirche.

Für die Geschichte des heutigen Baden-Württemberg ist das Konzil besonders anschaulich, weil zentrale Orte noch existieren. Dabei ist wichtig: Baden-Württemberg gab es im 15. Jahrhundert noch nicht. Konstanz gehörte zum Heiligen Römischen Reich und war eine Freie Reichsstadt mit einem bedeutenden Bischofssitz. Wenn Du heute durch Konstanz gehst, bewegst Du Dich deshalb in einem Stadtraum, in dem sich lokale, kirchliche und europäische Geschichte überlagern.

Das heute so genannte Konzilgebäude am Hafen war ursprünglich ein Kauf- und Lagerhaus. Die Sitzungen des Konzils fanden nicht dauerhaft dort statt; ein wichtiger Versammlungsort war das Konstanzer Münster. Im Kaufhaus wurde jedoch 1417 der neue Papst Martin V. gewählt. Gerade dieser Unterschied zeigt, warum historische Orte genau gelesen werden müssen: Ein heutiger Name kann leicht den Eindruck erwecken, das gesamte Konzil habe in einem einzigen Gebäude stattgefunden.

Das Video von Planet Schule eignet sich als Einstieg. Achte beim Anschauen darauf, welche politischen, religiösen und sozialen Interessen miteinander verbunden werden.


Das Konzil in Kürze

Aspekt Bedeutung
Zeit 5. November 1414 bis 22. April 1418
Ort Konstanz am Bodensee, heute Baden-Württemberg
Kirchliche Ausgangslage Seit 1378 war die lateinische Kirche im Großen Abendländischen Schisma gespalten; zeitweise beanspruchten drei Männer die Papstwürde.
Wichtige politische Figur Der römisch-deutsche König Sigismund drängte auf eine Lösung der Kirchenkrise und spielte beim Konzil eine zentrale diplomatische Rolle.
Zentrale Aufgaben Einheit der Kirche, Glaubensfragen und Kirchenreform
Wichtige Ergebnisse Wahl Martins V., weitgehende Beendigung des Schismas, Impulse für den Konziliarismus, aber nur begrenzte Kirchenreformen
Konflikt Verurteilung und Hinrichtung von Jan Hus 1415 sowie von Hieronymus von Prag 1416


Warum musste überhaupt ein Konzil stattfinden?

Seit 1378 bestand das Große Abendländische Schisma. Verschiedene Gruppen innerhalb der lateinischen Christenheit erkannten unterschiedliche Päpste an. Zunächst standen sich eine römische und eine avignonesische Linie gegenüber. Der Versuch, die Spaltung auf dem Konzil von Pisa 1409 zu beenden, verschärfte das Problem: Danach gab es drei konkurrierende päpstliche Anspruchslinien.

Die Karte veranschaulicht die politische Dimension des Schismas. Herrscher, Bischöfe und Territorien mussten entscheiden, welcher päpstlichen Obödienz – also welchem Anerkennungs- und Gehorsamsverband – sie folgten. Dadurch wurde ein innerkirchlicher Konflikt zugleich zu einer Frage europäischer Politik.

Die Teilnehmer des Konzils beschrieben ihre Arbeit mit drei klassischen Aufgabenbereichen. Die causa unionis zielte auf die Wiederherstellung der kirchlichen Einheit. Die causa fidei behandelte umstrittene Glaubenslehren, besonders die Lehren von John Wyclif und Jan Hus. Die causa reformationis sollte Missstände in Kirche und Kirchenleitung reformieren. Diese drei Aufgaben waren miteinander verbunden, konnten aber nicht gleichermaßen erfolgreich gelöst werden.


Begriffe verstehen

Konzil bedeutet eine kirchliche Versammlung, auf der Fragen von Lehre, Ordnung und Leitung beraten werden. Ein Schisma ist eine Kirchenspaltung. Häresie ist ein historischer kirchenrechtlicher Begriff für eine Lehre, die von kirchlichen Autoritäten als mit dem verbindlichen Glauben unvereinbar beurteilt wird. Wenn Du Quellen aus dem 15. Jahrhundert liest, solltest Du solche Begriffe nicht einfach als neutrale Beschreibungen übernehmen, sondern fragen, wer sie benutzt und mit welcher Wirkung.


