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Mehrstimmigkeit beim Singen kennenlernen

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Mehrstimmigkeit beim Singen kennenlernen




Einleitung

Mehrstimmigkeit beim Singen kennenlernen bedeutet: Du lernst, Deine eigene Stimme sicher zu führen, während gleichzeitig andere Stimmen erklingen. In der Musik spricht man von Mehrstimmigkeit, wenn mehrere Stimmen oder Melodien gleichzeitig hörbar sind. Das kann sehr einfach beginnen, zum Beispiel mit einem Bordun auf einem Grundton, mit einem Kanon oder mit einer zweiten Stimme im Abstand einer Terz. Später können daraus Homophonie, Polyphonie, Chorsatz oder eigene mehrstimmige Arrangements entstehen.

Datei:Vocalist singing in a choir.jpg

In diesem aiMOOC lernst Du die Grundlagen des mehrstimmigen Singens praktisch kennen. Du übst, Deine Stimme zu halten, auf andere zu hören, Intervalle zu erkennen, einfache Notenbeispiele mitzusingen und eigene kleine mehrstimmige Ideen zu entwickeln. Das Thema passt zum Lernbereich Singen und Stimme, zum Musikunterricht, zur Chorarbeit, zur Bandarbeit und zu Projekten in kultureller Bildung.


Lernziele

  1. Hören: Du erkennst den Unterschied zwischen Einstimmigkeit und Mehrstimmigkeit.
  2. Singen: Du kannst eine einfache Stimme halten, während eine andere Stimme erklingt.
  3. Musiktheorie: Du verstehst Grundbegriffe wie Kanon, Bordun, Ostinato, Intervall, Dreiklang, Homophonie und Polyphonie.
  4. Stimme: Du lernst, wie Atem, Haltung, Resonanz und Artikulation das Singen unterstützen.
  5. Ensemble: Du übst, auf andere zu hören, Einsätze zu beachten und gemeinsam einen ausgewogenen Klang zu gestalten.
  6. Kreativität: Du entwickelst eigene kleine mehrstimmige Modelle, die im Unterricht oder in einer Gruppe ausprobiert werden können.


Grundlagen des mehrstimmigen Singens


Einstimmigkeit und Mehrstimmigkeit

Bei der Einstimmigkeit singen alle dieselbe Melodie zur gleichen Zeit. Das ist für den Anfang wichtig, weil eine Gruppe zunächst einen gemeinsamen Ton, ein gemeinsames Tempo und eine gemeinsame Phrasierung finden muss. Bei der Mehrstimmigkeit erklingen dagegen zwei oder mehr Stimmen gleichzeitig. Diese Stimmen können dieselbe Melodie zeitversetzt singen, verschiedene Töne eines Akkords bilden oder selbstständige Melodielinien verfolgen.


Notenbeispiel: Einstimmig beginnen

Singe die Melodie zuerst allein oder mit der ganzen Gruppe. Achte auf ruhige Atmung, klare Vokale und einen gemeinsamen Schluss.


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\header { title = "Einstimmigkeit: alle singen dieselbe Melodie" tagline = ##f }
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text = \lyricmode { Wir sin -- gen ei -- ne Me -- lo -- die. }
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  >>
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Vom Hören zum Singen

Mehrstimmiges Singen gelingt nicht nur durch lautes Singen, sondern vor allem durch genaues Hören. Du musst die eigene Stimme innerlich stabil behalten und gleichzeitig die anderen Stimmen wahrnehmen. Gute Sängerinnen und Sänger hören nicht nur sich selbst, sondern den gesamten Ensembleklang. Deshalb ist es sinnvoll, mehrstimmige Übungen in drei Schritten aufzubauen: erst hören, dann leise mitsingen, dann mit sicherer Stimme gestalten.


Die Stimme als Instrument

Die menschliche Stimme entsteht, wenn Atemluft die Stimmlippen im Kehlkopf in Schwingung versetzt. Der Klang wird im Vokaltrakt, also unter anderem in Rachen, Mundhöhle und Nasenraum, geformt. Für das Singen sind außerdem Körperhaltung, Atemführung, Kiefer, Zunge, Lippen und innere Vorstellungskraft wichtig. Wenn Du mehrstimmig singst, muss Deine Stimme beweglich, aber nicht gepresst sein.


