Florale Ornamente des Jugendstils - Schmied


Florale Ornamente des Jugendstils - Schmied
Einleitung
Florale Ornamente gehören zu den prägnantesten Gestaltungsmitteln des Jugendstils. Zwischen etwa 1890 und dem Beginn des Ersten Weltkriegs entwickelten Kunstschaffende, Architektinnen und Architekten sowie Handwerksbetriebe eine Formensprache, die sich bewusst vom bloßen Nachahmen älterer Stile entfernte. Pflanzen, Blüten, Knospen, Ranken, Stängel und Blätter wurden beobachtet, vereinfacht, rhythmisiert und in fließende Linien übersetzt. In geschmiedeten Gittern, Geländern, Toren, Leuchten und Beschlägen verband sich diese Gestaltung mit den Möglichkeiten des warm umgeformten Metalls.
Dieser aiMOOC richtet sich an Auszubildende im Beruf Metallbauerin oder Metallbauer der Fachrichtung Metallgestaltung sowie an Lernende in verwandten Bereichen der Metallgestaltung, Restaurierung und Gestaltung im Handwerk. Die traditionelle Bezeichnung Kunstschmied ist weiterhin gebräuchlich; die entsprechende anerkannte duale Ausbildung in Deutschland heißt heute jedoch Metallbauerin oder Metallbauer, Fachrichtung Metallgestaltung. Zum beruflichen Tätigkeitsfeld gehören unter anderem die Herstellung, Montage und Instandsetzung von Gittern, Geländern, Beschlägen, Verzierungen und Gebrauchsgegenständen aus Metall.
Du lernst, florale Jugendstilornamente fachgerecht zu analysieren, als Werkzeichnung zu entwickeln und mit typischen Schmiedeverfahren umzusetzen. Dabei stehen nicht nur dekorative Wirkungen, sondern auch Materialverhalten, Verbindungen, Funktion, Arbeitssicherheit, Oberflächenschutz und Qualitätskontrolle im Mittelpunkt.

Das abgebildete Gitter wurde um 1902 vom französischen Kunstschmied Émile Robert nach einem Entwurf von Victor Prouvé ausgeführt. Die Pflanzenformen sind nicht lediglich auf eine tragende Konstruktion aufgesetzt. Stängel, Blätter und Blüten bilden zugleich die Linienordnung des Gitters. Genau diese Verbindung von Konstruktion und Ornament ist für hochwertige Metallgestaltung besonders lehrreich.
Lernziele
Nach der Bearbeitung dieses Lernkurses kannst Du die wichtigsten Merkmale floraler Jugendstilornamentik fachsprachlich beschreiben. Du unterscheidest Naturstudie und Stilisierung, erkennst Peitschenhieblinie, S-Kurve, C-Kurve, Spirale, Ranke und Blattmotiv und überträgst solche Formen in einen schmiedegerechten Entwurf. Außerdem kannst Du geeignete Halbzeuge auswählen, eine sinnvolle Arbeitsfolge planen, typische Schmiedeverfahren zuordnen, handwerkliche Verbindungen bewerten sowie Maßnahmen zu Arbeitsschutz und Korrosionsschutz begründen.
Jugendstil und florale Formensprache
Historischer und gestalterischer Zusammenhang
Der Jugendstil war keine vollständig einheitliche Stilrichtung. In Frankreich und Belgien wurde häufig von Art Nouveau, in Österreich von Secession, in Katalonien von Modernisme und in Italien von Stile Liberty gesprochen. Gemeinsam war vielen Strömungen die Suche nach einer zeitgemäßen Gestaltung und die Aufwertung des Kunsthandwerks. Architektur, Innenraum, Möbel, Glas, Keramik und Metallarbeiten sollten möglichst als zusammenhängendes Gesamtkunstwerk wirken.
Kennzeichnend sind dekorativ geschwungene Linien, flächige Pflanzenmotive und ein bewusster Wechsel zwischen dichter Ornamentik und freien Zwischenräumen. Neben stark floralen Ausprägungen gab es auch geometrisch reduzierte Varianten, besonders im Umfeld der Wiener Secession. Für die Schmiedearbeit bedeutet dies: Ein Werkstück ist nicht schon deshalb Jugendstil, weil daran eine Blüte angebracht wurde. Entscheidend sind Linienrhythmus, Proportion, Übergänge, Flächenaufteilung und die Einheit von Funktion und Form.