Konstanz wird zum europäischen Treffpunkt

Konstanz war als Handelsstadt am Bodensee verkehrsgünstig gelegen und verfügte über kirchliche, städtische und wirtschaftliche Infrastruktur. Während der Konzilsjahre musste die Stadt eine außergewöhnlich große Zahl von Gästen versorgen. Unterkünfte, Lebensmittel, Verkehrswege, Sicherheit, Gottesdienste, Verwaltung und Handel wurden dadurch zu europäischen Organisationsaufgaben im Kleinen.

Zeitgenössische und spätere Quellen nennen sehr unterschiedliche Teilnehmerzahlen. Sicher ist jedoch: Die Zahl der Gäste übertraf die damalige Stadtbevölkerung deutlich. Deshalb veränderte das Konzil den Alltag. Gasthäuser, private Wohnungen, Klöster und kirchliche Gebäude wurden genutzt; Händler und Dienstleister profitierten von der Nachfrage, während Versorgung und Preise zugleich Konflikte auslösen konnten.

Die Wappenseiten aus der Richental-Chronik machen die Vielfalt der Teilnehmer sichtbar. Wappen standen für Personen, Herrschaften und politische Zugehörigkeiten. Sie sind deshalb nicht nur Schmuck, sondern Quellen zur politischen Ordnung und zur Wahrnehmung Europas im 15. Jahrhundert.


Die fünf nationes

Eine Besonderheit des Konstanzer Konzils war die Abstimmung nach nationes. Diese Gruppen darfst Du nicht mit heutigen Nationalstaaten verwechseln. Es gab die italienische, französische, deutsche, englische und später spanische Konzilsnation. Die deutsche Nation umfasste dabei auch zahlreiche Teilnehmer aus Regionen, die heute zu anderen Staaten gehören. Das Verfahren sollte verhindern, dass eine besonders große Gruppe von Bischöfen allein durch ihre Zahl dominierte.

Die nationes zeigen zweierlei: Einerseits dachte man bereits in großen europäischen Räumen und politischen Zugehörigkeiten. Andererseits waren diese Räume anders geordnet als das Europa moderner Staaten. Für den Geschichtsunterricht ist das ein gutes Beispiel dafür, warum heutige Begriffe nicht ungeprüft in die Vergangenheit übertragen werden dürfen.

Auch Begegnungen mit Christen aus dem östlichen Europa und aus orthodoxen Traditionen gehören zum Bild des Konzils. Solche Darstellungen erinnern daran, dass Konstanz während der Jahre 1414 bis 1418 nicht nur ein Ort westkirchlicher Verwaltung war, sondern ein Raum diplomatischer, kultureller und religiöser Kontakte.


König Sigismund und die Verbindung von Kirche und Politik

König Sigismund war eine Schlüsselfigur. Er war kein Papst und leitete die Kirche nicht, aber als römisch-deutscher König konnte er reisen, verhandeln, Druck ausüben und politische Bündnisse beeinflussen. Sein Ziel war auch politisch: Eine gespaltene Kirche schwächte die Ordnung der lateinischen Christenheit und erschwerte internationale Zusammenarbeit.

Die Miniatur zeigt Sigismund in einer Darstellung aus dem Umfeld der Konzilsüberlieferung. Solche Bilder präsentieren Herrschaft durch Kleidung, Rangzeichen und Inszenierung. Sie sagen daher nicht nur etwas über das Aussehen einer Person, sondern vor allem darüber, wie politische Autorität sichtbar gemacht wurde.

Ein besonders dramatischer Moment war die Flucht von Johannes (XXIII.) im März 1415. Er wollte sich dem wachsenden Druck des Konzils entziehen und verließ Konstanz mit Unterstützung des habsburgischen Herzogs Friedrich IV.. Die Krise verband Konstanz unmittelbar mit dem südwestdeutschen und oberrheinischen Raum. Johannes gelangte unter anderem nach Freiburg im Breisgau. Sigismund reagierte mit politischen und rechtlichen Maßnahmen gegen Friedrich IV. Damit wird sichtbar: Kirchenpolitik, Reichspolitik und Territorialpolitik waren eng verflochten.

