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Peter Petersen - Pädagoge

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Peter Petersen - Pädagoge



Peter Petersen - Pädagoge


Einleitung

Peter Petersen (1884–1952) war ein deutscher Reformpädagoge, Professor für Erziehungswissenschaft an der Friedrich-Schiller-Universität Jena und Begründer des Jenaplans. Sein Werk gehört zu den einflussreichen, zugleich aber auch zu den politisch und wissenschaftlich umstrittenen Positionen der Pädagogik des 20. Jahrhunderts. Der nach dem Hochschulort Jena benannte Jenaplan verbindet jahrgangsgemischte Stammgruppen, selbsttätiges Lernen, gemeinschaftliches Schulleben sowie die vier Grundformen Gespräch, Spiel, Arbeit und Feier. Petersens Veröffentlichungen und sein Handeln während des Nationalsozialismus müssen jedoch kritisch aufgearbeitet werden, weil sie rassistische und antisemitische Aussagen sowie Versuche der politischen Anschlussfähigkeit an das NS-System enthalten.[1]

Der Kurs richtet sich besonders an Studierende der Pädagogik, Erziehungswissenschaft, Schulpädagogik, Lehramtsstudiengänge und Bildungsgeschichte. Du lernst nicht nur Daten und Begriffe, sondern untersuchst das Verhältnis von pädagogischer Innovation, Menschenbild, Macht, politischem Kontext und heutiger Schulentwicklung.

Kursmerkmal Einordnung
Studienfach Pädagogik
Zielgruppe Studierende der Pädagogik, Erziehungswissenschaft, Schulpädagogik und des Lehramts
Niveau Grund- und Vertiefungsstudium
Schwerpunkte Biografie, Jenaplan, Reformpädagogik, Wissenschaftstheorie, Nationalsozialismus und Erinnerungskultur
Kompetenzen Historische Einordnung, Quellenkritik, Begriffsanalyse, pädagogische Urteilsbildung und Transfer
Historische Ansicht der Universität Jena um 1910
Historische Ansicht der Universität Jena um 1910


Leitfragen des aiMOOCs

  1. Biografie: Welche Erfahrungen und wissenschaftlichen Stationen prägten Peter Petersen?
  2. Jenaplan: Wie sind Stammgruppe, Wochenarbeitsplan, Kurs, Gruppenarbeit und die vier Grundformen miteinander verbunden?
  3. Erziehungswissenschaft: Was verstand Petersen unter einer relativ eigenständigen Erziehungswissenschaft und unter pädagogischer Tatsachenforschung?
  4. Nationalsozialismus: Wie sind Petersens Schriften und sein institutionelles Handeln in der NS-Zeit zu beurteilen?
  5. Rezeption: Welche Elemente des Jenaplans können heute demokratisch, inklusiv und menschenrechtsorientiert weiterentwickelt werden?
  6. Wissenschaftsethik: Wie gehst Du mit einem pädagogischen Werk um, dessen Urheber politisch und moralisch schwer belastete Positionen vertrat?


Lernziele

Nach der Bearbeitung des aiMOOCs kannst Du Petersens Lebensweg historisch einordnen, zentrale Strukturmerkmale des Jenaplans erläutern, Primär- und Sekundärquellen unterscheiden, widersprüchliche Forschungsperspektiven vergleichen und eine begründete Bewertung für gegenwärtige pädagogische Praxis formulieren. Du kannst außerdem zeigen, warum die Übernahme einzelner Methoden ohne Prüfung des zugrunde liegenden Menschenbildes, der Machtverhältnisse und des historischen Kontextes wissenschaftlich unzureichend wäre.


Biografie und zeitgeschichtlicher Kontext


Kindheit, Studium und erste Berufsjahre

Peter Petersen wurde am 26. Juni 1884 in Großenwiehe bei Flensburg geboren und wuchs in einer ländlich geprägten Großfamilie auf. Später deutete er das Zusammenleben verschiedener Altersgruppen, die gemeinsame Arbeit und die wechselseitige Verantwortung als wichtige biografische Erfahrungen. Solche autobiografischen Deutungen sind als Quellen ernst zu nehmen, dürfen aber nicht automatisch als objektive Erklärung seines späteren Werkes gelten.

Ab 1904 studierte Petersen unter anderem Theologie, Philosophie, Geschichte, Psychologie und Nationalökonomie an mehreren Universitäten. 1908 wurde er mit einer Arbeit über den Entwicklungsgedanken in der Philosophie Wilhelm Wundts promoviert. 1909 legte er das Staatsexamen für das höhere Lehramt ab. Als Lehrer am Hamburger Johanneum und als Mitarbeiter in schulreformerischen Zusammenschlüssen lernte er die Spannungen zwischen traditionellem Klassenunterricht, Jugendkunde und reformorientierter Schulentwicklung kennen.[2]


Hamburg: Schulreform und Lichtwarkschule

1919 übernahm Petersen die Leitung der reformorientierten Lichtwarkschule in Hamburg. Dort verbanden sich kulturelle Bildung, gesellschaftliche Verantwortung und schulorganisatorische Reformen. 1920 habilitierte er sich mit einer philosophiegeschichtlichen Arbeit. Seine Hamburger Jahre zeigen, dass der Jenaplan nicht plötzlich entstand, sondern aus Diskussionen über Einheitsschule, Arbeitsschule, Jugendkunde, Schulgemeinde und die Verbindung von Theorie und Praxis hervorging.

Petersen beteiligte sich an internationalen Netzwerken der Reformpädagogik. Einflüsse kamen unter anderem von Friedrich Fröbel, der Arbeitsschulbewegung, der internationalen New Education Fellowship und zeitweise auch von Maria Montessori. Er übernahm diese Ansätze nicht unverändert, sondern ordnete sie seinem eigenen gemeinschaftsbezogenen Erziehungsdenken unter.


Jena: Professur, Universitätsschule und Jenaplan

1923 wurde Petersen auf den Lehrstuhl für Erziehungswissenschaft an der Universität Jena berufen. Mit dem Lehrstuhl war die Leitung einer Universitätsschule verbunden. Diese Schule diente zugleich als Lernort für Kinder, als Ausbildungsort für Lehrkräfte und als Forschungsfeld. Theorie, Beobachtung, Unterrichtsversuch und Lehrerbildung sollten sich gegenseitig beeinflussen.

