Amerikanische Blacksmithing-Bewegung - Schmied


Amerikanische Blacksmithing-Bewegung - Schmied
Amerikanische Blacksmithing-Bewegung - Schmied
Einleitung
Die amerikanische Blacksmithing-Bewegung bezeichnet in diesem Lernkurs keine geschlossene Kunstrichtung mit einem einzigen Manifest. Der Ausdruck dient vielmehr als Sammelbegriff für die Wiederbelebung des Schmiedehandwerks in den Vereinigten Staaten und in Nordamerika seit den späten 1960er- und frühen 1970er-Jahren. In dieser Entwicklung verbanden sich traditionelle handwerkliche Verfahren, die amerikanische Studio-Craft-Bewegung, Hochschullehre, private Werkstätten, Handwerksschulen, Museen, Fachzeitschriften, regionale Schmiedeverbände und öffentliche Vorführungen.
Für Dich als Auszubildende oder Auszubildender ist diese Bewegung besonders interessant, weil sie zeigt, wie ein durch Industrialisierung und Serienfertigung zurückgedrängtes Handwerk neu organisiert werden kann. Dabei wurden historische Verfahren nicht bloß kopiert. Sie wurden dokumentiert, systematisch vermittelt, gestalterisch weiterentwickelt und mit moderner Werkstatttechnik verbunden. Die Bezeichnung artist-blacksmith lässt sich ungefähr mit Kunstschmied oder gestaltender Schmied übersetzen, ist aber weiter gefasst: Sie kann handwerkliche, architektonische, bildhauerische und freie künstlerische Arbeiten einschließen.

Das historische Foto eines Feldschmieds im Amerikanischen Bürgerkrieg verdeutlicht die frühere Bedeutung mobiler Schmieden für Transport, Landwirtschaft und Militär.
Das Video zum Blacksmith Workshop ordnet den Hochschulworkshop von 1970 in die Geschichte der amerikanischen Wiederbelebung ein.
Lernziele
Nach diesem aiMOOC kannst Du:
- Handwerksgeschichte: die wichtigsten Ursachen und Stationen der amerikanischen Blacksmithing-Wiederbelebung erklären.
- Berufsbild Schmied: Schmied, Hufschmied, Messerschmied, Schweißer und artist-blacksmith fachlich voneinander abgrenzen.
- Schmiedetechnik: zentrale englische Fachbegriffe wie drawing out, upsetting, punching, drifting und forge welding korrekt deutschen Arbeitsverfahren zuordnen.
- Werkzeugkunde: Esse, Amboss, Hammer, Zange, Gesenke, Schraubstock und Krafthammer funktional beschreiben.
- Arbeitsplanung: einen einfachen Schmiedeauftrag von der Skizze bis zur Oberflächenbehandlung strukturieren.
- Arbeitssicherheit: wesentliche Gefährdungen beim Handschmieden, Maschinenschmieden, Schleifen und Arbeiten mit Feuer beurteilen.
- Berufliche Bildung: das verbandlich organisierte nordamerikanische Lernen mit der deutschen dualen Berufsausbildung vergleichen.
Historischer Hintergrund
Vom unverzichtbaren Gewerbe zur industriellen Randstellung
Bis in das 19. Jahrhundert hinein gehörte die Schmiede vielerorts zur grundlegenden Infrastruktur. Schmiede fertigten und reparierten Beschläge, Nägel, Werkzeuge, Wagenbauteile, landwirtschaftliche Geräte, Ketten, Haken, Schlösser und Baubeschläge. Mit der Industrialisierung wurden viele dieser Erzeugnisse in Walzwerken, Gießereien, Presswerken und Fabriken billiger und in großen Stückzahlen hergestellt. Das traditionelle Dorf- und Reparaturhandwerk verlor dadurch einen Teil seiner wirtschaftlichen Grundlage. Es verschwand jedoch nicht vollständig: Hufbeschlag, Werkzeugreparatur, Bau- und Zierschmiedearbeiten, industrielle Instandhaltung und Spezialanfertigungen blieben erhalten.

Das Werkstattfoto dokumentiert die arbeitsplatzbezogene Organisation einer traditionellen amerikanischen Schmiede mit Feuerstelle, Amboss und Handwerkzeugen.
