Migration - Gemeinschaftskunde


Migration - Gemeinschaftskunde
Einleitung
Migration - Gemeinschaftskunde beschäftigt sich mit der Frage, warum Menschen ihren Lebensmittelpunkt verändern, welche Rechte dabei gelten und wie Politik und Gesellschaft Migration gestalten. Migration kann innerhalb eines Staates oder über Staatsgrenzen hinweg stattfinden. Sie kann geplant oder erzwungen, vorübergehend oder dauerhaft sein.
Deutschland ist zugleich Einwanderungsland und Auswanderungsland. Familiengeschichten, Städte, Schulen, Betriebe, Religionen, Sprachen und politische Debatten wurden und werden durch Migration geprägt. Das Thema ist deshalb für die Gemeinschaftskunde, die Politik, die Wirtschaft, die Geschichte und die Menschenrechte wichtig.

Medienauftrag: Beschreibe, was eine Weltkarte über Migration zeigen kann. Notiere anschließend zwei Informationen, die eine solche Karte nicht erklären kann, zum Beispiel persönliche Motive oder rechtliche Bedingungen.
Der Film der Bundeszentrale für politische Bildung führt in die weltweite Migration ein. Achte beim Ansehen darauf, welche Formen von Migration unterschieden werden und wie Zahlen eingeordnet werden.
Lernziele
Nach diesem aiMOOC kannst Du zentrale Begriffe unterscheiden, Ursachen und Folgen erklären sowie politische Entscheidungen beurteilen.
- Migration: Du erklärst Migration als räumliche Verlagerung des Lebensmittelpunktes.
- Einwanderung und Auswanderung: Du unterscheidest Immigration, Emigration und Binnenmigration.
- Flucht und Asyl: Du grenzt Migrantinnen und Migranten, Geflüchtete, Asylsuchende und Schutzberechtigte voneinander ab.
- Integration: Du beschreibst Integration als wechselseitigen gesellschaftlichen Prozess.
- Migrationspolitik: Du ordnest Aufgaben von Kommune, Land, Bund, Europäischer Union und internationalen Organisationen zu.
- Politische Urteilsbildung: Du prüfst Quellen, Statistiken, Interessen, Werte und Folgen politischer Vorschläge.
Grundbegriffe
Migration bedeutet, dass Menschen ihren gewöhnlichen Aufenthaltsort für eine gewisse Zeit oder dauerhaft verlagern. Je nach Statistik und Forschungsfrage werden unterschiedliche Zeiträume und räumliche Grenzen verwendet. Deshalb musst Du bei Daten immer prüfen, welche Definition zugrunde liegt.
| Begriff | Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|
| Binnenmigration | Umzug innerhalb eines Staates | Eine Familie zieht von einem ländlichen Gebiet in eine Großstadt. |
| Internationale Migration | Verlagerung des Lebensmittelpunktes über eine Staatsgrenze | Eine Schülerin zieht mit ihrer Familie von Italien nach Deutschland. |
| Immigration | Einwanderung in ein Land | Aus Sicht Deutschlands ist der Zuzug nach Deutschland Immigration. |
| Emigration | Auswanderung aus einem Land | Aus Sicht des Herkunftslandes ist derselbe Vorgang Emigration. |
| Rückkehrmigration | Rückkehr in ein früheres Herkunftsland | Eine Person arbeitet mehrere Jahre im Ausland und kehrt später zurück. |
| Zirkuläre Migration | Wiederholte Wanderung zwischen mehreren Orten | Eine Arbeitskraft lebt und arbeitet regelmäßig in zwei Staaten. |
Migration ist ein Oberbegriff. Er sagt allein noch nichts darüber aus, warum eine Person wandert, welchen Aufenthaltsstatus sie besitzt oder wie sie sich selbst bezeichnet.
Begriffe genau verwenden
Staatsangehörigkeit, Herkunft, Sprache, Religion, Aufenthaltsstatus und Identität sind nicht dasselbe. Eine Person kann zum Beispiel die deutsche Staatsangehörigkeit besitzen und trotzdem eine familiäre Einwanderungsgeschichte haben. Eine ausländische Staatsangehörigkeit bedeutet umgekehrt nicht automatisch, dass eine Person erst vor Kurzem eingewandert ist.
Statistische Begriffe wie Migrationshintergrund oder Einwanderungsgeschichte beruhen auf festgelegten Kriterien. Diese Kriterien können sich unterscheiden. Sie beschreiben statistische Gruppen, aber nicht die ganze Identität eines Menschen.[1]
Formen der Migration
Migration kann nach verschiedenen Merkmalen geordnet werden:
| Merkmal | Mögliche Formen |
|---|---|
| Raum | Binnenmigration oder internationale Migration |
| Dauer | vorübergehend, dauerhaft oder zirkulär |
| Entscheidungsspielraum | weitgehend freiwillig, stark eingeschränkt oder erzwungen |
| Anlass | Arbeit, Ausbildung, Studium, Familie, Schutz, Krieg, Verfolgung, Umweltveränderungen oder persönliche Gründe |
| Rechtlicher Weg | Freizügigkeit, Visum, Aufenthaltstitel, Familiennachzug, Asylverfahren oder andere Regelungen |
In der Wirklichkeit wirken oft mehrere Gründe gleichzeitig. Eine Person kann beispielsweise wegen fehlender Arbeit, familiärer Netzwerke und politischer Unsicherheit auswandern. Ein einzelnes Etikett erklärt daher selten die ganze Geschichte.
