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Abstrakter Expressionismus 1

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Abstrakter Expressionismus 1



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Einleitung

Der Abstrakte Expressionismus ist eine zentrale Stilrichtung der modernen Kunst nach dem Zweiten Weltkrieg. Er entstand vor allem in den USA und wurde besonders mit der New York School verbunden. In der Kunstgeschichte gilt er als erste internationale Avantgarde-Bewegung, deren Zentrum nicht mehr vor allem in Paris, sondern in New York lag. Statt erkennbare Gegenstände möglichst wirklichkeitsnah darzustellen, rückten Farbe, Geste, Leinwand, Material, Spontaneität, Emotion und der körperliche Vorgang des Malens in den Mittelpunkt.

Der Abstrakte Expressionismus ist kein einheitlicher Stil mit festen Regeln. Er umfasst unterschiedliche künstlerische Haltungen: Das energiegeladene Action Painting von Jackson Pollock steht neben der stillen, meditativen Farbfeldmalerei von Mark Rothko oder Barnett Newman. Gemeinsam ist vielen Werken, dass sie großformatig sind, keine eindeutige Erzählung liefern und die Betrachtenden in eine unmittelbare Erfahrung von Farbe, Raum, Bewegung oder Spannung hineinziehen.

In diesem aiMOOC lernst Du, den Abstrakten Expressionismus kunsthistorisch einzuordnen, seine wichtigsten Merkmale zu erkennen, zentrale Künstlerinnen und Künstler zu benennen, Werke zu analysieren und eigene gestalterische Experimente kritisch zu reflektieren.


Lernziele

Nach diesem aiMOOC kannst Du erklären, warum der Abstrakte Expressionismus eine Schlüsselrolle in der Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts spielt. Du kannst zwischen Action Painting, Drip Painting, All-over-Painting und Farbfeldmalerei unterscheiden. Du kannst Werke von Jackson Pollock, Lee Krasner, Mark Rothko, Willem de Kooning, Barnett Newman, Clyfford Still und Robert Motherwell kunsthistorisch einordnen. Außerdem kannst Du eigene Bildanalysen formulieren, gestalterische Verfahren ausprobieren und kritisch über Abstraktion, Emotion, Körperlichkeit, Materialität und Rezeption nachdenken.


Kunsthistorischer Kontext


Nachkriegskunst und New York School

Der Abstrakte Expressionismus entwickelte sich in den späten 1940er Jahren und prägte besonders die 1950er Jahre. Die Erfahrungen von Krieg, Exil, Holocaust, Atombombe, politischer Unsicherheit und gesellschaftlichem Wandel bildeten den historischen Hintergrund. Viele Künstlerinnen und Künstler suchten nach einer Bildsprache, die nicht mehr an traditionelle Historienmalerei, Porträtmalerei oder Landschaftsmalerei gebunden war. Die alte Vorstellung, Kunst müsse die sichtbare Welt abbilden, wurde radikal infrage gestellt.

Der Begriff New York School bezeichnet keinen schulischen Unterrichtsort, sondern ein Netzwerk von Künstlerinnen, Künstlern, Kritikerinnen, Kritikern, Galerien, Museen und Treffpunkten in New York. Die Cedar Tavern, der Artists’ Club, Galerien wie die von Peggy Guggenheim und Institutionen wie das Museum of Modern Art trugen dazu bei, dass New York zu einem internationalen Zentrum der modernen Kunst wurde.


Begriff und Grundidee

Die Bezeichnung Abstrakter Expressionismus verbindet zwei scheinbar gegensätzliche Begriffe. Abstraktion bedeutet, dass ein Werk nicht auf die direkte Abbildung eines sichtbaren Gegenstands zielt. Expressionismus betont Ausdruck, innere Spannung, Gefühl und subjektive Erfahrung. Der Abstrakte Expressionismus kann deshalb als Kunst verstanden werden, die ohne gegenständliche Erzählung starke emotionale, körperliche oder geistige Zustände sichtbar macht.

Der Begriff wurde in der Kunstkritik der 1940er Jahre bekannt. Wichtig ist: Viele Künstlerinnen und Künstler wollten nicht einfach einer Stilbezeichnung folgen. Manche lehnten feste Etiketten ab, weil ihre Werke nicht als dekorative Muster, sondern als ernsthafte Auseinandersetzung mit Existenz, Freiheit, Krise, Wahrnehmung und künstlerischer Handlung verstanden werden sollten.