Hauptgebäude der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Hauptgebäude der Friedrich-Schiller-Universität Jena

1927 stellte Petersen den sogenannten Kleinen Jena-Plan auf einer internationalen Tagung der New Education Fellowship in Locarno vor. Die Bezeichnung Jena-Plan wurde im internationalen Tagungszusammenhang geprägt. Das Modell wurde anschließend in mehreren Ländern rezipiert. In den Jahren 1930 bis 1934 erschien eine umfangreichere Darstellung des Schulversuchs, die häufig als Großer Jena-Plan bezeichnet wird.[3]

Locarno, Ort der internationalen Vorstellung des Kleinen Jena-Plans 1927
Locarno, Ort der internationalen Vorstellung des Kleinen Jena-Plans 1927


Peter Petersen im Nationalsozialismus

Petersen trat nicht in die NSDAP ein, wurde aber 1934 Mitglied des Nationalsozialistischen Lehrerbundes. Diese formale Nichtmitgliedschaft in der NSDAP entlastet ihn nicht. Entscheidend sind seine Texte, öffentlichen Stellungnahmen, institutionellen Strategien und konkreten Handlungen. In Veröffentlichungen der NS-Zeit finden sich rassistische, antisemitische, völkische und antidemokratische Aussagen. Zudem versuchte Petersen, seine Wissenschaft und sein Schulmodell im neuen politischen System zur Geltung zu bringen. 1944 hielt er Vorträge vor inhaftierten norwegischen Studenten im Umfeld des Konzentrationslagers Buchenwald.[4]

Die Forschung diskutiert zugleich, dass die Jenaer Universitätsschule pädagogische Praktiken bewahrte, die nicht ohne Weiteres mit nationalsozialistischer Gleichschaltung, Rassentrennung und militärischer Formierung vereinbar waren. Berichtet wird auch von Kindern aus politisch oder rassistisch verfolgten Familien sowie von Kindern mit Behinderungen, die die Schule besuchten. Daraus folgt jedoch keine einfache Entlastung Petersens. Wissenschaftlich angemessen ist eine mehrdimensionale Analyse: Schriften, Institution, Unterrichtspraxis, Netzwerke, Handlungsmöglichkeiten und Wirkungen müssen gemeinsam untersucht werden.

Arbeitsimpuls: Prüfe beim Video, welche Aussagen durch Quellen belegt werden, welche Bewertungen vorgenommen werden und welche Perspektiven fehlen. Ein Fernsehbeitrag ist eine Sekundärquelle mit eigener Auswahl und Dramaturgie.


Nach 1945, Schulschließung und Tod

Nach 1945 arbeitete Petersen in der Sowjetischen Besatzungszone zunächst weiter. 1946 trat er in die SPD ein und wurde durch die Zwangsvereinigung von SPD und KPD Mitglied der SED, aus der er 1948 austrat. Die Jenaer Universitätsschule wurde 1950 von den staatlichen Stellen geschlossen. Petersen starb am 21. März 1952 in Jena und wurde in Großenwiehe beigesetzt.

Grabstätte Peter Petersens in Großenwiehe
Grabstätte Peter Petersens in Großenwiehe

Die Nachkriegsgeschichte ist für die Rezeptionsforschung wichtig: Petersens Werk wurde in Westdeutschland, den Niederlanden und weiteren Ländern neu gelesen, während seine politische Belastung lange nicht überall mit gleicher Intensität behandelt wurde. Spätere Debatten führten zu einer kritischeren Erinnerungskultur. In Jena wurde der frühere Petersenplatz 2011 nach öffentlicher und wissenschaftlicher Diskussion in Jenaplan umbenannt.[5]


Zeittafel

Zeitraum Biografische Station Pädagogische Bedeutung
1884 Geburt in Großenwiehe Späterer Bezug auf ländliche Lebens- und Arbeitsgemeinschaft
1904–1909 Studium, Promotion und Staatsexamen Verbindung von Philosophie, Psychologie, Geschichte und Lehrerbildung
1912–1919 Lehrer und Schulreformer in Hamburg Auseinandersetzung mit Schulreform und Jugendkunde
1919 Leitung der Lichtwarkschule Praktische Erfahrung mit einer reformorientierten Schule
1923 Berufung an die Universität Jena Aufbau der Verbindung von Lehrerausbildung, Forschung und Universitätsschule
1927 Vorstellung des Kleinen Jena-Plans in Locarno Internationale Verbreitung des Schulentwicklungskonzepts
1930–1934 Publikation des Großen Jena-Plans Systematische Darstellung von Schulleben, Unterricht und Schulversuch
1933–1945 Tätigkeit unter nationalsozialistischer Herrschaft Politische Anpassung, belastete Schriften und widersprüchliche Schulpraxis
1950 Schließung der Universitätsschule Ende des Jenaer Schulversuchs in seiner damaligen Form
1952 Tod in Jena Beginn vielfältiger, internationaler und kontroverser Rezeptionslinien


Der Jenaplan als Schulentwicklungskonzept


Kein starres Rezept, sondern eine Ausgangsform

Petersen bezeichnete den Jenaplan nicht als unveränderliches Methodensystem, sondern als Ausgangsform für Schulentwicklung. Dieser Gedanke erlaubt Anpassungen an unterschiedliche Zeiten und Orte. Er birgt aber auch ein Problem: Wenn nahezu jede offene oder gemeinschaftsorientierte Schule als Jenaplanschule bezeichnet wird, verliert der Begriff seine analytische Schärfe. Deshalb solltest Du immer fragen, welche konkreten Strukturen, Rituale, Lernformen, Machtverhältnisse und Bewertungsverfahren tatsächlich vorhanden sind.

Der Jenaplan richtet den Blick auf die Schule als Lebensgemeinschaft und nicht nur als Ort der Stoffvermittlung. Schule soll Lernen, soziale Verantwortung, Gestaltung, Kommunikation und Kultur verbinden. Der Begriff Gemeinschaft ist dabei doppeldeutig. Er kann Zugehörigkeit und gegenseitige Unterstützung fördern, kann aber auch Individualrechte, Pluralität und Widerspruch unterordnen. Eine heutige Rezeption muss Gemeinschaft daher an Menschenrechte, Demokratie, Inklusion und Schutz vor Diskriminierung binden.


Die vier Grundformen: Gespräch, Spiel, Arbeit und Feier

Die vier Grundformen strukturieren das Schulleben nicht als beliebige Methoden, sondern als unterschiedliche Weisen menschlicher Tätigkeit.

