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Bund und Länder - Gemeinschaftskunde

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Bund und Länder - Gemeinschaftskunde




Einleitung

Deutschland ist ein Bundesstaat. Das bedeutet: Die staatliche Macht liegt nicht nur beim Bund, sondern auch bei den 16 Ländern. Bund und Länder haben eigene Aufgaben, Parlamente, Regierungen und Verwaltungen. Diese Ordnung heißt Föderalismus. Du begegnest ihr im Alltag zum Beispiel bei Schule, Polizei, Wahlen oder Ferienregelungen.

In diesem aiMOOC lernst Du, warum Deutschland föderal aufgebaut ist, welche Ebene wofür zuständig ist und wie die Länder über den Bundesrat an der Politik des Bundes mitwirken.


Lernziele

  1. Föderalismus: Du erklärst die Aufteilung staatlicher Macht zwischen Bund und Ländern.
  2. Zuständigkeiten: Du ordnest wichtige Aufgaben der passenden Ebene zu.
  3. Bundesrat: Du beschreibst seine Zusammensetzung und seine Rolle bei Bundesgesetzen.
  4. Urteilsbildung: Du beurteilst Vorteile und Schwierigkeiten des Föderalismus.


Deutschland als Bundesstaat

Artikel 20 des Grundgesetzes bezeichnet die Bundesrepublik Deutschland als demokratischen und sozialen Bundesstaat. Der Bund bildet den Gesamtstaat. Die Länder sind Gliedstaaten mit eigener staatlicher Ordnung. Sie sind deshalb mehr als bloße Verwaltungsbezirke.

Artikel 30 des Grundgesetzes enthält eine wichtige Grundregel: Staatliche Aufgaben sind grundsätzlich Sache der Länder, sofern das Grundgesetz keine andere Regelung trifft. Für die Gesetzgebung gilt ähnlich: Die Länder dürfen Gesetze erlassen, soweit das Grundgesetz dem Bund keine Zuständigkeit gibt. In der politischen Wirklichkeit erlässt der Bund jedoch viele wichtige Gesetze, während die Länder einen großen Teil davon ausführen.

Die föderale Ordnung schützt regionale Vielfalt und verteilt Macht. Ihre Grundstruktur ist durch die sogenannte Ewigkeitsklausel besonders geschützt: Die Gliederung des Bundes in Länder und ihre grundsätzliche Mitwirkung an der Gesetzgebung dürfen nicht durch eine normale Verfassungsänderung abgeschafft werden.


Warum wird staatliche Macht geteilt?

Föderalismus soll verhindern, dass sich politische Macht an einer einzigen Stelle sammelt. Entscheidungen können näher an regionalen Bedürfnissen getroffen werden. Länder dürfen unterschiedliche Lösungen erproben und voneinander lernen. Gleichzeitig entstehen mehr Abstimmung, unterschiedliche Regeln und manchmal langsamere Entscheidungen.


Die 16 Länder

Deutschland besteht aus 13 Flächenländern und den drei Stadtstaaten Berlin, Bremen und Hamburg. Jedes Land besitzt eine eigene Verfassung, einen Landtag oder ein entsprechend bezeichnetes Landesparlament sowie eine Landesregierung. An ihrer Spitze steht meist eine Ministerpräsidentin oder ein Ministerpräsident. In den Stadtstaaten gelten andere Amtsbezeichnungen.

Die Länder gestalten besonders die Bereiche Bildung, Kultur, Polizei und Kommunalrecht. Deshalb können sich Schulformen, Prüfungen, Feiertage oder Polizeigesetze unterscheiden. Die Länder koordinieren sich zugleich in gemeinsamen Gremien, etwa in der Kultusministerkonferenz.


Wer ist wofür zuständig?

Die Zuständigkeiten stehen vor allem im Grundgesetz. Eine einfache Zuordnung hilft beim Einstieg, doch viele Politikfelder sind miteinander verflochten.

