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Die Frankfurter Nationalversammlung - Geschichte

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Die Frankfurter Nationalversammlung - Geschichte




Die Frankfurter Nationalversammlung - Geschichte

Studienfach: Geschichte Niveau: fortgeschrittene Oberstufe, Studium und historisch-politische Bildung Zeitraum: Revolution von 1848/49 Zentrale Leitfrage: Warum gelang es der Frankfurter Nationalversammlung trotz bedeutender parlamentarischer und verfassungspolitischer Leistungen nicht, einen deutschen Nationalstaat auf demokratisch-konstitutioneller Grundlage dauerhaft zu verwirklichen?


Einleitung

Die Frankfurter Nationalversammlung war das erste gesamtdeutsche Parlament, das aus Wahlen in den Staaten des Deutschen Bundes hervorging. Sie trat am 18. Mai 1848 in der Frankfurter Paulskirche zusammen. Ihre Mitglieder wollten zwei große politische Ziele miteinander verbinden: die Schaffung eines deutschen Nationalstaates und die Sicherung von Grundrechten, Rechtsstaatlichkeit und parlamentarischer Mitwirkung.

Die Nationalversammlung war zugleich Produkt und Akteurin der Revolution von 1848/49. Sie entstand aus einer revolutionären Situation, versuchte diese aber in geordnete parlamentarische Verfahren zu überführen. Darin lag eine ihrer Stärken, aber auch eine zentrale Spannung: Das Parlament beanspruchte, im Namen der Nation zu handeln, verfügte jedoch weder über eine eigene verlässliche Armee noch über eine gefestigte Verwaltung oder ein allgemein anerkanntes staatliches Gewaltmonopol.

In diesem aiMOOC untersuchst Du die Nationalversammlung nicht nur als Folge von Ereignissen. Du analysierst politische Handlungsspielräume, soziale Ausschlüsse, Verfassungsmodelle, Nationalismus, parlamentarische Öffentlichkeit und konkurrierende Deutungen ihres Scheiterns. Du arbeitest damit an Kernfragen der Geschichtswissenschaft: Wie entsteht politische Legitimität? Welche Bedeutung haben Institutionen in einer Revolution? Wie lässt sich historisches Scheitern beurteilen, wenn Ideen und Rechtsnormen langfristig weiterwirken?


Lernziele

Nach der Bearbeitung dieses aiMOOCs kannst Du die Entstehung der Nationalversammlung in den europäischen Revolutionszusammenhang von 1848 einordnen. Du kannst ihre soziale Zusammensetzung, ihre politischen Gruppierungen und ihre institutionellen Probleme erklären. Du kannst die Grundrechte des deutschen Volkes, die Paulskirchenverfassung und die Entscheidung für die kleindeutsche Lösung analysieren. Außerdem kannst Du unterschiedliche Ursachen des Scheiterns gewichten, zeitgenössische Bild- und Textquellen kritisch prüfen und die langfristige Bedeutung der Paulskirche für die deutsche Demokratie- und Verfassungsgeschichte beurteilen.


Historischer Kontext: Vormärz und Revolution


Der Deutsche Bund und die restaurative Ordnung

Nach dem Ende der Napoleonischen Kriege schufen die europäischen Mächte auf dem Wiener Kongress 1815 eine neue politische Ordnung. Im deutschsprachigen Mitteleuropa entstand der Deutsche Bund, ein lockerer Zusammenschluss souveräner Fürstenstaaten und freier Städte. Ein einheitlicher deutscher Nationalstaat existierte nicht. Die Bundesversammlung in Frankfurt war keine Volksvertretung, sondern ein Gesandtenkongress der Regierungen.

Die politische Ordnung des Vormärz war von einem Konflikt zwischen restaurativen Herrschaftsansprüchen und liberalen, nationalen sowie demokratischen Bewegungen geprägt. Die Karlsbader Beschlüsse von 1819 ermöglichten Zensur, Überwachung und die Verfolgung oppositioneller Kräfte. Gleichzeitig wuchsen durch Universitäten, Lesegesellschaften, Vereine, politische Feste und eine expandierende Presse neue Öffentlichkeiten. Das Hambacher Fest von 1832 wurde zu einem wichtigen Symbol für Forderungen nach Freiheit, Volkssouveränität und nationaler Einheit.


Soziale und wirtschaftliche Spannungen

Politische Forderungen verbanden sich in den 1840er Jahren mit tiefen sozialen Krisen. Bevölkerungswachstum, Missernten, steigende Lebensmittelpreise, Pauperismus und die Veränderungen durch frühe Industrialisierung verschärften Unsicherheit und soziale Ungleichheit. Handwerker fürchteten Konkurrenz und sozialen Abstieg. Fabrikarbeiter litten unter niedrigen Löhnen und unsicheren Arbeitsbedingungen. Teile der ländlichen Bevölkerung wandten sich gegen feudale Lasten.

Diese Gruppen verfolgten nicht automatisch dieselben Ziele. Bürgerliche Liberale konzentrierten sich häufig auf Verfassungen, Rechtsgleichheit, wirtschaftliche Freiheit und nationale Einheit. Demokraten forderten weitergehende politische Teilhabe, teilweise eine Republik. Arbeiter, Handwerker und Kleinbauern verbanden politische mit sozialen Erwartungen. Die Revolution von 1848 war deshalb keine einheitliche Bewegung, sondern ein Bündel unterschiedlicher Proteste und Zukunftsentwürfe.


Der europäische Revolutionsimpuls

Die Februarrevolution von 1848 in Frankreich stürzte die Julimonarchie und wirkte als Signal in viele Teile Europas. In den Staaten des Deutschen Bundes wurden die sogenannten Märzforderungen erhoben: Pressefreiheit, Versammlungsfreiheit, Schwurgerichte, Volksbewaffnung, Verfassungen und eine gesamtdeutsche Volksvertretung. In Wien, Berlin und weiteren Städten kam es zu Demonstrationen, Barrikadenkämpfen und politischen Zugeständnissen der Monarchen.

Die deutschen Revolutionen waren Teil eines gesamteuropäischen Geschehens. Nationalbewegungen, liberale Verfassungsforderungen, soziale Proteste und Konflikte um imperiale Herrschaft überlagerten sich. Für die spätere Arbeit der Frankfurter Nationalversammlung war besonders folgenreich, dass sie nicht nur über Freiheit und Verfassung, sondern auch über die Grenzen des geplanten Nationalstaates entscheiden musste.


