Evangelium nach Matthäus Kapitel 26 - Übersetzung nach Habermas


Evangelium nach Matthäus Kapitel 26 - Übersetzung nach Habermas
Einleitung
Evangelium nach Matthäus, Kapitel 26 gehört zu den zentralen Texten der Passion Jesu. Das Kapitel führt von der Entscheidung der religiösen Führung, Jesus zu töten, über die Salbung in Bethanien, den Verrat des Judas, das letzte Mahl, das Gebet in Getsemani, die Verhaftung Jesu und das Verhör vor dem Hohen Rat bis zur Verleugnung des Petrus. Es ist ein dichter Text über Bund, Gewalt, Wahrheit, Treue, Angst, Schuld, Vergebung und Reich Gottes.
Die Formulierung „Übersetzung nach Habermas“ wird in diesem aiMOOC als didaktische Arbeitsbezeichnung verstanden: Du untersuchst, wie zentrale Aussagen aus Matthäus 26 in eine Sprache übertragen und gedeutet werden können, die an Jürgen Habermas anschlussfähig ist. Dabei geht es nicht darum, eine anerkannte Bibelübersetzung zu ersetzen, sondern darum, die biblische Erzählung mit Begriffen wie kommunikatives Handeln, Diskurs, Geltungsanspruch, Öffentlichkeit, Wahrhaftigkeit, Macht, Lebenswelt und Gewaltlosigkeit zu erschließen.
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Dieser aiMOOC verbindet Bibelwissenschaft, Ethik, Religionsunterricht, Philosophie und politische Bildung. Du lernst, Matthäus 26 sachgerecht zusammenzufassen, zentrale Motive zu erklären, Deutungen zu vergleichen und eigene Urteile über Bund, Gewalt und Reich Gottes zu entwickeln.
Lernziele
Nach der Bearbeitung dieses aiMOOCs kannst Du:
- Matthäus 26 in den Zusammenhang der Matthäus-Passion einordnen.
- die wichtigsten Szenen des Kapitels sachlich wiedergeben.
- zentrale Begriffe wie Bund, Passion, Getsemani, Judasverrat, Hoher Rat und Verleugnung des Petrus erklären.
- die Rolle von Gewalt und Gewaltverzicht im Kapitel analysieren.
- das Reich Gottes als Gegenbild zu machtpolitischer Durchsetzung deuten.
- eine Habermas-inspirierte Lesart mit Begriffen wie Diskurs, Geltungsanspruch und kommunikatives Handeln anwenden.
- religiöse, ethische und gesellschaftliche Deutungen unterscheiden.
- eigene Fragen an den Text formulieren und begründet diskutieren.
Textgrundlage: Matthäus 26
Matthäus 26 bildet den Auftakt der unmittelbaren Passion Jesu im Evangelium nach Matthäus. Das Kapitel steht nach den großen Reden Jesu über Gericht, Wachsamkeit und Verantwortung in Matthäus 24 und Matthäus 25. Nun wird die Spannung erzählerisch zugespitzt: Die Botschaft vom Reich Gottes gerät in Konflikt mit religiöser, politischer und sozialer Macht.
Im Kapitel begegnen mehrere Handlungsebenen. Auf der einen Seite planen die religiösen Autoritäten Jesu Tod. Auf der anderen Seite deutet Jesus sein bevorstehendes Leiden im Horizont des Bundes und des kommenden Reiches Gottes. Die Jüngerinnen und Jünger reagieren unterschiedlich: Eine Frau salbt Jesus, Judas verrät ihn, die Jünger schlafen in der entscheidenden Stunde, Petrus verspricht Treue und scheitert, die Menge greift zu Waffen und Jesus weist den Weg des Gewaltverzichts.
Kapitelüberblick
- Todesbeschluss gegen Jesus: Die führenden Priester und Ältesten beraten, wie Jesus festgenommen und getötet werden kann.
- Salbung in Bethanien: Eine Frau salbt Jesus mit kostbarem Öl; Jesus deutet diese Handlung im Blick auf sein Begräbnis.
- Verrat des Judas: Judas bietet an, Jesus auszuliefern.
- Letztes Abendmahl: Jesus feiert mit seinen Jüngern das Pessachmahl und spricht von seinem Blut des Bundes.
- Ankündigung der Verleugnung: Jesus kündigt an, dass die Jünger an ihm Anstoß nehmen und Petrus ihn verleugnen wird.