Auch andere politische Akte fanden während der Konzilsjahre in Konstanz statt. 1417 belehnte Sigismund den Hohenzollern Friedrich mit der Mark Brandenburg. Das Konzil war damit zugleich Bühne für Reichspolitik und höfische Repräsentation.


Wer hatte das letzte Wort: Papst oder Konzil?

Als Johannes (XXIII.) floh, stand die Versammlung vor einer Grundfrage: Konnte ein Konzil auch gegen den Willen eines Papstes weiterarbeiten? 1415 verabschiedete es das Dekret Haec sancta. Darin beanspruchte das Konzil für Fragen des Glaubens, der Überwindung des Schismas und der Kirchenreform eine von Christus abgeleitete Autorität, der auch ein Papst gehorchen müsse.

Diese Position gehört zum Konziliarismus: der Auffassung, dass ein allgemeines Konzil in bestimmten grundlegenden Fragen über dem Papst stehen könne. Die kirchenrechtliche und theologische Bewertung von Haec sancta blieb später umstritten. Gerade deshalb ist das Dokument historisch wichtig: Es zeigt einen offenen Konflikt darüber, wie höchste Autorität in der Kirche begründet werden sollte.

1417 beschloss das Konzil außerdem das Dekret Frequens. Es sah regelmäßige allgemeine Konzilien vor. Damit sollte Reform nicht von einer einmaligen Krisenversammlung abhängen. In der Praxis blieb das Verhältnis zwischen Papst und Konzil jedoch weiterhin umkämpft.


Jan Hus: Reform, Glaubensstreit und Gewalt

Jan Hus war ein böhmischer Theologe und Prediger, der kirchliche Missstände kritisierte und sich unter anderem mit Fragen nach Kirche, Autorität und einem glaubwürdigen christlichen Leben beschäftigte. Er stand unter dem Einfluss von Gedanken John Wyclifs, übernahm aber nicht einfach dessen gesamte Lehre.

Hus reiste 1414 nach Konstanz, um seine Position zu vertreten. König Sigismund hatte ihm Schutz für die Reise zugesagt. Dennoch wurde Hus in Konstanz festgenommen. Nach längeren Verhandlungen und Verhören verurteilte ihn das Konzil wegen als häretisch bewerteter Lehren. Am 6. Juli 1415 wurde er der weltlichen Gewalt übergeben und verbrannt.

Die Darstellung aus der Richental-Überlieferung ist eine historische Bildquelle, kein fotografischer Bericht. Frage deshalb: Welche Personen werden gezeigt? Wer handelt? Welche religiösen und politischen Botschaften enthält das Bild? Was erfahren wir nicht?

Die Hinrichtung von Hus gehört zu den dunkelsten Seiten des Konzils. Aus heutiger Sicht stehen dabei besonders Gewissensfreiheit, Religionsfreiheit, Gewalt und der Umgang mit abweichenden Überzeugungen im Mittelpunkt. Historisch musst Du zugleich beachten, dass das spätmittelalterliche Verständnis von Religion, Recht und politischer Ordnung stark von modernen Vorstellungen getrennt war. Eine kritische Einordnung verbindet daher historische Kontextualisierung mit einer klaren Wahrnehmung der Gewalt.

Der Hussenstein in Konstanz ist heute ein Gedenkort. Er zeigt, dass Geschichte nicht nur aus vergangenen Ereignissen besteht, sondern auch aus späterem Erinnern. Verschiedene Gruppen können denselben Ort unterschiedlich deuten: als Ort religiöser Verfolgung, als nationales Erinnerungszeichen, als Mahnmal oder als Ausgangspunkt für Versöhnung.