Vorläufer der Wiederbelebung
Bereits vor der eigentlichen Bewegung gab es in den USA bedeutende Werkstätten für architektonisches und ornamentales Eisen. Ein wichtiger Bezugspunkt war Samuel Yellin, der in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts große Werkstattaufträge für Tore, Gitter, Beschläge und Innenausstattungen ausführte. Seine Arbeiten zeigten, dass geschmiedetes Eisen zugleich tragfähig, funktional und gestalterisch anspruchsvoll sein konnte. Spätere Schmiede studierten historische Originale, Werkstattzeichnungen und erhaltene Bauteile, ohne Yellins Stil einfach zu kopieren.
Ein Gitterausschnitt von Samuel Yellin veranschaulicht die Verbindung von Rhythmus, Wiederholung, handwerklicher Fügung und plastisch geschmiedeten Details.
Historisches Filmmaterial von Samuel Yellin zeigt Arbeitsweisen, die für die spätere amerikanische Schmiedeszene zu einem wichtigen Referenzpunkt wurden.
Der Workshop von 1970 in Carbondale
Eine Schlüsselrolle spielte der Metallgestalter und Hochschullehrer L. Brent Kington an der Southern Illinois University Carbondale. Kington und seine Studierenden organisierten 1970 gemeinsam mit dem Schmied und Autor Alex W. Bealer einen Schmiedeworkshop. Erwartet worden war zunächst eine kleinere Lehrveranstaltung; tatsächlich kamen mehr als 60 Teilnehmende aus Handwerk und Hochschulen. Der Workshop schuf Kontakte zwischen Personen, die historische Schmiedetechnik, zeitgenössische Metallgestaltung und Lehre zusammenführen wollten.[1]
Kington war nicht der einzige Urheber der Wiederbelebung. Seine Bedeutung lag besonders darin, ein Lern- und Austauschnetzwerk aufzubauen. In diesem Netzwerk konnten erfahrene Traditionsschmiede, junge Kunststudierende, Werkzeugmacher, Lehrende und selbstständig arbeitende Werkstattschmiede voneinander lernen. Das Metal Museum bezeichnet den Workshop von 1970 als einen entscheidenden Impuls für die amerikanische Schmiedeszene.[2]
Die Gründung von ABANA 1973
Am 16. und 17. März 1973 fand im Museumsdorf Westville in Lumpkin, Georgia, eine Blacksmiths’ Convention statt. Aus dem Kreis von 27 Gründungsmitgliedern entstand die Artist-Blacksmith’s Association of North America, kurz ABANA. Ziel war es, das Schmieden als Kunst und Handwerk zu erhalten, technische Kenntnisse weiterzugeben, Kontakte zu schaffen und öffentliche Aufmerksamkeit zu fördern.[3]
ABANA wurde zu einer wichtigen Infrastruktur der Bewegung. Konferenzen, Vorführungen, Ausstellungen, regionale Mitgliedsgruppen, Stipendien, Lehrmaterialien und die Zeitschriften The Anvil’s Ring sowie The Hammer’s Blow unterstützten den Wissenstransfer. Entscheidend war dabei nicht nur die Bewahrung alter Formen. Ebenso wichtig wurden Entwurf, gestalterische Eigenständigkeit, professionelle Werkstattführung und die Entwicklung neuer Auftragsfelder.
Die Einführung in das ABANA National Curriculum zeigt, wie aus der Bewegung ein strukturiertes, stufenweise aufgebautes Bildungsangebot entstand.
Kennzeichen der Bewegung
Netzwerk statt einheitlicher Stil
Die amerikanische Blacksmithing-Bewegung besitzt keinen einzigen verbindlichen Stil. Manche Werkstätten orientieren sich an historischem amerikanischem oder europäischem Schmiedeeisen. Andere arbeiten abstrakt, bildhauerisch oder experimentell. Wieder andere konzentrieren sich auf Architektur, Restaurierung, Werkzeuge, Haushaltsgegenstände, Messer, Möbel oder öffentliche Kunst.
Gemeinsam sind vielen Akteurinnen und Akteuren folgende Grundideen:
- Werkstattgemeinschaft: Wissen wird in Workshops, Demonstrationen, Konferenzen und regionalen Gruppen geteilt.
