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Die Gründung der Bundesrepublik Deutschland - Geschichte

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Die Gründung der Bundesrepublik Deutschland - Geschichte




Die Gründung der Bundesrepublik Deutschland - Geschichte

Studienfach Geschichte
Thematischer Schwerpunkt Deutsche Nachkriegsgeschichte, Staatsgründung, Grundgesetz, Parlamentarischer Rat, Kalter Krieg
Niveau Studium, gymnasiale Oberstufe, politische und historische Bildung
Leitfrage Wie entstand 1948/49 unter den Bedingungen von Besatzung, deutscher Teilung und beginnendem Kalten Krieg eine neue parlamentarische Demokratie?


Einleitung

Die Gründung der Bundesrepublik Deutschland war kein einzelner, plötzlich eintretender Akt. Sie war ein mehrjähriger Prozess, der vom Ende des Zweiten Weltkriegs über die alliierte Besatzung, den wachsenden Ost-West-Konflikt, die wirtschaftliche Zusammenfassung der westlichen Besatzungszonen und die Beratungen über eine neue staatliche Ordnung bis zur Verkündung des Grundgesetzes am 23. Mai 1949 führte. Auch danach war die Staatsgründung institutionell noch nicht abgeschlossen: Erst die erste Bundestagswahl, die Konstituierung von Bundestag und Bundesrat, die Wahl von Theodor Heuss zum Bundespräsidenten und von Konrad Adenauer zum Bundeskanzler machten die neue staatliche Ordnung politisch handlungsfähig.

Der aiMOOC untersucht die Entstehung der Bundesrepublik nicht als zwangsläufige Erfolgsgeschichte. Du analysierst vielmehr, welche Handlungsspielräume die westlichen Alliierten, die deutschen Länder, Parteien, politischen Eliten und gesellschaftlichen Gruppen besaßen. Dabei geht es auch um Spannungen: zwischen demokratischem Neubeginn und personellen Kontinuitäten, zwischen staatlicher Eigenständigkeit und alliierter Kontrolle, zwischen dem Anspruch auf deutsche Einheit und der tatsächlichen Gründung eines westdeutschen Teilstaates sowie zwischen dem Gleichheitsversprechen des Grundgesetzes und gesellschaftlicher Ungleichheit.

Das Studium dieses Themas ermöglicht Dir, Ereignisgeschichte, Verfassungsgeschichte, Politikgeschichte, Sozialgeschichte, Geschlechtergeschichte, Wirtschaftsgeschichte und Erinnerungskultur miteinander zu verbinden. Zugleich lernst Du, Gründungsnarrative kritisch zu prüfen und historische Quellen nach Entstehungssituation, Interessenlage, Adressatenkreis und Wirkung zu befragen.


Lernziele

Nach der Bearbeitung des aiMOOCs kannst Du:

  1. Prozessgeschichte: die wichtigsten Etappen von 1945 bis zur Regierungsbildung im September 1949 chronologisch und kausal einordnen.
  2. Besatzungspolitik: die Bedeutung der vier Besatzungszonen und der unterschiedlichen Interessen der Siegermächte erklären.
  3. Kalter Krieg: die Staatsgründung mit der Verschärfung des Ost-West-Konflikts verbinden.
  4. Verfassungsgeschichte: zentrale Strukturentscheidungen des Grundgesetzes als Reaktion auf Weimarer Republik, Nationalsozialismus und Besatzungserfahrungen analysieren.
  5. Quellenkritik: Verfassungsdokumente, Fotografien, Wahlplakate, Protokolle und politische Reden methodisch untersuchen.
  6. Historiografie: unterschiedliche Deutungen der westdeutschen Staatsgründung vergleichen.
  7. Urteilskompetenz: begründet beurteilen, inwiefern 1949 von Neubeginn, Restauration, Weststaatsgründung oder demokratischer Neuordnung gesprochen werden kann.


Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg


Zusammenbruch, Besatzung und offene Zukunft

Mit der bedingungslosen Kapitulation der deutschen Wehrmacht am 8. Mai 1945 endete der Zweite Weltkrieg in Europa. Das nationalsozialistische Herrschaftssystem war militärisch besiegt, Deutschland weitgehend zerstört und politisch handlungsunfähig. Am 5. Juni 1945 übernahmen die vier Siegermächte Vereinigte Staaten, Sowjetunion, Vereinigtes Königreich und Frankreich die oberste Regierungsgewalt. Deutschland wurde in vier Besatzungszonen, Berlin in vier Sektoren geteilt.

Die Potsdamer Konferenz vom 17. Juli bis 2. August 1945 formulierte Grundlinien der Besatzungspolitik. Dazu gehörten Demilitarisierung, Denazifizierung, Demokratisierung, Dezentralisierung und wirtschaftliche Kontrolle. Diese Ziele wurden jedoch von den Besatzungsmächten unterschiedlich ausgelegt. Zudem verschärften sich die Gegensätze zwischen der Sowjetunion und den westlichen Mächten rasch.

Der Begriff Stunde Null ist für die Situation von 1945 problematisch. Zwar brachen Staat, Diktatur und Kriegswirtschaft zusammen, doch gesellschaftliche Mentalitäten, personelle Netzwerke, Verwaltungserfahrungen, Eigentumsverhältnisse und biografische Belastungen verschwanden nicht. Die spätere Bundesrepublik entstand deshalb gleichzeitig aus einem tiefen politischen Bruch und aus zahlreichen Kontinuitäten.


Gesellschaftliche und wirtschaftliche Notlagen

Die unmittelbare Nachkriegszeit war von Wohnungsnot, zerstörter Infrastruktur, Lebensmittelknappheit, Schwarzmarkt und Versorgungskrisen geprägt. Millionen Geflüchtete und Vertriebene, ausgebombte Familien, ehemalige Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene, Displaced Persons und Überlebende der nationalsozialistischen Verfolgung mussten ihren Alltag neu organisieren.