Die Papstwahl von 1417 und das Ende des Schismas

Die Lösung der Papstfrage erfolgte schrittweise. Johannes (XXIII.) wurde 1415 abgesetzt. Gregor XII. erklärte seinen Rücktritt und ermöglichte so eine rechtlich geordnete Lösung für seine Anhänger. Benedikt XIII. weigerte sich zurückzutreten und wurde 1417 vom Konzil abgesetzt.

Im November 1417 wählten Kardinäle und Vertreter der Konzilsnationen im Konstanzer Kaufhaus Oddo Colonna zum Papst. Er nahm den Namen Martin V. an. Seine Wahl schuf wieder einen Papst, der in weiten Teilen der lateinischen Christenheit anerkannt wurde, und beendete damit das Große Abendländische Schisma weitgehend.

Die Papstwahl macht das heutige Konzilgebäude zu einem besonders wichtigen Erinnerungsort. Sie fand in einem bewachten Wahlbereich statt. Die Wahlordnung verband Kardinäle mit Vertretern der fünf nationes – ein außergewöhnlicher Kompromiss, der die politische Breite des Konzils abbildete.

Martin V. wurde am 21. November 1417 in Konstanz gekrönt. Mit seiner Wahl war die causa unionis weitgehend gelöst. Die anderen Aufgaben blieben schwieriger.


Erfolg oder Scheitern?

Das Konzil lässt sich nicht mit einem einfachen Urteil erfassen. Erfolgreich war es vor allem bei der Überwindung der päpstlichen Mehrfachansprüche. Die Wahl Martins V. stellte eine neue kirchliche Einheit her. Auch die Idee regelmäßiger Konzilien erhielt durch Frequens einen wichtigen Impuls.

Begrenzt blieb die causa reformationis. Viele Reformwünsche betrafen Finanzen, Ämtervergabe, kirchliche Disziplin und das Verhältnis zwischen zentraler und regionaler Kirchenleitung. Ein umfassendes Reformprogramm wurde in Konstanz nicht verwirklicht. Konflikte über Kirchenreform setzten sich fort.

Folgenreich und gewaltsam war die causa fidei. Die Verurteilung von Hus und später von Hieronymus von Prag löste die religiösen und politischen Konflikte in Böhmen nicht. Hus wurde dort für viele zum Symbol. Nach 1419 entwickelten sich daraus im Zusammenhang mit weiteren politischen Spannungen die Hussitenkriege.

Deshalb eignet sich das Konzil besonders für ein differenziertes historisches Urteil. Ein Ereignis kann in einem Bereich erfolgreich, in einem anderen unvollendet und in einem dritten Bereich katastrophal sein.

Das Video von Geschichtsfenster ordnet das Konzil als europäisches Großereignis ein. Vergleiche seine Schwerpunktsetzung mit dem Planet-Schule-Video: Welche Rolle spielen Kirche, Politik, Stadtleben und Jan Hus jeweils?


Quellenkritik: Die Richental-Chronik

Der Konstanzer Bürger Ulrich von Richental verfasste eine Chronik über das Konzil. Sie ist eine der wichtigsten erzählenden Quellen zum Ereignis und enthält in überlieferten Handschriften zahlreiche Bilder und Wappen. Richental interessierte sich nicht nur für kirchliche Beschlüsse, sondern auch für Personen, Ankünfte, Feste, Prozessionen, Wappen und den städtischen Alltag.

Für die Quellenarbeit gilt: Auch ein gut informierter Zeitgenosse ist nicht neutral. Richental wählte aus, ordnete und erzählte. Die erhaltenen Handschriften und ihre Bilder entstanden zudem in unterschiedlichen Überlieferungszusammenhängen. Du solltest deshalb zwischen Ereignis, zeitgenössischer Wahrnehmung und späterer Überlieferung unterscheiden.

