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Schmiedekunst in Kirchen der Nachkriegsmoderne - Schmied

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Schmiedekunst in Kirchen der Nachkriegsmoderne - Schmied




Schmiedekunst in Kirchen der Nachkriegsmoderne - Schmied


Einleitung

Kirchen der Nachkriegsmoderne verbinden Architektur, Liturgie, Kunst und Handwerk auf besondere Weise. Neben Beton, Backstein, Glas und Holz prägen Metallarbeiten viele dieser Räume: Portale, Gitter, Leuchter, Kreuze, Tabernakelverkleidungen, Taufbeckenständer, Handläufe oder plastische Wandarbeiten. Manche dieser Gegenstände sind tatsächlich geschmiedet, andere wurden getrieben, gegossen, geschweißt, gelötet oder aus mehreren Verfahren kombiniert.

In diesem aiMOOC lernst Du, solche Arbeiten fachlich zu untersuchen, gestalterisch einzuordnen und für eine fachgerechte Herstellung, Montage oder Erhaltung zu planen. Der Kurs richtet sich an Auszubildende im Metallhandwerk. Die heute maßgebliche Ausbildungsbezeichnung lautet Metallbauerin oder Metallbauer der Fachrichtung Metallgestaltung. Die Bezeichnungen Schmied, Kunstschmied und Kunstschmiedin werden im handwerklichen und kunsthistorischen Zusammenhang weiterhin verwendet.

Der Ausdruck Nachkriegsmoderne bezeichnet keine einheitliche Stilform. In diesem Kurs umfasst er vor allem Kirchenneubauten und Umgestaltungen von den späten 1940er- bis in die 1970er-Jahre. Je nach Region, Konfession und Bauaufgabe entstanden sehr unterschiedliche Lösungen: schlichte Saalkirchen, zentralisierte Gemeinderäume, zeltartige Konstruktionen, skulpturale Betonbauten und transparente Hallen aus Stahl und Glas.


Lernziele

Nach der Bearbeitung kannst Du:

  1. Metallarbeiten in Kirchen fachsprachlich beschreiben und ihre Funktion bestimmen.
  2. Schmieden, Treiben, Gießen, Schweißen, Löten, Nieten und spanende Bearbeitung voneinander abgrenzen.
  3. typische Werkstücke der kirchlichen Ausstattung benennen und im liturgischen Raum verorten.
  4. Gestaltung, Werkstoff, Fügetechnik, Oberfläche und Befestigung systematisch untersuchen.
  5. einen einfachen Arbeitsablauf von der Bestandsaufnahme bis zur Montage planen.
  6. Risiken für Arbeitssicherheit, Brandschutz, Bauwerk und historische Substanz erkennen.
  7. bei Reparatur und Restaurierung zwischen Erneuerung, Ergänzung, Konservierung und Rekonstruktion unterscheiden.


Beruflicher Rahmen

Die Fachrichtung Metallgestaltung verbindet handwerkliche Fertigung mit Entwurf, Konstruktion und Oberflächenbehandlung. Zur Ausbildung gehören unter anderem das Lesen und Anfertigen technischer Unterlagen, Messen und Prüfen, Trennen, Umformen, Fügen, Montieren, Instandhalten sowie das Gestalten von Oberflächen. Beim Schmieden werden schmiedbare Werkstoffe von Hand oder maschinell umgeformt. Das sichere Einrichten und Bedienen von Esse, Amboss, Hämmern, Zangen und Hilfswerkzeugen gehört ebenso zur beruflichen Handlungskompetenz wie Qualitätskontrolle und Dokumentation.