Push- und Pull-Faktoren
Push-Faktoren sind Bedingungen, die Menschen aus einem Herkunftsgebiet wegdrängen. Dazu können Krieg, Verfolgung, fehlende wirtschaftliche Perspektiven, Umweltzerstörung oder mangelnde Bildungsangebote gehören.
Pull-Faktoren sind Bedingungen, die ein Zielgebiet attraktiv erscheinen lassen. Dazu können Sicherheit, Arbeit, Bildung, politische Freiheit, Familienangehörige oder eine funktionierende Infrastruktur gehören.[2]
Das Modell ist hilfreich, aber vereinfacht. Es erklärt nicht vollständig, welche persönlichen Entscheidungen Menschen treffen, welche Grenzen sie überwinden können oder welche Rolle Geld, Informationen, Netzwerke und Gesetze spielen.

Medienauftrag: Die Karte zeigt eine historische Situation aus dem Jahr 2015. Prüfe Titel, Zeitraum, Datenquelle und Legende. Erkläre, warum die Karte nicht als Beschreibung der heutigen Lage verwendet werden darf.
Flucht, Asyl und Schutz
Nicht jede Migration ist Flucht. Gleichzeitig ist Flucht eine Form von Migration, bei der der Handlungsspielraum stark eingeschränkt ist.
| Begriff | Vereinfachte Erklärung |
|---|---|
| Migrant | Oberbegriff für eine Person, die ihren Lebensmittelpunkt verlagert |
| Geflüchtete | Allgemeine Bezeichnung für Menschen, die vor Gefahr, Gewalt oder Not fliehen |
| Flüchtling | Rechtlich geschützter Begriff nach der Genfer Flüchtlingskonvention, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind |
| Asylsuchende | Personen, die Schutz beantragt haben und auf eine Entscheidung warten |
| Schutzberechtigte | Personen, denen nach einer Prüfung eine Schutzform zuerkannt wurde |
| Binnenvertriebene | Menschen, die fliehen mussten, aber keine internationale Grenze überschritten haben |
Nach der Genfer Flüchtlingskonvention gilt als Flüchtling, wer sich außerhalb des eigenen Staates befindet und wegen begründeter Furcht vor Verfolgung aufgrund bestimmter Merkmale oder Überzeugungen keinen Schutz dieses Staates erhalten kann.[3]

Medienauftrag: Unterscheide Herkunftsland, Aufnahmeland und Aufenthaltsort. Formuliere drei Fragen, die Du zur Datengrundlage der Karte stellen würdest.
Das Recht auf Asyl
Das Grundgesetz enthält in Artikel 16a das Grundrecht auf Asyl für politisch Verfolgte. Daneben gibt es den Flüchtlingsschutz nach der Genfer Flüchtlingskonvention, den subsidiären Schutz und nationale Abschiebungsverbote. Die Voraussetzungen unterscheiden sich. Über einen Antrag wird in einem individuellen Verfahren entschieden.[4]
Ein Asylantrag führt nicht automatisch zur Anerkennung. Ebenso bedeutet eine Ablehnung nicht, dass jeder Fall gleich gelagert ist. Rechtsmittel, besondere Gefahren, familiäre Situationen und weitere aufenthaltsrechtliche Regeln können eine Rolle spielen.
Vereinfachter Ablauf eines Asylverfahrens
- Ankunft und Registrierung: Persönliche Daten werden aufgenommen und vorhandene Zuständigkeiten geprüft.
- Asylantrag: Die schutzsuchende Person stellt beim Bundesamt einen Antrag.
- Anhörung: Die Person schildert ihre Fluchtgründe und legt mögliche Nachweise vor.
- Prüfung: Das Bundesamt prüft den Einzelfall anhand nationaler, europäischer und internationaler Regeln.
- Entscheidung: Eine Schutzform wird zuerkannt oder der Antrag wird abgelehnt.
- Rechtsweg: Gegen eine Entscheidung kann unter bestimmten Voraussetzungen gerichtlich vorgegangen werden.
Videoauftrag: Erstelle nach dem Film ein Flussdiagramm mit den wichtigsten Stationen. Markiere, an welchen Stellen Behörden entscheiden und an welchen Stellen die betroffene Person angehört wird.
Grundprinzipien des Flüchtlingsschutzes
Die Genfer Flüchtlingskonvention schützt Menschen vor Verfolgung. Ein zentrales Prinzip ist das Non-Refoulement. Es verbietet die Zurückweisung in ein Gebiet, in dem Verfolgung droht.[5]
In politischen Debatten treffen mehrere Ziele aufeinander: Schutz der Menschenrechte, Kontrolle von Grenzen, faire Verfahren, Sicherheit, Verteilung von Verantwortung und Unterstützung der aufnehmenden Kommunen. Eine begründete Position muss diese Ziele benennen und mögliche Konflikte offenlegen.