Das Portal eines Pariser Jugendstilgebäudes zeigt das Zusammenwirken unterschiedlicher Gewerke. Für Deine Analyse ist wichtig, zwischen dem Gesamtstil eines Gebäudes und der tatsächlichen Fertigung einzelner Bauteile zu unterscheiden. Nicht jedes geschwungene Metallteil ist handgeschmiedet; auch Guss, Blechumformung und serielle Fertigung kamen im Jugendstil vor.
Naturstudium und Stilisierung
Am Anfang eines floralen Entwurfs steht häufig die Beobachtung einer Pflanze. Untersuche Wuchsrichtung, Verzweigung, Blattstellung, Blattadern, Blütenaufbau und den Übergang vom Stängel zur Knospe. Eine Naturstudie muss nicht naturgetreu in Stahl übertragen werden. Beim Stilisieren werden charakteristische Merkmale ausgewählt, vereinfacht, übersteigert oder rhythmisch wiederholt.
Für eine schmiedegerechte Stilisierung gelten mehrere Grundgedanken:
- Leitlinie: Eine deutlich erkennbare Hauptlinie führt den Blick durch das Ornament.
- Verzweigung: Nebenlinien wachsen nachvollziehbar aus der Hauptform heraus und wirken nicht beliebig angesetzt.
- Proportion: Stängel, Blätter und Blüten stehen in einem glaubwürdigen Größenverhältnis.
- Negativraum: Die freien Zwischenräume sind ebenso sorgfältig gestaltet wie das Metall selbst.
- Materialgerechtigkeit: Querschnitte, Übergänge und Verbindungen entsprechen den Möglichkeiten des Schmiedens.

Das Treppengeländer im Reök-Palast in Szeged übersetzt Blüten und Stängel in eine stark rhythmisierte Metallzeichnung. Achte auf Wiederholung und Variation: Die Pflanzenelemente ähneln einander, sind aber nicht mechanisch identisch.
Peitschenhieblinie, Kurven und Rhythmus
Die sogenannte Peitschenhieblinie ist eine lange, spannungsvoll beschleunigte Kurve. Sie beginnt häufig weich, zieht sich enger zusammen und endet in einer scharfen Gegenbewegung. Im Schmiedeentwurf kann sie aus einer Folge von C- und S-Kurven entstehen. Entscheidend ist ein kontinuierlicher Verlauf ohne unbeabsichtigte Knicke.
Eine gute Spirale wird von außen nach innen gleichmäßig enger. Eine schlechte Spirale wirkt am Ansatz flach, besitzt unruhige Abstände oder endet abrupt. Beim Übertragen auf Stahl musst Du die Materialstärke und den Biegeradius berücksichtigen. Enge Radien erfordern einen ausreichend kleinen Querschnitt oder vorheriges Strecken. Zu kaltes Biegen kann Risse verursachen, während zu hohe Temperatur und zu langes Erwärmen Kornwachstum, starken Abbrand oder Verbrennungen begünstigen können.

Die Pariser Métro-Eingänge von Hector Guimard sind bekannte Beispiele für organische Jugendstillinien. Viele ihrer Bauteile wurden industriell gegossen. Nutze sie deshalb als Formstudie, nicht automatisch als Vorbild für eine Schmiedetechnik. Zur fachlichen Analyse gehört immer die Frage: Welche Form sehe ich, und mit welchem Verfahren wurde sie tatsächlich hergestellt?
Vom Entwurf zum schmiedbaren Ornament
Aufmaß, Entwurf und Aufriss
Vor der Fertigung werden Einbausituation und Funktion geklärt. Bei einem Geländer sind beispielsweise Höhe, Feldbreite, Befestigungspunkte, Lastabtragung und geltende Sicherheitsanforderungen zu berücksichtigen. Ein dekoratives Muster darf weder die sichere Nutzung noch die Montage behindern.
