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Die COVID-19-Pandemie als Zeitgeschichte - Geschichte

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Die COVID-19-Pandemie als Zeitgeschichte - Geschichte




Die COVID-19-Pandemie als Zeitgeschichte - Geschichte

Studienfach: Geschichte Schwerpunkt: Zeitgeschichte, Globalgeschichte, Politische Geschichte, Sozialgeschichte, Alltagsgeschichte, Mediengeschichte und Geschichtskultur Niveau: gymnasiale Oberstufe, Ausbildung und Studium Leitfrage: Wie lässt sich ein Ereignis historisieren, das viele Menschen selbst erlebt haben, dessen Folgen fortwirken und dessen Deutung weiterhin umstritten ist?


Einleitung

Die COVID-19-Pandemie war zugleich eine globale Gesundheitskrise, ein politischer Ausnahmezustand, eine wirtschaftliche Erschütterung, ein Beschleuniger der Digitalisierung, eine Erfahrung sozialer Ungleichheit und ein einschneidendes Ereignis des Alltags. Für die Geschichtswissenschaft ist sie besonders interessant, weil zwischen Erleben, Erinnern, Dokumentieren und historischem Deuten kaum zeitlicher Abstand liegt.

Der Erreger SARS-CoV-2 und die durch ihn verursachte Krankheit COVID-19 sind nicht identisch: SARS-CoV-2 bezeichnet das Virus, COVID-19 die Erkrankung. Ende Dezember 2019 wurde die Weltgesundheitsorganisation über eine Häufung ungewöhnlicher Lungenentzündungen in Wuhan informiert. Am 30. Januar 2020 erklärte die WHO eine gesundheitliche Notlage internationaler Tragweite. Am 11. März 2020 charakterisierte sie die weltweite Ausbreitung als Pandemie.[1][2]

Am 5. Mai 2023 beendete die WHO die Einstufung von COVID-19 als gesundheitliche Notlage internationaler Tragweite. Das war nicht gleichbedeutend mit der Aussage, das Virus oder alle Folgen der Pandemie seien verschwunden. Die WHO betonte ausdrücklich, dass COVID-19 weiterhin eine globale Gesundheitsbedrohung darstelle.[3][4]

Dieser aiMOOC behandelt die Pandemie nicht als medizinischen Ratgeber, sondern als Gegenstand der historischen Analyse. Du untersuchst Primärquellen, vergleichst Perspektiven, prüfst Statistiken, entwickelst Periodisierungen und reflektierst, wie aus erlebter Gegenwart Zeitgeschichte wird.


Lernziele

Nach der Bearbeitung kannst Du:

  1. Zeitgeschichte: erklären, warum die COVID-19-Pandemie ein Gegenstand der Zeitgeschichte ist.
  2. Chronologie: zentrale globale und deutsche Entwicklungen zwischen 2019 und 2023 zeitlich einordnen.
  3. Periodisierung: verschiedene Phasenmodelle begründen und kritisch vergleichen.
  4. Quellenkritik: Verordnungen, Statistiken, Fotografien, Videos, Interviews und digitale Datenquellen methodisch prüfen.
  5. Multiperspektivität: Erfahrungen unterschiedlicher sozialer Gruppen vergleichen.
  6. Historische Urteilskompetenz: die Pandemie als Zäsur, Beschleuniger oder Brennglas bestehender Entwicklungen beurteilen.
  7. Geschichtskultur: Formen des Erinnerns, Sammelns, Archivierens und öffentlichen Aufarbeitens analysieren.
  8. Transfer: Schlussfolgerungen für die Erforschung zukünftiger Krisen entwickeln.


Warum ist die Pandemie Zeitgeschichte?

Zeitgeschichte untersucht die jüngste Vergangenheit, deren Akteurinnen und Akteure teilweise noch leben und deren Folgen in die Gegenwart hineinreichen. Bei der COVID-19-Pandemie trifft dies in besonderem Maß zu. Viele Forschende, Lernende und Zeitzeuginnen und Zeitzeugen waren selbst betroffen. Dadurch entstehen besondere Chancen und Probleme.

Einerseits gibt es eine außergewöhnlich dichte Überlieferung: Gesetze, Pressekonferenzen, Dashboards, Podcasts, Videokonferenzen, Messenger-Nachrichten, Tagebücher, Fotos, Impfbescheinigungen, Warnhinweise, Unterrichtsplattformen und soziale Medien. Andererseits kann gerade die Masse der Quellen historische Erkenntnis erschweren. Digitale Inhalte können gelöscht, verändert, aus ihrem Kontext gelöst oder algorithmisch unsichtbar werden.

Zeitgeschichte verlangt deshalb eine reflektierte Nähe zum Gegenstand. Eigene Erinnerungen sind wertvoll, aber keine neutralen Abbilder der Vergangenheit. Sie müssen ebenso kritisch behandelt werden wie staatliche Dokumente, Statistiken oder Medienberichte.

Das Video regt dazu an, zwischen individuellem Erinnern, öffentlicher Erinnerung und späterer historischer Deutung zu unterscheiden.


Gegenwartserfahrung und historische Distanz

Historische Distanz entsteht nicht nur durch das Verstreichen von Zeit. Sie entsteht auch durch Methoden: durch Vergleich, Kontextualisierung, Quellenkritik, Begriffsarbeit und die Bereitschaft, widersprüchliche Erfahrungen nebeneinander auszuhalten.

Wer die Pandemie selbst erlebt hat, bringt Vorwissen, Emotionen und Wertungen mit. Diese Perspektive soll nicht verdrängt, sondern offengelegt werden. In einer wissenschaftlichen Arbeit könntest Du daher zwischen drei Ebenen unterscheiden:

  1. Erfahrung: Was habe ich oder haben andere erlebt?
  2. Erinnerung: Wie wird dieses Erleben später erzählt und geordnet?
  3. Geschichte: Wie werden Aussagen durch Quellen, Vergleiche und Forschung überprüft?


Begriffe und Abgrenzungen

Epidemie bezeichnet ein zeitlich und räumlich gehäuftes Auftreten einer Krankheit. Eine Pandemie beschreibt eine länder- und kontinentübergreifende Ausbreitung. Die Bezeichnung sagt zunächst nichts darüber aus, wie gefährlich eine Krankheit für jede einzelne Person ist.

Gesundheitliche Notlage internationaler Tragweite ist ein Begriff der Internationalen Gesundheitsvorschriften. Die englische Abkürzung lautet PHEIC. Diese rechtliche und institutionelle Einstufung ist von der allgemeineren Charakterisierung als Pandemie zu unterscheiden.

Lockdown war ein weit verbreiteter, aber unscharfer Sammelbegriff für staatliche Einschränkungen des öffentlichen Lebens. Historisch präziser ist es, die jeweils konkrete Maßnahme zu benennen, etwa Kontaktbeschränkung, Betriebsschließung, Ausgangsbeschränkung, Schulschließung oder Einreisebeschränkung.