Politischer Wiederaufbau bedeutete deshalb nicht nur die Gründung von Parteien und Parlamenten. Er war eng mit Fragen sozialer Sicherheit, wirtschaftlicher Ordnung, Eigentumsverteilung, Wohnraumversorgung, Entnazifizierung und gesellschaftlicher Integration verbunden. Die spätere Stabilität der Bundesrepublik kann nicht allein aus dem Verfassungstext erklärt werden; sie hing ebenso von sozialen Lernprozessen, wirtschaftlicher Entwicklung und internationaler Einbindung ab.


Demokratisierung von unten und von oben

Die westlichen Besatzungsmächte erlaubten schrittweise die Bildung von Parteien, Gewerkschaften, Medien und Länderregierungen. Demokratische Strukturen entstanden zunächst auf kommunaler und regionaler Ebene. Neue oder wiedergegründete Parteien wie CDU, CSU, SPD, FDP und weitere politische Gruppierungen entwickelten unterschiedliche Vorstellungen über Wirtschaftsordnung, Föderalismus, soziale Rechte und den künftigen deutschen Staat.

Die Demokratisierung war dabei doppeldeutig. Einerseits eröffneten die Alliierten politische Freiräume und verhinderten zunächst die Wiedererrichtung eines souveränen deutschen Machtstaates. Andererseits blieb die deutsche Politik von Genehmigungen, Lizenzierung, Kontrolle und Vorbehaltsrechten abhängig. Der demokratische Neubeginn vollzog sich somit unter Besatzung.


Der Weg zum westdeutschen Staat


Bizone und Trizone

Am 1. Januar 1947 wurden die amerikanische und die britische Besatzungszone wirtschaftlich zur Bizone zusammengeschlossen. Die Zusammenlegung sollte Versorgung, Verwaltung und wirtschaftlichen Wiederaufbau erleichtern. Mit dem Wirtschaftsrat des Vereinigten Wirtschaftsgebietes entstanden bereits westzonenübergreifende deutsche Institutionen. Die französische Zone wurde 1948/49 schrittweise in die westliche Wirtschafts- und Verwaltungsordnung einbezogen; daraus entwickelte sich die Trizone.

Die Bizone war noch kein Staat. Sie schuf jedoch Verwaltungsstrukturen, politische Erfahrungsräume und wirtschaftliche Verflechtungen, auf denen die spätere Bundesrepublik aufbauen konnte. Zugleich vertiefte die getrennte Entwicklung der westlichen Zonen und der Sowjetischen Besatzungszone die deutsche Teilung.


Marshallplan und Londoner Sechsmächtekonferenz

Mit dem Marshallplan verbanden die Vereinigten Staaten wirtschaftliche Hilfe mit dem Ziel, Westeuropa zu stabilisieren. Die sowjetische Führung lehnte die Teilnahme ihres Machtbereichs ab. Auf der Londoner Sechsmächtekonferenz berieten die drei westlichen Besatzungsmächte und die Benelux-Staaten 1948 über die politische und wirtschaftliche Einbindung Westdeutschlands. Die Empfehlungen zielten auf einen föderalen westdeutschen Staat, seine Beteiligung am europäischen Wiederaufbau und eine internationale Kontrolle des Ruhrgebiets.

Die Weststaatsgründung war damit Teil einer umfassenderen europäischen Neuordnung. Sie sollte wirtschaftliche Stabilität schaffen, demokratische Institutionen ermöglichen und Westdeutschland in den entstehenden westlichen Block integrieren. Gleichzeitig wuchs die Gefahr, dass die Teilung Deutschlands dauerhaft werden könnte.


Währungsreform und wirtschaftliche Weichenstellung

Am 20. Juni 1948 wurde in den drei westlichen Besatzungszonen die Deutsche Mark eingeführt. Die Währungsreform beseitigte den Geldüberhang der Kriegs- und Nachkriegszeit, veränderte Vermögensverhältnisse und schuf eine Grundlage für eine stärker marktwirtschaftlich organisierte Wirtschaftsordnung. Sie war für viele Menschen mit Hoffnungen auf stabile Preise und verfügbare Waren verbunden, führte aber auch zu sozialen Härten und ungleicher Belastung.[1]

Die Währungsreform war nicht nur ein wirtschaftliches Ereignis. Sie nahm die politische Teilung Deutschlands vorweg, da in der Sowjetischen Besatzungszone eine eigene Währungsreform folgte. Geld wurde damit zu einem Symbol konkurrierender Ordnungsmodelle.


Berlin-Blockade und Luftbrücke

Nachdem die westlichen Mächte die neue Währung auch in den Westsektoren Berlins eingeführt hatten, sperrte die Sowjetunion ab dem 24. Juni 1948 die Land- und Wasserwege nach West-Berlin. Die Westmächte reagierten mit der Berliner Luftbrücke. Flugzeuge versorgten die Bevölkerung der Westsektoren mit Lebensmitteln, Kohle und weiteren Gütern. Die Blockade endete am 12. Mai 1949.

Die Berlin-Krise beschleunigte die politische Blockbildung. In Westdeutschland stärkte die Luftbrücke das Vertrauen in die Vereinigten Staaten und die westlichen Alliierten. Zugleich wurde Berlin zu einem Symbol des Ost-West-Konflikts. Die Staatsgründung der Bundesrepublik vollzog sich daher unter dem Eindruck einer akuten internationalen Krise.


Von den Frankfurter Dokumenten zum Verfassungskonvent


Die Frankfurter Dokumente

Am 1. Juli 1948 übergaben die drei westlichen Militärgouverneure den Ministerpräsidenten der westdeutschen Länder die Frankfurter Dokumente. Das erste Dokument forderte die Einberufung einer verfassunggebenden Versammlung und die Schaffung eines föderalen Regierungssystems. Das zweite befasste sich mit einer möglichen Neugliederung der Länder. Das dritte kündigte ein Besatzungsstatut an, das die Zuständigkeiten der künftigen deutschen Organe gegenüber den Vorbehaltsrechten der Alliierten abgrenzen sollte.

Die Dokumente waren zugleich Auftrag und Begrenzung. Die deutschen Politiker erhielten Gestaltungsspielräume, konnten aber nicht frei über Souveränität, Grenzen, Außenpolitik oder die gesamtdeutsche Frage entscheiden. Die Entstehung der Bundesrepublik war deshalb weder eine reine alliierte Gründung noch eine vollständig autonome deutsche Staatsgründung.