Stimmgesundheit und Stimmhygiene

Beim Singen gilt: Die Stimme soll frei und angenehm klingen. Stimmhygiene bedeutet, sorgsam mit Deiner Stimme umzugehen. Dazu gehören eine lockere Haltung, ausreichendes Trinken, gutes Aufwärmen, Pausen und das Vermeiden von Schreien. Wenn beim Singen Schmerzen, Brennen oder Heiserkeit auftreten, solltest Du sofort leiser werden, pausieren und bei anhaltenden Problemen fachlichen Rat einholen. Besonders in der Schule ist wichtig, dass niemand zu tief, zu hoch oder zu laut singen muss.


Formen der Mehrstimmigkeit


Bordun: eine sichere Grundstimme

Ein Bordun ist ein gehaltener oder regelmäßig wiederholter Grundton. Er hilft einer Gruppe, die Tonart zu spüren. Für Anfängerinnen und Anfänger ist ein Bordun oft leichter als eine vollständig selbstständige zweite Stimme. Eine Gruppe hält oder wiederholt den Grundton, während eine andere Gruppe eine Melodie singt.


\version "2.24.0"
\header { title = "Bordun: eine gehaltene Grundstimme" tagline = ##f }
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Übung: Eine Gruppe singt nur den Ton C auf „dum“. Die andere Gruppe singt die Melodie auf „la“. Wechselt anschließend die Rollen.


Ostinato: ein wiederholtes Muster

Ein Ostinato ist ein kurzes musikalisches Muster, das wiederholt wird. Es kann rhythmisch, melodisch oder sprachlich sein. Im Unterricht eignet sich ein Ostinato besonders gut, weil es schnell gelernt wird und einer Gruppe Stabilität gibt. Darüber kann eine zweite Gruppe eine Melodie singen oder improvisieren.


\version "2.24.0"
\header { title = "Ostinato und Melodie" tagline = ##f }
melodie = \relative c'' { \key c \major \time 4/4 c4 d e g | a g e d | e f g a | g2 c, \bar "|." }
ostinato = \relative c { \clef bass \time 4/4 c4 r g r | c r g r | c r g r | c r g r \bar "|." }
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  >>
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  \midi { \tempo 4=96 }
}


Kanon: zeitversetzte Nachahmung

Der Kanon ist eine besonders geeignete Form, um Mehrstimmigkeit kennenzulernen. Alle Gruppen singen dieselbe Melodie, aber sie beginnen zu unterschiedlichen Zeiten. Dadurch entsteht Mehrstimmigkeit, ohne dass jede Gruppe eine andere Melodie neu lernen muss. Wichtig sind klare Einsätze, stabiles Tempo und die Fähigkeit, die eigene Stimme trotz anderer Klänge weiterzuführen.


\version "2.24.0"
\header { title = "Kanonmodell: zweite Stimme setzt spaeter ein" tagline = ##f }
stimmeA = \relative c' { \key c \major \time 4/4 c4 d e c | e f g2 | a4 g f e | d2 c | c4 d e c | e f g2 \bar "|." }
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{{#ev:youtube| https://www.youtube.com/watch?v=zf9XEDazZ44 |500|center}}


Parallele Terzen: eine einfache zweite Stimme

Eine häufige Einstiegsform ist die zweite Stimme in Terzen. Zwei Stimmen bewegen sich ähnlich, aber auf unterschiedlichen Tonhöhen. Dabei entsteht ein zusammenpassender Klang. Diese Form ist für Pop, Volkslied, Schulchor und Klassenmusizieren sehr nützlich. Wichtig ist, dass die zweite Stimme nicht nur „höher“ oder „tiefer“ singt, sondern bewusst als eigene Linie geführt wird.


\version "2.24.0"
\header { title = "Zweistimmigkeit in Terzen" tagline = ##f }
oben = \relative c'' { \key c \major \time 4/4 e4 f g a | g2 e | f4 e d c | d2 c \bar "|." }
unten = \relative c' { \key c \major \time 4/4 c4 d e f | e2 c | d4 c b a | b2 c \bar "|." }
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  \new Staff <<
    \new Voice = "oben" { \voiceOne \oben }
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  >>
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  \midi { \tempo 4=84 }
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Dreiklang: Töne eines Akkords verteilen

Ein Dreiklang besteht in einfacher Form aus Grundton, Terz und Quinte. Wenn drei Gruppen verschiedene Töne eines Dreiklangs singen, entsteht ein Akkord. Für den Anfang kann jede Gruppe ihren Ton auf einem langen Vokal halten. So wird deutlich, wie einzelne Stimmen zusammen einen gemeinsamen Klang bilden.