Grundform Pädagogische Funktion Beispiel Kritische Prüffrage
Gespräch Verständigung, Erzählen, Fragen, Beraten und gemeinsames Urteilen Morgenkreis, Reflexionskreis, Präsentation mit Rückfragen Haben alle Lernenden reale Rede- und Widerspruchsmöglichkeiten?
Spiel Erproben von Regeln, Rollen, Fantasie, Kooperation und Bewegung Lernspiel, Rollenspiel, freies Spiel, Theaterspiel Wird Spiel instrumentalisiert oder bleibt Raum für Eigeninitiative?
Arbeit Selbsttätige und konzentrierte Auseinandersetzung mit Sache und Problem Projekt, Werkstatt, Recherche, Übung, Herstellung eines Produkts Sind Aufgaben fachlich anspruchsvoll und individuell zugänglich?
Feier Gemeinsame Gestaltung, Anerkennung, Erinnerung und kultureller Ausdruck Wochenabschluss, Ausstellung, Aufführung, Begrüßung Ist Teilnahme freiwillig, inklusiv und weltanschaulich offen?


Stammgruppen und Altersmischung

An die Stelle ausschließlich jahrgangshomogener Klassen treten Stammgruppen, in denen Kinder verschiedener Alters- oder Entwicklungsstufen zusammen lernen. Altersmischung soll stabile soziale Beziehungen, Rollenwechsel und wechselseitige Hilfe ermöglichen. Ein Kind kann zunächst Unterstützung empfangen und später selbst Verantwortung übernehmen.

Altersmischung erzeugt jedoch nicht automatisch gutes Lernen. Sie benötigt diagnostische Kompetenz, klare Aufgabenarchitektur, geeignete Materialien, Zeiten für fachsystematischen Aufbau und Schutz davor, dass ältere oder leistungsstärkere Lernende dauerhaft zu unbezahlten Hilfslehrkräften werden. Pädagogisch entscheidend ist die Qualität der Lernarrangements, nicht die bloße Mischung von Jahrgängen.

Gebäude der Jenaplanschule Jena
Gebäude der Jenaplanschule Jena


Kurs, Gruppenarbeit und selbsttätiges Lernen

Der Jenaplan verbindet verschiedene Organisationsformen:

  1. Kursunterricht: Fachlich oder lehrgangsbezogenes Lernen, in dem systematische Grundlagen aufgebaut werden.
  2. Gruppenunterricht: Kooperative Bearbeitung gemeinsamer Aufgaben in der Stammgruppe oder Kleingruppe.
  3. Freie Arbeit: Auswahl und Bearbeitung von Aufgaben mit wachsender Selbstverantwortung.
  4. Projektunterricht: Mehrperspektivische Bearbeitung einer bedeutsamen Frage mit sichtbarem Ergebnis.
  5. Instruktion: Gezielte Erklärung, Demonstration oder Übungsphase durch die Lehrkraft, wenn sie fachlich notwendig ist.

Petersens Kritik am herkömmlichen Frontalunterricht darf nicht mit einem Verbot gemeinsamer Instruktion verwechselt werden. Gute Lehre entscheidet situationsbezogen, wann Erklärung, Übung, Kooperation, Recherche oder Präsentation angemessen sind. Ein dogmatisches Entweder-oder widerspricht professioneller Didaktik.


Wochenarbeitsplan und Rhythmisierung

Der Wochenarbeitsplan ordnet Lernzeiten über die Woche. Gemeinsame und individuelle Phasen, konzentrierte Arbeit, Bewegung, Gespräch, Spiel und Feier sollen rhythmisch aufeinander bezogen werden. Rhythmisierung bedeutet mehr als einen Stundenplan mit längeren Blöcken. Sie berücksichtigt Aufmerksamkeit, Belastung, soziale Dynamik, fachliche Logik und Erholungsbedürfnisse.

Ein guter Wochenarbeitsplan macht Ziele, Pflicht- und Wahlanteile, verfügbare Hilfen, Zeitrahmen und Rückmeldemöglichkeiten transparent. Er eröffnet Entscheidungsspielräume, ohne Lernende mit vollständiger Selbststeuerung allein zu lassen.


Schulwohnstube, Lernumgebung und Materialität

Petersen verwendete den Begriff Schulwohnstube für einen gestalteten Raum, der Zugehörigkeit, Selbsttätigkeit und flexible Kommunikation ermöglichen sollte. Tische, Materialien und Arbeitsplätze sollten nicht nur auf die Tafel und die Lehrkraft ausgerichtet sein. Heute lässt sich dieser Gedanke mit Lernlandschaften, Werkstätten, Bibliotheken, digitalen Arbeitsplätzen und Rückzugsräumen verbinden.

Eine ästhetisch ansprechende Umgebung ist jedoch noch keine gute Pädagogik. Entscheidend sind Zugänglichkeit, Barrierefreiheit, akustische Qualität, Schutz, fachlich sinnvolle Materialien und die Möglichkeit, Räume durch Lernende mitzugestalten.

Jenaplanschule Markersbach
Jenaplanschule Markersbach


Eltern, Schulgemeinde und Partizipation

Der Jenaplan misst der Zusammenarbeit von Schule und Elternhaus große Bedeutung bei. Eltern sollen nicht nur informiert, sondern in das Schulleben einbezogen werden. Aus heutiger Sicht muss Beteiligung so gestaltet sein, dass soziale Ungleichheiten nicht verstärkt werden. Familien verfügen über unterschiedliche Zeit, Sprache, finanzielle Ressourcen und Erfahrungen mit Institutionen.

Auch Partizipation der Lernenden braucht verbindliche Rechte. Gesprächskreise oder Feiern sind noch keine Demokratie. Demokratische Schulentwicklung verlangt transparente Entscheidungen, gewählte Vertretungen, Beschwerdewege, Schutz von Minderheiten und echte Mitwirkung an Fragen, die Lernende betreffen.


Leistungsbeurteilung und Rückmeldung

Jenaplanorientierte Schulen arbeiten häufig mit Lernentwicklungsberichten, Portfolios, Präsentationen und Beratungsgesprächen. Solche Formen können differenziertere Rückmeldungen ermöglichen als eine einzelne Ziffernnote. Sie sind aber nicht automatisch gerecht. Kriterien müssen fachlich klar, nachvollziehbar und für Lernende zugänglich sein. Rückmeldung soll den aktuellen Stand, die Qualität der Bearbeitung und nächste Lernschritte sichtbar machen.

