Zum Inhalt springen

John Dewey - Pädagogik

Aus MOOCsWiki Staging
Version vom 23. Juli 2026, 16:34 Uhr von Glanz (Diskussion | Beiträge) (aiMOOC über GPT aiMOOC Action erstellt)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)

John Dewey - Pädagogik



John Dewey - Pädagogik


Einleitung

John Dewey (1859–1952) gehört zu den einflussreichsten Denkern der modernen Pädagogik, Philosophie und Psychologie. Im Zentrum seiner Erziehungsphilosophie steht die Frage, wie Menschen durch gemeinsame, reflektierte Erfahrung handlungsfähig werden und wie Bildung eine demokratische Lebensform fördern kann. Dewey verstand Lernen weder als bloße Aufnahme fertigen Wissens noch als beliebige Selbsttätigkeit. Lernen entsteht für ihn in der aktiven Auseinandersetzung mit einer bedeutsamen Situation, in der ein Problem wahrgenommen, untersucht, praktisch bearbeitet und anschließend reflektiert wird.[1]

Dieser aiMOOC richtet sich besonders an Studierende im Studienfach Pädagogik sowie an angehende Lehrkräfte, Sozialpädagoginnen und Sozialpädagogen, Erwachsenenbildnerinnen und Erwachsenenbildner und alle, die sich mit Bildungstheorie, Didaktik, Demokratiepädagogik oder Reformpädagogik befassen. Du lernst Deweys Grundbegriffe kennen, analysierst ihre Beziehungen, prüfst verbreitete Vereinfachungen und überträgst seine Ideen auf gegenwärtige Lehr-Lern-Situationen.


Lernziele

Nach der Bearbeitung dieses aiMOOCs kannst Du Deweys pädagogisches Denken historisch einordnen, zentrale Begriffe wie Pragmatismus, Erfahrung, Inquiry, Kontinuität, Interaktion und Demokratie erklären und aufeinander beziehen. Du kannst außerdem Unterrichtsentwürfe aus einer deweyschen Perspektive analysieren, die Rolle der Lehrkraft differenziert bestimmen, Grenzen erfahrungsorientierter Pädagogik diskutieren und begründete Anwendungen für Schule, Hochschule, Erwachsenenbildung und digitale Lernräume entwickeln.


Biografischer und historischer Kontext


Lebensstationen

John Dewey wurde am 20. Oktober 1859 in Burlington im US-Bundesstaat Vermont geboren und starb am 1. Juni 1952 in New York. Nach seinem Studium an der University of Vermont promovierte er 1884 an der Johns Hopkins University. Er lehrte unter anderem an der University of Michigan, an der University of Chicago und später an der Columbia University. Seine Arbeit verband Philosophie, frühe wissenschaftliche Psychologie, politische Theorie und Erziehungswissenschaft.[2]

An der University of Chicago entwickelte Dewey gemeinsam mit Kolleginnen, Kollegen und Lehrkräften eine experimentelle Schule, die später als University of Chicago Laboratory School bekannt wurde. Sie sollte keine bloße Demonstrationsschule sein, sondern ein Ort, an dem pädagogische Hypothesen praktisch erprobt, beobachtet und verbessert werden konnten. Deweys Wechsel an die Columbia University im Jahr 1904 erweiterte seinen Einfluss auf die Lehrerbildung und auf internationale Debatten über Schule, Demokratie und gesellschaftliche Modernisierung.

Das historische Video zeigt Dewey selbst. Nutze es als Quelle mit kritischer Distanz: Achte auf Sprache, Gestik, Aufnahmesituation und die Grenzen eines kurzen historischen Filmausschnitts.


Gesellschaftlicher Wandel als pädagogische Herausforderung

Deweys Pädagogik entstand in einer Zeit tiefgreifender Veränderungen: Industrialisierung, Urbanisierung, Migration, neue Arbeitsformen, wissenschaftlich-technische Entwicklungen und soziale Konflikte veränderten die Vereinigten Staaten. Traditionelle Schulen reagierten darauf häufig mit starren Stundenplänen, Lehrbuchorientierung, Rezitation und Disziplinierung. Dewey fragte dagegen, wie Schule Kinder und Jugendliche auf eine Gesellschaft vorbereiten könne, deren Zukunft nicht vollständig vorhersehbar ist.

Seine Antwort bestand nicht in einer Anpassung an bestehende Verhältnisse. Bildung sollte Menschen befähigen, gesellschaftliche Probleme gemeinsam zu untersuchen und ihre Lebensbedingungen demokratisch mitzugestalten. In diesem Sinn ist Schule bei Dewey zugleich ein Ort individueller Entwicklung und eine soziale Institution.


Dewey im Netzwerk des Pragmatismus und der Sozialreform

Deweys Denken steht im Zusammenhang mit dem amerikanischen Pragmatismus. Wichtige Bezugspunkte waren Charles Sanders Peirce, William James und George Herbert Mead. Zugleich arbeitete Dewey im Umfeld sozialer Reformbewegungen. Der Austausch mit Jane Addams und dem Hull House verdeutlicht, dass seine Demokratievorstellung nicht auf Parlamente und Wahlen beschränkt war, sondern Alltag, Nachbarschaft, Arbeit, Öffentlichkeit und Bildung umfasste.


Philosophische Grundlagen


Pragmatismus und Instrumentalismus

Im Pragmatismus werden Begriffe und Theorien nicht als zeitlose Abbilder einer vollständig fertigen Welt behandelt. Sie sind Werkzeuge, mit denen Menschen Situationen deuten, Folgen abschätzen und Probleme bearbeiten. Deweys Variante wird häufig als Instrumentalismus bezeichnet. Eine Idee gewinnt Bedeutung dadurch, wie sie in einer Untersuchung verwendet wird und ob sie sich in einer offenen, überprüfbaren Praxis bewährt.

Das bedeutet nicht, dass Wahrheit beliebig oder nur subjektiv wäre. Dewey betont vielmehr die öffentliche Prüfbarkeit von Behauptungen. Wissen bleibt korrigierbar, muss aber durch Gründe, Beobachtungen, Erfahrung und gemeinschaftliche Kritik gestützt werden. Für die Pädagogik folgt daraus: Lernende sollen Wissen nicht nur wiedergeben, sondern verstehen, wie es entstanden ist, wozu es dient, unter welchen Bedingungen es gilt und wie es geprüft werden kann.