Ein Ausbildungsfilm stellt Tätigkeiten, Anforderungen und Arbeitsfelder der Fachrichtung Metallgestaltung vor:


Fachbegriffe des Berufs

Fachbegriff Bedeutung im Arbeitsprozess
Freiformschmieden Umformen eines meist erwärmten Werkstücks zwischen einfachen Werkzeugen, ohne vollständig formgebendes Gesenk
Strecken Verlängern des Werkstücks bei gleichzeitiger Verringerung des Querschnitts
Stauchen Verkürzen des Werkstücks bei gleichzeitiger Vergrößerung des Querschnitts
Torsieren Verdrehen eines Werkstücks um seine Längsachse
Lochen Herstellen einer Öffnung durch Verdrängen des Werkstoffs
Treiben plastisches Umformen von Blech mit Hammer und Unterlage
Nieten form- und kraftschlüssiges Fügen durch Umformen eines Nietes
Patinieren gezieltes Verändern der Oberflächenwirkung durch chemische, thermische oder mechanische Behandlung
Konservieren Stabilisieren und Schützen eines vorhandenen Zustands mit möglichst geringem Eingriff


Kirchenbau der Nachkriegsmoderne

Nach 1945 mussten beschädigte Kirchen wiederhergestellt und für wachsende Gemeinden zahlreiche Neubauten errichtet werden. Architektinnen, Architekten und Kunstschaffende suchten nach Formen, die nicht bloß historische Stile wiederholten. Sichtbeton, Backstein, Stahl, Glas, Holz und neue Kunststoffe wurden offen eingesetzt. Der Kirchenraum konnte als Zelt, Halle, Schiff, Burg, Höhle oder gemeinschaftlicher Versammlungsraum verstanden werden.

Die liturgischen Reformbewegungen des 20. Jahrhunderts und in der katholischen Kirche besonders das Zweite Vatikanische Konzil von 1962 bis 1965 stärkten die aktive Beteiligung der Gemeinde. Dadurch veränderten sich vielerorts die Anordnung von Altar, Ambo, Sitzplätzen und weiteren Ausstattungsstücken. Diese Entwicklung verlief jedoch nicht überall gleichzeitig und betraf evangelische, katholische und andere christliche Kirchen auf unterschiedliche Weise.

Für Metallgestalterinnen und Metallgestalter bedeutet dies: Ein Werkstück ist nicht nur ein Einzelobjekt. Seine Wirkung entsteht im Verhältnis zu Raum, Licht, Bewegung, Blickachsen, Akustik und liturgischer Nutzung.


Leitfragen zur Raumanalyse

  1. Raumwirkung: Ist der Raum zentral, längsgerichtet, asymmetrisch oder auf mehrere liturgische Orte ausgerichtet?
  2. Blickachse: Von welchen Positionen aus wird das Metallobjekt gesehen?
  3. Licht: Entsteht Gegenlicht, Streiflicht, Schattenwurf oder Spiegelung?
  4. Maßstab: Wirkt das Werkstück aus der Nähe und aus der Entfernung angemessen?
  5. Nutzung: Wird es berührt, bewegt, getragen, geöffnet, gereinigt oder saisonal umgestellt?
  6. Bestand: Gehört das Objekt zur ursprünglichen Ausstattung oder zu einer späteren Umgestaltung?


Werkstücke im Kirchenraum

Kirchliche Metallgestaltung umfasst liturgische, architektonische und technische Gegenstände. Nicht jedes Werkstück kommt in jeder Kirche vor.

Werkstück Funktion Mögliche metallgestalterische Aufgabe
Altarkreuz sichtbares Zeichen im Bereich des Altars Schmieden, Fügen, Aufrichten und Abstimmen auf die Raumproportionen
Prozessionskreuz tragbares Kreuz für Einzug und Prozession leichtes, ausbalanciertes Gestell mit sicherem Steck- oder Tragesystem
Altarleuchter Aufnahme von Kerzen standsichere Konstruktion, Tropfschutz, hitzebeständige Oberfläche
Ambo Ort der Schriftlesung und Verkündigung Metallgestell, Buchauflage, Geländer oder dekorative Struktur
Tabernakel Aufbewahrungsort der Eucharistie in katholischen Kirchen Tür, Beschlag, Rahmen, Gitter oder plastische Metallhaut
Taufbecken Ort der Taufe Untergestell, Deckel, Griff, Schale oder schützende Einfassung
Portal Übergang zwischen Außenraum und Kirchenraum Türblätter, Beschläge, Griffe, Bänder, Gitter und Verriegelungen
Chorgitter räumliche Gliederung bei gleichzeitiger Durchsicht rhythmische Stabordnung, Rahmen, Verankerung und Öffnungselemente
Dachkreuz weithin sichtbares Zeichen am Baukörper statisch und korrosionstechnisch sichere Konstruktion mit Blitzschutzabstimmung
Handlauf sichere Führung an Treppen und Rampen ergonomischer Querschnitt, belastbare Befestigung und regelgerechte Höhe

Das folgende Video zeigt ein kirchliches Torprojekt aus der Sicht eines Kunstschmieds und eignet sich zur Analyse von Entwurf, Herstellung und Auftraggeberkommunikation:


Was ist tatsächlich geschmiedet?