- Getsemani: Jesus ringt im Gebet mit Angst, Gehorsam und Vertrauen.
- Verhaftung Jesu: Judas kommt mit einer bewaffneten Menge; Jesus weist Gewalt zurück.
- Jesus vor dem Hohen Rat: Jesus wird verhört, Zeugen treten auf, die Frage nach seiner Identität wird gestellt.
- Petrus: Petrus verleugnet Jesus dreimal und bricht in Reue zusammen.
Medienimpulse

Das Bild des Letzten Abendmahls kann als Einstieg genutzt werden. Achte darauf, wie künstlerische Darstellungen oft bestimmte theologische Akzente setzen: Gemeinschaft, Verrat, Störung, Blickrichtungen und die Mitte der Szene.

Die Szene in Getsemani zeigt Jesus nicht als unberührbaren Helden, sondern als betenden Menschen in Angst und Anfechtung. Dadurch wird das Kapitel besonders wichtig für Fragen nach Leiden, Gehorsam, Freiheit und Vertrauen.

Der Judaskuss macht sichtbar, wie ein Zeichen der Nähe in ein Zeichen des Verrats umschlagen kann. Für eine Habermas-inspirierte Deutung ist diese Szene besonders interessant: Kommunikation wird hier nicht zur Verständigung genutzt, sondern strategisch manipuliert.
Der Handlungsgang von Matthäus 26
Todesbeschluss und Salbung
Am Anfang von Matthäus 26 steht ein doppelter Kontrast. Während die religiösen Autoritäten den Tod Jesu planen, handelt eine namenlose Frau mit Hingabe: Sie salbt Jesus mit kostbarem Öl. Die Jünger kritisieren die Verschwendung, Jesus aber deutet die Handlung als prophetisches Zeichen im Blick auf sein Begräbnis.
Diese Szene zeigt eine Spannung, die sich durch das ganze Kapitel zieht. Es gibt Handlungen, die von Berechnung, Kontrolle und Machtinteresse geprägt sind. Daneben gibt es Handlungen, die aus Hingabe, Liebe und symbolischer Deutung entstehen. Die Salbung ist mehr als eine private Geste. Sie ist eine Deutung des Leidens Jesu und eine Gegenhandlung zur Logik der Verwertung.
In einer Habermas-inspirierten Perspektive kann die Salbung als kommunikative Handlung gelesen werden: Die Frau spricht nicht mit vielen Worten, aber ihre Handlung erhebt einen Anspruch auf Sinn. Sie deutet Jesu Weg anders als die Machtakteure und sogar anders als die Jünger. Ihre Handlung fragt: Was zählt wirklich, wenn Leben, Tod und Würde auf dem Spiel stehen?
Judas und strategisches Handeln
Judas Iskariot tritt in Matthäus 26 als der Jünger auf, der Jesus ausliefert. Entscheidend ist nicht nur die äußere Tat, sondern die Art der Kommunikation. Judas verwendet Nähe, Zugehörigkeit und später den Kuss als Mittel zur Auslieferung. Damit wird ein Zeichen des Vertrauens in ein Werkzeug der Macht verwandelt.
Mit Begriffen von Habermas lässt sich Judas als Beispiel für strategisches Handeln deuten. Strategisches Handeln zielt nicht auf Verständigung, sondern auf Erfolg, Kontrolle oder Vorteil. Der andere Mensch wird nicht als gleichberechtigtes Gegenüber behandelt, sondern als Mittel zum Zweck. Im Kontrast dazu steht kommunikatives Handeln, das auf Verständigung, Wahrhaftigkeit und Anerkennung ausgerichtet ist.
Judas ist deshalb nicht nur eine Einzelfigur des Verrats. Er steht auch für die Frage, wie Sprache, Zeichen und Beziehungen missbraucht werden können. Matthäus 26 macht sichtbar, dass Gewalt nicht erst mit Waffen beginnt. Gewalt kann bereits dort beginnen, wo Kommunikation zur Täuschung wird.
Das letzte Abendmahl: Bund und Gemeinschaft
Im Zentrum des Kapitels steht das Mahl Jesu mit seinen Jüngern. Im Rahmen des Pessachmahls deutet Jesus Brot und Kelch auf seinen kommenden Tod. Besonders wichtig ist die Formulierung vom Blut des Bundes. Der Begriff Bund erinnert an die Beziehung zwischen Gott und seinem Volk, wie sie in der Hebräischen Bibel entfaltet wird. Im Abendmahl wird diese Beziehung neu gedeutet: Der Weg Jesu durch Leiden und Tod wird zum Zeichen einer erneuerten Gemeinschaft.