Organismus und Umwelt

Dewey denkt Menschen nicht als isolierte Innenwelten, die anschließend Kontakt zu einer äußeren Welt aufnehmen. Er beschreibt Erfahrung als dynamische Beziehung zwischen einem handelnden Lebewesen und seiner Umwelt. Eine Situation verändert die handelnde Person, während ihre Handlungen zugleich die Situation verändern. Diese wechselseitige Beziehung wird in späteren pragmatistischen Diskussionen häufig als Transaktion bezeichnet.

Pädagogisch wichtig ist deshalb nicht nur, was sich angeblich im Kopf eines Lernenden befindet. Ebenso wichtig sind Materialien, Aufgaben, Sprache, soziale Beziehungen, Raum, Zeit, Regeln, institutionelle Macht und kulturelle Bedeutungen. Lehr-Lern-Prozesse werden durch die gesamte Situation geprägt.


Denken als praktische Untersuchung

Denken entsteht bei Dewey typischerweise dann, wenn routiniertes Handeln nicht mehr ausreicht. Eine unklare oder widersprüchliche Situation wird als Problem erfahren. Die Beteiligten sammeln Informationen, formulieren Vermutungen, prüfen Zusammenhänge, testen Handlungsmöglichkeiten und bewerten Folgen. Dewey bezeichnet diesen Prozess als Inquiry.

Inquiry verbindet Handeln und Reflexion. Unreflektierte Aktivität ist noch kein gehaltvolles Lernen. Reine Reflexion ohne Bezug zu einer überprüfbaren Situation bleibt dagegen leicht folgenlos. Pädagogische Qualität entsteht in der Verbindung von Problemwahrnehmung, Untersuchung, begründetem Handeln und Auswertung.


Erfahrung und Bildung


Erfahrung ist nicht automatisch bildend

Eine der wichtigsten Differenzierungen Deweys lautet: Nicht jede Erfahrung ist erzieherisch wertvoll. Eine Erfahrung kann Neugier fördern, Fähigkeiten erweitern und weitere Lernmöglichkeiten eröffnen. Sie kann aber auch Angst, Routine, Abhängigkeit, Vorurteile oder Gleichgültigkeit verstärken. Eine Pädagogik der Erfahrung darf deshalb nicht bei Aktivität, Spaß oder unmittelbarer Beteiligung stehen bleiben.

In seinem Werk Experience and Education von 1938 unterscheidet Dewey zwei eng verbundene Kriterien: Kontinuität und Interaktion. Mit ihnen lässt sich untersuchen, ob und wie eine Erfahrung weiteres Lernen ermöglicht.


Kontinuität

Das Prinzip der Kontinuität besagt, dass jede Erfahrung auf früheren Erfahrungen aufbaut und zukünftige Erfahrungen beeinflusst. Wer in einem Projekt lernt, Fragen zu formulieren, Quellen zu prüfen und mit Rückmeldungen umzugehen, entwickelt Dispositionen für weitere Untersuchungen. Wer dagegen wiederholt erlebt, dass eigene Beiträge folgenlos bleiben, kann Passivität oder Zynismus entwickeln.

Kontinuität ist deshalb kein bloßes zeitliches Nacheinander. Entscheidend ist die Richtung der Entwicklung. Eine bildende Erfahrung erweitert die Fähigkeit, zukünftige Situationen differenzierter wahrzunehmen und verantwortlicher zu bearbeiten.


Interaktion

Das Prinzip der Interaktion bezeichnet das Zusammenspiel von inneren Bedingungen und äußeren Bedingungen. Zu den inneren Bedingungen gehören Vorerfahrungen, Interessen, Kenntnisse, Gefühle und Bedürfnisse. Zu den äußeren Bedingungen gehören Aufgabe, Material, soziale Beziehungen, Sprache, Zeitstruktur, Raum und institutionelle Regeln.

Eine identische Aufgabe kann deshalb für verschiedene Lernende unterschiedliche Erfahrungen erzeugen. Umgekehrt kann ein Interesse nur dann produktiv werden, wenn die Lernumgebung geeignete Widerstände, Materialien, Fragen und Unterstützung bietet. Pädagogische Planung muss beide Seiten berücksichtigen.


Erlebnis, Erfahrung und Reflexion

Im Alltag werden Erlebnis und Erfahrung oft gleichgesetzt. In einer deweyschen Perspektive ist jedoch die Verarbeitung entscheidend. Ein Erlebnis wird bildungsrelevant, wenn Handlungen und ihre Folgen wahrgenommen, sprachlich oder gestalterisch gefasst, mit Vorwissen verbunden und für zukünftiges Handeln ausgewertet werden. Reflexion verwandelt Aktivität nicht automatisch in Wahrheit, aber sie ermöglicht begründete Lernprozesse.

Ein deweyscher Unterricht fragt daher nicht nur: Was haben wir gemacht? Er fragt auch: Welches Problem wurde bearbeitet? Welche Annahmen hatten wir? Welche Folgen traten ein? Welche Belege sprechen für unsere Deutung? Was würden wir beim nächsten Mal verändern?


Inquiry und reflektierendes Denken


Der Ausgangspunkt: eine problematische Situation

Inquiry beginnt nicht mit einer beliebigen Frage auf einem Arbeitsblatt, sondern mit einer Situation, in der Handlungsfähigkeit gestört oder unsicher ist. Lernende bemerken eine Differenz zwischen Erwartung und Beobachtung, zwischen Ziel und verfügbarem Mittel oder zwischen verschiedenen Deutungen. Diese Irritation erzeugt einen Anlass zur Untersuchung.

Ein Beispiel aus der Hochschullehre: In einem Seminar zeigt sich, dass Studierende in Gruppenarbeiten zwar viele Beiträge sammeln, aber kaum begründete Entscheidungen treffen. Die problematische Situation lautet nicht einfach Gruppenarbeit funktioniert nicht. Sie muss genauer untersucht werden: Sind Aufgaben unklar? Fehlen Kriterien? Werden Beiträge ungleich verteilt? Gibt es Zeitdruck? Welche Rolle spielt die Moderation?