- Lernen am Werkstück: Techniken werden durch konkrete Übungsstücke, Muster und Aufträge vermittelt.
- Werkzeugselbstbau: Zangen, Meißel, Dorne, Gesenke und Hilfswerkzeuge werden häufig selbst geschmiedet und an die Aufgabe angepasst.
- Entwurf und Funktion: Gestaltung entsteht aus Material, Belastung, Fügung und Herstellungsweg.
- Dokumentation: Arbeitsfolgen, Maße, Werkzeuge und Fehler werden schriftlich und bildlich festgehalten.
- Öffentlichkeit: Vorführungen, Museen und Ausstellungen machen das Handwerk sichtbar.
- Berufliche Vielfalt: Hobby, Kunst, Lehre, Denkmalpflege und gewerbliche Auftragsarbeit bestehen nebeneinander.

Die gemeinsame Arbeit mit Vorschmied und Zuschläger steht beispielhaft für Kommunikation, Rhythmus und Arbeitsteilung im Schmiedeprozess.
Wichtige Lernorte und Institutionen
Neben ABANA und Hochschulprogrammen trugen Craft Schools, Museen und regionale Verbände zur Verbreitung bei. Dazu zählen unter anderem die Southern Illinois University Carbondale, die Penland School of Craft, die John C. Campbell Folk School, das Metal Museum in Memphis sowie zahlreiche ABANA Affiliates. Einige Lernwege sind akademisch, andere werkstattbezogen oder verbandlich organisiert. Das Metal Museum beschreibt für die Wiederbelebung der 1960er- und 1970er-Jahre sowohl Hochschulkarrieren als auch Werkstätten, die sich am europäischen Lehrlingsmodell orientierten.[4]
Vielfalt und Zugang
Die historische Schmiedeszene wurde lange stark von Männern geprägt. Die neuere Bewegung erweiterte jedoch den Zugang durch offene Workshops, Hochschulen, Stipendien und spezialisierte Schulen. Künstlerinnen wie Elizabeth Brim verbanden traditionelle Schmiedetechnik mit neuen Themen und Bildwelten. Für die berufliche Bildung folgt daraus: Fachliche Leistung darf nicht an Körperklischees gebunden werden. Ergonomische Arbeitsweise, geeignete Werkzeuggewichte, Vorrichtungen, Teamarbeit und Maschineneinsatz ermöglichen unterschiedliche Zugänge zum Beruf.
Fachsprache und Grundverfahren
Zentrale englisch-deutsche Fachbegriffe
Drawing out oder drawing down bedeutet Strecken beziehungsweise Ausziehen: Der Querschnitt wird kleiner, während das Werkstück länger wird. Tapering bezeichnet das Ausschmieden einer sich verjüngenden Spitze oder eines konischen Abschnitts. Upsetting bedeutet Stauchen: Material wird in Längsrichtung zusammengedrückt, wodurch der Querschnitt zunimmt. Bending ist Biegen; twisting ist Verdrehen oder Tordieren.
Punching bezeichnet das Lochen mit einem Lochdorn. Das Loch wird meist von einer Seite fast durchgeschlagen, das Werkstück gewendet und der Butzen von der Gegenseite ausgetrieben. Drifting ist das Aufdornen: Ein bereits vorhandenes Loch wird mit einem Formdorn auf Maß und Form gebracht. Splitting bedeutet Spalten. Shouldering ist das Schmieden einer Schulter oder eines Absatzes.
Fullering bezeichnet das lokale Verdrängen und Einschnüren von Material mit Ober- und Untergesenk. Scrolling ist das Formen von Voluten und Schnecken. Forge welding ist Feuerschweißen: Geeignete, saubere und ausreichend erwärmte Oberflächen werden unter Druck stoffschlüssig verbunden. Mortise and tenon entspricht einer Schlitz-und-Zapfen-Verbindung. Collaring bezeichnet das Fügen oder Sichern mit einem geschmiedeten Bundring.

Beim Handschmieden müssen Schlagrichtung, Auflage, Werkstücktemperatur und Hammerführung zusammenpassen. Ein kräftiger Schlag ersetzt keine kontrollierte Arbeitsweise.
Das ABANA-Lehrvideo zeigt das Ausschmieden einer Verjüngung als grundlegende Übung des kontrollierten Handschmiedens.
