Der griechische Tempel - Kunst


Der griechische Tempel - Kunst
Der griechische Tempel - Kunst

Zielgruppe: Schule, besonders Sekundarstufe I Fach: Kunst, Architektur, Geschichte Thema: Aufbau, Gestaltung und Wirkung des griechischen Tempels
Einleitung
Der griechische Tempel war das Haus einer Gottheit. Im Inneren stand meist ein Kultbild. Opfer und Feste fanden überwiegend draußen am Altar statt. Tempel waren deshalb zugleich religiöse Orte, Kunstwerke und sichtbare Zeichen einer Polis.
Du lernst, einen Tempel zu beschreiben, Bauteile zu benennen, Säulenordnungen zu unterscheiden und die Wirkung von Form, Farbe und Proportion zu erklären.

Lernziele
- Aufbau: Du erkennst Grundriss, Säulen, Gebälk und Giebel.
- Stil: Du unterscheidest dorische, ionische und korinthische Formen.
- Analyse: Du beschreibst Rhythmus, Proportion, Farbe und Schmuck.
- Einordnung: Du verbindest Tempel mit Religion, Gesellschaft und Nachwirkung.
Der Tempel als Baukunst
Frühe Tempel bestanden teilweise aus Holz und Lehmziegeln. Später wurden Kalkstein und Marmor wichtig. Das Dach trug meist Ziegel aus gebranntem Ton. Die Bauteile folgten klaren Regeln, doch kein Tempel war bloß eine starre Kopie.
Der Bau stand erhöht und war von weitem sichtbar. Säulenreihen, Licht und Schatten erzeugten einen regelmäßigen Rhythmus. Beim Umrunden veränderte sich der Blick ständig.

Der Tempel des Hephaistos zeigt den umlaufenden Säulenkranz besonders deutlich.
Grundriss und Räume

- Krepis: Mehrstufiger Unterbau des Tempels.
- Stylobat: Oberste Stufe, auf der die Säulen stehen.
- Pronaos: Vorhalle vor dem Hauptraum.
- Naos: Kernbau des Tempels; die Cella ist der Hauptraum mit dem Kultbild.
- Opisthodom: Rückhalle, meist ohne direkten Zugang zur Cella.
- Peristasis: Umlaufender Säulenkranz.
- Altar: Ort der Opferhandlungen außerhalb des Tempels.
Aufbau der Fassade

Von unten nach oben gliedert sich der Bau in Stufenbau, Säulen und Gebälk. Eine Säule besteht aus Schaft und Kapitell, je nach Ordnung auch aus einer Basis. Über den Säulen liegen Architrav, Fries und Geison. Das flache Satteldach bildet an den Schmalseiten einen dreieckigen Giebel. Figuren oder Ornamente konnten den Giebel und die Akroterien schmücken.
Wichtige Tempeltypen
- Antentempel: Die Seitenwände ragen vor; dazwischen stehen meist zwei Säulen.
- Prostylos: Eine Säulenreihe steht vor der Front.
- Amphiprostylos: Säulenreihen stehen vor Vorder- und Rückseite.
- Peripteros: Ein Säulenkranz umgibt den Kernbau.
- Dipteros: Zwei Säulenkränze umgeben den Kernbau.
Der Peripteros wurde zu einer besonders bekannten Form des griechischen Tempels.
Die drei Säulenordnungen

| Ordnung | Erkennungsmerkmale | Wirkung |
|---|---|---|
| Dorische Ordnung | Meist ohne Basis, kräftiger Schaft, schlichtes Kapitell, Fries aus Triglyphen und Metopen | Stabil, streng, rhythmisch |
| Ionische Ordnung | Basis, schlanker Schaft, Voluten am Kapitell, häufig durchlaufender Fries | Leicht, fein, bewegt |
| Korinthische Ordnung | Basis, schlanker Schaft, Kapitell mit Akanthusblättern | Schmuckreich, elegant, repräsentativ |
Dorische Ordnung
Die dorische Ordnung wirkt klar und kräftig. Typisch ist der Wechsel von Triglyphen und Metopen im Fries. Metopen konnten Reliefs mit Göttern, Kämpfen oder Heldensagen tragen.

Ionische Ordnung
Die ionische Ordnung besitzt eine Basis. Am Kapitell sitzen spiralförmige Voluten. Der Fries kann als langes, zusammenhängendes Bildband gestaltet sein.

Korinthische Ordnung
Die korinthische Ordnung erkennt man an den Blättern des Akanthus am Kapitell. Sie entstand später als die dorische und ionische Ordnung und wurde besonders in der römischen Architektur verbreitet.

