Die Grünen (Partei) - aiMOOC


Die Grünen (Partei) - aiMOOC
Einleitung

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, oft kurz Die Grünen genannt, sind eine politische Partei in Deutschland. Sie entstanden aus der Umweltbewegung, der Anti-Atomkraft-Bewegung, der Friedensbewegung, der Frauenbewegung und später auch aus der Bürgerrechtsbewegung in der DDR. In diesem aiMOOC lernst Du die Partei historisch, politisch und methodisch einzuordnen. Du untersuchst, wie aus außerparlamentarischen Protestbewegungen eine dauerhaft im Parteiensystem verankerte Partei wurde, welche Rolle Ökologie, Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit, Demokratie, Selbstbestimmung und Frieden in ihrer Programmatik spielen und wie Parteien in einer pluralistischen Demokratie analysiert werden können.
Dieser Kurs ist politisch neutral angelegt. Er unterscheidet zwischen Selbstbeschreibung der Partei, unabhängiger politikwissenschaftlicher Analyse, Wahlergebnissen und kritischer Bewertung. Du sollst nicht lernen, eine Partei unkritisch zu übernehmen oder abzulehnen, sondern Du sollst Quellen prüfen, Begriffe klären, historische Entwicklungen verstehen und politische Aussagen begründet beurteilen.
Überblick: Was ist eine Partei?
Eine Partei bündelt politische Interessen, entwickelt Programme, stellt Kandidierende für Wahlen auf und wirkt an der politischen Willensbildung mit. In Deutschland sind Parteien durch das Grundgesetz und das Parteiengesetz besonders geschützt, zugleich aber an demokratische Grundsätze gebunden. BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sind eine von mehreren Parteien, die im Deutschen Bundestag vertreten sind. Wie andere Parteien versuchen sie, gesellschaftliche Probleme zu benennen, Lösungsvorschläge zu formulieren und Mehrheiten für ihre Politik zu gewinnen.
Wenn Du eine Partei untersuchst, solltest Du immer mehrere Ebenen betrachten: ihre Geschichte, ihre Programmatik, ihre Wählerschaft, ihre Organisation, ihre Koalitionsmöglichkeiten, ihr tatsächliches Abstimmungsverhalten und ihre Rolle in Regierung oder Opposition. Gerade bei Parteien ist es wichtig, zwischen Werbesprache, journalistischer Einordnung, wissenschaftlicher Analyse und amtlichen Daten zu unterscheiden.
Kurzprofil
| Aspekt | Einordnung |
|---|---|
| Vollständiger Name | BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN |
| Kurzbezeichnungen | Die Grünen, Bündnisgrüne, B’90/Grüne |
| Parteigründung | Die westdeutsche Partei Die Grünen wurde 1980 in Karlsruhe gegründet. |
| Ostdeutsche Wurzeln | Bündnis 90 entstand aus oppositionellen Bürgerrechtsgruppen der DDR. |
| Vereinigung | 1993 schlossen sich Die Grünen und Bündnis 90 zur heutigen Partei zusammen. |
| Zentrale Themenfelder | Klimapolitik, Umweltpolitik, Demokratie, Bürgerrechte, Gleichberechtigung, Europa, soziale Gerechtigkeit |
| Jugendorganisation | Grüne Jugend |
| Parteinahe Stiftung | Heinrich-Böll-Stiftung |
Historische Entwicklung
Wurzeln in den Neuen Sozialen Bewegungen
Die Geschichte der Grünen beginnt nicht mit einer klassischen Parteigründung von oben, sondern mit vielen Neuen Sozialen Bewegungen der 1970er-Jahre. Bürgerinitiativen protestierten gegen Umweltverschmutzung, gegen den Ausbau der Kernenergie, gegen atomare Aufrüstung und gegen aus ihrer Sicht zu starre gesellschaftliche Strukturen. Viele Aktivistinnen und Aktivisten wollten Politik nicht nur in Parlamenten, sondern auch in Initiativen, Versammlungen, Demonstrationen und lokalen Projekten gestalten.