Einflüsse aus Europa und Amerika

Der Abstrakte Expressionismus entstand nicht isoliert. Er nahm Impulse aus Surrealismus, Kubismus, Expressionismus, abstrakter Kunst, Psychoanalyse, Mythologie, Existentialismus und indigenen Bildtraditionen auf. Der surrealistische Automatismus war besonders wichtig: Künstlerinnen und Künstler versuchten, nicht alles rational zu planen, sondern spontane Linien, Formen und Bewegungen zuzulassen. Aus dem Kubismus kam die Vorstellung, den Bildraum als flächige Ordnung zu verstehen. Aus dem Expressionismus kam die Betonung subjektiver Intensität.

Gleichzeitig war der Abstrakte Expressionismus eng mit amerikanischen Erfahrungen verbunden: Großstadt, Industrie, Weite, Jazz, neue Medien, politische Spannungen und der Wunsch nach kultureller Eigenständigkeit prägten sein Selbstverständnis.


Merkmale der Stilrichtung


Abstraktion statt Gegenstand

In vielen Werken des Abstrakten Expressionismus fehlt ein klar erkennbares Motiv. Es geht nicht darum, eine Landschaft, eine Person oder eine Geschichte wiederzugeben. Stattdessen entsteht Bedeutung durch Komposition, Farbe, Linie, Rhythmus, Kontrast, Format, Oberfläche und Geste. Die Betrachtenden müssen nicht fragen: „Was ist dargestellt?“, sondern eher: „Wie wirkt das Bild?“, „Welche Bewegung spüre ich?“, „Welche Farbräume öffnen sich?“ oder „Welche Spannung entsteht zwischen Ordnung und Zufall?“


Großformat und körperliche Erfahrung

Viele Werke sind sehr groß. Das Großformat verändert die Beziehung zwischen Bild und Betrachtenden. Ein kleines Bild kann man leicht überblicken; ein monumentales Bild kann den Körper und die Wahrnehmung umgeben. Besonders in der Farbfeldmalerei wird die Leinwand fast zu einem Raum, in den Du mit den Augen eintrittst. Beim Action Painting ist das Format oft eine Spur des Körpers: Arme, Schritte, Schwünge, Tropfen und Bewegungen bleiben im Bild sichtbar.


All-over-Prinzip

Das All-over-Painting ist ein wichtiges Prinzip des Abstrakten Expressionismus. Dabei gibt es keinen klassischen Mittelpunkt und keine klare Trennung zwischen Hauptmotiv und Hintergrund. Die gesamte Bildfläche wird gleichwertig behandelt. Linien, Flecken, Farbfelder oder Spuren verteilen sich über die ganze Leinwand. Das Auge wandert, ohne an einem einzigen Zentrum festgehalten zu werden. So entsteht ein offener, dynamischer Bildraum.


Spontaneität und Kontrolle

Viele Werke wirken spontan, wild oder zufällig. Trotzdem sind sie nicht einfach willkürlich. Künstlerinnen und Künstler des Abstrakten Expressionismus arbeiteten oft mit einer Spannung aus Zufall und Kontrolle. Beim Tropfen, Schütten oder Streichen der Farbe entstehen unvorhersehbare Verläufe. Gleichzeitig entscheidet die Künstlerin oder der Künstler über Format, Material, Abstand, Bewegung, Schichtung, Verdichtung und Unterbrechung. Gerade diese Verbindung macht viele Werke so komplex.


Hauptströmungen


Action Painting

Das Action Painting betont den körperlichen Akt des Malens. Die Leinwand wird nicht nur als Fläche verstanden, auf der ein Bild entsteht, sondern als Ort einer Handlung. Der Körper bewegt sich, Farbe wird getropft, geschüttet, gespritzt, geschleudert, gewischt oder gekratzt. Die sichtbaren Spuren erzählen nicht von einem Gegenstand, sondern vom Prozess ihrer Entstehung.

Jackson Pollock wurde besonders durch sein Drip Painting bekannt. Er legte große Leinwände auf den Boden und bewegte sich um sie herum. Dadurch konnte er die Bildfläche aus mehreren Richtungen bearbeiten. Seine Technik machte die Bewegung des Körpers und die physische Eigenschaft der Farbe sichtbar. Auch Lee Krasner, Willem de Kooning, Franz Kline und Robert Motherwell arbeiteten mit expressiven Gesten, dynamischen Formen und intensiver Materialität.