Der Bund ist hier kein Vertrag zwischen gleich starken Partnern. Er ist Ausdruck von Gottes Treue und von Jesu Hingabe. Zugleich entsteht eine Gemeinschaft, die nicht auf Gewalt, Besitz oder politischer Macht beruht. Sie lebt aus Erinnerung, Teilhabe, Vergebung und Hoffnung.
Für eine Habermas-inspirierte Deutung ist bedeutsam: Das Mahl ist ein Ort gemeinsamer Deutung. Brot und Kelch werden zu Zeichen, die in der Gemeinschaft verstanden und weitergegeben werden. Die Jünger sollen nicht nur etwas wissen, sondern eine Praxis des Erinnerns entwickeln. Religion erscheint hier als kommunikative Erinnerungsgemeinschaft.
Das Reich Gottes als Gegenhorizont
Jesus spricht beim Mahl vom kommenden Trinken im Reich seines Vaters. Damit wird das Reich Gottes als Zukunftshorizont sichtbar. Es ist nicht einfach ein Ort, sondern eine Wirklichkeit, in der Gottes Gerechtigkeit, Frieden und Gemeinschaft gelten.
In Matthäus 26 steht das Reich Gottes im Kontrast zu den Reichen menschlicher Macht. Die Gegner Jesu planen heimlich, Judas verhandelt Verrat, bewaffnete Gruppen treten auf, Zeugen werden gesucht, Angst bestimmt das Verhalten der Jünger. Demgegenüber steht eine Hoffnung, die nicht aus Gewalt entsteht. Das Reich Gottes wird nicht durch ein Schwert erzwungen, sondern durch Treue, Wahrheit, Hingabe und Gottes Handeln erwartet.
Diese Spannung macht den Text politisch und ethisch relevant. Matthäus 26 fragt: Wie kann eine gerechte Ordnung entstehen? Durch Zwang, Angst und Manipulation? Oder durch Wahrheit, Versöhnung, Treue und die Anerkennung des anderen?
Getsemani: Freiheit, Angst und Vertrauen
In Getsemani wird Jesus als Betender gezeigt. Er erlebt Angst und Trauer, bittet darum, dass der Kelch an ihm vorübergehen möge, und ordnet zugleich seinen Willen dem Willen Gottes unter. Diese Szene ist theologisch bedeutsam, weil sie Jesu Menschlichkeit zeigt. Jesus geht den Weg des Leidens nicht als emotionslose Figur, sondern in innerem Ringen.
Die Jünger sollen wachen, schlafen aber ein. Die Spannung zwischen Bereitschaft und Schwäche wird offen benannt. So entsteht ein realistisches Menschenbild: Menschen können Gutes wollen und dennoch versagen. Sie können Treue versprechen und dennoch in Angst zurückweichen.
Habermas-inspiriert gelesen, zeigt Getsemani eine Grenze des bloßen Diskurses. Nicht jede existenzielle Entscheidung lässt sich einfach argumentativ lösen. Doch auch im Gebet wird Sprache wichtig: Jesus bringt Angst, Wunsch, Vertrauen und Hingabe zur Sprache. Das Gebet wird zur Form einer wahrhaftigen Kommunikation vor Gott.
Verhaftung und Gewaltverzicht
Bei der Verhaftung Jesu kommt eine bewaffnete Menge. Einer der Begleiter Jesu greift zum Schwert. Jesus weist diesen Weg zurück. Damit wird ein zentrales Motiv des Kapitels deutlich: Der Weg Jesu ist nicht der Weg gewaltsamer Selbstbehauptung.
Der Gewaltverzicht bedeutet nicht Passivität im Sinne von Gleichgültigkeit. Jesus benennt Unrecht, entlarvt die nächtliche Festnahme und geht dennoch nicht in die Logik der Gegengewalt über. Damit stellt der Text eine herausfordernde ethische Frage: Wie kann Widerstand aussehen, ohne die Gewalt des Gegners zu spiegeln?
Für politische Bildung und Ethik ist diese Szene besonders fruchtbar. Sie berührt Fragen nach Zivilcourage, Gewaltfreiheit, Widerstand, Rechtsstaatlichkeit und Menschenwürde. Der Text fordert dazu heraus, zwischen notwendigem Schutz, berechtigtem Protest und zerstörerischer Gewalt zu unterscheiden.