Gestaltungsmittel
Rhythmus und Proportion
Wiederholte Säulen erzeugen Rhythmus. Höhe, Abstand und Durchmesser stehen in einem geplanten Verhältnis. Dadurch wirkt der Tempel geordnet, obwohl er aus vielen Teilen besteht.
Optische Verfeinerungen
Griechische Baumeister veränderten gerade Linien manchmal leicht. Eine sanfte Wölbung des Stylobats, eine geringe Neigung der Säulen oder die Entasis des Schafts konnten den Bau lebendig und ausgeglichen erscheinen lassen. Diese Abweichungen sind bewusst gestaltet.

Farbe und Bildschmuck
Antike Tempel waren nicht einfach weiß. Architekturteile und Skulpturen konnten kräftig bemalt sein. Rot, Blau, Schwarz, Weiß und weitere Farbtöne gliederten den Bau und machten Figuren besser sichtbar. Diese Polychromie ist heute meist nur in Spuren erhalten.

Giebel, Friese und Metopen erzählten oft Mythen. Architektur und Bildhauerei bildeten gemeinsam ein Bedeutungsprogramm.
Bedeutende Beispiele
Parthenon
Der Parthenon auf der Athener Akropolis ist ein dorischer Peripteros. Er war Athena Parthenos geweiht. Dorische Außenformen werden mit einem ionischen Figurenfries verbunden. Der Bau zeigt besonders deutlich das Zusammenspiel von Proportion, Rhythmus und optischen Verfeinerungen.

Erechtheion
Das Erechtheion besitzt einen ungewöhnlichen, an den Ort angepassten Grundriss. Berühmt ist die Korenhalle: Weibliche Figuren tragen als Karyatiden das Gebälk.

Tempel der Athena Nike
Der Tempel der Athena Nike ist klein und ionisch. Seine Lage auf einer Bastion macht ihn trotz seiner geringen Größe weithin sichtbar.

Tempel des Hephaistos
Der Tempel des Hephaistos in Athen ist ein gut erhaltener dorischer Peripteros. An ihm lassen sich Säulenkranz, Gebälk und Giebel leicht untersuchen.
Olympieion
Das Olympieion in Athen besitzt monumentale korinthische Säulen. Der Bau wurde in griechischer Zeit begonnen und erst in römischer Zeit vollendet.
Wirkung bis heute
Die Formen griechischer Tempel wurden in der römischen Architektur, der Renaissance und besonders im Klassizismus neu verwendet. Säulenportiken an Museen, Parlamenten oder Gerichten sollen häufig Würde, Ordnung und Dauer vermitteln.
Beim Vergleich ist wichtig: Ein moderner Bau mit Säulen ist kein antiker Tempel. Er übernimmt einzelne Formen und gibt ihnen eine neue Funktion.