Die Rittersturzkonferenz

Vom 8. bis 10. Juli 1948 berieten die westdeutschen Ministerpräsidenten auf dem Rittersturz bei Koblenz über ihre Antwort. Sie akzeptierten den Weg zu einer politischen Ordnung der Westzonen, wollten jedoch den provisorischen Charakter betonen. Statt einer Nationalversammlung sollte ein Parlamentarischer Rat zusammentreten. Statt einer endgültigen Verfassung sollte ein Grundgesetz geschaffen werden.

Diese Wortwahl war politisch bedeutsam. Sie sollte verdeutlichen, dass die westdeutsche Ordnung keine endgültige Teilung Deutschlands legitimieren und keine gesamtdeutsche Verfassung ersetzen sollte. Zugleich begann mit der Annahme des Auftrags faktisch die institutionelle Vorbereitung eines westdeutschen Staates.


Der Verfassungskonvent auf Herrenchiemsee

Vom 10. bis 23. August 1948 tagte im Alten Schloss auf der Insel Herrenchiemsee ein Sachverständigenausschuss der Länder. Der Verfassungskonvent auf Herrenchiemsee erarbeitete einen Entwurf, der dem Parlamentarischen Rat als wichtige Grundlage diente. Die Beratungen waren geprägt von den Erfahrungen des Scheiterns der Weimarer Republik und der nationalsozialistischen Diktatur.

Zu den grundlegenden Überlegungen gehörten der Schutz der Menschenwürde, die rechtliche Bindung staatlicher Gewalt, eine wirksame Gewaltenteilung, ein föderaler Staatsaufbau und eine parlamentarische Regierung, die handlungsfähig sein sollte, ohne autoritär zu werden. Herrenchiemsee war keine demokratisch gewählte Versammlung, sondern ein vorbereitendes Expertengremium. Seine Bedeutung lag in der juristischen und politischen Strukturierung der späteren Verfassungsberatung.


Der Parlamentarische Rat


Zusammensetzung und Arbeitsweise

Am 1. September 1948 trat der Parlamentarische Rat in Bonn zusammen. Die Eröffnungsfeier fand im Museum Koenig statt, die weiteren Beratungen überwiegend in der Pädagogischen Akademie. Die westdeutschen Landtage hatten 65 stimmberechtigte Mitglieder gewählt: 61 Männer und vier Frauen. Zusätzlich nahmen fünf nicht stimmberechtigte Abgeordnete aus West-Berlin beratend teil.[2]

Zum Präsidenten wurde Konrad Adenauer gewählt. Bedeutenden Einfluss auf die inhaltliche Arbeit hatten unter anderem Carlo Schmid, Theodor Heuss, Hermann von Mangoldt, Adolf Süsterhenn, Thomas Dehler, Elisabeth Selbert, Friederike Nadig, Helene Weber und Helene Wessel. Die großen Fraktionen von CDU/CSU und SPD waren nahezu gleich stark. Kompromisse waren daher unvermeidlich.

Der Parlamentarische Rat arbeitete in Ausschüssen, einem Hauptausschuss und im Plenum. Die alliierten Militärgouverneure beobachteten den Prozess, machten Einwände geltend und mussten dem Ergebnis zustimmen. Zugleich handelten die deutschen Mitglieder zentrale Strukturentscheidungen eigenständig aus.


Zentrale Konfliktfelder

Die Beratungen waren keine harmonische Gründungsversammlung. Umstritten waren unter anderem die Verteilung von Zuständigkeiten zwischen Bund und Ländern, die Ausgestaltung der Länderkammer, die Finanzverfassung, die Stellung von Regierung und Parlament, das Verhältnis von Staat und Kirche, das Elternrecht, die soziale Ordnung und der Umfang von Grundrechten.

Besonders intensiv wurde über den Föderalismus gestritten. Die Länder wollten verhindern, dass erneut ein stark zentralisierter Staat entstand. Zugleich benötigte der Bund ausreichende Kompetenzen, um wirtschaftliche, soziale und rechtliche Einheit zu sichern. Der spätere Bundesrat wurde als Vertretung der Landesregierungen ausgestaltet und nicht als direkt gewählter Senat.


Die vier Frauen des Parlamentarischen Rates

Nur vier der 65 stimmberechtigten Mitglieder waren Frauen: Elisabeth Selbert, Friederike Nadig, Helene Weber und Helene Wessel. Ihre geringe Zahl zeigt, wie stark politische Institutionen weiterhin männlich dominiert waren. Dennoch beeinflussten sie zentrale Beratungen.

Elisabeth Selbert setzte sich besonders nachdrücklich für den klaren Satz „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ in Artikel 3 Absatz 2 ein. Der Erfolg beruhte nicht allein auf parlamentarischer Überzeugungsarbeit. Proteste und Eingaben von Frauenverbänden, Gewerkschafterinnen und weiteren gesellschaftlichen Gruppen erhöhten den politischen Druck. Die Entstehung des Gleichberechtigungsartikels zeigt deshalb, dass Verfassungsgeschichte auch Geschlechtergeschichte und Geschichte gesellschaftlicher Mobilisierung ist.[3]


Das Grundgesetz als demokratische Neuordnung


Menschenwürde und bindende Grundrechte

Artikel 1 beginnt mit dem Satz: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Damit rückte das Grundgesetz den Schutz des Menschen an den Anfang der staatlichen Ordnung. Die Grundrechte wurden nicht nur als Programmsätze verstanden. Nach Artikel 1 Absatz 3 binden sie Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht.

Diese Konstruktion reagierte auf die systematische Entrechtung, Verfolgung und Vernichtung im Nationalsozialismus. Dennoch wäre es zu einfach, das Grundgesetz ausschließlich als direkte Gegenverfassung zum Nationalsozialismus zu verstehen. Es knüpfte auch an ältere deutsche und internationale Verfassungstraditionen an, darunter die Paulskirchenverfassung, die Weimarer Reichsverfassung, die Landesverfassungen nach 1945 und die internationale Menschenrechtsentwicklung.