Verhör, Öffentlichkeit und Wahrheit
Vor dem Hohen Rat wird Jesus verhört. Zeugen treten auf, Aussagen werden geprüft, die Frage nach Jesu Identität wird zugespitzt. Hier geht es um Wahrheit, aber auch um Macht über Wahrheit. Wer darf definieren, was als wahr gilt? Wie wird ein Urteil vorbereitet? Welche Rolle spielen Vorentscheidung, Angst und Gruppendruck?
Eine Habermas-inspirierte Perspektive fragt nach den Bedingungen eines fairen Diskurses. Ein echter Diskurs setzt voraus, dass Beteiligte wahrhaftig sprechen, Gründe prüfen, Gegenargumente zulassen und nicht durch Gewalt oder Angst gelenkt werden. Das Verhör Jesu zeigt dagegen eine gefährdete Öffentlichkeit: Es gibt Verfahren, aber die Suche nach Wahrheit ist von Machtinteressen überlagert.
Das Kapitel kann deshalb auch als Warnung gelesen werden: Institutionen allein garantieren noch keine Gerechtigkeit. Entscheidend ist, ob Wahrheit, Würde und faire Anhörung tatsächlich geschützt werden.
Petrus: Treue, Angst und Reue
Petrus verspricht Jesus Treue, verleugnet ihn jedoch dreimal. Diese Szene ist psychologisch stark: Petrus ist nicht einfach ein Feind Jesu. Er ist ein Jünger, der sich selbst überschätzt und in der Situation der Angst scheitert. Als der Hahn kräht, erinnert er sich an Jesu Wort und weint bitterlich.
Petrus steht für die Zerbrechlichkeit menschlicher Identität. Was Menschen über sich sagen, stimmt nicht immer mit dem überein, was sie unter Druck tun. Die Szene fragt nach Selbsterkenntnis, Schuld, Reue und der Möglichkeit eines Neuanfangs.
In einer Habermas-inspirierten Lesart zeigt Petrus eine Krise der Wahrhaftigkeit. Er sagt nicht, was wahr ist, weil er Angst vor den Folgen hat. Damit wird deutlich: Wahrhaftige Kommunikation braucht Mut und soziale Bedingungen, in denen Menschen nicht durch Angst zerstört werden.
Leitmotive
Bund
Der Bund ist in Matthäus 26 ein Schlüsselmotiv. Beim Mahl deutet Jesus seinen Tod nicht als sinnloses Scheitern, sondern als Hingabe für viele. Der Bund verbindet Erinnerung an Gottes Treue mit der Hoffnung auf erneuerte Gemeinschaft. Für Lernende ist wichtig: Der Bund ist nicht nur ein dogmatischer Begriff, sondern eine Beziehungsfigur. Er fragt danach, was Menschen und Gott, Menschen untereinander und Gemeinschaften in Krisenzeiten zusammenhält.
Gewalt und Gewaltverzicht
Gewalt erscheint in Matthäus 26 in vielen Formen: als geheimer Tötungsplan, als Verrat, als bewaffnete Festnahme, als institutioneller Druck, als verbale Verleugnung und als drohende Todesentscheidung. Jesus antwortet nicht mit Gegengewalt. Der Text eröffnet damit keine einfache Ethik, aber eine klare Problemfrage: Welche Macht hat Gewalt, und welche Macht hat der Verzicht auf Gewalt?
Reich Gottes
Das Reich Gottes erscheint als Gegenhorizont zu Angst, Verrat und Gewalt. Es ist die Hoffnung auf Gottes gerechte Wirklichkeit. Diese Hoffnung relativiert menschliche Machtansprüche. Wer vom Reich Gottes her denkt, beurteilt Macht nicht nur nach Erfolg, sondern nach Wahrheit, Gerechtigkeit, Frieden und Würde.
Kommunikation und Wahrheit
Matthäus 26 ist voller Kommunikation: Beratungen, Versprechen, Deuteworte, Gebet, Zeichen, Verrat, Zeugenaussagen, Bekenntnisfragen und Verleugnung. Einige Formen der Kommunikation dienen Verständigung und Wahrheit, andere dienen Täuschung und Macht. Damit eignet sich das Kapitel besonders für eine Verbindung mit Habermas.