Inzidenz bezeichnet im Pandemiegebrauch häufig die Zahl neu gemeldeter Fälle innerhalb eines bestimmten Zeitraums bezogen auf eine Bevölkerungsgröße. Eine Inzidenz ist keine unmittelbare Abbildung des gesamten Infektionsgeschehens, weil sie unter anderem von Testverhalten, Meldewegen und Falldefinitionen abhängt.

Übersterblichkeit vergleicht beobachtete Todesfälle mit einer statistisch erwarteten Zahl. Auch dieser Indikator muss kontextualisiert werden, weil Altersstruktur, Hitzewellen, Grippewellen und andere Faktoren die Sterblichkeit beeinflussen können.

Long COVID und das Post-COVID-Syndrom bezeichnen länger anhaltende gesundheitliche Folgen nach einer Infektion. Historisch sind sie wichtig, weil das Ende einer akuten Notlage nicht mit dem Ende individueller und gesellschaftlicher Folgen zusammenfällt.


Globale Chronologie

Die Karte zeigt gemeldete Fälle am 15. März 2020. Als historische Quelle dokumentiert sie nicht nur Ausbreitung, sondern auch den damaligen Wissensstand. Sie darf nicht wie eine endgültige Bilanz gelesen werden.

Zeitraum Entwicklung Historische Bedeutung
Ende Dezember 2019 Meldungen über ungewöhnliche Lungenentzündungen in Wuhan werden international bekannt. Beginn einer globalen Beobachtungs- und Deutungsphase.
Januar 2020 Das Virus wird identifiziert, internationale Fälle werden gemeldet, am 30. Januar erklärt die WHO eine gesundheitliche Notlage internationaler Tragweite. Nationale Gesundheitssysteme werden Teil einer internationalen Krisenkoordination.
11. März 2020 Die WHO charakterisiert COVID-19 als Pandemie. Die Krise wird weltweit als historischer Ausnahmezustand wahrgenommen.
Frühjahr 2020 Staaten führen Reisebeschränkungen, Quarantänen, Kontaktbeschränkungen und Betriebsschließungen ein. Mobilität, Handel, Bildung und Alltag werden gleichzeitig in vielen Weltregionen verändert.
2020 Wissenschaftliche Erkenntnisse, Testmöglichkeiten und Behandlungsstrategien entwickeln sich unter hohem Zeitdruck. Forschung wird in ungewöhnlicher Geschwindigkeit öffentlich beobachtet und politisch genutzt.
Ende 2020 und 2021 Impfkampagnen beginnen, zugleich zeigen sich weltweit starke Unterschiede beim Zugang zu Impfstoffen. Globale Ungleichheit wird zu einem zentralen Thema der Pandemiegeschichte.
2021 und 2022 Varianten wie Delta und Omikron verändern Dynamik, Schutzstrategien und öffentliche Debatten. Die Pandemie erscheint als Prozess mit wechselnden Phasen statt als einzelnes Ereignis.
5. Mai 2023 Die WHO beendet die gesundheitliche Notlage internationaler Tragweite. Übergang von globalem Notstandsmanagement zu längerfristigem Umgang mit COVID-19.


Eine globale, aber ungleich erlebte Krise

Die Pandemie war global, aber nicht überall gleich. Staaten unterschieden sich bei Altersstruktur, Gesundheitssystem, Datenqualität, politischer Ordnung, wirtschaftlichen Ressourcen und Zugang zu Impfstoffen. Auch innerhalb von Gesellschaften waren Risiken ungleich verteilt.

Menschen in beengten Wohnungen, Pflegeberufen, Krankenhäusern, Logistik, Einzelhandel oder öffentlichem Verkehr konnten Kontakte oft weniger reduzieren als Personen mit Homeoffice-Möglichkeiten. Grenzschließungen trafen Pendelnde, Migrantinnen und Migranten sowie transnationale Familien besonders. Unterrichtsausfälle wirkten sich je nach technischer Ausstattung, Wohnsituation und Unterstützungsangebot unterschiedlich aus.

Die Karte kann für einen Ländervergleich genutzt werden. Historisch problematisch ist jedoch, dass bestätigte Todesfälle von Testsystemen, Definitionen, Meldestrukturen und staatlichen Kapazitäten abhängen. Ein Kartenbild erzeugt Übersicht, kann aber Unsicherheit verdecken.


Die Pandemie in Deutschland: Chronologie und Phasen

Am 27. Januar 2020 wurde der erste bestätigte COVID-19-Fall in Deutschland gemeldet. Das frühe Ausbruchsgeschehen stand unter anderem mit einem Unternehmen in Bayern in Verbindung. Wenige Wochen später weitete sich das Infektionsgeschehen stark aus.[5]

Datum oder Phase Ereignis Einordnung
27. Januar 2020 Erster bestätigter Fall in Deutschland. Übergang von internationaler Beobachtung zu nationaler Betroffenheit.
Mitte März 2020 Schulen, Hochschulen, Kulturstätten, Geschäfte und Grenzen werden in unterschiedlicher Form geschlossen oder beschränkt. Beginn tiefgreifender Eingriffe in Alltag, Bildung und Wirtschaft.
22. März 2020 Bund und Länder vereinbaren weitreichende Kontaktbeschränkungen. Krisenpolitik wird stark durch Abstimmungen zwischen Bund und Ländern geprägt.[6]
April 2020 In allen Ländern werden Maskenpflichten in bestimmten öffentlichen Bereichen eingeführt. Masken werden zu Alltagsgegenständen, politischen Symbolen und materiellen Quellen der Pandemie.
16. Juni 2020 Die Corona-Warn-App wird veröffentlicht. Digitaler Infektionsschutz verbindet Technik, Datenschutz und freiwillige Mitwirkung.
2. November 2020 Ein erneuter Teil-Lockdown beginnt. Freizeit, Gastronomie und Kultur werden besonders eingeschränkt; Schulen bleiben zunächst geöffnet.
16. Dezember 2020 Verschärfte Schließungen treten in Kraft. Die zweite Welle führt zu einer erneuten starken Reduktion des öffentlichen Lebens.
27. Dezember 2020 Die Impfkampagne beginnt in Deutschland. Impfstoffe verändern Schutzmöglichkeiten, Hoffnungen und politische Konflikte.
23. April 2021 Die sogenannte Bundesnotbremse tritt in Kraft. Bundesweit festgelegte Schwellenwerte begrenzen zeitweise den Spielraum der Länder.
Herbst und Winter 2021 Delta-Welle, 3G- und 2G-Regelungen sowie Debatten über eine allgemeine Impfpflicht prägen die Öffentlichkeit. Fragen nach Solidarität, Freiheit und Zugang werden verschärft.
Winter 2021 und 2022 Omikron führt zu sehr hohen Fallzahlen. Die Bedeutung von Fallzahlen, Immunität, Krankheitsschwere und Belastung des Gesundheitswesens wird neu gewichtet.
7. April 2023 Die letzten bundesweiten pandemiebezogenen Schutzvorgaben des Infektionsschutzgesetzes laufen aus. Institutioneller Übergang aus dem besonderen Krisenmodus.
5. Mai 2023 Ende der gesundheitlichen Notlage internationaler Tragweite durch die WHO. Wichtige internationale Zäsur, aber kein Ende aller gesundheitlichen und gesellschaftlichen Folgen.