Der Weg zur Nationalversammlung


Vorparlament und Wahl

Vom 31. März bis 3. April 1848 tagte in der Paulskirche das Vorparlament. Es bestand aus liberalen und demokratischen Politikern aus verschiedenen deutschen Staaten. Seine Mehrheit entschied sich gegen die sofortige Errichtung einer revolutionären Republik und für die Wahl einer verfassunggebenden Nationalversammlung. Damit wurde die revolutionäre Dynamik in ein parlamentarisches Verfahren gelenkt.

Gewählt wurde von Mitte April bis Mitte Mai 1848. Grundlage war ein allgemeines und gleiches Mehrheitswahlrecht für volljährige „selbständige“ Männer. Was als selbständig galt, wurde in den Einzelstaaten unterschiedlich ausgelegt. Frauen waren vollständig ausgeschlossen; auch Dienstboten, Unterstützungsbedürftige und Teile der Arbeiterschaft konnten je nach einzelstaatlicher Regelung nicht wählen. Nach heutigen Maßstäben war die Wahl daher weder allgemein noch inklusiv. Historisch bedeutsam war sie dennoch, weil erstmals in nahezu allen deutschen Staaten ein gemeinsames Parlament gewählt wurde.


Eröffnung am 18. Mai 1848

Am 18. Mai 1848 kamen die gewählten Abgeordneten zunächst im Kaisersaal des Frankfurter Römers zusammen und zogen anschließend in die Paulskirche ein. Die gesetzlich vorgesehene Mitgliederzahl betrug 649. Wegen Wahlboykotten und nicht abgeschlossener Wahlen gab es 587 reguläre Abgeordnete. Einschließlich nachrückender und stellvertretender Mitglieder beteiligten sich im Verlauf der gesamten Versammlungszeit insgesamt 809 Personen an den Verhandlungen.

Zum ersten Präsidenten wurde der liberale Politiker Heinrich von Gagern gewählt. Er verkörperte die Hoffnung, nationale Einheit mit einer konstitutionellen Monarchie und parlamentarischer Gesetzgebung zu verbinden. Die räumliche Inszenierung der Paulskirche war politisch aufgeladen: Schwarz-Rot-Gold, das monumentale Gemälde der Germania und die öffentliche Tribüne machten den Sitzungssaal zu einem symbolischen Raum der Nation.


Zusammensetzung und politische Kultur


Das „Professorenparlament“?

Die Frankfurter Nationalversammlung wird häufig als „Professorenparlament“ bezeichnet. Der Begriff verweist auf den hohen Anteil akademisch gebildeter Abgeordneter, darunter Juristen, Beamte, Hochschullehrer, Pfarrer, Ärzte, Schriftsteller und Unternehmer. Er kann jedoch irreführen, wenn er das Parlament als lebensfern oder ausschließlich wissenschaftlich darstellt. Viele Abgeordnete verfügten über praktische Erfahrungen in einzelstaatlichen Parlamenten, Verwaltungen, Gerichten, Kommunen und politischen Vereinen.

Arbeiter, Handwerksgesellen, Kleinbauern und besitzlose Gruppen waren dagegen kaum vertreten. Die soziale Zusammensetzung beeinflusste die Themen und Lösungsansätze. Bürgerliche Freiheitsrechte, Eigentumsschutz, Rechtsstaatlichkeit und nationale Einheit standen im Mittelpunkt. Forderungen nach sozialer Umverteilung oder umfassenden sozialen Rechten blieben randständig.


Frauen zwischen Ausschluss und politischer Öffentlichkeit

Frauen durften weder wählen noch Abgeordnete werden. Sie waren dennoch Teil der revolutionären Öffentlichkeit: Sie gründeten Vereine, sammelten Geld, verfassten Petitionen, organisierten Unterstützung, publizierten Texte und beteiligten sich an politischen Debatten. In der Paulskirche konnten Frauen als Zuschauerinnen anwesend sein; eine Damenloge mit begrenzten Plätzen war häufig stark besucht.

Die Unterscheidung zwischen formeller und informeller Partizipation ist für die historische Analyse zentral. Wer nur auf Wahlrecht und Mandate blickt, übersieht gesellschaftliche Handlungsmöglichkeiten. Wer die informelle Beteiligung hervorhebt, darf zugleich den rechtlichen und institutionellen Ausschluss nicht relativieren.


Fraktionen ohne moderne Parteien

Moderne Massenparteien existierten 1848 noch nicht. Abgeordnete mit ähnlichen politischen Positionen trafen sich in Klubs, die nach ihren Frankfurter Versammlungslokalen benannt wurden. Diese Zusammenschlüsse strukturierten Debatten, bereiteten Abstimmungen vor und wurden zu Vorläufern moderner Parlamentsfraktionen.

Politische Richtung Wichtige Klubs Typische Positionen
Reformkonservative Café Milani Starker Einfluss der Einzelstaaten und Monarchen, begrenzte parlamentarische Reformen
Rechte Liberale Casino und Landsberg Konstitutionelle Monarchie, Rechtsstaat, nationale Einheit, häufig eingeschränktes Wahlrecht
Linke Liberale Württemberger Hof und Augsburger Hof Stärkere parlamentarische Kontrolle, weitergehende politische Beteiligung
Gemäßigte Demokraten Westendhall und Deutscher Hof Volkssouveränität, breite politische Rechte, teils republikanische Orientierung
Radikale Demokraten Donnersberg Republik, weitreichende Demokratisierung und stärkere revolutionäre Durchsetzung

Die Einteilung in rechts und links bezog sich auch auf die Sitzordnung im Parlament. Sie war jedoch beweglicher als in heutigen Parteiensystemen. Bei Fragen wie Nationalstaatsmodell, Staatsoberhaupt, Wahlrecht oder Verhältnis zu Österreich entstanden wechselnde Mehrheiten.


Parlamentarische Verfahren und Öffentlichkeit

Die Nationalversammlung gab sich eine Geschäftsordnung, bildete Ausschüsse und veröffentlichte stenografische Berichte. Diese Berichte machten parlamentarische Reden weit über Frankfurt hinaus zugänglich. Zeitungen kommentierten Debatten, Vereine organisierten politische Mobilisierung, Bürgerinnen und Bürger reichten Petitionen ein, und die Zuschauertribünen reagierten hörbar auf Reden.

Die Paulskirche war deshalb nicht nur ein Entscheidungsgremium, sondern ein Zentrum politischer Kommunikation. Zugleich war Öffentlichkeit ambivalent: Sie konnte Legitimität schaffen, setzte die Abgeordneten aber auch unter Erwartungsdruck. Die Septemberunruhen von 1848 zeigten, wie schnell der Konflikt zwischen parlamentarischem Verfahren und außerparlamentarischer Mobilisierung eskalieren konnte.