Migration in Deutschland: historische Entwicklung
Deutschland war in verschiedenen Zeiten Auswanderungsland, Einwanderungsland, Transitland und Zufluchtsort. Die Geschichte lässt sich nicht auf ein einzelnes Ereignis reduzieren.
| Zeitraum | Beispiel | Bedeutung |
|---|---|---|
| Neunzehntes und frühes zwanzigstes Jahrhundert | Auswanderung vieler Menschen nach Nord- und Südamerika | Armut, Landknappheit, politische Gründe und Zukunftserwartungen beeinflussten die Auswanderung. |
| Nach dem Zweiten Weltkrieg | Flucht, Vertreibung und Aufnahme von Millionen Menschen | Wohnraum, Versorgung und gesellschaftliche Eingliederung waren große politische Aufgaben. |
| Seit den fünfziger Jahren in der Bundesrepublik | Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte | Die Wirtschaft benötigte Arbeitskräfte; viele Menschen blieben dauerhaft und gründeten Familien. |
| In der DDR | Beschäftigung ausländischer Vertragsarbeitskräfte | Aufenthalt und gesellschaftlicher Kontakt waren staatlich stark geregelt. |
| Seit den späten achtziger und neunziger Jahren | Aufnahme von Aussiedlerinnen und Aussiedlern, Asylsuchenden und Bürgerkriegsflüchtlingen | Fragen von Staatsangehörigkeit, Aufnahme und Integration wurden neu verhandelt. |
| Seit der europäischen Integration | Freizügigkeit innerhalb der Europäischen Union | Unionsbürgerinnen und Unionsbürger können unter den geltenden Regeln in anderen Mitgliedstaaten leben und arbeiten. |
| Seit dem einundzwanzigsten Jahrhundert | Fluchtmigration, Fachkräfteeinwanderung, Familienmigration und internationale Bildung | Unterschiedliche Migrationsformen bestehen gleichzeitig. |
Auswanderung und Flucht nach dem Zweiten Weltkrieg

Das Bild zeigt eine deutsche Familie vor der Auswanderung nach Australien in der Nachkriegszeit. Es erinnert daran, dass Migration nicht nur eine Bewegung nach Deutschland ist. Auch Deutsche wanderten aus wirtschaftlichen, familiären oder politischen Gründen aus.

Quellenauftrag: Vergleiche die beiden historischen Fotos. Achte auf Ort, Zeitraum, Bildbeschreibung, Perspektive der Fotografin oder des Fotografen und mögliche Lücken. Formuliere eine Bildunterschrift, die keine unbelegten Vermutungen enthält.
Anwerbeabkommen und Arbeitsmigration
In der westdeutschen Nachkriegswirtschaft wurden Arbeitskräfte aus mehreren Staaten angeworben. Der Begriff Gastarbeiter deutete zunächst auf einen zeitlich begrenzten Aufenthalt. Viele Menschen blieben jedoch, holten Familien nach oder gründeten Familien in Deutschland. Ihre Arbeit, ihre Vereine, ihre Unternehmen und ihre Kultur prägten die Gesellschaft.

Das Foto dokumentiert die Unterzeichnung eines deutsch-spanischen Abkommens zur Anwerbung und Vermittlung spanischer Arbeitskräfte im Jahr 1960. Solche Abkommen zeigen, dass Arbeitsmigration politisch organisiert wurde.

Medienauftrag: Untersuche, welche Lebensbedingungen historische Fotografien sichtbar machen und welche Erfahrungen unsichtbar bleiben. Ergänze mögliche Fragen für ein Zeitzeugeninterview.
Videoauftrag: Notiere drei Beispiele dafür, wie türkische Einwanderung Deutschland verändert hat. Trenne dabei persönliche Erfahrungen, gesellschaftliche Entwicklungen und politische Entscheidungen.
Fluchtmigration und gesellschaftliche Debatten
Fluchtbewegungen werden häufig durch Kriege, Verfolgung und Zusammenbruch staatlicher Ordnung ausgelöst. Aufnahmestaaten müssen kurzfristig Schutz, Registrierung und Unterkunft organisieren. Langfristig werden Schule, Ausbildung, Arbeit, Wohnen, Gesundheit und politische Teilhabe wichtig.

Das Foto zeigt die Ankunft von Geflüchteten am Münchner Hauptbahnhof im September 2015. Es ist ein historisches Dokument einer bestimmten Situation. Es darf nicht ohne zeitliche Einordnung für allgemeine Aussagen über Migration verwendet werden.
Integration, Inklusion und Teilhabe
Integration beschreibt einen längerfristigen Prozess, in dem Menschen Zugang zu wichtigen Bereichen der Gesellschaft erhalten und gesellschaftliche Regeln, Institutionen und Beziehungen gemeinsam gestalten. Integration betrifft nicht nur Zugewanderte. Auch Behörden, Schulen, Unternehmen, Vereine, Nachbarschaften und Medien tragen Verantwortung.