Für die Werkstatt ist ein Aufriss im Maßstab 1:1 besonders hilfreich. Auf einer ebenen Fläche werden Außenmaße, Achsen, Mittellinien, Radien, Anschlüsse und Positionen der Verbindungspunkte dargestellt. Die Mittellinie beschreibt zunächst den Formverlauf; anschließend werden die tatsächlichen Materialbreiten ergänzt. Aus dem Aufriss lassen sich Schablonen, Biegelehren und Prüfpunkte ableiten.
Eine sinnvolle Planungsfolge lautet:
- Naturstudie und Sammlung geeigneter Motive
- Vereinfachung zur schmiedegerechten Linienzeichnung
- Festlegung von Funktion, Außenmaßen und Befestigungen
- Aufriss im Maßstab 1:1
- Auswahl von Werkstoff, Halbzeugen und Querschnitten
- Planung der Schmiedefolge und der Verbindungen
- Anfertigung eines Probeteils
- Fertigung, Richten, Fügen und Oberflächenbehandlung

An diesem Budapester Balkon kannst Du untersuchen, wie florale Füllstäbe in einen klaren Rahmen eingebunden werden. Die Rahmenkonstruktion gibt Halt und Maß, während die ornamentalen Teile Bewegung erzeugen.
Werkstoff und Halbzeug
Für neu gefertigte Schmiedearbeiten wird häufig gut warmumformbarer, unlegierter Stahl mit niedrigem Kohlenstoffgehalt verwendet. Geeignete Halbzeuge sind Rundstahl, Vierkantstahl, Flachstahl oder Blech. Die Auswahl richtet sich nach Funktion, gewünschter Linienwirkung, Schmiedeverfahren, Verbindungstechnik und Oberflächenbehandlung.
Der historische Begriff Schmiedeeisen kann unterschiedliche Bedeutungen haben. Historisches schmiedbares Eisen aus älteren Herstellungsverfahren kann Schlackeneinschlüsse und eine faserige Struktur besitzen. Moderner, umgangssprachlich als Schmiedeeisen bezeichneter Werkstoff ist meist kohlenstoffarmer Stahl. Bei Restaurierungsarbeiten darfst Du historische Werkstoffe deshalb nicht ohne Untersuchung wie modernen Baustahl behandeln. Materialzustand, Korrosion, frühere Reparaturen und denkmalpflegerische Vorgaben müssen dokumentiert werden.
Für ein filigranes Blatt kann Flachstahl zweckmäßig sein, während ein kräftiger Stängel aus Rund- oder Vierkantstahl entwickelt wird. Übergänge sollten nicht wie angeklebte Einzelteile wirken. Durch Absetzen, Strecken, Spalten, Stauchen oder Ausschmieden können Stängel und Blattansatz organisch miteinander verbunden werden.
Typische Schmiedeverfahren
Strecken verlängert das Werkstück und verringert seinen Querschnitt. Es wird beispielsweise eingesetzt, um einen Stängel, eine Blattspitze oder einen rankenartigen Auslauf zu formen.
Stauchen verkürzt einen Bereich und vergrößert seinen Querschnitt. Dadurch kann Material für eine Knospe, einen Knoten oder einen kräftigen Übergang bereitgestellt werden.
Absetzen erzeugt einen gezielten Querschnittswechsel mit klarer Schulter. Bei Jugendstilformen sollte die Schulter je nach Entwurf weich überarbeitet werden, damit kein unbeabsichtigt technischer Absatz entsteht.
Biegen und Einrollen formen C-Kurven, S-Kurven, Spiralen und Ranken. Die Arbeit erfolgt über Ambosskante, Horn, Biegedorn oder eine eigens angefertigte Lehre. Nach jedem Arbeitsgang wird mit dem Aufriss verglichen.
Spalten teilt das Material längs und ermöglicht, aus einem Stab zwei Blattansätze oder eine Verzweigung zu entwickeln. Das Spaltende muss sauber ausgeführt werden, damit keine Kerbe als Rissausgangspunkt bestehen bleibt.
Treiben und Schweifen formen flächige Partien wie Blätter oder Blütenblätter. Durch ballige Hämmer, Gesenke, Punzen und passende Unterlagen können Wölbungen, Blattadern und Randbewegungen entstehen.