Zentrale Fragen sind:
- Wahrhaftigkeit: Stimmen Worte und innere Haltung überein?
- Richtigkeit: Sind Handlungen gegenüber anderen verantwortbar?
- Wahrheit: Werden Aussagen geprüft oder manipuliert?
- Verständigung: Wird der andere als Gegenüber anerkannt?
- Öffentlichkeit: Gibt es faire Bedingungen für Urteil und Kritik?
Schuld und Hoffnung
Judas, die schlafenden Jünger und Petrus zeigen unterschiedliche Formen des Scheiterns. Der Text verharmlost Schuld nicht. Zugleich eröffnet er einen Horizont, in dem Scheitern nicht das letzte Wort haben muss. Besonders Petrus wird später in der christlichen Tradition zu einer Figur des Neuanfangs. Matthäus 26 stellt deshalb die Frage, wie Menschen mit Schuld umgehen: durch Verdrängung, Verzweiflung, Reue, Umkehr oder Versöhnung.
Habermas-inspirierte Deutung
Eine Habermas-inspirierte Deutung von Matthäus 26 fragt nicht zuerst nach dogmatischen Formeln, sondern nach den Formen von Kommunikation, Macht und Verständigung im Text. Dabei lassen sich mehrere Perspektiven unterscheiden.
Kommunikatives Handeln und strategisches Handeln
Kommunikatives Handeln zielt auf Verständigung. Menschen sprechen miteinander, um gemeinsam Wahrheit, Richtigkeit und Wahrhaftigkeit zu prüfen. Strategisches Handeln zielt dagegen auf Erfolg. Andere werden beeinflusst, benutzt oder getäuscht.
In Matthäus 26 stehen beide Formen nebeneinander. Jesu Deuteworte beim Mahl, sein Gebet und seine offene Antwort vor dem Hohen Rat können als Formen wahrhaftiger Kommunikation gelesen werden. Judas, falsche oder problematische Zeugenaussagen und die heimliche Festnahme zeigen dagegen Kommunikation als Machtinstrument.
Geltungsansprüche im Text
Ein Geltungsanspruch ist der Anspruch, dass eine Äußerung wahr, richtig oder wahrhaftig ist. In Matthäus 26 werden solche Ansprüche ständig verhandelt:
- Wahrheit: Was ist über Jesus wirklich zu sagen?
- Richtigkeit: Ist die Festnahme gerechtfertigt?
- Wahrhaftigkeit: Meinen Judas und Petrus, was sie sagen?
- Sinn: Wie soll Jesu Tod gedeutet werden?
So wird das Kapitel zu einem Text über die Krise öffentlicher Wahrheit. Es zeigt, dass Wahrheit nicht nur eine Frage einzelner Aussagen ist, sondern auch von sozialen Bedingungen abhängt: Wer hat Macht? Wer wird gehört? Wer fürchtet Strafe? Wer kann frei sprechen?
Lebenswelt, System und Religion
Mit Lebenswelt kann man den Raum gemeinsamer Bedeutungen, Beziehungen und Traditionen beschreiben. Das Abendmahl gehört zu einer religiösen Lebenswelt: Mahl, Erinnerung, Gebet und Gemeinschaft stiften Sinn. Zugleich treten systemische Mächte auf: Institutionen, Verfahren, Machtinteressen und Gewaltapparate.
Matthäus 26 zeigt, wie die Lebenswelt der Jünger erschüttert wird. Ihre vertraute Gemeinschaft zerbricht durch Angst, Verrat und Verhaftung. Doch gerade im Mahl entsteht eine Erinnerungspraxis, die über die Krise hinausweist. Religion erscheint hier als Ressource der Sinnbildung, aber auch als Feld von Konflikten um Wahrheit und Macht.
Religion im öffentlichen Diskurs
Für moderne Gesellschaften stellt sich die Frage, wie religiöse Sprache öffentlich verständlich werden kann. Matthäus 26 kann in religiöser Sprache gelesen werden: Bund, Sünde, Vergebung, Reich Gottes. Es kann aber auch ethisch und politisch erschlossen werden: Treue, Gewaltverzicht, faire Verfahren, Wahrhaftigkeit und Verantwortung.
Eine Übersetzung nach Habermas bedeutet in diesem Sinn: Religiöse Gehalte werden nicht abgewertet, sondern so erschlossen, dass sie im Gespräch zwischen religiösen und nichtreligiösen Menschen diskutierbar werden. Der Text bleibt religiös, wird aber zugleich anschlussfähig für Ethik, Philosophie und Demokratiebildung.