Wichtig ist dabei der Begriff Basisdemokratie. Er bezeichnet die Idee, dass politische Entscheidungen möglichst stark von den Mitgliedern und der Basis einer Bewegung beeinflusst werden sollen. In der Frühphase der Grünen spielte diese Vorstellung eine große Rolle. Dazu kamen Forderungen nach Gewaltfreiheit, Ökologie, sozialer Gerechtigkeit und Geschlechtergerechtigkeit. Diese vier Leitbegriffe prägten das frühe Selbstverständnis der westdeutschen Grünen.
Von der Bewegung zur Partei
1979 traten grüne und alternative Listen bei der Europawahl als gemeinsame politische Kraft an. Am 12. und 13. Januar 1980 wurde in Karlsruhe die Bundespartei Die Grünen gegründet. Schon 1983 gelang der Einzug in den Bundestag. Das war für die deutsche Parteiengeschichte bedeutsam, weil erstmals eine Partei dauerhaft parlamentarische Bedeutung gewann, die stark aus außerparlamentarischen Bewegungen hervorgegangen war.
Die Grünen brachten neue Themen und neue politische Formen in die Parlamente. Dazu gehörten Debatten über Ökolandbau, Atomausstieg, Friedenspolitik, Frauenrechte, Transparenz und den Umgang mit Minderheiten. Zugleich gab es innerparteiliche Konflikte: Ein Teil der Partei wollte radikale Opposition gegen das bestehende politische System leisten, ein anderer Teil wollte durch Regierungsbeteiligung konkrete Reformen erreichen. Diese Spannung wurde oft als Konflikt zwischen Fundis und Realos beschrieben.
DDR-Bürgerrechtsbewegung und Bündnis 90
Ein zweiter wichtiger Ursprung liegt in der DDR. Dort setzten sich Gruppen wie Neues Forum, Demokratie Jetzt und die Initiative Frieden und Menschenrechte für Bürgerrechte, freie Wahlen, Gewaltfreiheit und demokratische Erneuerung ein. Diese Gruppen trugen zur Friedlichen Revolution von 1989 bei. Aus ihnen entstand 1991 das Bündnis 90. 1993 vereinigten sich Bündnis 90 und Die Grünen zur heutigen Partei BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN.
Dieser doppelte Ursprung erklärt den Parteinamen: Grün verweist auf Umweltpolitik und Ökologie, Bündnis 90 verweist auf die demokratischen Bürgerrechtsbewegungen der Zeit um 1989 und 1990. Wer die Partei verstehen will, muss daher beide Traditionslinien betrachten: ökologische Protestbewegung im Westen und Bürgerrechtsbewegung im Osten.
Regierungsbeteiligungen und Wandel
1985 entstand in Hessen die erste rot-grüne Koalition auf Landesebene. Von 1998 bis 2005 waren die Grünen erstmals Teil einer Bundesregierung mit der SPD. Besonders bekannt wurden in dieser Zeit Joschka Fischer als Außenminister und Jürgen Trittin als Umweltminister. Zentrale politische Konflikte betrafen damals unter anderem den Atomausstieg, die Ökosteuer, die Außenpolitik und den Kosovokrieg.
Von 2021 bis 2025 waren die Grünen erneut an einer Bundesregierung beteiligt, diesmal in einer Ampelkoalition mit SPD und FDP. In dieser Zeit standen vor allem Energiepolitik, Klimaschutz, Russlands Angriff auf die Ukraine, Inflation, Wirtschaftspolitik und gesellschaftliche Polarisierung im Mittelpunkt politischer Debatten. Seit der Bundestagswahl 2025 sind die Grünen mit 85 Abgeordneten im 21. Deutschen Bundestag vertreten.