Videoauftrag: Formuliere nach dem Film eine eigene Definition von Integration. Sie muss die Begriffe Teilhabe, Rechte, Chancen und wechselseitiger Prozess enthalten.
Bereiche der Integration
| Bereich | Leitfrage | Beispiele |
|---|---|---|
| Sprache | Gibt es Zugang zu Sprachlernen und verständlicher Kommunikation? | Sprachkurse, mehrsprachige Beratung, Sprachförderung in der Schule |
| Bildung | Können Kinder, Jugendliche und Erwachsene Bildungsangebote nutzen? | Schule, Ausbildung, Studium, Anerkennung von Abschlüssen |
| Arbeit | Bestehen faire Möglichkeiten zur Beschäftigung? | Berufsberatung, Qualifizierung, Schutz vor Ausbeutung |
| Wohnen | Gibt es bezahlbaren und diskriminierungsfreien Wohnraum? | kommunaler Wohnungsbau, Beratung, Quartiersarbeit |
| Gesundheit | Erreichen Menschen medizinische und psychologische Versorgung? | Versicherung, Dolmetschen, Traumahilfe |
| Politische Teilhabe | Können Betroffene Interessen äußern und Entscheidungen beeinflussen? | Wahlen, Beiräte, Vereine, Jugendvertretungen, Bürgerdialoge |
| Soziale Beziehungen | Entstehen Kontakte, Vertrauen und gemeinsame Erfahrungen? | Sport, Kultur, Nachbarschaft, Schule, Ehrenamt |

Praxisauftrag: Beschreibe, welche Bedingungen schulische Teilhabe erleichtern. Beziehe Unterricht, Sprache, Freundschaften, Elternarbeit und Beratung ein.
Sprache ist ein wichtiger Zugang zu Bildung, Arbeit und Beteiligung. Sie ist aber nicht der einzige Faktor. Auch rechtliche Sicherheit, Anerkennung von Abschlüssen, soziale Kontakte und Schutz vor Diskriminierung beeinflussen Integration.
Assimilation, Integration, Inklusion und Segregation
| Begriff | Kerngedanke |
|---|---|
| Assimilation | Eine Minderheit passt sich weitgehend an die Mehrheitsgesellschaft an; Unterschiede verlieren an Sichtbarkeit. |
| Integration | Teilhabe an zentralen gesellschaftlichen Bereichen bei möglichem Erhalt verschiedener kultureller Merkmale. |
| Inklusion | Institutionen werden so gestaltet, dass unterschiedliche Menschen von Anfang an gleichberechtigt teilnehmen können. |
| Segregation | Bevölkerungsgruppen leben in wichtigen Bereichen weitgehend getrennt voneinander. |
Die Begriffe sind Modelle. In der Wirklichkeit können Elemente gleichzeitig auftreten. Eine Schule kann beispielsweise gemeinsame Klassen organisieren und dennoch durch getrennte Freizeitkontakte geprägt sein.
Integration als kommunale Aufgabe
Integration wird besonders vor Ort sichtbar. Kommunen organisieren oder koordinieren Wohnraum, Kitas, Schulen, Jugendhilfe, soziale Beratung, Gesundheitsangebote, Ausländerbehörden, Integrationskurse und Beteiligungsprojekte. Viele Aufgaben hängen jedoch von Gesetzen und Finanzierungen des Landes, des Bundes oder der Europäischen Union ab.
Vergleichsauftrag: Sammle aus dem Film mindestens drei Ideen für gelingende Integration. Prüfe für jede Idee, welche Institution zuständig wäre und welche Kosten oder Konflikte entstehen könnten.
Politische Ebenen und Akteure
Migrationspolitik entsteht auf mehreren Ebenen. Entscheidungen einer Ebene können die Handlungsmöglichkeiten anderer Ebenen erweitern oder begrenzen.
| Ebene oder Akteur | Typische Aufgaben |
|---|---|
| Kommune | Unterkunft, Meldewesen, Schule, Jugendhilfe, Beratung, Wohnraum, lokale Beteiligung |
| Bundesland | Schulpolitik, Polizei, Aufnahmeverteilung, Landesbehörden, Teile der Integrationspolitik |
| Bund | Aufenthaltsrecht, Staatsangehörigkeitsrecht, Asylverfahren, Arbeitsmigration, Bundesprogramme |
| Europäische Union | Freizügigkeit, gemeinsame Asylregeln, Außengrenzen, Verteilung und Zusammenarbeit |
| Gerichte | Kontrolle staatlicher Entscheidungen und Schutz individueller Rechte |
| UNHCR | Internationaler Flüchtlingsschutz, Beratung und Beobachtung der Genfer Flüchtlingskonvention |
| Zivilgesellschaft | Beratung, Sprachförderung, Seenotrettung, Nachbarschaftshilfe, Interessenvertretung und Kritik |
| Unternehmen und Gewerkschaften | Beschäftigung, Ausbildung, Arbeitsbedingungen und Anerkennung beruflicher Fähigkeiten |
Freizügigkeit in der Europäischen Union
Die Freizügigkeit gehört zu den Grundfreiheiten der Europäischen Union. Unionsbürgerinnen und Unionsbürger können unter den geltenden Bedingungen in anderen Mitgliedstaaten leben, arbeiten oder studieren. Diese Form der Migration unterscheidet sich rechtlich von der Einwanderung aus Drittstaaten.[6]

Medienauftrag: Die Karte dokumentiert eine Abstimmung aus dem Jahr 2015. Erkläre, was sie über politische Positionen zeigt. Erkläre anschließend, was sie über die Gründe dieser Positionen nicht zeigt.