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Farbfeldmalerei

Die Farbfeldmalerei setzt weniger auf sichtbare körperliche Gesten und stärker auf große, ruhige Farbzonen. Bei Mark Rothko, Barnett Newman und Clyfford Still wirken Farben nicht als bloße Füllung, sondern als Träger von Stimmung, Raum und existenzieller Erfahrung. Große Farbflächen, weiche Übergänge, leuchtende Schichten oder scharfe vertikale Linien können eine fast meditative Wirkung entfalten.

Bei Mark Rothko erscheinen oft schwebende rechteckige Farbfelder. Sie wirken einfach, sind aber durch feine Farbschichten, unscharfe Ränder und subtile Kontraste komplex. Barnett Newman arbeitete mit großen monochromen Flächen und schmalen vertikalen Streifen, die er als „zips“ bezeichnete. Clyfford Still schuf dramatische, zerklüftete Farbfelder, die an geologische Brüche oder innere Spannungen erinnern können.

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Gestische Abstraktion und expressive Figuration

Nicht alle Werke des Abstrakten Expressionismus sind vollständig gegenstandslos. Willem de Kooning verband abstrakte Gesten mit fragmentierten Körperformen. Seine Bilder können zwischen Figuration und Abstraktion schwanken. Diese Ambivalenz ist kunsthistorisch wichtig, weil sie zeigt, dass der Abstrakte Expressionismus nicht nur reine Gegenstandslosigkeit bedeutet. Er kann auch eine instabile, zerrissene oder energiegeladene Beziehung zur Figur zeigen.


Künstlerinnen und Künstler


Jackson Pollock

Jackson Pollock gehört zu den bekanntesten Vertretern des Abstrakten Expressionismus. Seine Drip Paintings machten den Malprozess selbst zum Thema. Linien entstehen nicht durch traditionelles Zeichnen, sondern durch flüssige Farbe, Bewegung, Schwerkraft und Rhythmus. Pollocks Werke werden oft als energiegeladen, all-over, körperlich und prozesshaft beschrieben. Wichtig ist dabei, nicht nur den Mythos des genialen, wilden Künstlers zu sehen, sondern die bewusste Arbeit mit Material, Dichte, Schichtung und Komposition.


Lee Krasner

Lee Krasner war eine bedeutende Künstlerin des Abstrakten Expressionismus. Sie arbeitete mit Collage, gestischer Malerei, Fragmentierung und dynamischer Komposition. Lange wurde sie in der Kunstgeschichte zu stark über ihre Ehe mit Jackson Pollock wahrgenommen. Heute wird ihre eigenständige künstlerische Leistung deutlicher hervorgehoben. Ihre Werke zeigen, wie wichtig Künstlerinnen für die Entwicklung und Weiterführung der New York School waren.


Mark Rothko

Mark Rothko entwickelte eine Form der Farbfeldmalerei, in der große Farbzonen emotionale und geistige Tiefe erzeugen. Rothko wollte seine Bilder nicht als bloße Farbkompositionen verstanden wissen. Für ihn ging es um grundlegende menschliche Erfahrungen wie Tragik, Ekstase, Stille, Verletzlichkeit und Erhabenheit. Seine Werke verlangen langsames Sehen. Sie entfalten ihre Wirkung besonders, wenn man ihnen Zeit gibt.


Willem de Kooning

Willem de Kooning verband abstrakte Malweise mit expressiver Figur. Seine Bilder wirken oft unruhig, überarbeitet, spannungsreich und körperlich. Pinselzüge, Farbschichten und Formen scheinen miteinander zu kämpfen. Besonders seine „Women“-Serien wurden intensiv diskutiert, weil sie zwischen Kritik, Verzerrung, Aggression, Ironie und malerischer Energie gelesen werden können. De Kooning zeigt, dass der Abstrakte Expressionismus auch konfliktreich, widersprüchlich und figurbezogen sein kann.


Barnett Newman

Barnett Newman steht für eine radikale Reduktion. Seine großformatigen Farbfelder mit schmalen vertikalen Streifen öffnen einen Bildraum, der weniger erzählerisch als existenziell wirkt. Die „zips“ teilen, verbinden und aktivieren die Fläche. Newman interessierte sich für Fragen des Erhabenen, der Gegenwart und der unmittelbaren Erfahrung.