Ebene Typische Zuständigkeiten Beispiele
Bund Aufgaben, die für Deutschland einheitlich geregelt werden sollen Außenpolitik, Verteidigung, Staatsangehörigkeit, große Teile des Zivil- und Strafrechts
Länder Aufgaben mit regionaler Gestaltung und eigener Verwaltung Schulwesen, Kultur, Polizei, Kommunalrecht, große Teile des Rundfunkrechts
Bund und Länder Zusammenarbeit, Mitwirkung oder gemeinsame Finanzierung Steuern und Finanzen, Forschungsförderung, regionale Wirtschaftsförderung, digitale Verwaltung

Bei der ausschließlichen Gesetzgebung darf grundsätzlich nur der Bund Gesetze erlassen. Bei der konkurrierenden Gesetzgebung können die Länder handeln, solange und soweit der Bund seine Zuständigkeit nicht nutzt. In allen übrigen Bereichen bleiben die Länder zuständig.

Ein wichtiges Merkmal des deutschen Föderalismus ist die Aufgabenteilung zwischen Gesetzgebung und Verwaltung: Der Bund beschließt viele Gesetze, doch häufig führen Landesbehörden diese Gesetze aus. Die Kommunen sind dabei keine dritte staatliche Ebene neben Bund und Ländern. Sie gehören verfassungsrechtlich zu den Ländern und besitzen das Recht auf kommunale Selbstverwaltung.


Wie entstehen Bundesgesetze?

Gesetzentwürfe können von der Bundesregierung, aus der Mitte des Bundestages oder vom Bundesrat eingebracht werden. Der Bundestag berät und beschließt Bundesgesetze. Danach wirkt der Bundesrat mit.

Bei Zustimmungsgesetzen ist die ausdrückliche Zustimmung des Bundesrates notwendig. Das betrifft besonders Gesetze, die wichtige Interessen oder Finanzen der Länder berühren. Bei Einspruchsgesetzen kann der Bundesrat Einspruch einlegen; der Bundestag kann diesen unter bestimmten Bedingungen zurückweisen. Bei Streit kann der Vermittlungsausschuss nach einem Kompromiss suchen.

Am Ende wird ein Gesetz nach dem verfassungsrechtlichen Verfahren ausgefertigt und verkündet. Erst dann kann es in Kraft treten.


Der Bundesrat – Stimme der Länder

Durch den Bundesrat wirken die Länder bei der Gesetzgebung und Verwaltung des Bundes sowie in Angelegenheiten der Europäischen Union mit. Im Bundesrat sitzen Mitglieder der Landesregierungen. Sie werden nicht eigens für dieses Organ vom Volk gewählt.

Jedes Land besitzt je nach Bevölkerungszahl drei bis sechs Stimmen. Insgesamt hat der Bundesrat 69 Stimmen. Ein Land muss seine Stimmen einheitlich abgeben. Dadurch muss sich eine Landesregierung vor einer Abstimmung auf eine gemeinsame Position einigen.

Der Bundesrat ist ein dauerhaftes Verfassungsorgan ohne feste Wahlperiode. Ändert sich eine Landesregierung nach einer Landtagswahl, ändern sich auch die Vertreterinnen und Vertreter dieses Landes im Bundesrat.


Zusammenarbeit und Konflikte

Bund und Länder arbeiten eng zusammen. Die Länder stimmen sich untereinander ab, zum Beispiel in der Ministerpräsidentenkonferenz oder der Kultusministerkonferenz. Im Finanzsystem werden Einnahmen verteilt und Unterschiede in der Finanzkraft ausgeglichen. Bei großen Krisen, Infrastrukturprojekten oder der Digitalisierung ist Zusammenarbeit oft unverzichtbar.

Föderalismus kann aber auch zu Konflikten führen. Unterschiedliche Interessen erschweren Kompromisse. Bürgerinnen und Bürger erkennen nicht immer sofort, welche Ebene verantwortlich ist. Außerdem können unterschiedliche Regeln den Wechsel zwischen Ländern erschweren. Streit über Zuständigkeiten kann vor dem Bundesverfassungsgericht geklärt werden.


Vorteile und Herausforderungen

Vorteile sind die Begrenzung politischer Macht, regionale Nähe, Vielfalt und die Möglichkeit, neue Lösungen zunächst in einzelnen Ländern zu testen. Herausforderungen sind komplizierte Zuständigkeiten, hoher Abstimmungsbedarf, unterschiedliche Lebensbedingungen und teilweise langsame Entscheidungen. Eine faire Beurteilung berücksichtigt immer beide Seiten.


Beispiel aus Deinem Alltag: Schule

Schulpolitik ist überwiegend Ländersache. Deshalb legen die Länder Lehrpläne, Schularten, Prüfungsordnungen und Teile der Lehrkräfteausbildung fest. Unterschiede sind kein Zufall, sondern eine Folge der föderalen Ordnung.