Für die pädagogische Analyse sind drei Ebenen zu unterscheiden: historische Verfahren in Petersens Universitätsschule, spätere Jenaplantraditionen und heutige schulrechtliche Praxis. Diese Ebenen dürfen nicht vermischt werden.


Petersens erziehungswissenschaftliches Denken


Relative Eigenständigkeit der Erziehungswissenschaft

Petersen wollte die Erziehungswissenschaft als relativ eigenständige Wissenschaft begründen. Ihr Gegenstandsbereich sei die Erziehungswirklichkeit. Zugleich müsse sie Erkenntnisse aus Psychologie, Soziologie, Philosophie, Geschichte und weiteren Nachbardisziplinen aufnehmen. Der Ausdruck relativ eigenständig vermeidet sowohl die völlige Abhängigkeit von anderen Wissenschaften als auch eine Abschottung der Pädagogik.

Für heutige Studierende ist daran besonders interessant, wie deskriptive und normative Fragen verbunden werden. Erziehungswissenschaft beschreibt nicht nur, was geschieht. Sie untersucht auch Ziele, Werte, Macht und Verantwortbarkeit. Gerade deshalb muss sie ihre normativen Voraussetzungen offenlegen und empirische Aussagen von Werturteilen unterscheiden.


Pädagogische Tatsachenforschung

Mit der pädagogischen Tatsachenforschung sollten konkrete Erziehungssituationen systematisch beobachtet und dokumentiert werden. Unterricht wurde nicht nur aus allgemeinen Prinzipien abgeleitet, sondern als komplexe Wirklichkeit untersucht. Das war ein wichtiger Versuch, pädagogische Theorie an beobachtbare Praxis zurückzubinden.

Aus heutiger Forschungsperspektive stellen sich methodische Fragen: Wie wurden Beobachtungskategorien gebildet? Welche Rolle spielten Erwartungen der Forschenden? Wurden Kinder und Lehrkräfte informiert? Wie wurden Daten ausgewertet? Welche Gegenbeispiele wurden berücksichtigt? Damit führt Petersens Ansatz direkt zu Fragen moderner qualitativer Forschung, Unterrichtsforschung und Forschungsethik. Ein aktuelles Forschungsprojekt des DIPF untersucht die Grundformen Gespräch, Spiel, Arbeit und Feier als Praktiken der Unterrichtskonstitution.[6]


Menschenbild, Individualität und Gemeinschaft

Petersen fragte danach, wie eine Erziehungsgemeinschaft gestaltet sein müsse, damit ein Mensch Individualität zur Persönlichkeit entwickeln könne. Diese Formulierung verbindet individuelle Entfaltung mit sozialer Einbindung. Sie kann produktiv gelesen werden, solange Gemeinschaft die Person schützt und Vielfalt ermöglicht.

Problematisch wird sie, wenn die Gemeinschaft als höherer Wert erscheint, dem individuelle Rechte untergeordnet werden. Petersens religiös, national und gemeinschaftstheoretisch geprägtes Menschenbild muss deshalb historisch rekonstruiert und normativ geprüft werden. Begriffe wie Volk, Führung, Dienst oder Kameradschaft verändern ihre Bedeutung in unterschiedlichen Texten und politischen Kontexten. Eine seriöse Interpretation untersucht Begriffsverwendung, Textsorte, Entstehungszeit, Adressaten und praktische Folgen.


Rolle der Lehrkraft

Die Lehrkraft ist im Jenaplan weder bloße Wissensquelle noch unsichtbare Lernbegleitung. Sie strukturiert Räume und Zeiten, beobachtet Lernprozesse, stellt fachliche Anforderungen, moderiert Gruppen, gibt Rückmeldung und trägt Schutzverantwortung. Petersens historischer Führungsbegriff ist dabei kritisch zu prüfen. Professionelle Autorität ist nur legitim, wenn sie transparent, begrenzt, fachlich begründet und an die Rechte der Lernenden gebunden ist.

Eine heutige demokratische Interpretation ersetzt charismatische oder weltanschauliche Führung durch pädagogische Professionalität, Kinderrechte, Partizipation, Rechenschaftspflicht und institutionelle Kontrolle.


Petersen im Kontext der Reformpädagogik

John Dewey als internationaler Vertreter progressiver Pädagogik
John Dewey als internationaler Vertreter progressiver Pädagogik
Ansatz Schwerpunkt Verhältnis zum Jenaplan Analytische Differenz
Friedrich Fröbel Spiel, Selbsttätigkeit und ganzheitliche Bildung Wichtiger Bezugspunkt für Petersens Verständnis von Spiel und Gemeinschaft Fröbels Kindergartenpädagogik ist nicht mit Petersens Schulmodell gleichzusetzen
Maria Montessori Vorbereitete Umgebung, individualisierte Arbeit und didaktisches Material Zeitweiliger Einfluss und später deutliche Abgrenzung Petersens Montessori betont stärker die individualisierte Materialarbeit
John Dewey Erfahrung, Demokratie, Problemlösen und Schule als gesellschaftlicher Lebensraum Parallelen bei Tätigkeit, Erfahrung und Schulleben Deweys Demokratietheorie bietet andere normative Maßstäbe für Gemeinschaft
Célestin Freinet Freier Ausdruck, Kooperation, Schuldruckerei und Klassenrat Nähe bei Selbsttätigkeit, Kooperation und lebensnaher Arbeit Freinet entwickelte eigene Techniken und eine stärker basisdemokratische Tradition
Rudolf Steiner Entwicklungsstufen, künstlerische Bildung und Waldorfpädagogik Gemeinsame Kritik an verschulter Wissensvermittlung Unterschiedliche Menschenbilder, Organisationsformen und weltanschauliche Grundlagen

Der Vergleich zeigt: Reformpädagogik ist kein einheitliches Programm. Ähnliche Methoden können auf unterschiedlichen Menschenbildern und politischen Vorstellungen beruhen. Deshalb reicht es nicht, Ansätze über Schlagwörter wie Selbsttätigkeit oder Ganzheitlichkeit zusammenzufassen.