Phasen einer Inquiry

Deweys Darstellungen reflektierenden Denkens werden häufig in Phasen zusammengefasst. Diese Phasen sind keine starre Unterrichtsschablone, sondern eine analytische Orientierung:

  1. Irritation: Eine unbestimmte oder problematische Situation wird wahrgenommen.
  2. Problemformulierung: Die Schwierigkeit wird eingegrenzt und als untersuchbare Frage formuliert.
  3. Hypothese: Mögliche Erklärungen oder Handlungswege werden entwickelt.
  4. Begründung: Folgen, Voraussetzungen und Zusammenhänge der Hypothesen werden gedanklich geprüft.
  5. Erprobung: Beobachtungen, Experimente, Recherchen oder Handlungen liefern Hinweise.
  6. Reflexion: Ergebnisse und Nebenfolgen werden ausgewertet; die Ausgangsfrage wird gegebenenfalls verändert.

Inquiry kann Schleifen enthalten. Neue Daten können eine Hypothese widerlegen, eine Problemformulierung verändern oder zusätzliche Fragen erzeugen. Gerade diese Korrigierbarkeit macht den Prozess wissenschaftsnah und demokratisch.


Fehler als Erkenntnischance

Fehler sind in einer Inquiry keine bloßen Defizite, sondern Informationen über die Beziehung zwischen Erwartung, Handlung und Folge. Pädagogisch produktiv werden sie erst, wenn sie ohne Beschämung analysiert werden können. Die Lehrkraft muss deshalb eine Kultur schaffen, in der Begründungen sichtbar, Gegenargumente erlaubt und Revisionen anerkannt werden.

Dies bedeutet nicht, dass jede Antwort gleich gut ist. Behauptungen unterscheiden sich nach Beleglage, begrifflicher Klarheit, Folgerichtigkeit und praktischen Folgen. Deweys Offenheit ist eine methodisch kontrollierte Offenheit.


Schule als soziale Lebensform


Schule und Gesellschaft

Dewey kritisiert die Vorstellung, Schule sei lediglich eine Vorbereitung auf ein späteres Leben. Schule ist bereits gegenwärtiges soziales Leben. Lernende erfahren dort Anerkennung, Ausschluss, Kooperation, Wettbewerb, Verantwortung, Autorität und Teilhabe. Der pädagogische Gehalt einer Schule liegt daher nicht nur in Lehrplänen, sondern auch in ihren alltäglichen Beziehungen und institutionellen Routinen.

The School and Society erschien 1899 und verbindet die Analyse gesellschaftlicher Veränderungen mit Überlegungen zur Gestaltung einer kind- und gemeinschaftsbezogenen Schule.[3]


Die Laboratory School

Die 1896 gegründete Laboratory School der University of Chicago diente als pädagogisches Experimentierfeld. Tätigkeiten wie Kochen, Weben, Bauen oder Forschen wurden nicht als bloße Beschäftigung verstanden. Sie sollten naturwissenschaftliche, historische, ökonomische, soziale und ästhetische Zusammenhänge erschließen. Dewey verwendete für solche bedeutungsvollen Tätigkeitszusammenhänge den Begriff occupations.

Eine occupation ist mehr als handwerkliches Tun. Sie verbindet Zweck, Material, Wissen, Kooperation und Reflexion. Beim Kochen können zum Beispiel Stoffveränderungen, Maße, Energie, Hygiene, Arbeitsteilung, Kulturgeschichte und globale Warenketten untersucht werden. Das praktische Vorhaben bildet einen Zusammenhang, in dem Fachwissen funktional gebraucht und systematisiert wird.


Deweys Entwurf einer verbundenen Schule

Dewey wandte sich gegen die Zersplitterung des Lernens in isolierte Fächer und gegen eine Trennung von Schule und Lebenswelt. Sein Entwurf einer unified school zeigt, wie Werkstatt, Garten, Küche, Bibliothek, Museum, Wissenschaft und gesellschaftliche Tätigkeiten miteinander verbunden werden können.

Die Grafik darf nicht als fertiger Stundenplan gelesen werden. Sie visualisiert ein didaktisches Prinzip: Erfahrungen benötigen Zugänge zu organisiertem Wissen, und Fachwissen gewinnt Bedeutung, wenn es zur Untersuchung realer Zusammenhänge beiträgt.


Demokratie und Erziehung


Demokratie als Lebensform

Für Dewey ist Demokratie mehr als eine Regierungsform. Sie ist eine Form des gemeinsamen Lebens, die durch geteilte Interessen, offene Kommunikation, Kooperation und die Möglichkeit geprägt ist, Erfahrungen zwischen sozialen Gruppen auszutauschen. Eine Gesellschaft ist umso demokratischer, je weniger sie Menschen voneinander abschottet und je besser sie gemeinsame Probleme öffentlich bearbeiten kann.

Bildung ist dafür grundlegend. Demokratie benötigt Bürgerinnen und Bürger, die zuhören, Gründe prüfen, Perspektiven wechseln, Konflikte austragen, Folgen bedenken und Entscheidungen revidieren können. Umgekehrt benötigt Bildung demokratische Verhältnisse, weil Lernen Austausch, Freiheit der Untersuchung und Zugang zu vielfältigen Erfahrungen voraussetzt.


Democracy and Education

Deweys Hauptwerk Democracy and Education: An Introduction to the Philosophy of Education erschien 1916. Darin untersucht er Erziehung als sozialen Prozess, diskutiert Bildungsziele, Interessen, Denken, Arbeit, Kultur und die Beziehungen zwischen Individuum und Gesellschaft.[4]


Demokratische Praxis im Unterricht

Ein demokratischer Unterricht beschränkt sich nicht auf Abstimmungen. Mehrheitsherrschaft kann Minderheiten übergehen und ersetzt keine begründete Untersuchung. Demokratische Lernkultur zeigt sich unter anderem darin, dass Lernende Zugang zu relevanten Informationen erhalten, Fragen mitentwickeln, unterschiedliche Perspektiven einbringen, Regeln begründen, Verantwortung übernehmen und die Folgen gemeinsamer Entscheidungen reflektieren.

Die Lehrkraft bleibt dabei verantwortlich. Sie schützt Beteiligungsrechte, stellt fachliche Ressourcen bereit, macht Machtverhältnisse sichtbar und verhindert, dass Lautstärke oder sozialer Status über Geltung entscheiden. Demokratische Pädagogik verlangt daher strukturierte Teilhabe und nicht den Rückzug professioneller Führung.


Kind, Curriculum und Rolle der Lehrkraft


Weder Stoffzentrierung noch romantische Kindzentrierung

In The Child and the Curriculum von 1902 kritisiert Dewey eine falsche Alternative. Auf der einen Seite steht ein Curriculum, das Fachwissen als fertige Ordnung präsentiert und die Erfahrungen der Lernenden ignoriert. Auf der anderen Seite steht eine romantische Kindzentrierung, die spontane Interessen mit Bildungszielen verwechselt.