Auch die Erhaltung antiker Tempel ist eine Gestaltungsfrage: Restaurierungen sollen sichern und verständlich machen, ohne die Geschichte des Bauwerks zu verdecken.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Welche Hauptaufgabe hatte der griechische Tempel? (Er beherbergte meist das Kultbild einer Gottheit) (!Er war vor allem ein überdachter Marktplatz) (!Er war die Wohnung aller Bürger) (!Er war ausschließlich ein Theater)
Wie heißt der zentrale Kernbau eines griechischen Tempels? (Naos) (!Agora) (!Stadion) (!Theater)
Wie heißt die Vorhalle vor dem Naos? (Pronaos) (!Opisthodom) (!Peristasis) (!Akroterion)
Welches Merkmal ist typisch für die dorische Ordnung? (Triglyphen und Metopen im Fries) (!Voluten an jedem Giebel) (!Akanthusblätter am Stylobat) (!Ein runder Grundriss)
Woran erkennt man ein ionisches Kapitell besonders leicht? (An seinen Voluten) (!An seinen Zinnen) (!An seinen Spitzbögen) (!An seinen Wasserspeiern)
Welches Motiv prägt das korinthische Kapitell? (Akanthusblätter) (!Triglyphen) (!Karyatiden) (!Rosettenfenster)
Wie heißt der umlaufende Säulenkranz? (Peristasis) (!Cella) (!Krepis) (!Architrav)
Was bedeutet Polychromie bei antiker Architektur? (Mehrfarbige Gestaltung) (!Bau aus nur einem Stein) (!Völliger Verzicht auf Schmuck) (!Ausschließliche Verwendung von Gold)
Was bezeichnet Entasis? (Eine leichte Schwellung des Säulenschafts) (!Eine Treppe zum Altar) (!Eine Öffnung im Giebel) (!Eine Figur auf dem Dach)
An welchem Bau sind die berühmten Karyatiden zu sehen? (Am Erechtheion) (!Am Olympieion) (!Am Theater von Epidauros) (!Am Stadion von Olympia)
Memory
| Naos | Kernbau mit Kultbildraum |
| Pronaos | Vorhalle |
| Opisthodom | Rückhalle |
| Peristasis | Umlaufender Säulenkranz |
| Stylobat | Oberste Stufe des Tempelunterbaus |
| Volute | Spirale am ionischen Kapitell |
| Triglyphe | Gegliedertes Element des dorischen Frieses |
| Akroterion | Schmuck an Giebelspitze oder Giebelecke |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Funktion oder Merkmal |
|---|---|
| Krepis | Mehrstufiger Unterbau |
| Cella | Hauptraum mit Kultbild |
| Architrav | Unterster waagerechter Teil des Gebälks |
| Metope | Bildfeld im dorischen Fries |
| Volute | Spiralförmiger Schmuck des ionischen Kapitells |
| Karyatide | Weibliche Figur als tragende Stütze |
Kreuzworträtsel
| Kapitell | Wie heißt der obere Abschluss einer Säule? |
| Stylobat | Wie heißt die oberste Stufe unter den Säulen? |
| Pronaos | Wie heißt die Vorhalle des Tempels? |
| Volute | Wie heißt die Spirale am ionischen Kapitell? |
| Metope | Wie heißt das Bildfeld im dorischen Fries? |
| Entasis | Wie heißt die leichte Schwellung des Säulenschafts? |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Architekturzeichnung: Zeichne die Front eines Tempels und beschrifte Säule, Kapitell, Architrav, Fries und Giebel.
- Säulenordnung: Gestalte drei kleine Kapitelle und betone die Unterschiede zwischen dorisch, ionisch und korinthisch.
- Farbrekonstruktion: Koloriere die Kopie einer Tempelfassade und begründe Deine Farbauswahl.
- Bildbeschreibung: Beschreibe ein Tempelfoto mit den Begriffen Rhythmus, Symmetrie, Licht und Schatten.
Standard
- Modellbau: Baue aus Karton einen einfachen Antentempel oder Peripteros.
- Vergleich: Vergleiche Parthenon und Erechtheion in einer übersichtlichen Bildtafel.
- Fotoprojekt: Suche in Deiner Umgebung Säulen oder Giebel und dokumentiere ihre Wirkung.
- Storyboard: Entwickle eine kurze Bildergeschichte über den Weg einer Prozession zum Tempel.
Schwer
- Architekturanalyse: Untersuche, wie der Parthenon dorische und ionische Elemente verbindet.
- Ausstellungskonzept: Plane eine Schulausstellung mit dem Titel Tempel waren bunt.
- Rekonstruktion: Entwirf digital oder auf Papier einen Tempel für eine erfundene Gottheit und erkläre jede Formentscheidung.
- Debatte: Diskutiere Chancen und Grenzen von Restaurierung, Rekonstruktion und Erhaltung antiker Ruinen.


Lernkontrolle
- Funktionsanalyse: Erkläre, warum ein Tempel als Haus der Gottheit verstanden wurde, obwohl zentrale Rituale häufig draußen stattfanden.
- Form und Wirkung: Zeige an zwei Bauteilen, wie Wiederholung und Proportion einen geordneten Gesamteindruck erzeugen.
- Stilvergleich: Ordne zwei unbekannte Kapitelle einer Säulenordnung zu und begründe Deine Entscheidung mit sichtbaren Merkmalen.
- Bildprogramm: Entwirf für einen Giebel ein mythologisches Thema und erkläre, warum es zur gewählten Gottheit passt.
- Transfer: Analysiere ein modernes Gebäude mit Säulen und erläutere, welche antiken Formen übernommen und welche verändert wurden.
- Denkmalpflege: Entwickle Kriterien für eine verantwortungsvolle Restaurierung eines beschädigten Tempels.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis solltest Du zeigen, dass Du:
- zentrale Bauteile im Grundriss und an der Fassade richtig benennen kannst,
- dorische, ionische und korinthische Ordnung an Merkmalen unterscheidest,
- Rhythmus, Proportion, Farbe und Bildschmuck beschreiben kannst,
- mindestens zwei Tempelbeispiele kunstgeschichtlich einordnest,
- Form, Funktion und religiösen Zusammenhang erklärst,
- antike Formen auf moderne Architektur übertragen und kritisch vergleichen kannst.
OERs zum Thema
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- Wikimedia Commons: Antike griechische Tempel
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- Griechischer Tempel
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