Gleichzeitig sollen Schulabschlüsse vergleichbar bleiben. Dafür treffen die Länder Vereinbarungen und arbeiten in der Kultusministerkonferenz zusammen. Das Beispiel Schule zeigt: Föderalismus verbindet eigenständige Entscheidungen mit notwendiger Kooperation.


Merksätze

  1. Deutschland ist ein Bundesstaat aus dem Bund und 16 Ländern.
  2. Bund und Länder besitzen eigene Zuständigkeiten und staatliche Organe.
  3. Viele Bundesgesetze werden von Behörden der Länder ausgeführt.
  4. Der Bundesrat bringt die Interessen der Landesregierungen in die Bundespolitik ein.
  5. Föderalismus verbindet Machtteilung und Vielfalt mit Abstimmungsbedarf.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Was bedeutet Föderalismus in Deutschland? (Bund und Länder teilen sich staatliche Aufgaben) (!Alle Entscheidungen trifft ausschließlich der Bund) (!Die Gemeinden bilden unabhängige Staaten) (!Die Europäische Union ersetzt die Länder)




Aus wie vielen Ländern besteht Deutschland? (16) (!10) (!18) (!24)




Welche Staatsform nennt Artikel 20 des Grundgesetzes? (Demokratischer und sozialer Bundesstaat) (!Zentralistischer Einheitsstaat) (!Konstitutionelle Monarchie) (!Loser Staatenbund)




Welche Ebene ist nach der Grundregel des Artikels 30 zuständig, wenn das Grundgesetz nichts anderes bestimmt? (Die Länder) (!Die Europäische Union) (!Die Gemeinden) (!Der Bundespräsident)




Welche Aufgabe gehört überwiegend zu den Ländern? (Schulpolitik) (!Außenpolitik) (!Verteidigung) (!Staatsangehörigkeit)




Welche Aufgabe gehört typischerweise zum Bund? (Außenpolitik) (!Lehrpläne) (!Kommunalrecht) (!Kulturförderung vor Ort)




Wer ist im Bundesrat vertreten? (Mitglieder der Landesregierungen) (!Direkt gewählte Bundesratsabgeordnete) (!Nur Mitglieder des Bundestages) (!Die Bürgermeister aller Gemeinden)




Wie muss ein Land seine Stimmen im Bundesrat abgeben? (Einheitlich) (!Geheim) (!Nach Zufallsprinzip) (!Getrennt nach Ministerien)




Zu welcher staatlichen Ebene gehören die Kommunen verfassungsrechtlich? (Zu den Ländern) (!Zum Bund) (!Zur Europäischen Union) (!Zum Bundesrat)




Welcher Gedanke spricht für den Föderalismus? (Machtteilung und regionale Vielfalt) (!Abschaffung aller Landesparlamente) (!Gleiche Entscheidung durch eine einzige Behörde) (!Verzicht auf politische Zusammenarbeit)





Memory

Bund Außenpolitik
Länder Schulpolitik
Bundesrat Landesregierungen
Bundestag Bundesparlament
Landtag Landesparlament
Föderalismus Machtteilung





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Zuständige Ebene oder Institution
Außenpolitik Bund
Schulwesen Länder
Bundesgesetzgebung Bundestag und Bundesrat
Kommunalrecht Länder
Verteidigung Bund






Kreuzworträtsel

Föderalismus Wie heißt die Aufteilung staatlicher Macht zwischen Gesamtstaat und Gliedstaaten?
Bundesrat Welches Verfassungsorgan vertritt die Landesregierungen auf Bundesebene?
Landtag Wie heißt das Parlament eines Flächenlandes?
Grundgesetz Welche Verfassung regelt die Zuständigkeiten von Bund und Ländern?
Kulturhoheit Welcher Begriff bezeichnet die besondere Zuständigkeit der Länder für Bildung und Kultur?
Bundesstaat Welche Staatsform verbindet einen Gesamtstaat mit Gliedstaaten?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Deutschland ist ein

