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Bob Dylan – Tournee mit The Hawks

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Bob Dylan – Tournee mit The Hawks




Bob Dylan – Tournee mit The Hawks


Einleitung

Die Tournee mit The Hawks in den Jahren 1965 und 1966 gehört zu den folgenreichsten Konzertphasen der modernen Popmusik. Bob Dylan trat zunächst als zentrale Figur des amerikanischen Folk-Revival hervor. Viele Zuhörende verbanden mit ihm akustische Instrumente, gesellschaftskritische Texte und das Ideal eines vermeintlich unverfälschten, gemeinschaftsbezogenen Folk. Als Dylan seine Musik mit elektrischen Gitarren, Bassgitarre, Schlagzeug, Klavier und Hammond-Orgel aufführte, veränderte er nicht nur seinen eigenen Bühnensound. Er stellte zugleich Erwartungen an Authentizität, politische Kunst, technische Verstärkung und die Freiheit eines Künstlers zur Veränderung infrage.

Die Begleitband wurde damals The Hawks genannt. Ihre Mitglieder hatten zuvor mit dem Rockabilly-Sänger Ronnie Hawkins gearbeitet. Später wurden Robbie Robertson, Rick Danko, Garth Hudson, Richard Manuel und Levon Helm als The Band berühmt. Während der eigentlichen Welt-Tournee von 1966 spielte allerdings nicht Levon Helm, sondern nach weiteren Wechseln vor allem Mickey Jones Schlagzeug. Diese Unterscheidung ist wichtig: Die Bezeichnung The Hawks steht für eine Band in einer Übergangsphase, deren Besetzung und Selbstverständnis sich noch entwickelten.

Die Konzertdramaturgie war ungewöhnlich klar geteilt. Im ersten Teil stand Dylan allein mit akustischer Gitarre und Mundharmonika auf der Bühne. Im zweiten Teil trat er mit The Hawks als elektrisch verstärkte Rockband auf. Dadurch wurde jedes Konzert zu einem direkten Vergleich zweier Klangwelten. Der Wechsel war nicht nur musikalisch, sondern auch symbolisch: Er führte vor, wie sich ein Künstler von einer zugeschriebenen Rolle lösen kann.

Dieser aiMOOC untersucht die Vorgeschichte, die Musiker, den Tourverlauf, den Bühnensound, die Reaktionen des Publikums, das berühmte Konzert in Manchester und die langfristige Bedeutung dieser Tournee. Du lernst dabei, musikalische Veränderungen nicht bloß als Stilwechsel zu beschreiben, sondern als Zusammenspiel von Musikgeschichte, Technik, Medien, Publikum und kulturellen Normen zu analysieren.

Das Video enthält eine offizielle Liveaufnahme von Just Like Tom Thumb’s Blues aus der Free Trade Hall in Manchester am 17. Mai 1966. Höre besonders darauf, wie Schlagzeug, Bass, Orgel, Klavier und elektrische Gitarre gemeinsam einen dichten Bandsound erzeugen. Die Aufgabe besteht nicht darin, den Liedtext zu reproduzieren, sondern Klang, Dynamik und Zusammenspiel zu untersuchen.


Lernbereiche

  1. Musikgeschichte: Einordnung der Tournee in die Entwicklung von Folk, Rock und Popmusik der 1960er Jahre.
  2. Musikanalyse: Untersuchung von Arrangement, Klangfarbe, Dynamik, Rhythmus und Phrasierung.
  3. Medienbildung: Kritische Auswertung von Tonaufnahmen, Fotografien, Filmen, Setlists und Presseberichten.
  4. Geschichte: Analyse kultureller Konflikte, Generationserfahrungen und gesellschaftlicher Erwartungen.
  5. Politische Bildung: Auseinandersetzung mit Kunstfreiheit, Öffentlichkeit, Protestkultur und Fanansprüchen.
  6. Technik: Bedeutung von Verstärkern, Mikrofonen, Lautsprechern und Saalakustik für Live-Musik.


Lernziele

Nach diesem aiMOOC kannst Du

  1. Bob Dylans Übergang vom Folk zur elektrisch verstärkten Musik historisch einordnen.
  2. die Rolle von The Hawks und die Aufgaben der einzelnen Musiker erklären.
  3. den akustischen und den elektrischen Konzertteil anhand musikalischer Merkmale vergleichen.
  4. wichtige Stationen der Tournee von 1965 und 1966 zeitlich und räumlich zuordnen.
  5. unterschiedliche Ursachen für Zustimmung, Irritation und Ablehnung im Publikum erläutern.
  6. den sogenannten Judas-Zwischenruf von Manchester quellenkritisch beurteilen.
  7. zwischen zeitgenössischer Reaktion und späterer musikgeschichtlicher Bewertung unterscheiden.
  8. Tonaufnahmen, Fotografien, Filme, Setlists und Erinnerungsberichte als historische Quellen analysieren.
  9. die Bedeutung von Arrangement, Verstärkung, Lautstärke und Bühnentechnik für musikalische Wirkung beschreiben.
  10. den Konflikt zwischen Tradition und Innovation auf andere kulturelle oder technische Veränderungen übertragen.


Historischer Kontext


Bob Dylan und das Folk-Revival

In den frühen 1960er Jahren wurde Bob Dylan durch Lieder bekannt, die an Traditionen des amerikanischen Folk, Blues und Protestsongs anknüpften. Er trat häufig allein mit akustischer Gitarre und Mundharmonika auf. Seine Texte behandelten unter anderem Krieg, soziale Ungleichheit, Rassismus, persönliche Beziehungen und moralische Verantwortung. Medien und Teile des Publikums machten ihn zu einer Symbolfigur seiner Generation.

Diese Zuschreibung brachte Anerkennung, aber auch eine Einschränkung mit sich. Viele Fans erwarteten von Dylan, dass er die Rolle des politischen Folksängers dauerhaft erfülle. Künstlerische Veränderung konnte deshalb als Abkehr von gemeinsamen Werten erscheinen. Der spätere Konflikt drehte sich nicht allein um elektrische Instrumente. Er betraf auch die Frage, wem eine künstlerische Identität gehört: dem Künstler, dem Publikum, einer politischen Bewegung oder der Musikindustrie.