Tordieren verdreht einen Stab um seine Längsachse. Diese Technik kann als Akzent eingesetzt werden, sollte aber die für den Jugendstil typische Linienbewegung unterstützen und nicht überladen.
Das Video zeigt eine grundlegende geschmiedete Blattform. Beobachte besonders die Materialverteilung: Die Blattfläche entsteht nicht durch bloßes Flachschlagen, sondern durch kontrolliertes Strecken, Breiten und Ausformen.
Achte beim Einrollen einer Spirale auf einen gleichmäßig kleiner werdenden Radius. Vergleiche die gezeigte Arbeitsweise anschließend mit Deinem eigenen Aufriss.
Blatt, Blüte und Ranke fachgerecht entwickeln
Ein einfaches Jugendstilblatt kann aus einem Stabende geschmiedet werden. Zunächst wird Material für die Blattfläche bereitgestellt. Danach wird die Spitze gestreckt, die Fläche ausgebreitet und der Übergang zum Stängel ausgedünnt. Blattader und Seitenadern können mit Punze, Meißel oder Gesenk angedeutet werden. Die Adern sollen die Wuchsrichtung unterstützen; zu tiefe Kerben schwächen das Werkstück.
Bei einer Blüte können mehrere Blütenblätter aus einem Stück entwickelt oder einzeln gefertigt und anschließend gefügt werden. Einteilige Lösungen wirken oft handwerklich geschlossen, sind aber material- und arbeitsintensiver. Mehrteilige Blüten ermöglichen differenzierte Formen, verlangen jedoch sorgfältig geplante Verbindungen.
Die Ranke ist das verbindende Element. Sie führt den Blick, trägt kleinere Motive und verbindet das Ornament mit Rahmen oder Befestigung. Ein guter Rankenverlauf besitzt Spannung und Richtung. Ein bloßes Aneinanderreihen gleich großer Spiralen wirkt dagegen schnell schematisch.
Das Video zur geschmiedeten Akanthusform zeigt fortgeschrittene Techniken des Treibens und Strukturierens. Der Akanthus ist historisch älter als der Jugendstil. Für einen Jugendstilentwurf darfst Du ihn daher nicht einfach kopieren, sondern musst seine Blattglieder in eine fließendere und stärker stilisierte Formensprache übersetzen.
Die Herstellung einer geschmiedeten Iris bietet eine gute Grundlage, um den Weg von der realen Pflanze zur Metallform zu untersuchen. Prüfe, welche Details für die Erkennbarkeit notwendig sind und welche vereinfacht werden können.
Verbindungen und konstruktive Einbindung
Florale Ornamente müssen sicher mit Rahmen, Pfosten oder benachbarten Elementen verbunden werden. Traditionelle Verbindungsmöglichkeiten sind Vernietung, gelochte und verzapfte Verbindungen, Bunde, Schellen und Feuerschweißungen. Moderne Schweißverfahren können ebenfalls eingesetzt werden, sofern Konstruktion, Gestaltung, Werkstoff und Auftrag dies zulassen.
Ein Bund oder eine Schelle kann eine Verbindung sichtbar betonen. Eine Vernietung zeigt den handwerklichen Aufbau und kann zugleich lösbar oder reparaturfreundlich geplant werden. Eine Schweißverbindung lässt sich optisch zurücknehmen, darf aber nicht nur dazu dienen, ungenaue Passungen zu verdecken. Schweißnähte müssen fachgerecht ausgeführt, zugänglich und für die Beanspruchung geeignet sein.
Im Jugendstil sollten Verbindungspunkte in den Linienfluss integriert werden. Ein Blattansatz, eine Knospe oder ein verdickter Knoten kann konstruktiv als Anschlussstelle genutzt werden. So entsteht eine Verbindung, die technisch nachvollziehbar und gestalterisch überzeugend ist.

Die Detailaufnahme eines schmiedeeisernen Feuerschirms von Edgar Brandt zeigt, wie sich Figur, Pflanzenhintergrund und Liniennetz zu einer geschlossenen Metallfläche verbinden. Das Werk entstand bereits in der Übergangszeit zum Art déco und eignet sich deshalb auch zur Stilabgrenzung.