Eine gute Quellenfrage lautet nicht nur: „Was zeigt die Quelle?“, sondern auch: „Wer zeigt was, wann, für wen und mit welcher möglichen Absicht?“


Baden-Württemberg: Geschichte vor Ort

Konstanz bietet bis heute mehrere Lernorte zum Konzil. Das Konstanzer Münster erinnert an die kirchlichen Beratungen. Das Konzilgebäude steht für die Papstwahl von 1417 und für die Verbindung von Handel und Politik. Das Hus-Haus und der Hussenstein stehen für die Erinnerung an Jan Hus. In Museen und im Stadtraum kannst Du außerdem Spuren der Richental-Chronik, der spätmittelalterlichen Stadt und des Konzilgedenkens entdecken.

Für eine Exkursion ist besonders spannend, historische und heutige Funktionen zu vergleichen. Das Konzilgebäude war ein Kaufhaus; heute ist es ein Veranstaltungsort. Das Konstanzer Münster war Bischofskirche und Konzilsort; heute ist es Pfarrkirche und Kulturdenkmal. Das Hus-Haus ist ein Erinnerungs- und Ausstellungsort. So wird deutlich, dass Gebäude ihre Bedeutung im Lauf der Zeit verändern.


Europäische Begegnungen: Was bedeutet das?

Das Konzil war kein „Europa-Parlament“ im modernen Sinn. Dennoch trafen Menschen aus vielen Regionen Europas zusammen, mussten Informationen austauschen, Dolmetsch- und Sprachprobleme bewältigen, Rangordnungen aushandeln und politische Kompromisse finden. Diplomatie, Theologie, Handel, Musik und religiöse Praxis begegneten sich in derselben Stadt.

Gerade darin liegt der besondere Lernwert: Europa erscheint hier nicht als fertige Einheit, sondern als Netz von Kirchen, Dynastien, Städten, Universitäten, Herrschaften und Kommunikationswegen. Das Konzil machte diese Verbindungen sichtbar und zwang sehr unterschiedliche Akteure zur Kooperation – zugleich aber auch zur Abgrenzung.


Merksätze

  1. Großes Abendländisches Schisma: Das Konzil sollte eine seit 1378 bestehende Spaltung der lateinischen Kirche überwinden.
  2. Sigismund: Der römisch-deutsche König war eine zentrale politische und diplomatische Kraft des Konzils.
  3. Jan Hus: Seine Verurteilung und Hinrichtung zeigen die Grenzen religiöser Toleranz im spätmittelalterlichen Europa.
  4. Martin V.: Seine Wahl 1417 in Konstanz trug entscheidend zur Beendigung des Schismas bei.
  5. Konziliarismus: Das Konzil war ein Höhepunkt der Debatte darüber, ob ein allgemeines Konzil dem Papst übergeordnet sein könne.
  6. Konstanz: Die Stadt wurde für vier Jahre zu einem europäischen Kommunikations-, Verhandlungs- und Begegnungsraum.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Warum wurde das Konzil von Konstanz vor allem einberufen? (Um die Kirchenspaltung zu überwinden und weitere Kirchenfragen zu beraten) (!Um Baden-Württemberg zu gründen) (!Um das Heilige Römische Reich aufzulösen) (!Um einen Kreuzzug gegen Konstanz zu beginnen)




Welche Stadt war von 1414 bis 1418 Schauplatz des Konzils? (Konstanz) (!Rom) (!Paris) (!Prag)




Was bezeichnet die causa unionis? (Die Wiederherstellung der kirchlichen Einheit) (!Die Gründung einer Universität) (!Die Einführung einer neuen Währung) (!Die Vereinigung aller deutschen Territorien)




Welche Rolle spielte König Sigismund? (Er wirkte als wichtiger politischer Vermittler und Machtfaktor) (!Er war der gewählte Papst des Konzils) (!Er war Bischof von Konstanz) (!Er schrieb die Richental-Chronik)




Was geschah mit Jan Hus im Jahr 1415? (Er wurde vom Konzil verurteilt und anschließend hingerichtet) (!Er wurde zum Papst gewählt) (!Er wurde König von Böhmen) (!Er leitete das Konklave)




Wo wurde Martin V. im Jahr 1417 gewählt? (Im Konstanzer Kaufhaus am Hafen) (!Im Freiburger Münster) (!In der Prager Burg) (!Im Rathaus von Ulm)