Der Weg zur elektrischen Musik

Bereits das Album Bringing It All Back Home von 1965 verband elektrische Bandaufnahmen mit akustischen Stücken. Kurz darauf entstand Highway 61 Revisited, dessen Klang deutlicher von Rock, Blues, elektrischer Gitarre und Orgel geprägt war. Die Single Like a Rolling Stone zeigte, dass Dylan den neuen Bandsound nicht als vorübergehendes Experiment verstand.

Am 25. Juli 1965 trat Dylan beim Newport Folk Festival mit einer elektrischen Begleitgruppe auf. Diese Musiker waren noch nicht The Hawks. Zum Ensemble gehörten unter anderem Mike Bloomfield und Al Kooper. Teile des Publikums reagierten hörbar ablehnend, andere begeistert oder überrascht. Bis heute wird diskutiert, ob sich die Unzufriedenheit vor allem gegen den Stilwechsel, die Lautstärke, die Tonqualität, die kurze Spieldauer oder gegen mehrere dieser Faktoren zugleich richtete.

Newport war somit die Vorgeschichte der Tournee mit The Hawks. Dort wurde der Konflikt sichtbar, den Dylan in den folgenden Monaten nicht vermied, sondern auf der Bühne weiter austrug.


Folk, Rock und Authentizität

Der Begriff Authentizität bezeichnet im musikalischen Zusammenhang die Vorstellung, eine Darbietung wirke glaubwürdig, wahrhaftig oder einer Tradition angemessen. Dabei ist Authentizität keine rein objektive Eigenschaft. Sie entsteht durch Erwartungen, Regeln und Deutungen.

Im Folk-Revival galten akustische Instrumente vielen Menschen als Zeichen von Nähe, Einfachheit und Gemeinschaft. Elektrische Verstärkung wurde dagegen teilweise mit kommerzieller Popmusik, Distanz oder Unterhaltungskultur verbunden. Diese Gegenüberstellung war jedoch vereinfacht. Auch Folk-Auftritte nutzten Bühnen, Mikrofone, Tonanlagen und professionelle Vermarktung. Dylans Tournee machte sichtbar, dass technische Mittel nicht automatisch über den künstlerischen oder politischen Wert einer Musik entscheiden.


The Hawks


Herkunft der Band

The Hawks waren aus der Begleitgruppe des kanadisch-amerikanischen Sängers Ronnie Hawkins hervorgegangen. Sie hatten in Clubs eine intensive Mischung aus Rock and Roll, Rhythm and Blues, Blues, Country-Musik und Soul entwickelt. Diese Bühnenerfahrung unterschied sie von einer kurzfristig zusammengestellten Studioband. Sie konnten spontan reagieren, Tempi verändern, Übergänge verlängern und Dylans oft flexible Phrasierung begleiten.

Dylan suchte nach Musikern, die den im Studio entwickelten elektrischen Klang auch live mit großer Energie umsetzen konnten. Zunächst wurden Gitarrist Robbie Robertson und Schlagzeuger Levon Helm engagiert. Nach frühen Konzerten kamen Rick Danko, Richard Manuel und Garth Hudson hinzu. Damit bildeten ehemalige Hawks den Kern der neuen Begleitband.


Mitglieder und musikalische Funktionen

Musiker Hauptinstrumente während der Tourphase Bedeutung für den Bandsound
Bob Dylan Gesang, akustische und elektrische Gitarre, Mundharmonika, teilweise Klavier Dylan bestimmte Liedauswahl, Phrasierung, Dynamik und den Wechsel zwischen Solo- und Bandteil.
Robbie Robertson Elektrische Gitarre Robertson spielte prägnante Fills, kurze Gegenmelodien, Akkordakzente und scharf konturierte Leadgitarrenlinien.
Rick Danko Bassgitarre, Begleitgesang Danko verband Schlagzeug und Harmonieinstrumente und gab den Arrangements zugleich Beweglichkeit und Gewicht.
Garth Hudson Orgel Hudson erzeugte Flächen, Klangfarben und improvisierte Antworten auf Dylans Gesang.
Richard Manuel Klavier Manuel verstärkte den rhythmischen Puls und ergänzte blues- und gospelartige Figuren.
Levon Helm Schlagzeug in der frühen Tourphase 1965 Helm brachte große Bühnenerfahrung aus der Hawks-Zeit ein, verließ die Tourphase jedoch im November 1965.
Sandy Konikoff Schlagzeug in einem Teil der Tour 1966 Konikoff gehörte zu den Übergangsbesetzungen vor dem Australien- und Europateil.
Mickey Jones Schlagzeug im späteren Verlauf 1966 Jones prägte mit einem kraftvollen, direkten Spiel besonders die Australien- und Europa-Konzerte.

Die Tabelle zeigt, dass die häufige Formulierung Dylan und The Band für diese Zeit nur rückblickend sinnvoll ist. Während der Tournee trat die Gruppe als The Hawks oder schlicht als Dylans Begleitband auf. Die eigenständige Bandkarriere unter dem Namen The Band begann später.


Der Wechsel am Schlagzeug

Levon Helm erlebte 1965 wiederholt feindselige Publikumsreaktionen auf den elektrischen Konzertteil. Er verließ die Tour im November. Danach wurden mehrere Schlagzeuger eingesetzt, darunter Bobby Gregg und Sandy Konikoff. Für den späteren Teil der Welt-Tournee 1966 wurde Mickey Jones zur entscheidenden Besetzung.

Dieser Wechsel ist musikgeschichtlich bedeutsam. Berühmte Ensembles werden im Rückblick oft als unveränderliche Einheit dargestellt. Tatsächlich entstand der Tourklang aus personellen Übergängen, Proben, Konflikten und Anpassungen. Eine historische Analyse muss deshalb immer fragen, welche konkrete Besetzung bei welcher Aufnahme zu hören ist.


Verlauf der Tournee


Nordamerika 1965

Nach dem Newport-Auftritt begann Dylan, einen dauerhaften elektrischen Bühnensound aufzubauen. Zu den frühen wichtigen Stationen gehörten das Forest Hills Tennis Stadium in New York am 28. August 1965 und die Hollywood Bowl in Los Angeles am 3. September 1965. Die Besetzung befand sich zunächst noch im Wandel. Nach den ersten Auftritten wurden Al Kooper und Harvey Brooks durch weitere Mitglieder der Hawks ersetzt.