Das Robert Koch-Institut archiviert tägliche und wöchentliche Lageberichte. Für Historikerinnen und Historiker sind diese Berichte serielle Quellen: Sie ermöglichen die Untersuchung von Begriffen, Kennzahlen, Unsicherheiten und Veränderungen der Lagebewertung.[7]


Phasenmodelle als historische Konstruktion

Eine Periodisierung ist keine neutrale Kopie der Vergangenheit. Sie hängt von der Forschungsfrage ab. Ein epidemiologisches Phasenmodell orientiert sich an Infektionswellen. Ein politisches Modell untersucht Verordnungen und Gesetzesänderungen. Ein alltagsgeschichtliches Modell könnte zwischen Schock, Anpassung, Ermüdung und Normalisierung unterscheiden.

Ein mögliches historisches Phasenmodell lautet:

  1. Vorphase: Dezember 2019 bis Januar 2020 – Beobachtung, frühe Warnungen und begrenzte nationale Vorbereitung.
  2. Schockphase: Februar bis Mai 2020 – schnelle Ausbreitung, Kontaktbeschränkungen und Stillstand vieler öffentlicher Bereiche.
  3. Anpassungsphase: Sommer bis Herbst 2020 – Hygienekonzepte, digitale Ersatzformen und vorsichtige Öffnungen.
  4. Verdichtete Krisenphase: Winter 2020 bis Frühjahr 2021 – hohe Sterblichkeit, erneute Schließungen und Impfstart.
  5. Impf-, Varianten- und Konfliktphase: 2021 bis Anfang 2022 – Impfkampagne, Delta, Omikron und zugespitzte gesellschaftliche Auseinandersetzungen.
  6. Übergangsphase: 2022 bis Frühjahr 2023 – schrittweiser Abbau allgemeiner Maßnahmen und Übergang zu längerfristigem Umgang mit COVID-19.
  7. Aufarbeitungsphase: seit 2023 – wissenschaftliche Evaluation, politische Kontroversen, Erinnerung und Archivierung.

Diese Einteilung ist diskutierbar. Für Pflegeeinrichtungen, Schulen, Kulturbetriebe, Familien oder Menschen mit Long COVID können ganz andere Zäsuren entscheidend sein.


Staat, Recht und Demokratie

Die Bundesrepublik reagierte im Rahmen des Infektionsschutzgesetzes. Zuständigkeiten lagen bei Bund, Ländern, Kommunen und Gesundheitsämtern. Dadurch wurde der Föderalismus zugleich als Stärke und Schwäche wahrgenommen: Regionale Anpassungen waren möglich, aber Regeln konnten unübersichtlich und uneinheitlich wirken.

Die Pandemie zwang politische Institutionen zu Entscheidungen unter Unsicherheit. Regierungen mussten Risiken bewerten, ohne vollständiges Wissen zu besitzen. Parlamente änderten Gesetze teilweise in kurzer Zeit. Gerichte überprüften Eingriffe in Grundrechte, darunter Bewegungsfreiheit, Berufsfreiheit, Religionsfreiheit, Versammlungsfreiheit und das Recht auf Bildung.

Das Bundesverfassungsgericht bestätigte 2021 zentrale Teile der sogenannten Bundesnotbremse, betonte aber zugleich die Schwere der Grundrechtseingriffe und die Pflicht zur Verhältnismäßigkeit.[8] Historisch ist daher nicht nur zu fragen, ob eine Maßnahme wirksam war. Ebenso wichtig sind Rechtsgrundlage, Entscheidungsprozess, Alternativen, zeitliche Begrenzung, soziale Folgen und öffentliche Begründung.


Quellenbeispiel: Verordnung und Pressekonferenz

Eine Verordnung zeigt, was rechtlich gelten sollte. Eine Pressekonferenz zeigt, wie politische Entscheidungen begründet und öffentlich vermittelt wurden. Beide Quellen haben unterschiedliche Funktionen.

Bei einer Verordnung solltest Du prüfen:

  1. Autorenschaft: Welche Institution hat sie erlassen?
  2. Rechtsgrundlage: Auf welches Gesetz stützt sie sich?
  3. Geltungsbereich: Für wen, wo und wie lange galt sie?
  4. Begrifflichkeit: Welche Gruppen und Tätigkeiten wurden definiert?
  5. Veränderung: Wann wurde sie ergänzt, gelockert oder aufgehoben?

Bei einer Pressekonferenz solltest Du zusätzlich auf Sprache, Inszenierung, Auswahl der Kennzahlen, angesprochene Zielgruppen und strategische Botschaften achten.


Alltag, Gesellschaft und Ungleichheit

Die fast menschenleere Berliner Allee ist eine visuelle Quelle des ersten Lockdowns. Sie zeigt Leere, aber nicht automatisch deren Ursache, Dauer oder soziale Bedeutung. Erst Bildunterschrift, Aufnahmedatum, Ort und Vergleichsaufnahmen ermöglichen eine belastbare Interpretation.

Der Alltag veränderte sich durch Abstand, Masken, abgesagte Feiern, eingeschränkte Besuche, Homeoffice, Kurzarbeit, Quarantäne, digitale Lehre und die Sorge vor Ansteckung. Zugleich entstanden neue Formen der Solidarität: Nachbarschaftshilfe, Einkaufshilfen, Applaus für Beschäftigte im Gesundheitswesen, lokale Hilfsfonds und ehrenamtliche Initiativen.

Hinweisschilder sind typische Sach- und Bildquellen der Pandemie. Sie dokumentieren, wie Regeln in den öffentlichen Raum übersetzt wurden.

Maskenpflichten prägten nicht nur Gesundheitsschutz, sondern auch Sprache, Stadtbild und soziale Interaktion. Für eine alltagsgeschichtliche Analyse kannst Du untersuchen, wann, wo und mit welcher Begründung solche Schilder aufgestellt wurden.


Soziale Ungleichheit

Die häufig verwendete Formel, das Virus treffe alle gleich, war historisch unzureichend. Zwar konnte sich grundsätzlich jede Person infizieren, doch Risiken und Ressourcen waren ungleich verteilt.

Wer über Wohnraum, Rücklagen, digitale Geräte, sichere Beschäftigung und Homeoffice verfügte, konnte manche Belastungen leichter bewältigen. Beschäftigte in Pflege, Medizin, Reinigung, Verkehr, Produktion, Logistik und Einzelhandel blieben häufig vor Ort tätig. Der Begriff Systemrelevanz machte gesellschaftlich notwendige Arbeit sichtbar, führte aber nicht automatisch zu dauerhafter materieller Aufwertung.

Geschlecht, Alter, Behinderung, Herkunft, Aufenthaltsstatus, Einkommen und Wohnort beeinflussten Erfahrungen. Historisch wichtig ist deshalb, Durchschnittswerte nicht mit Gleichheit zu verwechseln.


Familie, Generationen und Einsamkeit

Kontaktbeschränkungen veränderten Familienleben und Generationenbeziehungen. Pflegeheime und Krankenhäuser beschränkten Besuche. Hochzeiten, Beerdigungen und Geburtstage fanden unter besonderen Bedingungen statt. Kinder und Jugendliche erlebten Schulschließungen, digitale Lernformen und den Wegfall sozialer Räume. Alleinlebende und ältere Menschen konnten besonders von Isolation betroffen sein.

Für die Zeitgeschichte ist zu beachten, dass dieselbe Maßnahme gegensätzlich erlebt werden konnte: als Schutz, als Belastung, als notwendiger Kompromiss oder als unangemessener Eingriff.


Bildung und Hochschule

Schul- und Hochschulschließungen machten Bildung zu einem zentralen Konfliktfeld. Unterricht wurde teilweise in sehr kurzer Zeit digitalisiert. Lehrkräfte, Lernende und Eltern mussten neue Plattformen, Aufgabenformate und Kommunikationswege nutzen.

Dabei wurden ältere Probleme sichtbar: ungleiche technische Ausstattung, fehlende Endgeräte, instabile Netze, unterschiedliche digitale Kompetenzen und die Abhängigkeit von familiärer Unterstützung. Die Pandemie war daher nicht nur Ursache neuer Probleme, sondern auch ein Brennglas bestehender Strukturen.

Für die Universitätsgeschichte sind digitale Seminare, abgesagte Exkursionen, geschlossene Archive, eingeschränkte Bibliotheken und neue Online-Angebote wichtige Themen. Die Pandemie beschleunigte digitale Lehrformen und den Zugang zu digitalisierten Quellen, zeigte aber zugleich die Grenzen rein digitaler Wissenschaft.


Wirtschaft, Arbeit und Kultur

Das deutsche Bruttoinlandsprodukt sank 2020 preisbereinigt um 5,0 Prozent. Besonders stark betroffen waren unter anderem Teile des Dienstleistungssektors, der Kultur, des Tourismus und der Gastronomie.[9]

Kurzarbeit, staatliche Hilfen und veränderte Insolvenzregeln sollten wirtschaftliche Schäden begrenzen. Gleichzeitig profitierten einzelne Branchen, etwa Teile des Onlinehandels, der Softwarewirtschaft und der Lieferdienste. Die Krise veränderte Arbeitsorganisation, Konsum und Mobilität.

Kulturstätten schlossen, Veranstaltungen wurden abgesagt oder digital übertragen. Musikerinnen, Schauspieler, freie Kulturschaffende und technische Beschäftigte verloren Aufträge. Zugleich entstanden neue Streamingformate, Balkonkonzerte und digitale Museumsangebote. Historisch lässt sich daran untersuchen, welche Tätigkeiten politisch und gesellschaftlich als notwendig, ersetzbar oder verzichtbar galten.


Wissenschaft, Expertise und Unsicherheit

Während der Pandemie wurden wissenschaftliche Begriffe Teil des Alltags: Reproduktionszahl, Inzidenz, Aerosol, Variante, Impfwirksamkeit, Modellierung und Herdenimmunität. Forschende traten häufiger in Talkshows, Podcasts und Pressekonferenzen auf.

Wissenschaft arbeitet jedoch mit vorläufigem Wissen. Neue Daten können frühere Annahmen korrigieren. Solche Korrekturen sind kein Beweis für Beliebigkeit, sondern Teil wissenschaftlicher Erkenntnis. Problematisch wird es, wenn vorläufige Ergebnisse als endgültige Gewissheiten präsentiert oder Unsicherheiten verschwiegen werden.

Für die historische Analyse solltest Du zwischen wissenschaftlichem Befund, politischer Entscheidung und medialer Darstellung unterscheiden. Politik kann sich auf Wissenschaft stützen, muss aber zusätzlich rechtliche, soziale, wirtschaftliche und ethische Güter abwägen.


Digitalisierung und Datenpolitik

Die Corona-Warn-App war ein digitales Instrument zur Kontaktnachverfolgung. Ihre Entwicklung wurde von Debatten über Datenschutz, Freiwilligkeit, technische Wirksamkeit und digitale Teilhabe begleitet. Als offene Software hinterließ sie Quellcode, Dokumentationen, Bildschirmansichten und öffentliche Diskussionen.

Dashboards des Robert Koch-Instituts, der Johns-Hopkins-Universität und anderer Einrichtungen machten Infektionsdaten täglich sichtbar. Sie prägten die Wahrnehmung der Krise durch Karten, Kurven, Farben und Schwellenwerte. Historikerinnen und Historiker müssen untersuchen, welche Daten dargestellt, welche Unsicherheiten ausgeblendet und welche Handlungen durch Visualisierungen nahegelegt wurden.

Ein Dashboard ist nicht nur ein Behälter neutraler Zahlen. Es ist eine gestaltete Quelle. Auswahl, Maßstab, Farbe, Aktualisierungszeit und technische Definition beeinflussen die Interpretation.


Impfkampagne und gesellschaftlicher Konflikt

Am 27. Dezember 2020 begannen in Deutschland die COVID-19-Impfungen. Zunächst wurden besonders gefährdete und exponierte Gruppen priorisiert. Impfzentren, mobile Teams, Hausarztpraxen und lokale Aktionen prägten die Kampagne.

Die zeitweise schwierige Terminvergabe ist eine digitale Alltagsquelle. Sie verweist auf Knappheit, Priorisierung, Verwaltung und ungleiche digitale Zugänge.

Der Impfausweis wurde zu einem Dokument, das medizinische Information, Zugangsvoraussetzung und politische Debatte verband.

Regionale Impfquoten wurden häufig verglichen. Historisch muss geprüft werden, welche Altersgruppen, Stichtage und Definitionen einer solchen Karte zugrunde liegen.

Impfungen reduzierten das Risiko schwerer Verläufe, konnten Infektionen aber nicht vollständig verhindern. Politische Debatten drehten sich um Priorisierung, Zugang, Nebenwirkungen, Zertifikate, 3G- und 2G-Regeln sowie eine mögliche allgemeine Impfpflicht. Der Bundestag beschloss 2022 keine allgemeine Impfpflicht.

Die Impfdebatte zeigt, wie medizinische, rechtliche und moralische Argumente ineinandergreifen. Historische Analyse sollte weder individuelle Motive vereinfachen noch falsche Tatsachenbehauptungen ungeprüft übernehmen.


Protest, Desinformation und Öffentlichkeit

Seit 2020 fanden Proteste gegen staatliche Maßnahmen statt. Die Teilnehmenden waren heterogen. Neben Menschen mit konkreter Kritik an einzelnen Regelungen traten verschwörungsideologische, antisemitische, rechtsextreme und staatsfeindliche Deutungen auf. Gegendemonstrationen widersprachen diesen Positionen.

Historisch ist zwischen legitimer Kritik, überprüfbarer Falschaussage und Verschwörungserzählung zu unterscheiden. Kritik an einer Maßnahme ist nicht automatisch demokratiefeindlich. Umgekehrt wird eine Behauptung nicht dadurch wahr, dass sie als Kritik formuliert ist.

Soziale Medien beschleunigten die Verbreitung von Informationen, Gerüchten und emotionalen Bildern. Plattformen strukturierten Aufmerksamkeit durch Algorithmen. Screenshots, gelöschte Beiträge und weitergeleitete Nachrichten stellen Archive vor neue Herausforderungen.


Quellenkritik bei Social-Media-Beiträgen

Prüfe bei einem Beitrag:

  1. Urheber: Wer hat den Beitrag erstellt oder weiterverbreitet?
  2. Zeitpunkt: Wann wurde er veröffentlicht und bezieht er sich tatsächlich auf diesen Zeitpunkt?
  3. Kontext: Ist ein Bild vollständig oder aus einem anderen Zusammenhang übernommen?
  4. Beleg: Wird eine überprüfbare Quelle genannt?
  5. Reichweite: Ist die sichtbare Zahl von Reaktionen aussagekräftig oder technisch beeinflusst?
  6. Intention: Soll informiert, mobilisiert, provoziert, verkauft oder verunsichert werden?
  7. Überlieferung: Ist der Beitrag im Original erhalten oder nur als Screenshot?


Erinnerungskultur und Aufarbeitung

Pandemische Erinnerung entsteht in Familien, Medien, Museen, Parlamenten, Wissenschaft und sozialen Netzwerken. Gesammelt werden Masken, Schilder, Tests, Impfpässe, Tagebücher, Kinderzeichnungen, Fotos, Apps und Protestmaterialien.

Welche Objekte in ein Museum gelangen, ist eine historische Entscheidung. Ein Archiv, das nur staatliche Dokumente sammelt, bildet andere Erfahrungen ab als eines, das Pflegekräfte, Schülerinnen, Selbstständige, Hinterbliebene oder Menschen mit Long COVID einbezieht.

Gedenkformen stehen vor besonderen Herausforderungen. Die Zahl der Betroffenen ist groß, Todesfälle und Leid wurden aber oft statistisch vermittelt. Persönliche Trauer fand teilweise unter Kontaktbeschränkungen statt. Ein historisch verantwortliches Erinnern muss individuelle Erfahrungen sichtbar machen, ohne sie gegeneinander auszuspielen.

Eine Dokumentation zur Aufarbeitung ist selbst eine Quelle ihrer Entstehungszeit. Prüfe Auswahl, Dramaturgie, Interviewpartner, Belege und nachträgliche Deutungsmuster.


Zäsur, Beschleuniger oder Brennglas?

Ob die Pandemie eine Zäsur war, hängt vom untersuchten Bereich ab.

Als Zäsur kann sie gelten, weil Grenzen, Schulen, Kulturstätten und Betriebe in kurzer Zeit geschlossen wurden, Grundrechte stark eingeschränkt waren und der Alltag weltweit verändert wurde.

Als Beschleuniger wirkte sie bei Homeoffice, Videokonferenzen, digitalem Unterricht, Onlinehandel und digitaler Verwaltung. Viele Entwicklungen hatten bereits vorher begonnen.

Als Brennglas machte sie bestehende Probleme sichtbar: Personalmangel in Pflege und Gesundheitsämtern, Bildungsungleichheit, prekäre Beschäftigung, globale Abhängigkeiten und digitale Defizite.

Eine differenzierte historische These kann mehrere Deutungen verbinden: Die Pandemie war eine kurzfristige Zäsur im Alltag, ein Beschleuniger der Digitalisierung und ein Brennglas sozialer Ungleichheit.


Historische Quellen zur Pandemie

Quellenart Beispiele Erkenntnischancen Grenzen
Normative Quelle Gesetze, Verordnungen, Gerichtsurteile Rekonstruktion von Regeln, Zuständigkeiten und rechtlichen Konflikten Zeigt nicht automatisch Umsetzung oder Alltagserfahrung
Statistische Quelle Fallzahlen, Sterbefälle, Intensivbelegung, Impfquoten Analyse zeitlicher und regionaler Entwicklungen Abhängig von Definition, Testung, Meldung und Datenrevision
Audiovisuelle Quelle Pressekonferenzen, Nachrichtensendungen, Podcasts, Videos Sprache, Inszenierung und öffentliche Kommunikation Auswahl und Schnitt können Wahrnehmung lenken
Ego-Dokument Tagebuch, Brief, Chat, persönlicher Blog Zugang zu individuellen Erfahrungen und Emotionen Nicht repräsentativ; Erinnerung und Selbstdarstellung wirken mit
Oral History Interviews mit Pflegekräften, Lernenden, Angehörigen oder Selbstständigen Nachträgliche Deutung und biografische Verarbeitung Erinnerungen verändern sich; Interviewführung beeinflusst Antworten
Sachquelle Maske, Testkit, Abstandsschild, Impfausweis Materielle Kultur und Alltagspraxis Bedeutung erschließt sich erst durch Kontext
Digitale Quelle App, Dashboard, Quellcode, Social-Media-Beitrag Digitale Infrastruktur und Datenkultur Flüchtigkeit, Updates, Plattformabhängigkeit und fehlende Archivierung
Bildquelle leere Straßen, Impfzentrum, Demonstration Sichtbarkeit von Raum, Körpern, Symbolen und Inszenierung Bildausschnitt und Bildunterschrift können täuschen


Leitfaden zur Quellenkritik

Eine vollständige Quellenanalyse kann in sechs Schritten erfolgen:

  1. Beschreibung: Was ist ohne Deutung erkennbar?
  2. Äußere Quellenkritik: Wer erstellte die Quelle wann, wo und in welchem Medium?
  3. Innere Quellenkritik: Welche Begriffe, Aussagen, Auslassungen und Wertungen enthält sie?
  4. Kontextualisierung: In welcher politischen, sozialen und epidemiologischen Situation entstand sie?
  5. Vergleich: Welche anderen Quellen bestätigen, ergänzen oder widersprechen?
  6. Urteil: Welche Frage kann die Quelle beantworten und welche nicht?


Fallstudie: Ein historisches Pandemiearchiv entwerfen

Stell Dir vor, ein Stadtmuseum möchte das Jahr 2020 dokumentieren. Es kann nur zwanzig Objekte übernehmen. Eine rein politische Sammlung könnte Verordnungen, Reden und Wahlplakate enthalten. Eine alltagsgeschichtliche Sammlung würde vielleicht Masken, Einkaufslisten, Schulaufgaben und Fotos auswählen. Eine sozialgeschichtliche Sammlung müsste verschiedene Berufe, Altersgruppen und Wohnlagen berücksichtigen.

Ein verantwortliches Archiv sollte Auswahlkriterien offenlegen. Es sollte Datenschutz und Persönlichkeitsrechte beachten, digitale Dateiformate langfristig sichern und Minderheiten nicht nur als Randgruppen dokumentieren.

Mögliche Auswahlkriterien sind historische Aussagekraft, soziale Vielfalt, lokale Bedeutung, Erhaltungsfähigkeit, rechtliche Nutzbarkeit und die Möglichkeit, ein Objekt mit einer dokumentierten Geschichte zu verbinden.


Kontroversen der Forschung

Zur historischen Bewertung gehören offene Debatten:

  1. Verhältnismäßigkeit: Welche Maßnahmen waren zu welchem Zeitpunkt angemessen?
  2. Föderalismus: Waren regionale Unterschiede lernfördernd oder verwirrend?
  3. Schulschließung: Wie wurden Infektionsschutz und Recht auf Bildung abgewogen?
  4. Pflegepolitik: Welche strukturellen Probleme wurden sichtbar und welche Reformen folgten?
  5. Datenpolitik: Welche Kennzahlen dominierten Entscheidungen und Öffentlichkeit?
  6. Impfpolitik: Wie wurden Freiwilligkeit, Zugang, Solidarität und Einschränkungen verbunden?
  7. Globale Gerechtigkeit: Wie ungleich waren Impfstoffe, Schutzmaterialien und medizinische Ressourcen verteilt?
  8. Aufarbeitung: Wer bestimmt Themen, Zeiträume, Quellen und Maßstäbe einer Bilanz?

Gute historische Urteile vermeiden einfache Schuldzuweisungen. Sie unterscheiden den damaligen Wissensstand von späterem Wissen und fragen zugleich, welche Alternativen bereits damals erkennbar waren.


Quellen und Literaturhinweise

  1. Robert Koch-Institut: Archiv der täglichen und wöchentlichen COVID-19-Lageberichte.
  2. Weltgesundheitsorganisation: Chronologie der internationalen Reaktion und Erklärungen von 2020 und 2023.
  3. Deutscher Bundestag: Plenarprotokolle, Gesetze und wissenschaftliche Ausarbeitungen zum Infektionsschutzgesetz.
  4. Bundesverfassungsgericht: Entscheidungen zu Ausgangs-, Kontakt- und Schulbeschränkungen.
  5. Statistisches Bundesamt: Daten zu Wirtschaft, Bevölkerung, Bildung und Sterblichkeit.
  6. Bundeszentrale für politische Bildung: Dossiers und Beiträge zu Gesellschaft, Recht, Wirtschaft und Erinnerung.
  7. Oral History: Zeitzeugeninterviews als Ergänzung amtlicher und statistischer Überlieferung.
  8. Wikimedia Commons: frei zugängliche Bild- und Sachquellen zur materiellen Kultur der Pandemie.


Einzelnachweise


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Warum gehört die COVID-19-Pandemie zur Zeitgeschichte? (Weil ihre Akteure und Folgen noch in die Gegenwart hineinreichen) (!Weil Zeitgeschichte nur medizinische Themen behandelt) (!Weil zu ihr keine schriftlichen Quellen existieren) (!Weil historische Distanz Methoden überflüssig macht)




Was erklärte die WHO am 30. Januar 2020? (Eine gesundheitliche Notlage internationaler Tragweite) (!Das vollständige Ende der Pandemie) (!Eine weltweite Impfpflicht) (!Die Auflösung nationaler Gesundheitssysteme)




Was geschah am 11. März 2020? (Die WHO charakterisierte COVID-19 als Pandemie) (!Deutschland beendete alle Schutzmaßnahmen) (!Die erste COVID-19-Impfung wurde in Deutschland verabreicht) (!Die Bundesnotbremse trat in Kraft)




Was bedeutete die WHO-Entscheidung vom 5. Mai 2023? (Die gesundheitliche Notlage internationaler Tragweite wurde beendet) (!SARS-CoV-2 war weltweit verschwunden) (!Alle gesundheitlichen Folgen waren beendet) (!Alle Staaten mussten ihre Archive schließen)




Welche Quelle zeigt am unmittelbarsten, welche Regeln rechtlich gelten sollten? (Eine staatliche Verordnung) (!Ein privates Urlaubsfoto) (!Ein Roman ohne Pandemiebezug) (!Eine anonyme Werbeanzeige)




Warum muss ein Pandemie-Dashboard quellenkritisch geprüft werden? (Weil Auswahl und Darstellung von Daten die Wahrnehmung beeinflussen) (!Weil Zahlen grundsätzlich keine historischen Quellen sind) (!Weil digitale Quellen immer gefälscht sind) (!Weil Karten keine Ortsangaben enthalten können)




Was kennzeichnete den deutschen Föderalismus in der Pandemie? (Bund, Länder und Kommunen teilten sich Zuständigkeiten) (!Nur Gemeinden durften Gesetze beschließen) (!Die Länder wurden vollständig abgeschafft) (!Gerichte hatten keine Kontrollfunktion)




Welche historische Bedeutung hatte der Impfstart Ende 2020? (Er veränderte Schutzmöglichkeiten und politische Debatten) (!Er beendete sofort jede Infektion) (!Er machte Krankenhäuser überflüssig) (!Er schaffte alle sozialen Unterschiede ab)




Welche Deutung verbindet bestehende Probleme mit ihrer Sichtbarkeit in der Krise? (Die Pandemie als Brennglas) (!Die Pandemie als quellenlose Epoche) (!Die Pandemie als mittelalterlicher Konflikt) (!Die Pandemie als ausschließlich lokales Ereignis)




Was ist bei einem Oral-History-Interview besonders zu beachten? (Erinnerung und Interviewführung beeinflussen die Erzählung) (!Interviews sind immer objektiver als Statistiken) (!Zeitzeugen können sich niemals irren) (!Ein Interview benötigt keinen historischen Kontext)





Memory

Pandemie Weltweite Ausbreitung einer Krankheit
PHEIC Gesundheitliche Notlage internationaler Tragweite
Quellenkritik Prüfung von Entstehung, Perspektive und Zweck
Oral History Historische Interviews mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen
Übersterblichkeit Todesfälle oberhalb eines statistisch erwarteten Niveaus
Föderalismus Geteilte Zuständigkeiten von Bund und Ländern
Dashboard Digital aktualisierte Darstellung von Daten
Erinnerungskultur Gesellschaftlicher Umgang mit gedeuteter Vergangenheit





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Historische Bedeutung
WHO-Charakterisierung Globale Wahrnehmung von COVID-19 als Pandemie
Kontaktbeschränkung Tiefgreifende Veränderung sozialer Begegnungen
Corona-Warn-App Verbindung von Infektionsschutz und digitaler Datenpolitik
Impfbeginn Neue Schutzoption und Beginn einer breiten gesellschaftlichen Debatte
Bundesnotbremse Zeitweise Vereinheitlichung von Schwellenwerten auf Bundesebene
Omikron-Welle Sehr hohe Fallzahlen und veränderte Risikobewertung
PHEIC-Ende Ende des globalen Notstandsstatus ohne Verschwinden des Virus






Kreuzworträtsel

Pandemie Wie heißt die weltweite Ausbreitung einer Infektionskrankheit?
Inzidenz Welche Kennzahl erfasst neue Fälle in einer Bevölkerung innerhalb eines Zeitraums?
Lockdown Welcher unscharfe Sammelbegriff bezeichnet starke Einschränkungen des öffentlichen Lebens?
Impfung Welche medizinische Präventionsmaßnahme begann in Deutschland Ende Dezember 2020?
Quellenkritik Wie heißt die methodische Prüfung von Herkunft, Absicht und Aussagewert einer Quelle?
Föderalismus Welches politische Prinzip verteilt Zuständigkeiten auf Bund und Länder?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Die durch SARS-CoV-2 verursachte Erkrankung heißt

. Die WHO erklärte am 30. Januar 2020 eine gesundheitliche Notlage von

Tragweite. Am 11. März 2020 charakterisierte die WHO die weltweite Ausbreitung als

. Der erste bestätigte Fall in Deutschland wurde im Januar

gemeldet. Bund und Länder vereinbarten im März 2020 weitreichende

. Digitale Fallzahlen wurden häufig in einem

dargestellt. Die Prüfung von Herkunft und Aussagewert einer Quelle heißt

. Interviews mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen gehören zur

. Die Impfkampagne begann in Deutschland im Dezember

. Die Pandemie machte bestehende soziale

sichtbar. Eine Einteilung historischer Entwicklungen in Abschnitte heißt

. Am 5. Mai 2023 endete die gesundheitliche Notlage internationaler

.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Pandemiebegriff: Erkläre auf einer Seite den Unterschied zwischen Virus, Krankheit, Epidemie, Pandemie und gesundheitlicher Notlage internationaler Tragweite.
  2. Pandemieobjekt: Wähle einen Alltagsgegenstand aus der Pandemiezeit und verfasse einen musealen Objekttext mit Herkunft, Nutzung und historischer Bedeutung.
  3. Bildanalyse: Analysiere eines der Kursbilder mit Beschreibung, Entstehungskontext, Perspektive und Aussagegrenzen.
  4. Zeitleiste: Gestalte eine Zeitleiste mit zehn Ereignissen und ordne jedem Ereignis eine politische, soziale oder kulturelle Bedeutung zu.


Standard

  1. Zeitzeugeninterview: Führe ein Interview mit einer Person aus zwei unterschiedlichen Lebensbereichen durch, dokumentiere Deine Fragen und reflektiere den Einfluss der Erinnerung.
  2. Quellenvergleich: Vergleiche eine staatliche Pressekonferenz mit einem privaten Tagebucheintrag oder Social-Media-Beitrag aus derselben Phase.
  3. Lokale Pandemiegeschichte: Recherchiere, wie Schule, Hochschule, Museum, Verein oder Betrieb an Deinem Ort auf die Pandemie reagierte.
  4. Statistikkritik: Untersuche eine historische Karte oder Kurve und erkläre Definitionen, Datenlücken, Darstellungsentscheidungen und mögliche Fehlinterpretationen.


Schwer

  1. Periodisierungsdebatte: Entwickle zwei unterschiedliche Phasenmodelle der Pandemie und verteidige, welches für eine geschichtswissenschaftliche Fragestellung geeigneter ist.
  2. Pandemiearchiv: Konzipiere ein digitales oder analoges Archiv mit Auswahlkriterien, Metadaten, Datenschutzregeln und einer Strategie zur langfristigen Sicherung.
  3. Vergleichende Pandemiegeschichte: Vergleiche Deutschland mit einem anderen Staat und untersuche politische Strukturen, Maßnahmen, öffentliche Kommunikation und soziale Folgen.
  4. Historisches Erklärvideo: Produziere ein quellenbasiertes Video zur These, die Pandemie sei zugleich Zäsur, Beschleuniger und Brennglas gewesen.




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Lernkontrolle

  1. Entscheiden unter Unsicherheit: Rekonstruiere anhand zweier Quellen, welche Informationen zu einem konkreten Zeitpunkt verfügbar waren, und bewerte eine damalige Entscheidung ohne späteres Wissen unzulässig vorwegzunehmen.
  2. Föderalismus im Krisenmodus: Entwickle Kriterien, mit denen sich regionale Anpassungsfähigkeit und bundesweite Einheitlichkeit gegeneinander abwägen lassen.
  3. Soziale Ungleichheit: Vergleiche die Auswirkungen derselben Maßnahme auf eine Pflegekraft, einen Studierenden, eine selbstständige Musikerin und einen Rentner.
  4. Digitale Quellenkritik: Entwirf ein Verfahren, mit dem ein Pandemie-Dashboard so archiviert wird, dass spätere Datenänderungen nachvollziehbar bleiben.
  5. Zäsurthese: Formuliere eine begründete These dazu, in welchem Lebensbereich die Pandemie eine Zäsur war und in welchem sie eher bestehende Entwicklungen beschleunigte.
  6. Erinnerungspolitik: Plane eine Gedenk- oder Museumsausstellung, die Todesfälle, Pflegearbeit, Protest, Bildung, Wissenschaft und Long COVID multiperspektivisch berücksichtigt.
  7. Historischer Vergleich: Übertrage die im Kurs entwickelten Kriterien auf eine andere Pandemie und benenne Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Grenzen des Vergleichs.




Lernnachweis

Für einen überzeugenden Lernnachweis sind wichtig:

  1. Fragestellung: eine präzise historische Frage statt einer bloßen Themenbeschreibung.
  2. Chronologie: sichere Einordnung zentraler Ereignisse und Phasen.
  3. Quellenbasis: Verwendung mehrerer unterschiedlicher Quellenarten.
  4. Quellenkritik: Prüfung von Autorenschaft, Entstehung, Zweck, Kontext und Aussagegrenzen.
  5. Multiperspektivität: Berücksichtigung unterschiedlicher sozialer Gruppen und Erfahrungen.
  6. Kontextualisierung: Verbindung von Gesundheit, Politik, Recht, Wirtschaft, Bildung, Kultur und Digitalisierung.
  7. Historisches Urteil: nachvollziehbare Abwägung statt pauschaler Zustimmung oder Ablehnung.
  8. Gegenwartsbezug: reflektierte Unterscheidung zwischen eigener Erinnerung und wissenschaftlicher Analyse.
  9. Transparenz: Kennzeichnung von Unsicherheiten, Datenrevisionen und offenen Forschungsfragen.
  10. Darstellung: klare Sprache, korrekte Belege und logisch aufgebaute Argumentation.