\version "2.24.0"
\header { title = "Dreiklaenge hoeren und nachsingen" tagline = ##f }
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  \new Staff {
    \relative c' { \key c \major \time 3/4 c4 e g | c2. | f,4 a c | f2. | g,4 b d | g2. | c,2. \bar "|." }
  }
  \layout { }
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}

Übung: Gruppe 1 singt den Grundton, Gruppe 2 die Terz, Gruppe 3 die Quinte. Beginnt leise, hört aufeinander und sucht einen runden gemeinsamen Klang.


Homophonie: gemeinsam im gleichen Rhythmus

Bei der Homophonie gibt es meist eine Hauptmelodie und begleitende Stimmen. Die Stimmen bewegen sich oft im gleichen oder ähnlichen Rhythmus. Dadurch klingt die Musik geschlossen und akkordisch. Viele Chorsätze, Pop-Arrangements und Kirchenlieder verwenden homophone Abschnitte.


\version "2.24.0"
\header { title = "Homophoner vierstimmiger Satz" tagline = ##f }
sopran = \relative c'' { \key c \major \time 4/4 c2 b | c a | g f | e1 \bar "|." }
alt = \relative c' { \key c \major \time 4/4 e2 d | e f | e d | c1 \bar "|." }
tenor = \relative c' { \key c \major \time 4/4 g2 g | a c | c b | g1 \bar "|." }
bass = \relative c { \key c \major \time 4/4 c2 g | a f | c' g | c,1 \bar "|." }
\score {
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    \new Staff \with { instrumentName = "Sopran Alt" } <<
      \new Voice = "sopran" { \voiceOne \sopran }
      \new Voice = "alt" { \voiceTwo \alt }
    >>
    \new Staff \with { instrumentName = "Tenor Bass" } <<
      \clef bass
      \new Voice = "tenor" { \voiceOne \tenor }
      \new Voice = "bass" { \voiceTwo \bass }
    >>
  >>
  \layout { }
  \midi { \tempo 4=72 }
}


Polyphonie: mehrere selbstständige Linien

Bei der Polyphonie sind mehrere Stimmen melodisch selbstständig. Jede Stimme hat eine eigene Richtung und Bedeutung. Das ist anspruchsvoller, weil Du stärker auf Deine Linie achten musst. Gleichzeitig entsteht ein besonders lebendiger Klang, weil die Stimmen miteinander antworten, sich überlagern und gemeinsam eine musikalische Struktur bilden.


\version "2.24.0"
\header { title = "Polyphones Modell: zwei selbststaendige Linien" tagline = ##f }
oben = \relative c'' { \key c \major \time 4/4 c4 d e g | f e d c | e f g a | g2 c, \bar "|." }
unten = \relative c' { \key c \major \time 4/4 e2 g | a4 g f e | c d e f | e2 c \bar "|." }
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    \new Staff \with { instrumentName = "Linie A" } { \oben }
    \new Staff \with { instrumentName = "Linie B" } { \unten }
  >>
  \layout { }
  \midi { \tempo 4=80 }
}


Heterophonie: gemeinsam ähnlich, aber nicht gleich

Heterophonie entsteht, wenn mehrere Stimmen im Grunde dieselbe Melodie gestalten, sie aber gleichzeitig leicht unterschiedlich verzieren, rhythmisch verschieben oder individuell färben. Diese Form kommt in verschiedenen Musiktraditionen vor. Für die Schule kann sie ein kreativer Zugang sein: Eine Gruppe singt die Grundmelodie, andere Gruppen verändern einzelne Töne, Rhythmen oder Verzierungen vorsichtig.


Stimmgruppen und Stimmumfang


Sopran, Alt, Tenor und Bass

In vielen Chören werden Stimmen in Sopran, Alt, Tenor und Bass eingeteilt. Diese Bezeichnungen beschreiben grob verschiedene Stimmumfänge und Klanglagen. In der Schule sollte diese Einteilung flexibel und behutsam verwendet werden. Besonders Kinder- und Jugendstimmen entwickeln sich noch. Entscheidend ist nicht ein Etikett, sondern eine bequeme Lage, ein gesunder Klang und die Freude am Singen.