Die Konzerte verbanden bereits einen akustischen Soloteil mit einem elektrischen Bandteil. Diese Dramaturgie blieb für die Tournee prägend. Sie war wirkungsvoll, weil das Publikum den Unterschied innerhalb eines einzigen Abends unmittelbar erleben konnte. Zugleich steigerte die klare Trennung die Spannung: Wer den ersten Teil als Fortsetzung des bekannten Dylan-Stils verstand, konnte den zweiten Teil als bewussten Bruch wahrnehmen.


Proben, Konzerte und Studioarbeit

Im Herbst 1965 probten Dylan und die Musiker zeitweise in Woodstock. Gleichzeitig fanden Konzerte und Aufnahmesitzungen statt. Live- und Studioarbeit waren eng miteinander verbunden, aber nicht identisch. Mitglieder der Hawks wirkten an einzelnen Studioaufnahmen mit. Das Album Blonde on Blonde wurde jedoch zu großen Teilen mit weiteren Studiomusikern in Nashville vollendet.

Diese Unterscheidung verhindert einen häufigen Irrtum: Der berühmte Liveklang der Tournee ist nicht einfach der Studioklang des Albums auf der Bühne. Live wurden Lieder neu geformt. Tempi, Lautstärke, Instrumentalstimmen und Übergänge konnten sich von Abend zu Abend verändern.


Die Welt-Tournee 1966

Die eigentliche Welt-Tournee 1966 dauerte vom 4. Februar bis zum 27. Mai 1966 und umfasste 45 Konzerte. Sie führte durch Nordamerika, Australien und Europa.

  1. Nordamerika: Der erste Abschnitt setzte die in den USA und Kanada entwickelte Konzertform fort.
  2. Hawaii und Australien: Nach einem Auftritt in Honolulu folgten innerhalb von zehn Tagen sieben Konzerte in mehreren australischen Städten.
  3. Skandinavien: Dylan und die Band spielten unter anderem in Stockholm und Kopenhagen.
  4. Irland und Vereinigtes Königreich: Im Mai folgte eine dichte Folge von Konzerten, darunter Belfast, Dublin, Bristol, Liverpool, Sheffield, Manchester, Glasgow, Edinburgh und Newcastle.
  5. Paris: Am 24. Mai 1966 trat Dylan im Olympia auf.
  6. London: Zwei Konzerte am 26. und 27. Mai in der Royal Albert Hall beendeten die Tour.

Das Foto zeigt Dylan am 28. April 1966 am Flughafen Stockholm-Arlanda. Es eignet sich als Quelle für die mediale Dimension der Tournee: Internationale Reisen, Pressekonferenzen, Sicherheitsmaßnahmen, Fotografen und lokale Veranstalter gehörten ebenso zum Touralltag wie Proben und Konzerte.


Tourroute als kulturelles Netzwerk

Eine Tournee ist mehr als eine Reihe von Auftritten. Sie verbindet Städte, Veranstaltungsorte, Medienmärkte, technische Teams und unterschiedliche Publika. Der gleiche Konzertaufbau traf in New York, Sydney, Stockholm, Paris oder London auf jeweils andere Erwartungen.

Für die Analyse ist deshalb wichtig, zwischen globalem Konzept und lokaler Reaktion zu unterscheiden. Das globale Konzept bestand aus dem zweigeteilten Abend und dem elektrischen Bandsound. Die lokalen Reaktionen hingen von Pressekritik, Saalakustik, Folk-Traditionen, Vorwissen und konkreter Tonqualität ab.


Die Dramaturgie eines Konzertabends


Der akustische erste Teil

Im ersten Teil trat Dylan allein auf. Er sang und begleitete sich auf akustischer Gitarre und Mundharmonika. Diese reduzierte Besetzung lenkte die Aufmerksamkeit auf Stimme, Text, Rhythmus und die flexible Gestaltung der Zeilen.

Die akustische Hälfte war jedoch keine bloße Wiederholung seiner frühen Karriere. Dylan spielte auch neuere Stücke, die im Studio mit Band aufgenommen worden waren, in akustischen Fassungen. Dadurch zeigte er, dass ein Lied nicht an ein einziges Arrangement gebunden ist.

Typische Merkmale waren:

  1. Solistische Präsenz: Eine Person trug den gesamten Klangverlauf.
  2. Rubato: Tempo und Phrasierung konnten flexibel gestaltet werden.
  3. Mundharmonika: Kurze instrumentale Abschnitte gliederten die Darbietung.
  4. Dynamik: Lautstärkeunterschiede entstanden vor allem durch Anschlag, Stimme und Abstand zum Mikrofon.
  5. Textverständlichkeit: Die reduzierte Begleitung machte sprachliche Strukturen besonders deutlich.


Der elektrische zweite Teil

Nach der Pause kehrte Dylan mit The Hawks zurück. Elektrische Gitarre, Bass, Schlagzeug, Orgel und Klavier erzeugten einen deutlich dichteren Klang. Der Bandteil war laut, rhythmisch drängend und stark von kollektivem Zusammenspiel geprägt.

Die Musiker begleiteten Dylan nicht wie ein starres Begleitorchester. Sie reagierten auf Verzögerungen, Betonungen und spontane Veränderungen. Besonders wichtig war das Wechselspiel zwischen Robertsons Gitarrenfiguren, Hudsons Orgelklängen, Manuels Klavier, Dankos Bass und dem kraftvollen Schlagzeug.

Die abgebildete Fender Telecaster veranschaulicht den Typ einer elektrischen Gitarre, der mit dem Bühnensound dieser Zeit verbunden ist. Das Foto dokumentiert nicht Dylans oder Robertsons konkretes Tourinstrument, sondern dient zur Untersuchung von Bauform, Tonabnehmern und elektrischer Verstärkung.