Deweys Lösung besteht in Vermittlung. Die Erfahrungen und Fragen der Lernenden bilden Ausgangspunkte, während die Lehrkraft die weiterführenden Möglichkeiten des Fachwissens kennt. Sie entwirft Situationen, in denen sich gegenwärtige Erfahrungen in Richtung systematischer Erkenntnis entwickeln können.


Interesse und Disziplin

Interesse bedeutet bei Dewey nicht bloße Unterhaltung. Es bezeichnet eine innere Beteiligung an einer Tätigkeit, deren Ziel und Verlauf für die handelnde Person bedeutsam sind. Disziplin ist ebenfalls nicht einfach äußerer Zwang. Sie entwickelt sich, wenn Lernende an einer anspruchsvollen Sache festhalten, Hindernisse bearbeiten und ihre Handlungen an einem Ziel ausrichten.

Guter Unterricht verbindet Interesse und Disziplin. Eine bedeutsame Frage kann Ausdauer erzeugen; fachliche Methoden ermöglichen, diese Frage genauer zu bearbeiten. Eine künstliche Motivation durch Belohnung ersetzt diese Verbindung nicht.


Die Lehrkraft als Gestalterin von Lernumgebungen

Deweys Lehrkraft ist weder alleinige Wissensquelle noch passive Begleiterin. Zu ihren Aufgaben gehören:

  1. Diagnose: Vorerfahrungen, Interessen, Wissensstände und Hindernisse wahrnehmen.
  2. Didaktische Planung: Situationen auswählen, deren Bearbeitung fachlich und persönlich weiterführt.
  3. Strukturierung: Materialien, Zeit, Gruppen, Regeln und Zwischenschritte organisieren.
  4. Fachliche Führung: Begriffe, Methoden, Modelle und Qualitätskriterien einführen.
  5. Gesprächsführung: Begründungen einfordern, Perspektiven verbinden und Konflikte klären.
  6. Reflexion: Erfahrungen auswerten und Übergänge zu weiterem Lernen ermöglichen.

Professionelle Autorität wird nicht abgeschafft, sondern anders begründet: durch Sachkenntnis, Verantwortung für Lernbedingungen und die Fähigkeit, Beteiligung zu ermöglichen.


Zentrale Werke und Entwicklungslinien

Werk Jahr Pädagogischer Schwerpunkt
My Pedagogic Creed 1897 Erziehung als sozialer Prozess; Schule als soziale Institution
The School and Society 1899 Verbindung von Schule, Lebenswelt, Arbeit und gesellschaftlichem Wandel
The Child and the Curriculum 1902 Vermittlung zwischen kindlicher Erfahrung und organisiertem Fachwissen
How We Think 1910, überarbeitet 1933 Reflektierendes Denken, Problemformulierung und Untersuchung
Democracy and Education 1916 Bildung als Bedingung demokratischen Zusammenlebens
Art as Experience 1934 Ästhetische Erfahrung als Einheit von Wahrnehmung, Handlung und Bedeutung
Experience and Education 1938 Kriterien bildender Erfahrung; Kritik an traditioneller und missverstandener progressiver Erziehung

My Pedagogic Creed ist als gemeinfreier Primärtext zugänglich.[5] Achte beim Lesen auf die Entwicklung von Deweys Denken. Einzelne frühe Formulierungen dürfen nicht ohne Prüfung mit seinen späteren Werken gleichgesetzt werden.


Häufige Missverständnisse


Missverständnis: Dewey habe den Satz Learning by Doing erfunden

Der Ausdruck learning by doing wird oft mit Dewey verbunden, wurde aber nicht von ihm geprägt.[6] Seine Pädagogik lässt sich auch nicht auf diesen Slogan reduzieren. Dewey betont vielmehr den Zusammenhang von Tun, Wahrnehmen von Folgen, begrifflicher Klärung und Reflexion.


Missverständnis: Jede Aktivität sei guter Unterricht

Eine lebhafte Unterrichtsstunde kann pädagogisch unergiebig sein. Entscheidend ist, ob die Aktivität zu einer gehaltvollen Untersuchung führt, Begriffe erschließt, Folgen sichtbar macht und zukünftige Lernmöglichkeiten erweitert. Beschäftigung ist noch keine Bildung.


Missverständnis: Dewey lehne Fachwissen ab

Dewey kritisiert isoliertes und unverstandenes Wissen, nicht Wissen selbst. Organisierte Fachkenntnisse sind verdichtete gesellschaftliche Erfahrungen. Sie helfen, unmittelbare Situationen zu überschreiten, Muster zu erkennen und bessere Hypothesen zu bilden. Die Herausforderung besteht darin, sie mit Fragen und Handlungen der Lernenden zu vermitteln.


Missverständnis: Die Lehrkraft müsse sich zurückziehen

Dewey kritisiert autoritäre Willkür, aber nicht professionelle Führung. Ohne vorausschauende Planung können offene Lernformen bestehende Ungleichheiten verstärken. Die Lehrkraft trägt Verantwortung dafür, dass alle Lernenden Zugang zu Materialien, Sprache, Zeit, Unterstützung und anspruchsvollen Fragestellungen erhalten.


Missverständnis: Demokratie bedeute permanente Abstimmung

Demokratische Bildung umfasst Kommunikation, gemeinsame Untersuchung, Minderheitenschutz, begründete Entscheidungen und die Bereitschaft zur Revision. Eine Abstimmung kann Teil davon sein, ersetzt aber nicht die Qualität des gemeinsamen Denkens.