.
Es besteht aus sechzehn

.
Die föderale Ordnung ist im

verankert.
Für die Schulpolitik sind überwiegend die

zuständig.
Die Außenpolitik gehört vor allem zum

.
Im Bundesrat sitzen Mitglieder der

.
Ein Land gibt seine Stimmen im Bundesrat

ab.
Die Kommunen gehören verfassungsrechtlich zu den

.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Bundesland-Steckbrief: Erstelle einen Steckbrief zu Deinem Land mit Hauptstadt, Landesparlament, Regierungssitz und zwei politischen Zuständigkeiten.
  2. Zuständigkeitskarten: Schreibe zehn Alltagsthemen auf Karten und ordne sie Bund, Ländern oder gemeinsamer Verantwortung zu.
  3. Schulferienvergleich: Vergleiche die Ferientermine zweier Länder und erkläre, warum sie unterschiedlich sein können.
  4. Erklärplakat Föderalismus: Gestalte ein Plakat mit den Begriffen Bund, Länder, Bundesrat und Landtag.


Standard

  1. Föderalismus im Alltag: Führe eine Woche lang ein Beobachtungstagebuch und sammle Beispiele für Entscheidungen von Bund, Land und Kommune.
  2. Bundesrat-Rollenspiel: Bildet Ländergruppen, entwickelt Positionen zu einem fiktiven Schulgesetz und stimmt im Bundesrat ab.
  3. Landesverfassungen vergleichen: Vergleiche zwei Landesverfassungen in einem selbst gewählten Bereich und stelle Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede vor.
  4. Infografik Aufgabenverteilung: Erstelle eine digitale Infografik, die Gesetzgebung, Verwaltung und Mitwirkung übersichtlich verbindet.


Schwer

  1. Debatte Bildungsföderalismus: Diskutiert die Frage, ob Schulpolitik stärker vereinheitlicht werden sollte, und belegt beide Seiten mit Argumenten.
  2. Fallanalyse Zuständigkeit: Untersuche einen aktuellen politischen Streit und kläre, welche Ebene entscheiden darf und welche Ebenen mitwirken.
  3. Vermittlungsausschuss-Simulation: Entwickelt einen Konflikt zwischen Bundestag und Bundesrat und handelt einen tragfähigen Kompromiss aus.
  4. Föderalismusreform: Entwirf einen begründeten Reformvorschlag für die Aufgabenverteilung und prüfe mögliche Folgen für Demokratie, Effizienz und Vielfalt.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Transferfall Schule: Eine Familie zieht in ein anderes Land und erlebt andere Prüfungsregeln. Erkläre die Ursache und entwickle zwei Möglichkeiten für bessere Vergleichbarkeit.
  2. Politische Verantwortung: Analysiere ein Beispiel, bei dem sich Bund und Land gegenseitig die Verantwortung zuschieben. Zeige, wie Du die tatsächliche Zuständigkeit prüfen würdest.
  3. Gesetzgebungskonflikt: Begründe, warum ein Gesetz, das Landesverwaltungen stark betrifft, ohne Mitwirkung des Bundesrates problematisch sein kann.
  4. Urteil Föderalismus: Bewerte die Aussage „Einheitliche Regeln sind immer gerechter als unterschiedliche Regeln der Länder“ mit mindestens drei Kriterien.
  5. Demokratische Machtteilung: Erkläre an einem selbst gewählten Beispiel, wie Föderalismus Macht begrenzt und zugleich Entscheidungen erschweren kann.
  6. Reformvergleich: Vergleiche zwei Reformideen zur Aufgabenverteilung und entscheide begründet, welche demokratisch und praktisch überzeugender ist.




Lernnachweis

Für einen erfolgreichen Lernnachweis sind folgende Leistungen wichtig:

  1. Du verwendest die Begriffe Bund, Länder, Föderalismus, Bundesrat und Landtag korrekt.
  2. Du ordnest zentrale Zuständigkeiten begründet zu und erkennst verflochtene Aufgaben.
  3. Du erklärst die Mitwirkung des Bundesrates an der Bundesgesetzgebung.
  4. Du analysierst ein Alltags- oder Politikbeispiel mit Blick auf mehrere staatliche Ebenen.
  5. Du wägest Vorteile und Herausforderungen des Föderalismus nachvollziehbar ab.
  6. Du belegst Dein Urteil mit passenden Beispielen und einer klaren Argumentation.




OERs zum Thema

  1. Grundgesetz, Artikel 20
  2. Grundgesetz, Artikel 30
  3. Deutscher Bundestag: Föderalismus
  4. Bundesrat: Aufgaben
  5. Bundeszentrale für politische Bildung: Bundesländer und Föderalismus



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