Vergleich der beiden Konzertteile

Merkmal Akustischer Teil Elektrischer Teil
Besetzung Dylan allein Dylan mit vollständiger Band
Instrumente Akustische Gitarre, Mundharmonika, Gesang Elektrische Gitarren, Bass, Schlagzeug, Orgel, Klavier, Gesang
Klangdichte Transparent und reduziert Dicht, verstärkt und mehrschichtig
Rhythmus Flexibel durch Dylans Solospiel Stärkerer Puls durch Bass und Schlagzeug
Publikumswahrnehmung Vertraut für Anhänger des Folk-Dylan Für manche aufregend, für andere provozierend
Künstlerische Aussage Kontinuität mit akustischen Traditionen Veränderung, Neuordnung und Erweiterung

Die Gegensätze dürfen nicht zu einfach verstanden werden. Der akustische Teil konnte modern und experimentell wirken, während der elektrische Teil ältere Blues- und Rock-and-Roll-Traditionen aufgriff. Neu war vor allem die Kombination dieser Elemente mit Dylans Texten und Bühnenpräsenz.


Musikalische Analyse


Arrangement statt bloßer Lautstärke

Die Kontroverse wird oft auf die Formel akustisch gegen elektrisch verkürzt. Musikalisch entscheidend war jedoch das Arrangement. Ein Arrangement bestimmt, welche Instrumente wann spielen, welche rhythmischen Muster verwendet werden, wie Stimmen verteilt sind und wie Spannung entsteht.

The Hawks verdoppelten nicht einfach Dylans Gitarrenakkorde. Sie bildeten ein Netzwerk aus Antworten und Gegenstimmen. Robertson setzte schneidende Gitarrenakzente. Hudson füllte Zwischenräume mit Orgelklängen. Manuel verstärkte die harmonische und rhythmische Bewegung am Klavier. Danko verband Harmonie und Rhythmus. Jones setzte deutliche Akzente und trieb die Musik voran.


Klangfarbe und Verstärkung

Elektrische Instrumente verändern nicht nur die Lautstärke. Sie erweitern die Klangfarbe. Gitarrenverstärker können Töne komprimieren, verzerren und länger klingen lassen. Eine Orgel kann breite Flächen oder kurze rhythmische Impulse erzeugen. Mikrofone und Lautsprecher formen das Verhältnis zwischen Stimme und Band.

Die Tournee zeigt deshalb, dass Technik Teil der musikalischen Gestaltung ist. Ein Verstärker ist kein neutraler Lautmacher. Er beeinflusst Ausdruck, Raumwirkung und Zusammenspiel. Gleichzeitig konnte mangelhafte Saaltechnik zu einem schwer verständlichen Klang führen. Einige zeitgenössische Beschwerden bezogen sich vermutlich auch auf diese konkrete Hörerfahrung.


Rhythmus und Phrasierung

Dylans Gesang folgt häufig nicht streng dem Grundschlag. Er kann Silben vorziehen, verzögern oder unterschiedlich betonen. Eine gute Begleitband muss solche Verschiebungen auffangen, ohne den Puls zu verlieren.

The Hawks reagierten darauf mit einem stabilen, aber beweglichen Rhythmus. Der Bass markierte harmonische Richtungen, das Schlagzeug setzte starke Einsätze, und Gitarre sowie Tasteninstrumente kommentierten die Gesangslinien. So entstand Spannung zwischen Dylans freier Phrasierung und dem energischen Bandpuls.


Beispiel Manchester: Setlist als Quelle

Die offizielle Setlist des Konzerts am 17. Mai 1966 in Manchester zeigt die Zweiteilung besonders deutlich.

Akustischer Teil:

  1. She Belongs to Me
  2. Fourth Time Around
  3. Visions of Johanna
  4. It’s All Over Now, Baby Blue
  5. Desolation Row
  6. Just Like a Woman
  7. Mr. Tambourine Man

Elektrischer Teil:

  1. Tell Me, Momma
  2. I Don’t Believe You
  3. Baby, Let Me Follow You Down
  4. Just Like Tom Thumb’s Blues
  5. Leopard-Skin Pill-Box Hat
  6. One Too Many Mornings
  7. Ballad of a Thin Man
  8. Like a Rolling Stone

Die Setlist ist eine historische Quelle, beantwortet aber nicht alle Fragen. Sie nennt Reihenfolge und Titel, nicht jedoch Lautstärke, Tempo, Publikumsreaktionen oder Spielweise. Für eine umfassende Analyse muss sie mit Tonaufnahmen, Filmen, Kritiken und Erinnerungen kombiniert werden.

Bemerkenswert ist Tell Me, Momma. Das Stück eröffnete häufig den elektrischen Teil, erschien aber nicht auf einem regulären Studioalbum. Die Touraufnahmen sind daher besonders wichtig für seine Überlieferung.


Publikum und Kontroverse


Warum reagierten manche Zuhörende ablehnend?

Die Ablehnung hatte wahrscheinlich mehrere Ursachen:

  1. Genre: Einige Fans sahen Dylan vor allem als Folksänger und lehnten den Rocksound ab.
  2. Politische Musik: Manche vermissten die direkte Verbindung zu Protestsong und Bewegungskultur.
  3. Lautstärke: Der elektrische Teil konnte in historischen Sälen sehr laut und klanglich undurchsichtig wirken.
  4. Erwartung: Das Publikum hatte Eintrittskarten für einen Künstler gekauft, dessen öffentliche Rolle sich gerade veränderte.
  5. Gruppenidentität: Wer sich über Folk definierte, konnte die neue Musik als Angriff auf die eigene Gemeinschaft erleben.
  6. Medieneinfluss: Kritiken und Berichte verstärkten die Vorstellung eines Konflikts.
  7. Inszenierung: Dylans distanzierte Bühnenhaltung konnte als Provokation gelesen werden.

Es wäre falsch, das gesamte Publikum als feindselig zu beschreiben. Neben Buhrufen gab es Applaus, Begeisterung und Neugier. Die erhaltenen Aufnahmen machen vor allem laute Reaktionen hörbar, aber sie bilden nicht automatisch jede Haltung im Saal ab.


Manchester und der Judas-Zwischenruf

Am 17. Mai 1966 spielte Dylan in der Free Trade Hall in Manchester. Gegen Ende des elektrischen Sets rief ein Zuschauer deutlich Judas!. Der Begriff stellte Dylan symbolisch als Verräter dar. Gemeint war ein vermeintlicher Verrat an Folk, politischer Glaubwürdigkeit oder früheren Anhängern.