Robert Motherwell

Robert Motherwell verband abstrakte Malerei mit philosophischen, literarischen und politischen Bezügen. Seine Serie „Elegy to the Spanish Republic“ zeigt, wie abstrakte Formen historische Trauer und politische Erinnerung tragen können, ohne eine erzählende Szene darzustellen. Schwarz-weiße Kontraste, ovale Formen und rhythmische Wiederholungen prägen viele seiner Werke.


Weitere wichtige Positionen

Zum Umfeld des Abstrakten Expressionismus gehören unter anderem Clyfford Still, Adolph Gottlieb, Arshile Gorky, Franz Kline, Helen Frankenthaler, Joan Mitchell, Grace Hartigan, Elaine de Kooning, Philip Guston und David Smith. Einige dieser Künstlerinnen und Künstler gehören zur ersten Generation, andere zur nachfolgenden Entwicklung. Gerade die spätere kunsthistorische Forschung hat gezeigt, dass der Kanon des Abstrakten Expressionismus erweitert werden muss, weil Frauen und nicht dominante Positionen lange weniger sichtbar waren.


Werkbetrachtung und Analyse


Leitfragen zur Bildanalyse

Wenn Du ein Werk des Abstrakten Expressionismus analysierst, hilft es, nicht nur nach einem Motiv zu suchen. Frage nach dem Verhältnis von Format, Farbe, Linie, Rhythmus, Material, Oberfläche, Komposition, Bewegung, Raumwirkung und Betrachterperspektive. Achte darauf, ob das Bild eher gestisch, ruhig, flächig, dicht, offen, aggressiv, meditativ, monumental oder fragil wirkt. Entscheidend ist, Deine Beobachtungen am Bild zu begründen.

  1. Format: Wie groß wirkt das Bild und wie verändert das Format Deine Wahrnehmung?
  2. Farbwirkung: Welche Farben dominieren und welche Stimmung erzeugen sie?
  3. Maltechnik: Siehst Du Tropfen, Schichten, Pinselspuren, Kratzer, Verläufe oder Farbfelder?
  4. Komposition: Gibt es ein Zentrum oder ist die Fläche gleichmäßig organisiert?
  5. Rezeption: Welche körperliche oder emotionale Reaktion löst das Werk aus?


Beispiel: Action Painting analysieren

Bei einem actionbetonten Werk kannst Du untersuchen, wie Bewegung sichtbar wird. Linien können kreisen, springen, abbrechen oder sich überlagern. Farbspritzer können zufällig wirken, aber dennoch eine Ordnung bilden. Die Leinwand erscheint als Spur eines Ereignisses. Eine gute Analyse beschreibt deshalb nicht nur „Chaos“, sondern fragt: Wo entsteht Verdichtung? Wo gibt es Rhythmus? Welche Farben treten hervor? Welche Bewegungen kann man nachvollziehen? Welche Rolle spielt der Körper?


Beispiel: Farbfeldmalerei analysieren

Bei einem Werk der Farbfeldmalerei solltest Du langsam betrachten. Farben verändern sich je nach Abstand, Licht und Dauer der Betrachtung. Die Ränder von Farbfeldern können weich, vibrierend oder unscharf sein. Eine scheinbar einfache Fläche kann viele Schichten enthalten. Analysiere, wie Farbe Raum erzeugt, ob die Bildfläche nach vorn tritt oder Tiefe bildet und wie das große Format die Betrachtenden einbezieht.


Techniken und Materialien


Dripping, Pouring und Spachteln

Im Abstrakten Expressionismus wurden traditionelle Maltechniken erweitert. Dripping bezeichnet das Tropfen oder Schleudern flüssiger Farbe. Pouring meint das Gießen von Farbe. Beim Spachteln werden Farbmassen aufgetragen, verschoben oder abgeschabt. Auch ungrundierte Leinwände, industrielle Farben, Hauslacke, Sand, Collageelemente und ungewöhnliche Werkzeuge konnten eingesetzt werden. Die Materialwahl ist Teil der Bildaussage.


Zufall als Methode

Der Zufall spielt eine wichtige Rolle, aber er ersetzt nicht die künstlerische Entscheidung. Wenn Farbe tropft, fließt oder spritzt, entstehen unvorhersehbare Formen. Die Künstlerin oder der Künstler entscheidet jedoch, ob eine Spur stehen bleibt, übermalt, verstärkt oder unterbrochen wird. Dadurch entsteht ein Spannungsfeld zwischen Offenheit und Kontrolle. Diese Spannung ist ein Kern vieler abstrakt-expressionistischer Werke.