Unterrichtsideen
Vierfaches Lesen
Eine hilfreiche Methode ist das vierfache Lesen:
- Inhalt: Was geschieht im Kapitel?
- Figurenanalyse: Wer handelt wie und warum?
- Motivanalyse: Welche Rolle spielen Bund, Gewalt und Reich Gottes?
- Transfer: Was bedeutet der Text für heutige Fragen nach Wahrheit, Gewalt und Verantwortung?
Standbild und Perspektivwechsel
Lernende können einzelne Szenen als Standbild darstellen: Abendmahl, Getsemani, Judaskuss, Verhör oder Verleugnung. Anschließend formulieren sie innere Monologe aus der Perspektive verschiedener Figuren. Wichtig ist, nicht vorschnell zu moralisieren, sondern Motive, Ängste und Handlungsspielräume zu untersuchen.
Diskursanalyse
Für eine Habermas-inspirierte Arbeit eignet sich eine Tabelle mit folgenden Fragen:
- Wer spricht?
- Wer schweigt?
- Wer hat Macht?
- Wer sucht Verständigung?
- Wer handelt strategisch?
- Welche Wahrheit wird behauptet?
- Welche Person wird nicht gehört?
- Wo wird Gewalt sichtbar?
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Welches Thema steht im Zentrum des Abendmahls in Matthäus 26? (Der Bund und die Hingabe Jesu) (!Der Bau des Tempels) (!Die Krönung des Petrus) (!Die Reise nach Rom)
Wer verrät Jesus in Matthäus 26? (Judas) (!Petrus) (!Johannes) (!Kajaphas)
Wie heißt der Ort, an dem Jesus vor seiner Verhaftung betet? (Getsemani) (!Nazaret) (!Bethlehem) (!Emmaus)
Welche Haltung Jesu wird bei der Verhaftung besonders deutlich? (Gewaltverzicht) (!Rache) (!Flucht ins Ausland) (!Militärische Planung)
Was kündigt Jesus Petrus an? (Dass Petrus ihn dreimal verleugnen wird) (!Dass Petrus König wird) (!Dass Petrus Judas festnimmt) (!Dass Petrus den Tempel baut)
Vor welchem Gremium wird Jesus in Matthäus 26 verhört? (Vor dem Hohen Rat) (!Vor dem römischen Senat) (!Vor der Volksversammlung in Athen) (!Vor dem Rat der Samaritaner)
Welche Szene zeigt ein Zeichen der Nähe, das zum Zeichen des Verrats wird? (Der Judaskuss) (!Die Salbung in Bethanien) (!Das Gebet des Vaterunsers) (!Die Taufe im Jordan)
Was meint eine Habermas-inspirierte Deutung in diesem aiMOOC? (Eine Erschließung mit Begriffen wie Diskurs und Verständigung) (!Eine Ersetzung des biblischen Textes durch ein Gesetzbuch) (!Eine rein mathematische Analyse des Kapitels) (!Eine geografische Karte der Missionsreisen)
Welcher Begriff beschreibt bei Habermas eine auf Verständigung zielende Form des Handelns? (Kommunikatives Handeln) (!Zufälliges Handeln) (!Magisches Handeln) (!Mechanisches Handeln)
Welche Frage passt besonders gut zur Diskursanalyse von Matthäus 26? (Wer kann wahrhaftig sprechen und wer wird durch Macht eingeschränkt) (!Welche Farbe hatte das Gewand jedes Jüngers) (!Wie viele Steine lagen im Garten) (!Welche Münzen waren in Rom am beliebtesten)
Memory
| Bundesblut | Zeichen für erneuerte Gemeinschaft |
| Getsemani | Ort des ringenden Gebets |
| Judaskuss | Zeichen des Verrats |
| Schwertwort | Absage an Gewalt |
| Hoher Rat | religiöses Gerichtsforum |
| Petrus | Jünger zwischen Mut und Angst |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Bund | Abendmahl |
| Verrat | Judas |
| Gebet | Getsemani |
| Gewaltverzicht | Verhaftung |
| Wahrheit | Verhör |
| Reue | Petrus |
Kreuzworträtsel
| Getsemani | Wie heißt der Garten, in dem Jesus vor seiner Verhaftung betet? |
| Judas | Welcher Jünger liefert Jesus aus? |
| Petrus | Welcher Jünger verleugnet Jesus dreimal? |
| Kajaphas | Welcher Hohepriester wird im Zusammenhang des Verhörs genannt? |
| Passion | Wie nennt man die Leidensgeschichte Jesu? |
| Diskurs | Wie heißt ein auf Gründe und Verständigung zielendes Gespräch? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Kapitelzusammenfassung: Fasse Matthäus 26 in höchstens zehn Sätzen zusammen und markiere die drei wichtigsten Wendepunkte.
