Elvis Presley – Die Hollywoodjahre und ihre Filmformel


Elvis Presley – Die Hollywoodjahre und ihre Filmformel
Elvis Presley – Die Hollywoodjahre und ihre Filmformel
Elvis Presley war zwischen 1956 und 1969 nicht nur einer der bedeutendsten Sänger des Rock ’n’ Roll, sondern auch ein äußerst produktiver Filmschauspieler. Er wirkte in 31 Spielfilmen mit. Viele dieser Produktionen verbanden Musik, Romanze, Komödie, attraktive Schauplätze und ein auf Presley zugeschnittenes Starimage zu einer wiederkehrenden Filmformel.
Dieser aiMOOC zeigt Dir, wie Hollywood aus Presleys Popularität ein planbares Produktionsmodell entwickelte. Du lernst zugleich, wie sich dieses Modell wirtschaftlich bewährte, künstlerisch aber auch einengend wirken konnte.

Lernbereiche
- Filmgeschichte: Einordnung der Hollywoodjahre in das amerikanische Kino der 1950er- und 1960er-Jahre.
- Musikgeschichte: Verbindung von Rock ’n’ Roll, Soundtrack und Filmvermarktung.
- Filmanalyse: Untersuchung von Handlung, Figuren, Kamera, Montage, Musik und Schauplatz.
- Medienökonomie: Analyse von Starsystem, Produktionsformel, Vermarktung und Risikovermeidung.
- Medienkritik: Reflexion von Rollenbildern, Tourismusbildern und kulturellen Stereotypen.
- Popkultur: Bewertung von Elvis Presleys Bedeutung als Film- und Musikstar.
Einleitung
Als Elvis Presley 1956 nach Hollywood kam, traf die neue Jugendkultur des Rock ’n’ Roll auf das etablierte amerikanische Studiosystem. Produzenten erkannten, dass sich Presleys Musik, seine körperliche Bühnenpräsenz und sein Image als rebellischer, aber sympathischer junger Mann auch im Kino vermarkten ließen.
Seine ersten Filme wie Love Me Tender, Jailhouse Rock und King Creole zeigten ihn noch häufiger in dramatischen Konflikten. Nach seinem Militärdienst setzte sich jedoch zunehmend eine berechenbare Mischung aus Musik, Komödie, Romanze, Reisebildern und Happy End durch. Besonders Blue Hawaii wurde zum Vorbild vieler späterer Produktionen.

Hollywood als Starsystem
Im Starsystem wird ein Schauspieler nicht nur wegen seiner Rolle vermarktet, sondern als wiedererkennbare öffentliche Persönlichkeit. Pressefotos, Interviews, Musik, Kleidung, Filmrollen und Werbekampagnen formen gemeinsam ein Starimage.
Bei Elvis Presley bestand dieses Image vor allem aus Jugendlichkeit, musikalischem Talent, körperlicher Dynamik, romantischer Attraktivität, Humor und kontrollierter Rebellion. Ein Starvehikel ist ein Film, der gezielt auf die Fähigkeiten und das Image eines Stars zugeschnitten wird.