Grundwerte und Programmatik
Ökologie und Nachhaltigkeit
Die Grünen verbinden ihren Namen besonders stark mit Ökologie. Ökologische Politik fragt danach, wie Menschen wirtschaften, wohnen, sich fortbewegen und konsumieren können, ohne die natürlichen Lebensgrundlagen zu zerstören. Dazu gehören Klimaschutz, Biodiversität, Energiewende, Naturschutz, Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft.
Der Begriff Nachhaltigkeit ist dabei zentral. Er bedeutet, dass heutige Entscheidungen die Lebensmöglichkeiten kommender Generationen nicht gefährden sollen. Nachhaltigkeit ist nicht nur ein Umweltbegriff, sondern verbindet ökologische, wirtschaftliche und soziale Fragen: Wie kann eine Wirtschaft klimaneutral werden? Wie werden Kosten gerecht verteilt? Wie können Menschen mit geringem Einkommen an einer ökologischen Modernisierung teilhaben?
Gerechtigkeit und Teilhabe
Ein weiterer Schwerpunkt ist Gerechtigkeit. Die Partei verbindet soziale Fragen mit ökologischen Fragen. In ihrer Programmatik wird häufig argumentiert, dass Klimaschutz nur dann dauerhaft akzeptiert werden kann, wenn er sozial abgefedert wird. Beispiele für solche Debatten sind bezahlbare Energie, bezahlbares Wohnen, öffentlicher Nahverkehr, gute Bildungschancen und gerechte Arbeitsbedingungen.
Zur Teilhabe gehören auch Inklusion, Antidiskriminierung, Gleichstellung und Diversität. Die Grünen waren eine der ersten Parteien in Deutschland, die innerparteilich eine verbindliche Frauenquote einführten. Ziel war und ist, politische Repräsentation nicht nur formell, sondern auch praktisch gerechter zu gestalten. Kritisch diskutiert wird dabei, wie Quoten, Leistungsprinzip, demokratische Wahlfreiheit und Repräsentation zusammenhängen.
Demokratie, Bürgerrechte und Rechtsstaat
Aus der Bürgerrechtsbewegung und aus den Protestbewegungen stammt ein starkes Interesse an Demokratie, Bürgerrechten und Rechtsstaat. Dazu gehören Themen wie Datenschutz, Informationsfreiheit, Schutz vor staatlicher Willkür, Minderheitenrechte und eine kritische Öffentlichkeit. In einer Demokratie ist es wichtig, dass Parteien nicht nur Mehrheiten organisieren, sondern auch Grundrechte achten und politische Gegnerschaft respektieren.
Grüne Politik betont häufig den Wert einer offenen Gesellschaft. Dieser Begriff beschreibt eine Gesellschaft, in der unterschiedliche Lebensentwürfe, Religionen, Meinungen und Herkünfte friedlich zusammenleben können. Zugleich entstehen hier politische Konflikte: Wie viel Vielfalt hält eine Gesellschaft aus? Wie werden gemeinsame Regeln gesichert? Wie werden Freiheit, Sicherheit und Integration miteinander verbunden?
Frieden, Europa und internationale Verantwortung
Die frühen Grünen waren stark von der Friedensbewegung geprägt. Viele Mitglieder lehnten militärische Abschreckung und atomare Aufrüstung ab. Später änderte sich die außenpolitische Debatte: Spätestens in den 1990er-Jahren entstand in der Partei ein Konflikt darüber, ob militärische Einsätze zum Schutz von Menschenrechten in Ausnahmefällen gerechtfertigt sein können. Diese Debatte zeigt, dass Parteien ihre Positionen im Laufe der Geschichte verändern können.
Heute verbinden die Grünen ihre Außenpolitik häufig mit europäischer Integration, Menschenrechten, Multilateralismus, Klimadiplomatie und Unterstützung für demokratische Staaten. Gleichzeitig wird darüber gestritten, wie Wertepolitik, Sicherheitsinteressen, wirtschaftliche Abhängigkeiten und Friedenssicherung zusammenpassen.