Werkzeuge und Werkstattausrüstung
Die forge ist die Feuerstelle oder Esse. Bei einer Kohle- oder Koksesse führen Feuerraum, Winddüse und Gebläse Verbrennungsluft zu. Gasessen verwenden Brenner und feuerfeste Auskleidungen. Induktive Erwärmung arbeitet ohne offene Flamme, erfordert jedoch spezielle elektrische Anlagen.
Der anvil ist der Amboss. Wichtige Bereiche sind Bahn, Horn, Absatz, Ferse, Vierkantloch und Rundloch. Das hardy hole ist das Vierkant- oder Gesenkloch für Einsteckwerkzeuge. Das pritchel hole ist das kleinere Rundloch, das unter anderem beim Lochen oder Austreiben genutzt werden kann.
Zu den Handwerkzeugen gehören Handhammer, Kreuzschlaghammer, Vorschlaghammer, Zangen, Warmmeißel, Lochdorne, Formdorne, Setzhämmer, Schlichthämmer, Ober- und Untergesenke. Der leg vise ist ein Schmiedeschraubstock, dessen Bein Stoßkräfte in den Boden ableitet. Krafthämmer können als Feder-, Luft- oder andere mechanische Hämmer ausgeführt sein. Sie erhöhen die Umformleistung, verlangen jedoch besonders klare Arbeitsabläufe, passende Werkzeuge und sichere Körperpositionen.

Einsteckwerkzeuge für das Vierkantloch erweitern den Amboss, etwa zum Trennen, Formen oder Absetzen.
Der Krafthammer beschleunigt das Umformen großer Querschnitte. Er ersetzt weder Prozessverständnis noch Werkzeugkontrolle.
Das Lehrvideo behandelt das Schmieden von Meißel, Schlitzdorn und Formdorn und verbindet Werkzeugherstellung mit Werkstoff- und Wärmebehandlungswissen.
Werkstoffkunde und Wärmebehandlung
Für viele dekorative und konstruktive Schmiedearbeiten wird niedrig gekohlter Stahl verwendet. Er lässt sich gut warm umformen und feuerschweißen, erreicht durch Abschrecken aber nicht die Härte eines geeigneten Werkzeugstahls. Historisches Schmiedeeisen besitzt eine andere Schlackenstruktur und ist heute nur begrenzt verfügbar, häufig als Altmaterial.
Werkzeuge wie Meißel, Körner, Durchschläge oder bestimmte Hämmer benötigen einen zum Einsatz passenden Werkzeugstahl. Nach dem Schmieden folgen je nach Werkstoff Normalisieren, Härten und Anlassen. Die konkrete Wärmebehandlung richtet sich nach Stahlsorte, Querschnitt und späterer Beanspruchung. Farbangaben sind nur Näherungen, weil Umgebungslicht, Oberflächenzustand und Wahrnehmung die Beurteilung verändern. In der Ausbildung sind deshalb Werkstoffnachweis, Temperaturführung und kontrollierte Prüfung wichtiger als bloßes „Schmieden nach Farbe“.
Vom Entwurf zum Werkstück
Arbeitsplanung
Ein professioneller Schmiedeauftrag beginnt nicht am Feuer, sondern mit Klärung der Funktion. Bei einem Tor, Gitter oder Beschlag müssen Maße, Belastung, Befestigung, Bewegungsräume, Korrosionsschutz und gestalterische Wirkung zusammenpassen. Ein sinnvoller Ablauf ist:
- Auftragsklärung: Funktion, Stückzahl, Einbauort, Termin und Qualitätsanforderung festlegen.
- Skizze: Form, Proportionen, Anschlüsse und sichtbare Werkzeugspuren darstellen.
- Materialplanung: Werkstoff, Ausgangsquerschnitte, Zuschläge und Reststücke bestimmen.
- Arbeitsfolge: Erwärmungen, Umformschritte, Fügungen und Zwischenprüfungen ordnen.
- Werkzeugplanung: Zangen, Dorne, Lehren, Gesenke und Vorrichtungen vorbereiten.
- Musterstück: kritische Details an einem Probestück prüfen.
- Fertigung: Maße laufend kontrollieren und Serienabweichungen dokumentieren.