- Figurenkarte: Erstelle eine Figurenkarte zu Jesus, Judas, Petrus, der salbenden Frau, den Jüngern und dem Hohen Rat.
- Begriffsklärung: Erkläre die Begriffe Bund, Passion, Getsemani, Verrat und Reich Gottes in eigenen Worten.
- Bildbeschreibung: Wähle eines der Bilder im aiMOOC aus und beschreibe, welche Szene aus Matthäus 26 dargestellt wird.
Standard
- Szenenanalyse: Analysiere die Szene in Getsemani unter der Frage, wie Angst, Freiheit und Vertrauen zusammenhängen.
- Diskursanalyse: Untersuche eine Szene aus Matthäus 26 mit den Fragen: Wer spricht, wer schweigt, wer hat Macht und wer sucht Verständigung?
- Ethik der Gewaltfreiheit: Vergleiche Jesu Gewaltverzicht mit einem heutigen Beispiel gewaltfreien Widerstands.
- Symbolisches Handeln: Erkläre, warum die Salbung in Bethanien und der Judaskuss beide symbolische Handlungen sind, aber gegensätzliche Bedeutungen haben.
Schwer
- Habermas und Bibel: Entwickle eine Habermas-inspirierte Übersetzung einer kurzen Szene aus Matthäus 26 in heutige philosophisch-ethische Sprache.
- Öffentlichkeit und Wahrheit: Vergleiche das Verhör Jesu vor dem Hohen Rat mit heutigen Anforderungen an faire Gerichtsverfahren und öffentliche Debatten.
- Reich Gottes und Politik: Diskutiere, ob das Reich Gottes in Matthäus 26 als politische Kritik verstanden werden kann.
- Multimediales Projekt: Erstelle ein kurzes Video, eine Audiocollage oder eine Präsentation zu Bund, Gewalt und Reich Gottes in Matthäus 26.

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Lernkontrolle
- Transfer Gewaltfreiheit: Erkläre an einem selbst gewählten Konflikt aus Gegenwart oder Geschichte, wie sich Gewaltverzicht von Passivität unterscheidet.
- Kommunikation und Macht: Zeige an zwei Szenen aus Matthäus 26, wie Kommunikation entweder Verständigung ermöglicht oder Macht ausübt.
- Bund als Beziehung: Deute den Begriff Bund nicht als Vertrag, sondern als Beziehungsgeschehen, und erläutere die Folgen für Gemeinschaft.
- Petrus und Identität: Erkläre, warum Petrus nicht nur als Verräter, sondern als Beispiel für menschliche Angst und Selbsterkenntnis verstanden werden kann.
- Religiöse Sprache übersetzen: Formuliere eine religiöse Aussage aus Matthäus 26 so um, dass sie auch in einer säkularen Ethikdiskussion verständlich wird.
- Urteilskompetenz: Beurteile, ob eine Habermas-inspirierte Deutung dem biblischen Text hilft oder ihn verkürzt. Begründe Deine Position.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig:
- Du kannst den Aufbau von Matthäus 26 sicher darstellen.
- Du erklärst die Motive Bund, Gewalt, Reich Gottes, Verrat, Gebet und Wahrheit mit eigenen Worten.
- Du belegst Deine Deutungen mit konkreten Szenen aus dem Kapitel.
- Du unterscheidest zwischen Nacherzählung, theologischer Deutung und philosophischer Interpretation.
- Du verwendest Begriffe wie kommunikatives Handeln, Diskurs, Geltungsanspruch und Wahrhaftigkeit sachgerecht.
- Du entwickelst eine eigene begründete Position zu Gewaltverzicht und Verantwortung.
- Du gehst respektvoll mit religiösen und nichtreligiösen Perspektiven um.
- Du kannst ein eigenes Produkt vorlegen, zum Beispiel Text, Präsentation, Podcast, Video, Standbilddokumentation oder Diskussionsprotokoll.
OERs zum Thema
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