Verdampfen und Kondensieren - Physik


Verdampfen und Kondensieren - Physik
Einleitung
Beim Verdampfen wird ein Stoff vom flüssigen in den gasförmigen Zustand überführt. Beim Kondensieren geschieht das Gegenteil: Ein gasförmiger Stoff wird flüssig. Beide Vorgänge sind Phasenübergänge und begegnen Dir beim Kochen, beim Trocknen von Wäsche, an beschlagenen Fenstern und im Wasserkreislauf.

Lernziele: Du kannst Verdampfen, Verdunsten, Sieden und Kondensieren unterscheiden, die Vorgänge mit dem Teilchenmodell erklären und einfache Energiebetrachtungen durchführen.
Grundlagen
Aggregatzustände und Teilchenmodell
Stoffe können unter anderem fest, flüssig oder gasförmig sein. Im flüssigen Zustand liegen die Teilchen dicht beieinander, können sich aber gegeneinander bewegen. Im gasförmigen Zustand sind ihre Abstände viel größer und sie bewegen sich frei im verfügbaren Raum.
Wird einer Flüssigkeit Energie zugeführt, bewegen sich ihre Teilchen im Mittel schneller. Teilchen mit genügend Energie können die Flüssigkeit verlassen. Beim Kondensieren geben Teilchen Energie an die Umgebung ab und bilden wieder eine Flüssigkeit.
Verdampfen, Verdunsten und Sieden
Verdampfen bezeichnet allgemein den Übergang von flüssig zu gasförmig. Er kann auf zwei Arten erfolgen:
- Verdunsten: Teilchen verlassen die Oberfläche einer Flüssigkeit. Das geschieht auch unterhalb der Siedetemperatur.
- Sieden: Dampfblasen entstehen in der gesamten Flüssigkeit. Das geschieht, wenn der Dampfdruck der Flüssigkeit dem äußeren Druck entspricht.


Bei normalem Luftdruck siedet reines Wasser bei etwa 100 °C. Der Siedepunkt hängt jedoch vom Druck ab. In großer Höhe ist der Luftdruck geringer und Wasser siedet bei einer niedrigeren Temperatur.
Kondensieren
Beim Kondensieren geht ein Stoff vom gasförmigen in den flüssigen Zustand über. Das geschieht häufig, wenn Gas abkühlt oder unter höheren Druck gerät. Wasserdampf kondensiert beispielsweise an einer kalten Fensterscheibe zu kleinen Wassertropfen.

Der unsichtbare Wasserdampf darf nicht mit der weißen Wolke über einem Wasserkocher verwechselt werden. Diese Wolke besteht überwiegend aus sehr kleinen, bereits kondensierten Wassertröpfchen.

Energie beim Phasenübergang
Beim Verdampfen nimmt ein Stoff Energie auf. Beim Kondensieren gibt er dieselbe Energiemenge wieder ab. Während eines Phasenübergangs kann die Temperatur trotz Energiezufuhr oder Energieabgabe zeitweise konstant bleiben.
Für eine Masse gilt näherungsweise:
Dabei ist die übertragene Wärmeenergie, die Masse und die spezifische Verdampfungswärme. Die Einheit von ist .
Beispiel: Zum Verdampfen von Wasser bei seinem Siedepunkt werden mit etwa benötigt.
Verdunstungskälte
Schnelle Teilchen verlassen beim Verdunsten bevorzugt die Flüssigkeit. Die mittlere Bewegungsenergie der zurückbleibenden Teilchen sinkt. Dadurch kühlt die Flüssigkeit ab. Dieser Effekt heißt Verdunstungskälte.
Beispiele sind das Kühlen der Haut durch Schweiß, das Trocknen nasser Kleidung und die Kühlung in porösen Tongefäßen. Wind beschleunigt die Verdunstung, weil feuchte Luft an der Oberfläche abtransportiert wird.
Verdampfen und Kondensieren im Alltag
Wasserkreislauf
Sonnenenergie lässt Wasser aus Meeren, Seen, Böden und Pflanzen verdunsten. In höheren, kühleren Luftschichten kondensiert Wasserdampf zu Wolkentröpfchen. Aus ihnen kann Niederschlag entstehen.

Destillation
Bei der Destillation wird eine Flüssigkeit verdampft und der Dampf anschließend in einem Kühler kondensiert. So lassen sich Stoffe mit unterschiedlichen Siedetemperaturen trennen oder Flüssigkeiten reinigen.

Kondensation durch Druckänderung
Auch eine Druckänderung kann Kondensation auslösen. Über einer Flugzeugtragfläche kann der Luftdruck kurzfristig sinken. Unter geeigneten Bedingungen entstehen dadurch sichtbare Wassertröpfchen, die später wieder verdunsten.

Einflussfaktoren
Die Geschwindigkeit des Verdunstens steigt meist durch eine höhere Temperatur, eine größere Oberfläche, stärkere Luftbewegung und eine geringere Luftfeuchtigkeit. Kondensation wird durch Abkühlung, hohen Wasserdampfgehalt und geeignete Kondensationskeime begünstigt.
Sicher experimentieren
Heißes Wasser und besonders Wasserdampf können schwere Verbrühungen verursachen. Versuche mit erhitzten Flüssigkeiten dürfen nur nach Anleitung und mit geeigneter Schutzausrüstung durchgeführt werden. Geschlossene Gefäße dürfen beim Erhitzen niemals vollständig abgedichtet sein.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Welcher Zustandswechsel findet beim Verdampfen statt? (Flüssig zu gasförmig) (!Gasförmig zu flüssig) (!Fest zu flüssig) (!Gasförmig zu fest)
Wo findet Verdunstung hauptsächlich statt? (An der Oberfläche einer Flüssigkeit) (!Nur am Gefäßboden) (!Nur in Dampfblasen) (!Im Inneren eines Festkörpers)
Was entsteht beim Sieden in der Flüssigkeit? (Dampfblasen) (!Eiskristalle) (!Salzkörner) (!Lichtstrahlen)
Was geschieht beim Kondensieren mit Energie? (Sie wird an die Umgebung abgegeben) (!Sie verschwindet vollständig) (!Sie wird zu Masse) (!Sie bleibt immer im Gas)
Woraus besteht die weiße Wolke über einem Wasserkocher überwiegend? (Aus kleinen Wassertröpfchen) (!Aus unsichtbarem Wasserdampf) (!Aus Sauerstoffblasen) (!Aus festem Eis)
Warum kühlt Schweiß die Haut? (Beim Verdunsten wird Energie aufgenommen) (!Beim Gefrieren wird Energie erzeugt) (!Beim Sieden entsteht Kälte) (!Beim Kondensieren wird Energie aufgenommen)
Wovon hängt die Siedetemperatur einer Flüssigkeit ab? (Vom äußeren Druck) (!Nur von der Gefäßfarbe) (!Nur von der Flüssigkeitsmenge) (!Von der Form des Thermometers)
Welches Verfahren nutzt Verdampfen und Kondensieren zur Stofftrennung? (Destillation) (!Filtration) (!Sieben) (!Magnettrennung)
Was beschleunigt die Verdunstung von Wasser meist? (Eine größere Oberfläche) (!Eine höhere Luftfeuchtigkeit) (!Eine kleinere Oberfläche) (!Vollständig ruhende gesättigte Luft)
Welche Formel beschreibt die Verdampfungswärme einer Masse? (Q gleich m mal L) (!Q gleich m durch L) (!Q gleich L durch m) (!Q gleich m plus L)
Memory
| Verdampfen | Flüssig wird gasförmig |
| Kondensieren | Gasförmig wird flüssig |
| Verdunstung | Phasenübergang an der Oberfläche |
| Sieden | Dampfblasen in der Flüssigkeit |
| Verdunstungskälte | Abkühlung durch Energieentzug |
| Siedepunkt | Druckabhängige Übergangstemperatur |
| Destillation | Trennen durch Verdampfen und Kondensieren |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Beschreibung |
|---|---|
| Verdunstung | Flüssigkeitsteilchen verlassen die Oberfläche |
| Sieden | Dampfblasen entstehen im gesamten Flüssigkeitsvolumen |
| Kondensation | Gas wird zu einer Flüssigkeit |
| Verdunstungskälte | Die zurückbleibende Flüssigkeit kühlt ab |
| Destillation | Stofftrennung durch zwei entgegengesetzte Phasenübergänge |
Kreuzworträtsel
| Verdampfen | Wie heißt der Übergang von flüssig zu gasförmig? |
| Kondensation | Wie heißt der Übergang von gasförmig zu flüssig? |
| Siedepunkt | Wie heißt die druckabhängige Temperatur des Siedens? |
| Verdunstung | Wie heißt das Verdampfen an einer Flüssigkeitsoberfläche? |
| Teilchen | Woraus bestehen Stoffe im einfachen Modell? |
| Destillation | Welches Trennverfahren nutzt Verdampfen und Kondensieren? |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Alltagsbeobachtung: Finde drei Beispiele für Verdampfen oder Kondensieren in Deinem Alltag und fotografiere oder skizziere sie.
- Begriffsplakat: Gestalte ein kleines Plakat mit den Begriffen Verdampfen, Verdunsten, Sieden und Kondensieren.
- Fensterexperiment: Beobachte unter Aufsicht eine kalte Scheibe in feuchter Luft und beschreibe die entstehenden Tropfen.
- Erklärvideo: Erstelle ein einminütiges Video, das den Unterschied zwischen Verdunstung und Sieden erklärt.
Standard
- Verdunstungsversuch: Vergleiche die Trocknungszeit gleicher Wassermengen auf einer flachen und einer tiefen Unterlage.
- Temperaturmessung: Untersuche mit einem feuchten Tuch am Thermometer die Verdunstungskälte und protokolliere den Temperaturverlauf.
- Teilchenmodell: Zeichne eine Bildfolge, die Verdampfen und Kondensieren auf Teilchenebene zeigt.
- Wetterbericht: Erkläre in einem selbst gestalteten Wetterbericht, wie Verdunstung und Kondensation zur Wolkenbildung beitragen.
Schwer
- Messreihe: Plane eine Untersuchung zum Einfluss von Luftbewegung auf die Verdunstungsrate und werte Messdaten grafisch aus.
- Energiebilanz: Berechne für verschiedene Wassermassen die benötigte Verdampfungsenergie und vergleiche die Ergebnisse.
- Destillationsmodell: Entwirf ein sicheres Modell einer Destillation ohne offene Flamme und erläutere jeden Bestandteil.
- Forschungsinterview: Befrage eine Fachperson aus Meteorologie, Klimatechnik oder Verfahrenstechnik zur praktischen Bedeutung der Kondensation.