Kritische Würdigung und Forschungskontroverse


Innovation und Belastung gleichzeitig untersuchen

Eine wissenschaftliche Würdigung darf weder hagiografisch noch pauschal vernichtend vorgehen. Petersens Schulmodell war international wirksam und griff bedeutsame Fragen auf: Wie kann Schule altersgemischtes Lernen organisieren? Wie lassen sich Fachlernen und Gemeinschaft verbinden? Wie kann Lehrerbildung forschungsnah werden? Gleichzeitig sind seine rassistischen und antisemitischen Aussagen, seine antidemokratischen Begriffsbildungen und seine institutionellen Anpassungsversuche nicht als Nebensache abzutrennen.

Die zentrale Aufgabe besteht darin, Kontinuitäten, Brüche und Spannungen zu untersuchen. Dazu gehört die Frage, ob belastete politische Vorstellungen nur in einzelnen Gelegenheitstexten vorkommen oder mit Grundbegriffen seiner Pädagogik verbunden sind. In der Forschung bestehen hierzu unterschiedliche Bewertungen. Die Kontroverse selbst ist ein Lerngegenstand: Du prüfst Belege, Methoden, Auslassungen und Reichweite der jeweiligen Schlussfolgerungen.[7]


Person, Werk und Wirkung unterscheiden, aber nicht isolieren

Für die Analyse sind mindestens vier Ebenen nötig:

  1. Person: Biografische Entscheidungen, Mitgliedschaften, Netzwerke und öffentliche Positionierungen.
  2. Werk: Begriffe, Argumente, normative Annahmen und Veränderungen in verschiedenen Schriften.
  3. Praxis: Alltag der Universitätsschule, konkrete Aufnahme von Kindern, Unterrichtsformen und institutionelle Handlungsspielräume.
  4. Wirkungsgeschichte: Spätere Jenaplanschulen, internationale Weiterentwicklungen, Ausblendungen und kritische Revisionen.

Diese Ebenen hängen zusammen, sind aber nicht identisch. Eine heutige Schule kann ein historisches Element übernehmen und zugleich neu begründen. Sie muss offenlegen, wo sie sich von Petersen distanziert, welche demokratischen Normen gelten und wie Diskriminierung verhindert wird.


Erinnerungskultur

Die Debatte um Straßennamen, Schulnamen und institutionelle Ehrungen zeigt den Unterschied zwischen Erinnern und Ehren. Eine problematische Person aus dem öffentlichen Gedächtnis zu entfernen, kann Aufarbeitung unsichtbar machen. Eine unkommentierte Ehrung kann dagegen belastete Positionen verharmlosen. Pädagogisch sinnvoll sind transparente Verfahren mit historischen Informationen, Beteiligung Betroffener, nachvollziehbaren Kriterien und Möglichkeiten der Kontextualisierung.

Die Umbenennung des Petersenplatzes in Jena in Jenaplan verschob den Fokus von der Person auf das pädagogische Konzept. Auch diese Lösung bleibt diskutierbar, weil das Konzept historisch mit Petersen verbunden ist. Erinnerungskultur ist daher kein abgeschlossener Akt, sondern ein fortlaufender öffentlicher Lernprozess.


Kriterien einer verantwortbaren heutigen Rezeption

Kriterium Leitfrage Konsequenz
Menschenrechte Sind Würde und gleiche Rechte jeder Person unverhandelbar? Rassistische, antisemitische und völkische Prämissen werden ausdrücklich verworfen
Demokratiepädagogik Können Lernende mitentscheiden, widersprechen und Beschwerden einlegen? Beteiligungsrechte werden institutionell abgesichert
Inklusion Werden Barrieren erkannt und angemessene Unterstützungen bereitgestellt? Heterogenität wird nicht romantisiert, sondern professionell bearbeitet
Wissenschaftlichkeit Sind Aussagen empirisch prüfbar und Quellen transparent? Historische Behauptungen und Wirksamkeitsannahmen werden belegt
Fachlichkeit Erreichen Lernende tragfähiges, systematisch aufgebautes Wissen? Offene Lernformen werden mit klaren fachlichen Zielen verbunden
Kinderschutz Sind Nähe, Autorität und Verantwortung kontrollierbar geregelt? Schutzkonzepte, Beschwerdewege und professionelle Grenzen sind verbindlich


Gegenwärtige Bedeutung des Jenaplans

Moderne Jenaplanschulen verstehen sich häufig nicht als historische Kopien der Jenaer Universitätsschule. Sie verbinden Altersmischung, Projekte, Gesprächskreise, Verantwortung, individuelle Lernwege und fachsystematische Kurse mit heutigen Curricula. Die Jenaplanschule Jena arbeitet beispielsweise mit jahrgangsgemischten Gruppen und wurde als Schulentwicklungspraxis öffentlich dokumentiert.[8]

Jenaplan School in Jena
Jenaplan School in Jena
Jenaplan-Schule in Nürnberg
Jenaplan-Schule in Nürnberg

Eine zeitgemäße Prüfung fragt nicht, ob eine Schule das Etikett Jenaplan trägt, sondern ob ihre Praxis Lernqualität, Bildungsgerechtigkeit, demokratische Teilhabe, Fachlichkeit, Wohlbefinden und Schutz nachweisbar unterstützt.


Chancen und Grenzen

Potenzielle Chance Mögliche Grenze Professionelle Antwort
Altersgemischte Hilfe und Rollenwechsel Verfestigung informeller Hierarchien Beobachtung, Rollenrotation und gezielte Unterstützung
Selbstständige Wochenplanarbeit Überforderung durch Selbstorganisation Scaffolding, Zwischenziele und verlässliche Beratung
Gemeinschaftliches Schulleben Konformitätsdruck und Ausschluss Minderheitenschutz, Wahlmöglichkeiten und Beschwerderechte
Projektorientierung Lücken im systematischen Fachaufbau Curriculare Planung und diagnostisch begründete Kurse
Vielfältige Rückmeldung Unklare oder subjektive Bewertung Transparente Kriterien, Moderation und Vergleichsaufgaben
Elternbeteiligung Verstärkung sozialer Ungleichheit Niedrigschwellige, mehrsprachige und ressourcensensible Beteiligung


Forschungs- und Analysewerkzeuge für das Pädagogikstudium


Quellenkritik

Bei der Arbeit zu Petersen solltest Du Primärquellen, zeitgenössische Berichte, spätere Erinnerungen und Forschungsliteratur unterscheiden. Prüfe Autorenschaft, Entstehungszeit, Adressaten, Publikationsort, Begriffe, Auslassungen und politische Funktion. Einzelne Zitate dürfen weder aus ihrem Zusammenhang gelöst noch durch einen vermeintlich allgemeinen Zeitgeist entschuldigt werden.