Zielkonflikte in der Migrationspolitik
Politische Entscheidungen müssen häufig mehrere Ziele gleichzeitig berücksichtigen:
- Menschenrechte: Schutz vor Verfolgung, unmenschlicher Behandlung und Diskriminierung
- Staatliche Steuerung: klare Regeln für Einreise, Aufenthalt und Rückkehr
- Rechtsstaatlichkeit: faire Verfahren, Begründung von Entscheidungen und Zugang zu Gerichten
- Humanität: Schutz von Leben und menschenwürdige Aufnahme
- Kommunale Handlungsfähigkeit: ausreichend Wohnraum, Personal, Schulen und finanzielle Mittel
- Wirtschaft und Arbeitsmarkt: Gewinnung von Fachkräften und Schutz fairer Arbeitsbedingungen
- Gesellschaftlicher Zusammenhalt: Teilhabe, Sicherheit, Vertrauen und Vermeidung von Ausgrenzung
- Europäische Solidarität: faire Verteilung von Verantwortung zwischen Mitgliedstaaten
Ein politisches Urteil sollte nicht nur ein Ziel nennen. Es sollte erklären, wie Zielkonflikte gelöst oder zumindest abgemildert werden können.
Chancen und Herausforderungen
Migration hat keine überall gleichen Folgen. Wirkungen hängen von Alter, Qualifikation, Aufenthaltsstatus, wirtschaftlicher Lage, Wohnungsmarkt, Bildungssystem und politischer Gestaltung ab.
| Mögliche Chancen | Mögliche Herausforderungen |
|---|---|
| Gewinn zusätzlicher Arbeitskräfte und Kompetenzen | Anerkennung von Abschlüssen und passende Qualifizierung |
| Gründung von Unternehmen und neue wirtschaftliche Verbindungen | Gefahr von Ausbeutung und unsicheren Arbeitsbedingungen |
| Kulturelle, sprachliche und soziale Vielfalt | Konflikte, Vorurteile und Verständigungsprobleme |
| Stabilisierung von Bevölkerungsentwicklung und Infrastruktur | ungleiche Verteilung zwischen Regionen und Kommunen |
| Internationale Netzwerke und Wissenstransfer | Verlust qualifizierter Arbeitskräfte in Herkunftsländern |
| Neue Perspektiven in Schulen, Vereinen und Politik | fehlende Beteiligungsmöglichkeiten und Diskriminierung |
Chancen entstehen nicht automatisch. Sie benötigen Zugang zu Bildung, Arbeit, Wohnraum, Sprache, Gesundheit und politischer Teilhabe. Herausforderungen entstehen ebenfalls nicht allein durch Migration. Häufig treffen Zuwanderung, Wohnraummangel, soziale Ungleichheit und Personalmangel gleichzeitig aufeinander.
Schule als Ort der Integration
Schulen vermitteln Sprache, Fachwissen, demokratische Regeln und soziale Kontakte. Gleichzeitig müssen sie unterschiedliche Lernstände, biografische Erfahrungen und familiäre Voraussetzungen berücksichtigen.
Eine gute schulische Strategie verbindet Sprachförderung mit gemeinsamem Lernen. Dauerhafte Trennung kann Kontakte und Bildungschancen verringern. Eine sofortige Teilnahme ohne ausreichende Unterstützung kann jedoch ebenfalls überfordern. Deshalb sind flexible Übergänge, zusätzliche Förderung und Zusammenarbeit mit Eltern und Beratungsstellen wichtig.
Fallbeispiel: Die Stadt Brückenfeld
Die fiktive Stadt Brückenfeld hat 60.000 Einwohnerinnen und Einwohner. Innerhalb eines Jahres ziehen viele Familien aus verschiedenen Staaten zu. Gleichzeitig fehlen bezahlbare Wohnungen, Kita-Plätze und Lehrkräfte. Einige Betriebe suchen Auszubildende. Vereine bieten Unterstützung an, während im Stadtrat über Kosten, Verteilung und Beteiligung gestritten wird.
Für eine politische Lösung müssen mehrere Fragen geklärt werden:
- Welche Aufgaben kann die Stadt selbst übernehmen?
- Welche Unterstützung muss das Bundesland bereitstellen?
- Welche Regeln werden durch Bundesrecht bestimmt?
- Wie können neu zugewanderte Menschen beteiligt werden?
- Wie werden zusätzliche Angebote finanziert?
- Wie verhindert die Stadt Konkurrenz zwischen sozial benachteiligten Gruppen?
