Martha Nussbaum


Martha Nussbaum
Martha Nussbaum

| Fach | Niveau | Schwerpunkt |
|---|---|---|
| Philosophie | Klasse 11–13 und Studium | Ethik, Politische Philosophie, Gerechtigkeitstheorie |
Einleitung
Martha C. Nussbaum ist eine US-amerikanische Philosophin, Altertumswissenschaftlerin und Rechtsphilosophin. Ihr Werk verbindet Aristoteles, Ethik, Menschenwürde, Menschenrechte, Feministische Philosophie, Politische Emotionen, Bildungsphilosophie und Tierethik.
Im Mittelpunkt steht eine praktische Frage: Welche realen Möglichkeiten muss ein Mensch besitzen, um ein selbstbestimmtes und menschenwürdiges Leben führen zu können? Nussbaums Befähigungsansatz bewertet deshalb nicht nur Einkommen, Ressourcen oder subjektive Zufriedenheit, sondern tatsächliche Handlungsspielräume.
Leben und Werk
Nussbaum wurde 1947 in New York geboren. Sie studierte an der New York University und promovierte an der Harvard University. Nach Lehrtätigkeiten unter anderem in Harvard, Brown und Oxford wurde sie Professorin für Recht und Ethik an der University of Chicago. Ihre Forschung überschreitet die Grenzen zwischen Philosophie, Recht, Literatur, Politik und Ökonomie.
| Station | Bedeutung |
|---|---|
| Studium der Klassischen Philologie | Grundlage ihrer Arbeiten zu Aristoteles, Tragödie und antiker Ethik |
| Zusammenarbeit mit Amartya Sen | Entwicklung des Befähigungsansatzes |
| University of Chicago | Verbindung von Philosophie, Rechtswissenschaft und öffentlicher Debatte |
| Internationale Auszeichnungen | Unter anderem Kyoto-Preis, Berggruen-Preis, Holberg-Preis und Balzan-Preis |

Philosophisches Profil
Nussbaum fragt, wie ein gutes Leben trotz Verletzlichkeit möglich ist und welche Aufgaben daraus für gerechte Institutionen entstehen.
| Themenfeld | Leitfrage |
|---|---|
| Antike Philosophie | Was lehrt uns die Tragödie über Glück, Zufall und Verletzlichkeit? |
| Gerechtigkeit | Welche Mindestbedingungen schuldet ein Staat jeder Person? |
| Emotion | Welche Urteile und Wertbindungen stecken in Gefühlen? |
| Demokratie | Welche Bildung und welche Emotionen stabilisieren freie Gesellschaften? |
| Tierethik | Welche Entfaltungsmöglichkeiten stehen empfindungsfähigen Tieren zu? |
Aristoteles, Tragödie und Verletzlichkeit
In The Fragility of Goodness untersucht Nussbaum die antike Einsicht, dass ein gutes Leben nicht vollständig kontrollierbar ist. Liebe, Freundschaft, politische Teilhabe und körperliche Gesundheit machen ein Leben reich, aber auch verletzlich. Gegen eine rein selbstgenügsame Moral betont sie: Abhängigkeit und Verwundbarkeit gehören zur menschlichen Existenz.
Diese Sicht beeinflusst ihre Gerechtigkeitstheorie. Weil Menschen auf Körper, Beziehungen und soziale Institutionen angewiesen sind, muss Gerechtigkeit reale Lebensbedingungen berücksichtigen.
Der Befähigungsansatz
Der Befähigungsansatz unterscheidet zwischen Ressourcen, Befähigungen und Verwirklichungen.
- Ressource: Ein Mittel wie Geld, Bildung oder ein gesetzliches Recht.
- Befähigung: Die reale Freiheit, etwas Wertvolles tun oder sein zu können.
- Verwirklichung: Eine tatsächlich ausgeübte Tätigkeit oder erreichte Lebensform.
Ein Recht auf Bildung genügt beispielsweise nicht, wenn Armut, Diskriminierung oder fehlende Barrierefreiheit den Schulbesuch verhindern. Entscheidend ist, ob die Person die Bildung tatsächlich nutzen kann.