Begriffsanalyse

Untersuche Schlüsselbegriffe wie Gemeinschaft, Führung, Volk, Freiheit, Individualität, Arbeit und Verantwortung. Lege fest, in welchem Text und Jahr ein Begriff verwendet wird. Vergleiche Bedeutungen vor 1933, während der NS-Zeit und nach 1945. Frage anschließend, welche Bedeutung heutige Schulen demselben Wort geben.


Praxisanalyse

Eine Schulbeobachtung sollte nicht nur sichtbare Methoden zählen. Beobachte, wer spricht, entscheidet, Hilfe erhält, Aufgaben auswählt, bewertet und Regeln verändern kann. Analysiere die Qualität fachlicher Lernprozesse ebenso wie Beziehungen und Beteiligung. So wird aus einer Schulbesichtigung eine methodisch kontrollierte pädagogische Untersuchung.


Normative Analyse

Formuliere Deine Maßstäbe ausdrücklich. Geeignete Bezugspunkte sind Grundgesetz, UN-Kinderrechtskonvention, Inklusion, Antidiskriminierung, Demokratie und wissenschaftliche Redlichkeit. Erst mit transparenten Maßstäben lässt sich begründet urteilen, welche Elemente eines historischen Konzepts übernommen, verändert oder verworfen werden sollten.


Quellen und weiterführende Forschung

  1. Peter Petersen (Pädagoge): Überblicksartikel mit Biografie, Werk, Kontroverse und Einzelnachweisen.
  2. Friedrich-Schiller-Universität Jena: Peter Petersen: Dokumentation unterschiedlicher Positionen zur historischen Aufarbeitung.
  3. JenaKultur: Der Fall Petersen: Informationen zur lokalen Debatte, zum Workshop und zur Umbenennung.
  4. Peter Petersen und die Jenaplan-Pädagogik: Forschungsband mit historischen und aktuellen Perspektiven.
  5. BBF und DIPF: Principles of the Constitution of Instruction: Forschungsprojekt zu Gespräch, Spiel, Arbeit und Feier.
  6. Deutsches Schulportal: Jahrgangsgemischtes Lernen: Einblick in gegenwärtige Praxis an der Jenaplanschule Jena.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

In welcher Stadt entwickelte Peter Petersen den Jenaplan als universitären Schulversuch? (Jena) (!Hamburg) (!Berlin) (!Leipzig)




Welche vier Grundformen strukturieren das Schulleben im Jenaplan? (Gespräch Spiel Arbeit und Feier) (!Vortrag Prüfung Hausaufgabe und Zeugnis) (!Lesen Schreiben Rechnen und Sport) (!Befehl Gehorsam Kontrolle und Strafe)




Was ist eine Stammgruppe im Jenaplan? (Eine jahrgangsgemischte Lerngruppe) (!Eine Gruppe ausschließlich für Lehrkräfte) (!Ein freiwilliger Elternverein) (!Eine staatliche Prüfungsbehörde)




Wo wurde der Kleine Jena-Plan 1927 international vorgestellt? (Locarno) (!Weimar) (!Wien) (!Kopenhagen)




Was bezeichnet die pädagogische Tatsachenforschung? (Die systematische Beobachtung konkreter Erziehungssituationen) (!Das Auswendiglernen pädagogischer Lehrsätze) (!Die Verwaltung von Schulgebäuden) (!Die Berechnung staatlicher Bildungsausgaben)




Welche Aussage beschreibt Petersens Verhältnis zum Nationalsozialismus angemessen? (Seine Schriften und sein Handeln müssen wegen rassistischer und antisemitischer Positionen kritisch untersucht werden) (!Er lebte während der NS-Zeit ausschließlich im Ausland) (!Er war ein verfolgter Gegner ohne institutionelle Handlungsmöglichkeiten) (!Sein Werk hat keinerlei politischen oder historischen Kontext)




Welche Funktion hat der Wochenarbeitsplan im Jenaplan? (Er rhythmisiert gemeinsame und selbstständige Lernphasen) (!Er ersetzt jede fachliche Planung) (!Er legt nur die Pausenzeiten fest) (!Er dient ausschließlich der Notenberechnung)




Was bedeutet Jenaplan als Ausgangsform? (Das Konzept soll an konkrete Bedingungen angepasst und weiterentwickelt werden) (!Jede Schule muss einen unveränderlichen Stundenplan übernehmen) (!Nur historische Schulen dürfen den Begriff verwenden) (!Fachunterricht ist grundsätzlich ausgeschlossen)




Warum ist der Gemeinschaftsbegriff kritisch zu prüfen? (Weil Gemeinschaft Zugehörigkeit fördern aber auch Individualrechte unterordnen kann) (!Weil Gemeinschaft immer dasselbe wie Demokratie bedeutet) (!Weil Gemeinschaft nur in kleinen Dörfern vorkommt) (!Weil Gemeinschaft ausschließlich ein mathematischer Begriff ist)




Welcher Maßstab ist für eine heutige Rezeption des Jenaplans unverzichtbar? (Menschenrechte und demokratische Beteiligung) (!Unbedingter Gehorsam gegenüber historischen Autoritäten) (!Verzicht auf wissenschaftliche Quellenkritik) (!Ausschluss aller individuellen Lernwege)





Memory

Jenaplan Schulentwicklungskonzept
Stammgruppe Jahrgangsgemischte Lerngruppe
Gespräch Verständigung und Beratung
Spiel Erprobung von Regeln und Rollen
Arbeit Selbsttätige Auseinandersetzung
Feier Gemeinschaftliche Gestaltung
Wochenarbeitsplan Rhythmisierung der Lernzeit
Tatsachenforschung Systematische Beobachtung





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Pädagogische Funktion
Stammgruppe Altersgemischte soziale und fachliche Lerngemeinschaft
Kursunterricht Systematischer Aufbau fachlicher Grundlagen
Wochenarbeitsplan Transparente Ordnung gemeinsamer und individueller Lernzeiten
Schulwohnstube Gestalteter Lernraum für flexible Tätigkeiten
Feier Kultureller Ausdruck und gemeinsamer Abschluss