Organisation der Partei
Bundespartei, Landesverbände und Basis
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN sind föderal aufgebaut. Das bedeutet: Es gibt eine Bundespartei, Landesverbände, Kreisverbände und Ortsverbände. Der Föderalismus Deutschlands spiegelt sich also auch in der Parteiorganisation. Landesverbände entscheiden über Landespolitik, Kommunalverbände über kommunale Themen, und die Bundespartei entwickelt bundespolitische Programme und Strategien.
Das wichtigste Beschlussorgan auf Bundesebene ist die Bundesdelegiertenkonferenz. Dort beraten und entscheiden Delegierte über Programme, Satzungen, Anträge und Personalfragen. Der Bundesvorstand vertritt die Partei nach innen und außen. Seit November 2024 gehören Franziska Brantner und Felix Banaszak zu den Bundesvorsitzenden der Partei. Wichtig ist: Personalangaben können sich ändern, deshalb solltest Du bei aktuellen Aufgaben immer eine zuverlässige Quelle prüfen.
Frauenstatut und innerparteiliche Regeln
Eine Besonderheit der Grünen ist das Frauenstatut. Es soll sicherstellen, dass Frauen in Ämtern, Mandaten und Redelisten stark vertreten sind. Dahinter steht die Annahme, dass politische Gleichberechtigung nicht automatisch entsteht, sondern durch Regeln unterstützt werden muss. In der politischen Bildung ist dies ein gutes Beispiel, um über Repräsentation, Gleichstellung und Parteidemokratie zu diskutieren.
Gleichzeitig zeigen solche Regeln, dass innerparteiliche Demokratie immer gestaltet wird: Wer darf abstimmen? Wie werden Listen aufgestellt? Welche Minderheitenrechte gibt es? Wie werden Konflikte zwischen Mitgliedern, Fraktionen und Parteiführung gelöst? An solchen Fragen kannst Du erkennen, dass Parteien nicht nur Wahlmaschinen sind, sondern komplexe Organisationen.
Die Grünen im Parteiensystem
Vom Protest zur etablierten Partei
Die Grünen galten lange als Protestpartei. Mit dem Einzug in Parlamente, der Beteiligung an Landesregierungen und der Regierungsbeteiligung im Bund wurden sie jedoch Teil des etablierten Parteiensystems. Dieser Wandel ist politikwissenschaftlich interessant: Eine Bewegung, die ursprünglich Institutionen kritisierte, nutzt später selbst Institutionen, um Politik zu verändern.
Dadurch entstehen Spannungen. Eine Partei in der Opposition kann Forderungen oft klarer formulieren. Eine Regierungspartei muss Kompromisse schließen, Haushalte beachten, rechtliche Grenzen einhalten und mit Koalitionspartnern verhandeln. Wenn Du die Grünen analysierst, solltest Du deshalb immer fragen, ob eine Aussage aus der Rolle als Bewegung, Oppositionspartei, Regierungspartei oder Wahlkampfpartei stammt.
Koalitionen und politische Kompromisse
Die Grünen haben im Laufe ihrer Geschichte mit unterschiedlichen Parteien koaliert. Besonders bekannt sind rot-grüne Bündnisse mit der SPD. In einigen Ländern gab oder gibt es Koalitionen mit der CDU, mit der FDP oder mit mehreren Parteien. Koalitionen zeigen, dass Parteien ihre Ziele nicht allein umsetzen können, sondern Mehrheiten bilden müssen.
Ein Koalitionsvertrag ist dabei ein zentrales Dokument. Er enthält Kompromisse zwischen Parteien. Für die politische Analyse ist wichtig: Nicht jedes Ziel im Parteiprogramm wird Regierungspolitik. Umgekehrt können Parteien in Koalitionen Entscheidungen mittragen, die nicht vollständig ihrer ursprünglichen Position entsprechen. Das ist ein normaler, aber oft konfliktträchtiger Teil parlamentarischer Demokratie.