Oberflächen, Korrosionsschutz und Restaurierung
Nach dem Schmieden werden Zunder, lose Oxidschichten und Bearbeitungsspuren kontrolliert. Je nach gewünschter Wirkung kann die Oberfläche gebürstet, geschliffen oder bewusst hammerschlägig belassen werden. Eine handwerkliche Oberfläche bedeutet nicht, dass scharfe Grate, Risse oder unkontrollierte Kerben bestehen bleiben dürfen.
Für Innenobjekte kommen beispielsweise Wachs- oder Ölbehandlungen infrage, sofern Nutzung und Brandschutz dies zulassen. Für Außenbauteile sind Beschichtungssysteme, Verzinkung oder kombinierte Schutzsysteme möglich. Konstruktionen sollten Wasserablauf ermöglichen und Spalten vermeiden, in denen Feuchtigkeit dauerhaft stehen bleibt. Der Korrosionsschutz ist bereits bei Entwurf, Materialwahl und Verbindungstechnik mitzudenken.
Bei historischen Jugendstilarbeiten steht der größtmögliche Erhalt der Originalsubstanz im Vordergrund. Vor Eingriffen werden Bestand, Schäden und frühere Ergänzungen dokumentiert. Ergänzungen müssen hinsichtlich Material, Form, Verbindung und Oberfläche begründet werden. Eine vollständig glatte Neufassung kann historische Schmiedespuren vernichten; eine unbehandelte Schadstelle kann dagegen den weiteren Verlust beschleunigen. Restaurierung verlangt daher eine abgestimmte fachliche Entscheidung.

Gebäude der École de Nancy verbinden Architektur und Pflanzenornament häufig besonders eng. Bei der Bestandsaufnahme solltest Du nicht nur Einzelmotive fotografieren, sondern auch deren Lage, Wiederholungsrhythmus und Bezug zur Fassade dokumentieren.
Arbeitssicherheit in der Schmiedewerkstatt
Beim Schmieden entstehen Gefährdungen durch Hitze, Funken, Zunder, Lärm, Rauchgase, scharfe Kanten und schwere Werkstücke. Trage eine geeignete Schutzbrille, Sicherheitsschuhe, eng anliegende schwer entflammbare Arbeitskleidung und den für die Tätigkeit erforderlichen Gehörschutz. Lange Haare, Schmuck und lose Kleidung sind zu sichern. Geeignete Handschuhe werden tätigkeitsbezogen verwendet; an rotierenden Maschinen können Handschuhe eine zusätzliche Einzugsgefahr darstellen.
Heiße Werkstücke müssen eindeutig abgelegt und gekennzeichnet werden. Zangen sind passend zum Querschnitt auszuwählen. Amboss, Lufthammer, Esse, Absaugung und Handwerkzeuge werden vor Arbeitsbeginn geprüft. Bei Feuerstätten ist eine ausreichende Lüftung und Abgasführung notwendig. Kohlenmonoxid ist farb- und geruchlos und darf nicht unterschätzt werden.
Vor dem Arbeiten an Maschinen oder mit Schweißverfahren gelten die betrieblichen Unterweisungen. Ein gestalterisch anspruchsvolles Ornament rechtfertigt niemals improvisierte oder unsichere Arbeitsschritte.
Praxisprojekt: Jugendstil-Blattzweig
Entwirf einen Blattzweig als Einsatz für ein kleines Gitterfeld. Die Außenmaße werden durch einen rechteckigen Rahmen vorgegeben. Der Zweig soll aus einer Hauptlinie, zwei Nebenranken, mindestens drei unterschiedlich großen Blättern und einer Knospe bestehen. Verwende höchstens drei verschiedene Halbzeugquerschnitte, damit eine geschlossene Materialwirkung entsteht.
Erstelle zunächst Naturstudien und drei kleine Varianten. Wähle eine Variante aus und zeichne einen Aufriss im Maßstab 1:1. Markiere Materialquerschnitte, Biegeradien, Verbindungspunkte und die geplante Schmiedefolge. Fertige anschließend ein Probeblatt, bevor Du das vollständige Ornament ausführst.
Bewerte Dein Ergebnis nach folgenden Kriterien:
- Die Hauptlinie ist klar erkennbar und besitzt einen spannungsvollen Verlauf.