Zentrale Entscheidungen und Konflikte


Die Provisorische Zentralgewalt

Am 28. Juni 1848 beschloss die Nationalversammlung das Zentralgewaltgesetz. Es schuf eine vorläufige gesamtdeutsche Exekutive. Am folgenden Tag wählte das Parlament Erzherzog Johann von Österreich zum Reichsverweser. Dieser ernannte Reichsminister; damit entstand eine provisorische Reichsregierung.

Die Zentralgewalt war ein wichtiger Schritt vom Staatenbund zu einer handlungsfähigen Reichsebene. Ihre Schwäche lag jedoch in der Abhängigkeit von den Einzelstaaten. Sie besaß keine eigenständige, durchsetzungsfähige Verwaltung, keine sichere Finanzbasis und keine Truppen, die ihr unabhängig von den Fürstenregierungen gehorchten. Verfassungsrechtlicher Anspruch und politische Macht blieben auseinander.


Der Konflikt um Schleswig-Holstein und der Waffenstillstand von Malmö

Im Konflikt um Schleswig-Holstein trafen Nationalismus, internationales Recht, dynastische Ansprüche und militärische Macht aufeinander. Viele Deutsche unterstützten die Erhebung in Schleswig und Holstein gegen die Eingliederung Schleswigs in den dänischen Gesamtstaat. Preußen führte Krieg gegen Dänemark, handelte jedoch unter internationalem Druck den Waffenstillstand von Malmö aus.

Die Nationalversammlung lehnte den Waffenstillstand zunächst ab, akzeptierte ihn später aber, weil sie ohne die preußische Armee kaum handlungsfähig war. Für radikale Demokraten erschien dies als Kapitulation vor den Fürsten. Am 18. September 1848 kam es in Frankfurt zu Barrikadenkämpfen; die Abgeordneten Felix von Lichnowsky und Hans von Auerswald wurden getötet. Die Krise offenbarte die militärische Abhängigkeit des Parlaments und vertiefte den Bruch zwischen parlamentarischer Mehrheit und revolutionärer Linker.


Großdeutsche oder kleindeutsche Lösung

Eine Kernfrage lautete: Welche Gebiete sollten zum neuen deutschen Staat gehören? Die Großdeutsche Lösung wollte die deutschsprachigen Gebiete der Habsburgermonarchie einbeziehen. Das Problem bestand darin, dass Österreich ein multinationales Reich war und seine nichtdeutschen Gebiete nicht abtrennen wollte. Die Kleindeutsche Lösung sah einen deutschen Nationalstaat ohne Österreich und unter Führung Preußens vor.

Die Entscheidung war nicht nur geografisch. Sie betraf das Kräfteverhältnis zwischen Österreich und Preußen, das Verhältnis von Nation und Dynastie sowie die Stellung nichtdeutscher Bevölkerungen. Im Frühjahr 1849 setzte sich die kleindeutsche Lösung durch. Damit verband sich die Hoffnung, der preußische König könne als erbliches Staatsoberhaupt die Verfassung politisch absichern.


Nationalismus und seine Grenzen

Die Nationalversammlung berief sich auf das Selbstbestimmungsrecht der deutschen Nation. In Konflikten um Schleswig, Posen, Böhmen oder Südtirol zeigte sich jedoch, dass verschiedene nationale Ansprüche einander widersprachen. Deutsche Mehrheitsentscheidungen konnten aus der Perspektive polnischer, dänischer, tschechischer oder italienischer Bevölkerungen als Fremdbestimmung erscheinen.

Für eine geschichtswissenschaftliche Analyse genügt es daher nicht, die Nationalversammlung nur als Freiheitsbewegung zu betrachten. Ihr Liberalismus war mit einem Nationalismus verbunden, der politische Teilhabe innerhalb der vorgestellten deutschen Nation stärken wollte, zugleich aber Minderheiteninteressen und konkurrierende Nationalbewegungen häufig nachordnete.


Die soziale Frage

Die Nationalversammlung diskutierte Gewerbefreiheit, Eigentum, Bildung und rechtliche Gleichheit, entwickelte aber kein umfassendes Sozialstaatsmodell. Soziale Rechte auf Arbeit, Existenzsicherung oder kollektive Interessenvertretung wurden nicht zum Kern der Verfassung. Viele Abgeordnete vertrauten auf Rechtsgleichheit, Eigentumsschutz und wirtschaftliche Freiheit.

Diese Schwerpunktsetzung trug dazu bei, dass Teile der unteren sozialen Schichten ihre Erwartungen an die Revolution nicht erfüllt sahen. Das bedeutet nicht, dass das Parlament soziale Fragen ignorierte. Es zeigt vielmehr, wie stark seine Lösungsangebote von bürgerlich-liberalen Ordnungsvorstellungen geprägt waren.


Grundrechte und Paulskirchenverfassung


Die Grundrechte des deutschen Volkes

Nach langen Beratungen verabschiedete die Nationalversammlung am 21. Dezember 1848 die Grundrechte des deutschen Volkes. Nach ihrer Verkündung traten sie am 28. Dezember als Reichsgesetz in Kraft. Sie garantierten unter anderem Gleichheit vor dem Gesetz, persönliche Freiheit, Glaubens- und Gewissensfreiheit, Pressefreiheit, Versammlungsfreiheit, Vereinsfreiheit, Freizügigkeit, Briefgeheimnis, Petitionsrecht, Eigentumsschutz sowie Freiheit von Wissenschaft und Lehre. Standesvorrechte sollten aufgehoben, die Todesstrafe weitgehend abgeschafft und öffentliche Bildung ausgebaut werden.

Die Grundrechte waren ein bedeutender Schritt, weil sie Freiheitsrechte nicht nur als politische Forderung, sondern als rechtlich verbindliche Normen formulierten. Ihre tatsächliche Durchsetzung blieb jedoch von staatlichen Institutionen abhängig. Außerdem galten politische Gleichheitsvorstellungen nicht konsequent für Frauen und sozial ausgeschlossene Gruppen.


Aufbau der Reichsverfassung

Am 27. März 1849 verabschiedete die Nationalversammlung die Verfassung des Deutschen Reiches; am 28. März wurde sie verkündet. Sie verband monarchische, parlamentarische, föderale und rechtsstaatliche Elemente.