Bild als Prozess

Ein Werk des Abstrakten Expressionismus kann als Ergebnis eines Prozesses gelesen werden. Man sieht nicht nur ein fertiges Bild, sondern Spuren von Zeit: Schichten, Übermalungen, Korrekturen, Pausen, Verdichtungen und Auslöschungen. Kunst wird dadurch nicht als Abbild verstanden, sondern als Handlung, Erfahrung und Entscheidung.


Wirkung und Rezeption


Internationale Bedeutung

Der Abstrakte Expressionismus veränderte die internationale Kunstwelt. Er stärkte die Rolle der USA in der Moderne und beeinflusste spätere Bewegungen wie Informel, Tachismus, Lyrische Abstraktion, Farbfeldmalerei, Minimal Art, Pop Art und Post Painterly Abstraction. Er zeigte, dass abstrakte Kunst monumental, emotional, körperlich und existenziell sein kann.


Kritik und Debatten

Schon früh wurde der Abstrakte Expressionismus kontrovers diskutiert. Manche sahen in ihm eine Befreiung der Malerei. Andere kritisierten den Mythos des männlichen Genies, die Kommerzialisierung auf dem Kunstmarkt oder die politische Vereinnahmung im Kalten Krieg. Auch die Frage, warum Künstlerinnen lange weniger beachtet wurden, ist ein wichtiger Teil der heutigen Kunstgeschichtsschreibung.


Abstraktion verstehen lernen

Viele Menschen fragen bei abstrakter Kunst: „Kann das nicht jeder?“ Diese Frage ist ein guter Einstieg, aber keine fertige Analyse. Entscheidend ist nicht nur, ob eine Technik nachahmbar wirkt. Entscheidend ist, wie konsequent ein Werk Wahrnehmung, Material, Format, Komposition und Bedeutung organisiert. Ein abstrakt-expressionistisches Bild ist nicht automatisch bedeutend, weil es abstrakt ist. Es muss durch seine innere Spannung, Bildlogik und Wirkung überzeugen.


Abgrenzung zu anderen Stilrichtungen

Der Abstrakte Expressionismus steht zwischen mehreren Kunstbewegungen. Vom Surrealismus übernimmt er Impulse des Automatismus und des Unbewussten. Vom Expressionismus übernimmt er den Vorrang des Ausdrucks. Von der abstrakten Kunst übernimmt er die Lösung vom Gegenstand. Im Unterschied zur geometrischen Abstraktion ist er oft organischer, gestischer und emotionaler. Im Unterschied zur Pop Art arbeitet er nicht mit Bildern der Konsumkultur, sondern mit existenziellen, malerischen und prozesshaften Erfahrungen. Im Unterschied zur Minimal Art ist er meist stärker von persönlicher Handschrift, Materialspuren und emotionaler Intensität geprägt.


Bedeutung für Schule, Ausbildung und Studium

Der Abstrakte Expressionismus eignet sich besonders gut, um Bildanalyse, Kunstpraxis, Kunsttheorie und Kulturgeschichte miteinander zu verbinden. Du kannst Werke formal analysieren, historische Kontexte untersuchen, eigene Farb- und Bewegungsstudien anfertigen und über die Rolle des Körpers im kreativen Prozess nachdenken. Gleichzeitig lernst Du, dass Kunstgeschichte nicht nur aus Jahreszahlen und Namen besteht, sondern aus Deutungen, Debatten, Machtverhältnissen und veränderten Blickweisen.


Medienkompetenz und Urheberrecht

Viele Werke des Abstrakten Expressionismus sind urheberrechtlich geschützt. Deshalb solltest Du bei Präsentationen, Unterrichtsmaterialien und eigenen Veröffentlichungen auf freie Medien, Museumshinweise, korrekte Quellenangaben und Lizenzinformationen achten. Wikimedia Commons bietet einige freie Bilder zu Personen, Ausstellungen, Orten und frei lizenzierten abstrakten Beispielen. Bei konkreten Werkabbildungen moderner Künstlerinnen und Künstler ist immer zu prüfen, ob die Nutzung erlaubt ist.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Welche Stadt wurde zum wichtigsten Zentrum des Abstrakten Expressionismus? (New York) (!Paris) (!Rom) (!München)