Politische Konfliktfelder
Klimaschutz und soziale Kosten
Ein zentrales Konfliktfeld ist die Frage, wie schnell und mit welchen Mitteln Klimaneutralität erreicht werden soll. Befürworterinnen und Befürworter ambitionierter Klimapolitik betonen die Dringlichkeit wissenschaftlicher Klimaszenarien und die Verantwortung gegenüber kommenden Generationen. Kritikerinnen und Kritiker fragen, wie Kosten verteilt werden, ob Vorgaben zu bürokratisch sind und ob Bürgerinnen, Bürger und Unternehmen ausreichend mitgenommen werden.
Dieses Konfliktfeld eignet sich besonders für politische Urteilsbildung. Du kannst untersuchen, welche Instrumente vorgeschlagen werden: CO2-Preis, Förderung, Verbote, Infrastrukturinvestitionen, Beratung, Forschung oder internationale Abkommen. Danach kannst Du bewerten, welche Instrumente wirksam, gerecht, finanzierbar und demokratisch legitimiert sind.
Wirtschaft, Industrie und Transformation
Grüne Wirtschaftspolitik spricht oft von ökologischer Modernisierung. Gemeint ist, dass Industrie, Energieversorgung, Verkehr und Gebäude klimafreundlicher werden sollen, ohne Wohlstand und Arbeitsplätze zu gefährden. Kritisch diskutiert wird, ob staatliche Investitionen, Regulierungen und Förderprogramme Innovation beschleunigen oder Unternehmen belasten.
Hier begegnen Dir wichtige Begriffe wie Transformation, Strukturwandel, Industriepolitik, erneuerbare Energien, Digitalisierung und Wettbewerbsfähigkeit. Eine gute Analyse fragt nicht nur, ob ein Ziel wünschenswert ist, sondern auch, mit welchen Mitteln es erreicht werden soll und welche Nebenwirkungen entstehen können.
Migration, Integration und offene Gesellschaft
Die Grünen vertreten häufig eine liberale Haltung zu Migration, Einwanderung und Integration. Dabei geht es um Schutz für Verfolgte, Fachkräfteeinwanderung, Teilhabe und Antidiskriminierung. Zugleich sind Migration und Integration gesellschaftlich umstritten. Debatten betreffen Wohnraum, Bildung, Arbeitsmarkt, Sicherheit, kulturelle Konflikte und kommunale Belastungen.
Politische Bildung bedeutet hier, einfache Schlagworte zu vermeiden. Du solltest zwischen Asylrecht, Arbeitsmigration, Fluchtursachen, Integration, Staatsbürgerschaft und kommunaler Praxis unterscheiden. Erst dann kannst Du parteipolitische Vorschläge sachlich vergleichen.
Außenpolitik und Sicherheit
Das Verhältnis von Friedensethik und Sicherheitspolitik ist bei den Grünen besonders spannend. Die Partei kommt aus der Friedensbewegung, hat aber in Regierungsverantwortung auch schwierige Entscheidungen über internationale Einsätze, Waffenlieferungen und Bündnispolitik mitgetragen oder diskutiert. Dadurch wird sichtbar, dass politische Werte in Konflikt geraten können: Frieden, Menschenrechte, Selbstverteidigung, Bündnistreue und Gewaltvermeidung lassen sich nicht immer einfach verbinden.
Für Deine Analyse kannst Du fragen: Welche Bedrohung wird beschrieben? Welche Mittel werden vorgeschlagen? Welche Rolle spielen NATO, Europäische Union, Vereinte Nationen und Diplomatie? Welche Alternativen werden genannt?