- Oberfläche: Zunder entfernen, Kanten prüfen und passenden Korrosionsschutz aufbauen.
- Qualitätskontrolle: Funktion, Maßhaltigkeit, Fügungen und Oberfläche bewerten.
Das Schmieden einer sauberen quadratischen Ecke zeigt, wie Materialzugabe, Stauchen und Maßkontrolle zusammenwirken.
Gestaltung aus dem Prozess
In der Blacksmithing-Bewegung wird Gestaltung häufig aus dem Herstellungsprozess entwickelt. Eine Volute wirkt überzeugend, wenn Querschnittsverlauf, Radius und Endpunkt zusammenpassen. Eine Blattspitze entsteht nicht nur durch Kontur, sondern durch Volumenverteilung und Schlagfolge. Werkzeugspuren können sichtbar bleiben, sofern sie kontrolliert und gestalterisch beabsichtigt sind.
Für Auszubildende ist wichtig, zwischen handwerklich bedingter Spur und Fehler zu unterscheiden. Eine gleichmäßige Hammertextur kann Teil der Gestaltung sein. Kaltschlagrisse, scharfe Kerben, unvollständige Schweißungen, versetzte Lochungen oder unkontrollierte Querschnittssprünge sind dagegen technische Mängel.
Ausbildung und Bildungswege
Das ABANA National Curriculum
ABANA bietet ein dreistufiges National Curriculum an. Es wurde 2015 eingeführt und 2020 umfassender ausgebaut. Nach eigener Darstellung orientiert es sich an einem europäischen Modell beruflicher Handwerksbildung.[5]
Level I vermittelt Sicherheit und Grundlagen wie Verjüngen, Biegen, Werkzeugschmieden und Wärmebehandlung, Lochen und Aufdornen, Maßschmieden, Feuerschweißen und Zapfenverbindungen. Das Abschlussprojekt ist ein Torverschluss. Level II vertieft kleine Fügungen, Feuerschweißen, Werkzeugherstellung, klassische Voluten und das Schmieden nach Maß. Level III umfasst fortgeschrittene Blattarbeiten, komplexe Schweißungen, Werkzeugbau und ein anspruchsvolles Gitterprojekt.
Zusätzlich veröffentlichte ABANA zwischen 2000 und 2010 die Lehrreihe Controlled Hand Forging. Sie behandelt unter anderem Strecken, Lochen, Biegen, Stauchen, Spalten, Schlitz-und-Zapfen-Verbindungen, Feuerschweißen, Schultern, Zangenschmieden und verschiedene Dorne.[6]
Vergleich mit der deutschen Ausbildung
Das ABANA-Curriculum ist nicht automatisch mit einem deutschen staatlich anerkannten Ausbildungsabschluss, einer Gesellenprüfung oder einem Meisterbrief gleichzusetzen. Die nordamerikanische Szene ist stärker dezentral organisiert. Lernende kombinieren häufig Kurse, Selbststudium, Verbandsprüfungen, Hochschulangebote, Praktika und Werkstatterfahrung.
Die deutsche duale Ausbildung verbindet dagegen in der Regel Betrieb und Berufsschule auf der Grundlage verbindlicher Ausbildungsordnungen. Für Dich ist der Vergleich dennoch wertvoll: Das ABANA-Modell zeigt eine konsequente Gliederung nach nachweisbaren Fertigkeiten und Werkstücken. Die deutsche Ausbildung bringt dafür systematische betriebliche Erfahrung, Arbeitsschutz, Wirtschafts- und Sozialkunde sowie prüfungsbezogene Standards ein. Beide Ansätze können sich fachlich ergänzen, dürfen aber rechtlich nicht verwechselt werden.
Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz
Schmieden verbindet Hitze, Feuer, Funken, Zunder, Lärm, schwere Werkstücke, schlagende Werkzeuge, Quetschstellen, Schleifstaub und Verbrennungsgase. Sicherheit beginnt deshalb mit Gefährdungsbeurteilung, Werkstattordnung, Unterweisung und funktionierender Absaugung beziehungsweise Lüftung. Persönliche Schutzausrüstung ergänzt technische und organisatorische Maßnahmen, ersetzt sie aber nicht.