Vergleich mit anderen pädagogischen Ansätzen

Ansatz Gemeinsamkeit mit Dewey Wichtiger Unterschied
Reformpädagogik Kritik an starrer Buchschule und Betonung der Aktivität Dewey begründet Aktivität systematisch über Erfahrung, Inquiry und Demokratie
Montessoripädagogik Bedeutung vorbereiteter Umgebungen und selbstständiger Tätigkeit Dewey betont stärker gemeinsame Problembearbeitung und gesellschaftliche Kommunikation
Projektmethode Lernen in längerfristigen, zielgerichteten Tätigkeiten Nicht jedes Projekt erfüllt Deweys Kriterien; Reflexion, Fachlichkeit und soziale Folgen sind entscheidend
Konstruktivismus Lernende sind aktiv an Bedeutungsbildung beteiligt Deweys Ansatz ist stärker sozial, handlungstheoretisch und demokratietheoretisch ausgerichtet
Problemorientiertes Lernen Ausgangspunkt ist eine problematische Situation Dewey verbindet Problemlösen ausdrücklich mit gesellschaftlicher Erfahrung und demokratischer Öffentlichkeit
Kritische Pädagogik nach Paulo Freire Dialog, Kritik passiver Wissensaufnahme und gesellschaftliche Handlungsfähigkeit Freire analysiert Herrschaft und Befreiung expliziter; Dewey betont experimentelle Kooperation und demokratische Inquiry

Vergleiche sollten nicht auf Schlagwörtern beruhen. Prüfe jeweils Menschenbild, Wissensbegriff, Rolle der Lehrkraft, Verhältnis von Individuum und Gesellschaft, Verständnis von Erfahrung und politische Zielsetzung.


Kritik und Grenzen


Offenheit und Unbestimmtheit

Deweys Begriffe sind produktiv, aber teilweise weit. Erfahrung, Wachstum und Demokratie benötigen in konkreten Analysen zusätzliche Kriterien. Wachstum kann nicht allein deshalb gut sein, weil etwas zunimmt. Auch manipulative, ausgrenzende oder gewaltförmige Praktiken können sich stabilisieren. Pädagogische Bewertung braucht daher normative Maßstäbe wie Menschenwürde, Gerechtigkeit, Teilhabe und Schutz vor Diskriminierung.


Ressourcen und institutionelle Bedingungen

Inquiry-orientierter Unterricht benötigt Zeit, Materialien, fachliche Diagnose, flexible Räume und eine Kultur der Kooperation. Unter hohem Prüfungsdruck oder bei großen Lerngruppen kann die Umsetzung schwierig sein. Diese Schwierigkeit widerlegt Deweys Theorie nicht, zeigt aber, dass Unterrichtsentwicklung mit Organisations- und Bildungspolitik verbunden ist.


Macht und Ungleichheit

Die Idee gemeinsamer Kommunikation kann verdecken, dass Beteiligte sehr unterschiedliche sprachliche, soziale und institutionelle Macht besitzen. Eine Diskussion ist nicht automatisch demokratisch. Lehrkräfte müssen deshalb Barrieren analysieren, Schutzräume schaffen, unterschiedliche Ausdrucksformen ermöglichen und die Verteilung von Redezeit, Anerkennung und Entscheidungsmacht beobachten.


Verhältnis von Offenheit und fachlicher Systematik

Offene Probleme können motivieren, aber Lernende entdecken komplexes Fachwissen nicht vollständig selbst. Systematische Instruktion, Übung und Rückmeldung bleiben notwendig. Eine deweysche Didaktik muss daher untersuchen, wann Exploration sinnvoll ist, wann direkte Erklärung benötigt wird und wie beide Formen verbunden werden.


Gegenwartsbezug


Projektlernen und forschendes Lernen

Projektorientierter Unterricht, Forschendes Lernen, Service Learning, Makerspace-Arbeit und Problemorientiertes Lernen können an Dewey anschließen. Entscheidend ist nicht das Etikett, sondern die Qualität der Lernarchitektur. Ein Projekt ist deweysch gehaltvoll, wenn es ein echtes Problem erschließt, fachliche Methoden verlangt, Kooperation organisiert, Folgen sichtbar macht und reflexiv ausgewertet wird.


Demokratiebildung und politische Bildung

Deweys Denken ist für Demokratiepädagogik und Politische Bildung relevant, weil es Wissen, Urteil und Beteiligung verbindet. Lernende sollen gesellschaftliche Fragen nicht nur kommentieren, sondern Informationsquellen prüfen, Betroffene anhören, Interessen analysieren, Handlungsoptionen entwickeln und Folgen abwägen.

Ein Beispiel ist die Untersuchung der Barrierefreiheit einer Hochschule. Studierende dokumentieren Zugänge, führen Interviews, analysieren rechtliche und institutionelle Rahmenbedingungen, entwickeln Verbesserungsvorschläge und diskutieren diese mit Verantwortlichen. Die Erfahrung wird bildend, wenn Beobachtung, Fachwissen, Perspektivwechsel, Handlung und Reflexion miteinander verbunden werden.


Digitale Bildung und Künstliche Intelligenz

Auch digitale Lernräume lassen sich mit Dewey analysieren. Künstliche Intelligenz kann Hypothesen liefern, Texte strukturieren oder Simulationen unterstützen. Sie darf jedoch Inquiry nicht ersetzen. Lernende müssen prüfen, welche Daten, Annahmen und Interessen in einem System wirksam sind, wie verlässlich Ausgaben sind und welche sozialen Folgen die Nutzung hat.

Eine deweysche Leitfrage lautet: Erweitert die Technologie die Fähigkeit zur gemeinsamen, überprüfbaren Problembearbeitung oder macht sie Lernende abhängig von undurchsichtigen Ergebnissen? Gute digitale Bildung verbindet praktische Nutzung mit Quellenkritik, Datenschutz, Transparenz, Kooperation und Reflexion.


Ästhetische Erfahrung

In Art as Experience untersucht Dewey Kunst nicht als isolierten Luxusbereich. Ästhetische Erfahrung entsteht, wenn Wahrnehmen, Fühlen, Handeln und Bedeutung zu einem intensiven Zusammenhang werden. Für die Pädagogik folgt daraus, dass Gestaltung, Rhythmus, Materialität und Ausdruck keine bloßen Ergänzungen kognitiven Lernens sind. Sie können eigenständige Formen der Welterschließung sein.


Didaktisches Analysemodell für die Praxis

Mit den folgenden Fragen kannst Du eine Lehr-Lern-Situation aus deweyscher Perspektive untersuchen:

  1. Problembezug: Welche reale oder fachlich bedeutsame Irritation eröffnet die Situation?
  2. Erfahrungsbezug: An welche Vorerfahrungen knüpft sie an, ohne darin stecken zu bleiben?
  3. Kontinuität: Welche Fähigkeiten und Haltungen für zukünftige Situationen werden aufgebaut?
  4. Interaktion: Wie wirken Person, Material, Gruppe, Sprache, Raum und Regeln zusammen?
  5. Inquiry: Können Lernende Hypothesen bilden, Daten prüfen, handeln und Ergebnisse revidieren?
  6. Fachlichkeit: Welche Begriffe, Methoden und Qualitätskriterien werden erschlossen?
  7. Demokratie: Wer kann teilnehmen, gehört werden und Entscheidungen beeinflussen?
  8. Lehrkraftrolle: Wo sind Struktur, Erklärung, Schutz, Herausforderung und Rückmeldung nötig?
  9. Reflexion: Wie werden Handlungen, Folgen und Nebenfolgen ausgewertet?
  10. Transfer: Wie lässt sich das Gelernte auf neue Situationen beziehen?


