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Hector Guimard und die Pariser Métroeingänge - Schmied

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Hector Guimard und die Pariser Métroeingänge - Schmied



Hector Guimard und die Pariser Métroeingänge - Schmied


Einleitung

Die Pariser Métroeingänge von Hector Guimard gehören zu den bekanntesten Werken des europäischen Jugendstils. Für die Ausbildung im Schmiedehandwerk und in der Metallgestaltung sind sie besonders lehrreich, weil sie Gestaltung, industrielle Serienfertigung, Montage, Oberflächenschutz und Denkmalpflege miteinander verbinden.

Eine fachlich wichtige Klarstellung steht am Anfang: Die charakteristischen grünen Bauteile bestehen überwiegend aus Gusseisen – auf Französisch fonte – und nicht aus traditionell ausgeschmiedetem Eisen. Guimard nutzte die Formfreiheit des Gusses, um organische Konturen, Reliefs und wiederholbare Module herzustellen. Schmiedinnen und Schmiede können an diesen Objekten deshalb lernen, Werkstoffe und Fertigungsverfahren sicher zu unterscheiden, gussgerechte Formen zu beurteilen und historische Metallkonstruktionen verantwortungsvoll zu erhalten.

Hector Guimard im Jahr 1907
Hector Guimard im Jahr 1907
Métroeingang Porte Dauphine
Métroeingang Porte Dauphine

Der Lernkurs richtet sich an Auszubildende im Metallhandwerk, besonders an angehende Metallbauerinnen und Metallbauer der Fachrichtung Metallgestaltung, an Schmiedinnen und Schmiede sowie an Lernende in Gießerei-, Restaurierungs- und gestalterischen Berufen. Du verbindest kunstgeschichtliche Beobachtung mit Werkstoffkunde, Konstruktion und beruflicher Praxis.


Lernziele

Nach der Bearbeitung kannst Du

  1. Hector Guimard und die Métroeingänge in den historischen Zusammenhang des Art Nouveau einordnen.
  2. die Zugangstypen Pavillon, Édicule und Entourage fachsprachlich unterscheiden.
  3. Gusseisen, Schmiedestahl und gewalzte Stahlprofile nach Herstellung, Eigenschaften und Bearbeitbarkeit vergleichen.
  4. das modulare Konstruktionsprinzip der Métroeingänge erklären.
  5. typische Schritte von Modellbau, Formherstellung, Guss, Nacharbeit, Montage und Beschichtung beschreiben.
  6. Schäden an historischen Metallobjekten erkennen und Grundsätze einer denkmalgerechten Instandsetzung anwenden.


Hector Guimard und der französische Jugendstil

Hector Guimard wurde 1867 in Lyon geboren und starb 1942 in New York. Er war Architekt, Designer und eine Schlüsselfigur des französischen Art Nouveau. Seine Bauten und Ausstattungen verfolgen häufig die Idee eines Gesamtkunstwerks: Architektur, Metallarbeiten, Möbel, Beschläge, Schrift und Farbgebung sollten eine gestalterische Einheit bilden.

Ein wichtiges Frühwerk ist das Pariser Mietshaus Castel Béranger. Dort entwickelte Guimard eine persönliche Formensprache aus asymmetrischen Linien, pflanzenähnlichen Verzweigungen und plastisch bewegten Metallteilen. Diese Gestaltung übertrug er später auf öffentliches Stadtmobiliar.

Eingangstor des Castel Béranger
Eingangstor des Castel Béranger
Schmiedeeisernes Treppengeländer im Castel Béranger
Schmiedeeisernes Treppengeländer im Castel Béranger

Das Treppengeländer im Castel Béranger ist für den Vergleich besonders wertvoll: Hier ist tatsächlich schmiedbare Eisen- beziehungsweise Stahlarbeit zu sehen. Stäbe und Profile wurden warm oder kalt umgeformt, gebogen und verbunden. Bei den Métroeingängen dominiert dagegen der Formguss. Die ähnliche Formensprache darf also nicht zu einer falschen Zuordnung des Herstellungsverfahrens führen.