Verfassungsorgan Funktion Historische Bedeutung
Erblicher Kaiser Staatsoberhaupt, Ernennung der Reichsregierung, völkerrechtliche Vertretung und militärischer Oberbefehl Verbindung monarchischer Legitimität mit einer geschriebenen Verfassung
Volkshaus Direkt zu wählende Kammer des Reichstags Repräsentation der Bevölkerung auf gesamtdeutscher Ebene
Staatenhaus Vertretung der deutschen Einzelstaaten Föderales Gegengewicht zum Volkshaus
Reichsregierung Ausübung der Exekutive unter politischer und rechtlicher Verantwortung Ansatz parlamentarischer Kontrolle der Regierung
Reichsgericht Unabhängige Rechtsprechung und Entscheidung von Verfassungskonflikten Frühes Modell einer Verfassungsgerichtsbarkeit und einklagbarer Rechte

Die Verfassung war ein Kompromiss. Demokraten mussten die erbliche Monarchie akzeptieren; gemäßigte Liberale stimmten einem relativ breiten Wahlrecht und verbindlichen Grundrechten zu. Der Kompromiss zeigte parlamentarische Lernfähigkeit, entstand jedoch zu einem Zeitpunkt, als die revolutionäre Bewegung bereits an Kraft verloren und die Monarchien ihre militärische Handlungsfähigkeit zurückgewonnen hatten.


Quellenanalyse: Verfassungstext und Verfassungswirklichkeit

Ein Verfassungstext beschreibt eine normative Ordnung. Er beweist noch nicht, dass diese Ordnung politisch wirksam war. Bei der Analyse der Paulskirchenverfassung musst Du deshalb zwischen Norm und Durchsetzung unterscheiden. Die Nationalversammlung konnte Rechtsnormen beschließen, war aber auf die Anerkennung und Mitwirkung der Einzelstaaten angewiesen.

Für die Quellenkritik sind mehrere Fragen wichtig: Wer formulierte den Text? Welche politischen Kompromisse spiegeln sich darin? Welche Gruppen wurden als Staatsbürger gedacht, welche blieben ausgeschlossen? Welche Institution sollte Rechte schützen? Und welche Machtmittel standen zur Verfügung, um Entscheidungen gegen widerstrebende Regierungen durchzusetzen?


Scheitern der Nationalversammlung


Kaiserwahl und Ablehnung der Krone

Am 28. März 1849 wählte die Nationalversammlung den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. zum „Kaiser der Deutschen“. Eine Kaiserdeputation unter Führung von Eduard von Simson reiste nach Berlin und bot ihm die Krone an. Der König lehnte sie ab. Er wollte seine Herrschaft nicht allein aus einem revolutionär entstandenen Parlament ableiten und machte die Zustimmung der deutschen Fürsten geltend.

Die Ablehnung war ein entscheidender Wendepunkt. Sie zeigte, dass die Nationalversammlung weder den wichtigsten deutschen Monarchen noch die preußische Militärmacht zur Anerkennung ihrer Verfassung zwingen konnte. Mehrere Staaten erkannten die Reichsverfassung zwar an, doch die entscheidenden Großmächte Preußen und Österreich verweigerten sich.


Gegenrevolution und Machtverlust

Seit dem Herbst 1848 hatten die Monarchien in Wien und Berlin ihre Stellung zurückgewonnen. Revolutionäre Bewegungen wurden militärisch niedergeschlagen, Parlamente aufgelöst oder eingeschränkt. Die Hinrichtung des Abgeordneten Robert Blum am 9. November 1848 nach seiner Beteiligung am Wiener Oktoberaufstand wurde zum Symbol für die Schwäche des parlamentarischen Schutzes. Seine Immunität bewahrte ihn nicht vor österreichischer Militärjustiz.

Als die Reichsverfassung im Frühjahr 1849 durchgesetzt werden sollte, entstanden in mehreren Regionen Reichsverfassungskampagnen. Aufstände in Sachsen, der Pfalz und Baden wurden von preußischen und anderen staatlichen Truppen niedergeschlagen. Viele gemäßigte und konservative Abgeordnete verließen das Parlament oder wurden von ihren Regierungen zurückgerufen.


Das Stuttgarter Rumpfparlament

Die verbliebenen Abgeordneten verlegten die Nationalversammlung Ende Mai 1849 nach Stuttgart. Dieses sogenannte Rumpfparlament versuchte, die Verfassung zu verteidigen und eine Reichsregentschaft zu bilden. Am 18. Juni 1849 ließ die württembergische Regierung die Versammlung durch Militär auflösen.


Warum scheiterte die Nationalversammlung?

Eine monokausale Erklärung greift zu kurz. Mehrere Faktoren wirkten zusammen:

  1. Machtmittel: Das Parlament verfügte nicht über ein eigenes verlässliches Militär, eine reichsweite Verwaltung oder sichere Steuereinnahmen.
  2. Doppelherrschaft: Die revolutionär legitimierte Nationalversammlung bestand neben den fortbestehenden Regierungen und Armeen der Einzelstaaten.
  3. Zeitproblem: Lange Grundsatzdebatten ermöglichten sorgfältige Verfassungsarbeit, während die revolutionäre Dynamik nachließ und die Monarchien sich reorganisierten.
  4. Zielkonflikte: Liberale, Demokraten, Republikaner, Monarchisten, Großdeutsche und Kleindeutsche verbanden unterschiedliche Vorstellungen von Einheit und Freiheit.
  5. Soziale Begrenzung: Das Parlament integrierte soziale Forderungen nur begrenzt und verlor dadurch Rückhalt bei Teilen der revolutionären Bewegung.
  6. Nationale Konflikte: Grenz- und Minderheitenfragen schwächten den universalistischen Anspruch der Freiheitsbewegung.
  7. Gegenrevolution: Preußen, Österreich und weitere Staaten setzten militärische und administrative Macht ein, um revolutionäre Errungenschaften zurückzudrängen.
  8. Kronenfrage: Der Verfassungsplan hing schließlich stark von der Annahme der Kaiserkrone durch Friedrich Wilhelm IV. ab.


Deutungen und langfristige Bedeutung


Gescheitert oder erfolgreich auf lange Sicht?

Politisch scheiterte die Nationalversammlung an ihrem unmittelbaren Ziel: Der von ihr entworfene Nationalstaat und die Reichsverfassung konnten nicht dauerhaft durchgesetzt werden. Dennoch wäre es verkürzend, die Paulskirche nur als Niederlage zu behandeln. Sie entwickelte parlamentarische Verfahren, erprobte gesamtdeutsche Gesetzgebung, formulierte Grundrechte und schuf ein anspruchsvolles Modell föderaler Verfassungsstaatlichkeit.