- Welche Daten werden benötigt, bevor Entscheidungen getroffen werden?
Migration in Medien und politischer Debatte
Migration ist ein stark umkämpftes politisches Thema. Begriffe, Bilder und Zahlen beeinflussen, wie Menschen eine Situation wahrnehmen. Wörter wie Flüchtlingswelle, Fachkräfteeinwanderung, illegale Migration oder Willkommenskultur setzen unterschiedliche Schwerpunkte.
Eine sachliche Debatte unterscheidet zwischen Person und Handlung. Ein Aufenthalt kann rechtlich nicht erlaubt sein, ohne dass ein Mensch dadurch als Person „illegal“ wird. Ebenso darf Kriminalität nicht allein aus Staatsangehörigkeit erklärt werden. Alter, Geschlecht, soziale Lage, Anzeigeverhalten, Vergleichsgruppe und Art der Statistik müssen geprüft werden.

Datenauftrag: Prüfe Zeitraum, Kategorien, Achsen und Quelle. Erkläre, warum Staatsangehörigkeit und Einwanderungsgeschichte nicht gleichgesetzt werden dürfen.

Datenauftrag: Beschreibe Unterschiede in der Altersstruktur, ohne Ursachen zu erfinden. Formuliere danach zwei mögliche Erklärungen als Hypothesen, die mit weiteren Daten geprüft werden müssten.
Videoauftrag: Notiere jede verwendete Zahl mit Bezugsjahr, Grundgesamtheit und Quelle. Markiere Aussagen, die ohne diese Angaben missverständlich wären.
Kriterien für einen Faktencheck
- Quelle prüfen: Wer veröffentlicht die Information und mit welchem Auftrag?
- Datum prüfen: Auf welchen Zeitraum bezieht sich die Aussage?
- Definition prüfen: Was bedeuten die verwendeten Begriffe in der Statistik?
- Grundgesamtheit prüfen: Welche Personen werden gezählt und welche nicht?
- Vergleich prüfen: Werden absolute Zahlen, Anteile oder Veränderungen verglichen?
- Kausalität prüfen: Wird nur ein Zusammenhang gezeigt oder eine Ursache belegt?
- Perspektiven prüfen: Welche betroffenen Gruppen kommen zu Wort?
- Bildwirkung prüfen: Ist ein Foto repräsentativ oder zeigt es einen Einzelfall?
- Unsicherheit benennen: Welche Daten fehlen oder sind nur vorläufig?
- Gegenquelle suchen: Bestätigen unabhängige seriöse Quellen die Aussage?
Politische Urteilsbildung
Ein begründetes politisches Urteil verbindet Sachurteil und Werturteil.
Sachurteil: Du prüfst, ob eine Maßnahme geeignet, wirksam, finanzierbar und rechtlich möglich ist.
Werturteil: Du bewertest die Maßnahme anhand von Menschenwürde, Freiheit, Gleichheit, Sicherheit, Gerechtigkeit, Solidarität und Demokratie.
Ein gutes Urteil nennt außerdem Betroffene, Alternativen, Nebenfolgen und Bedingungen. Es vermeidet einfache Lösungen für komplexe Probleme.
Zusammenfassung
Migration bezeichnet die Verlagerung des Lebensmittelpunktes. Sie kann innerhalb eines Staates oder über Grenzen hinweg stattfinden. Gründe sind häufig miteinander verbunden.
Flucht, Asyl, Flüchtlingsschutz und allgemeine Migration müssen begrifflich getrennt werden. Schutzentscheidungen beruhen auf rechtlichen Regeln und individuellen Verfahren.
Integration ist ein wechselseitiger Prozess. Sprache ist wichtig, aber auch Bildung, Arbeit, Wohnen, Gesundheit, Rechte, soziale Kontakte und politische Beteiligung.
Migrationspolitik wird von Kommunen, Ländern, Bund, Europäischer Union, Gerichten, internationalen Organisationen und Zivilgesellschaft gestaltet. Dabei entstehen Zielkonflikte zwischen Schutz, Steuerung, Rechtsstaatlichkeit, kommunaler Belastbarkeit, wirtschaftlichen Interessen und gesellschaftlichem Zusammenhalt.
Statistiken und Medienbilder müssen kritisch geprüft werden. Eine demokratische Debatte braucht genaue Begriffe, verlässliche Quellen und Respekt gegenüber betroffenen Menschen.