Was waren die nationes beim Konzil? (Abstimmungsgruppen der Konzilsteilnehmer) (!Moderne Nationalstaaten) (!Militärische Ritterorden) (!Städtische Handwerkerzünfte)




Wofür steht der Begriff Konziliarismus? (Für die Auffassung einer starken Autorität des allgemeinen Konzils gegenüber dem Papst) (!Für die Abschaffung aller Konzile) (!Für die Trennung von Kirche und Staat im modernen Sinn) (!Für die Herrschaft der Konstanzer Kaufleute über Europa)




Welche Quelle berichtet ausführlich über das Konzil und den Konstanzer Alltag? (Die Chronik Ulrich von Richentals) (!Die Goldene Bulle Karls des Großen) (!Die 95 Thesen Martin Luthers) (!Der Westfälische Frieden)




Welche Aussage bewertet das Konzil am treffendsten? (Es beendete das Schisma weitgehend, löste aber nicht alle Reform- und Glaubenskonflikte) (!Es löste alle kirchlichen Probleme dauerhaft) (!Es hatte keinerlei politische Bedeutung) (!Es war nur ein lokales Stadtfest)





Memory

Jan Hus böhmischer Theologe und Reformkritiker
Martin V. 1417 in Konstanz gewählter Papst
Sigismund römisch-deutscher König und politischer Vermittler
Haec sancta Dekret zur Autorität des Konzils
Frequens Dekret über regelmäßige Konzilien
Richental Chronist des Konstanzer Konzils
Schisma Kirchenspaltung





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Großes Abendländisches Schisma Ausgangskrise der Kirche
causa unionis Einheit der Kirche
causa fidei Streit um Glaubenslehren
causa reformationis Reform der Kirche
Konklave Wahl Martins V.




...


Kreuzworträtsel

Konstanz In welcher Stadt tagte das Konzil von 1414 bis 1418?
Sigismund Welcher König spielte eine zentrale politische Rolle?
Richental Wie hieß der Konstanzer Chronist mit Nachnamen?
Schisma Wie heißt eine Kirchenspaltung?
Konziliarismus Wie heißt die Lehre von der starken Autorität eines allgemeinen Konzils?
Reformation Welcher Begriff bezeichnet grundlegende Erneuerung und Umgestaltung?





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Lückentext

Vervollständige den Text.

Das Konzil von Konstanz begann im Jahr

und endete 1418. Die Spaltung der lateinischen Kirche wird als Großes Abendländisches

bezeichnet. Der römisch-deutsche König

spielte eine wichtige politische Rolle. Die Aufgabe zur Wiederherstellung der Einheit hieß causa

. Der böhmische Theologe

wurde 1415 in Konstanz verurteilt und hingerichtet. Das Dekret

betonte die Autorität des Konzils. Im Jahr 1417 wurde

zum Papst gewählt. Die Chronik des Konstanzer Bürgers

ist eine wichtige Quelle für das Konzil.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Gebäude-Check: Suche zwei Bilder des heutigen Konzilgebäudes und erkläre in fünf Sätzen, welche Funktion das Gebäude 1417 hatte und welche Funktion es heute hat.
  2. Schisma erklären: Erstelle eine einfache Skizze, die zeigt, warum mehrere päpstliche Anspruchslinien ein politisches Problem für Europa darstellten.
  3. Hus-Porträt: Gestalte eine sachliche Kurzbiografie von Jan Hus mit den Stationen Prag, Reise nach Konstanz, Prozess und Tod.
  4. Bildquelle lesen: Wähle eine Richental-Darstellung aus und notiere drei Beobachtungen und zwei Fragen an die Quelle.


Standard

  1. Autoritätsdebatte: Erstelle ein Streitgespräch zwischen einem Befürworter starker päpstlicher Autorität und einem Vertreter des Konziliarismus.
  2. Stadt im Ausnahmezustand: Plane einen historischen Stadtplan mit Orten für Unterkunft, Handel, Gottesdienst, Politik und Versorgung während des Konzils.
  3. Europa ohne Nationalstaaten: Vergleiche die fünf nationes mit einer modernen Europakarte und erkläre, warum die Begriffe nicht gleichgesetzt werden dürfen.
  4. Erinnerungsort untersuchen: Analysiere, welche Botschaft der Hussenstein heute vermittelt und welche Fragen ein Gedenkort an die Gegenwart stellt.