Die Frage „Erfolg oder Scheitern?“ hängt von den Kriterien ab. Wer ausschließlich die Durchsetzung im Jahr 1849 bewertet, sieht ein Scheitern. Wer politische Lernprozesse, Rechtsideen, Erinnerungskultur und langfristige Wirkung betrachtet, erkennt bleibende Leistungen. Historisches Urteilen bedeutet hier, Kriterien offenzulegen und unterschiedliche Zeithorizonte zu unterscheiden.


Wirkung auf spätere Verfassungen

Die Grundrechte und institutionellen Entwürfe der Paulskirche wurden zu wichtigen Bezugspunkten späterer deutscher Verfassungen. Die Weimarer Reichsverfassung von 1919 und das Grundgesetz von 1949 stehen nicht in einer einfachen direkten Linie zur Reichsverfassung von 1849, griffen aber Grundideen wie Rechtsgleichheit, Freiheitsrechte, parlamentarische Repräsentation, Föderalismus und gerichtlichen Rechtsschutz wieder auf.

Bedeutsam war auch das Wahlrecht, das die Nationalversammlung für das geplante Volkshaus beschloss. Es stärkte die Vorstellung einer gesamtdeutschen politischen Bürgerschaft, blieb jedoch auf Männer beschränkt. Die spätere Demokratiegeschichte übernahm also nicht einfach ein fertiges Modell, sondern entwickelte es unter veränderten Bedingungen weiter.


Erinnerungskultur und Symbol Paulskirche

Die Paulskirche wurde zu einem zentralen Erinnerungsort der deutschen Demokratiegeschichte. Ihr Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg und die Hundertjahrfeier von 1948 verbanden die Erinnerung an 1848/49 mit der Suche nach einem demokratischen Neubeginn. Bis heute dient sie als Ort politischer Gedenkveranstaltungen und öffentlicher Debatten.

Erinnerungskultur ist jedoch selektiv. Die Erzählung von der „Wiege der deutschen Demokratie“ kann Leistungen sichtbar machen, aber auch Konflikte, Ausschlüsse und nationalistische Grenzen überdecken. Ein reflektierter Umgang mit der Paulskirche verbindet Anerkennung ihrer verfassungspolitischen Innovationen mit Kritik an den Grenzen politischer Teilhabe.


Historische Forschung und Kontroversen

Ältere Deutungen erklärten das Scheitern häufig mit politischer Unerfahrenheit, überlangen Debatten oder dem Gegensatz zwischen „Dichtern und Denkern“ und machtbewussten Staatsmännern. Neuere Forschung betont stärker die strukturelle Lage: Die Nationalversammlung musste Staatlichkeit erst herstellen, während die Fürstenstaaten bereits über Verwaltungen, Finanzen und Armeen verfügten.

Kontrovers diskutiert wird außerdem das Verhältnis von Liberalismus und Demokratie. Waren die Liberalen zu kompromissbereit gegenüber den Monarchien, oder war ein Bündnis mit den Fürsten die einzige realistische Chance auf nationale Einheit? Ebenso umstritten ist das Verhältnis von Parlament und Revolution: Hätte eine stärkere Verbindung mit außerparlamentarischen Bewegungen die Verfassung retten können, oder hätte sie den Bürgerkrieg verschärft? Solche Fragen lassen sich nicht allein mit Fakten beantworten. Sie erfordern begründete historische Urteile und die Prüfung alternativer Handlungsmöglichkeiten.


Chronologie

Datum Ereignis Bedeutung
Februar und März 1848 Revolutionen in Frankreich und in den Staaten des Deutschen Bundes Durchbruch von Freiheits-, Verfassungs- und Einheitsforderungen
31. März bis 3. April 1848 Vorparlament in Frankfurt Vorbereitung der Wahl einer Nationalversammlung
Mitte April bis Mitte Mai 1848 Wahlen in den deutschen Staaten Entstehung einer gesamtdeutschen parlamentarischen Legitimation
18. Mai 1848 Eröffnung der Nationalversammlung Beginn des ersten gesamtdeutschen Parlaments
28. und 29. Juni 1848 Zentralgewaltgesetz und Wahl Erzherzog Johanns Aufbau einer provisorischen Reichsexekutive
September 1848 Krise um den Waffenstillstand von Malmö Sichtbarwerden der militärischen Abhängigkeit und politischen Spaltung
9. November 1848 Hinrichtung Robert Blums in Wien Symbol für den Vormarsch der Gegenrevolution
21. und 28. Dezember 1848 Beschluss und Inkrafttreten der Grundrechte Erster gesamtdeutscher rechtsverbindlicher Grundrechtskatalog
27. und 28. März 1849 Verabschiedung und Verkündung der Reichsverfassung Vollendung des Verfassungsentwurfs
April 1849 Ablehnung der Kaiserkrone durch Friedrich Wilhelm IV. Scheitern der kleindeutschen Verfassungslösung
Mai und Juni 1849 Rumpfparlament in Stuttgart Letzter Versuch parlamentarischer Verfassungsdurchsetzung
18. Juni 1849 Militärische Auflösung des Rumpfparlaments Ende der Frankfurter Nationalversammlung


Methodischer Zugriff im Geschichtsstudium


Quellenarten

Für die Erforschung der Nationalversammlung stehen unterschiedliche Quellengattungen zur Verfügung. Stenografische Sitzungsberichte dokumentieren parlamentarische Reden, bilden aber nicht jede informelle Absprache ab. Zeitungen zeigen politische Öffentlichkeit, sind jedoch parteilich geprägt. Petitionen machen Erwartungen gesellschaftlicher Gruppen sichtbar, ohne automatisch repräsentativ zu sein. Briefe und Tagebücher eröffnen persönliche Perspektiven, während Karikaturen, Lithografien und Gemälde politische Deutungen verdichten.

Bei jeder Quelle solltest Du Urheber, Adressaten, Entstehungssituation, Überlieferungsweg, Intention und sprachliche oder bildliche Gestaltung prüfen. Besonders historische Darstellungen der Paulskirche sind keine neutralen Fotografien. Sie arrangieren Raum, Symbole, Personen und Publikum und erzeugen dadurch eine Vorstellung von nationaler Einheit.


Leitfragen für eine Quellenkritik

  1. Urheberschaft: Wer hat die Quelle erstellt, und in welcher politischen Position stand die Person?
  2. Adressat: Für wen war die Quelle bestimmt?
  3. Entstehungskontext: Welche konkrete Debatte, Krise oder Entscheidung prägte die Quelle?
  4. Intention: Sollte informiert, mobilisiert, legitimiert, kritisiert oder erinnert werden?
  5. Repräsentativität: Welche Gruppen und Erfahrungen werden sichtbar, welche fehlen?
  6. Überlieferung: Ist die Quelle vollständig, bearbeitet, nachträglich veröffentlicht oder aus einem größeren Zusammenhang gelöst?
  7. Aussagewert: Welche Fragen kann die Quelle beantworten, und wo liegen ihre Grenzen?


