D9 M - Wortarten, Wortbildung und Formenlehre

D9 M - Wortarten, Wortbildung und Formenlehre
D9 M - Wortarten, Wortbildung und Formenlehre
Einleitung
Wörter sind nicht nur Träger von Bedeutungen. Sie besitzen auch eine Form, gehören zu einer Wortart und übernehmen in Sätzen bestimmte Funktionen. In diesem aiMOOC lernst Du, diese drei Ebenen sicher miteinander zu verbinden. Du bestimmst Wortarten nicht nur nach ihrer Bedeutung, sondern vor allem nach ihren morphologischen und syntaktischen Eigenschaften. Außerdem untersuchst Du, wie Wörter durch Wortbildung entstehen und wie sich ihre Formen durch Flexion verändern.
Im Mittelpunkt stehen drei Leitfragen:
- Wortarten bestimmen: Zu welcher Wortart gehört ein Wort, und woran kannst Du das an seiner Form und seiner Verwendung erkennen?
- Wörter bilden: Wie entstehen Komposita, Ableitungen und andere neue Wörter?
- Formenlehre verstehen: Welche grammatischen Kategorien werden an Wortformen sichtbar, und welche Wirkung haben sie in Sätzen und Texten?
Die folgende Grafik zeigt, dass die Morphologie zwischen Laut- beziehungsweise Schriftebene und Syntax liegt. Sie untersucht den Aufbau und die Formen von Wörtern. Die Syntax untersucht dagegen, wie Wörter zu größeren Einheiten und Sätzen verbunden werden.

Für die Arbeit in Klasse 9 auf M-Niveau ist besonders wichtig: Wortart und Satzglied sind nicht dasselbe. Ein Wort kann derselben Wortart angehören, aber in unterschiedlichen Sätzen unterschiedliche Funktionen übernehmen.
Beispiel:
Heute fährt der schnelle Zug pünktlich.
Das Wort schnelle ist ein Adjektiv. Es steht attributiv beim Substantiv Zug. Das Wort pünktlich ist ebenfalls ein Adjektiv, wird hier aber adverbial verwendet und beschreibt die Art und Weise des Fahrens. Seine Wortart bleibt trotzdem Adjektiv.
Wortarten nach Form und Funktion bestimmen
Was ist eine Wortart?
Eine Wortart ist eine Klasse von Wörtern mit gemeinsamen Eigenschaften. Zur Bestimmung solltest Du mehrere Kriterien miteinander verbinden:
- Form: Ist das Wort veränderbar? Kann es dekliniert, konjugiert oder gesteigert werden?
- Funktion und Stellung: Wo kann das Wort im Satz stehen? Welche anderen Wörter kann es begleiten oder verlangen?
- Bedeutung: Welche typische Bedeutung trägt es? Dieses Kriterium hilft, reicht allein aber nicht aus.
Nur nach der Bedeutung zu fragen, führt leicht zu Fehlern. Das Wort Laufen bezeichnet zum Beispiel eine Tätigkeit, kann aber im Satz Das Laufen macht mir Spaß als substantiviertes Verb die Funktion eines Nomens übernehmen.
Veränderbare und unveränderbare Wortarten
Eine wichtige erste Unterscheidung ist die Frage, ob ein Wort flektierbar ist.
| Wortart | Veränderbarkeit | Typische grammatische Kategorien | Typische Funktion |
|---|---|---|---|
| Substantiv/Nomen | flektierbar | Kasus, Numerus; Genus ist meist eine feste lexikalische Eigenschaft | Kern einer Nominalgruppe, zum Beispiel Subjekt oder Objekt |
| Verb | flektierbar | Person, Numerus, Tempus, Modus; außerdem Aktiv und Passiv | bildet den Kern des Prädikats |
| Adjektiv | flektierbar | Kasus, Numerus und Genus bei attributiver Verwendung; Komparation | Attribut, Prädikativ oder adverbiale Bestimmung |
| Pronomen | meist flektierbar | Kasus, Numerus, teilweise Genus und Person | vertritt oder begleitet nominale Ausdrücke |
| Artikel | flektierbar | Kasus, Numerus, Genus | begleitet ein Nomen und markiert unter anderem Bestimmtheit |
| Adverb | normalerweise unflektierbar | keine Deklination oder Konjugation | macht Angaben etwa zu Ort, Zeit, Grund oder Art und Weise |
| Präposition | unflektierbar | keine Flexion | bildet mit einer Ergänzung eine Präpositionalgruppe und verlangt häufig einen bestimmten Kasus |
| Konjunktion | unflektierbar | keine Flexion | verbindet Wörter, Wortgruppen oder Sätze |
| Interjektion | unflektierbar | keine Flexion | drückt Reaktionen, Empfindungen oder Gesprächssignale aus |
| Partikel | unflektierbar | keine Flexion | verändert oder nuanciert Aussagen, zum Beispiel durch Modalpartikeln |
In verschiedenen Grammatikmodellen können einzelne Grenzfälle unterschiedlich eingeordnet werden. Besonders bei Pronomen, Artikelwörtern, Zahlwörtern, Adverbien und Partikeln gibt es unterschiedliche Klassifikationen. Für die Schulgrammatik ist deshalb entscheidend, dass Du Deine Bestimmung mit Form- und Funktionsmerkmalen begründen kannst.
Eine historische Grammatikseite zeigt, wie Wortarten früher bezeichnet und geordnet wurden. Die Abbildung ist deshalb interessant, weil sie deutlich macht, dass grammatische Fachbegriffe und Klassifikationen eine Geschichte haben.

Substantive und Nomen
Substantive bezeichnen häufig Lebewesen, Dinge, Stoffe, Zustände, Vorgänge oder abstrakte Begriffe. Sicherer als diese Bedeutungsprobe sind jedoch formale und syntaktische Merkmale.
Typische Merkmale:
- Substantive werden im Deutschen großgeschrieben.
- Sie können meist mit einem Artikel oder einem anderen Begleiter verbunden werden.
- Sie besitzen ein festes Genus: Maskulinum, Femininum oder Neutrum.
- Sie können im Numerus verändert werden: Singular und Plural.
- Sie stehen in einem Kasus: Nominativ, Genitiv, Dativ oder Akkusativ.
Beispiel:
der Plan – des Plans – dem Plan – den Plan
Das Genus maskulin ändert sich dabei nicht. Der Kasus verändert sich je nach Satzfunktion.
Der Plan überzeugt die Gruppe. – Der Plan steht im Nominativ und ist Subjekt.
Die Gruppe bespricht den Plan. – den Plan steht im Akkusativ und ist Objekt.
Verben
Verben bilden den Kern des Prädikats. Sie werden konjugiert. Dabei können unter anderem folgende grammatische Kategorien sichtbar werden:
- Person: ich, du, er/sie/es, wir, ihr, sie
- Numerus: Singular oder Plural
- Tempus: zum Beispiel Präsens, Präteritum oder Perfekt
- Modus: Indikativ, Konjunktiv oder Imperativ
Beispiel mit schreiben:
ich schreibe – du schreibst – wir schreiben – ich schrieb – ich habe geschrieben
Die unterschiedlichen Formen gehören zum selben Lexem schreiben. Es entstehen also Wortformen, aber kein neues Wort.
Verben können in Sätzen unterschiedliche Ergänzungen verlangen:
Mila schläft.
Mila liest den Text.
Mila gibt ihrem Partner den Text.
Die Verben bestimmen mit, welche Satzstrukturen möglich sind. Deshalb hängen Formenlehre und Satzbau eng zusammen.
Adjektive
Adjektive bezeichnen häufig Eigenschaften oder Merkmale. Sie können jedoch verschiedene syntaktische Funktionen übernehmen.
Der schnelle Zug fährt ab. – attributive Verwendung
Der Zug ist schnell. – prädikative Verwendung
Der Zug fährt schnell. – adverbiale Verwendung
Wichtig: In allen drei Beispielen ist schnell beziehungsweise schnelle ein Adjektiv. Bei der attributiven Verwendung wird es dekliniert. Bei prädikativer oder adverbialer Verwendung steht es normalerweise unflektiert.
Viele Adjektive können gesteigert werden:
schnell – schneller – am schnellsten
Die Steigerungsstufen heißen Positiv, Komparativ und Superlativ.
Pronomen und Artikel
Pronomen können auf Personen, Gegenstände oder Sachverhalte verweisen. Sie sind besonders wichtig für den Zusammenhang eines Textes, weil sie Wiederholungen vermeiden und Bezüge herstellen.
Mara liest den Artikel. Sie markiert wichtige Stellen darin.
Sie verweist auf Mara. Das Pronomen trägt damit zur Textkohäsion bei.
Artikel begleiten Nomen:
der Text – die Aufgabe – das Beispiel
Artikel können wichtige Informationen über Kasus, Numerus und Genus sichtbar machen:
mit einem neuen Gerät
Die Form einem zeigt Dativ Singular Neutrum. Das Adjektiv neuen stimmt mit der Nominalgruppe in den grammatischen Merkmalen überein. Diese Übereinstimmung nennt man Kongruenz.
Adverbien, Präpositionen, Konjunktionen und Partikeln
Adverbien sind normalerweise unveränderlich. Sie können zum Beispiel Zeit, Ort, Grund oder Art und Weise ausdrücken:
heute, dort, deshalb, gern
Präpositionen stehen meist mit einer Nominalgruppe und verlangen häufig einen bestimmten Kasus:
mit dem Fahrrad – Dativ
für den Unterricht – Akkusativ
Einige Präpositionen können je nach Bedeutung verschiedene Kasus verlangen. Bei Wechselpräpositionen wie in, auf, unter oder vor steht häufig der Akkusativ bei einer Richtungsangabe und der Dativ bei einer Ortsangabe:
Wir gehen in die Schule.
Wir sind in der Schule.
Konjunktionen verbinden sprachliche Einheiten. Nebenordnende Konjunktionen wie und, oder und aber verbinden gleichrangige Teile. Unterordnende Konjunktionen wie weil, obwohl oder dass leiten Nebensätze ein.
Wir fahren mit dem Rad, weil das Wetter gut ist.
Partikeln sind ebenfalls unflektierbar. Modalpartikeln wie doch, ja, eben oder halt verändern nicht den grundlegenden Sachverhalt, können aber Haltung, Erwartung oder Gesprächston ausdrücken.
Komm doch mit!
Das doch macht die Aufforderung anders als ein neutrales Komm mit!.
Wortart und Satzfunktion auseinanderhalten
Ein häufiger Fehler besteht darin, Wortarten mit Satzgliedern zu verwechseln.
Wortart beschreibt, zu welcher Klasse ein Wort gehört.
Satzfunktion beschreibt, welche Aufgabe ein Wort oder eine Wortgruppe in einem konkreten Satz erfüllt.
Beispiel:
Der erstaunlich schnelle Zug erreicht heute den neuen Bahnhof.
| Ausdruck | Wortart | Funktion im Satz |
|---|---|---|
| Der | Artikel | Bestandteil des Subjekts |
| erstaunlich | Adverb | bestimmt das Adjektiv näher |
| schnelle | Adjektiv | Attribut zu Zug |
| Zug | Substantiv | Kern des Subjekts |
| erreicht | Verb | Prädikat |
| heute | Adverb | Temporaladverbial |
| den | Artikel | Bestandteil des Akkusativobjekts |
| neuen | Adjektiv | Attribut zu Bahnhof |
| Bahnhof | Substantiv | Kern des Akkusativobjekts |
Die Wortartbestimmung erfolgt also auf Wortebene. Die Satzgliedbestimmung untersucht größere Einheiten und ihre Funktion.
Die folgende Grafik zeigt ein Modell deutscher Satzfelder. Solche Modelle helfen zu verstehen, dass die Stellung von Wörtern und Wortgruppen syntaktischen Regeln folgt.

Wortbildung
Wortbildung und Flexion unterscheiden
Wortbildung erzeugt neue Wörter oder neue Wortstämme. Flexion erzeugt dagegen verschiedene Formen desselben Wortes.
Beispiele:
Haus → Häuser ist Flexion, weil Häuser eine Pluralform von Haus ist.
Haus + Tür → Haustür ist Wortbildung, weil ein neues Wort entsteht.
frei → Freiheit ist ebenfalls Wortbildung. Durch das Suffix -heit entsteht aus einem Adjektiv ein Substantiv.
Diese Unterscheidung ist besonders wichtig: Nicht jede Veränderung an einer Wortform ist Wortbildung.
Komposition: Wörter zusammensetzen
Die Komposition ist eine besonders produktive Form der deutschen Wortbildung. Dabei werden Wortstämme miteinander verbunden.
Beispiele:
Haus + Tür → Haustür
Sonne + Brille → Sonnenbrille
Arbeit + Zimmer → Arbeitszimmer
les + Lampe → Leselampe
dunkel + blau → dunkelblau
Bei vielen deutschen Komposita bestimmt das rechte Glied die grundlegenden grammatischen Eigenschaften des Gesamtwortes. Bei substantivischen Komposita bestimmt das rechte Glied insbesondere das Genus.
das Haus + die Tür → die Haustür
die Sonne + die Brille → die Sonnenbrille
die Arbeit + das Zimmer → das Arbeitszimmer
Das rechte Glied wird in der Schulgrammatik häufig Grundwort genannt. Das linke Glied heißt häufig Bestimmungswort.
Haustür
Haus = Bestimmungswort
Tür = Grundwort
Die Bedeutung des Bestimmungsworts grenzt die Bedeutung des Grundworts genauer ein: Eine Haustür ist eine bestimmte Art von Tür.
Fugenelemente
Zwischen den Bestandteilen eines Kompositums können sogenannte Fugenelemente stehen. Typische Beispiele sind -s-, -n-, -e- oder -er-.
Arbeit + s + Zimmer → Arbeitszimmer
Sonne + n + Brille → Sonnenbrille
Fugenzeichen sind nicht einfach beliebig wählbare Endungen. Welche Verbindung üblich ist, hängt vom jeweiligen Wort und von gewachsenen Wortbildungsmustern ab.
Mehrgliedrige Komposita zerlegen
Lange Komposita wirken zunächst schwierig, lassen sich aber schrittweise zerlegen.
Beispiel:
Schulbibliotheksausweis
Eine sinnvolle Struktur ist:
Schulbibliothek + Ausweis
Das Grundwort ist Ausweis. Das Gesamtwort ist deshalb maskulin: der Schulbibliotheksausweis.
Die Schulbibliothek lässt sich weiter zerlegen:
Schule + Bibliothek
Beim Analysieren komplexer Komposita solltest Du deshalb von rechts nach links prüfen, welches Grundwort die grammatischen Eigenschaften des Gesamtworts bestimmt.
Derivation und Konversion
Neben der Komposition gehören weitere Verfahren zur Wortbildung.
Bei der Derivation wird ein Wortstamm mit einem Affix verbunden.
frei + -heit → Freiheit
les + -bar → lesbar
un- + klar → unklar
Bei der Konversion wechselt ein Ausdruck die Wortart, ohne dass ein sichtbares Wortbildungsaffix hinzugefügt wird.
laufen → das Laufen
essen → das Essen
Im Satz erkennst Du den Wortartwechsel an der neuen Funktion und an typischen Begleitern.
Wir laufen schnell. – laufen ist Verb.
Das Laufen trainiert die Ausdauer. – Laufen ist substantiviert und wird großgeschrieben.
Eine historische Grammatikseite stellt die Wortfamilie sprechen mit zahlreichen Ableitungen und Zusammensetzungen dar. Du kannst daran untersuchen, wie produktiv Wortbildung schon lange im Deutschen genutzt wird.

Formenlehre: Flexion und grammatische Kategorien
Was bedeutet Flexion?
Flexion bedeutet die Veränderung der Form eines Wortes, um grammatische Merkmale auszudrücken. Dabei entsteht kein neues Lexem, sondern eine andere Form desselben Wortes.
Drei wichtige Bereiche der Flexion sind:
- Deklination bei Nomen, Artikeln, Pronomen und attributiven Adjektiven
- Konjugation bei Verben
- Komparation bei steigerbaren Adjektiven
Grammatische Kategorien bei Nomen
Bei Nomen sind vor allem Kasus und Numerus für die Formenbildung wichtig. Das Genus ist dagegen gewöhnlich eine feste Eigenschaft des Nomens.
| Kategorie | Möglichkeiten | Beispiel |
|---|---|---|
| Genus | Maskulinum, Femininum, Neutrum | der Weg, die Straße, das Ziel |
| Numerus | Singular, Plural | der Weg, die Wege |
| Kasus | Nominativ, Genitiv, Dativ, Akkusativ | der Weg, des Weges, dem Weg, den Weg |
Der Kasus hängt häufig mit der Satzfunktion oder mit der Rektion eines Verbs beziehungsweise einer Präposition zusammen.
Der Schüler hilft dem Freund.
Der Schüler steht als Subjekt im Nominativ.
dem Freund steht als Dativobjekt im Dativ, weil das Verb helfen den Dativ verlangt.
Grammatische Kategorien beim Verb
Bei finiten Verben sind besonders Person und Numerus direkt an der Form erkennbar:
ich lerne
du lernst
wir lernen
Tempus und Modus können ebenfalls durch Verbformen oder mehrteilige Verbformen ausgedrückt werden:
ich lernte – Präteritum
ich habe gelernt – Perfekt
ich lerne – je nach Zusammenhang Indikativ Präsens oder Konjunktiv I
ich lernte kann im passenden Kontext auch eine Konjunktiv-II-Form sein. Deshalb reicht die Form allein manchmal nicht aus; der Satzzusammenhang muss mit betrachtet werden.
Aktiv und Passiv verändern die Perspektive auf ein Geschehen:
Die Klasse untersucht den Text. – Aktiv
Der Text wird von der Klasse untersucht. – Passiv
Im Passiv rückt das betroffene Objekt des Vorgangs stärker in den Mittelpunkt.
Grammatische Kategorien beim Adjektiv
Attributive Adjektive passen ihre Endung an die Nominalgruppe an:
ein neuer Plan
eine neue Idee
mit einem neuen Plan
mit neuen Ideen
Die Form des Adjektivs hängt unter anderem von Kasus, Numerus, Genus und der Art des Begleiters ab.
Zusätzlich können viele Adjektive gesteigert werden:
klar – klarer – am klarsten
Nicht jedes Adjektiv wird sinnvoll gesteigert. Bei absoluten Eigenschaften wie tot oder einzig ist eine Steigerung im sachlichen Standardgebrauch semantisch problematisch, auch wenn solche Formen in bestimmten stilistischen Kontexten vorkommen können.
Kongruenz: Formen passen zusammen
Kongruenz bedeutet, dass grammatische Merkmale zusammengehöriger Wörter übereinstimmen.
Die neuen Fahrräder stehen vor der Schule.
Die und neuen stimmen mit Fahrräder in Numerus und Kasus überein; beim Artikel und beim Adjektiv werden außerdem Merkmale der Nominalgruppe sichtbar.
Zwischen Subjekt und finitem Verb besteht ebenfalls Kongruenz:
Das Fahrrad steht.
Die Fahrräder stehen.
Die Wahl zwischen steht und stehen hängt vom Numerus des Subjekts ab.
Grammatische Kategorien in Sätzen und Texten verwenden
Formen tragen Bedeutung
Grammatische Formen sind nicht bloß Tabellenwissen. Sie verändern die Wirkung und Bedeutung von Sätzen.
Vergleiche:
Die Gruppe präsentiert das Ergebnis.
Die Gruppe präsentierte das Ergebnis.
Durch das Tempus verändert sich die zeitliche Einordnung.
Vergleiche außerdem:
Der Lehrer lobt den Schüler.
Der Schüler wird vom Lehrer gelobt.
Durch den Wechsel vom Aktiv zum Passiv verschiebt sich die Perspektive.
Pronomen schaffen Textzusammenhang
Pronomen helfen, Informationen über mehrere Sätze hinweg zu verknüpfen.
Nora entwirft ein Plakat. Sie überarbeitet es anschließend.
Sie verweist auf Nora, es auf Plakat. Ohne solche Verweise würde ein Text schnell unnötig wiederholend wirken.
Eine gute Textanalyse fragt deshalb nicht nur: Welche Wortart ist das?, sondern auch: Welche Funktion erfüllt diese Wortart für den Zusammenhang des Textes?
Konjunktionen machen Beziehungen deutlich
Konjunktionen strukturieren Gedanken:
weil kennzeichnet häufig einen Grund.
obwohl kennzeichnet einen Gegensatz zu einer Erwartung.
wenn kann eine Bedingung oder einen zeitlichen Zusammenhang einleiten.
und verbindet Gleichrangiges.
aber markiert einen Gegensatz.
Damit beeinflusst die Wahl der Konjunktion die logische Struktur eines Textes.
Wortbildung verdichtet Informationen
Komposita können viele Informationen in einem einzigen Wort bündeln.
Ausweis für die Schulbibliothek → Schulbibliotheksausweis
Das kann Texte präziser und kürzer machen. Sehr lange oder ungewohnte Komposita können jedoch schwer lesbar sein. Gute Sprache verlangt deshalb nicht das längste mögliche Wort, sondern eine verständliche und passende Formulierung.
Ein historischer Duden zeigt, dass Wörterbücher seit langer Zeit dabei helfen, Formen und Schreibungen des Deutschen zu dokumentieren.

Eine Strategie zum Bestimmen von Wortarten
Wenn Du ein unbekanntes Wort im Satz bestimmen sollst, hilft ein festes Vorgehen.
- Kontext prüfen: Lies den ganzen Satz. Isolierte Wörter können mehrdeutig sein.
- Formprobe durchführen: Kannst Du das Wort deklinieren, konjugieren oder steigern?
- Umgebung untersuchen: Begleitet es ein Nomen? Bildet es das Prädikat? Verlangt es einen Kasus? Verbindet es Sätze?
- Bedeutung ergänzend prüfen: Passt die typische Bedeutung zur vermuteten Wortart?
- Ergebnis begründen: Nenne mindestens ein Formmerkmal und ein Funktionsmerkmal.
Beispiel:
Wir treffen uns morgen vor der Schule.
morgen ist ein Adverb, weil es unveränderlich ist und im Satz eine Zeitangabe bildet.
vor ist eine Präposition, weil es mit der Nominalgruppe der Schule verbunden ist und hier den Dativ verlangt.
Schule ist ein Substantiv, weil es mit einem Artikel verbunden werden kann, großgeschrieben wird und Kern einer Nominalgruppe ist.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Woran erkennst Du ein Verb besonders sicher? (Es kann konjugiert werden) (!Es wird immer großgeschrieben) (!Es steht immer am Satzanfang) (!Es kann immer gesteigert werden)
Welche Aussage über Substantive ist richtig? (Sie können nach Kasus und Numerus bestimmt werden) (!Ihr Genus wechselt in jedem Kasus) (!Sie sind grundsätzlich unflektierbar) (!Sie bilden immer das Prädikat)
Welche Wortart ist schnell im Satz Der Zug fährt schnell? (Adjektiv) (!Adverb) (!Präposition) (!Konjunktion)
Was entsteht bei der Flexion? (Eine andere Form desselben Wortes) (!Immer ein neues Lexem) (!Immer ein Kompositum) (!Immer eine neue Wortart)
Welches Wort ist ein Kompositum? (Haustür) (!laufen) (!schneller) (!dem)
Welcher Bestandteil bestimmt bei Haustür das Genus des Gesamtwortes? (Tür) (!Haus) (!Hau) (!stür)
Was ist ein Fugenelement? (Ein Verbindungselement zwischen Bestandteilen eines Kompositums) (!Eine Zeitform des Verbs) (!Ein Satzzeichen zwischen Hauptsätzen) (!Eine Steigerungsform des Adjektivs)
Welche grammatische Kategorie gehört zum finiten Verb? (Person) (!Genus des Substantivs) (!Kasus der Präposition) (!Steigerungsstufe des Artikels)
Welche Wortart verlangt häufig einen bestimmten Kasus bei ihrer Ergänzung? (Präposition) (!Interjektion) (!Konjunktion) (!Adverb)
Was bedeutet Kongruenz in der Grammatik? (Zusammengehörige Formen stimmen in grammatischen Merkmalen überein) (!Zwei Wörter haben immer dieselbe Bedeutung) (!Alle Wörter eines Satzes gehören derselben Wortart an) (!Ein Kompositum besteht aus gleich langen Bestandteilen)
Memory
| Flexion | Veränderung einer Wortform ohne Bildung eines neuen Lexems |
| Komposition | Verbindung von Wortstämmen zu einem neuen Wort |
| Grundwort | rechtes Glied eines typischen deutschen Kompositums |
| Kongruenz | Übereinstimmung grammatischer Merkmale |
| Konjugation | Formenbildung beim Verb |
| Deklination | Formenbildung bei Nomen und anderen nominalen Wortarten |
| Präposition | unflektierbare Wortart mit einer Ergänzung und häufig Kasusrektion |
| Pronomen | Wortart zum Verweisen oder Vertreten nominaler Ausdrücke |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Konjugation | Verbformen verändern |
| Deklination | Kasusformen bilden |
| Komposition | Wortstämme verbinden |
| Derivation | Wortstamm mit Affix erweitern |
| Kongruenz | grammatische Merkmale aufeinander abstimmen |
Kreuzworträtsel
| Substantiv | Welche Wortart kann als Kern einer Nominalgruppe auftreten und wird im Deutschen großgeschrieben? |
| Flexion | Wie heißt die Veränderung einer Wortform zur Kennzeichnung grammatischer Merkmale? |
| Kompositum | Wie heißt ein Wort, das aus mehreren Wortstämmen zusammengesetzt ist? |
| Grundwort | Wie heißt in der Schulgrammatik das rechte Glied eines typischen deutschen Kompositums? |
| Präposition | Welche unflektierbare Wortart kann eine Nominalgruppe regieren und ihr einen Kasus zuweisen? |
| Kongruenz | Wie heißt die Übereinstimmung zusammengehöriger grammatischer Merkmale? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Wortarten-Fundstücke: Suche in einem kurzen Zeitungs- oder Schulbuchtext jeweils drei Substantive, Verben, Adjektive, Adverbien, Präpositionen und Konjunktionen und begründe Deine Bestimmung mit mindestens einem Merkmal.
- Flexionswerkstatt: Wähle fünf Nomen und bilde zu jedem passende Kasusformen in selbst geschriebenen Beispielsätzen.
- Adjektiv-Test: Verwende drei Adjektive jeweils attributiv, prädikativ und adverbial und erkläre, was sich an Form und Funktion verändert.
- Komposita-Sammlung: Sammle zehn Komposita aus Deinem Alltag und zerlege sie in Bestimmungswort und Grundwort.
Standard
- Satzanalyse: Analysiere einen selbst gewählten Absatz, indem Du bei mindestens 20 Wörtern Wortart und Funktion unterscheidest.
- Wortbildungsnetz: Erstelle zu einem Wortstamm wie fahr, schreib oder lern ein Netz aus Komposita, Ableitungen und Flexionsformen und kennzeichne die Unterschiede.
- Fugenforscher: Sammle Beispiele mit verschiedenen Fugenzeichen und untersuche, welche Formen in Deinem Sprachgebrauch üblich sind.
- Textrevision: Überarbeite einen kurzen Text so, dass Pronomen, Konjunktionen und treffende Komposita den Zusammenhang verbessern, und begründe mindestens fünf Änderungen.
Schwer
- Grammatik-Erklärvideo: Produziere ein zwei- bis vierminütiges Erklärvideo, in dem Du den Unterschied zwischen Wortart, Wortform und Satzfunktion anhand eigener Beispiele erklärst.
- Sprachvergleich: Vergleiche ausgewählte Formen des Deutschen mit einer anderen Sprache, die Du kennst, und untersuche, welche grammatischen Kategorien dort ähnlich oder anders ausgedrückt werden.
- Komposita-Studie: Sammle komplexe Komposita aus Fachtexten oder Nachrichten, zerlege ihre Struktur und beurteile, ob die Wörter verständlich oder unnötig kompliziert sind.
- Grammatik-Podcast: Führe ein kurzes Interview mit einer Lehrkraft, Mitschülerin oder einem Mitschüler darüber, welche Wortarten besonders schwer zu bestimmen sind, und entwickle daraus eine begründete Bestimmungsstrategie.


Lernkontrolle
- Analyse eines Sachtextes: Untersuche einen kurzen Sachtext und erkläre an mindestens acht Beispielen, wie Wortarten und grammatische Formen zur Präzision und zum Textzusammenhang beitragen.
- Form und Wirkung: Formuliere einen Absatz einmal überwiegend im Präsens und einmal überwiegend im Präteritum. Vergleiche anschließend die Wirkung der beiden Fassungen.
- Aktiv-Passiv-Transfer: Formuliere mehrere Aktivsätze ins Passiv um und erkläre, wie sich der Schwerpunkt der Aussage verändert.
- Wortbildungsanalyse: Zerlege mindestens fünf mehrgliedrige Komposita, bestimme jeweils das Grundwort und leite daraus Wortart und gegebenenfalls Genus des Gesamtwortes ab.
- Mehrdeutige Formen: Suche Wörter, deren Wortart nur mithilfe des Satzkontexts eindeutig bestimmt werden kann, und begründe Deine Analyse anhand selbst formulierter Beispielsätze.
- Textoptimierung: Überarbeite einen sprachlich monotonen Text durch passende Pronomen, Konjunktionen, Adjektive und Komposita. Begründe, welche grammatischen Mittel den Text verständlicher oder genauer machen.
Lernnachweis
Für einen erfolgreichen Lernnachweis solltest Du zeigen, dass Du Grammatik nicht nur benennen, sondern anwenden und begründen kannst.
- Du kannst wichtige Wortarten mithilfe von Form- und Funktionsmerkmalen bestimmen.
- Du kannst Wortart und Satzfunktion voneinander unterscheiden.
- Du kannst flektierbare und unflektierbare Wortarten erkennen.
- Du kannst bei Nomen Kasus, Numerus und Genus unterscheiden und korrekt beschreiben.
- Du kannst bei Verben zentrale Kategorien wie Person, Numerus, Tempus und Modus bestimmen.
- Du kannst attributive, prädikative und adverbiale Verwendungen von Adjektiven unterscheiden.
- Du kannst erklären, wie Kongruenz in Nominalgruppen und zwischen Subjekt und Prädikat funktioniert.
- Du kannst Komposita bilden, zerlegen und Grundwort sowie Bestimmungswort bestimmen.
- Du kannst Fugenzeichen erkennen und ihre Funktion beschreiben.
- Du kannst Flexion, Komposition, Derivation und Konversion voneinander unterscheiden.
- Du kannst grammatische Formen mit ihrer Wirkung in Sätzen und Texten verknüpfen.
- Du kannst Deine grammatische Analyse mit passenden Beispielen begründen.
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