Datei:Vocal range.ogg


Stimmwechsel und Differenzierung

In Lerngruppen gibt es sehr unterschiedliche Stimmen. Manche Lernende singen gern hoch, andere fühlen sich in tieferen Lagen sicherer. Während des Stimmwechsels kann die Stimme zeitweise instabil sein. Deshalb sind flexible Aufgaben sinnvoll: Summen statt lautes Singen, Sprech-Ostinati, Bodypercussion, Bordun-Töne in bequemer Lage, kurze Einsätze oder das Wechseln zwischen Singen und Hören. Mehrstimmigkeit soll niemanden überfordern, sondern musikalische Teilhabe ermöglichen.


Methodik: Mehrstimmigkeit schrittweise lernen


Schritt 1: Gemeinsamer Puls

Ohne gemeinsamen Puls zerfällt Mehrstimmigkeit schnell. Beginne deshalb mit Klatschen, Gehen, Schnipsen oder Bodypercussion. Wenn alle denselben Puls spüren, lassen sich Einsätze und Pausen sicherer koordinieren.


Schritt 2: Gemeinsamer Ton

Eine Gruppe singt einen bequemen Ton auf „mm“, „nu“ oder „la“. Achte auf einen weichen Anfang, ruhige Atmung und genaues Hören. Der gemeinsame Ton schult Intonation und Klangbalance.


Schritt 3: Bordun und Melodie

Der Bordun gibt Halt. Eine Hälfte der Gruppe hält den Grundton, die andere singt eine kurze Melodie. Danach wird gewechselt. So erleben alle, wie es sich anfühlt, eine Stimme zu tragen und gleichzeitig eine andere Stimme zu hören.


Schritt 4: Kanon

Der Kanon trainiert Konzentration und Selbstständigkeit. Die Gruppe lernt zuerst die Melodie einstimmig. Dann startet Gruppe 1, Gruppe 2 setzt später ein. Erst wenn zwei Gruppen sicher sind, kann eine dritte Gruppe dazukommen.


Schritt 5: Zweite Stimme entwickeln

Eine zweite Stimme kann aus Bordun, Ostinato, Terzbewegung, Gegenbewegung oder Akkordtönen entstehen. Die zweite Stimme soll singbar sein, also kurze Wege, klare Wiederholungen und eine bequeme Lage haben.


Schritt 6: Klang gestalten

Am Ende geht es nicht nur darum, „richtig“ zu singen. Ein gutes Ensemble gestaltet Dynamik, Artikulation, Phrasierung, Tempo und Klangfarbe. Mehrstimmigkeit wird musikalisch, wenn alle Stimmen miteinander kommunizieren.


Übungen für Unterricht und Chorprobe


Warm-up für mehrstimmiges Singen

  1. Körperhaltung: Stelle beide Füße stabil auf den Boden, richte Dich auf und löse Schultern, Nacken und Kiefer.
  2. Atem: Atme geräuscharm ein und lasse die Luft auf einem langen „sss“ ausströmen.
  3. Summen: Summe auf einem bequemen Ton und spüre leichte Vibrationen im Gesicht.
  4. Echo-Singen: Eine Person singt ein kurzes Motiv vor, die Gruppe antwortet.
  5. Intervallübung: Singe Grundton und Terz, danach Grundton und Quinte.
  6. Kanonvorbereitung: Sprich den Text rhythmisch, klatsche den Puls und singe dann die Melodie.


Mitsingmodell: Ruf und Antwort

Ruf-und-Antwort-Modelle sind ein guter Einstieg, weil sie das Hören, Erinnern und präzise Antworten trainieren. Eine Gruppe singt den Ruf, die andere antwortet. Später können beide Gruppen gleichzeitig unterschiedliche Bausteine wiederholen.