Quellen und Vertiefung
- Bundeszentrale für politische Bildung: Dossier Migration
- Bundesamt für Migration und Flüchtlinge: Asyl und Flüchtlingsschutz
- Statistisches Bundesamt: Migration und Integration
- UNHCR Deutschland: Flüchtlingsschutz
- Grundgesetz: Artikel 16a
- Europäisches Recht: EUR-Lex
- ↑ Statistisches Bundesamt: Migration und Integration
- ↑ Bundeszentrale für politische Bildung: Push- und Pull-Faktoren
- ↑ UNHCR Deutschland: FAQ Flüchtlinge
- ↑ Bundesamt für Migration und Flüchtlinge: Ablauf des Asylverfahrens
- ↑ UNHCR Deutschland: Genfer Flüchtlingskonvention
- ↑ Bundeszentrale für politische Bildung: Binnenmigration in der Europäischen Union
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Was bezeichnet Migration? (Die Verlagerung des Lebensmittelpunktes) (!Nur eine Reise während der Ferien) (!Nur die Flucht vor einem Krieg) (!Jeden täglichen Weg zur Schule)
Was bedeutet Immigration? (Einwanderung in ein Gebiet) (!Auswanderung aus einem Gebiet) (!Rückkehr an den Geburtsort) (!Umzug innerhalb derselben Wohnung)
Welches Beispiel ist ein Push-Faktor? (Politische Verfolgung im Herkunftsland) (!Ein sicherer Arbeitsplatz im Zielland) (!Ein Studienplatz im Zielland) (!Familienangehörige im Zielland)
Wer ist eine asylsuchende Person? (Eine Person mit noch nicht abschließend entschiedenem Schutzantrag) (!Jede Person mit ausländischer Staatsangehörigkeit) (!Jede Person auf einer Urlaubsreise) (!Nur eine bereits eingebürgerte Person)
Wo ist das Grundrecht auf Asyl im Grundgesetz geregelt? (In Artikel 16a) (!Im Schulgesetz) (!In der Gemeindeordnung) (!Im Strafgesetzbuch)
Was kennzeichnet Integration? (Teilhabe als wechselseitiger gesellschaftlicher Prozess) (!Vollständige Trennung aller Bevölkerungsgruppen) (!Verzicht auf alle persönlichen Traditionen) (!Ausschluss von Bildung und Arbeit)
Was ist eine Aufgabe der Kommune? (Lokale Angebote wie Schule Beratung und Wohnen zu koordinieren) (!Die Genfer Flüchtlingskonvention allein zu ändern) (!Alle Regeln der Europäischen Union allein festzulegen) (!Über die Verfassung ohne Parlament zu entscheiden)
Was erlaubt die Freizügigkeit in der Europäischen Union? (Unionsbürgern unter geltenden Bedingungen Leben und Arbeiten in anderen Mitgliedstaaten) (!Allen Menschen weltweit automatisch die Einbürgerung) (!Den Verzicht auf jede Anmeldung) (!Die Aufhebung aller nationalen Gesetze)
Warum muss bei einer Migrationsstatistik die Definition geprüft werden? (Weil unterschiedliche Statistiken unterschiedliche Personengruppen erfassen können) (!Weil jede Statistik grundsätzlich erfunden ist) (!Weil Zahlen niemals verglichen werden dürfen) (!Weil nur Bilder zuverlässige Informationen liefern)
Was gehört zu einer begründeten politischen Urteilsbildung? (Quellen Werte Folgen und Alternativen abzuwägen) (!Nur die lauteste Meinung zu übernehmen) (!Ein einzelnes Foto als vollständigen Beweis zu nutzen) (!Betroffene Gruppen grundsätzlich nicht anzuhören)
Memory
| Immigration | Einwanderung in ein Gebiet |
| Emigration | Auswanderung aus einem Gebiet |
| Pushfaktor | Bedingung die Menschen wegdrängt |
| Pullfaktor | Bedingung die ein Ziel attraktiv macht |
| Asylsuchende | Person mit noch offenem Schutzantrag |
| Flüchtlingsschutz | Schutz bei begründeter Furcht vor Verfolgung |
| Integration | Teilhabe in wichtigen Gesellschaftsbereichen |
| Kommune | Politische Ebene des unmittelbaren Lebensortes |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Pushfaktor | Krieg oder politische Verfolgung |
| Pullfaktor | Sicherheit oder gute Bildungsangebote |
| Binnenmigration | Umzug innerhalb eines Staates |
| Internationale Migration | Verlagerung über eine Staatsgrenze |
| Integration | Teilhabe an Bildung Arbeit und Gesellschaft |
Kreuzworträtsel
| Migration | Wie heißt die Verlagerung des Lebensmittelpunktes? |
| Integration | Wie heißt der wechselseitige Prozess gesellschaftlicher Teilhabe? |
| Asylrecht | Welches Recht schützt politisch Verfolgte? |
| Kommune | Welche politische Ebene organisiert viele Aufgaben direkt vor Ort? |
| Freizügigkeit | Welche Grundfreiheit erleichtert Unionsbürgern das Leben und Arbeiten in anderen Mitgliedstaaten? |
| Teilhabe | Wie heißt die Mitwirkung an gesellschaftlichen Bereichen? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Begriffsplakat Migration: Gestalte ein Plakat mit den Begriffen Migration, Immigration, Emigration, Flucht, Asyl und Integration. Ergänze zu jedem Begriff ein selbst erfundenes Beispiel.
- Push-und-Pull-Karten: Erstelle acht Karten mit möglichen Migrationsgründen. Ordne sie Push-Faktoren, Pull-Faktoren oder beiden Kategorien zu und begründe schwierige Fälle.