- Augenschutz: Schutzbrille mit Seitenschutz und bei Bedarf zusätzlicher Gesichtsschutz gegen Zunder und Schleifpartikel.
- Gehörschutz: geeigneter Gehörschutz bei Hammer-, Krafthammer- und Schleifarbeiten; Impulslärm kann besonders hoch sein.
- Kleidung: eng anliegende, schwer entflammbare Arbeitskleidung und geschlossenes Sicherheitsschuhwerk; Kunstfasern können bei Hitze schmelzen.
- Handschutz: Handschuhe nur passend zur Gefährdung einsetzen; keine losen Handschuhe an rotierenden oder einziehenden Maschinen.
- Lüftung: Verbrennungsgase und Rauch sicher erfassen; Feuerstellen nicht in ungeeigneten, unbelüfteten Räumen betreiben.
- Materialprüfung: verzinkte, beschichtete, bleihaltige oder unbekannte Werkstoffe nicht ohne sichere Identifikation und geeignete Schutzmaßnahmen erhitzen.
- Heißkennzeichnung: heißes Metall eindeutig ablegen und kennzeichnen, weil Stahl bei Tageslicht gefährlich heiß sein kann, obwohl er dunkel aussieht.
- Werkzeugprüfung: Hammerstiele, Hammerköpfe, Zangen, Gesenke und Maschinen vor Gebrauch kontrollieren.
- Teamarbeit: beim Zuschlagen eindeutige Kommandos, sichere Standorte und vorher vereinbarte Schlagfolgen nutzen.
- Brandschutz: brennbare Stoffe entfernen, Löschmittel bereitstellen und Fluchtwege freihalten.
Bei maschinellem Schmieden und Schleifen gelten zusätzliche Anforderungen. Schutzvorrichtungen dürfen nicht umgangen werden. Die US-Arbeitsschutzbehörde OSHA fordert geeignete persönliche Schutzausrüstung bei entsprechenden Gefährdungen; NIOSH-Untersuchungen zeigen, dass Schlag- und Schmiedehämmer sehr hohe Lärmpegel erzeugen können.[7][8]
Berufliche Bedeutung heute
Die Bewegung hat das amerikanische Schmieden als Beruf, Kunstform und Bildungsfeld sichtbar gemacht. Heutige Tätigkeitsbereiche reichen von Restaurierung und Denkmalpflege über Geländer, Tore, Möbel und Innenausbau bis zu Skulptur, Werkzeugbau, Kursangeboten und musealer Vermittlung. Viele Werkstätten kombinieren traditionelle Verfahren mit Schweißtechnik, CAD-Zeichnung, Plasmaschneiden, CNC-Fertigung, Krafthämmern oder Induktionserwärmung.
Für eine tragfähige berufliche Existenz reicht gute Hammertechnik allein nicht aus. Kalkulation, Kundenkommunikation, Zeichnungslesen, Dokumentation, Montageplanung, Arbeitsschutz, Oberflächentechnik und Qualitätskontrolle sind ebenso wichtig. Die amerikanische Blacksmithing-Bewegung zeigt damit einen allgemeinen Bildungsweg: Ein Handwerk bleibt zukunftsfähig, wenn es seine Kernkompetenzen bewahrt, offen dokumentiert, fachlich prüft und mit neuen Aufgaben verbindet.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
In welchem Jahr wurde ABANA gegründet? (1973) (!1963) (!1983) (!1993)
Welches Ereignis gilt als wichtiger Impuls der amerikanischen Schmiedewiederbelebung? (Der Schmiedeworkshop 1970 an der Southern Illinois University) (!Die Erfindung des Lichtbogenschweißens in den 1930er-Jahren) (!Die Schließung aller Hufschmiedeschulen 1950) (!Die Einführung von Edelstahl im Mittelalter)
Was bedeutet drawing out beim Schmieden? (Den Querschnitt verringern und das Werkstück verlängern) (!Den Querschnitt vergrößern und das Werkstück verkürzen) (!Ein Loch mit einem Dorn aufweiten) (!Zwei Werkstücke durch Nieten verbinden)
Was bedeutet upsetting? (Stauchen) (!Schleifen) (!Aufdornen) (!Härten)
Wozu dient drifting? (Ein vorhandenes Loch auf Maß und Form zu bringen) (!Zunder mit einer Bürste zu entfernen) (!Ein Werkstück im Wasser abzukühlen) (!Eine Oberfläche zu lackieren)