Zehn zentrale Befähigungen
Nussbaum schlägt zehn Bereiche vor, die politische Ordnungen mindestens bis zu einem menschenwürdigen Schwellenwert sichern sollen.
| Befähigung | Kurzbeschreibung |
|---|---|
| Leben | Ein Leben normaler Länge führen können |
| Körperliche Gesundheit | Ernährung, Unterkunft und Gesundheit sichern können |
| Körperliche Unversehrtheit | Sich frei und geschützt bewegen können |
| Sinne, Vorstellungskraft und Denken | Lernen, urteilen und sich kulturell ausdrücken können |
| Gefühl | Bindungen entwickeln und Gefühle ohne zerstörerische Angst erleben können |
| Praktische Vernunft | Eine Vorstellung des guten Lebens bilden und prüfen können |
| Zugehörigkeit | Mit anderen leben und als gleichwertig anerkannt werden können |
| Andere Spezies | In verantwortlicher Beziehung zu Tieren und Natur leben können |
| Spiel | Lachen, spielen und Freizeit erleben können |
| Kontrolle über die eigene Umwelt | Politisch mitbestimmen sowie materielle Lebensbedingungen beeinflussen können |

Freiheit, Schwelle und Würde
Nussbaum verteidigt keine Pflicht zu einer bestimmten Lebensweise. Der Staat soll Befähigungen sichern, nicht alle Menschen zu denselben Verwirklichungen zwingen. Wer fastet, entscheidet anders als jemand, der hungert: Der sichtbare Zustand kann gleich sein, die Freiheit dahinter ist verschieden.
Die Menschenwürde verlangt nach Nussbaum ein Mindestniveau in jedem zentralen Bereich. Einzelne Befähigungen dürfen nicht beliebig gegeneinander verrechnet werden. Mehr Einkommen kann fehlende körperliche Sicherheit oder politische Entrechtung nicht einfach ausgleichen.
Nussbaum, Sen, Rawls und Utilitarismus
| Ansatz | Bewertungsmaßstab | Typische Frage |
|---|---|---|
| Utilitarismus | Gesamtnutzen oder Wohlergehen | Welche Regel maximiert den Nutzen? |
| John Rawls | Grundfreiheiten und faire Verteilung gesellschaftlicher Güter | Welche Prinzipien würden Freie und Gleiche wählen? |
| Amartya Sen | Vergleich realer Freiheiten ohne verbindliche universale Liste | Welche vermeidbaren Unfreiheiten bestehen? |
| Martha Nussbaum | Zentrale Befähigungen und menschenwürdige Schwellen | Was muss jede Person tatsächlich tun und sein können? |
Gerechtigkeit über Grenzen hinweg
In Frontiers of Justice erweitert Nussbaum die Gerechtigkeitsdebatte auf drei häufig vernachlässigte Felder: Menschen mit Behinderungen, globale Ungleichheit und nichtmenschliche Tiere. Verträge zwischen ungefähr gleich starken Personen reichen dafür nicht aus. Ausgangspunkt ist die gleiche Würde verletzlicher Lebewesen.
Behinderung und Abhängigkeit
Menschen mit Behinderungen dürfen nicht nur nach wirtschaftlicher Produktivität bewertet werden. Gerechte Institutionen müssen Assistenz, Pflege, Barrierefreiheit und politische Teilhabe als Bedingungen gleicher Würde sichern. Auch Sorgearbeit wird dadurch zu einem Thema der Gerechtigkeit.
Globale Gerechtigkeit
Nussbaum betrachtet Staaten, Unternehmen und internationale Institutionen als Mitverantwortliche für Lebensbedingungen. Nationale Grenzen heben moralische Pflichten nicht auf. Der Befähigungsansatz fragt daher, ob Menschen weltweit Zugang zu Gesundheit, Bildung, Sicherheit und politischer Mitwirkung besitzen.

Gerechtigkeit für Tiere
Nussbaum überträgt den Befähigungsansatz auf empfindungsfähige Tiere. Maßstab ist nicht allein die Verringerung von Schmerz, sondern die Möglichkeit einer artspezifischen Entfaltung: Bewegung, soziale Bindung, Spiel, körperliche Integrität und eine passende Umwelt.
Emotionen und Politik
Nussbaum versteht Emotionen nicht als bloße Gegenspieler der Vernunft. Gefühle enthalten Bewertungen: Wir fürchten, was wir für bedroht halten; wir trauern um das, was uns wichtig ist; wir empfinden Mitgefühl, wenn wir fremdes Leiden als bedeutsam wahrnehmen.

Politische Emotionen
Eine gerechte Verfassung allein garantiert noch keine stabile Demokratie. Bürgerinnen und Bürger benötigen Bindungen an gemeinsame Prinzipien. Nussbaum untersucht deshalb, wie Mitgefühl, Hoffnung und eine nicht-ausgrenzende Form politischer Liebe demokratische Solidarität fördern können.
Gefühle können jedoch auch Herrschaft stützen. Angst, Ekel und narzisstischer Stolz können Minderheiten abwerten. Demokratische Politik muss solche Dynamiken erkennen, ohne Emotionen autoritär zu steuern.
Zorn und Vergebung
Nussbaum kritisiert am Zorn besonders den Wunsch nach Vergeltung. Strafe kann Schutz, Abschreckung oder Wiedergutmachung dienen; bloßes Zurückzahlen macht den ursprünglichen Schaden aber nicht ungeschehen. Sie empfiehlt einen Übergang von der Empörung zu zukunftsgerichtetem Handeln.
Bildung und Demokratie
In Cultivating Humanity und Not for Profit verteidigt Nussbaum die Geisteswissenschaften. Demokratische Bildung soll nicht nur Arbeitskräfte qualifizieren, sondern Urteilskraft bilden.
- Sokratische Methode: Argumente prüfen und Autoritäten kritisch befragen.
- Weltbürgertum: Die eigene Perspektive in globale Zusammenhänge einordnen.
- Narrative Imagination: Durch Literatur und Kunst fremde Lebenslagen nachvollziehen.
- Demokratische Bildung: Widerspruch, Selbstkritik und gleiche Achtung einüben.
Feministische Philosophie und Menschenrechte
Nussbaum verbindet Liberalismus mit feministischer Kritik. Formale Gleichheit genügt nicht, wenn Gewalt, unbezahlte Sorgearbeit, fehlende Bildung oder wirtschaftliche Abhängigkeit reale Freiheit verhindern. Zugleich verteidigt sie universale Ansprüche: Kultur darf respektiert, aber nicht als Rechtfertigung für die Verletzung grundlegender Befähigungen benutzt werden.
Kritik und philosophische Debatte
Nussbaums Ansatz ist einflussreich, aber umstritten.
- Universalismus: Kritiker fragen, ob eine universale Liste kulturelle Vielfalt ausreichend berücksichtigt.
- Paternalismus: Umstritten ist, wer Befähigungen auswählt und Schwellen festlegt.
- Messbarkeit: Reale Freiheiten sind komplexer zu messen als Einkommen.
- Priorisierung: Politische Entscheidungen müssen Konflikte zwischen Befähigungen und knappen Ressourcen bearbeiten.
- Demokratische Legitimation: Eine philosophische Liste benötigt öffentliche Beratung und institutionelle Zustimmung.
- Tierethik: Die Bestimmung artspezifischer Entfaltung wirft Wissens- und Abwägungsprobleme auf.
Die Kritik widerlegt den Ansatz nicht automatisch. Sie zeigt, dass seine Anwendung demokratische Prüfung, empirische Forschung und transparente Begründungen verlangt.
Schlüsselwerke
| Jahr | Werk | Schwerpunkt |
|---|---|---|
| 1986 | The Fragility of Goodness | Antike Ethik, Tragödie und Verletzlichkeit |
| 1997 | Cultivating Humanity | Bildung und Weltbürgertum |
| 2000 | Women and Human Development | Geschlechtergerechtigkeit und Befähigungen |
| 2001 | Upheavals of Thought | Philosophie der Emotionen |
| 2006 | Frontiers of Justice | Behinderung, globale Gerechtigkeit und Tiere |
| 2010 | Not for Profit | Geisteswissenschaften und Demokratie |
| 2011 | Creating Capabilities | Einführung in den Befähigungsansatz |
| 2013 | Political Emotions | Gefühle in liberalen Demokratien |
| 2016 | Anger and Forgiveness | Zorn, Vergeltung und Zukunftsorientierung |
| 2023 | Justice for Animals | Befähigungen und Tiergerechtigkeit |

Lernziele
Nach diesem aiMOOC kannst Du den Befähigungsansatz erklären, ihn von Ressourcen- und Nutzenmodellen unterscheiden, Nussbaums Theorie auf gesellschaftliche Fälle anwenden und begründet kritisieren. Du kannst außerdem ihre Positionen zu Emotionen, Bildung, Geschlecht, Behinderung und Tierethik miteinander verbinden.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Welche Frage steht im Zentrum von Nussbaums Befähigungsansatz? (Welche realen Möglichkeiten Menschen tatsächlich besitzen) (!Wie hoch das gesamte Nationaleinkommen eines Staates ist) (!Welche Tradition unverändert bewahrt werden soll) (!Wie viele Wünsche eine Person äußert)
Was ist eine Befähigung? (Eine reale Freiheit etwas tun oder sein zu können) (!Eine bereits ausgeführte Handlung) (!Ein ausschließlich materieller Besitz) (!Eine gesetzliche Strafe)
Was bezeichnet eine Verwirklichung im Befähigungsansatz? (Eine tatsächlich erreichte Tätigkeit oder Lebensform) (!Eine angeborene Eigenschaft ohne Umweltbezug) (!Eine bloße statistische Wahrscheinlichkeit) (!Eine staatliche Absichtserklärung)
Mit welchem Ökonomen entwickelte Nussbaum den Befähigungsansatz im Dialog? (Amartya Sen) (!Milton Friedman) (!Thomas Hobbes) (!David Ricardo)
Welche Befähigung betrifft die reflektierte Planung des eigenen Lebens? (Praktische Vernunft) (!Körperliche Gesundheit) (!Spiel) (!Andere Spezies)
Warum reicht formale Gleichheit nach Nussbaum nicht aus? (Weil Menschen Rechte unter ungleichen Bedingungen verschieden nutzen können) (!Weil Gleichheit grundsätzlich unfrei macht) (!Weil nur Einkommen politisch relevant ist) (!Weil Institutionen keine Wirkung auf Freiheit haben)
Welche Rolle können Emotionen in Nussbaums politischer Philosophie spielen? (Sie können Werturteile enthalten und demokratische Bindungen fördern) (!Sie sind stets irrational und politisch bedeutungslos) (!Sie ersetzen jede öffentliche Begründung) (!Sie entstehen ausschließlich durch Gesetze)
Was kritisiert Nussbaum besonders am Zorn? (Den rückwärtsgerichteten Wunsch nach Vergeltung) (!Jede Form moralischer Wahrnehmung) (!Das Benennen von Unrecht) (!Die Suche nach zukünftiger Verbesserung)
Warum verteidigt Nussbaum die Geisteswissenschaften? (Sie fördern Urteilskraft Perspektivwechsel und demokratische Selbstprüfung) (!Sie garantieren automatisch wirtschaftliches Wachstum) (!Sie machen politische Institutionen überflüssig) (!Sie verhindern jede emotionale Reaktion)
Was verlangt Nussbaums Tierethik? (Artspezifische Entfaltungsmöglichkeiten empfindungsfähiger Tiere) (!Ausschließlich gleiche Nahrung für alle Tierarten) (!Die Bewertung von Tieren nur nach ihrem Nutzen für Menschen) (!Den vollständigen Verzicht auf jede menschliche Verantwortung)
Memory
| Befähigung | Reale Möglichkeit |
| Verwirklichung | Tatsächlich ausgeübte Lebensform |
| Praktische Vernunft | Reflektierte Lebensplanung |
| Zugehörigkeit | Soziale Anerkennung |
| Schwellenwert | Politisches Mindestniveau |
| Narrative Imagination | Perspektivwechsel durch Geschichten |
| Politische Emotionen | Gefühle im Gemeinwesen |
| Tiergerechtigkeit | Artspezifische Entfaltung |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Befähigung | Reale Freiheit |
| Verwirklichung | Ausgeübte Tätigkeit |
| Würde | Normativer Ausgangspunkt |
| Schwelle | Politisches Mindestziel |
| Mitgefühl | Emotionale Perspektivübernahme |
| Zorn | Gefahr des Vergeltungswunsches |
| Bildung | Demokratische Urteilskraft |
Kreuzworträtsel
| Nussbaum | Wie lautet der Nachname der Philosophin dieses Kurses? |
| Aristoteles | Welcher antike Philosoph prägte ihre frühe Forschung? |
| Befähigung | Welcher Begriff bezeichnet eine reale Möglichkeit? |
| Menschenwürde | Welcher normative Wert begründet das Mindestniveau? |
| Mitgefühl | Welche Emotion kann Perspektivübernahme unterstützen? |
| Demokratie | Welche Staatsform benötigt kritische Urteilskraft? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Begriffsnetz: Gestalte ein Schaubild zu Ressourcen, Befähigungen, Verwirklichungen, Würde und Schwellenwert.
- Bildanalyse: Wähle ein Porträt aus dem Kurs und beschreibe, welche Erwartungen Bilder öffentlicher Intellektueller erzeugen.
- Befähigungstagebuch: Dokumentiere einen Tag lang drei Möglichkeiten, die Du besitzt, und drei Hindernisse, die ihre Nutzung erschweren.
- Erklärvideo: Produziere ein einminütiges Video, das den Unterschied zwischen einem Recht und seiner realen Nutzbarkeit erklärt.
Standard
- Fallanalyse Schule: Prüfe Barrierefreiheit, Mitbestimmung und Lernchancen Deiner Schule mit fünf zentralen Befähigungen.
- Podcast: Nimm ein Gespräch auf, in dem zwei Personen Nussbaums Kritik am vergeltenden Zorn diskutieren.
- Philosophische Debatte: Führe eine strukturierte Debatte darüber, ob ein Staat universale Mindestbefähigungen garantieren soll.
- Medienanalyse: Untersuche eine politische Rede auf Angst, Mitgefühl, Ekel, Hoffnung und Zugehörigkeit.
Schwer
- Policy Brief: Entwickle auf zwei Seiten eine politische Maßnahme, die eine gefährdete Befähigung verbessert, und benenne Zielkonflikte.
- Theorienvergleich: Vergleiche Nussbaum mit Sen, Rawls oder dem Utilitarismus anhand eines selbst gewählten Gerechtigkeitsfalls.
- Forschungsinterview: Befrage eine Person aus Pflege, Sozialarbeit oder Behindertenvertretung zur Bedeutung realer Teilhabe und werte das Interview aus.
- Tierethik-Projekt: Analysiere Zoo, Landwirtschaft oder Haustierhaltung mit dem Gedanken artspezifischer Entfaltung und entwirf Reformkriterien.


Lernkontrolle
- Verteilung und Freiheit: Eine Kommune verteilt kostenlose Tablets, doch einige Lernende haben kein ruhiges Zuhause und keine barrierefreie Software. Erkläre, warum gleiche Ressourcen noch keine gleichen Befähigungen erzeugen, und entwickle zwei Ergänzungen.
- Schwellenkonflikt: Ein Staat kann entweder Gesundheitsversorgung oder politische Beteiligung stark ausbauen. Zeige, warum Nussbaums Ansatz eine einfache Verrechnung problematisch findet, und begründe eine faire Entscheidung.
- Zorn und Protest: Analysiere einen fiktiven Protest, der zwischen berechtigter Empörung und Vergeltungswunsch schwankt. Entwickle eine zukunftsgerichtete Strategie.
- Demokratische Bildung: Begründe an einem Schulbeispiel, wie sokratische Prüfung und narrative Imagination Polarisierung verringern können, ohne Unterschiede zu unterdrücken.
- Globale Verantwortung: Prüfe die Verantwortung eines international tätigen Unternehmens für Gesundheit, Arbeitsschutz und politische Freiheit in seiner Lieferkette.
- Tierliche Entfaltung: Vergleiche eine leidensminimierende und eine befähigungsorientierte Bewertung derselben Form von Tierhaltung.
Lernnachweis
Für einen erfolgreichen Lernnachweis sind wichtig:
- Begriffsverständnis: Ressourcen, Befähigungen, Verwirklichungen, Schwellenwert und Würde korrekt unterscheiden.
- Argumentationskompetenz: Eine These Nussbaums rekonstruieren und mit Gründen prüfen.
- Theorienvergleich: Mindestens einen anderen Gerechtigkeitsansatz sachgerecht einbeziehen.
- Transfer: Den Befähigungsansatz auf einen neuen gesellschaftlichen Fall anwenden.
- Kritikfähigkeit: Einwände zu Universalismus, Paternalismus oder Umsetzung abwägen.
- Urteil: Ein eigenständiges, nachvollziehbar begründetes Ergebnis formulieren.
- Quellenarbeit: Verlässliche Quellen kenntlich machen und Medien reflektiert verwenden.
OERs zum Thema
- University of Chicago: Fakultätsprofil
- Stanford Encyclopedia of Philosophy: Capability Approach
- Wikimedia Commons: freie Medien
- Holberg Prize: Martha C. Nussbaum
Verknüpfte Lernbereiche
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