Vergleichende Perspektiven

Die Frankfurter Nationalversammlung lässt sich mit anderen verfassunggebenden Versammlungen vergleichen, etwa der französischen Nationalversammlung von 1789, den europäischen Parlamenten von 1848, der Weimarer Nationalversammlung von 1919 oder dem Parlamentarischen Rat von 1948/49. Vergleichskategorien können Wahlrecht, soziale Repräsentation, Verhältnis zur Exekutive, militärische Macht, Grundrechte, Föderalismus und internationale Rahmenbedingungen sein.

Ein Vergleich darf Unterschiede nicht einebnen. Er dient nicht dazu, ein Parlament als bloße Vorstufe eines späteren „Erfolgsmodells“ zu behandeln. Vielmehr hilft er, historische Handlungsspielräume und strukturelle Bedingungen präziser zu bestimmen.


Zentrale Begriffe

Begriff Erklärung
Konstitutionalismus Bindung staatlicher Herrschaft an eine geschriebene Verfassung
Volkssouveränität Vorstellung, dass politische Herrschaft vom Volk ausgeht
Nationalstaat Staat, der sich politisch auf eine als Nation verstandene Bevölkerung bezieht
Föderalismus Verteilung staatlicher Aufgaben und Macht zwischen Gesamtstaat und Gliedstaaten
Grundrechte Rechtlich geschützte Freiheits- und Gleichheitsansprüche des Einzelnen
Provisorische Zentralgewalt Vorläufige gesamtdeutsche Exekutive von 1848/49
Reichsverweser Vorläufiges Staatsoberhaupt der entstehenden Reichsgewalt
Paulskirchenverfassung Von der Nationalversammlung 1849 beschlossene Verfassung des Deutschen Reiches
Gegenrevolution Politische und militärische Rückgewinnung von Herrschaft durch die alten Mächte
Rumpfparlament Verkleinerter Rest der Nationalversammlung, der zuletzt in Stuttgart tagte


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Wo trat die Frankfurter Nationalversammlung am 18. Mai 1848 zu ihrer ersten Arbeitssitzung zusammen? (In der Frankfurter Paulskirche) (!Im Berliner Schloss) (!Im Wiener Hofburgtheater) (!Im Hambacher Schloss)




Welche beiden Hauptziele verband die Nationalversammlung? (Deutsche Einheit und eine freiheitliche Verfassung) (!Kolonialreich und Flottenherrschaft) (!Rückkehr zum Heiligen Römischen Reich und Leibeigenschaft) (!Abschaffung aller deutschen Einzelstaaten ohne Verfassung)




Wer durfte an den Wahlen zur Nationalversammlung grundsätzlich teilnehmen? (Volljährige selbständige Männer) (!Alle Einwohner unabhängig von Alter und Geschlecht) (!Nur Angehörige des Adels) (!Ausschließlich Mitglieder politischer Parteien)




Wer wurde erster Präsident der Nationalversammlung? (Heinrich von Gagern) (!Robert Blum) (!Erzherzog Johann) (!Friedrich Wilhelm IV.)




Welche Funktion hatte Erzherzog Johann seit Juni 1848? (Reichsverweser) (!Präsident des Volkshauses) (!König von Preußen) (!Oberbürgermeister von Frankfurt)




Was zeigte die Krise um den Waffenstillstand von Malmö besonders deutlich? (Die militärische Abhängigkeit des Parlaments von den Einzelstaaten) (!Die vollständige Kontrolle des Parlaments über die preußische Armee) (!Die Einigkeit aller politischen Fraktionen) (!Die bereits vollzogene Auflösung des Deutschen Bundes)




Wann beschloss die Nationalversammlung die Grundrechte des deutschen Volkes? (Im Dezember 1848) (!Im Juni 1815) (!Im Januar 1871) (!Im August 1919)




Welche Staatsform sah die Paulskirchenverfassung an der Spitze des Reiches vor? (Eine erbliche konstitutionelle Monarchie) (!Eine absolute Wahlmonarchie ohne Parlament) (!Eine sozialistische Räterepublik) (!Eine Militärdiktatur)




Warum war die Ablehnung der Kaiserkrone durch Friedrich Wilhelm IV. so folgenreich? (Die wichtigste monarchische und militärische Stütze der kleindeutschen Lösung fiel aus) (!Österreich trat sofort der kleindeutschen Lösung bei) (!Die Nationalversammlung erhielt dadurch eine eigene Armee) (!Die Grundrechte wurden dadurch in allen Staaten dauerhaft garantiert)




Wo wurde der verbliebene Rest der Nationalversammlung im Juni 1849 aufgelöst? (In Stuttgart) (!In Hamburg) (!In Dresden) (!In München)





Memory

Paulskirche Tagungsort der Nationalversammlung
Heinrich von Gagern Erster Parlamentspräsident
Erzherzog Johann Reichsverweser
Casino Rechte liberale Fraktion
Donnersberg Radikaldemokratische Fraktion
Malmö Umstrittener Waffenstillstand
Friedrich Wilhelm IV. Ablehnung der Kaiserkrone
Stuttgart Ort des Rumpfparlaments





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Provisorische Zentralgewalt Vorläufige gesamtdeutsche Exekutive
Volkshaus Direkt zu wählende Kammer des Reichstags
Staatenhaus Vertretung der deutschen Einzelstaaten
Reichsgericht Unabhängiges Organ für Rechtsprechung und Verfassungskonflikte
Großdeutsche Lösung Nationalstaatsmodell mit deutschsprachigen Gebieten Österreichs
Kleindeutsche Lösung Nationalstaatsmodell ohne Österreich unter preußischer Führung
Grundrechte Rechtlich garantierte Freiheits- und Gleichheitsansprüche
Gegenrevolution Rückgewinnung politischer Macht durch die Monarchien