Dylan widersprach dem Rufer und forderte die Band anschließend auf, besonders laut zu spielen. Danach begann Like a Rolling Stone. Die Situation wurde aufgezeichnet und entwickelte sich zu einem der bekanntesten Momente der Rockgeschichte.

Das heutige Foto der Fassade ermöglicht keine unmittelbare Rekonstruktion des Konzertklangs. Es hilft jedoch, den historischen Ort zu vergegenwärtigen. Für eine Quellenanalyse solltest Du zwischen dem erhaltenen Gebäude, dem damaligen Konzertsaal, der Tonaufnahme und späteren Erzählungen unterscheiden.


Wer rief Judas?

Mehrere Personen wurden später mit dem Zwischenruf in Verbindung gebracht. Die Identität des Rufers ist nicht zweifelsfrei gesichert. Historisch wichtiger als eine endgültige Namenszuordnung ist die Wirkung des Moments.

Der Zwischenruf verdichtete einen komplexen Streit zu einem einzigen Wort. Dadurch wurde er leicht erinnerbar und medial zitierbar. Die Aufnahme lässt eine dramatische Abfolge hören: Zuruf, Antwort, Bandanweisung und den Beginn des letzten Liedes. Diese Struktur eignete sich besonders gut für spätere Dokumentationen und Erzählungen.


Verrat oder künstlerische Selbstbestimmung?

Der Begriff Verrat setzt eine Verpflichtung voraus. Wer Dylan Verrat vorwarf, ging davon aus, dass er einer Gemeinschaft, einem Stil oder einer politischen Aufgabe treu bleiben müsse. Dylan beanspruchte dagegen das Recht, seine Musik selbst zu verändern.

Beide Positionen können historisch erklärt werden, ohne sie gleichzusetzen. Das Publikum durfte enttäuscht sein und Kritik äußern. Der Künstler musste seine Entwicklung dennoch nicht von früheren Erwartungen abhängig machen. Die Tournee ist deshalb ein geeignetes Beispiel, um über Kunstfreiheit, Fanansprüche und kulturelle Zugehörigkeit zu diskutieren.


Medien und historische Quellen


Tonaufnahmen

Viele Konzerte der Tour wurden professionell oder inoffiziell aufgezeichnet. Tonaufnahmen ermöglichen die Analyse von Tempo, Dynamik, Instrumenten und Publikumsreaktionen. Sie sind jedoch keine neutrale Kopie des Saalerlebnisses. Mikrofonposition, Mischung, Bandgeschwindigkeit, Lautsprecher und spätere Bearbeitung verändern den Eindruck.

Die elektrische Hälfte des Manchester-Konzerts kursierte lange als Bootleg. 1998 wurde das Konzert offiziell als The Bootleg Series Vol. 4: Bob Dylan Live 1966, The “Royal Albert Hall” Concert veröffentlicht. Der Titel übernahm eine historische Fehlzuordnung: Die Aufnahme stammte tatsächlich aus Manchester, nicht aus der Royal Albert Hall.

2016 erschienen umfangreiche weitere Veröffentlichungen, darunter das wirkliche Royal-Albert-Hall-Konzert und eine große Sammlung der erhaltenen Liveaufnahmen von 1966. Dadurch können heute verschiedene Abende miteinander verglichen werden.


Filmaufnahmen

Der Dokumentarfilmer D. A. Pennebaker begleitete die Tour. Aus dem Material entstand unter Mitwirkung Dylans und Howard Alks der experimentelle Film Eat the Document. Auch Mickey Jones filmte mit einer 8-mm-Kamera.

Filmmaterial liefert Informationen über Gestik, Kleidung, Reisealltag, Bühnensituation und Publikum. Gleichzeitig wird es durch Auswahl und Schnitt gestaltet. Eine Szene kann verkürzt, neu angeordnet oder mit einer anderen Tonspur verbunden werden. Du solltest daher immer fragen, ob ein Film ein Ereignis dokumentiert oder eine bestimmte Deutung erzeugt.


Fotografien

Der Fotograf Barry Feinstein begleitete den britischen Teil der Tour. Weitere Fotografen dokumentierten einzelne Stationen. Fotografien können Instrumente, Körperhaltung, Bühnenabstände, Mikrofone und Veranstaltungsorte zeigen. Sie frieren jedoch nur einen Moment ein und geben weder Klang noch zeitlichen Verlauf wieder.

Das eingangs verwendete Foto aus dem Olympia in Paris stammt von Roger Pic. Seine Aufnahme ist besonders wertvoll, weil sie direkt aus dem Tourjahr 1966 stammt und die visuelle Inszenierung des Auftritts dokumentiert.


Presseberichte und Erinnerungen

Zeitgenössische Kritiken zeigen, wie die Tour damals bewertet wurde. Spätere Interviews und Memoiren enthalten zusätzliche Informationen, werden aber durch Erinnerung, Selbstdarstellung und den späteren Ruhm des Ereignisses beeinflusst.

Eine gute historische Untersuchung kombiniert deshalb mehrere Quellentypen:

  1. Primärquelle: Aufnahme, Foto, Setlist oder Bericht aus der Tourzeit.
  2. Sekundärquelle: Spätere wissenschaftliche, journalistische oder biografische Auswertung.
  3. Zeitzeugenbericht: Erinnerung einer beteiligten Person.
  4. Metadaten: Datum, Ort, Besetzung, Urheber und Veröffentlichungsgeschichte.
  5. Quellenkritik: Prüfung von Perspektive, Zweck, Lücke und möglicher Verzerrung.


Paris und London: Das Ende der Tour


Olympia in Paris

Am 24. Mai 1966 trat Dylan im Olympia in Paris auf. Fotografien von Roger Pic dokumentieren diesen Tourabschnitt. Paris lag zwischen den britischen Konzerten und den beiden abschließenden Londoner Abenden.

Der Ort zeigt, wie Dylan in traditionsreichen europäischen Konzertsälen eine Musik präsentierte, die mit Clubkultur, Rock and Roll und elektrischer Verstärkung verbunden war. Diese Verbindung von historischem Saal und modernem Bandsound war Teil der Wirkung.


Royal Albert Hall

Am 26. und 27. Mai 1966 spielte Dylan in der Royal Albert Hall in London. Das Konzert am 27. Mai beendete die Tournee.

Die Royal Albert Hall besitzt eine große, kuppelförmige Innenarchitektur. Solche Räume stellen besondere Anforderungen an Lautstärke, Nachhall und Verständlichkeit. Beim Vergleich historischer Aufnahmen solltest Du deshalb bedenken, dass dieselbe Band in unterschiedlichen Sälen verschieden wirken konnte.

Die Aufnahme von Baby, Let Me Follow You Down aus der Royal Albert Hall eignet sich für einen Vergleich mit Manchester. Achte auf Schlagzeugakzente, Gitarrenfiguren, Orgelklang und das Verhältnis zwischen Stimme und Band.


Folgen der Tournee


Rückzug von großen Tourneen

Nach dem letzten Londoner Konzert ging Dylan zunächst nicht wieder auf eine vergleichbare große Tournee. Am 29. Juli 1966 erlitt er einen Motorradunfall. Danach zog er sich aus dem öffentlichen Tourbetrieb zurück und arbeitete in der Umgebung von Woodstock weiter.

Erst 1974 unternahm Dylan wieder eine große Tournee, nun gemeinsam mit der Band, die inzwischen offiziell The Band hieß. Dadurch erhielt die Zusammenarbeit von 1965 und 1966 rückblickend den Charakter eines ersten, konfliktreichen Kapitels.


Basement Tapes und The Band

1967 entstanden in Woodstock zahlreiche informelle Aufnahmen Dylans mit Mitgliedern der früheren Hawks. Diese Musik wurde später unter dem Namen The Basement Tapes bekannt. Sie klang anders als die lauten Konzerte von 1966: oft lockerer, gemeinschaftlicher und stärker mit traditionellen amerikanischen Musikformen verbunden.

Für The Band war die Zusammenarbeit mit Dylan ein wichtiger Entwicklungsschritt. 1968 erschien ihr Album Music from Big Pink. Die Musiker wurden nun als eigenständige Gruppe wahrgenommen und prägten ihrerseits Rock, Folk, Country und Americana.


Langfristige Bedeutung

Die Tournee gilt heute als Wendepunkt, weil sie mehrere Entwicklungen zusammenführte:

  1. Folk-Rock: Folktexte und Rockinstrumentierung wurden nicht nur kombiniert, sondern neu organisiert.
  2. Künstlerische Autonomie: Dylan bestand öffentlich auf dem Recht zur Veränderung.
  3. Konzertdramaturgie: Der geteilte Abend machte Stilwandel zum sichtbaren Thema.
  4. Bandinteraktion: The Hawks schufen einen flexiblen, improvisatorischen Liveklang.
  5. Mediengeschichte: Tonband, Film, Fotografie, Bootlegs und spätere Veröffentlichungen formten die Erinnerung.
  6. Fankultur: Die Tour zeigte, dass Fans künstlerische Entwicklung zugleich ermöglichen und begrenzen können.
  7. Technikgeschichte: Verstärkung und Saalakustik wurden zu Bestandteilen einer kulturellen Kontroverse.


Vertiefung: Tradition und Innovation


Innovation entsteht aus Tradition

Dylans elektrische Musik war kein völliger Bruch mit der Vergangenheit. Sie griff auf Blues, Rhythm and Blues, Gospel, Country und Rock and Roll zurück. Auch The Hawks brachten Erfahrungen aus älteren nordamerikanischen Musiktraditionen ein.

Innovation bedeutet daher nicht zwangsläufig, alles Frühere abzulehnen. Häufig entsteht sie durch neue Kombinationen, neue Aufführungssituationen und neue Bedeutungen. Dylans Tournee verband ältere musikalische Bausteine mit einer neuen öffentlichen Rolle und einer neuen Form des Konzertkonflikts.


Publikum als Mitproduzent von Bedeutung

Das Publikum komponierte die Musik nicht, beeinflusste aber ihre historische Bedeutung. Buhrufe, Applaus und Zwischenrufe wurden Teil der Aufnahmen. Ohne die Konflikte wäre die Tour möglicherweise anders erinnert worden.

Publikumsreaktionen sind dennoch nicht mit musikalischer Qualität gleichzusetzen. Eine ablehnende Reaktion kann auf schlechte Technik, verletzte Erwartungen, kulturelle Normen oder tatsächliche Schwächen einer Darbietung hinweisen. Historische Analyse muss diese Möglichkeiten unterscheiden.


Übertragung auf die Gegenwart

Auch heute verändern Künstler ihren Stil, verwenden neue Technologien oder wenden sich an ein anderes Publikum. Reaktionen auf Auto-Tune, elektronische Produktion, künstliche Intelligenz, Sampling oder Genrewechsel ähneln teilweise den Debatten von 1965 und 1966.

Die Tournee mit The Hawks hilft Dir, aktuelle Kontroversen differenziert zu untersuchen:

  1. Welche Erwartungen werden an einen Künstler gestellt?
  2. Welche Technik wird als legitim oder illegitim bewertet?
  3. Wer entscheidet, was zu einem Genre gehört?
  4. Wann ist Veränderung Weiterentwicklung, wann bloße Anpassung an den Markt?
  5. Wie verstärken Medien einzelne Konfliktmomente?
  6. Welche Rolle spielen Fans bei der Konstruktion von Authentizität?


Glossar

Begriff Erklärung
Arrangement Gestaltung eines Stücks für bestimmte Instrumente, Stimmen und Abläufe.
Authentizität Zuschreibung von Glaubwürdigkeit, Echtheit oder Traditionsnähe.
Bootleg Nicht autorisierte Veröffentlichung einer Aufnahme.
Folk-Revival Wiederbelebung und Neudeutung traditioneller Folk-Musik, besonders in den 1950er und 1960er Jahren.
Folk-Rock Verbindung von Folk-Elementen mit Rockinstrumentierung und Rockrhythmik.
Klangfarbe Charakteristische Qualität eines Klangs, durch die Instrumente und Stimmen unterscheidbar werden.
Phrasierung Gestaltung musikalischer oder gesungener Abschnitte durch Betonung, Timing und Atem.
Setlist Reihenfolge der bei einem Konzert gespielten Stücke.
Verstärker Technisches Gerät zur Verstärkung und klanglichen Formung elektrischer Signale.
Quellenkritik Systematische Prüfung von Herkunft, Perspektive, Zweck und Zuverlässigkeit einer Quelle.