Fallbeispiel: Nachhaltige Mensa

Eine Hochschule möchte Lebensmittelabfälle in ihrer Mensa reduzieren. Ein Seminar entwickelt dazu ein Inquiry-Projekt. Die Studierenden erfassen Abfallmengen, beobachten Abläufe, interviewen Beschäftigte und Gäste, untersuchen ökologische sowie ökonomische Zusammenhänge und entwickeln Interventionen. Anschließend vergleichen sie Wirkungen und unbeabsichtigte Nebenfolgen.

Aus deweyscher Sicht ist das Projekt dann bildend, wenn es nicht bei Aktionismus bleibt. Die Studierenden benötigen fachliche Modelle, verlässliche Messverfahren, ethische Regeln für Interviews, transparente Entscheidungsprozesse und Zeit zur Reflexion. Auch ein Scheitern kann erkenntnisreich sein, sofern Ursachen analysiert und Hypothesen revidiert werden.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Welche Verbindung steht im Zentrum von Deweys Pädagogik? (Erfahrung Reflexion und demokratische Teilhabe) (!Auswendiglernen Kontrolle und Selektion) (!Angeborene Begabung Wettbewerb und Belohnung) (!Lehrbuchwissen Prüfung und Rangordnung)




Welchen Zweck hatte die Laboratory School in Chicago? (Pädagogische Ideen praktisch zu erproben und zu untersuchen) (!Kinder möglichst früh auf Fabrikarbeit zu spezialisieren) (!Ausschließlich philosophische Vorlesungen anzubieten) (!Ein landesweites Prüfungssystem zu verwalten)




Welche beiden Kriterien prägen Deweys Theorie bildender Erfahrung? (Kontinuität und Interaktion) (!Belohnung und Bestrafung) (!Begabung und Intelligenzquotient) (!Tradition und Gehorsam)




Womit beginnt eine Inquiry typischerweise? (Mit einer als problematisch erfahrenen Situation) (!Mit einer vollständig feststehenden Lösung) (!Mit einer Rangliste der Lernenden) (!Mit dem Auswendiglernen eines Lexikons)




Wie versteht Dewey Demokratie im pädagogischen Zusammenhang? (Als Form gemeinsamen Lebens und kommunikativer Problembearbeitung) (!Als bloße Mehrheitsabstimmung in jeder Unterrichtsminute) (!Als vollständigen Verzicht auf institutionelle Regeln) (!Als ausschließlich private Lebensentscheidung)




Welche Aufgabe hat die Lehrkraft in Deweys Pädagogik? (Sie gestaltet Lernbedingungen und führt fachlich verantwortet) (!Sie zieht sich aus allen Lernprozessen vollständig zurück) (!Sie bewertet nur angeborene Begabung) (!Sie ersetzt jede Untersuchung durch fertige Antworten)




Wie sollen kindliche Erfahrung und Curriculum zusammenwirken? (Erfahrungen bilden Ausgangspunkte für die Erschließung systematischen Wissens) (!Das Curriculum wird vollständig durch spontane Wünsche ersetzt) (!Vorerfahrungen dürfen im Unterricht keine Rolle spielen) (!Fachwissen wird grundsätzlich als schädlich abgelehnt)




Welches Werk Deweys erschien 1916? (Democracy and Education) (!Experience and Education) (!Art as Experience) (!The Child and the Curriculum)




Welche Aussage beschreibt Deweys Erfahrungsbegriff angemessen? (Erfahrung wird durch Handlung Folgen und Reflexion bildungswirksam) (!Jede Aktivität führt automatisch zu Bildung) (!Nur angenehme Erlebnisse ermöglichen Lernen) (!Erfahrung ist ausschließlich ein inneres Gefühl)




Welche Kritik ist bei der Umsetzung deweyscher Pädagogik besonders relevant? (Offene Inquiry benötigt Zeit Ressourcen Struktur und fachliche Begleitung) (!Deweys Ansatz verbietet jede Zusammenarbeit) (!Dewey fordert ausschließlich standardisierte Tests) (!Seine Pädagogik lehnt gesellschaftliche Fragen ab)





Memory

Pragmatismus Ideen werden in ihren Folgen und Anwendungen geprüft
Erfahrung Beziehung zwischen handelnder Person und Umwelt
Kontinuität Erfahrungen beeinflussen zukünftige Lernmöglichkeiten
Interaktion Innere und äußere Bedingungen wirken zusammen
Inquiry Reflektierte Untersuchung einer problematischen Situation
Demokratie Geteilte Lebensform mit Kommunikation und Teilhabe
Laboratory School Ort pädagogischer Erprobung und Forschung
Occupation Bedeutungsvolle Tätigkeit mit fachlichen Zusammenhängen





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Kontinuität Wirkung einer Erfahrung auf spätere Erfahrungen
Interaktion Zusammenspiel von Person und Situation
Inquiry Untersuchung eines offenen Problems
Occupation Fachlich vernetzte bedeutungsvolle Tätigkeit
Demokratie Gemeinsame Kommunikation und Teilhabe






Kreuzworträtsel

Pragmatismus Welche philosophische Richtung prüft Ideen an ihren praktischen Folgen?
Erfahrung Welcher Grundbegriff bezeichnet die Beziehung von Handlung und Umwelt?
Kontinuität Welches Prinzip beschreibt die Wirkung früherer auf spätere Lernprozesse?
Interaktion Welches Prinzip verbindet innere und äußere Bedingungen?
Demokratie Welche Lebensform beruht bei Dewey auf Kommunikation und Teilhabe?
Inquiry Wie heißt die reflektierte Untersuchung einer problematischen Situation?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

John Deweys Erziehungsphilosophie gehört zum amerikanischen

. Lernen beginnt häufig mit einer als problematisch erfahrenen

. Die reflektierte Untersuchung eines Problems nennt Dewey

. Das Prinzip der

fragt nach der Wirkung einer Erfahrung auf zukünftiges Lernen. Das Prinzip der

verbindet persönliche und situative Bedingungen. Eine Erfahrung ist nicht automatisch