Demokratie, Rechtsstaat, Sozialstaat und Bundesstaat

Artikel 20 bezeichnet die Bundesrepublik als demokratischen und sozialen Bundesstaat. Die Staatsgewalt geht vom Volke aus und wird durch Wahlen, Abstimmungen in den ausdrücklich vorgesehenen Fällen sowie durch Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt.

Zentrale Strukturprinzipien sind:

  1. Demokratieprinzip: Politische Herrschaft benötigt demokratische Legitimation.
  2. Rechtsstaatsprinzip: Staatliches Handeln ist an Verfassung und Gesetz gebunden.
  3. Sozialstaatsprinzip: Der Staat trägt Verantwortung für soziale Sicherheit und gesellschaftliche Teilhabe.
  4. Bundesstaatsprinzip: Bund und Länder teilen staatliche Aufgaben und wirken an Gesetzgebung und Verwaltung mit.
  5. Republik: Das Staatsoberhaupt wird nicht erblich bestimmt.
  6. Gewaltenteilung: Macht wird institutionell verteilt und kontrolliert.


Lehren aus Weimar und Nationalsozialismus

Das Grundgesetz sollte demokratische Handlungsfähigkeit mit wirksamen Sicherungen gegen Machtmissbrauch verbinden. Häufig werden seine Institutionen als „Lehren aus Weimar“ beschrieben. Diese Formel ist hilfreich, darf aber nicht zu einer vereinfachten Erklärung werden. Die Weimarer Republik scheiterte nicht allein an ihrer Verfassung, sondern auch an Kriegslasten, wirtschaftlichen Krisen, antidemokratischen Eliten, politischer Gewalt, gesellschaftlicher Polarisierung und Fehlentscheidungen politischer Akteure.

Wichtige institutionelle Veränderungen waren:

  1. Bundeskanzlerprinzip: Der Bundeskanzler bestimmt die Richtlinien der Politik und benötigt eine parlamentarische Mehrheit.
  2. Konstruktives Misstrauensvotum: Ein Kanzler kann nur abgewählt werden, wenn zugleich ein Nachfolger gewählt wird.
  3. Begrenztes Präsidentenamt: Der Bundespräsident erhielt deutlich weniger politische Macht als der Reichspräsident der Weimarer Republik.
  4. Bundesverfassungsgericht: Die Verfassung sah eine starke gerichtliche Kontrolle vor; das Gericht nahm 1951 seine Arbeit auf.
  5. Parteienprivileg: Parteien wirken an der politischen Willensbildung mit, können aber nur durch das Bundesverfassungsgericht verboten werden.
  6. Ewigkeitsklausel: Artikel 79 Absatz 3 schützt die Grundsätze der Artikel 1 und 20 sowie den föderalen Aufbau vor Verfassungsänderungen.
  7. Wehrhafte Demokratie: Die demokratische Ordnung soll sich gegen ihre Beseitigung verteidigen können.


Repräsentative Demokratie und Volksabstimmungen

Auf Bundesebene entschied sich der Parlamentarische Rat für eine überwiegend repräsentative Demokratie. Volksabstimmungen wurden nicht vollständig ausgeschlossen, aber auf bestimmte verfassungsrechtliche Fälle begrenzt. Diese Zurückhaltung wurde teilweise mit negativen Deutungen der Weimarer Erfahrung begründet. Historisch ist jedoch zu beachten, dass Volksabstimmungen nicht die Hauptursache für das Scheitern Weimars waren. Die Entscheidung spiegelte vielmehr das Misstrauen gegenüber plebiszitärer Mobilisierung nach Diktatur und Propagandaerfahrung sowie den Wunsch nach stabilen parlamentarischen Verfahren.


Provisorium und Verfassungscharakter

Die Bezeichnung Grundgesetz sollte den provisorischen Charakter der westdeutschen Ordnung unterstreichen. Das Dokument war dennoch von Beginn an eine vollwertige Verfassung für die Bundesrepublik. Seine Präambel und Artikel 146 hielten die gesamtdeutsche Perspektive offen. Die Bundesrepublik verstand sich nicht als endgültige Lösung der deutschen Frage.

Datei:Die Entstehung des Grundgesetzes.webm


Annahme, Verkündung und Inkrafttreten


Die Abstimmung vom 8. Mai 1949

Am 8. Mai 1949 nahm der Parlamentarische Rat das Grundgesetz mit 53 gegen zwölf Stimmen an. Die Gegenstimmen kamen aus unterschiedlichen politischen Gründen. Einige Abgeordnete kritisierten eine zu schwache Stellung der Länder, andere lehnten die Weststaatsgründung grundsätzlich ab.[4]

Die westlichen Militärgouverneure genehmigten den Entwurf am 12. Mai 1949. Anschließend stimmten die Länderparlamente ab. Der Bayerische Landtag lehnte das Grundgesetz ab, erkannte jedoch an, dass es bei Zustimmung von mindestens zwei Dritteln der beteiligten Länder auch in Bayern gelten würde. Diese Mehrheit kam zustande.


Der 23. Mai 1949

Am 23. Mai 1949 stellte der Parlamentarische Rat in Bonn die Annahme durch die Länder fest. Das Grundgesetz wurde ausgefertigt und feierlich verkündet. Mit Ablauf dieses Tages trat es in Kraft. Dieser Zeitpunkt gilt als Gründung der Bundesrepublik Deutschland.[5]

Die historische Bedeutung des 23. Mai liegt nicht in einer plötzlichen Entstehung aus dem Nichts. Der Tag bündelte vielmehr einen längeren Verfassungs- und Staatsbildungsprozess in einem rechtlich sichtbaren Gründungsakt.


Aufbau der ersten Bundesorgane


Die erste Bundestagswahl

Am 14. August 1949 fand die erste Wahl zum Deutschen Bundestag statt. Sie machte die neue Verfassungsordnung demokratisch handlungsfähig. Die Wahl war frei, allgemein, unmittelbar, gleich und geheim. Zugleich spiegelte das Parteiensystem regionale, konfessionelle, soziale und ideologische Unterschiede der Nachkriegsgesellschaft.