Kreuzworträtsel

Jenaplan Wie heißt das von Petersen begründete Schulentwicklungskonzept?
Stammgruppe Wie heißt die jahrgangsgemischte Lerngruppe?
Locarno In welchem Ort wurde der Kleine Jena-Plan international vorgestellt?
Gemeinschaft Welcher soziale Leitbegriff prägt Petersens Pädagogik besonders stark?
Tatsachenforschung Wie heißt Petersens Ansatz zur systematischen Beobachtung der Erziehungswirklichkeit?
Reformpaedagogik Zu welcher pädagogischen Bewegung wird Petersen gezählt?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Peter Petersen wurde 1884 in

geboren. Im Jahr 1923 erhielt er eine Professur an der Universität

. Sein international bekanntes Schulentwicklungskonzept heißt

. Die jahrgangsgemischten Lerngruppen werden

genannt. Gespräch, Spiel, Arbeit und

bilden vier Grundformen des Schullebens. Der

rhythmisiert unterschiedliche Lernphasen. Mit pädagogischer

sollten konkrete Erziehungssituationen systematisch beobachtet werden. Petersens Gemeinschaftsbegriff muss auf mögliche Spannungen zu individuellen

geprüft werden. Seine rassistischen und antisemitischen Aussagen während des

erfordern eine kritische historische Aufarbeitung. Eine heutige Rezeption muss sich an Menschenrechten, Inklusion und

orientieren.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Begriffskarte Jenaplan: Gestalte eine digitale oder analoge Begriffskarte mit den Wörtern Stammgruppe, Gespräch, Spiel, Arbeit, Feier und Wochenarbeitsplan. Verbinde jeden Begriff mit einem selbst formulierten Beispielsatz.
  2. Biografische Zeitleiste: Erstelle eine illustrierte Zeitleiste mit acht Stationen aus Petersens Leben und markiere politische Umbrüche in einer eigenen Darstellungsebene.
  3. Lernraum beobachten: Fotografiere oder skizziere einen Lernraum ohne Personen und kennzeichne, welche Tätigkeiten er erleichtert oder erschwert.
  4. Videoanalyse: Wähle eines der eingebetteten Videos und notiere drei sachliche Aussagen, zwei erkennbare Perspektiven und eine offene Frage.


Standard

  1. Unterrichtsentwurf: Plane eine 90-minütige Lerneinheit, in der Gespräch, Arbeit und eine kurze Feier sinnvoll verbunden sind. Begründe jede Phase fachlich.
  2. Vergleich Reformpädagogik: Vergleiche Jenaplan und Montessori oder Freinet anhand von Menschenbild, Rolle der Lehrkraft, Material, Gruppe und Leistungsrückmeldung.
  3. Interview Schulentwicklung: Führe ein Interview mit einer Lehrkraft oder Schulleitung über Altersmischung. Entwickle vorher einen Leitfaden und werte die Antworten thematisch aus.
  4. Quellenkritik Peter Petersen: Untersuche eine Primärquelle und einen späteren Forschungstext. Trenne Zitat, Paraphrase, historische Einordnung und eigene Bewertung.


Schwer

  1. Forschungsdesign: Entwickle eine kleine qualitative Studie zur Gesprächskultur in einer Lerngruppe. Formuliere Forschungsfrage, Beobachtungskategorien, Datenschutz und Auswertungsweg.
  2. Kontroverse Debatte: Organisiere eine akademische Podiumsdiskussion zur Frage, ob ein pädagogisches Konzept von seinem belasteten Urheber getrennt werden kann. Verteile quellenbasierte Rollen und dokumentiere Argumente.
  3. Erinnerungskultur Projekt: Untersuche eine nach einer umstrittenen Person benannte Schule oder Straße. Entwickle einen Vorschlag für Kontextualisierung, Umbenennung oder Beibehaltung und begründe die Kriterien.
  4. Demokratische Revision des Jenaplans: Verfasse ein Manifest mit zehn überprüfbaren Prinzipien für einen menschenrechtsorientierten Jenaplan im 21. Jahrhundert. Ordne jedem Prinzip eine konkrete schulische Praxis und ein Evaluationskriterium zu.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Transfer Altersmischung: Eine Schule möchte drei Jahrgänge in Stammgruppen zusammenführen. Analysiere Chancen, Risiken und notwendige Ressourcen. Entwickle anschließend einen stufenweisen Einführungsplan.
  2. Fallanalyse Gemeinschaft: In einem Gesprächskreis stimmt die Mehrheit für eine Regel, die eine kleine Gruppe benachteiligt. Beurteile den Fall aus gemeinschaftspädagogischer und menschenrechtlicher Perspektive und formuliere ein alternatives Entscheidungsverfahren.
  3. Didaktische Entscheidung: Vergleiche zwei Unterrichtsentwürfe zum selben Thema, einen mit starker Instruktion und einen mit freier Wochenplanarbeit. Entscheide begründet, welche Elemente Du kombinieren würdest.
  4. Historisches Urteil: Formuliere ein differenziertes Urteil über Petersen, das pädagogische Innovation, politische Belastung, Handlungsspielräume und Wirkungsgeschichte sichtbar trennt und wieder aufeinander bezieht.
  5. Quellenkonflikt: Zwei Forschungstexte bewerten Petersens Rolle im Nationalsozialismus gegensätzlich. Entwickle ein Prüfraster für Belegqualität, Kontextualisierung, Gegenbeispiele und Schlussfolgerungsreichweite.
  6. Schulentwicklung: Übertrage die vier Grundformen auf eine Hochschule oder Berufsschule. Zeige, welche Anpassungen nötig sind und wie Lernerfolg sowie Partizipation evaluiert werden könnten.




Lernnachweis

Für einen qualifizierten Lernnachweis reichst Du ein Portfolio ein. Es soll zeigen, dass Du Wissen, Analyse, Quellenkritik und Transfer miteinander verbinden kannst.