- Blätter und Knospe sind stilisiert, aber botanisch nachvollziehbar.
- Übergänge sind materialgerecht ausgeschmiedet.
- Verbindungen sind sicher und gestalterisch integriert.
- Die Negativräume wirken ausgewogen.
- Maße, Ebenheit und Anschlusspunkte stimmen mit dem Aufriss überein.
- Oberfläche und Korrosionsschutz entsprechen dem vorgesehenen Einsatzort.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Welche Linie ist für viele florale Jugendstilornamente besonders typisch? (Peitschenhieblinie) (!Zickzacklinie) (!Rasterlinie) (!Horizontlinie)
Welches Planungsmittel zeigt das Ornament in Werkstattgröße? (Aufriss im Maßstab eins zu eins) (!Perspektivische Freihandskizze) (!Farbfächer) (!Explosionsfoto)
Was geschieht beim Strecken eines Stahlquerschnitts? (Der Werkstoff wird länger und der Querschnitt kleiner) (!Der Werkstoff wird kürzer und der Querschnitt größer) (!Der Werkstoff wird nur abgekühlt) (!Der Werkstoff wird chemisch beschichtet)
Welchem Zweck dient das Stauchen? (Material wird örtlich verdickt) (!Material wird vollständig getrennt) (!Zunder wird entfernt) (!Die Oberfläche wird verzinkt)
Was bezeichnet der Negativraum eines Ornaments? (Die freie Fläche zwischen den Metalllinien) (!Eine fehlerhafte Schweißnaht) (!Den Querschnitt eines Rundstahls) (!Die Rückseite einer Zeichnung)
Welche Verbindung kann als sichtbares Gestaltungselement eingesetzt werden? (Bund) (!Klebefolie) (!Kabelbinder) (!Kunststoffdübel)
Warum wird vor der Serienfertigung ein Probeteil geschmiedet? (Um Form Materialverhalten und Arbeitsfolge zu prüfen) (!Um den Stahl dauerhaft weich zu machen) (!Um die Werkzeichnung zu ersetzen) (!Um auf Maßkontrolle zu verzichten)
Welche Aussage zum historischen Schmiedeeisen ist fachlich richtig? (Seine Werkstoffstruktur kann sich von modernem Baustahl unterscheiden) (!Es ist immer rostfrei) (!Es besteht grundsätzlich aus Aluminium) (!Es darf ohne Untersuchung elektrisch geschweißt werden)
Was ist bei einer guten geschmiedeten Spirale besonders wichtig? (Ein gleichmäßig kleiner werdender Radius) (!Ein zufälliger Verlauf) (!Möglichst viele scharfe Knicke) (!Ein überall gleicher Abstand zur Rahmenkante)
Welche Maßnahme gehört zur sicheren Arbeit an der Esse? (Ausreichende Lüftung und Abgasführung) (!Arbeiten ohne Schutzbrille) (!Ablegen heißer Teile im Laufweg) (!Tragen weiter Kunststoffkleidung)
Memory
| Peitschenhieblinie | Spannungsvoll beschleunigte Kurve |
| Strecken | Länge erhöhen und Querschnitt verringern |
| Stauchen | Länge verringern und Querschnitt erhöhen |
| Aufriss | Werkzeichnung im Maßstab eins zu eins |
| Bund | Sichtbar gefasste Verbindung |
| Negativraum | Freie Fläche zwischen Metalllinien |
| Zunder | Oxidschicht auf erhitztem Stahl |
| Treiben | Flächiges Formen mit Hammer und Unterlage |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Peitschenhieblinie | Dynamische Jugendstilkurve |
| Strecken | Schmieden eines langen Blattstiels |
| Stauchen | Materialanhäufung für eine Knospe |
| Bund | Sichtbare handwerkliche Verbindung |
| Aufriss | Kontrolle der Form in Originalgröße |
Kreuzworträtsel
| Peitschenhieb | Wie heißt die spannungsvolle Kurvenform des floralen Jugendstils? |
| Strecken | Welches Schmiedeverfahren verlängert das Werkstück? |
| Stauchen | Welches Verfahren vergrößert örtlich den Querschnitt? |
| Aufriss | Wie heißt die Werkzeichnung in Originalgröße? |
| Zunder | Wie heißt die Oxidschicht auf erhitztem Stahl? |
| Niete | Welches Fügeteil wird durch Setzen und Schließen dauerhaft verbunden? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Pflanzenstudie: Zeichne drei Blätter aus Deiner Umgebung und markiere Hauptader, Seitenadern, Rand und Stielansatz.