Lernkontrolle
- Teilchenmodell anwenden: Erkläre mit dem Teilchenmodell, warum eine Pfütze auch an einem kühlen Tag langsam verschwindet.
- Phänomen deuten: Begründe, warum sich außen an einem kalten Getränk Wassertropfen bilden, obwohl das Gefäß dicht ist.
- Druck vergleichen: Erkläre, wie sich eine Reise in große Höhe auf die Siedetemperatur von Wasser und auf das Kochen auswirkt.
- Energie übertragen: Vergleiche die Energieaufnahme beim Verdampfen mit der Energieabgabe beim Kondensieren.
- Versuch planen: Entwickle einen fairen Versuch, mit dem der Einfluss der Oberfläche auf die Verdunstung geprüft wird.
- Technik bewerten: Erkläre, warum ein Kühler für eine Destillation notwendig ist, und beurteile Folgen einer unzureichenden Kühlung.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis solltest Du:
- die Richtungen der Phasenübergänge korrekt darstellen,
- Verdunstung und Sieden sicher unterscheiden,
- Verdampfen und Kondensieren mit dem Teilchenmodell erklären,
- Energieaufnahme und Energieabgabe zuordnen,
- die Formel in einfachen Aufgaben anwenden,
- den Einfluss von Temperatur, Oberfläche, Luftbewegung, Luftfeuchtigkeit und Druck erläutern,
- Beobachtungen aus Alltag, Wetter oder Technik fachsprachlich auswerten,
- Sicherheitsregeln bei Experimenten mit heißen Flüssigkeiten beachten.
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