Typisch für Guimard ist die sogenannte Coup-de-fouet-Linie, auf Deutsch etwa Peitschenhieb-Linie. Sie beschleunigt, schwingt aus, verjüngt sich und kann in Knospen, Ranken oder tierähnlichen Formen enden. Dabei handelt es sich nicht um eine naturgetreue Kopie, sondern um eine gestalterische Abstraktion von Wachstum, Spannung und Bewegung.


Auftrag für die Pariser Métro

Die Pariser Métro wurde um 1900 als modernes Massenverkehrsmittel aufgebaut. Ihre Zugänge mussten im dichten Straßenraum sichtbar, funktional, sicher und zugleich möglichst leicht wirken. Nach einem zunächst unbefriedigenden Wettbewerb erhielt Guimard den Auftrag, ein einheitliches Gestaltungssystem zu entwickeln.

Sein Entwurf verband Stadtmöbel, Leitsystem, Werbung und Architektur. Die Zugänge machten die neue unterirdische Verkehrstechnik im Straßenraum erkennbar. Gleichzeitig sollten ihre organischen Formen die Skepsis gegenüber dem damals ungewohnten Verkehrsmittel mindern.

Historische Aufnahme eines Guimard-Édicules im Juli 1900
Historische Aufnahme eines Guimard-Édicules im Juli 1900

Die RATP unterscheidet bei Guimards Entwürfen drei grundlegende Zugangstypen:

  1. Pavillon: ein größerer, repräsentativer Baukörper für bedeutende Plätze; die ursprünglichen Pavillons sind nicht erhalten.
  2. Édicule: ein kleiner überdachter Zugang mit Metallkonstruktion und Verglasung.
  3. Entourage: eine offene Einfassung des Treppenschachts mit Balustrade, Pfosten, Schild und häufig zwei hohen Leuchtenträgern.

Die französische Bezeichnung trémie meint den Treppenschacht beziehungsweise die Öffnung, die von der Straße in die Station führt. Die balustrade ist die seitliche Umwehrung. Als portique wird der portalartige Aufbau über dem Zugang bezeichnet.


Porte Dauphine und Abbesses

Der Zugang der Station Porte Dauphine ist das bekannteste erhaltene originale Édicule des Typs B. Wegen des weit auskragenden Glasdachs wird dieser Typ häufig Libellule – Libelle – genannt. Tragende Gusseisenteile, Glasflächen, Verkleidungen und das Schild bilden eine räumliche Einheit.

Édicule an der Station Porte Dauphine
Édicule an der Station Porte Dauphine

Das Édicule der Station Abbesses wurde ursprünglich an einem anderen Standort errichtet und später umgesetzt. Es zeigt, dass historische Metallarchitektur demontiert, transportiert und erneut montiert werden kann. Jede Umsetzung birgt jedoch Risiken: Bauteile können vertauscht, beschädigt, überarbeitet oder durch nicht passende Ergänzungen verändert werden.

Guimard-Zugang an der Station Abbesses
Guimard-Zugang an der Station Abbesses


Formensprache und Bauteile

Guimards Formen wirken pflanzlich, sind aber zugleich konstruktiv organisiert. Pfosten steigen wie Stängel auf, Lampen erinnern an Blüten oder Maiglöckchen, Geländerfelder entwickeln sich aus schildartigen Mittelteilen. Die Bauteile übernehmen mehrere Funktionen: Sie sichern den Treppenschacht, tragen Schilder und Leuchten, schaffen Wiedererkennung und lenken den Blick.

Wichtige Fachbegriffe sind:

  1. Écusson: schildförmiges Gusseisenelement im Geländer, häufig mit einem stilisierten M.
  2. Potelet: kleiner Pfosten beziehungsweise Geländerstütze.
  3. Candélabre: hoher Leuchten- oder Schildträger.
  4. Brin de muguet: wörtlich Maiglöckchenstängel; Bezeichnung für die gebogenen hohen Träger mit roten Leuchten.
  5. Porte-plan: Halter für Netzplan, Stationsinformation oder Werbung.
  6. Lave émaillée: emaillierte Natursteinplatte aus Lava, die als witterungsbeständiger Schriftträger genutzt wurde.
Detail eines Guimard-Geländerfeldes
Detail eines Guimard-Geländerfeldes
Schriftzug Métropolitain auf emaillierter Lava
Schriftzug Métropolitain auf emaillierter Lava

Die Schrift ist kein nachträglich aufgesetztes Standardalphabet. Guimard passte die Buchstaben an das langgestreckte Schildfeld an. Die Zeichen wirken handgezeichnet, unregelmäßig und organisch. Metallform, Schildkontur, Schrift und Farbigkeit bilden ein zusammenhängendes Informationssystem.


Werkstoffkunde für Schmiedinnen und Schmiede


Gusseisen, Schmiedestahl und Stahlprofile

Für eine fachgerechte Analyse musst Du Form und Werkstoff getrennt beurteilen. Ein geschwungenes Bauteil ist nicht automatisch geschmiedet.

Merkmal Gusseisen Schmiedestahl Gewalztes Stahlprofil
Primäres Verfahren Schmelzen und Gießen in eine Form Warmumformen durch Hammer, Presse oder Gesenk Walzen, anschließend Trennen, Biegen und Fügen
Gestaltungsstärke komplexe Reliefs und wiederholbare plastische Formen gerichtete Verformung, Stauchungen, Streckungen und geschmiedete Übergänge wirtschaftliche lineare Konstruktionen und Rahmen
Werkstoffverhalten hohe Druckfestigkeit, vergleichsweise spröde und kerbempfindlich zäh und plastisch umformbar je nach Stahlsorte gut schweiß-, bieg- und bearbeitbar
Typische Spuren Formteilung, Gusshaut, Anschnittstellen, wiederholte identische Details Hammerschläge, Stauchzonen, ausgeschmiedete Querschnittswechsel gleichmäßige Profilquerschnitte, Schnitt- und Schweißnähte
Reparatur besonders riss- und wärmeempfindlich; Verfahren sorgfältig wählen häufig durch Schmieden, Schweißen oder Ersetzen reparierbar meist gut schweiß- und schraubbar

Gusseisen darf nicht wie Schmiedestahl behandelt werden. Unsachgemäßes Richten mit dem Hammer, punktuelles starkes Erwärmen oder ein ungeeignetes Schweißverfahren kann neue Risse erzeugen. Vor einer Reparatur sind Werkstoffbestimmung, Schadenskartierung und ein abgestimmtes Verfahren erforderlich.


Gussgerechte Gestaltung

Die weichen Übergänge der Guimard-Bauteile sind nicht nur Ornament. Sie können auch fertigungstechnisch sinnvoll sein. Beim Sandguss müssen Modelle aus der Form gezogen werden können; deshalb sind Formschrägen nötig. Große Querschnittssprünge erhöhen die Gefahr von Lunkern, Spannungen und Rissen. Radien, möglichst gleichmäßige Wanddicken und sinnvoll angeordnete Verstärkungen verbessern die Gießbarkeit.

Für die Beurteilung eines historischen Gussstücks achtest Du auf:

  1. Formteilungsnähte und Spuren der Formkästen.
  2. abgearbeitete Anschnitt- oder Speiserstellen.
  3. Gussfehler wie Lunker, Kaltschweißstellen, Poren und Einschlüsse.
  4. alte Reparaturen, Klammern, Schrauben oder nachgegossene Ergänzungen.
  5. Risse an Querschnittswechseln, Bohrungen und Befestigungspunkten.
  6. Beschichtungsaufbau, Rostunterwanderung und Wasserfallen.


Herstellung und modulares System

Guimards Métroeingänge wurden nicht als einmalige handwerkliche Einzelstücke gedacht. Standardisierte Gusseisenteile konnten mehrfach verwendet und an unterschiedlich breite Treppenschächte angepasst werden. Dieses Prinzip verbindet Kunst und industrielle Produktion.

Ein möglicher historischer Fertigungsablauf lässt sich folgendermaßen rekonstruieren:

  1. Entwurf: Festlegen von Gesamtform, Proportionen, Ornament und Funktion.
  2. Werkzeichnung: Übertragen in Ansichten, Schnitte und Details mit Anschlussmaßen.
  3. Modellbau: Herstellen eines vergrößerten Modells unter Berücksichtigung von Schwindmaß und Bearbeitungszugaben.
  4. Formherstellung: Einformen des Modells, Einrichten von Kern, Anschnitt und Speisern.
  5. Gießen: Füllen des Formhohlraums mit flüssigem Eisen.
  6. Ausschlagen und Putzen: Entfernen von Formsand, Anschnitten, Speisern und Grat.
  7. Mechanische Nacharbeit: Bohren, Anpassen, Richten im zulässigen Rahmen und Prüfen.
  8. Montage: Verbinden der Module mit Schrauben, Klemmen, Rahmen und Verankerungen.
  9. Oberflächenbehandlung: Reinigen, Grundieren, Zwischen- und Deckbeschichten.
  10. Endkontrolle: Prüfen von Maßhaltigkeit, Standsicherheit, Oberflächenqualität und Funktion.

Die Écussons ließen sich in wiederkehrende Geländerrahmen einsetzen. Durch die Kombination aus Serienmodulen und variablen Stabfeldern konnten unterschiedliche Trémien eingefasst werden. Für heutige Metallgestalterinnen und Metallgestalter ist dies ein Beispiel für Mass Customization: standardisierte Bauteile erzeugen durch Kombination standortbezogene Lösungen.

Offene Entourage an der Station Pasteur
Offene Entourage an der Station Pasteur


Rolle der Schlosserei und Montage

Der historische französische Begriff serrurerie bezeichnet hier nicht bloß das Herstellen von Schlössern. Gemeint sind metallbauliche Arbeiten wie Rahmen, Verankerungen, Halter, Schraubverbindungen und die Montage der Aufbauten. Auch bei einem gussdominierten Objekt bleiben präzise Schlosser- und Schmiedearbeiten wichtig.

Bei der Montage müssen Lastabtragung, Geländerhöhe, Absturzsicherung, Verankerung im Steinsockel und Toleranzausgleich zusammenspielen. Die Bauteile dürfen nicht unter Zwang eingebaut werden. Verspannte Gussstücke reagieren empfindlich auf Temperaturwechsel, Erschütterung und Setzungen.


Oberfläche, Farbe und Korrosion

Die grüne Erscheinung ist eine Beschichtung und keine natürliche Patina des Eisens. Der Farbton unterstützt die Assoziation an gealtertes Kupfer oder Bronze, schützt das Gusseisen aber vor allem vor Feuchtigkeit und Sauerstoff. Ein dauerhaftes Beschichtungssystem verlangt eine geeignete Untergrundvorbereitung, eine korrosionsschützende Grundierung sowie kompatible Zwischen- und Deckschichten.

Typische Schadensursachen sind:

  1. stehendes Wasser in Vertiefungen und offenen Fugen.
  2. beschädigte Beschichtungen an Kanten und Schraubstellen.
  3. Spaltkorrosion zwischen überlappenden Bauteilen.
  4. Kontaktkorrosion bei ungünstigen Werkstoffpaarungen.
  5. Frost, Tausalz, Luftschadstoffe und mechanische Belastung.
  6. zu dichte oder ungeeignete Altbeschichtungen, unter denen Korrosion fortschreitet.

Bei der Reinigung gilt: So viel wie nötig, so wenig wie möglich. Aggressives Strahlen kann Gusshaut, Bearbeitungsspuren und historische Beschichtungsreste zerstören. Vor Beginn wird deshalb eine Musterfläche angelegt und dokumentiert. Verfahren, Strahlmittel, Druck, Düsenabstand und Schichtaufbau sind auf das Objekt abzustimmen.


Denkmalgerechte Instandsetzung

Historische Metallobjekte sind materielle Quellen. Werkzeugspuren, Gussfehler, alte Schrauben, Farbschichten und frühere Reparaturen erzählen ihre Nutzungsgeschichte. Eine Instandsetzung darf nicht nur ein möglichst neues Aussehen erzeugen.

Wichtige Grundsätze sind:

  1. Bestand vor Ersatz: Originalteile erhalten, solange dies technisch und sicherheitlich vertretbar ist.
  2. Dokumentation: Zustand, Maße, Schäden, Farbbefunde und Eingriffe vor, während und nach der Arbeit festhalten.
  3. Materialverträglichkeit: Ergänzungen und Beschichtungen so wählen, dass keine neuen Spannungen oder Korrosionszellen entstehen.
  4. Erkennbarkeit: Neue Ergänzungen sollen sich fachlich nachvollziehbar dokumentieren lassen, ohne das Gesamtbild unnötig zu stören.
  5. Reversibilität: Eingriffe möglichst so planen, dass spätere Generationen sie ohne großen Verlust wieder entfernen können.
  6. Interdisziplinarität: Metallrestaurierung, Tragwerksplanung, Denkmalpflege, Beschichtungstechnik und Handwerk stimmen sich ab.

Beim Umgang mit historischem Gusseisen sind zerstörungsarme Prüfungen hilfreich. Sichtprüfung, Farbeindringprüfung, Magnetpulverprüfung oder Ultraschall können je nach Bauteilgeometrie eingesetzt werden. Das Prüfverfahren muss zur Werkstoffstruktur, Oberfläche und Fragestellung passen.

Originaler Guimard-Zugang in der National Gallery of Art in Washington
Originaler Guimard-Zugang in der National Gallery of Art in Washington


Beruflicher Transfer: Vom Guimard-Entwurf zur eigenen Metallgestaltung

Guimards Arbeiten zeigen, wie eine starke gestalterische Idee durch Werkstoffwahl, Teilung und Wiederholung wirtschaftlich umsetzbar wird. Für einen eigenen Entwurf entwickelst Du zunächst eine Leitlinie, etwa Wachstum, Strömung oder Spannung. Danach entscheidest Du, welche Teile geschmiedet, gegossen, aus Blech geformt oder aus Profilen aufgebaut werden.

Eine gute Gestaltung macht das Herstellungsverfahren sichtbar, ohne zur bloßen Technikdemonstration zu werden. Ein geschmiedeter Stab darf seine gestreckten und gestauchten Zonen zeigen. Ein Gussrelief nutzt Tiefe, Wiederholung und weiche Übergänge. Ein gelasertes Blech arbeitet mit Fläche und Schnittkante. Entscheidend ist die Einheit aus Form, Funktion, Fügung und Oberfläche.

Für ein Ausbildungsprojekt kann ein kleines Geländerfeld im Stil des Art Nouveau entstehen. Es soll keine Kopie eines geschützten Originals sein, sondern eine eigenständige Interpretation. Eine mögliche Lösung kombiniert geschmiedete Stäbe mit einem separat gegossenen oder modellierten Mittelstück. Dabei werden Schnittstellen, Schraubverbindungen, Wasserablauf und Beschichtung bereits im Entwurf berücksichtigt.


Arbeitssicherheit und Qualität

Beim Schmieden, Gießen, Schleifen, Strahlen und Beschichten entstehen unterschiedliche Gefährdungen. Du beachtest betriebliche Gefährdungsbeurteilungen, persönliche Schutzausrüstung, Absaugung, Brandschutz und sichere Hebeprozesse. Historische Beschichtungen können Blei oder andere gesundheitsgefährdende Stoffe enthalten und dürfen nicht ohne Analyse bearbeitet werden.

Qualität bedeutet nicht nur eine glatte Oberfläche. Bewertet werden Maßhaltigkeit, sichere Lastabtragung, spannungsarme Montage, materialgerechte Bearbeitung, geschlossene Beschichtung, Entwässerung, Wartbarkeit und nachvollziehbare Dokumentation.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Welcher Werkstoff prägt die seriengefertigten grünen Bauteile der Guimard-Métroeingänge? (Gusseisen) (!Schmiedekupfer) (!Aluminiumblech) (!Edelstahl)




Was bezeichnet ein Édicule im Zusammenhang mit der Pariser Métro? (Einen kleinen überdachten Stationszugang) (!Einen unterirdischen Bahnsteig) (!Eine Fahrkarte aus Papier) (!Ein Werkzeug zum Nieten)




Was ist eine Entourage? (Eine offene Einfassung des Treppenschachts) (!Eine geschlossene Lokomotivhalle) (!Ein emaillierter Fahrkartenautomat) (!Eine unterirdische Gleisverbindung)




Welchen Vorteil bot Guimards modulares Bauteilsystem? (Serienteile konnten an verschiedene Treppenschächte angepasst werden) (!Jeder Zugang musste vollständig aus einem Block geschmiedet werden) (!Die Bauteile benötigten keine Verankerung) (!Alle Zugänge hatten exakt dieselbe Breite)




Warum darf Gusseisen nicht wie Schmiedestahl gerichtet werden? (Es ist vergleichsweise spröde und rissgefährdet) (!Es schmilzt bereits bei Raumtemperatur) (!Es besteht überwiegend aus Holzfasern) (!Es kann nur mit Wasser bearbeitet werden)




Was beschreibt der Begriff Coup de fouet? (Eine dynamische Peitschenhieb-Linie des Jugendstils) (!Eine gerade Schweißnaht) (!Eine rechteckige Gussform) (!Ein metrisches Gewinde)




Woraus bestanden die historischen Schrifttafeln häufig? (Aus emaillierter Lava) (!Aus unbehandeltem Sperrholz) (!Aus Gipskarton) (!Aus transparentem Kunststoff)




Welcher Beiname wird für das überdachte Édicule an Porte Dauphine verwendet? (Libellule) (!Lokomotive) (!Kathedrale) (!Aquädukt)




Welche Maßnahme schützt Gusseisen im Außenraum wesentlich vor Korrosion? (Ein fachgerecht aufgebautes Beschichtungssystem) (!Das dauerhafte Befeuchten der Oberfläche) (!Das Entfernen aller Verbindungen) (!Das Einreiben mit Formsand)




Welcher Grundsatz ist bei einer denkmalgerechten Reparatur besonders wichtig? (Originalsubstanz möglichst erhalten und Eingriffe dokumentieren) (!Alle alten Teile grundsätzlich ersetzen) (!Historische Spuren vollständig abschleifen) (!Jede Reparatur ohne Voruntersuchung ausführen)





Memory

Gusseisen Formgießen
Schmiedestahl Warmumformen
Édicule Überdachter Zugang
Entourage Offene Einfassung
Trémie Treppenschacht
Écusson Schildförmiges Geländerteil
Coup de fouet Peitschenhieb-Linie
Lave émaillée Emaillierte Lava





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Fertigungsschritt
Urform für das spätere Gussstück Modellbau
Negativer Hohlraum im Formstoff Formherstellung
Füllen der Form mit flüssigem Metall Gießen
Entfernen von Grat und Anschnittresten Gussputzen
Fügen und Verankern der Module Montage






Kreuzworträtsel

Guimard Wie heißt der Architekt der berühmten Pariser Métroeingänge?
Gusseisen Welcher Werkstoff wurde für viele ornamentale Serienteile verwendet?
Libellule Wie lautet der französische Beiname des Édicules an Porte Dauphine?
Entourage Wie heißt eine offene Einfassung des Treppenschachts?
Emaille Welche glasartige Beschichtung schützt und färbt die Schrifttafeln?
Korrosion Wie heißt die schädigende Reaktion eines Metalls mit seiner Umgebung?





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Lückentext

Vervollständige den Text.

Hector Guimard gehört zu den wichtigsten Gestaltern des französischen

. Die charakteristischen Serienteile der Métroeingänge bestehen überwiegend aus

. Ein kleiner überdachter Zugang wird als

bezeichnet. Eine offene Einfassung des Treppenschachts heißt

. Der französische Fachbegriff für den Treppenschacht lautet

. Guimards dynamische Jugendstillinie wird als

bezeichnet. Die Schilder mit dem Schriftzug Métropolitain bestanden häufig aus emaillierter

. Standardisierte Einzelteile ermöglichten ein

Konstruktionssystem. Vor einer Reparatur muss der historische

bestimmt werden. Bei der Denkmalpflege soll die originale

möglichst erhalten bleiben.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Formanalyse: Zeichne die Außenkontur eines Guimard-Pfostens nach und markiere Richtungswechsel, Verdickungen und Verjüngungen.
  2. Werkstoffvergleich: Sammle in Deiner Werkstatt je ein Beispiel für Guss, Schmiedeteil und Walzprofil und dokumentiere die Erkennungsmerkmale fotografisch.
  3. Fachwortkarte: Gestalte eine Karte mit den Begriffen Édicule, Entourage, Trémie und Écusson samt Skizzen.
  4. Oberflächenbeobachtung: Untersuche ein beschichtetes Außenbauteil auf Abplatzungen, Rostläufer, Kantenkorrosion und Wasserfallen.


Standard

  1. Jugendstil-Ornament: Entwirf ein eigenes Geländerfeld mit einer Coup-de-fouet-Linie, ohne Guimards Originale zu kopieren.
  2. Fertigungsplanung: Entscheide für jedes Bauteil Deines Entwurfs zwischen Schmieden, Gießen, Blechumformen und Profilbau und begründe die Wahl.
  3. Modularität: Entwickle drei Geländerbreiten aus möglichst wenigen wiederkehrenden Modulen und erstelle eine Stückliste.
  4. Medienprojekt: Produziere ein dreiminütiges Erklärvideo, das Gusseisen und Schmiedestahl an sichtbaren Merkmalen unterscheidet.


Schwer

  1. Restaurierungskonzept: Erstelle für ein fiktiv geschädigtes Gusseisengeländer eine Zustandskartierung mit Prioritäten, Prüfverfahren und Maßnahmen.
  2. Ausbildungsprojekt: Fertige ein kleines Jugendstil-Geländerfeld mit mindestens einer geschmiedeten und einer lösbar montierten Komponente.
  3. Interview: Befrage eine Metallrestauratorin, einen Kunstgießer oder eine Kunstschmiedin zu typischen Fehlern bei historischen Außenbauteilen.
  4. Exkursion: Plane eine fachliche Exkursion zu Jugendstilarchitektur, einem Gießereimuseum oder einer Metallrestaurierungswerkstatt und entwickle einen Beobachtungsbogen.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Werkstoffdiagnose: Du erhältst Fotos eines ornamentalen Geländerteils. Entwickle eine begründete Prüfreihenfolge, mit der Du zwischen Guss und Schmiedearbeit unterscheidest.
  2. Konstruktionskritik: Analysiere einen eigenen Jugendstilentwurf auf Gießbarkeit, Schmiedbarkeit, Montagezugänglichkeit und Wasserablauf. Überarbeite mindestens zwei problematische Stellen.
  3. Schadensfall: An einem historischen Gusseisenpfosten verläuft ein Riss von einer Schraubenbohrung aus. Erkläre mögliche Ursachen und entwirf ein zerstörungsarmes Untersuchungsprogramm.
  4. Systemvergleich: Vergleiche Guimards modulares System mit einem modernen Baukastengeländer. Bewerte Gestaltungsfreiheit, Kosten, Reparierbarkeit und Ressourceneinsatz.
  5. Denkmalpflege: Begründe, warum das vollständige Sandstrahlen und anschließende Glattschleifen eines historischen Bauteils problematisch sein kann.
  6. Gestaltungstransfer: Entwickle eine zeitgenössische Haltestellenmarkierung, die wie Guimards Zugänge Konstruktion, Licht, Schrift und Stadtraum zu einer Einheit verbindet.




Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zu diesem Thema sind wichtig:

  1. eine korrekte Einordnung Guimards in den französischen Jugendstil.
  2. die sichere Verwendung der Fachbegriffe Édicule, Entourage, Trémie, Écusson und Coup de fouet.
  3. die begründete Unterscheidung von Gusseisen, Schmiedestahl und Stahlprofilen.
  4. eine nachvollziehbare Beschreibung der Fertigungskette vom Modell bis zur Montage.
  5. die Bewertung von Gussgerechtigkeit, Verbindungstechnik und Korrosionsschutz.
  6. ein dokumentierter eigener Entwurf oder eine praktische Arbeitsprobe.
  7. die Anwendung denkmalpflegerischer Grundsätze auf einen konkreten Schadensfall.
  8. eine Reflexion zu Arbeitssicherheit, Materialverträglichkeit und Qualitätssicherung.




OERs zum Thema

  1. RATP: Hector Guimard und die Typen der Métrozugänge
  2. RATP: Geschichte der Typografie der Pariser Métro
  3. Museum of Modern Art: Entrance Gate to Paris Subway Station
  4. Wikimedia Commons: Medien zu Hector Guimard
  5. Wikimedia Commons: Medien zu den Guimard-Édicules



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