Eine fachgerechte Beschreibung nennt nicht pauschal jedes Metallobjekt Schmiedearbeit. Entscheidend ist das Herstellungsverfahren.

  1. Geschmiedet ist ein massives Werkstück, das durch Druck und Schläge umgeformt wurde. Typische Merkmale können ausgeschmiedete Enden, wechselnde Querschnitte, Stauchungen, Torsionen und Hammerschläge sein.
  2. Getrieben ist ein Blech, das durch wiederholtes Hämmern plastisch gewölbt, gestreckt oder gestaucht wurde.
  3. Gegossen ist ein Bauteil, wenn flüssiges Metall in einer Form erstarrt ist. Viele bronzene Reliefs und plastische Türgriffe sind Gussarbeiten.
  4. Geschweißt ist eine Verbindung, wenn Bauteile stoffschlüssig zusammengefügt wurden. Schweißnähte können sichtbar bleiben oder nachbearbeitet sein.
  5. Gelötet ist eine Verbindung, bei der ein Zusatzmetall mit niedrigerer Schmelztemperatur die Bauteile verbindet.
  6. Genietet ist eine Verbindung, wenn ein Niet durch Umformen einen dauerhaften mechanischen Schluss erzeugt.
  7. Montiert ist ein Objekt häufig aus mehreren unterschiedlich hergestellten Teilen. Ein Portal kann beispielsweise geschmiedete Griffe, geschweißte Rahmen, getriebene Bleche und gegossene Zierelemente vereinen.

Die sichtbare Herstellungsweise kann Teil der Gestaltung sein. In der Nachkriegsmoderne wurden Materialspuren häufig nicht vollständig geglättet: Hammerschläge, Schweißnähte, Schnittkanten und unregelmäßige Oberflächen konnten bewusst den handwerklichen Entstehungsprozess zeigen.


Gestaltungssprache

Kirchliche Schmiedekunst der Nachkriegsmoderne reicht von streng geometrischen Gittern bis zu expressiven, fast zeichnerischen Metallstrukturen. Häufig begegnen Dir folgende Gestaltungsprinzipien:

  1. Rhythmus: Wiederholte Stäbe, Knoten, Öffnungen oder Module gliedern eine Fläche.
  2. Kontrast: Dunkles Eisen steht vor hellem Beton, farbigem Glas oder weiß verputzten Wänden.
  3. Transparenz: Gitter trennen Bereiche, ohne die Sicht vollständig zu versperren.
  4. Materialehrlichkeit: Konstruktion, Verbindung und Oberfläche bleiben ablesbar.
  5. Reduktion: Ein christliches Symbol wird auf wenige Linien und Flächen verdichtet.
  6. Expressivität: Bewegte Konturen, aufgesprengte Formen und kräftige Querschnittswechsel erzeugen Spannung.
  7. Lichtwirkung: Polierte Kanten, Glasstücke, Durchbrüche oder plastische Oberflächen reagieren auf wechselndes Licht.

Eine Gestaltung darf nicht allein nach ihrer dekorativen Wirkung beurteilt werden. Sie muss auch funktional, konstruktiv, liturgisch und räumlich überzeugen.


Entwurf und Zeichnung

Vor der Fertigung werden Raum, Auftrag und Nutzung geklärt. Handskizzen dienen der Ideensuche. Maßstäbliche Zeichnungen legen Proportionen, Achsen, Materialquerschnitte, Verbindungen und Befestigungen fest. Modelle aus Draht, Karton oder einfachen Metallprofilen können die Wirkung im Raum prüfen.