Zusammenfassung

Bob Dylans Tournee mit The Hawks verband 1965 und 1966 einen akustischen Soloteil mit einem elektrischen Bandteil. Die Hawks brachten Cluberfahrung, rhythmische Kraft und große Flexibilität mit. Ihre später berühmten Mitglieder Robbie Robertson, Rick Danko, Garth Hudson, Richard Manuel und Levon Helm gehörten zur Entstehungsgeschichte der Band, wobei Helm die Tourphase vor der Weltreise 1966 verließ und Mickey Jones den späteren Tourklang am Schlagzeug prägte.

Die Ablehnung des elektrischen Teils war kein einfacher Streit über Instrumente. Sie betraf Authentizität, Politik, Technik, Lautstärke, Fanerwartungen und künstlerische Selbstbestimmung. Der Judas-Zwischenruf von Manchester verdichtete diese Konflikte zu einem einprägsamen historischen Moment.

Tonaufnahmen, Filme, Fotografien und Setlists machen die Tour heute analysierbar. Zugleich zeigen falsche Zuschreibungen und spätere Erzählungen, wie Erinnerung konstruiert wird. Die Tournee wurde zu einem Modellfall dafür, wie musikalische Innovation gesellschaftliche Erwartungen sichtbar macht und verändert.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Welches Ereignis bildete die unmittelbare Vorgeschichte der Tournee mit The Hawks? (Dylans elektrischer Auftritt beim Newport Folk Festival 1965) (!Die Veröffentlichung von Music from Big Pink) (!Dylans Tournee mit The Band im Jahr 1974) (!Die Aufnahme der Basement Tapes im Jahr 1967)




Unter welchem Namen wurden die Kernmitglieder der Hawks später berühmt? (The Band) (!The Byrds) (!The Doors) (!The Kinks)




Wie war ein typischer Konzertabend der Welt-Tournee 1966 aufgebaut? (Zuerst ein akustischer Soloteil und danach ein elektrischer Bandteil) (!Zuerst ein Orchesterteil und danach eine Oper) (!Ausschließlich ein akustischer Soloteil) (!Ausschließlich ein elektrisches Instrumentalprogramm)




Welcher Musiker spielte die prägende elektrische Gitarre bei The Hawks? (Robbie Robertson) (!Garth Hudson) (!Rick Danko) (!Mickey Jones)




Welcher Musiker prägte den Bandsound besonders an der Orgel? (Garth Hudson) (!Richard Manuel) (!Levon Helm) (!Barry Feinstein)




In welcher Stadt fiel am 17. Mai 1966 der berühmte Judas-Zwischenruf? (Manchester) (!Paris) (!Stockholm) (!Sydney)




Warum ist der Titel des 1998 veröffentlichten Royal Albert Hall Concert irreführend? (Die Aufnahme entstand tatsächlich in Manchester) (!Die Aufnahme entstand tatsächlich in Nashville) (!Das Konzert fand ohne Bob Dylan statt) (!Die Aufnahme stammt aus dem Jahr 1974)




Wer spielte im späteren Verlauf der Welt-Tournee 1966 Schlagzeug? (Mickey Jones) (!Al Kooper) (!Mike Bloomfield) (!Ronnie Hawkins)




Durch welche Weltregionen führte die Tournee 1966? (Nordamerika Australien und Europa) (!Nur durch Großbritannien) (!Nur durch Nordamerika und Südamerika) (!Afrika Asien und Südamerika)




Welche Aussage beschreibt die historische Bedeutung der Tournee am besten? (Sie machte den Konflikt zwischen künstlerischer Veränderung und Publikumserwartung sichtbar) (!Sie beendete den Einsatz elektrischer Instrumente in der Rockmusik) (!Sie führte zur Auflösung sämtlicher Folkgruppen) (!Sie war Dylans erste öffentliche musikalische Darbietung)





Memory

Robbie Robertson Elektrische Gitarre
Rick Danko Bassgitarre
Garth Hudson Orgelklang
Richard Manuel Klavierspiel
Mickey Jones Schlagzeugkraft
Manchester Judas-Zwischenruf
Forest Hills Frühe US-Tourstation
Royal Albert Hall Abschluss der Welt-Tournee





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Bob Dylan – Tournee mit The Hawks
Akustischer Konzertteil Dylan tritt allein mit Gitarre und Mundharmonika auf
Elektrischer Konzertteil Dylan spielt mit Bass Schlagzeug Gitarre Orgel und Klavier
Forest Hills Frühe wichtige Station der nordamerikanischen Tourphase
Manchester Ort des berühmten Judas-Zwischenrufs
London Ort der beiden abschließenden Konzerte






Kreuzworträtsel

Robertson Welcher Gitarrist prägte den elektrischen Bandsound der Hawks?
Hudson Welcher Musiker spielte die Orgel?
Manchester In welcher Stadt ereignete sich der berühmte Zwischenruf?
Olympia Wie hieß der Pariser Konzertsaal?
Bootleg Wie nennt man eine nicht autorisierte Tonveröffentlichung?
Akustik Welches Klangprinzip bestimmte den ersten Konzertteil?





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Lückentext

Vervollständige den Text.