. Die Laboratory School diente der pädagogischen

. Demokratie versteht Dewey als Form des gemeinsamen

. Die Lehrkraft gestaltet Lernumgebungen und übernimmt fachliche

. Das Werk Democracy and Education erschien im Jahr

.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Begriffsnetz: Gestalte eine Concept-Map mit den Begriffen Erfahrung, Inquiry, Kontinuität, Interaktion, Demokratie und Lehrkraft. Markiere mindestens acht Beziehungen und erläutere sie in eigenen Worten.
  2. Medienanalyse: Untersuche eines der eingebetteten Videos. Notiere drei zentrale Aussagen, zwei offene Fragen und einen Punkt, den Du mit einem Primärtext überprüfen möchtest.
  3. Alltagsbeobachtung: Beschreibe eine eigene Lernerfahrung. Analysiere, welche Handlung, welche Folgen und welche Reflexion daran beteiligt waren.
  4. Mythencheck: Erstelle ein kurzes Poster zu einem Missverständnis über Dewey, etwa zur Formel Learning by Doing, und formuliere eine fachlich genauere Alternative.


Standard

  1. Unterrichtsanalyse: Beobachte oder rekonstruiere eine Lehrveranstaltung. Bewerte sie anhand der Kriterien Problembezug, Kontinuität, Interaktion, Inquiry, Fachlichkeit und Teilhabe.
  2. Primärtextarbeit: Lies einen Abschnitt aus Democracy and Education oder My Pedagogic Creed. Formuliere eine These, belege sie mit Textstellen und erläutere ihre pädagogische Bedeutung.
  3. Interviewprojekt: Befrage eine Lehrkraft oder pädagogische Fachkraft zu erfahrungsorientiertem Lernen. Vergleiche die Aussagen mit Deweys Kriterien und arbeite Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede heraus.
  4. Inquiry-Entwurf: Plane eine neunzigminütige Lerneinheit, die von einer problematischen Situation ausgeht. Lege Hypothesenbildung, Untersuchung, fachliche Inputs und Reflexion fest.


Schwer

  1. Theorienvergleich: Vergleiche Dewey mit Montessori, Freire oder einem konstruktivistischen Ansatz. Entwickle Kriterien und verfasse eine argumentierende Analyse statt einer bloßen Gegenüberstellung von Schlagwörtern.
  2. Forschungsprojekt: Untersuche in einer kleinen empirischen Studie, wie Redeanteile und Entscheidungsmacht in einer Gruppenarbeit verteilt sind. Entwickle auf Grundlage der Daten eine demokratischere Lernstruktur.
  3. Digitale Inquiry: Entwirf ein Lehrprojekt mit Künstlicher Intelligenz. Zeige, wie Quellenprüfung, Transparenz, Datenschutz, fachliche Kontrolle und gemeinsame Reflexion gesichert werden.
  4. Institutionenkritik: Analysiere eine Studienordnung, Prüfungsform oder Schulregel aus deweyscher Perspektive. Entwickle einen realistischen Reformvorschlag und diskutiere mögliche Nebenfolgen.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Transferanalyse: Eine Schule führt wöchentlich einen Projekttag ein, gibt aber Themen, Arbeitsschritte und Ergebnisse vollständig vor. Beurteile, inwiefern dies Deweys Verständnis von Erfahrung und Inquiry entspricht, und begründe notwendige Veränderungen.
  2. Fallvergleich: Zwei Seminare behandeln dasselbe Thema. Im ersten hören Studierende eine Vorlesung mit anschließender Prüfung. Im zweiten bearbeiten sie ein Praxisproblem ohne fachliche Anleitung. Entwickle eine dritte Variante, die Deweys Vermittlung von Erfahrung und Fachwissen besser erfüllt.
  3. Demokratische Lernkultur: Analysiere, warum eine Mehrheitsabstimmung allein noch keine demokratische Bildung garantiert. Entwickle Kriterien für faire und erkenntnisorientierte Beteiligung.
  4. Fehlerdiagnose: In einem offenen Projekt beteiligen sich sprachlich sichere Studierende stark, während andere kaum gehört werden. Erkläre das Problem mit Deweys Interaktionsprinzip und entwirf strukturierende Maßnahmen.
  5. Technologiebewertung: Eine Hochschule möchte ein KI-System einsetzen, das automatisch Projektthemen, Gruppen und Bewertungen festlegt. Prüfe Chancen und Risiken anhand von Inquiry, Transparenz, Teilhabe und professioneller Verantwortung.
  6. Normative Kritik: Diskutiere, warum Wachstum und Erfahrung zusätzliche ethische Maßstäbe benötigen. Beziehe Gerechtigkeit, Inklusion und Macht in Deine Argumentation ein.




Lernnachweis

Für einen qualifizierten Lernnachweis zu John Dewey - Pädagogik sind folgende Leistungen wichtig:

  1. Begriffssicherheit: Du erklärst Pragmatismus, Erfahrung, Kontinuität, Interaktion, Inquiry, Occupation und Demokratie präzise.
  2. Zusammenhangswissen: Du zeigst, wie Erfahrungsbegriff, Erkenntnistheorie, Lehrkraftrolle und Demokratieverständnis zusammenhängen.
  3. Primärtextkompetenz: Du arbeitest mit mindestens einem Text Deweys und unterscheidest Textbeleg, Interpretation und eigene Bewertung.
  4. Didaktische Analyse: Du analysierst eine konkrete Lehr-Lern-Situation anhand transparenter Kriterien.
  5. Transferleistung: Du entwickelst einen begründeten Entwurf für Schule, Hochschule, Erwachsenenbildung oder Sozialpädagogik.
  6. Kritikfähigkeit: Du diskutierst Grenzen, Machtfragen, Ressourcenbedarf und normative Voraussetzungen.
  7. Reflexion: Du dokumentierst, wie sich Deine eigene Position im Verlauf der Auseinandersetzung verändert hat.

Als Lernprodukt eignet sich ein Portfolio aus Primärtextanalyse, Praxisbeobachtung, Inquiry-Entwurf und kritischer Reflexion. Bewertet werden fachliche Genauigkeit, argumentative Qualität, Quellenarbeit, Transfer und die nachvollziehbare Überarbeitung nach Feedback.