Die typische Filmformel
Die Elvis-Filmformel lässt sich vereinfacht so darstellen:
Elvis-Starimage + attraktiver Beruf + touristischer Schauplatz + romantischer Konflikt + mehrere Songs + komische Nebenfiguren + Happy End
| Baustein | Typische Gestaltung | Funktion |
|---|---|---|
| Hauptfigur | Talentierter, unabhängiger, sympathischer junger Mann | Bindet die Handlung eng an Presleys Starimage |
| Beruf | Musiker, Soldat, Rennfahrer, Boxer, Pilot oder Schausteller | Erzeugt Bewegung, Wettbewerb und Auftrittsmöglichkeiten |
| Schauplatz | Hawaii, Las Vegas, Acapulco oder Florida | Vermittelt Urlaub, Farbe und exotische Attraktivität |
| Romanze | Annäherung, Missverständnis, Rivalität und Versöhnung | Strukturiert die Handlung und erweitert die Zielgruppe |
| Musik | Mehrere Gesangsnummern innerhalb der Handlung | Zeigt den Star und bewirbt Soundtracks |
| Komik | Verwechslungen, Nebenfiguren und Pannen | Entschärft Konflikte und macht den Film familienfreundlich |
| Ende | Beruflicher Erfolg und romantische Paarbildung | Bestätigt die gesellschaftliche Ordnung |
Vier Phasen der Hollywoodjahre
| Phase | Zeitraum | Kennzeichen | Beispiele |
|---|---|---|---|
| Aufbruch und Rebellion | 1956–1958 | Deutlichere Konflikte und ernstere Rollen | Jailhouse Rock, King Creole |
| Rückkehr und Suche | 1960–1961 | Mischung aus Unterhaltung und dramatischen Stoffen | G. I. Blues, Flaming Star, Wild in the Country |
| Formelphase | 1961–1967 | Romanze, Komödie, Reisebilder, viele Songs | Blue Hawaii, Viva Las Vegas, Fun in Acapulco |
| Auflösung der Formel | 1968–1969 | Weniger Musik, erwachsenere Stoffe und Rückkehr zur Bühne | Charro!, Change of Habit |
Musik als Erzählung und Vermarktung
In vielen Filmen gehört die Musik direkt zur erzählten Welt. Presley singt auf einer Bühne, bei einer Feier, während der Arbeit oder in einem Club. Diese Form heißt diegetische Musik, weil die Figuren im Film sie hören können.
Die Lieder dienten aber nicht nur der Handlung. Sie konnten gleichzeitig als Singles, EPs oder Soundtrackalben vermarktet werden. Film, Radio, Schallplatte, Presse und Kino bewarben einander. Diese Verbindung mehrerer Medien wird als Crossmedia bezeichnet.
Fallbeispiel Jailhouse Rock
Jailhouse Rock aus dem Jahr 1957 erzählt vom Aufstieg des jungen Vince Everett zum Musikstar. Anders als viele spätere Rollen ist diese Figur nicht nur freundlich und harmlos, sondern ehrgeizig, egoistisch und konfliktreich.
Die berühmte Tanz- und Gesangsszene zum Titellied verbindet Bühnenbild, Choreografie, Kamera und Schnitt zu einer geschlossenen audiovisuellen Performance. Der Film wurde 2004 in das National Film Registry der Library of Congress aufgenommen.

Fallbeispiel King Creole
In King Creole aus dem Jahr 1958 spielt Presley den Jugendlichen Danny Fisher, der zwischen Familie, Schule, Nachtclub und Kriminalität gerät. Regie führte Michael Curtiz. Der Film zeigt, dass Presley auch in einer ernsteren dramatischen Rolle überzeugen konnte.
Fallbeispiel Blue Hawaii
Blue Hawaii aus dem Jahr 1961 wurde zum wichtigsten Vorbild der späteren Filmformel. Presley spielt Chad Gates, der nach dem Militärdienst auf Hawaii als Fremdenführer arbeiten möchte. Der Film verbindet Familienkonflikt, Tourismus, Romanze, Komik und zahlreiche Songs.
Hawaii wird als farbenfrohes Paradies inszeniert. Eine kritische Filmanalyse fragt jedoch, welche historischen und gesellschaftlichen Wirklichkeiten dabei ausgeblendet werden.
Fallbeispiel Viva Las Vegas
In Viva Las Vegas aus dem Jahr 1964 spielt Presley den Rennfahrer Lucky Jackson. Der Wettbewerb, Las Vegas als spektakulärer Schauplatz, Musik und Romanze entsprechen der Formel. Durch Ann-Margret erhält Presley jedoch eine gleichwertige Partnerin mit eigener Tanz- und Gesangspräsenz.
Gegenmodelle zur Filmformel
Nicht alle Filme folgen der leichten Musikkomödie. Flaming Star ist ein Western über Zugehörigkeit, Gewalt und Rassismus. Wild in the Country ist ein Melodram über einen jungen Mann mit schriftstellerischem Talent. Charro! verzichtet weitgehend auf die übliche Folge von Musiknummern.
Diese Filme zeigen, dass Presley auch andere Rollen spielen konnte. Sie waren jedoch wirtschaftlich weniger zuverlässig als die bekannte Formel.
Wer bestimmte die Filme?
Die Filmformel entstand nicht durch eine einzige Person. Studios, Produzenten, Regisseure, Drehbuchautorinnen und Drehbuchautoren, Musikverlage, Presleys Manager Colonel Tom Parker und Presley selbst wirkten zusammen.
Parker bevorzugte kalkulierbare Verträge und sichere Einnahmen. Die Studios wollten Presleys Popularität möglichst effizient nutzen. Die Musikverlage benötigten neue Songs. Presley selbst war vertraglich gebunden und konnte seine Rollen nicht vollständig frei wählen.
Rollenbilder und Tourismusbilder
Viele Filme stellen einen aktiven männlichen Helden in den Mittelpunkt. Weibliche Figuren dienen häufig als Liebespartnerinnen oder Auslöser romantischer Konflikte. Eine differenzierte Analyse untersucht daher, wer handeln, entscheiden und sprechen darf.
Auch Reiseorte wie Hawaii oder Acapulco werden stark vereinfacht dargestellt. Sie erscheinen vor allem als attraktive Kulisse. Der Begriff Exotismus bezeichnet eine Darstellung, die fremd markierte Kulturen vereinfacht und für den Blick eines außenstehenden Publikums inszeniert.
Methode der Filmanalyse
| Bereich | Leitfrage |
|---|---|
| Mise-en-scène | Wie wirken Raum, Licht, Kostüm und Körper? |
| Kamera | Wer erhält Nahaufnahmen und aus welcher Perspektive sehen wir? |
| Montage | Wie werden Bilder rhythmisch verbunden? |
| Ton | Ist die Musik diegetisch oder nichtdiegetisch? |
| Dramaturgie | Treibt die Musiknummer die Handlung voran oder unterbricht sie sie? |
Trenne immer Beobachtung und Deutung. „Die Kamera zeigt Presley in Nahaufnahme“ ist eine Beobachtung. „Die Nahaufnahme macht ihn zum Zentrum der Szene“ ist eine Deutung.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
In welchem Zeitraum entstanden Elvis Presleys 31 Spielfilme? (1956 bis 1969) (!1948 bis 1961) (!1969 bis 1977) (!1970 bis 1985)
In wie vielen Spielfilmen wirkte Elvis Presley mit? (31) (!18) (!42) (!57)
Welcher Film wurde zum Vorbild der späteren Reise-, Musik- und Romanzenformel? (Blue Hawaii) (!Charro!) (!Flaming Star) (!Love Me Tender)
Was ist ein Starvehikel? (Ein Film, der auf Image und Fähigkeiten eines Stars zugeschnitten ist) (!Ein Fahrzeug für Filmpremieren) (!Eine besondere Studiokamera) (!Ein Vertrag zwischen Kino und Radio)
Welche Kombination beschreibt die Filmformel am besten? (Starimage, Schauplatz, Romanze, Songs und Happy End) (!Gerichtsprozess, Dokumentarfilm und offenes Ende) (!Horror, Zeitreise und Tragödie) (!Nachrichtenbilder, Statistik und Lehrvortrag)
Welcher Film wurde in das National Film Registry aufgenommen? (Jailhouse Rock) (!Clambake) (!Spinout) (!Harum Scarum)
Welche Funktion hatten Soundtracks? (Sie verbanden Filmwerbung und Musikverkauf) (!Sie ersetzten das Drehbuch) (!Sie verhinderten Radioausstrahlungen) (!Sie dienten nur als Geräuscharchiv)
Welcher Film gilt als ernsteres Gegenmodell? (Flaming Star) (!Girl Happy) (!Easy Come, Easy Go) (!Paradise Hawaiian Style)
Warum muss ein Trailer quellenkritisch untersucht werden? (Weil er als Werbung auswählt und Erwartungen steuert) (!Weil Trailer immer stumm sind) (!Weil Trailer erst nach dem Kinostart entstehen) (!Weil Trailer keine Filmszenen zeigen dürfen)
Was markierte das Fernsehspecial von 1968? (Die Rückkehr zu einer direkteren Bühnenpräsenz) (!Den Beginn der Militärzeit) (!Presleys Debüt als Regisseur) (!Das Ende aller Studioaufnahmen)
Memory
| Starvehikel | Auf einen Star zugeschnittener Film |
| Soundtrack | Zum Film veröffentlichte Musik |
| Diegetische Musik | Musik innerhalb der Filmwelt |
| Typecasting | Wiederholte Besetzung in ähnlichen Rollen |
| Crossmedia | Vermarktung über mehrere Medien |
| Exotismus | Vereinfachende Darstellung des Fremden |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Bedeutung |
|---|---|
| Jailhouse Rock | Rebellisches Musikdrama |
| King Creole | Dramatisches Frühwerk |
| Blue Hawaii | Prototyp der Filmformel |
| Viva Las Vegas | Energiegeladene Formelvariation |
| Charro! | Spätes Gegenmodell |
Kreuzworträtsel
| Hollywood | Welche Filmstadt steht für Presleys Kinokarriere? |
| Hawaii | Welcher Inselstaat prägte einen besonders erfolgreichen Film? |
| Soundtrack | Wie heißt die zu einem Film veröffentlichte Musik? |
| Parker | Wie lautete der Nachname von Presleys Manager? |
| Musical | Welches Genre verbindet Handlung, Gesang und Tanz? |
| Trailer | Wie heißt ein kurzer Werbefilm für einen Kinofilm? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Filmformel-Karte: Gestalte eine Übersicht mit den wichtigsten Bausteinen der Elvis-Filmformel.
- Trailerprotokoll: Untersuche einen Trailer nach Bild, Ton, Starinszenierung und Zielgruppe.
- Filmplakat-Analyse: Beschreibe ein Plakat und trenne Beobachtung von Deutung.
- Musikszene: Erfinde eine Szene, in der ein Lied glaubwürdig aus der Handlung entsteht.
Standard
- Filmvergleich: Vergleiche Jailhouse Rock und Blue Hawaii anhand von Hauptfigur, Konflikt, Musik und Ende.
- Reisekarte: Erstelle eine Karte wichtiger Filmschauplätze und analysiere ihre Darstellung.
- Rollendebatte: Diskutiert, ob die Filmformel Presleys Karriere eher stabilisierte oder begrenzte.
- Storyboard: Entwickle sechs Einstellungen einer typischen Elvis-Filmszene.
Schwer
- Mini-Forschungsprojekt: Untersuche drei Filme aus unterschiedlichen Karrierephasen anhand eigener Kriterien.
- Typecasting-Essay: Erörtere den Zusammenhang von Wirtschaft, Verträgen und künstlerischer Begrenzung.
- Videoessay: Produziere einen Videoessay über die Filmformel und dokumentiere Deine Quellen.
- Alternativer Karriereplan: Entwirf für das Jahr 1964 drei alternative Filmprojekte für Elvis Presley.


Lernkontrolle
- Formel und Innovation: Entwickle Kriterien, mit denen sich produktive Wiedererkennbarkeit von kreativer Erstarrung unterscheiden lässt.
- Starvehikel heute: Übertrage das Konzept des Starvehikels auf eine aktuelle Film- oder Streamingproduktion.
- Quellenkritik: Erkläre, welche Aussagen sich aus einem Trailer ableiten lassen und welche zusätzlichen Quellen nötig sind.
- Musik und Dramaturgie: Vergleiche eine handlungsrelevante Musiknummer mit einer austauschbaren Einlage.
- Perspektivenwechsel: Erzähle einen Reisefilm aus Sicht des Stars und anschließend aus Sicht einer lokalen Nebenfigur.
- Produktionsentscheidung: Entscheide 1967 zwischen einer sicheren Formelkomödie und einem riskanteren Drama und begründe Deine Wahl.
Lernnachweis
- Du ordnest zentrale Filme und Karrierephasen korrekt ein.
- Du erklärst die Filmformel mit eigenen Worten.
- Du unterscheidest Genre, Produktionsformel und Starvehikel.
- Du analysierst Bild, Ton, Montage, Handlung und Vermarktung.
- Du bewertest wirtschaftliche und künstlerische Interessen differenziert.
- Du reflektierst Rollenbilder und Tourismusdarstellungen.
- Du trennst Beobachtung, Interpretation und Werturteil.
- Du dokumentierst Deine Quellen nachvollziehbar.
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