Was ist das hardy hole am Amboss? (Das Vierkantloch für Einsteckwerkzeuge) (!Die runde Öffnung des Blasebalgs) (!Die Grifföffnung eines Hammers) (!Die Achse eines Krafthammers)
Wie heißt forge welding auf Deutsch? (Feuerschweißen) (!Punktschweißen) (!Klebefügen) (!Hartlöten)
Wie viele Stufen umfasst das ABANA National Curriculum? (Drei) (!Zwei) (!Vier) (!Sechs)
Was kennzeichnet einen artist-blacksmith am besten? (Die Verbindung von Schmiedetechnik, Funktion und Gestaltung) (!Die ausschließliche Herstellung von Hufeisen) (!Die ausschließliche Bedienung von Schweißrobotern) (!Die reine Bearbeitung von Aluminiumblech)
Wie gehst Du mit einem unbekannten beschichteten Stahl vor dem Erhitzen um? (Du identifizierst Werkstoff und Beschichtung und klärst sichere Maßnahmen) (!Du erhitzt ihn sofort bis zur Schweißhitze) (!Du entfernst die Beschichtung mit bloßen Händen) (!Du arbeitest ohne Lüftung, damit keine Wärme verloren geht)
Memory
| ABANA | Nordamerikanischer Schmiedeverband seit 1973 |
| L. Brent Kington | Zentraler Pädagoge der Wiederbelebung |
| Drawing out | Strecken mit kleinerem Querschnitt |
| Upsetting | Stauchen mit größerem Querschnitt |
| Hardy hole | Vierkantloch im Amboss |
| Forge welding | Stoffschlüssiges Fügen in der Schmiedehitze |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Arbeitswirkung |
|---|---|
| Strecken | Querschnitt wird kleiner und Länge wird größer |
| Stauchen | Querschnitt wird größer und Länge wird kleiner |
| Aufdornen | Ein vorhandenes Loch wird geformt und erweitert |
| Feuerschweißen | Erwärmte Oberflächen werden unter Druck stoffschlüssig verbunden |
| Volutenschmieden | Ein Stabende wird zu einer kontrollierten Schneckenform gebogen |
Kreuzworträtsel
| Kington | Welcher Hochschullehrer prägte die amerikanische Schmiedewiederbelebung entscheidend? |
| ABANA | Wie lautet die Abkürzung des 1973 gegründeten nordamerikanischen Schmiedeverbands? |
| Stauchen | Welches Verfahren vergrößert den Querschnitt durch Verkürzen? |
| Amboss | Auf welchem Grundwerkzeug wird das heiße Werkstück geschmiedet? |
| Aufdornen | Wie heißt das Formen und Erweitern eines vorhandenen Lochs? |
| Volute | Wie heißt eine spiralförmige Zierform im Schmiedeeisen? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Fachwortkarte: Erstelle eine Karte mit zehn englischen Schmiedebegriffen, der deutschen Entsprechung und einer kleinen Arbeitsskizze.
- Werkzeugportrait: Fotografiere oder zeichne einen Amboss und beschrifte Bahn, Horn, Absatz, Ferse, Vierkantloch und Rundloch.
- Zeitstrahl: Gestalte einen Zeitstrahl vom industriellen Rückgang des Dorfschmieds über den Workshop von 1970 bis zur Gründung von ABANA 1973.
- Sicherheitscheck: Entwickle eine einseitige Checkliste für den sicheren Start und das sichere Ende einer Schmiedeschicht.
Standard
- Übungsstück: Plane und fertige unter fachlicher Aufsicht einen Haken, an dem Strecken, Biegen und eine Volute erkennbar sind; dokumentiere Maße und Arbeitsschritte.
- Werkzeugvergleich: Vergleiche Handhammer, Vorschlaghammer und Krafthammer hinsichtlich Energie, Kontrolle, Ergonomie, Risiko und geeigneter Werkstückgröße.
- Interview: Befrage eine Schmiedin, einen Schmied oder eine Metallgestalterin dazu, wie traditionelle Verfahren und moderne Maschinen in der Werkstatt kombiniert werden.
- Bildanalyse: Untersuche ein Werk von Samuel Yellin oder einem zeitgenössischen artist-blacksmith und erkläre Aufbau, Fügungen, Rhythmus und sichtbare Werkzeugspuren.
Schwer
- Curriculumvergleich: Vergleiche ein ABANA-Level mit einem passenden Abschnitt einer deutschen Ausbildungsordnung oder eines betrieblichen Ausbildungsplans und kennzeichne Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede.
- Konstruktionsauftrag: Entwirf ein kleines Gitterfeld mit mindestens einer Schlitz-und-Zapfen-Verbindung, einer Volute und einem Bund; fertige Zeichnung, Materialliste und Arbeitsfolge an.
- Fehleranalyse: Erstelle eine Sammlung typischer Schmiedefehler wie Kaltschlagriss, Überhitzung, versetztes Loch, ungleichmäßige Volute und unvollständige Schweißung und ordne jeweils Ursache, Erkennung und Vorbeugung zu.
- Ausstellungskonzept: Entwickle eine kleine Ausstellung zur amerikanischen Blacksmithing-Bewegung mit historischen Bildern, Werkstücken, Werkzeugen, einem Interview und einer praktischen Demonstration.


Lernkontrolle
- Historischer Zusammenhang: Erkläre, warum Industrialisierung zunächst zum Bedeutungsverlust traditioneller Schmieden beitrug und später dennoch eine organisierte Wiederbelebung möglich war.
- Netzwerkanalyse: Zeige an einem Schaubild, wie Hochschule, Verband, Museum, Craft School, regionale Gruppe und Einzelwerkstatt Wissen weitergeben.
- Verfahrensauswahl: Entscheide für ein Werkstück mit verdicktem Kopf, gelochter Öse und gebogener Spitze, welche Schmiedeverfahren in welcher Reihenfolge sinnvoll sind, und begründe Deine Entscheidung.
- Qualitätsbewertung: Bewerte zwei Voluten mit unterschiedlichen Radien, Querschnittsverläufen und Endpunkten nach technischen und gestalterischen Kriterien.
- Sicherheitsbeurteilung: Analysiere eine Werkstattsituation mit unbekanntem beschichtetem Stahl, fehlender Lüftung, lockerem Hammerkopf und unmarkiert abgelegtem Heißteil und entwickle eine Maßnahmenreihenfolge.
- Bildungstransfer: Beurteile, welche Elemente des ABANA-Curriculums für einen deutschen Ausbildungsbetrieb nützlich sein können und welche rechtlichen oder institutionellen Unterschiede beachtet werden müssen.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu diesem Thema solltest Du zeigen, dass Du:
- die amerikanische Blacksmithing-Bewegung historisch einordnen kannst.
- die Rollen von L. Brent Kington, dem Workshop von 1970 und der ABANA-Gründung 1973 erklären kannst.
- mindestens acht englische Fachbegriffe sicher deutschen Schmiedeverfahren zuordnen kannst.
- Werkzeuge und Ambossbereiche funktional benennst.
- einen einfachen Arbeitsablauf mit Material-, Werkzeug- und Qualitätsplanung erstellst.
- Sicherheitsrisiken erkennst und geeignete technische, organisatorische und persönliche Maßnahmen vorschlägst.
- ein eigenes Werkstück oder Modell fachgerecht dokumentierst.
- den nordamerikanischen verbandlichen Bildungsweg von der deutschen dualen Ausbildung abgrenzen kannst.
Quellen und Vertiefung
- ABANA – About Us und Gründungsgeschichte
- ABANA – National Curriculum
- ABANA – Controlled Hand Forging
- Smithsonian Archives of American Art – Oral History L. Brent Kington
- Metal Museum – L. Brent Kington
- Illinois State Museum – What is a Blacksmith?
- ↑ Society of North American Goldsmiths: L. Brent Kington
- ↑ Metal Museum: Inside the Collection – L. Brent Kington
- ↑ ABANA: About Us und Gründungsgeschichte
- ↑ Metal Museum: Everyday Objects
- ↑ ABANA National Curriculum
- ↑ ABANA: Controlled Hand Forging
- ↑ OSHA: General requirements for PPE
- ↑ NIOSH: Noise Exposures in a Forging Operation
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