Bei sakralen Aufträgen ist die Abstimmung mit mehreren Beteiligten üblich: Kirchengemeinde, Bauherrschaft, Architekturbüro, Liturgie- oder Kunstkommission, Denkmalpflege, Restaurierung, Statik, Elektroplanung und ausführender Betrieb. Änderungen müssen nachvollziehbar dokumentiert werden.


Werkstoffe und Oberflächen

Werkstoff Typische Eigenschaften Fachlicher Hinweis
Unlegierter Stahl gut umformbar und schweißbar, ohne Schutz korrosionsgefährdet Oberfläche und Innenraumklima müssen bei der Schutzplanung berücksichtigt werden
Nichtrostender Stahl hohe Korrosionsbeständigkeit bei geeigneter Werkstoffwahl Schleifbild, Wärmeeinflusszonen und Kontakt mit Fremdrost beachten
Kupfer gut treibbar, entwickelt charakteristische Oxidschichten Kontaktkorrosion bei Verbindung mit anderen Metallen prüfen
Messing warme Farbwirkung, gut spanend und je nach Legierung umformbar Reinigungsmittel und Klarlacke können die Alterung stark verändern
Bronze gut gießbar, dauerhaft und patinierbar gegossene Bronze ist keine Schmiedearbeit
Aluminium geringe Dichte und natürliche Oxidschicht besonderes Schweißverfahren und sichere Trennung von unedleren Metallen erforderlich

Oberflächen können geschliffen, gebürstet, poliert, brüniert, patiniert, geölt, gewachst, lackiert, verzinkt oder metallisch beschichtet sein. Die Auswahl hängt von Werkstoff, Standort, Berührung, Klima, gewünschter Wirkung und denkmalpflegerischer Zielsetzung ab. Eine historische Oberfläche ist Teil des Werkes. Sie darf nicht ohne Untersuchung abgeschliffen, gestrahlt oder überlackiert werden.


Vom Auftrag zur Montage

Ein professioneller Arbeitsprozess lässt sich in aufeinander bezogene Phasen gliedern.

  1. Auftrag klären: Funktion, Budget, Termin, Zuständigkeiten und gestalterische Erwartungen erfassen.
  2. Ort untersuchen: Maße, Wandaufbau, Boden, Feuchte, Fluchtwege, Licht und Transportweg dokumentieren.
  3. Bestand bewerten: Werkstoff, Konstruktion, Schäden, frühere Reparaturen und Schutzstatus feststellen.
  4. Entwurf entwickeln: Varianten skizzieren, Maßstab wählen und Wirkung im Raum prüfen.
  5. Konstruktion planen: Querschnitte, Lasten, Fügefolge, Toleranzen und Befestigung festlegen.
  6. Muster herstellen: Oberfläche, Verbindung oder Ornament an einem Probestück erproben.
  7. Fertigen: Material zuschneiden, erwärmen, umformen, richten, fügen und nachbearbeiten.
  8. Prüfen: Maße, Standfestigkeit, Funktion, Oberfläche und sichere Kanten kontrollieren.
  9. Vormontieren: Baugruppen in der Werkstatt zusammensetzen und kennzeichnen.
  10. Transportieren und montieren: Bauteile schützen, Hebevorgänge planen und Befestigungen fachgerecht ausführen.
  11. Dokumentieren: Zeichnungen, Werkstoffe, Beschichtungen, Fotos, Pflegehinweise und Abnahmeunterlagen sichern.

Ein Film über Schmiedebetriebe zwischen Tradition und moderner Metallgestaltung bietet Anlässe, Werkstattausstattung, Arbeitsteilung und gestalterische Haltung zu vergleichen:


Fallbeispiel Fritz Kühn

Fritz Kühn war Kunstschmied, Metallgestalter, Fotograf und Autor. Seine Werkstatt verband handwerkliche Ausbildung, experimentelle Oberflächenbehandlung und großformatige Baukunst. Kühn gehört zu den wichtigen Vertretern der Metallgestaltung in der DDR und arbeitete auch für kirchliche Räume.

Für die Berliner St.-Hedwigs-Kathedrale schuf er 1958 unter anderem ein großes Kuppelkreuz sowie eine Brüstung aus Bronze und Kristallglas. Das Beispiel zeigt, dass sakrale Metallgestaltung in der Nachkriegsmoderne nicht auf traditionelle Rankenornamente beschränkt war. Konstruktion, abstrakte Form, Lichtreflex und Materialoberfläche konnten zu einem modernen Gesamteindruck verbunden werden.