OERs zum Thema



Verknüpfte Lernbereiche

Die COVID-19-Pandemie verbindet mehrere geschichtswissenschaftliche und gesellschaftliche Lernbereiche. Sie lässt sich nur verstehen, wenn politische Entscheidungen, soziale Erfahrungen, wissenschaftliches Wissen, digitale Medien und Formen der Erinnerung gemeinsam untersucht werden.


aiMOOC-Projekte





Schulfach+

Prüfungsliteratur 2026
Bundesland Bücher Kurzbeschreibung
Baden-Württemberg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Mittlere Reife

  1. Der Markisenmann - Jan Weiler oder Als die Welt uns gehörte - Liz Kessler
  2. Ein Schatten wie ein Leopard - Myron Levoy oder Pampa Blues - Rolf Lappert

Abitur Dorfrichter-Komödie über Wahrheit/Schuld; Roman über einen Ort und deutsche Geschichte. Mittlere Reife Wahllektüren (Roadtrip-Vater-Sohn / Jugendroman im NS-Kontext / Coming-of-age / Provinzroman).

Bayern

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Lustspiel über Machtmissbrauch und Recht; Roman als Zeitschnitt deutscher Geschichte an einem Haus/Grundstück.

Berlin/Brandenburg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Der Biberpelz - Gerhart Hauptmann
  4. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Gerichtskomödie; soziales Drama um Ausbeutung/Armut; Komödie/Satire um Diebstahl und Obrigkeit; Roman über Erinnerungsräume und Umbrüche.

Bremen

Abitur

  1. Nach Mitternacht - Irmgard Keun
  2. Mario und der Zauberer - Thomas Mann
  3. Emilia Galotti - Gotthold Ephraim Lessing oder Miss Sara Sampson - Gotthold Ephraim Lessing

Abitur Roman in der NS-Zeit (Alltag, Anpassung, Angst); Novelle über Verführung/Massenpsychologie; bürgerliche Trauerspiele (Moral, Macht, Stand).

Hamburg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun

Abitur Justiz-/Machtkritik als Komödie; Großstadtroman der Weimarer Zeit (Rollenbilder, Aufstiegsträume, soziale Realität).

Hessen

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  4. Der Prozess - Franz Kafka

Abitur Gerichtskomödie; Fragmentdrama über Gewalt/Entmenschlichung; Erinnerungsroman über deutsche Brüche; moderner Roman über Schuld, Macht und Bürokratie.

Niedersachsen

Abitur

  1. Der zerbrochene Krug - Heinrich von Kleist
  2. Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun
  3. Die Marquise von O. - Heinrich von Kleist
  4. Über das Marionettentheater - Heinrich von Kleist

Abitur Schwerpunkt auf Drama/Roman sowie Kleist-Prosatext und Essay (Ehre, Gewalt, Unschuld; Ästhetik/„Anmut“).

Nordrhein-Westfalen

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Komödie über Wahrheit und Autorität; Roman als literarische „Geschichtsschichtung“ an einem Ort.

Saarland

Abitur

  1. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  2. Furor - Lutz Hübner und Sarah Nemitz
  3. Bahnwärter Thiel - Gerhart Hauptmann

Abitur Erinnerungsroman an einem Ort; zeitgenössisches Drama über Eskalation/Populismus; naturalistische Novelle (Pflicht/Überforderung/Abgrund).

Sachsen (berufliches Gymnasium)

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Irrungen, Wirrungen - Theodor Fontane
  4. Der gute Mensch von Sezuan - Bertolt Brecht
  5. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  6. Der Trafikant - Robert Seethaler

Abitur Mischung aus Klassiker-Drama, sozialem Drama, realistischem Roman, epischem Theater und Gegenwarts-/Erinnerungsroman; zusätzlich Coming-of-age im historischen Kontext.

Sachsen-Anhalt

Abitur

  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Themenfelder)

Abitur Schwerpunktsetzung über Themenfelder (u. a. Literatur um 1900; Sprache in politisch-gesellschaftlichen Kontexten), ohne feste Einzeltitel.

Schleswig-Holstein

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Recht/Gerechtigkeit und historische Tiefenschichten eines Ortes – umgesetzt über Drama und Gegenwartsroman.

Thüringen

Abitur

  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool)

Abitur In der Praxis häufig Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool; landesweite Einzeltitel je nach Vorgabe/Handreichung nicht einheitlich ausgewiesen.

Mecklenburg-Vorpommern

Abitur

  1. (Quelle aktuell technisch nicht abrufbar; Beteiligung am gemeinsamen Aufgabenpool bekannt)

Abitur Land beteiligt sich am länderübergreifenden Aufgabenpool; konkrete, veröffentlichte Einzeltitel konnten hier nicht ausgelesen werden.

Rheinland-Pfalz

Abitur

  1. (keine landesweit einheitliche Pflichtlektüre; schulische Auswahl)

Abitur Keine landesweite Einheitsliste; Auswahl kann schul-/kursbezogen erfolgen.




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THE MONKEY DANCE




The Monkey DanceaiMOOCs

  1. Trust Me It's True: #Verschwörungstheorie #FakeNews
  2. Gregor Samsa Is You: #Kafka #Verwandlung
  3. Who Owns Who: #Musk #Geld
  4. Lump: #Trump #Manipulation
  5. Filth Like You: #Konsum #Heuchelei
  6. Your Poverty Pisses Me Off: #SozialeUngerechtigkeit #Musk
  7. Hello I'm Pump: #Trump #Kapitalismus
  8. Monkey Dance Party: #Lebensfreude
  9. God Hates You Too: #Religionsfanatiker
  10. You You You: #Klimawandel #Klimaleugner
  11. Monkey Free: #Konformität #Macht #Kontrolle
  12. Pure Blood: #Rassismus
  13. Monkey World: #Chaos #Illusion #Manipulation
  14. Uh Uh Uh Poor You: #Kafka #BerichtAkademie #Doppelmoral
  15. The Monkey Dance Song: #Gesellschaftskritik
  16. Will You Be Mine: #Love
  17. Arbeitsheft
  18. And Thanks for Your Meat: #AntiFactoryFarming #AnimalRights #MeatIndustry


© The Monkey Dance on Spotify, YouTube, Amazon, MOOCit, Deezer, ...



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