Wahlplakate sind wichtige historische Quellen. Sie zeigen nicht nur politische Programme, sondern auch Feindbilder, Zukunftsversprechen, Geschlechterrollen, Bildsprache und Strategien der Mobilisierung. Ihre Aussagen dürfen daher nicht als neutrale Beschreibung der Gesellschaft gelesen werden.


Bundestag, Bundesrat, Bundespräsident und Bundesregierung

Am 7. September 1949 traten der erste Deutsche Bundestag und der Bundesrat zusammen. Am 12. September wählte die Bundesversammlung Theodor Heuss zum ersten Bundespräsidenten. Am 15. September wählte der Bundestag Konrad Adenauer mit der erforderlichen absoluten Mehrheit zum ersten Bundeskanzler. Wenige Tage später wurde die erste Bundesregierung gebildet.[6]

Die neue Bundesrepublik war damit verfassungsrechtlich gegründet und institutionell arbeitsfähig. Sie verfügte jedoch noch nicht über vollständige innere und äußere Souveränität.


Bonn als vorläufiger Sitz der Bundesorgane

Bonn setzte sich gegen Frankfurt am Main als vorläufiger Sitz der Bundesorgane durch. Die Entscheidung sollte den provisorischen Charakter der Bundesrepublik betonen und keine endgültige Hauptstadtentscheidung für ein geteiltes Deutschland vorwegnehmen. Der Parlamentarische Rat entschied sich am 10. Mai 1949 knapp für Bonn; der erste Bundestag bestätigte die Entscheidung später.[7]


Begrenzte Souveränität und alliierte Vorbehaltsrechte

Am 21. September 1949 trat das Besatzungsstatut in Kraft. Die westlichen Alliierten behielten weitreichende Rechte, insbesondere in Fragen der Außenpolitik, Sicherheit, Abrüstung, Reparationen, Ruhrkontrolle und Deutschlands als Ganzem. Die Bundesrepublik war somit ein Staat, aber zunächst kein vollständig souveräner Staat.[8]

Die Souveränität wurde in den folgenden Jahren schrittweise erweitert. Mit den 1955 in Kraft getretenen Pariser Verträgen erhielt die Bundesrepublik weitgehende staatliche Souveränität. Rechte der vier Mächte in Bezug auf Berlin und Deutschland als Ganzes bestanden jedoch bis zum Zwei-plus-Vier-Vertrag von 1990 fort.

Für die historische Analyse ist deshalb zwischen Staatsgründung, Regierungsbildung, internationaler Handlungsfähigkeit und vollständiger Souveränität zu unterscheiden. Diese Prozesse fielen nicht auf dasselbe Datum.


Doppelte Staatsgründung und deutsche Teilung

Die Gründung der Bundesrepublik war eng mit der Entstehung der DDR verbunden. In der Sowjetischen Besatzungszone entwickelten sich unter sowjetischer Kontrolle andere politische und wirtschaftliche Strukturen. Am 7. Oktober 1949 wurde die DDR gegründet.

Der Begriff Doppelte Staatsgründung verweist darauf, dass 1949 zwei deutsche Staaten mit unterschiedlichen politischen Systemen, gesellschaftlichen Ordnungen und internationalen Bindungen entstanden. Beide beanspruchten zunächst, für Deutschland eine besondere Legitimität zu besitzen. Beide waren in die Machtstrukturen des Kalten Krieges eingebunden und nur eingeschränkt souverän.[9]

Die doppelte Staatsgründung war nicht von Anfang an als dauerhaft gedacht. Dennoch verfestigten Westintegration, Ostintegration, Bündnispolitik, wirtschaftliche Entwicklung und gegensätzliche Herrschaftssysteme die Teilung. Erst 1990 endete die staatliche Zweiteilung Deutschlands.


Historische Deutungen


Erfolgreiche Demokratie oder nachträgliche Erfolgserzählung?

Die Bundesrepublik wird häufig als „geglückte Demokratie“ beschrieben. Diese Bewertung verweist auf politische Stabilität, friedliche Regierungswechsel, Rechtsstaatlichkeit, wirtschaftliche Entwicklung, europäische Integration und die zunehmende gesellschaftliche Verankerung demokratischer Normen.

Eine solche Erfolgserzählung darf jedoch nicht rückwärtsgerichtet den Eindruck erzeugen, der Erfolg sei 1949 bereits sicher gewesen. Die junge Bundesrepublik war mit antidemokratischen Einstellungen, nationalsozialistischen Kontinuitäten, sozialer Not, politischen Konflikten, mangelnder Gleichberechtigung und einer offenen nationalen Frage konfrontiert. Demokratische Stabilität entstand erst in langen Auseinandersetzungen.


Neubeginn und Kontinuität

Die Gründung von 1949 war ein deutlicher institutioneller Neubeginn: parlamentarische Demokratie, Grundrechte, Verfassungsgerichtsbarkeit und föderale Machtbegrenzung unterschieden die Bundesrepublik grundlegend vom NS-Staat. Gleichzeitig blieben in Verwaltung, Justiz, Wirtschaft, Hochschulen und Gesellschaft zahlreiche Personen, Denkweisen und Netzwerke aus früheren Zeiten wirksam.

Historische Urteile müssen daher beide Seiten berücksichtigen. Die Alternative „vollständiger Neubeginn oder bloße Restauration“ greift zu kurz. Produktiver ist die Frage, in welchen Bereichen Brüche stattfanden, wo Kontinuitäten bestanden und wie sich beides im Laufe der Zeit veränderte.


Deutsche Selbstbestimmung und alliierter Einfluss

Eine weitere Debatte betrifft das Verhältnis zwischen deutschen und alliierten Anteilen an der Staatsgründung. Die Westmächte gaben den institutionellen Rahmen vor, behielten Kontrollrechte und bestimmten wesentliche außenpolitische Bedingungen. Deutsche Politiker gestalteten jedoch die konkrete Verfassungsordnung, handelten Kompromisse aus und verankerten eigene historische Erfahrungen.

Die Bundesrepublik war daher weder ausschließlich ein von außen geschaffenes Produkt noch das Ergebnis uneingeschränkter nationaler Selbstbestimmung. Sie entstand durch asymmetrische Kooperation unter Besatzungsbedingungen.