Parteien kritisch analysieren
Quellenarten unterscheiden
Nicht jede Quelle erfüllt denselben Zweck. Ein Wahlprogramm zeigt, was eine Partei vor einer Wahl verspricht. Ein Grundsatzprogramm beschreibt langfristige Werte. Amtliche Wahldaten zeigen Ergebnisse. Eine journalistische Analyse ordnet ein. Eine wissenschaftliche Studie untersucht Ursachen und Folgen. Ein Social-Media-Post ist oft zugespitzt und will Aufmerksamkeit erzeugen.
| Quelle | Was Du daraus lernen kannst | Worauf Du achten solltest |
|---|---|---|
| Grundsatzprogramm | Langfristige Werte und Selbstverständnis | Es ist eine parteieigene Quelle. |
| Wahlprogramm | Konkrete Ziele für eine Wahlperiode | Versprechen müssen auf Umsetzbarkeit geprüft werden. |
| Amtliche Wahldaten | Stimmen, Sitze und Wahlbeteiligung | Daten erklären nicht automatisch Ursachen. |
| Journalismus | Einordnung, Kritik und aktuelle Debatten | Medium, Autorenschaft und Perspektive prüfen. |
| Politikwissenschaft | Begriffe, Entwicklungen und Vergleiche | Methode, Datenbasis und Aktualität beachten. |
| Soziale Medien | Kampagnen, Frames und Mobilisierung | Zuspitzung, Emotion und Algorithmuswirkung beachten. |
Urteilskompetenz entwickeln
Ein begründetes politisches Urteil besteht aus mehr als Zustimmung oder Ablehnung. Du brauchst Kriterien. Geeignete Kriterien sind Wirksamkeit, Gerechtigkeit, Freiheit, Sicherheit, Finanzierbarkeit, Nachhaltigkeit, Rechtsstaatlichkeit und demokratische Legitimation. Wenn Du ein grünes Politikziel bewertest, solltest Du mindestens zwei Kriterien miteinander abwägen. Beispiel: Eine Klimaschutzmaßnahme kann wirksam sein, aber soziale Ausgleichsmechanismen benötigen. Oder eine schnelle Entscheidung kann effizient wirken, aber Beteiligung und Transparenz schwächen.
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Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Aus welchen Bewegungen entstanden die westdeutschen Grünen besonders stark? (Umweltbewegung Friedensbewegung Anti Atom Bewegung und Frauenbewegung) (!Monarchistische Bewegung Kolonialbewegung und Adelsverbände) (!Ausschließlich aus Wirtschaftsverbänden) (!Ausschließlich aus Sportvereinen)
In welcher Stadt wurde die westdeutsche Bundespartei Die Grünen 1980 gegründet? (Karlsruhe) (!Hamburg) (!München) (!Dresden)
Wofür steht der Namensbestandteil Bündnis 90 besonders? (Bürgerrechtsbewegungen in der DDR) (!Eine Steuerreform aus den neunziger Jahren) (!Eine europäische Sportorganisation) (!Eine kommunale Verwaltungseinheit)
Wann gelang den Grünen erstmals der Einzug in den Bundestag? (1983) (!1949) (!1969) (!2017)
Welcher Begriff beschreibt die Idee möglichst starker Beteiligung der Parteibasis? (Basisdemokratie) (!Zentralismus) (!Absolutismus) (!Technokratie)
Welches Thema gehört besonders eng zum Markenkern der Grünen? (Ökologie) (!Erbmonarchie) (!Kolonialpolitik) (!Zunftordnung)
Was ist ein Grundsatzprogramm? (Ein Dokument mit langfristigen Werten und Leitlinien einer Partei) (!Eine amtliche Liste aller Wahllokale) (!Ein privater Chatverlauf von Kandidierenden) (!Ein Haushaltsplan einer einzelnen Schule)
Was zeigt ein amtliches Wahlergebnis besonders zuverlässig? (Stimmenanteile Sitze und Wahlbeteiligung) (!Die geheimen Motive aller Wählerinnen und Wähler) (!Die zukünftige Entwicklung einer Partei) (!Die moralische Qualität eines Programms)