Kreuzworträtsel

Paulskirche In welchem Frankfurter Gebäude tagte das Parlament hauptsächlich?
Gagern Wie lautete der Nachname des ersten Präsidenten?
Casino Wie hieß die größte Fraktion der rechten Liberalen?
Reichsverweser Welches Amt übernahm Erzherzog Johann?
Verfassung Welches grundlegende Staatsdokument wurde im März 1849 beschlossen?
Stuttgart In welcher Stadt endete das Rumpfparlament?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Die Frankfurter Nationalversammlung trat am 18. Mai 1848 in der

zusammen.
Ihr erster Präsident war Heinrich von

.
Die Abgeordneten wollten nationale Einheit mit einer freiheitlichen

verbinden.
Die vorläufige gesamtdeutsche Exekutive hieß Provisorische

.
Erzherzog Johann übernahm das Amt des

.
Der Waffenstillstand von

löste im September 1848 eine schwere Krise aus.
Die Grundrechte des deutschen Volkes wurden im Dezember

beschlossen.
Bei der nationalen Frage setzte sich schließlich die

Lösung durch.
Die Reichsverfassung sah an der Spitze einen erblichen

vor.
Friedrich Wilhelm IV. lehnte die angebotene

ab.
Der verbliebene Rest des Parlaments wechselte nach

.
Ein grundlegendes Machtproblem war das Fehlen eigener militärischer

.
Die Paulskirchenverfassung blieb trotz ihres Scheiterns ein wichtiger Bezugspunkt der deutschen

.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Zeitleiste 1848/49: Gestalte eine visuelle Zeitleiste mit mindestens acht Stationen von der Februarrevolution bis zur Auflösung des Rumpfparlaments. Ergänze zu jeder Station einen Satz über ihre Bedeutung.
  2. Politisches Begriffsnetz: Erstelle ein Begriffsnetz aus Nationalstaat, Volkssouveränität, Konstitutionalismus, Grundrechten, Föderalismus und Gegenrevolution. Erkläre jede Verbindung.
  3. Bildanalyse Paulskirche: Untersuche die zeitgenössische Lithografie der Nationalversammlung. Beschreibe Raumordnung, Symbole, Blickführung und dargestelltes Publikum. Trenne Beobachtung und Deutung.
  4. Kurzporträt: Verfasse ein wissenschaftlich orientiertes Kurzporträt zu Heinrich von Gagern, Robert Blum oder Erzherzog Johann und erkläre die politische Funktion der Person in der Nationalversammlung.


Standard

  1. Fraktionsvergleich: Vergleiche Casino, Württemberger Hof, Deutscher Hof und Donnersberg anhand von Staatsform, Wahlrecht, Revolutionsverständnis und sozialer Basis. Präsentiere das Ergebnis in einer selbst entwickelten Matrix.
  2. Verfassungsanalyse: Wähle drei Artikel der Paulskirchenverfassung aus. Analysiere Normgehalt, historisches Problem, mögliche Nutznießer und Grenzen der Durchsetzbarkeit.
  3. Podcast zur Malmö-Krise: Produziere einen fünf- bis achtminütigen Podcast, in dem eine liberale, eine demokratische und eine preußische Perspektive auf den Waffenstillstand von Malmö hörbar werden.
  4. Frauen in der Revolution: Recherchiere eine politisch aktive Frau aus der Revolution von 1848/49. Zeige, wie formeller Ausschluss und informelle Partizipation gleichzeitig wirkten.


Schwer

  1. Forschungsessay: Prüfe die These, die Nationalversammlung sei weniger an ihren Debatten als an der fehlenden Kontrolle über Verwaltung, Finanzen und Militär gescheitert. Entwickle Gegenargumente und ein begründetes Urteil.
  2. Vergleichende Verfassungsgeschichte: Vergleiche die Paulskirchenverfassung mit der Weimarer Reichsverfassung oder dem Grundgesetz. Untersuche Grundrechte, Staatsoberhaupt, Parlament, Regierung, Föderalismus und Verfassungsgerichtsbarkeit.
  3. Quellenedition im Kleinen: Wähle eine Rede oder Petition von 1848/49. Erstelle eine kommentierte Edition mit Einleitung, Transkriptionsregeln, Sachanmerkungen, Quellenkritik und historischer Einordnung.
  4. Kontrafaktische Analyse: Untersuche die Frage, welche Folgen eine Annahme der Kaiserkrone durch Friedrich Wilhelm IV. hätte haben können. Trenne gesicherte Ausgangsbedingungen, plausible Möglichkeiten und reine Spekulation.




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Lernkontrolle

  1. Struktur und Handlung: Erkläre am Beispiel der Malmö-Krise, wie institutionelle Schwäche und politische Entscheidung einander beeinflussten. Entwickle ein Ursache-Wirkungs-Modell.
  2. Norm und Macht: Beurteile die Aussage: „Eine gute Verfassung genügt, um eine neue politische Ordnung zu schaffen.“ Nutze die Paulskirchenverfassung als Fallstudie und beziehe mindestens ein Gegenbeispiel ein.
  3. Repräsentation: Analysiere, wie Wahlrecht und soziale Zusammensetzung die Themen der Nationalversammlung prägten. Zeige auch, welche Interessen trotz fehlender Mandate öffentlich sichtbar wurden.
  4. Freiheit und Nation: Erörtere den Widerspruch zwischen dem Anspruch nationaler Selbstbestimmung und dem Umgang mit nichtdeutschen Bevölkerungen in umstrittenen Gebieten.
  5. Historisches Urteil: Entwickle eigene Kriterien für „Erfolg“ und „Scheitern“ politischer Bewegungen. Wende sie auf die Nationalversammlung an und begründe die Gewichtung.
  6. Parlament und Revolution: Vergleiche die Logik parlamentarischer Kompromisse mit der Logik revolutionärer Mobilisierung. Erkläre, weshalb beide 1848 einander stützten und zugleich behinderten.
  7. Erinnerungskultur: Entwirf ein Konzept für eine Ausstellung in der Paulskirche, das demokratische Leistungen, soziale Ausschlüsse und nationalistische Grenzen gleichberechtigt thematisiert.




Lernnachweis

Für einen qualifizierten Lernnachweis zu diesem Thema sind folgende Leistungen wichtig:

  1. Sachkompetenz: sichere Einordnung zentraler Ereignisse, Personen, Institutionen und Konflikte von 1848/49.
  2. Methodenkompetenz: nachvollziehbare Kritik mindestens einer Textquelle und einer Bildquelle.
  3. Urteilskompetenz: begründete Bewertung des Scheiterns anhand offengelegter Kriterien.
  4. Multiperspektivität: Einbezug liberaler, demokratischer, monarchischer, sozialer und geschlechtergeschichtlicher Perspektiven.
  5. Verfassungskompetenz: Erklärung des Zusammenspiels von Grundrechten, Parlament, Exekutive, Föderalismus und Gerichtsbarkeit.
  6. Transferleistung: reflektierter Vergleich mit einer späteren Verfassung oder einem anderen verfassunggebenden Prozess.
  7. Wissenschaftliches Arbeiten: korrekte Belege, klare Trennung von Quelle und Forschungsliteratur sowie transparente Kennzeichnung von Unsicherheiten.
  8. Produkt: möglich sind ein Essay, eine Quellenanalyse, ein Podcast, eine digitale Ausstellung oder eine mündliche Prüfung mit Thesenpapier.