\version "2.24.0"
\header { title = "Ruf und Antwort" tagline = ##f }
ruf = \relative c'' { \key c \major \time 4/4 c4 d e2 | r1 | c4 d e g | r1 \bar "|." }
antwort = \relative c' { \key c \major \time 4/4 r1 | e4 f g2 | r1 | g4 f e c \bar "|." }
\score {
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    \new Staff \with { instrumentName = "Ruf" } { \ruf }
    \new Staff \with { instrumentName = "Antwort" } { \antwort }
  >>
  \layout { }
  \midi { \tempo 4=88 }
}


Klangbalance üben

Bei Klangbalance geht es darum, dass keine Stimme die anderen unnötig überdeckt. In einer Gruppe können hohe Stimmen leicht hervorstechen, tiefe Stimmen können vom Raum verschluckt werden und Nebenstimmen können unsicher werden. Eine gute Übung ist das „Klangmischen“: Alle singen leise, hören bewusst nach links und rechts und passen die eigene Lautstärke an.


Intonation üben

Intonation bedeutet, Tonhöhen genau zu treffen und im Zusammenklang zu halten. Bei mehrstimmigem Singen ist Intonation besonders wichtig, weil kleine Abweichungen zwischen Stimmen sofort hörbar werden. Hilfreich sind lange Töne, Dreiklänge, langsames Tempo, saubere Vokale und bewusstes Hören auf Grundton und Leittöne.


Schwierige Stellen markieren

Wenn eine Stelle unsicher ist, wird sie nicht einfach immer wieder von vorne gesungen. Besser ist es, die schwierige Stelle zu isolieren: Erst nur den Rhythmus sprechen, dann nur die Tonfolge auf „nu“ singen, dann mit Text, danach im Zusammenhang. Das spart Zeit und schont die Stimme.


Medien zur Vertiefung


Videoimpulse zum mehrstimmigen Singen

Die folgenden Videos können als Einstieg, Wiederholung oder Impuls für eigene Übungen genutzt werden. Notiere beim Anschauen, welche Tipps Dir helfen, Deine Stimme in der Mehrstimmigkeit zu halten.

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{{#ev:youtube| https://www.youtube.com/watch?v=0wuHn28eitY |500|center}}


Historische und kulturelle Perspektive

Mehrstimmiges Singen ist nicht nur eine Technik, sondern auch eine kulturelle Praxis. Chöre, Schulklassen, Bands, religiöse Gemeinschaften, Theatergruppen und Vokalensembles nutzen Mehrstimmigkeit, um Gemeinschaft, Spannung, Klangfülle und Ausdruck zu erzeugen. In verschiedenen Musikkulturen gibt es unterschiedliche Wege zur Mehrstimmigkeit: Bordun, Parallelbewegung, Wechselgesang, Heterophonie, improvisierte Zweitstimmen oder kunstvoll komponierte Polyphonie.


Fehlerquellen und Lösungen


Die eigene Stimme geht verloren

Wenn Du Deine Stimme verlierst, liegt das oft nicht an mangelnder Begabung, sondern an zu vielen gleichzeitigen Reizen. Hilfen sind: leiser singen, näher bei einer sicheren Person derselben Stimme stehen, die eigene Stimme vorher mehrfach allein üben, Einsätze markieren und die Melodie innerlich vorausdenken.


Die Gruppe wird zu laut

Zu lautes Singen erschwert das Hören. Mehrstimmigkeit braucht einen durchlässigen Klang. Eine gute Regel lautet: Singe so, dass Du Dich selbst, Deine Nachbarinnen und Nachbarn und die andere Stimme hören kannst. Besonders bei neuen Stücken ist ein leiser Probenklang oft genauer als ein lauter.


Die Intonation sinkt

Wenn die Tonhöhe absinkt, können Müdigkeit, zu tiefe Atmung, unklare Vokale, fehlender Grundtonbezug oder unsichere Stimmführung eine Rolle spielen. Hilfreich sind kurze Pausen, erneutes Hören des Grundtons, langsameres Tempo, hellere Vokale und das Singen auf Silben wie „nu“, „mi“ oder „la“.