Warum sind Koalitionen in parlamentarischen Demokratien wichtig? (Weil Parteien Mehrheiten bilden müssen um zu regieren) (!Weil Wahlen dadurch abgeschafft werden) (!Weil Parteien keine Programme mehr brauchen) (!Weil das Parlament dadurch bedeutungslos wird)
Welche Frage passt besonders gut zur kritischen Analyse einer Partei? (Welche Quellen belegen Aussagen Ziele und Wirkungen) (!Welche Farbe hat das schönste Wahlplakat) (!Welche Partei muss immer recht haben) (!Welche Meinung soll ohne Begründung übernommen werden)
Memory
| Ökologie | Schutz natürlicher Lebensgrundlagen |
| Bündnis 90 | Bürgerrechtsbewegung der DDR |
| Basisdemokratie | Beteiligung der Parteimitglieder |
| Koalition | Zusammenarbeit mehrerer Parteien |
| Grundsatzprogramm | Langfristige politische Leitlinien |
| Bundesdelegiertenkonferenz | Höchstes Beschlussorgan der Bundespartei |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Neue Soziale Bewegungen | Ursprung vieler grüner Ideen |
| Parteigründung | Übergang von Protest zur Organisation |
| Bundestagseinzug | Beginn dauerhafter parlamentarischer Präsenz |
| Vereinigung | Zusammenschluss von Grünen und Bündnis 90 |
| Koalitionspolitik | Regieren durch Kompromisse |
| Oppositionsarbeit | Kontrolle und Kritik im Parlament |
Kreuzworträtsel
| Karlsruhe | In welcher Stadt wurde die westdeutsche Bundespartei Die Grünen gegründet? |
| Bundestag | In welches Parlament zogen die Grünen erstmals im Jahr neunzehnhundertdreiundachtzig ein? |
| Oekologie | Welcher politische Grundbegriff verbindet Umwelt und Lebensgrundlagen? |
| Frieden | Welcher Wert spielte in der frühen grünen Bewegung neben Ökologie eine große Rolle? |
| Koalition | Wie nennt man die Zusammenarbeit mehrerer Parteien zur Regierungsbildung? |
| Sonnenblume | Welches Pflanzensymbol ist eng mit dem Erscheinungsbild der Partei verbunden? |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Parteisteckbrief: Erstelle einen übersichtlichen Steckbrief zu BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN mit Gründung, Wurzeln, zentralen Themen, Jugendorganisation und aktuellen Bundestagsdaten.
- Begriffsklärung: Erkläre die Begriffe Ökologie, Basisdemokratie, Koalition und Grundsatzprogramm jeweils in drei eigenen Sätzen.
- Quellenvergleich: Vergleiche eine Selbstdarstellung der Partei mit einem neutralen Überblick der Bundeszentrale für politische Bildung und markiere Unterschiede in Sprache und Schwerpunktsetzung.
- Symbolanalyse: Untersuche das Logo der Grünen und erkläre, welche Wirkung Farbe, Schrift und Sonnenblume erzeugen.
Standard
- Zeitleiste: Gestalte eine Zeitleiste von den Protestbewegungen der 1970er-Jahre bis zur Bundestagswahl 2025 und erläutere zu jedem Schritt seine Bedeutung.
- Wahlprogrammanalyse: Wähle ein aktuelles Thema wie Klimapolitik, Migration oder Wirtschaftspolitik und untersuche, welche Lösung die Grünen vorschlagen.
- Koalitionsanalyse: Recherchiere eine Landesregierung mit grüner Beteiligung und erkläre, welche Kompromisse im Koalitionsvertrag sichtbar werden.
- Debattencheck: Analysiere eine politische Talkshow, einen Zeitungsartikel oder ein Interview zu den Grünen und unterscheide Information, Meinung und Zuspitzung.
Schwer
- Politisches Urteil: Bewerte eine konkrete grüne Klimaschutzmaßnahme nach den Kriterien Wirksamkeit, soziale Gerechtigkeit, Finanzierbarkeit und Freiheit.
- Parteienvergleich: Vergleiche die Grünen mit einer anderen Bundestagspartei in drei Politikfeldern und erkläre Gemeinsamkeiten, Unterschiede und mögliche Koalitionskonflikte.
- Historische Transformation: Untersuche, wie sich die Grünen von einer Protestpartei zu einer Regierungspartei entwickelt haben und welche Vor- und Nachteile dieser Wandel hat.
- Interviewprojekt: Führe Interviews mit kommunalen Politikerinnen oder Politikern verschiedener Parteien und frage, wie sie die Rolle der Grünen in Deiner Region bewerten.

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Lernkontrolle
- Transferaufgabe Klimapolitik: Ein Stadtrat plant strengere Klimaschutzregeln für Neubauten. Erkläre, welche Argumente aus grüner Sicht dafür sprechen könnten und welche sozialen Gegenargumente berücksichtigt werden müssten.
- Quellenkritik: Du findest drei Aussagen über die Grünen auf einer Parteiseite, in einem Zeitungsartikel und in einem Social-Media-Post. Entwickle ein Verfahren, um die Zuverlässigkeit der Aussagen zu prüfen.
- Koalitionsdilemma: Die Grünen verhandeln mit einer Partei, die in der Wirtschafts- und Verkehrspolitik andere Ziele hat. Beschreibe, wie ein demokratischer Kompromiss aussehen könnte und wo rote Linien entstehen könnten.
- Demokratieanalyse: Erkläre am Beispiel der Grünen, warum Protestbewegungen für eine Demokratie wichtig sein können und warum die Arbeit in Parlamenten trotzdem anderen Regeln folgt.
- Urteilsbildung: Beurteile, ob eine Partei ihre ursprünglichen Ideale verrät, wenn sie in einer Regierung Kompromisse eingeht. Nutze historische Beispiele aus der Entwicklung der Grünen.
- Medienkompetenz: Analysiere, wie ein Wahlkampfvideo politische Emotionen anspricht, und unterscheide zwischen Information, Mobilisierung und Werbung.
Lernnachweis
Für den Lernnachweis erstellst Du ein Portfolio zum Thema Bündnis 90/Die Grünen. Es soll zeigen, dass Du historische Entwicklung, Programmatik, Organisation, Wahldaten und politische Konfliktlinien nicht nur wiedergeben, sondern selbstständig beurteilen kannst.
- Portfolio Teil 1: Erstelle eine kommentierte Zeitleiste mit mindestens acht Stationen und erkläre, warum jede Station für die Parteigeschichte wichtig ist.
- Portfolio Teil 2: Analysiere ein politisches Thema der Grünen anhand von mindestens drei Quellenarten: Parteiquelle, amtliche Quelle und unabhängige Analyse.
- Portfolio Teil 3: Formuliere ein eigenes politisches Urteil zu einer grünen Position und nutze mindestens drei Kriterien wie Wirksamkeit, Gerechtigkeit und Finanzierbarkeit.
- Portfolio Teil 4: Reflektiere, wie sich Deine Einschätzung verändert hat, nachdem Du unterschiedliche Quellen geprüft hast.
- Portfolio Teil 5: Präsentiere Deine Ergebnisse in einem Kurzvortrag, Plakat, Podcast oder Erklärvideo und beantworte Rückfragen der Lerngruppe.
OERs zum Thema
Quellen und weiterführende Informationen
- Bundeszentrale für politische Bildung: BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
- Bundeszentrale für politische Bildung: Kompakter Überblick
- BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Grundsatzprogramm
- BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN: Parteistruktur und Gremien
- Die Bundeswahlleiterin: Bundestagswahl 2025 Ergebnisse Deutschland
- Deutscher Bundestag: Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
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