- Medienbild prüfen: Wähle ein Bild aus dem aiMOOC. Beschreibe nur das Sichtbare und formuliere danach drei Fragen, die das Bild nicht beantwortet.
- Lokale Spurensuche: Suche in Deiner Gemeinde nach einem Ort, Verein, Geschäft, Denkmal oder Straßennamen mit Bezug zu Migration. Dokumentiere den Fund mit Text oder Zeichnung.
Standard
- Interview zur Einwanderungsgeschichte: Entwickle einen respektvollen Interviewleitfaden und führe ein freiwilliges Gespräch mit einer Person, die Migration erlebt hat. Beachte Datenschutz und das Recht, Fragen nicht zu beantworten.
- Statistik als Infografik: Wähle eine seriöse Statistik zu Migration. Gestalte eine Infografik mit Quelle, Bezugsjahr, Definition, Grundgesamtheit und einer Warnung vor möglicher Fehlinterpretation.
- Stadtratssimulation Brückenfeld: Übernimm die Rolle von Jugendvertretung, Verwaltung, Schule, Unternehmen, Wohlfahrtsverband oder Anwohnerschaft. Entwickelt gemeinsam einen begründeten Maßnahmenplan.
- Integrationskonzept Schule: Erstelle für eine Schule ein Konzept aus Sprachförderung, gemeinsamem Unterricht, Elternarbeit, Beratung und Beteiligung. Begründe Prioritäten und mögliche Kosten.
Schwer
- Policy Brief Migration: Verfasse ein zweiseitiges Politikpapier zu einer konkreten migrationspolitischen Frage. Stelle Problem, Rechtsrahmen, Interessen, drei Handlungsoptionen und eine begründete Empfehlung dar.
- Vergleich europäischer Ansätze: Vergleiche die Integrations- oder Asylpolitik zweier europäischer Staaten anhand gleicher Kriterien. Prüfe, ob die Daten wirklich vergleichbar sind.
- Faktencheck-Dossier: Untersuche eine verbreitete Behauptung über Migration. Dokumentiere Ursprung, Wortwahl, Daten, Gegenquellen, Unsicherheiten und Dein abschließendes Urteil.
- Dokumentarisches Schulprojekt: Produziere einen Podcast, eine Fotoausstellung oder ein kurzes Video über Migration in Deiner Region. Hole Einwilligungen ein, vermeide stereotype Darstellungen und veröffentliche Quellen.


Lernkontrolle
- Fallanalyse Kommune: Analysiere das Fallbeispiel Brückenfeld. Ordne Aufgaben den politischen Ebenen zu und entwickle einen Plan, der Menschenrechte, Finanzen und gesellschaftlichen Zusammenhalt berücksichtigt.
- Urteil zu Sprachförderung: Beurteile die Aussage „Erst Sprache lernen, dann am Regelunterricht teilnehmen“. Entwickle Kriterien, prüfe Chancen und Risiken und formuliere eine differenzierte Lösung.
- Statistikvergleich: Zwei Medien nennen unterschiedliche Zahlen zur Migration. Erkläre mindestens vier mögliche Gründe für die Abweichung und entwirf ein Prüfverfahren.
- Zielkonflikt Asylpolitik: Zeige an einem selbst gewählten Beispiel, wie Humanität, Rechtsstaatlichkeit, Grenzsteuerung und kommunale Handlungsfähigkeit miteinander in Konflikt geraten können.
- Historischer Transfer: Vergleiche eine historische Form der Arbeitsmigration mit einer heutigen Fachkräfteeinwanderung. Untersuche Gemeinsamkeiten, Unterschiede und mögliche Lehren.
- Medienkritisches Urteil: Analysiere einen Beitrag, der Migration mit einem einzelnen Bild darstellt. Beurteile Bildauswahl, Sprache, Datenbasis und mögliche Wirkung auf die politische Meinungsbildung.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu Migration - Gemeinschaftskunde ist wichtig:
- Fachbegriffe: Migration, Immigration, Emigration, Binnenmigration, Flucht, Asyl, Flüchtlingsschutz, Integration und Freizügigkeit korrekt verwenden
- Ursachenanalyse: Push- und Pull-Faktoren erklären und die Grenzen des Modells benennen
- Rechtsverständnis: Grundzüge von Artikel 16a, Genfer Flüchtlingskonvention und Asylverfahren erläutern
- Mehrebenensystem: Aufgaben von Kommune, Land, Bund, Europäischer Union und internationalen Organisationen zuordnen
- Historische Einordnung: wichtige Phasen der Migration in Deutschland an Beispielen erklären
- Datenkompetenz: Definition, Bezugsjahr, Grundgesamtheit, Quelle und Vergleichsmaßstab einer Statistik prüfen
- Medienkompetenz: Bilder, Begriffe und politische Deutungsrahmen kritisch untersuchen
- Urteilsbildung: Sachurteil und Werturteil verbinden sowie Folgen, Betroffene und Alternativen berücksichtigen
- Transfer: für ein kommunales oder schulisches Problem eine realistische und begründete Lösung entwickeln
- Quellenarbeit: seriöse Quellen transparent angeben und Unsicherheiten kennzeichnen
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