Besonders wichtig für die Ausbildung ist Kühns Verbindung von Zeichnung und Werkstattpraxis. Entwurf, Materialprobe und handwerkliche Ausführung bildeten keine getrennten Bereiche.


Analyseauftrag zum Fallbeispiel

Untersuche die abgebildeten Arbeiten und Darstellungen unter folgenden Gesichtspunkten:

  1. Welche Informationen werden bereits in der Entwurfszeichnung festgelegt?
  2. Welche Oberflächen wirken geschmiedet, geschnitten, geschweißt oder gegossen?
  3. Wie verändern Licht und Betrachtungsabstand die Wahrnehmung?
  4. Welche Arbeitsschritte müssten Auszubildende unter Anleitung ausführen?
  5. Welche Unterlagen wären für eine spätere Reparatur besonders wertvoll?


Portale als Schnittstelle von Kunst und Technik

Ein Kirchenportal muss gestalterisch einladen, den Übergang markieren und zugleich dauerhaft funktionieren. Zu prüfen sind Türgewicht, Lagerung, Bänder, Schließtechnik, Fluchtwegfunktion, Witterung, Entwässerung, Berührungshöhen, Barrierefreiheit und Korrosionsschutz. Bei großen Metallflächen können Temperaturänderungen zu erheblichen Längenänderungen führen.

Das folgende Beispiel stammt aus einer späteren Epoche. Es eignet sich als Vergleich, um Kontinuitäten und Unterschiede zwischen Nachkriegsmoderne und zeitgenössischer Kirchenarchitektur zu untersuchen:

Vergleiche beim Sehen die Größe des Portals, die Bewegungsmechanik, das Verhältnis von Bild und Konstruktion sowie die Zusammenarbeit verschiedener Gewerke.


Montage im Kirchenbestand

Montagearbeiten in einer Kirche verlangen besondere Sorgfalt. Böden, Glasfenster, Orgeln, Kunstwerke und liturgische Gegenstände können empfindlich sein. Schweiß-, Trenn- und Schleifarbeiten erzeugen Funken, Staub, Rauch und Wärme. Vor Beginn sind Arbeitsfreigabe, Brandschutz, Abschottung, Lüftung, Löschmittel, Fluchtwege und eine mögliche Brandwache zu klären.

Bei schweren Bauteilen müssen Anschlagpunkte, Hebezeuge, Transportwege und Tragfähigkeit nachgewiesen werden. Provisorische Befestigungen dürfen keine unkontrollierten Lasten in historische Wände oder Gewölbe einleiten. Bohrungen in Naturstein, Sichtbeton, Mosaik oder denkmalgeschützten Oberflächen sind mit den Verantwortlichen abzustimmen.


Arbeitsschutz

  1. Trage die für das Verfahren geeignete persönliche Schutzausrüstung.
  2. Prüfe Werkzeuge, Leitungen, Gasversorgung, Absaugung und Hebezeuge vor der Benutzung.
  3. Halte heiße Werkstücke eindeutig gekennzeichnet und sichere den Arbeitsbereich.
  4. Verwende geeignete Zangen und Hilfswerkzeuge; improvisierte Griffe sind zu vermeiden.
  5. Führe feuergefährliche Arbeiten im Bestand nur nach betrieblicher Freigabe und unter Fachaufsicht aus.
  6. Beachte Gefahrstoffe in alten Beschichtungen, Loten, Reinigungsmitteln und Korrosionsprodukten.
  7. Unterbrich die Arbeit, wenn Konstruktion, Bestand oder Arbeitsumgebung nicht sicher beurteilt werden können.


Erhaltung und Restaurierung

Bei historischen Metallarbeiten ist nicht automatisch eine neuwertige Oberfläche das Ziel. Gebrauchsspuren, Patina, Hammerschläge und ältere Reparaturen können zur Geschichte des Objekts gehören. Vor einem Eingriff werden deshalb Zustand und Schadensursache untersucht.

Mögliche Schäden sind Korrosion, lockere Verbindungen, Risse, Verformungen, beschädigte Beschichtungen, ungeeignete Nachlackierungen, Verschleiß an Bändern oder Schlössern und Kontaktkorrosion zwischen verschiedenen Metallen. Auch Kondenswasser, Salze, Reinigungsmittel und häufige Berührung können Oberflächen verändern.

Eine fachgerechte Maßnahme folgt möglichst diesen Grundsätzen:

  1. vorhandene Originalsubstanz erhalten,
  2. Schäden und Ursachen dokumentieren,
  3. Eingriffe auf das notwendige Maß begrenzen,
  4. Ergänzungen konstruktiv und gestalterisch begründen,
  5. neue Materialien auf Verträglichkeit prüfen,
  6. reversible oder erneut bearbeitbare Lösungen bevorzugen,
  7. Pflege und Wartung für die Zukunft festlegen.

Bei denkmalgeschützten Kirchen werden Maßnahmen mit Denkmalpflege und qualifizierter Metallrestaurierung abgestimmt. Starkes Schleifen, Sandstrahlen oder vollständiges Überlackieren kann historische Werkzeugspuren und Oberflächen unwiederbringlich zerstören.


Fachgerechte Objektanalyse

Nutze für eine Objektanalyse das folgende Raster:

Untersuchungsbereich Beobachtungsfragen
Funktion Wozu dient das Objekt, wer benutzt es und welche Bewegungen treten auf?
Standort Wie wirken Raum, Licht, Feuchtigkeit, Temperatur und Berührung?
Werkstoff Aus welchem Metall oder welcher Legierung bestehen die Teile?
Herstellung Welche Spuren weisen auf Schmieden, Treiben, Gießen, Schweißen oder spanende Bearbeitung hin?
Konstruktion Wie werden Lasten übertragen und wie sind Bauteile miteinander verbunden?
Oberfläche Welche Bearbeitung, Patina oder Beschichtung ist vorhanden?
Gestaltung Welche Formen, Rhythmen, Symbole und Proportionen prägen das Werk?
Zustand Welche Schäden, Veränderungen oder früheren Reparaturen sind erkennbar?
Bedeutung Gehört das Objekt zum ursprünglichen Raumkonzept und besitzt es liturgische oder denkmalpflegerische Bedeutung?


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Wie lautet die heutige Ausbildungsbezeichnung für das einschlägige Handwerk? (Metallbauer Fachrichtung Metallgestaltung) (!Kunstgießer Fachrichtung Kirchenbau) (!Bauschlosser Fachrichtung Liturgie) (!Restaurator Fachrichtung Stahlbeton)




Was kennzeichnet das Schmieden? (Plastisches Umformen eines Werkstücks durch Druck oder Schläge) (!Erstarren einer Metallschmelze in einer Form) (!Abtragen von Werkstoff mit einer Feile) (!Verbinden zweier Bleche ausschließlich mit Klebstoff)




Welches Verfahren beschreibt das Umformen von Blech mit Hammer und Unterlage? (Treiben) (!Gießen) (!Fräsen) (!Galvanisieren)




Warum müssen Blickachsen bei einem Altarkreuz geprüft werden? (Damit seine Wirkung aus den relevanten Positionen im Raum beurteilt wird) (!Damit der Stahl ohne Erwärmung geschmiedet werden kann) (!Damit jede Verbindung unsichtbar bleibt) (!Damit keine technische Zeichnung erforderlich ist)




Welches Objekt dient der Verkündigung und Schriftlesung? (Ambo) (!Amboss) (!Esse) (!Gesenk)




Welche Aussage ist fachlich richtig? (Ein gegossenes Bronzerelief ist nicht automatisch Schmiedearbeit) (!Jedes Metallobjekt in einer Kirche ist geschmiedet) (!Jede Schweißnaht ist ein Gussfehler) (!Treiben ist ein spanendes Verfahren)




Welcher Faktor kann Kontaktkorrosion fördern? (Direkter Kontakt unterschiedlicher Metalle bei vorhandener Feuchtigkeit) (!Eine maßstäbliche Entwurfszeichnung) (!Ein trockener Lagerraum) (!Eine rein mechanische Oberflächenprüfung)