- Linienanalyse: Fotografiere ein florales Gitter und zeichne seine Hauptlinie sowie die wichtigsten Nebenlinien nach.
- Fachwortkarte: Gestalte eine Lernkarte zu Strecken, Stauchen, Absetzen und Treiben mit je einer Skizze.
- Spiralenübung: Zeichne fünf Spiralen mit gleichmäßig kleiner werdendem Radius und vergleiche ihre Wirkung.
Standard
- Schmiedegerechter Entwurf: Übertrage eine reale Blüte in einen vereinfachten Entwurf aus höchstens sieben Metalllinien.
- Aufriss: Zeichne ein florales Gitterfeld im Maßstab eins zu eins und kennzeichne Materialquerschnitte sowie Verbindungspunkte.
- Werkstattplanung: Erstelle für ein geschmiedetes Blatt eine Arbeitsfolge mit Werkzeugen, Temperaturen, Prüfschritten und Sicherheitsmaßnahmen.
- Medienanalyse: Vergleiche zwei der eingebetteten Videos und bewerte Materialverteilung, Werkzeugführung und Maßkontrolle.
Schwer
- Jugendstil-Gitterfeld: Fertige ein kleines Gitterfeld mit Hauptlinie, Nebenranke, drei Blättern und einer handwerklichen Verbindung.
- Restaurierungsdokumentation: Untersuche ein historisches Metallornament zerstörungsfrei und erstelle Zustandsplan, Schadenskartierung und Maßnahmenvorschlag.
- Stilvergleich: Entwickle aus demselben Pflanzenmotiv je einen Entwurf im Jugendstil und im Art déco und begründe die Unterschiede.
- Ausbildungsprojekt: Plane, kalkuliere, fertige und dokumentiere ein florales Werkstück einschließlich Materialliste, Zeitansatz, Qualitätsprüfung und Präsentation.


Lernkontrolle
- Entwurfsbeurteilung: Analysiere einen vorgelegten Ornamententwurf und begründe, welche Linien beibehalten, verändert oder entfernt werden sollten.
- Verfahrenswahl: Entscheide für Blatt, Knospe, Ranke und Verbindung jeweils über ein geeignetes Schmiedeverfahren und begründe Deine Auswahl.
- Fehleranalyse: Ein geschmiedetes Blatt weist Risse am Übergang zum Stiel auf. Entwickle mehrere mögliche Ursachen und passende Gegenmaßnahmen.
- Konstruktiver Transfer: Übertrage ein dekoratives Wandornament in ein funktionales Geländerfeld und berücksichtige dabei Rahmen, Anschlüsse und sichere Zwischenräume.
- Werkstoffvergleich: Erläutere, warum eine Reparatur an historischem Schmiedeeisen eine andere Planung verlangen kann als eine Neuanfertigung aus modernem Stahl.
- Qualitätssicherung: Erstelle einen Prüfplan für ein Jugendstil-Gitter mit Maßen, Formverlauf, Verbindungen, Oberfläche und Korrosionsschutz.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu diesem Thema sind folgende Leistungen wichtig:
- Fachsprachlich richtige Beschreibung floraler Jugendstilmerkmale
- Dokumentierte Naturstudie und nachvollziehbare Stilisierung
- Maßstäblicher Entwurf und Aufriss im Maßstab eins zu eins
- Begründete Auswahl von Werkstoff, Halbzeug und Querschnitt
- Sichere und sinnvolle Planung der Schmiedefolge
- Fachgerechte Ausführung mindestens eines floralen Schmiedeelements
- Nachweis einer geeigneten Verbindung zum Rahmen oder zu einem zweiten Bauteil
- Maß-, Form- und Oberflächenkontrolle
- Begründung des Korrosionsschutzes für den vorgesehenen Einsatzort
- Reflexion von Arbeitssicherheit, Fehlern und Verbesserungsmöglichkeiten
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