Gründungsmythos und Erinnerungskultur

Jubiläen des Grundgesetzes stellen häufig den 23. Mai 1949, die Menschenwürde und die „Mütter und Väter des Grundgesetzes“ in den Mittelpunkt. Solche Erinnerungsformen stärken demokratische Identifikation. Sie können aber auch Konflikte, Ausschlüsse und gesellschaftliche Kontinuitäten verdecken.

Eine kritische Erinnerungskultur fragt daher:

  1. Wer wird in der Gründungserzählung sichtbar?
  2. Welche gesellschaftlichen Gruppen fehlen?
  3. Welche Rolle spielen Frauen, Verfolgte, Vertriebene, Arbeiterinnen und Arbeiter, religiöse Minderheiten und Menschen mit nationalsozialistischer Belastung?
  4. Wie verändern spätere Erfahrungen die Erinnerung an 1949?
  5. Wird das Grundgesetz als historisches Dokument oder als zeitloses Symbol dargestellt?


Quellen und Methoden im Geschichtsstudium


Quellenarten

Zur Erforschung der Staatsgründung können unterschiedliche Quellen genutzt werden:

  1. Verfassungsquelle: Entwürfe, Artikel, Änderungsanträge und die Urschrift des Grundgesetzes.
  2. Protokoll: Sitzungsprotokolle des Parlamentarischen Rates und der Länderparlamente.
  3. Politische Rede: Beiträge von Carlo Schmid, Konrad Adenauer, Theodor Heuss oder Kurt Schumacher.
  4. Alliierte Akten: Dokumente der Militärregierungen und der Londoner Konferenz.
  5. Pressequelle: Zeitungsberichte, Kommentare und Rundfunksendungen.
  6. Bildquelle: Fotografien, Karten, Wahlplakate, Karikaturen und Filmaufnahmen.
  7. Ego-Dokument: Briefe, Tagebücher und Erinnerungen beteiligter Personen.
  8. Statistische Quelle: Wahlergebnisse, Bevölkerungsdaten und Wirtschaftskennzahlen.


Leitfragen der Quellenkritik

Bei jeder Quelle solltest Du prüfen:

  1. Provenienz: Wer hat die Quelle wann, wo und unter welchen Bedingungen erstellt?
  2. Intention: Welches Ziel verfolgte die Urheberin oder der Urheber?
  3. Adressat: Für wen war die Quelle bestimmt?
  4. Überlieferung: Ist die Quelle vollständig, bearbeitet, übersetzt oder nachträglich veröffentlicht?
  5. Perspektivität: Welche Interessen, Begriffe und Wertungen prägen die Darstellung?
  6. Repräsentativität: Für welche Gruppen oder Erfahrungen kann die Quelle sprechen?
  7. Kontextualisierung: Welche politischen, sozialen und kulturellen Zusammenhänge müssen berücksichtigt werden?
  8. Wirkung: Wie wurde die Quelle wahrgenommen, verbreitet oder später erinnert?


Fotografien als historische Quellen

Fotografien des Parlamentarischen Rates vermitteln den Eindruck feierlicher Geschlossenheit. Sie zeigen jedoch nur ausgewählte Momente. Bildausschnitt, Kameraposition, Auftraggeber, Veröffentlichungskontext und spätere Bildunterschriften beeinflussen die Wahrnehmung.

Ein Foto beweist deshalb nicht unmittelbar, „wie es gewesen ist“. Es dokumentiert eine visuelle Situation und zugleich eine Form der Inszenierung. Besonders bei Archivbildern solltest Du originale Bildtexte kritisch prüfen, da sie veraltet, ungenau oder politisch gefärbt sein können.


Chronologie der Staatsgründung

Datum Ereignis Historische Bedeutung
8. Mai 1945 Bedingungslose Kapitulation Ende des Krieges in Europa und Zusammenbruch der NS-Herrschaft
5. Juni 1945 Übernahme der obersten Regierungsgewalt durch die Alliierten Beginn der gemeinsamen Besatzungsherrschaft
17. Juli bis 2. August 1945 Potsdamer Konferenz Grundlinien der Besatzungspolitik
1. Januar 1947 Bildung der Bizone Wirtschaftliche Zusammenfassung der amerikanischen und britischen Zone
Februar bis Juni 1948 Londoner Sechsmächtekonferenz Internationale Vorbereitung eines westdeutschen Bundesstaates
20. Juni 1948 Währungsreform in den Westzonen Einführung der Deutschen Mark und Verschärfung der Teilung
24. Juni 1948 Beginn der Berlin-Blockade Zuspitzung des Ost-West-Konflikts
1. Juli 1948 Übergabe der Frankfurter Dokumente Auftrag zur Vorbereitung einer föderalen westdeutschen Ordnung
8. bis 10. Juli 1948 Rittersturzkonferenz Annahme des Auftrags unter Betonung des Provisoriums
10. bis 23. August 1948 Verfassungskonvent auf Herrenchiemsee Vorbereitung eines Verfassungsentwurfs
1. September 1948 Zusammentritt des Parlamentarischen Rates Beginn der eigentlichen Grundgesetzberatungen
8. Mai 1949 Annahme des Grundgesetzes Beschluss mit 53 gegen zwölf Stimmen
12. Mai 1949 Genehmigung durch die Militärgouverneure Alliierte Zustimmung zum Verfassungstext
23. Mai 1949 Verkündung des Grundgesetzes Rechtlicher Gründungsakt der Bundesrepublik
14. August 1949 Erste Bundestagswahl Demokratische Legitimation des ersten Bundestages
7. September 1949 Konstituierung von Bundestag und Bundesrat Beginn der Arbeit der Bundesorgane
12. September 1949 Wahl Theodor Heuss' Bestimmung des ersten Bundespräsidenten
15. September 1949 Wahl Konrad Adenauers Bestimmung des ersten Bundeskanzlers
21. September 1949 Inkrafttreten des Besatzungsstatuts Fortbestand alliierter Vorbehaltsrechte
7. Oktober 1949 Gründung der DDR Vollendung der doppelten deutschen Staatsgründung


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Welches Dokument trat mit Ablauf des 23. Mai 1949 in Kraft? (Das Grundgesetz) (!Die Weimarer Reichsverfassung) (!Der Zwei-plus-Vier-Vertrag) (!Die Frankfurter Dokumente)




Wer übergab den westdeutschen Ministerpräsidenten am 1. Juli 1948 die Frankfurter Dokumente? (Die drei westlichen Militärgouverneure) (!Der Deutsche Bundestag) (!Die sowjetische Militäradministration) (!Der Europarat)




Welches Gremium erarbeitete 1948 und 1949 das Grundgesetz? (Der Parlamentarische Rat) (!Der Alliierte Kontrollrat) (!Die Bundesversammlung) (!Der Reichstag)




Wie viele stimmberechtigte Mitglieder hatte der Parlamentarische Rat? (65) (!49) (!75) (!120)




Welche Funktion hatte der Verfassungskonvent auf Herrenchiemsee? (Er bereitete einen Verfassungsentwurf vor) (!Er wählte den ersten Bundeskanzler) (!Er gründete die DDR) (!Er beendete die Berlin-Blockade)




Warum wurde der Begriff Grundgesetz anstelle von Verfassung gewählt? (Um den provisorischen Charakter der westdeutschen Ordnung zu betonen) (!Um Grundrechte aus dem Text auszuschließen) (!Um die Monarchie wiederherzustellen) (!Um die Länder abzuschaffen)




Welcher Artikel enthielt 1949 den Satz Männer und Frauen sind gleichberechtigt? (Artikel 3) (!Artikel 20) (!Artikel 67) (!Artikel 146)




Welche Regelung soll instabile Regierungsstürze verhindern? (Das konstruktive Misstrauensvotum) (!Das freie Mandat) (!Das Begnadigungsrecht) (!Die Bundesversammlung)




Was geschah am 14. August 1949? (Die erste Bundestagswahl fand statt) (!Das Grundgesetz wurde verkündet) (!Die DDR wurde gegründet) (!Die Berlin-Blockade begann)




Warum war die Bundesrepublik 1949 noch nicht vollständig souverän? (Die Alliierten behielten Vorbehaltsrechte) (!Der Bundestag war noch nicht gewählt) (!Es gab keine Landesregierungen) (!Die Deutsche Mark war noch nicht eingeführt)





Memory

Frankfurter Dokumente Auftrag zur föderalen Staatsgründung
Rittersturzkonferenz Betonung des provisorischen Charakters
Herrenchiemsee Vorbereitender Verfassungskonvent
Parlamentarischer Rat Ausarbeitung des Grundgesetzes
Artikel 1 Schutz der Menschenwürde
Artikel 3 Gleichberechtigung von Frauen und Männern
Artikel 67 Konstruktives Misstrauensvotum
Besatzungsstatut Alliierte Vorbehaltsrechte





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Historische Bedeutung
Besatzungszonen Alliierte Nachkriegsordnung
Bizone Wirtschaftliche Vereinigung der amerikanischen und britischen Zone
Trizone Annäherung der drei westlichen Zonen
Berlin-Blockade Sperrung der Land- und Wasserwege nach West-Berlin
Luftbrücke Versorgung der Westsektoren aus der Luft
Grundgesetz Provisorisch benannte Verfassungsordnung
Bundesrat Mitwirkung der Länder an der Bundespolitik
Bundestag Demokratisch gewählte Volksvertretung






Kreuzworträtsel

Potsdam Auf welcher Konferenz wurden 1945 Grundlinien der Besatzungspolitik vereinbart?
Bizone Wie hieß die wirtschaftliche Vereinigung der amerikanischen und britischen Besatzungszone?
Adenauer Wer wurde Präsident des Parlamentarischen Rates und später erster Bundeskanzler?
Selbert Welche Juristin kämpfte besonders für die Gleichberechtigung in Artikel 3?
Föderalismus Welches Ordnungsprinzip verteilt staatliche Macht zwischen Bund und Ländern?
Bonn Welche Stadt wurde vorläufiger Sitz der Bundesorgane?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Deutschland in vier

geteilt. Die amerikanische und die britische Zone schlossen sich 1947 zur

zusammen. Am 20. Juni 1948 wurde in den westlichen Zonen die

eingeführt. Die Sperrung der Verkehrswege nach West-Berlin wird als

bezeichnet. Die westdeutschen Ministerpräsidenten erhielten am 1. Juli 1948 die

. Der vorbereitende Verfassungskonvent tagte auf

. Das mit der Ausarbeitung des Grundgesetzes beauftragte Gremium hieß

. Sein Präsident war

. Der erste Artikel des Grundgesetzes schützt die

. Der Satz zur Gleichberechtigung steht in Artikel

. Das Grundgesetz wurde am 23. Mai 1949 in

verkündet. Wegen alliierter Vorbehaltsrechte war die Bundesrepublik zunächst nur eingeschränkt

.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Zeitleiste: Gestalte eine visuelle Zeitleiste mit mindestens zwölf Stationen zwischen dem 8. Mai 1945 und dem 7. Oktober 1949. Ergänze zu jeder Station einen Satz zur historischen Bedeutung.
  2. Begriffsnetz: Verbinde die Begriffe Besatzungszonen, Bizone, Währungsreform, Berlin-Blockade, Frankfurter Dokumente, Parlamentarischer Rat und Grundgesetz in einem Ursache-Wirkungs-Diagramm.
  3. Bildanalyse: Wähle ein im aiMOOC verwendetes Foto aus und beschreibe Bildaufbau, sichtbare Personen, Perspektive, mögliche Inszenierung und Aussagegrenzen.
  4. Grundrechte: Formuliere in eigenen Worten, warum Menschenwürde, Gleichberechtigung und Rechtsbindung staatlicher Gewalt nach 1945 besonders bedeutsam waren.