Wozu dient die Fertigungsdokumentation? (Sie macht Werkstoffe Arbeitsschritte und Änderungen nachvollziehbar) (!Sie ersetzt jede Maßkontrolle) (!Sie verhindert grundsätzlich jede Korrosion) (!Sie macht eine Abnahme überflüssig)




Welches kirchliche Werk ist mit Fritz Kühn verbunden? (Kuppelkreuz der St Hedwigs Kathedrale) (!Glocke des Kölner Doms aus dem Mittelalter) (!Marmoraltar der Hagia Sophia) (!Holzdecke der Wartburgkapelle)




Welcher Grundsatz ist bei der Erhaltung historischer Metallarbeiten besonders wichtig? (Originalsubstanz und historische Oberfläche möglichst bewahren) (!Alle Hammerschläge vollständig wegschleifen) (!Jede Patina grundsätzlich entfernen) (!Alte Verbindungen ohne Untersuchung ersetzen)





Memory

Altarleuchter Träger einer Kerze im Altarbereich
Ambo Ort der Verkündigung und Schriftlesung
Stauchen Vergrößern des Querschnitts durch Verkürzen
Torsieren Verdrehen um die Längsachse
Patina Durch Alterung oder Behandlung veränderte Oberfläche
Nieten Fügen durch Umformen eines Verbindungselements
Chorgitter Durchsichtige räumliche Abgrenzung





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Schmieden Massives Werkstück durch Druck oder Schläge umformen
Treiben Blech plastisch mit Hammer und Unterlage formen
Gießen Metallschmelze in einer Form erstarren lassen
Nieten Bauteile mit einem umgeformten Verbindungselement fügen
Patinieren Wirkung einer Metalloberfläche gezielt verändern




...


Kreuzworträtsel

Amboss Auf welcher massiven Unterlage wird beim Handschmieden gearbeitet?
Torsieren Wie heißt das Verdrehen eines Werkstücks um seine Längsachse?
Ambo Wie heißt der liturgische Ort der Schriftlesung?
Patina Wie heißt eine durch Alterung oder Behandlung veränderte Metalloberfläche?
Leuchter Welches Werkstück nimmt im Altarraum eine Kerze auf?
Schmieden Wie heißt das Umformen eines Werkstücks durch Druck oder Schläge?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.
Die einschlägige Ausbildungsfachrichtung heißt Metallbauer Fachrichtung

.
Beim Schmieden wird ein Werkstück durch Druck oder

plastisch umgeformt.
Das Umformen von Blech mit Hammer und Unterlage heißt

.
Der liturgische Ort der Schriftlesung wird

genannt.
Ein durchsichtiger metallener Raumabschluss kann als

ausgeführt sein.
Beim Stauchen wird der Querschnitt des Werkstücks

.
Eine veränderte oder bewusst gestaltete Metalloberfläche kann als

bezeichnet werden.
Vor der Fertigung werden Funktion Raumwirkung Maße und

geplant.
Bei einer Restaurierung soll möglichst viel historische

erhalten bleiben.
Direkter Kontakt verschiedener Metalle kann bei Feuchtigkeit zu

führen.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Fachwortkarte: Erstelle eine bebilderte Karte mit zehn Fachbegriffen aus dem Kurs und formuliere zu jedem Begriff eine eigene Erklärung.
  2. Objektbeschreibung: Wähle auf einem Foto ein kirchliches Metallobjekt aus und beschreibe Funktion, Form, Oberfläche und vermutetes Herstellungsverfahren.
  3. Formskizze: Zeichne drei unterschiedliche Entwürfe für einen schlichten Altarleuchter der Nachkriegsmoderne.
  4. Verfahrensvergleich: Stelle Schmieden, Treiben und Gießen in einer selbst gestalteten Vergleichsgrafik gegenüber.


Standard

  1. Raumaufnahme: Untersuche eine Kirche der Nachkriegszeit vor Ort oder anhand gesicherter Bildquellen und dokumentiere mindestens fünf Metallarbeiten.
  2. Modellbau: Baue ein Modell für ein Chorgitter oder Altarkreuz im Maßstab 1 zu 10 und erläutere Rhythmus, Proportion und Befestigung.
  3. Probestück: Fertige unter Fachaufsicht ein kleines Übungsstück mit Strecken, Stauchen und Torsieren an und dokumentiere Werkzeugwahl und Qualitätskontrolle.
  4. Materialprobe: Vergleiche Oberflächenproben aus Stahl, Kupfer und Messing hinsichtlich Lichtwirkung, Berührung und Pflegebedarf.


Schwer

  1. Entwurfsauftrag: Entwickle für einen konkreten Kirchenraum ein Metallobjekt mit Entwurf, technischer Zeichnung, Materialliste, Fertigungsfolge und Montagekonzept.
  2. Schadenskartierung: Erstelle für ein vorhandenes Metallobjekt eine Zustandskarte und trenne Beobachtung, vermutete Ursache und vorgeschlagene Maßnahme sauber voneinander.
  3. Zeitzeugeninterview: Führe ein Interview mit einer Metallgestalterin, einem Schmied, einer Architektin, einem Küster oder einer Restauratorin über kirchliche Aufträge der Nachkriegszeit.
  4. Dokumentarfilm: Produziere einen kurzen Lehrfilm, der ein Werkstück vom Raumbezug über die Fertigung bis zur Pflege erklärt und alle verwendeten Quellen nennt.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Raum und Objekt: Erkläre an einem selbst gewählten Beispiel, wie Architektur, Licht und Liturgie die Gestaltung eines Metallobjekts beeinflussen.
  2. Herstellungsdiagnose: Analysiere ein unbekanntes Metallobjekt anhand sichtbarer Spuren und begründe, welche Teile geschmiedet, getrieben, gegossen oder geschweißt sein könnten.
  3. Arbeitsplanung: Entwickle eine begründete Fertigungs- und Montagefolge für ein zwei Meter hohes Altarkreuz in einer bestehenden Kirche.
  4. Materialentscheidung: Vergleiche unlegierten Stahl, nichtrostenden Stahl und Bronze für ein häufig berührtes Kirchenportal und triff eine begründete Auswahl.
  5. Restaurierungsfall: Bewerte den Vorschlag, ein korrodiertes historisches Gitter vollständig zu sandstrahlen und neu zu lackieren. Formuliere eine fachlich bessere Vorgehensweise.
  6. Konfliktlösung: Die Gemeinde wünscht eine spiegelnde Oberfläche, die Denkmalpflege möchte die Patina erhalten. Entwickle einen nachvollziehbaren Abstimmungsprozess.
  7. Transfer: Übertrage die Kriterien des Kurses auf ein zeitgenössisches Metallobjekt in einem nichtkirchlichen öffentlichen Gebäude und arbeite Gemeinsamkeiten und Unterschiede heraus.




Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zu diesem Thema sind wichtig:

  1. ein korrekt geführtes Fachvokabular,
  2. die sichere Unterscheidung von Herstellungs- und Fügeverfahren,
  3. eine nachvollziehbare Objekt- und Raumanalyse,
  4. maßstäbliche Entwurfs- oder Werkzeichnungen,
  5. eine begründete Werkstoff- und Oberflächenwahl,
  6. eine realistische Fertigungs- und Montageplanung,
  7. die Berücksichtigung von Arbeitsschutz und Brandschutz,
  8. ein sensibler Umgang mit historischer Substanz,
  9. eine vollständige Prozessdokumentation,
  10. die Reflexion gestalterischer, technischer und liturgischer Entscheidungen.

Ein geeigneter Lernnachweis ist ein Portfolio aus Objektanalyse, Entwurf, technischer Zeichnung, Probestück, Fotodokumentation und mündlicher Fachpräsentation.




OERs zum Thema


Weitere freie und fachliche Quellen

  1. Moderner Kirchenbau
  2. Kunstschmied
  3. Metallbauer
  4. Schmieden
  5. Sakrale Kunst
  6. Denkmalpflege
  7. Bundesinstitut für Berufsbildung: Metallbauer Fachrichtung Metallgestaltung
  8. Zweites Vatikanisches Konzil: Sacrosanctum Concilium
  9. Straße der Moderne: Kirchen in Deutschland



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