Schwer

  1. Quellenanalyse: Untersuche einen Auszug aus Haec sancta und arbeite heraus, wie das Verhältnis zwischen Konzil und Papst begründet wird.
  2. Erfolgsbilanz: Verfasse ein begründetes Urteil zur Frage, ob das Konzil eher Erfolg, Teilerfolg oder Scheitern war. Nutze mindestens drei Kriterien.
  3. Perspektivenvergleich: Vergleiche die Bewertung des Konzils in einer katholischen, einer protestantischen und einer säkular-historischen Darstellung. Achte auf Wortwahl und Schwerpunktsetzung.
  4. Exkursionsprojekt: Entwickle eine digitale Stadtrallye zu Münster, Konzilgebäude, Hus-Haus und Hussenstein mit QR-Ideen, Quellenfragen und einer Abschlussreflexion.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Ursache und Wirkung: Erkläre, warum das Große Abendländische Schisma nicht nur ein religiöses, sondern auch ein politisches Problem war. Nutze mindestens zwei Beispiele.
  2. Macht und Legitimität: Vergleiche die Handlungsmöglichkeiten von König Sigismund und den kirchlichen Entscheidungsträgern. Wo ergänzten sie sich, wo gerieten sie in Konflikt?
  3. Historisches Urteil: Beurteile, warum der Fall Jan Hus für eine Geschichte von Religionsfreiheit und Gewissensfreiheit bedeutsam ist, ohne moderne Maßstäbe einfach auf das Mittelalter zu übertragen.
  4. Transfer: Erkläre an einem selbst gewählten Beispiel, warum Organisationen Regeln brauchen, um Konflikte zwischen Leitung und Versammlung zu entscheiden. Zeige anschließend, wo der Vergleich mit dem Konzil an Grenzen stößt.
  5. Quellenkritik: Analysiere eine Richental-Abbildung hinsichtlich Urheber, Darstellungsweise, möglicher Absicht und Aussagegrenzen.
  6. Regionalgeschichte: Zeige, wie ein heute baden-württembergischer Ort im 15. Jahrhundert Teil überregionaler europäischer Politik sein konnte.




Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du Zusammenhänge erklären und nicht nur Jahreszahlen nennen kannst.

  1. Du kannst die Ursachen des Großen Abendländischen Schismas und die drei Aufgabenfelder des Konzils erläutern.
  2. Du kannst die Rollen von Sigismund, Jan Hus, Martin V. und Ulrich von Richental unterscheiden.
  3. Du kannst erklären, warum die Papstwahl von 1417 für die causa unionis entscheidend war.
  4. Du kannst Haec sancta und Frequens in die Debatte über Konzil und Papst einordnen.
  5. Du kannst die Verurteilung von Jan Hus historisch kontextualisieren und zugleich als Beispiel religiöser Gewalt kritisch reflektieren.
  6. Du kannst Konstanz als politischen, kirchlichen, wirtschaftlichen und europäischen Begegnungsraum beschreiben.
  7. Du kannst eine mittelalterliche Bild- oder Textquelle quellenkritisch untersuchen.
  8. Du kannst ein begründetes Gesamturteil zu Erfolgen, Grenzen und Folgen des Konzils formulieren.




OERs zum Thema


Verknüpfte Lernbereiche

Das Konzil von Konstanz verbindet Kirchengeschichte, Politische Geschichte, Stadtgeschichte, Europäische Geschichte, Religionsgeschichte, Quellenkritik und Erinnerungskultur. Besonders wichtig ist, dass Du das Ereignis nicht nur als „Kirchentreffen“ verstehst: Es zeigt, wie Religion, Herrschaft, Kommunikation, Recht und städtischer Alltag im Spätmittelalter zusammenwirkten.


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