Bob Dylan verband auf der Tournee einen akustischen ersten Teil mit einem

zweiten Teil. Seine Begleitband wurde damals

genannt. Der Gitarrist der Gruppe hieß Robbie

. Garth Hudson prägte den Klang besonders an der

. Richard Manuel spielte vor allem

. Im späteren Verlauf der Welt-Tournee saß Mickey Jones am

. Der berühmte Zwischenruf fiel in der Stadt

. Das Konzert wurde lange fälschlich der Royal Albert

zugeschrieben. Die Welt-Tournee endete im Mai

. Der Konflikt betraf nicht nur Instrumente, sondern auch Vorstellungen von künstlerischer

.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Zeitleiste: Gestalte eine übersichtliche Zeitleiste von Newport 1965 bis zum Tourabschluss in London 1966. Markiere mindestens acht Ereignisse und unterscheide Vorgeschichte, Nordamerika-Tour und Welt-Tournee.
  2. Musikinstrument: Erstelle ein Schaubild der Tourband. Ordne jedem Musiker sein Hauptinstrument und eine hörbare Funktion im Ensemble zu.
  3. Hörprotokoll: Höre einen akustischen und einen elektrischen Liveausschnitt. Notiere jeweils Besetzung, Tempoeindruck, Klangdichte, Dynamik und Wirkung.
  4. Postkarte: Gestalte eine historische Postkarte von einer Tourstadt. Verbinde ein Bild des Ortes mit einem sachlich korrekten Kurztext zum dortigen Konzert.


Standard

  1. Arrangement: Wähle ein Lied aus der Manchester-Setlist und entwirf zwei unterschiedliche Arrangements: eine akustische Solofassung und eine elektrische Bandfassung. Begründe jede Instrumentenentscheidung.
  2. Debatte: Führe eine strukturierte Diskussion zwischen einer Folk-Anhängerin von 1966, einem Bandmusiker, einem Tontechniker und einem heutigen Musikhistoriker durch.
  3. Kartografie: Erstelle eine digitale oder analoge Karte der Welt-Tournee 1966. Untersuche, wie Reisewege, Zeitabstände und Veranstaltungsorte den Touralltag beeinflusst haben könnten.
  4. Quellenkritik: Vergleiche eine Tonaufnahme, eine Fotografie und eine Setlist desselben Tourabschnitts. Zeige, welche Informationen jede Quelle liefert und welche fehlen.


Schwer

  1. Dokumentarfilm: Produziere einen fünf- bis achtminütigen Kurzfilm über die Tournee. Verwende nur rechtlich zulässiges Material, kennzeichne Quellen und trenne gesicherte Fakten von Deutungen.
  2. Musikgeschichtlicher Essay: Erörtere die These, dass die Kontroverse weniger ein Streit über Elektrizität als ein Konflikt über kulturelle Zugehörigkeit und künstlerische Autonomie war.
  3. Ausstellungskonzept: Plane eine Ausstellung mit den Bereichen Vorgeschichte, Musiker, Bühnentechnik, Publikum, Manchester, Medienüberlieferung und Nachwirkung. Begründe die Reihenfolge der Exponate.
  4. Transferanalyse: Vergleiche Dylans Stilwechsel mit einer gegenwärtigen Kontroverse über neue Musiktechnik oder Genregrenzen. Entwickle Kriterien, mit denen beide Fälle fair beurteilt werden können.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Ursache und Wirkung: Entwickle ein Wirkungsdiagramm, das Folk-Erwartungen, elektrische Verstärkung, Saalakustik, Medienberichte und Publikumsreaktionen miteinander verbindet. Begründe mindestens drei Wechselwirkungen.
  2. Arrangementanalyse: Erkläre, wie derselbe Song durch eine andere Instrumentierung eine neue Bedeutung erhalten kann. Beziehe Dich auf den Unterschied zwischen Dylans Solo- und Bandteil.
  3. Perspektivwechsel: Verfasse zwei kurze Bewertungen des Manchester-Konzerts aus unterschiedlichen historischen Perspektiven. Zeige anschließend, welche Annahmen hinter den Urteilen stehen.
  4. Quellenvergleich: Prüfe, ob eine Tonaufnahme allein ausreicht, um die Stimmung im gesamten Saal zu rekonstruieren. Entwickle ein begründetes Verfahren zur Kombination mehrerer Quellen.
  5. Kuratorische Entscheidung: Du darfst für eine Ausstellung nur drei Objekte auswählen: Setlist, Konzertfoto, Tonaufnahme, Zeitungskritik oder Instrument. Wähle drei aus und begründe, welche Geschichte dadurch sichtbar und welche unsichtbar wird.
  6. Gegenwartsbezug: Übertrage den Konflikt zwischen Tradition und Innovation auf künstliche Intelligenz in der Musikproduktion. Formuliere Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Kriterien für ein ausgewogenes Urteil.




Lernnachweis

Für einen überzeugenden Lernnachweis zu diesem Thema sind folgende Leistungen wichtig:

  1. Du ordnest die Tourphase von 1965 und die Welt-Tournee 1966 chronologisch korrekt ein.
  2. Du unterscheidest Newport als Vorgeschichte von den späteren Auftritten mit The Hawks.
  3. Du erklärst die musikalischen Aufgaben von Robertson, Danko, Hudson, Manuel, Helm und Jones.
  4. Du analysierst mindestens ein akustisches und ein elektrisches Klangbeispiel mit geeigneten Fachbegriffen.
  5. Du deutest die Publikumsreaktionen mehrperspektivisch und vermeidest vereinfachende Aussagen.
  6. Du unterscheidest Primärquellen, Sekundärquellen und spätere Erinnerungsberichte.
  7. Du kennzeichnest Unsicherheiten, beispielsweise bei der Identität des Judas-Rufers.
  8. Du entwickelst einen begründeten Transfer zu einem heutigen Konflikt über Stil, Technik oder Authentizität.
  9. Du verwendest Medien rechtlich korrekt und gibst Herkunft sowie Lizenz nachvollziehbar an.
  10. Du präsentierst Deine Ergebnisse in einer klaren, fachsprachlich angemessenen Form.




OERs zum Thema

Wikipedia-Artikel zu Bob Dylan:

Englischsprachiger Wikipedia-Artikel zur Welt-Tournee 1966:

Freie Bildsammlung auf Wikimedia Commons:


Quellen und weiterführende Recherche

  1. Offizielle Bob-Dylan-Setlist des Manchester-Konzerts vom 17. Mai 1966
  2. Offizielle Setlist-Datenbank von Bob Dylan
  3. Wikimedia Commons: Bob Dylan im Jahr 1966
  4. Wikimedia Commons: Free Trade Hall in Manchester
  5. Wikimedia Commons: Bob Dylan am Flughafen Arlanda 1966


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