Standard

  1. Quellenvergleich: Vergleiche die Frankfurter Dokumente mit der Antwort der Ministerpräsidenten auf dem Rittersturz. Arbeite Unterschiede zwischen alliiertem Auftrag und deutschem Provisoriumsvorbehalt heraus.
  2. Wahlplakatanalyse: Untersuche zwei Wahlplakate von 1949 hinsichtlich politischer Botschaft, Bildsprache, Zielgruppe, Feindbild und Zukunftsversprechen.
  3. Podcast: Produziere eine acht- bis zehnminütige Podcastfolge zur Frage, warum der 23. Mai 1949 zugleich Endpunkt und Zwischenstation eines Staatsbildungsprozesses war.
  4. Verfassungsvergleich: Vergleiche die Stellung des Reichspräsidenten in der Weimarer Reichsverfassung mit der Stellung des Bundespräsidenten im Grundgesetz.


Schwer

  1. Forschungsessay: Erörtere auf der Grundlage wissenschaftlicher Literatur, ob die Bundesrepublik 1949 eher als alliierte Gründung, deutscher Verfassungskompromiss oder Ergebnis wechselseitiger Aushandlung zu verstehen ist.
  2. Historiografische Kontroverse: Vergleiche mindestens drei Deutungen der doppelten Staatsgründung und prüfe, ob sie stärker den Kalten Krieg, deutsche Akteure oder langfristige Strukturentwicklungen gewichten.
  3. Digitales Quellenprojekt: Erstelle eine kommentierte digitale Ausstellung mit mindestens acht Quellen zur Entstehung des Grundgesetzes. Dokumentiere Herkunft, Lizenz, Kontext und quellenkritische Probleme jedes Objekts.
  4. Oral History und Erinnerungskultur: Entwickle einen Interviewleitfaden zur familiären oder lokalen Erinnerung an die Jahre 1945 bis 1949. Reflektiere anschließend Grenzen retrospektiver Zeitzeugenberichte.




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Lernkontrolle

  1. Kausalität: Erkläre, wie Währungsreform, Berlin-Blockade und Weststaatsgründung miteinander verbunden waren. Unterscheide dabei zwischen Anlass, Beschleuniger und langfristiger Ursache.
  2. Handlungsspielräume: Beurteile, welche Entscheidungen deutsche Politiker 1948/49 selbst treffen konnten und in welchen Bereichen die Alliierten den Rahmen vorgaben.
  3. Verfassungsdesign: Entwickle für einen fiktiven demokratischen Staat nach einer Diktatur drei institutionelle Schutzmechanismen. Vergleiche Deine Vorschläge mit dem Grundgesetz.
  4. Provisorium: Prüfe, ob die Bezeichnung Grundgesetz den tatsächlichen Verfassungscharakter des Dokuments abschwächte oder politisch sinnvoll ausdrückte.
  5. Gleichberechtigung: Analysiere am Beispiel von Artikel 3, wie parlamentarische Beratung und gesellschaftlicher Druck zusammenwirkten.
  6. Souveränität: Erörtere, ob ein Staat trotz ausländischer Vorbehaltsrechte als gegründet gelten kann. Entwickle dafür eigene Kriterien von Staatlichkeit.
  7. Historisches Urteil: Nimm begründet Stellung zur Aussage: „Die Bundesrepublik war 1949 eine geglückte Demokratie.“ Berücksichtige, dass spätere Entwicklungen nicht einfach auf das Gründungsjahr zurückprojiziert werden dürfen.




Lernnachweis

Für einen qualifizierten Lernnachweis zu diesem Thema solltest Du folgende Leistungen erbringen:

  1. Du ordnest die zentralen Ereignisse von 1945 bis Oktober 1949 chronologisch ein.
  2. Du erklärst mindestens drei Ursachen für die westdeutsche Staatsgründung.
  3. Du unterscheidest zwischen Grundgesetzgebung, Staatsgründung, Regierungsbildung und Souveränitätsgewinn.
  4. Du analysierst eine schriftliche und eine visuelle Quelle nach nachvollziehbaren Kriterien.
  5. Du erläuterst mindestens vier Strukturentscheidungen des Grundgesetzes.
  6. Du beziehst die Perspektiven der Alliierten, der Länder, der Parteien und gesellschaftlicher Gruppen ein.
  7. Du diskutierst das Verhältnis von demokratischem Neubeginn und personeller oder gesellschaftlicher Kontinuität.
  8. Du formulierst ein eigenständiges historisches Urteil und belegst es mit Quellen und Fachliteratur.

Als Lernprodukt eignen sich eine schriftliche Quellenanalyse, ein Forschungsessay, eine mündliche Prüfung, ein Portfolio oder eine digitale Ausstellung. Bewertet werden Sachkompetenz, Methodenkompetenz, Quellenkritik, Argumentationslogik, Multiperspektivität und reflektierte Urteilsbildung.




OERs zum Thema

  1. Bundeszentrale für politische Bildung: Grundgesetz und Parlamentarischer Rat
  2. Deutscher Bundestag: Parlamentarischer Rat
  3. LeMO: Doppelte Staatsgründung
  4. Bundesarchiv: Verkündung des Grundgesetzes
  5. Wikimedia Commons: Parlamentarischer Rat
  6. Grundgesetz in der geltenden Fassung


Einzelnachweise


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  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

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  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
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  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
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Abitur Justiz-/Machtkritik als Komödie; Großstadtroman der Weimarer Zeit (Rollenbilder, Aufstiegsträume, soziale Realität).

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  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  4. Der Prozess - Franz Kafka

Abitur Gerichtskomödie; Fragmentdrama über Gewalt/Entmenschlichung; Erinnerungsroman über deutsche Brüche; moderner Roman über Schuld, Macht und Bürokratie.

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Abitur

  1. Der zerbrochene Krug - Heinrich von Kleist
  2. Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun
  3. Die Marquise von O. - Heinrich von Kleist
  4. Über das Marionettentheater - Heinrich von Kleist

Abitur Schwerpunkt auf Drama/Roman sowie Kleist-Prosatext und Essay (Ehre, Gewalt, Unschuld; Ästhetik/„Anmut“).

Nordrhein-Westfalen

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  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Komödie über Wahrheit und Autorität; Roman als literarische „Geschichtsschichtung“ an einem Ort.

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  1. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  2. Furor - Lutz Hübner und Sarah Nemitz
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  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
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  5. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
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  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
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