  1. Fachbegriffe: Präzise Erklärung von Jenaplan, Stammgruppe, Grundformen, Wochenarbeitsplan, Schulwohnstube und Tatsachenforschung.
  2. Historische Einordnung: Nachvollziehbare Verbindung von Biografie, Weimarer Republik, Nationalsozialismus und Nachkriegszeit.
  3. Quellenarbeit: Mindestens eine Primärquelle und zwei wissenschaftliche Sekundärquellen mit korrekter Trennung von Beleg und Bewertung.
  4. Kritisches Urteil: Begründete Auseinandersetzung mit rassistischen, antisemitischen und antidemokratischen Aussagen sowie der Forschungskontroverse.
  5. Pädagogischer Transfer: Ein konkreter Entwurf für eine demokratische, inklusive und fachlich anspruchsvolle Weiterentwicklung eines Jenaplan-Elements.
  6. Reflexion: Transparente Darstellung eigener Maßstäbe, Unsicherheiten und möglicher Gegenargumente.
  7. Präsentation: Verständliche, barrierearme und wissenschaftlich redliche Darstellung der Ergebnisse.




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Schulfach+

Prüfungsliteratur 2026
Bundesland Bücher Kurzbeschreibung
Baden-Württemberg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Mittlere Reife

  1. Der Markisenmann - Jan Weiler oder Als die Welt uns gehörte - Liz Kessler
  2. Ein Schatten wie ein Leopard - Myron Levoy oder Pampa Blues - Rolf Lappert

Abitur Dorfrichter-Komödie über Wahrheit/Schuld; Roman über einen Ort und deutsche Geschichte. Mittlere Reife Wahllektüren (Roadtrip-Vater-Sohn / Jugendroman im NS-Kontext / Coming-of-age / Provinzroman).

Bayern

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Lustspiel über Machtmissbrauch und Recht; Roman als Zeitschnitt deutscher Geschichte an einem Haus/Grundstück.

Berlin/Brandenburg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Der Biberpelz - Gerhart Hauptmann
  4. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Gerichtskomödie; soziales Drama um Ausbeutung/Armut; Komödie/Satire um Diebstahl und Obrigkeit; Roman über Erinnerungsräume und Umbrüche.

Bremen

Abitur

  1. Nach Mitternacht - Irmgard Keun
  2. Mario und der Zauberer - Thomas Mann
  3. Emilia Galotti - Gotthold Ephraim Lessing oder Miss Sara Sampson - Gotthold Ephraim Lessing

Abitur Roman in der NS-Zeit (Alltag, Anpassung, Angst); Novelle über Verführung/Massenpsychologie; bürgerliche Trauerspiele (Moral, Macht, Stand).

Hamburg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun

Abitur Justiz-/Machtkritik als Komödie; Großstadtroman der Weimarer Zeit (Rollenbilder, Aufstiegsträume, soziale Realität).

Hessen

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  4. Der Prozess - Franz Kafka

Abitur Gerichtskomödie; Fragmentdrama über Gewalt/Entmenschlichung; Erinnerungsroman über deutsche Brüche; moderner Roman über Schuld, Macht und Bürokratie.

Niedersachsen

Abitur

  1. Der zerbrochene Krug - Heinrich von Kleist
  2. Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun
  3. Die Marquise von O. - Heinrich von Kleist
  4. Über das Marionettentheater - Heinrich von Kleist

Abitur Schwerpunkt auf Drama/Roman sowie Kleist-Prosatext und Essay (Ehre, Gewalt, Unschuld; Ästhetik/„Anmut“).

Nordrhein-Westfalen

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Komödie über Wahrheit und Autorität; Roman als literarische „Geschichtsschichtung“ an einem Ort.

Saarland

Abitur

  1. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  2. Furor - Lutz Hübner und Sarah Nemitz
  3. Bahnwärter Thiel - Gerhart Hauptmann

Abitur Erinnerungsroman an einem Ort; zeitgenössisches Drama über Eskalation/Populismus; naturalistische Novelle (Pflicht/Überforderung/Abgrund).

Sachsen (berufliches Gymnasium)

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Irrungen, Wirrungen - Theodor Fontane
  4. Der gute Mensch von Sezuan - Bertolt Brecht
  5. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  6. Der Trafikant - Robert Seethaler

Abitur Mischung aus Klassiker-Drama, sozialem Drama, realistischem Roman, epischem Theater und Gegenwarts-/Erinnerungsroman; zusätzlich Coming-of-age im historischen Kontext.

Sachsen-Anhalt

Abitur

  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Themenfelder)

Abitur Schwerpunktsetzung über Themenfelder (u. a. Literatur um 1900; Sprache in politisch-gesellschaftlichen Kontexten), ohne feste Einzeltitel.

Schleswig-Holstein

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Recht/Gerechtigkeit und historische Tiefenschichten eines Ortes – umgesetzt über Drama und Gegenwartsroman.

Thüringen

Abitur

  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool)

Abitur In der Praxis häufig Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool; landesweite Einzeltitel je nach Vorgabe/Handreichung nicht einheitlich ausgewiesen.

Mecklenburg-Vorpommern

Abitur

  1. (Quelle aktuell technisch nicht abrufbar; Beteiligung am gemeinsamen Aufgabenpool bekannt)

Abitur Land beteiligt sich am länderübergreifenden Aufgabenpool; konkrete, veröffentlichte Einzeltitel konnten hier nicht ausgelesen werden.

Rheinland-Pfalz

Abitur

  1. (keine landesweit einheitliche Pflichtlektüre; schulische Auswahl)

Abitur Keine landesweite Einheitsliste; Auswahl kann schul-/kursbezogen erfolgen.




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THE MONKEY DANCE




The Monkey DanceaiMOOCs

  1. Trust Me It's True: #Verschwörungstheorie #FakeNews
  2. Gregor Samsa Is You: #Kafka #Verwandlung
  3. Who Owns Who: #Musk #Geld
  4. Lump: #Trump #Manipulation
  5. Filth Like You: #Konsum #Heuchelei
  6. Your Poverty Pisses Me Off: #SozialeUngerechtigkeit #Musk
  7. Hello I'm Pump: #Trump #Kapitalismus
  8. Monkey Dance Party: #Lebensfreude
  9. God Hates You Too: #Religionsfanatiker
  10. You You You: #Klimawandel #Klimaleugner
  11. Monkey Free: #Konformität #Macht #Kontrolle
  12. Pure Blood: #Rassismus
  13. Monkey World: #Chaos #Illusion #Manipulation
  14. Uh Uh Uh Poor You: #Kafka #BerichtAkademie #Doppelmoral
  15. The Monkey Dance Song: #Gesellschaftskritik
  16. Will You Be Mine: #Love
  17. Arbeitsheft
  18. And Thanks for Your Meat: #AntiFactoryFarming #AnimalRights #MeatIndustry


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