OERs zum Thema

  1. Democracy and Education bei Project Gutenberg
  2. My Pedagogic Creed bei Wikisource
  3. The School and Society im Internet Archive
  4. John Dewey in der Stanford Encyclopedia of Philosophy
  5. Freie Medien zu John Dewey bei Wikimedia Commons


Literaturhinweise

  1. John Dewey: Democracy and Education. 1916.
  2. John Dewey: Experience and Education. 1938.
  3. John Dewey: The School and Society. 1899.
  4. John Dewey: The Child and the Curriculum. 1902.
  5. John Dewey: How We Think. 1910, überarbeitet 1933.
  6. John Dewey: Art as Experience. 1934.



Verknüpfte Lernbereiche


aiMOOC-Projekte





Schulfach+

Prüfungsliteratur 2026
Bundesland Bücher Kurzbeschreibung
Baden-Württemberg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Mittlere Reife

  1. Der Markisenmann - Jan Weiler oder Als die Welt uns gehörte - Liz Kessler
  2. Ein Schatten wie ein Leopard - Myron Levoy oder Pampa Blues - Rolf Lappert

Abitur Dorfrichter-Komödie über Wahrheit/Schuld; Roman über einen Ort und deutsche Geschichte. Mittlere Reife Wahllektüren (Roadtrip-Vater-Sohn / Jugendroman im NS-Kontext / Coming-of-age / Provinzroman).

Bayern

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Lustspiel über Machtmissbrauch und Recht; Roman als Zeitschnitt deutscher Geschichte an einem Haus/Grundstück.

Berlin/Brandenburg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Der Biberpelz - Gerhart Hauptmann
  4. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Gerichtskomödie; soziales Drama um Ausbeutung/Armut; Komödie/Satire um Diebstahl und Obrigkeit; Roman über Erinnerungsräume und Umbrüche.

Bremen

Abitur

  1. Nach Mitternacht - Irmgard Keun
  2. Mario und der Zauberer - Thomas Mann
  3. Emilia Galotti - Gotthold Ephraim Lessing oder Miss Sara Sampson - Gotthold Ephraim Lessing

Abitur Roman in der NS-Zeit (Alltag, Anpassung, Angst); Novelle über Verführung/Massenpsychologie; bürgerliche Trauerspiele (Moral, Macht, Stand).

Hamburg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun

Abitur Justiz-/Machtkritik als Komödie; Großstadtroman der Weimarer Zeit (Rollenbilder, Aufstiegsträume, soziale Realität).

Hessen

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  4. Der Prozess - Franz Kafka

Abitur Gerichtskomödie; Fragmentdrama über Gewalt/Entmenschlichung; Erinnerungsroman über deutsche Brüche; moderner Roman über Schuld, Macht und Bürokratie.

Niedersachsen

Abitur

  1. Der zerbrochene Krug - Heinrich von Kleist
  2. Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun
  3. Die Marquise von O. - Heinrich von Kleist
  4. Über das Marionettentheater - Heinrich von Kleist

Abitur Schwerpunkt auf Drama/Roman sowie Kleist-Prosatext und Essay (Ehre, Gewalt, Unschuld; Ästhetik/„Anmut“).

Nordrhein-Westfalen

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Komödie über Wahrheit und Autorität; Roman als literarische „Geschichtsschichtung“ an einem Ort.

Saarland

Abitur

  1. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  2. Furor - Lutz Hübner und Sarah Nemitz
  3. Bahnwärter Thiel - Gerhart Hauptmann

Abitur Erinnerungsroman an einem Ort; zeitgenössisches Drama über Eskalation/Populismus; naturalistische Novelle (Pflicht/Überforderung/Abgrund).

Sachsen (berufliches Gymnasium)

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Irrungen, Wirrungen - Theodor Fontane
  4. Der gute Mensch von Sezuan - Bertolt Brecht
  5. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  6. Der Trafikant - Robert Seethaler

Abitur Mischung aus Klassiker-Drama, sozialem Drama, realistischem Roman, epischem Theater und Gegenwarts-/Erinnerungsroman; zusätzlich Coming-of-age im historischen Kontext.

Sachsen-Anhalt

Abitur

  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Themenfelder)

Abitur Schwerpunktsetzung über Themenfelder (u. a. Literatur um 1900; Sprache in politisch-gesellschaftlichen Kontexten), ohne feste Einzeltitel.

Schleswig-Holstein

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Recht/Gerechtigkeit und historische Tiefenschichten eines Ortes – umgesetzt über Drama und Gegenwartsroman.

Thüringen

Abitur

  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool)

Abitur In der Praxis häufig Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool; landesweite Einzeltitel je nach Vorgabe/Handreichung nicht einheitlich ausgewiesen.

Mecklenburg-Vorpommern

Abitur

  1. (Quelle aktuell technisch nicht abrufbar; Beteiligung am gemeinsamen Aufgabenpool bekannt)

Abitur Land beteiligt sich am länderübergreifenden Aufgabenpool; konkrete, veröffentlichte Einzeltitel konnten hier nicht ausgelesen werden.

Rheinland-Pfalz

Abitur

  1. (keine landesweit einheitliche Pflichtlektüre; schulische Auswahl)

Abitur Keine landesweite Einheitsliste; Auswahl kann schul-/kursbezogen erfolgen.




aiMOOCs



aiMOOC Projekte












THE MONKEY DANCE




The Monkey DanceaiMOOCs

  1. Trust Me It's True: #Verschwörungstheorie #FakeNews
  2. Gregor Samsa Is You: #Kafka #Verwandlung
  3. Who Owns Who: #Musk #Geld
  4. Lump: #Trump #Manipulation
  5. Filth Like You: #Konsum #Heuchelei
  6. Your Poverty Pisses Me Off: #SozialeUngerechtigkeit #Musk
  7. Hello I'm Pump: #Trump #Kapitalismus
  8. Monkey Dance Party: #Lebensfreude
  9. God Hates You Too: #Religionsfanatiker
  10. You You You: #Klimawandel #Klimaleugner
  11. Monkey Free: #Konformität #Macht #Kontrolle
  12. Pure Blood: #Rassismus
  13. Monkey World: #Chaos #Illusion #Manipulation
  14. Uh Uh Uh Poor You: #Kafka #BerichtAkademie #Doppelmoral
  15. The Monkey Dance Song: #Gesellschaftskritik
  16. Will You Be Mine: #Love
  17. Arbeitsheft
  18. And Thanks for Your Meat: #AntiFactoryFarming #AnimalRights #MeatIndustry


© The Monkey Dance on Spotify, YouTube, Amazon, MOOCit, Deezer, ...



Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen