Herbert Grönemeyer - Was soll das


Herbert Grönemeyer - Was soll das
Herbert Grönemeyer - Was soll das

Einleitung
Herbert Grönemeyer - Was soll das ist ein aiMOOC über einen prägenden Deutschrock-Song der späten 1980er-Jahre. Du untersuchst vor allem, wie Musik und Sprache zusammenwirken: Eine wiederholte Frage wird zur Hookline, kurze Beobachtungen erzeugen Tempo, und der sprechnahe Gesang macht Eifersucht zugleich ernst, komisch und selbstironisch.
Der Song erschien am 28. März 1988 als erste Single des Albums Ö. Herbert Grönemeyer schrieb und komponierte ihn; produziert wurde er von Grönemeyer und Norbert Hamm. Der Text erzählt keine allgemeine Liebesgeschichte, sondern eine konkrete Eifersuchtsszene aus der Perspektive eines überrumpelten Sprechers.
Hörhinweis: Höre zuerst ohne Textblatt. Notiere drei Wörter zu Rhythmus, Stimme und Stimmung. Beim zweiten Hören achtest Du auf Wiederholungen, Alltagsdetails und musikalische Akzente.
Kurzprofil des Songs
| Merkmal | Einordnung |
|---|---|
| Veröffentlichung | 1988 |
| Album | Ö |
| Stil | Deutschrock mit deutlicher Pop-Prägung |
| Grundwirkung | drängend, ironisch, gekränkt und energiegeladen |
| Klangzentrum | perkussive Akustikgitarre, E-Gitarre, Rhythmusgruppe und markanter Gesang |
| Textkern | Eifersucht, Kontrollverlust und eine immer wiederkehrende Frage |
Musik-Sprache: Warum die Frage so stark wirkt
Die Titelphrase ist eine rhetorische Frage. Sie verlangt keine sachliche Erklärung, sondern bündelt Empörung, Ratlosigkeit und verletzten Stolz. Durch ihre häufige Wiederkehr wird sie zum Refrain und zur leicht erinnerbaren Hookline.
Sprachlich arbeitet der Song mit kurzen Satzfolgen, konkreten Gegenständen und sinnlichen Wahrnehmungen. Diese parataktische Erzählweise wirkt wie eine Folge schneller Kamerabilder. Der Sprecher zählt Indizien auf, doch je genauer er beobachtet, desto deutlicher wird sein Kontrollverlust.
Musikalisch unterstützt Grönemeyer diesen Effekt durch einen sprechnahen, stark akzentuierten Gesang. Harte Konsonanten, verkürzte Silben und plötzliche Betonungen lassen die Worte rhythmisch werden. Die Stimme transportiert daher nicht nur den Text, sondern übernimmt selbst eine Funktion ähnlich einem Schlaginstrument.

Instrumentierung und Form
Der Song ist ein Midtempo-Rocksong. Besonders auffällig ist die perkussiv gespielte Akustikgitarre: Sie liefert nicht nur Harmonie, sondern einen trockenen rhythmischen Puls. E-Gitarre, Bass und Schlagzeug verdichten die Energie, während die wiederkehrende Titelphrase die Form gliedert.
Grönemeyer entwickelte das Stück zunächst als langsamere Ballade. Erst die rhythmische Gitarrenidee machte es schneller und härter. Diese Entstehung zeigt: Eine Melodie kann dieselbe bleiben, während Tempo, Artikulation und Arrangement ihre Wirkung grundlegend verändern.
Hörauftrag: Klopfe beim Refrain den Grundpuls und markiere zusätzlich die Stellen, an denen die Stimme einzelne Wörter besonders scharf akzentuiert. Vergleiche beide Ebenen.
Erzählperspektive, Komik und Selbstironie
Der Song verwendet eine Ich-Perspektive. Der Sprecher erlebt die Situation unmittelbar und deutet jedes Detail als Beweis. Dadurch entsteht Nähe, aber keine neutrale Sicht. Du hörst nur seine Version des Konflikts.
Die Szene wirkt komisch, weil alltägliche Gegenstände mit großer Dramatik aufgeladen werden. Die wiederholte Frage steigert sich, liefert aber keine Lösung. Diese Mischung aus Wut und Selbstironie verhindert, dass der Song nur anklagend klingt. Die Musik hält den Konflikt in Bewegung, statt ihn in einer traurigen Ballade festzuhalten.
Urheberrecht: Der vollständige Liedtext ist geschützt. Arbeite im Unterricht mit legal bereitgestellten Texten und zitiere nur kurze Stellen, wenn sie für Deine Analyse nötig sind. Eigene Paraphrasen sind meist die bessere Wahl.
Herbert Grönemeyer und sein Ensemble
Herbert Grönemeyer ist kein Bandname, sondern ein Solokünstler. Seine Aufnahmen und Konzerte entstehen jedoch im Zusammenspiel mit einer festen beziehungsweise langjährig verbundenen Begleitband. Beim Album Ö prägten unter anderem Norbert Hamm am Bass, Armin Rühl am Schlagzeug sowie Jakob Hansonis und Gaggy Mrozeck an den Gitarren den Bandsound.
Eine Besonderheit Grönemeyers ist die enge Verbindung von Sprache, Körper und Rhythmus. Seine Aussprache ist oft bewusst kantig, verdichtet und sprechnah. Dadurch bleiben selbst ungewöhnliche Formulierungen musikalisch verständlich: Nicht jedes Wort muss glatt klingen, solange Betonung, Puls und Emotion zusammenpassen.

Besonderheiten des Songs
- Entstehungsprozess: Das Stück begann als Ballade und erhielt seine endgültige Energie durch das rhythmisch-perkussive Gitarrenarrangement.
- Alltagssprache: Gegenstände und Beobachtungen ersetzen abstrakte Gefühlsbegriffe.
- Hookline: Eine kurze Frage trägt Refrain, Titel und zentrale Emotion zugleich.
- Musikvideo: Es war Grönemeyers erstes offizielles Musikvideo; unter der Regie von Peter Scammell entstanden drei überwiegend schwarzweiße Versionen.
- Mehrsprachigkeit: Eine englische Fassung trägt den Titel What's All This; der englische Text stammt von Peter Hammill.
- Live-Wirkung: Der einfache Rufcharakter der Titelphrase ermöglicht eine starke Beteiligung des Publikums.

Mini-Höranalyse in vier Schritten
- Erster Höreindruck: Beschreibe Energie, Tempo und Stimmung mit je einem Adjektiv.
- Rhythmus: Achte auf den trockenen Gitarrenpuls und die Akzente der Stimme.
- Sprache: Suche Wiederholungen, kurze Sätze, Fragen und konkrete Alltagsdetails.
- Deutung: Erkläre, wie Musik und Sprache zwischen Kränkung, Komik und Selbstironie vermitteln.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
In welchem Jahr erschien Was soll das als Single? (1988) (!1981) (!1995) (!2002)
Auf welchem Album erschien der Song? (Ö) (!Mensch) (!Bochum) (!Luxus)
Welche sprachliche Form bildet die Titelphrase? (Eine rhetorische Frage) (!Eine sachliche Definition) (!Eine Zeitangabe) (!Eine Aufzählungsüberschrift)
Welches Instrument prägt den trockenen rhythmischen Puls besonders? (Die Akustikgitarre) (!Die Harfe) (!Die Tuba) (!Die Blockflöte)
Welche Erzählperspektive dominiert den Song? (Die Ich-Perspektive) (!Die allwissende Erzählperspektive) (!Die Wir-Perspektive eines Chors) (!Die neutrale Nachrichtensprache)
Wodurch entsteht ein Teil der komischen Wirkung? (Durch dramatisch gedeutete Alltagsdetails) (!Durch eine historische Schlachtschilderung) (!Durch Fantasiewesen) (!Durch mathematische Formeln)
Wie wirkt Grönemeyers Gesang in diesem Song häufig? (Sprechnah und stark akzentuiert) (!Flüsternd und völlig rhythmusfrei) (!Opernhaft mit langem Vibrato) (!Ausschließlich instrumental)
Wie entstand die endgültige energische Fassung? (Durch ein rhythmischeres und härteres Arrangement) (!Durch den Verzicht auf Gitarren) (!Durch eine Verlangsamung zum Schlaflied) (!Durch eine reine Chorversion)
Was ist eine besondere Eigenschaft des Musikvideos? (Es war Grönemeyers erstes offizielles Musikvideo) (!Es war ein Stummfilm ohne Musik) (!Es bestand nur aus Zeichentrick) (!Es wurde im 19. Jahrhundert gedreht)
Welche Funktion hat die wiederholte Titelphrase? (Sie ist Refrain und Hookline) (!Sie nennt die Tonart) (!Sie ersetzt das Schlagzeug vollständig) (!Sie beschreibt den Aufnahmeort)
Memory
| Hookline | prägnanter Wiedererkennungsteil |
| Rhetorische Frage | erwartet keine sachliche Antwort |
| Parataxe | Folge kurzer Hauptsätze |
| Akustikgitarre | perkussiver Puls |
| Selbstironie | komischer Abstand zur eigenen Kränkung |
| Schwarzweißbild | visuelle Dramatisierung |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Funktion im Song |
|---|---|
| Titelphrase | wiederkehrende Frage |
| Alltagsdetail | sichtbares Indiz des Konflikts |
| Akustikgitarre | rhythmischer Antrieb |
| Gesang | sprechnahe Akzentsetzung |
| Schwarzweißbild | konzentrierte visuelle Wirkung |
Kreuzworträtsel
| Refrain | Welcher Formteil trägt die wiederkehrende Titelfrage? |
| Eifersucht | Welches Gefühl bestimmt die erzählte Konfliktszene? |
| Parataxe | Wie heißt eine Folge kurzer Hauptsätze? |
| Akustikgitarre | Welches Instrument liefert den markanten perkussiven Puls? |
| Schwarzweiß | Welche Bildästhetik prägt das Musikvideo überwiegend? |
| Grönemeyer | Welcher Nachname gehört zum Sänger und Autor des Songs? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Hörprotokoll: Höre den Song einmal und notiere je drei Eindrücke zu Stimme, Rhythmus und Stimmung.
- Hookline: Erfinde eine eigene kurze Frage, die als Refrain funktionieren könnte, ohne den Originaltext nachzuahmen.
- Standbild: Zeichne ein Schwarzweiß-Standbild für eine Eifersuchtsszene, in der nur Gegenstände zu sehen sind.
- Sprech-Rhythmus: Sprich einen selbst geschriebenen Alltagssatz in vier unterschiedlichen Betonungen und beschreibe die Wirkung.
Standard
- Songanalyse: Erkläre an drei selbst gewählten Beobachtungen, wie Musik und Sprache gemeinsam Spannung erzeugen.
- Arrangement: Gestalte mit Stimme, Tisch-Percussion und Gitarre oder App eine langsame und eine schnelle Fassung derselben kurzen Melodie.
- Musikvideoanalyse: Vergleiche die Studiofassung und eine Liveaufnahme hinsichtlich Kamera, Körpersprache und Publikumswirkung.
- Perspektivwechsel: Schreibe die Konfliktszene als kurze Nachricht aus Sicht der anderen beteiligten Person, ohne Liedzeilen zu übernehmen.
Schwer
- Interpretationsvideo: Produziere ein zwei- bis dreiminütiges Erklärvideo über rhetorische Frage, Parataxe und vokale Akzentsetzung im Song.
- Klangexperiment: Nimm eine eigene Strophe auf und untersuche, wie sich Wirkung durch Tempo, Artikulation und Instrumentierung verändert.
- Vergleichsanalyse: Vergleiche Was soll das mit einem weiteren deutschsprachigen Rocksong, der Alltagssprache als Stilmittel nutzt.
- Podcast: Führe ein kurzes Interview mit einer Person verschiedener Generation über die Live- und Erinnerungswirkung des Songs und werte die Antworten aus.


Lernkontrolle
- Zusammenspiel von Text und Musik: Erkläre, warum die Titelfrage ohne den rhythmischen Gitarrenpuls wahrscheinlich weniger energisch wirken würde.
- Wirkungsanalyse: Beurteile, ob die Selbstironie den Sprecher sympathischer, unsicherer oder aggressiver erscheinen lässt, und begründe Deine Entscheidung.
- Arrangement-Transfer: Plane eine Balladenfassung des Songs. Beschreibe mindestens vier musikalische Änderungen und deren erwartete Wirkung.
- Erzählperspektive: Zeige, welche Informationen fehlen, weil nur die Ich-Perspektive hörbar ist, und entwickle zwei alternative Deutungen der Szene.
- Medienvergleich: Untersuche, wie Schwarzweißbilder und Livebilder jeweils andere Seiten des Songs hervorheben.
- Sprachgestaltung: Übertrage das Prinzip aus kurzen Alltagsdetails und einer wiederholten Frage auf eine neue, selbst erfundene Konfliktszene.
Lernnachweis
Für einen überzeugenden Lernnachweis solltest Du:
- die Grunddaten des Songs korrekt einordnen,
- zentrale Begriffe wie Hookline, Refrain, Parataxe und rhetorische Frage anwenden,
- konkrete Höreindrücke mit musikalischen Merkmalen begründen,
- das Zusammenspiel von Stimme, Rhythmus, Instrumentierung und Sprache erklären,
- eine eigene kreative Übertragung erstellen und reflektieren,
- Quellen und Urheberrecht bei Text, Bild und Musik beachten.
Quellen und Medienhinweise
- Offizielle Albumseite Ö
- Wikipedia: Was soll das
- Wikipedia: Ö
- Wikimedia Commons: Herbert Grönemeyer
- Offizielles Musikvideo
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