Einsätze sind unsicher

Einsätze werden sicherer, wenn sie körperlich vorbereitet werden. Atme gemeinsam ein, zähle innerlich, beobachte Dirigierzeichen und höre auf den letzten Ton vor Deinem Einsatz. In der Gruppe kann eine Person den Einsatz mit einer kleinen Handbewegung anzeigen.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Was bedeutet Mehrstimmigkeit beim Singen? (Mehrere Stimmen erklingen gleichzeitig) (!Alle singen immer exakt denselben Ton) (!Eine Stimme singt ohne Begleitung) (!Es wird nur gesprochen und nicht gesungen)




Was ist ein Kanon? (Eine Melodie setzt zeitversetzt in mehreren Stimmen ein) (!Eine Stimme singt dauerhaft denselben Grundton) (!Ein Rhythmus wird ohne Tonhöhe geklatscht) (!Ein einzelner Ton wird besonders laut gesungen)




Was beschreibt Intonation beim Singen? (Die Genauigkeit der Tonhöhe) (!Die Lautstärke einer Aufnahme) (!Die Anzahl der Sängerinnen und Sänger) (!Die Länge eines Liedtextes)




Was ist ein Bordun? (Ein gehaltener oder wiederholter Grundton) (!Eine besonders schnelle Melodie) (!Ein Wechsel der Tonart in jedem Takt) (!Ein gesprochener Liedanfang)




Was meint Homophonie? (Eine Hauptmelodie wird von begleitenden Stimmen gestützt) (!Alle Stimmen singen völlig zufällige Töne) (!Nur Schlaginstrumente spielen gemeinsam) (!Eine Stimme singt immer allein)




Was meint Polyphonie? (Mehrere selbstständige Melodien erklingen zusammen) (!Alle Stimmen singen nur den gleichen Rhythmus auf einem Ton) (!Ein Lied wird ohne Tonhöhe gesprochen) (!Ein Musikstück besteht nur aus Pausen)




Welche Vorgehensweise hilft beim Einstieg in eine neue zweite Stimme? (Erst hören dann leise mitsingen) (!Sofort möglichst laut singen) (!Die andere Stimme vollständig ignorieren) (!Nur auf den Liedtext achten)




Warum ist Atemführung beim mehrstimmigen Singen wichtig? (Sie unterstützt Tonführung und Phrasierung) (!Sie ersetzt das Hören auf die anderen Stimmen) (!Sie macht Notenlesen überflüssig) (!Sie verhindert jede Pause im Lied)




Was bedeutet Stimmhygiene? (Schonender Umgang mit der Stimme) (!Möglichst langes Singen ohne Pause) (!Singen nur in sehr hoher Lage) (!Absichtliches Pressen der Stimme)




Was ist ein Dreiklang? (Drei übereinander passende Töne eines Akkords) (!Drei verschiedene Tempi gleichzeitig) (!Drei Liedtexte ohne Melodie) (!Drei Pausen hintereinander)





Memory

Kanon zeitversetzter Einsatz
Bordun gehaltener Grundton
Ostinato wiederholtes Muster
Homophonie gemeinsame rhythmische Führung
Polyphonie selbstständige Linien
Intonation genaue Tonhöhe
Dreiklang Grundton Terz Quinte





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Bordun lange Grundstimme
Kanon zeitversetzte Nachahmung
Ostinato wiederholtes Kurzmuster
Homophonie Melodie mit Begleitung
Polyphonie gleichberechtigte Melodien






Kreuzworträtsel

Kanon Welche Form arbeitet mit zeitversetzter Nachahmung einer Melodie?
Bordun Wie heißt ein gehaltener oder wiederholter Grundton?
Ostinato Wie heißt ein ständig wiederholtes musikalisches Muster?
Intonation Wie nennt man die Genauigkeit der gesungenen Tonhöhe?
Homophonie Wie heißt ein Satz mit Hauptmelodie und begleitenden Stimmen?
Polyphonie Wie heißt ein Satz mit mehreren selbstständigen Stimmen?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Beim mehrstimmigen Singen erklingen mehrere

gleichzeitig. Eine einfache Einstiegsform ist der

, weil dieselbe Melodie zeitversetzt beginnt. Ein

kann als ruhige Grundstimme Orientierung geben. Bei der

führen die Stimmen häufig denselben Rhythmus aus. In der

sind mehrere Melodien selbstständig. Gute

bedeutet, dass die Töne sauber getroffen werden. Vor dem Singen helfen sanfte Übungen für Atem, Haltung und

. Wer Schmerzen spürt, sollte die Stimme

.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Hörprotokoll: Höre ein kurzes mehrstimmiges Lied und beschreibe, wann Du eine zweite Stimme, einen Bordun oder einen Kanon wahrnimmst.
  2. Stimm-Warm-up: Entwickle ein zweiminütiges Einsingen mit Summen, Atemübung und einer leichten Tonfolge.
  3. Kanon-Start: Übe mit einer Partnerin oder einem Partner eine kurze Melodie als Kanon und markiere die Einsatzstelle.
  4. Bordun-Experiment: Singe zu einer bekannten Melodie einen bequemen Grundton und prüfe, wann der Zusammenklang stabil wirkt.


Standard

  1. Zweistimmiges Arrangement: Schreibe zu einer einfachen Melodie eine zweite Stimme mit Bordun, Ostinato oder Terzbewegung.
  2. Intervall-Training: Erstelle fünf kleine Übungen zu Terz, Quarte und Quinte und erkläre, welche Intervalle sich leicht singen lassen.
  3. Probenplan: Plane eine 20-minütige Gruppenprobe für einen Kanon mit Warm-up, Stimmverteilung, Übephase und Präsentation.
  4. Klangkarte: Zeichne eine Klangkarte Deiner Gruppe und beschreibe, welche Stimmen laut, leise, hoch, tief, sicher oder unsicher wirken.


Schwer

  1. Mehrstimmige Komposition: Komponiere ein kurzes Stück mit mindestens drei Stimmen, in dem Bordun, Ostinato und Melodie kombiniert werden.
  2. Analyse einer Choraufnahme: Analysiere eine Aufnahme und untersuche Form, Stimmgruppen, Einsätze, Dynamik, Klangbalance und Intonation.
  3. Workshop leiten: Leite eine Kleingruppe beim Erlernen einer zweiten Stimme und dokumentiere, welche methodischen Schritte geholfen haben.
  4. Aufnahmeprojekt: Nimm zwei oder mehr Stimmen nacheinander auf, mische sie zu einem Ensembleklang und reflektiere, was beim Timing schwierig war.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Transferaufgabe Chorprobe: Eine Klasse verliert beim Kanon ständig den zweiten Einsatz. Entwickle einen Probenweg mit mindestens vier Schritten und begründe die Reihenfolge.
  2. Analyseaufgabe Klangbalance: Beschreibe, warum eine sehr laute Hauptmelodie eine Nebenstimme unsicher machen kann, und schlage zwei Lösungen vor.
  3. Gestaltungsaufgabe Arrangement: Wähle eine einfache Melodie und entscheide, ob Bordun, Ostinato, Terzstimme oder Kanon besser passt. Begründe Deine Entscheidung musikalisch.
  4. Problemlöseaufgabe Intonation: Eine Gruppe sinkt am Ende jeder Phrase in der Tonhöhe. Erkläre mögliche Ursachen und entwickle eine kurze Übung zur Verbesserung.
  5. Reflexionsaufgabe Stimme: Beurteile, warum gesunde Stimmführung für mehrstimmiges Singen wichtiger sein kann als große Lautstärke.
  6. Vergleichsaufgabe Satzarten: Vergleiche Homophonie und Polyphonie an einem selbst gewählten Beispiel und erkläre, welche Anforderungen beide Formen an die Sängerinnen und Sänger stellen.




Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zum Thema Mehrstimmigkeit beim Singen ist wichtig, dass Du nicht nur Begriffe kennst, sondern Zusammenhänge hörst, singst, erklärst und gestaltest.

  1. Fachbegriffe: Du verwendest Begriffe wie Mehrstimmigkeit, Kanon, Bordun, Ostinato, Homophonie, Polyphonie, Intervall, Dreiklang und Intonation korrekt.
  2. Hörkompetenz: Du erkennst in Musikbeispielen einfache Formen der Mehrstimmigkeit und beschreibst sie nachvollziehbar.
  3. Singpraxis: Du kannst eine einfache Stimme halten, während eine andere Stimme gleichzeitig erklingt.
  4. Ensemblefähigkeit: Du achtest auf Einsätze, Tempo, Klangbalance, Lautstärke und gemeinsames Atmen.
  5. Stimmgesundheit: Du zeigst einen schonenden Umgang mit Deiner Stimme und kannst erklären, warum dies wichtig ist.
  6. Gestaltung: Du entwickelst oder bearbeitest ein kurzes mehrstimmiges Modell und begründest Deine musikalischen Entscheidungen.
  7. Reflexion: Du beschreibst, welche Übestrategien Dir beim Halten Deiner Stimme helfen und welche Schwierigkeiten noch bestehen.