OERs zum Thema


Frei zugängliche Quellen und Vertiefungen

  1. Deutscher Bundestag: Revolution und Frankfurter Nationalversammlung 1848/1849
  2. Deutscher Bundestag: Die Paulskirchenverfassung
  3. Bundeszentrale für politische Bildung: Vorparlament und Paulskirche
  4. Bundeszentrale für politische Bildung: Scheitern eines Traumes
  5. Deutsche Digitale Bibliothek: Quellen und Sammlungen
  6. Wikimedia Commons: Medien zur Frankfurter Nationalversammlung


Verknüpfte Lernbereiche


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Schulfach+

Prüfungsliteratur 2026
Bundesland Bücher Kurzbeschreibung
Baden-Württemberg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Mittlere Reife

  1. Der Markisenmann - Jan Weiler oder Als die Welt uns gehörte - Liz Kessler
  2. Ein Schatten wie ein Leopard - Myron Levoy oder Pampa Blues - Rolf Lappert

Abitur Dorfrichter-Komödie über Wahrheit/Schuld; Roman über einen Ort und deutsche Geschichte. Mittlere Reife Wahllektüren (Roadtrip-Vater-Sohn / Jugendroman im NS-Kontext / Coming-of-age / Provinzroman).

Bayern

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Lustspiel über Machtmissbrauch und Recht; Roman als Zeitschnitt deutscher Geschichte an einem Haus/Grundstück.

Berlin/Brandenburg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Der Biberpelz - Gerhart Hauptmann
  4. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Gerichtskomödie; soziales Drama um Ausbeutung/Armut; Komödie/Satire um Diebstahl und Obrigkeit; Roman über Erinnerungsräume und Umbrüche.

Bremen

Abitur

  1. Nach Mitternacht - Irmgard Keun
  2. Mario und der Zauberer - Thomas Mann
  3. Emilia Galotti - Gotthold Ephraim Lessing oder Miss Sara Sampson - Gotthold Ephraim Lessing

Abitur Roman in der NS-Zeit (Alltag, Anpassung, Angst); Novelle über Verführung/Massenpsychologie; bürgerliche Trauerspiele (Moral, Macht, Stand).

Hamburg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun

Abitur Justiz-/Machtkritik als Komödie; Großstadtroman der Weimarer Zeit (Rollenbilder, Aufstiegsträume, soziale Realität).

Hessen

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  4. Der Prozess - Franz Kafka

Abitur Gerichtskomödie; Fragmentdrama über Gewalt/Entmenschlichung; Erinnerungsroman über deutsche Brüche; moderner Roman über Schuld, Macht und Bürokratie.

Niedersachsen

Abitur

  1. Der zerbrochene Krug - Heinrich von Kleist
  2. Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun
  3. Die Marquise von O. - Heinrich von Kleist
  4. Über das Marionettentheater - Heinrich von Kleist

Abitur Schwerpunkt auf Drama/Roman sowie Kleist-Prosatext und Essay (Ehre, Gewalt, Unschuld; Ästhetik/„Anmut“).

Nordrhein-Westfalen

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Komödie über Wahrheit und Autorität; Roman als literarische „Geschichtsschichtung“ an einem Ort.

Saarland

Abitur

  1. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  2. Furor - Lutz Hübner und Sarah Nemitz
  3. Bahnwärter Thiel - Gerhart Hauptmann

Abitur Erinnerungsroman an einem Ort; zeitgenössisches Drama über Eskalation/Populismus; naturalistische Novelle (Pflicht/Überforderung/Abgrund).

Sachsen (berufliches Gymnasium)

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Irrungen, Wirrungen - Theodor Fontane
  4. Der gute Mensch von Sezuan - Bertolt Brecht
  5. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  6. Der Trafikant - Robert Seethaler

Abitur Mischung aus Klassiker-Drama, sozialem Drama, realistischem Roman, epischem Theater und Gegenwarts-/Erinnerungsroman; zusätzlich Coming-of-age im historischen Kontext.

Sachsen-Anhalt

Abitur

  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Themenfelder)

Abitur Schwerpunktsetzung über Themenfelder (u. a. Literatur um 1900; Sprache in politisch-gesellschaftlichen Kontexten), ohne feste Einzeltitel.

Schleswig-Holstein

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Recht/Gerechtigkeit und historische Tiefenschichten eines Ortes – umgesetzt über Drama und Gegenwartsroman.

Thüringen

Abitur

  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool)

Abitur In der Praxis häufig Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool; landesweite Einzeltitel je nach Vorgabe/Handreichung nicht einheitlich ausgewiesen.

Mecklenburg-Vorpommern

Abitur

  1. (Quelle aktuell technisch nicht abrufbar; Beteiligung am gemeinsamen Aufgabenpool bekannt)

Abitur Land beteiligt sich am länderübergreifenden Aufgabenpool; konkrete, veröffentlichte Einzeltitel konnten hier nicht ausgelesen werden.

Rheinland-Pfalz

Abitur

  1. (keine landesweit einheitliche Pflichtlektüre; schulische Auswahl)

Abitur Keine landesweite Einheitsliste; Auswahl kann schul-/kursbezogen erfolgen.




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THE MONKEY DANCE




The Monkey DanceaiMOOCs

  1. Trust Me It's True: #Verschwörungstheorie #FakeNews
  2. Gregor Samsa Is You: #Kafka #Verwandlung
  3. Who Owns Who: #Musk #Geld
  4. Lump: #Trump #Manipulation
  5. Filth Like You: #Konsum #Heuchelei
  6. Your Poverty Pisses Me Off: #SozialeUngerechtigkeit #Musk
  7. Hello I'm Pump: #Trump #Kapitalismus
  8. Monkey Dance Party: #Lebensfreude
  9. God Hates You Too: #Religionsfanatiker
  10. You You You: #Klimawandel #Klimaleugner
  11. Monkey Free: #Konformität #Macht #Kontrolle
  12. Pure Blood: #Rassismus
  13. Monkey World: #Chaos #Illusion #Manipulation
  14. Uh Uh Uh Poor You: #Kafka #BerichtAkademie #Doppelmoral
  15. The Monkey Dance Song: #Gesellschaftskritik
  16. Will You Be Mine: #Love
  17. Arbeitsheft
  18. And Thanks for Your Meat: #AntiFactoryFarming #AnimalRights #MeatIndustry


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