Welche Strömung betont besonders den körperlichen Akt des Malens? (Action Painting) (!Fotorealismus) (!Pointillismus) (!Rokoko)




Welche Technik ist besonders mit Jackson Pollock verbunden? (Drip Painting) (!Freskomalerei) (!Kupferstich) (!Mosaik)




Welche Kunstrichtung arbeitet mit großen, oft ruhigen Farbzonen? (Farbfeldmalerei) (!Historienmalerei) (!Naturalismus) (!Dada-Collage)




Welche Künstlerin gehört zum Abstrakten Expressionismus und wurde lange zu stark über Jackson Pollock wahrgenommen? (Lee Krasner) (!Frida Kahlo) (!Berthe Morisot) (!Artemisia Gentileschi)




Was bedeutet All-over-Painting? (Die ganze Bildfläche wird gleichwertig behandelt) (!Nur die Bildmitte wird ausgearbeitet) (!Das Bild zeigt immer eine Landschaft) (!Die Farbe wird ausschließlich mit Bleistift aufgetragen)




Welche Aussage beschreibt den Abstrakten Expressionismus am besten? (Er verbindet Abstraktion mit Ausdruck und emotionaler Intensität) (!Er fordert naturgetreue Perspektive und klare Erzählung) (!Er ist eine mittelalterliche Buchmalerei) (!Er vermeidet große Formate grundsätzlich)




Welcher Künstler ist besonders mit meditativen Farbfeldern verbunden? (Mark Rothko) (!Claude Monet) (!Jan van Eyck) (!Albrecht Dürer)




Welche Rolle spielt der Zufall in vielen abstrakt-expressionistischen Werken? (Er wird als Methode genutzt und künstlerisch kontrolliert) (!Er ist immer verboten) (!Er ersetzt jede Entscheidung) (!Er kommt nur in Skulpturen vor)




Welche Aussage zur Werkbetrachtung ist sinnvoll? (Man analysiert Farbe, Format, Material, Geste und Wirkung) (!Man sucht immer nur eine versteckte Landschaft) (!Man bewertet nur den Preis des Werkes) (!Man ignoriert die Maltechnik vollständig)





Memory

Action Painting körperliche Malhandlung
Farbfeldmalerei große Farbflächen
Dripping tropfende Farbe
All-over gleichwertige Bildfläche
New York School künstlerisches Netzwerk
Mark Rothko meditative Farbräume
Lee Krasner gestische Collagen
Barnett Newman vertikale Zips





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Action Painting Malerei als körperlicher Vorgang
Farbfeldmalerei Farbe als Raum und Stimmung
Drip Painting Farbe wird getropft oder geschleudert
All-over-Painting keine klassische Bildmitte
New York School Netzwerk der Nachkriegskunst
Automatismus spontane Verfahren aus dem Surrealismus




...


Kreuzworträtsel

Pollock Welcher Künstler ist besonders für Drip Painting bekannt?
Rothko Welcher Künstler schuf meditative Farbfelder?
Krasner Welche Künstlerin war eine wichtige Vertreterin des Abstrakten Expressionismus?
Newman Welcher Künstler nutzte schmale vertikale Zips?
Dripping Wie heißt das Tropfen von Farbe auf die Leinwand?
Leinwand Auf welchem Bildträger arbeiteten viele Malerinnen und Maler großformatig?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Der Abstrakte Expressionismus entwickelte sich besonders in

nach dem Zweiten Weltkrieg. Beim

wird der körperliche Vorgang des Malens sichtbar. Jackson Pollock ist besonders mit der Technik des

verbunden. Die

arbeitet mit großen Farbzonen und intensiver Raumwirkung. Mark Rothko wollte Farbe nicht nur dekorativ, sondern als Träger von

verstanden wissen. Das

behandelt die gesamte Bildfläche gleichwertig. Lee

war eine wichtige Künstlerin der New York School. Der surrealistische

beeinflusste spontane Verfahren. Großformate verändern die körperliche Erfahrung der

. Eine gute Bildanalyse begründet ihre Deutung immer am sichtbaren

.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Bildbeschreibung: Suche ein frei zugängliches Bildbeispiel zum Abstrakten Expressionismus und beschreibe sachlich, was Du siehst, ohne sofort zu bewerten.
  2. Farbwirkung: Erstelle eine kleine Farbskala mit fünf Farben und notiere zu jeder Farbe eine mögliche Stimmung.
  3. Kunstbegriff: Erkläre in eigenen Worten den Unterschied zwischen gegenständlicher Kunst und abstrakter Kunst.
  4. Museumsgang: Recherchiere online ein Museum, das Werke des Abstrakten Expressionismus zeigt, und stelle es kurz vor.


Standard

  1. Action Painting: Gestalte ein eigenes kleines Bewegungsbild mit Tropfen, Schwüngen oder Spuren und dokumentiere Deinen Arbeitsprozess.
  2. Farbfeldmalerei: Male oder digital gestalte zwei Farbfelder, die unterschiedliche Stimmungen erzeugen, und begründe Deine Farbauswahl.
  3. Werkvergleich: Vergleiche ein Werk von Jackson Pollock mit einem Werk von Mark Rothko in Bezug auf Format, Farbe, Bewegung und Wirkung.
  4. Künstlerinnen in der Kunstgeschichte: Erstelle ein Kurzporträt zu Lee Krasner, Joan Mitchell oder Helen Frankenthaler und erkläre, warum ihre Sichtbarkeit wichtig ist.


Schwer

  1. Bildanalyse: Schreibe eine vollständige Analyse eines abstrakt-expressionistischen Werks mit Einleitung, Beschreibung, Analyse, Deutung und Fazit.
  2. Kunstkritik: Verfasse eine Rezension zu einer Ausstellung über Abstrakten Expressionismus und berücksichtige dabei auch Inszenierung, Raum und Licht.
  3. Kanonkritik: Untersuche, wie sich die Bewertung von Künstlerinnen des Abstrakten Expressionismus seit dem 20. Jahrhundert verändert hat.
  4. Transferprojekt: Entwickle ein eigenes Kunstprojekt, das Körperbewegung, Zufall und Kontrolle verbindet, und reflektiere die Ergebnisse in einem Portfolio.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Werkvergleich: Erkläre an zwei selbst gewählten Beispielen, wie unterschiedlich Action Painting und Farbfeldmalerei mit Abstraktion umgehen.
  2. Transfer: Beurteile, ob ein heutiges digitales Bild, das mit Zufallsgeneratoren entsteht, inhaltlich mit Ideen des Abstrakten Expressionismus verglichen werden kann.
  3. Kontextanalyse: Erläutere, warum die Nachkriegszeit für die Entstehung des Abstrakten Expressionismus wichtig war, ohne nur Jahreszahlen aufzuzählen.
  4. Kanonkritik: Diskutiere, warum die Kunstgeschichte manche Künstlerinnen und Künstler lange stärker beachtet hat als andere.
  5. Materialdeutung: Analysiere, wie Farbe, Oberfläche und Format die Wirkung eines abstrakten Bildes verändern.
  6. Urteilsbildung: Nimm begründet Stellung zu der Aussage: „Abstrakte Kunst ist leicht, weil sie nichts abbilden muss.“




Lernnachweis

Für einen Lernnachweis zum Thema Abstrakter Expressionismus ist wichtig, dass Du nicht nur Namen auswendig kennst, sondern Zusammenhänge erklären kannst. Ein überzeugender Lernnachweis enthält eine kunsthistorische Einordnung, eine klare Unterscheidung von Action Painting und Farbfeldmalerei, eine begründete Analyse mindestens eines Werks, eine Reflexion über Material und Prozess, einen Bezug zu gesellschaftlichen Fragen der Nachkriegszeit sowie eine kritische Auseinandersetzung mit Kanon, Geschlechterrollen und heutiger Rezeption. Wenn Du praktisch arbeitest, solltest Du Deinen Prozess dokumentieren und Deine Entscheidungen begründen.




OERs zum Thema


Weitere freie Vertiefungsideen

  1. Wikimedia Commons: Recherchiere frei nutzbare Medien zu Abstrakter Expressionismus, Jackson Pollock, Mark Rothko, Lee Krasner und Willem de Kooning.
  2. Smarthistory: Nutze kunsthistorische Einführungstexte und Videos zu Abstract Expressionism, Jackson Pollock und Mark Rothko.
  3. Museum of Modern Art: Informiere Dich über die Sammlung und Vermittlung moderner Kunst in New York.
  4. Tate Modern: Vergleiche internationale Museumsperspektiven auf Nachkriegskunst und Abstraktion.


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