OERs zum Thema


Weitere freie Materialien

  1. Wikimedia Commons: Suche nach freien Bildern, Noten und Tonbeispielen zu Chor, Singen, Stimme und Chormusik.
  2. Kanon in der Wikipedia: Wiederhole die Grundidee der zeitversetzten Nachahmung.
  3. Polyphonie in der Wikipedia: Vertiefe die Idee selbstständiger Stimmen.
  4. Homophonie in der Wikipedia: Vergleiche den akkordischen Satz mit polyphonen Strukturen.



Links


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  1. Der zerbrochene Krug - Heinrich von Kleist
  2. Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun
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Abitur Schwerpunkt auf Drama/Roman sowie Kleist-Prosatext und Essay (Ehre, Gewalt, Unschuld; Ästhetik/„Anmut“).

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  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Komödie über Wahrheit und Autorität; Roman als literarische „Geschichtsschichtung“ an einem Ort.

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  1. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  2. Furor - Lutz Hübner und Sarah Nemitz
  3. Bahnwärter Thiel - Gerhart Hauptmann

Abitur Erinnerungsroman an einem Ort; zeitgenössisches Drama über Eskalation/Populismus; naturalistische Novelle (Pflicht/Überforderung/Abgrund).

Sachsen (berufliches Gymnasium)

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Irrungen, Wirrungen - Theodor Fontane
  4. Der gute Mensch von Sezuan - Bertolt Brecht
  5. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  6. Der Trafikant - Robert Seethaler

Abitur Mischung aus Klassiker-Drama, sozialem Drama, realistischem Roman, epischem Theater und Gegenwarts-/Erinnerungsroman; zusätzlich Coming-of-age im historischen Kontext.

Sachsen-Anhalt

Abitur

  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Themenfelder)

Abitur Schwerpunktsetzung über Themenfelder (u. a. Literatur um 1900; Sprache in politisch-gesellschaftlichen Kontexten), ohne feste Einzeltitel.

Schleswig-Holstein

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Recht/Gerechtigkeit und historische Tiefenschichten eines Ortes – umgesetzt über Drama und Gegenwartsroman.

Thüringen

Abitur

  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool)

Abitur In der Praxis häufig Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool; landesweite Einzeltitel je nach Vorgabe/Handreichung nicht einheitlich ausgewiesen.

Mecklenburg-Vorpommern

Abitur

  1. (Quelle aktuell technisch nicht abrufbar; Beteiligung am gemeinsamen Aufgabenpool bekannt)

Abitur Land beteiligt sich am länderübergreifenden Aufgabenpool; konkrete, veröffentlichte Einzeltitel konnten hier nicht ausgelesen werden.

Rheinland-Pfalz

Abitur

  1. (keine landesweit einheitliche Pflichtlektüre; schulische Auswahl)

Abitur Keine landesweite Einheitsliste; Auswahl kann schul-/kursbezogen erfolgen.




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  1. Trust Me It's True: #Verschwörungstheorie #FakeNews
  2. Gregor Samsa Is You: #Kafka #Verwandlung
  3. Who Owns Who: #Musk #Geld
  4. Lump: #Trump #Manipulation
  5. Filth Like You: #Konsum #Heuchelei
  6. Your Poverty Pisses Me Off: #SozialeUngerechtigkeit #Musk
  7. Hello I'm Pump: #Trump #Kapitalismus
  8. Monkey Dance Party: #Lebensfreude
  9. God Hates You Too: #Religionsfanatiker
  10. You You You: #Klimawandel #Klimaleugner
  11. Monkey Free: #Konformität #Macht #Kontrolle
  12. Pure Blood: #Rassismus
  13. Monkey World: #Chaos #Illusion #Manipulation
  14. Uh Uh Uh Poor You: #Kafka #BerichtAkademie #Doppelmoral
  15. The Monkey Dance Song: #Gesellschaftskritik
  16. Will You Be Mine: #Love
  17. Arbeitsheft
  18. And Thanks for Your Meat: #AntiFactoryFarming #AnimalRights #MeatIndustry


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