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Objektpermanenz - Psychologie

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Objektpermanenz - Psychologie




Objektpermanenz - Psychologie


Einleitung

Objektpermanenz bezeichnet die Fähigkeit, zu verstehen, dass Objekte und Personen weiter existieren, auch wenn sie gerade nicht wahrgenommen werden. Das Konzept gehört zur Entwicklungspsychologie und ist eng mit Jean Piaget, dem sensomotorischen Stadium und der Entwicklung innerer Repräsentationen verbunden.

Du lernst, klassische Versuche zu erklären, neuere Forschungsmethoden zu beurteilen und zwischen beobachtbarer Leistung und zugrunde liegender Kompetenz zu unterscheiden.


Lernziele

Nach diesem aiMOOC kannst Du:

  1. Objektpermanenz fachlich korrekt definieren.
  2. Piagets Erklärung in die kognitive Entwicklung einordnen.
  3. den A-nicht-B-Suchfehler erläutern.
  4. Suchaufgaben und Blickzeitverfahren vergleichen.
  5. Forschungsergebnisse methodenkritisch bewerten.
  6. Objektpermanenz von Objektkonstanz und Arbeitsgedächtnis abgrenzen.


Grundidee

Ein Gegenstand verschwindet hinter einem Tuch. Wer Objektpermanenz besitzt, nimmt an, dass der Gegenstand weiterhin vorhanden ist. Sichtbarkeit und Existenz werden also nicht gleichgesetzt.


Alltagsbeispiel: Guck-guck

Beim Guck-guck-Spiel wird ein Gesicht kurz verdeckt und wieder sichtbar. Das Spiel verbindet Wahrnehmung, Erwartung, soziale Interaktion und die Erfahrung, dass eine Person trotz zeitweiser Verdeckung fortbesteht.


Piagets Erklärung

Jean Piaget ordnete die Entwicklung der Objektpermanenz dem sensomotorischen Stadium zu. In dieser Phase erschließt das Kind seine Umwelt vor allem durch Wahrnehmung und Bewegung.

Entwicklungsabschnitt Typisches Verhalten Bedeutung
Frühe Monate Ein verdecktes Objekt wird häufig nicht aktiv gesucht. Wahrnehmung und Handlung sind noch eng an die aktuelle Situation gebunden.
Etwa ab der zweiten Hälfte des ersten Lebensjahres Das Kind sucht teilweise nach einem verdeckten Objekt. Eine noch unvollständige Repräsentation wird sichtbar.
Spätere sensomotorische Entwicklung Das Kind verfolgt wechselnde Verstecke zunehmend sicher. Die Vorstellung eines fortbestehenden Objekts wird stabiler.

Piaget interessierte sich besonders für die Abfolge der Entwicklung. Altersangaben sind deshalb nicht als starre Grenzwerte zu verstehen.


A-nicht-B-Suchfehler

Beim A-nicht-B-Suchfehler wird ein Objekt mehrfach an Ort A versteckt. Danach sieht das Kind, dass es an Ort B gelegt wird. Manche Kinder suchen trotzdem erneut bei A.

Der Fehler kann mehrere Anforderungen widerspiegeln:

  1. Arbeitsgedächtnis: Der neue Ort muss behalten werden.
  2. Inhibition: Die eingeübte Suchbewegung zu A muss gehemmt werden.
  3. Aufmerksamkeit: Der Ortswechsel muss verfolgt werden.
  4. Motorische Planung: Die passende Greifhandlung muss ausgeführt werden.

Der Fehler beweist daher nicht automatisch, dass keinerlei Objektpermanenz vorhanden ist.


Neuere Forschung

Neuere Forschung nutzt neben Suchhandlungen auch das Violation-of-Expectation-Paradigma. Säuglinge sehen dabei ein erwartbares und ein physikalisch ungewöhnliches Ereignis. Eine längere Blickzeit beim ungewöhnlichen Ereignis wird als Hinweis darauf interpretiert, dass eine Erwartung verletzt wurde.

Beispiel: Ein Schirm bewegt sich scheinbar durch den Raum eines verdeckten Kastens. Längeres Hinschauen kann darauf hindeuten, dass das Kind mit dem Fortbestand des Kastens gerechnet hat.


Methodenvergleich

Methode Gemessen wird Stärke Grenze
Verdeckte-Suche-Aufgabe aktive Suchhandlung alltagsnahes Verhalten verlangt Motorik, Gedächtnis und Hemmung
A-nicht-B-Aufgabe Wahl zwischen Verstecken zeigt flexible Handlungssteuerung anfällig für Gewohnheit und Verzögerung
Blickzeitverfahren Dauer des Hinschauens bei sehr jungen Säuglingen einsetzbar Blickdauer erlaubt nur indirekte Schlüsse

Die Methoden erfassen nicht exakt dasselbe. Deshalb können unterschiedliche Ergebnisse gleichzeitig sinnvoll sein.


Kompetenz und Performanz

Eine zentrale Unterscheidung lautet:

  1. Kompetenz: Was ein Kind grundsätzlich weiß oder repräsentiert.
  2. Performanz: Was es unter den Bedingungen einer bestimmten Aufgabe tatsächlich zeigt.

Ein Kind kann eine Erwartung über ein verborgenes Objekt besitzen und dennoch bei einer Suchaufgabe scheitern. Müdigkeit, Ablenkung, schwache Impulskontrolle oder hohe motorische Anforderungen können die Performanz beeinflussen.


Abgrenzungen

Objektpermanenz ist nicht dasselbe wie Objektkonstanz. Objektkonstanz bezeichnet in psychodynamischen Ansätzen eher die Fähigkeit, eine stabile emotionale Vorstellung einer Person trotz Trennung oder Konflikt aufrechtzuerhalten.

Auch Vergesslichkeit bei ADHS bedeutet nicht, dass eine erwachsene Person die Existenz unsichtbarer Dinge nicht versteht. Hier sind eher Aufmerksamkeit, Erinnerung und Handlungsorganisation betroffen.


Vergleichende Psychologie

Formen der Objektpermanenz werden auch in der Tierpsychologie untersucht. Aufgaben mit verdecktem Futter oder bewegten Gegenständen ermöglichen Vergleiche zwischen Arten. Dabei müssen artspezifische Wahrnehmung, Motivation und Motorik berücksichtigt werden.


Forschungsethik

Forschung mit Säuglingen muss besonders schonend sein. Wichtig sind die informierte Einwilligung der Sorgeberechtigten, freiwillige Teilnahme, Datenschutz, kurze Untersuchungszeiten und ein sofortiger Abbruch bei Unwohlsein. Blickzeit- und Spielaufgaben sind nicht invasiv, müssen aber trotzdem ethisch geprüft werden.


Kerngedanke

Objektpermanenz entwickelt sich nicht in einem einzigen beobachtbaren Schritt. Sie zeigt sich je nach Aufgabe, Alter, Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Handlungsmöglichkeit unterschiedlich. Piagets Arbeiten waren grundlegend; neuere Methoden sprechen jedoch dafür, dass frühe Erwartungen über verborgene Objekte früher nachweisbar sein können, als klassische Suchaufgaben vermuten ließen.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Was bedeutet Objektpermanenz? (Objekte existieren auch außerhalb der aktuellen Wahrnehmung weiter) (!Objekte können ihre Form niemals verändern) (!Objekte werden nur durch Sprache erkannt) (!Objekte existieren nur während einer Handlung)




Welcher Forscher prägte die klassische Theorie der Objektpermanenz? (Jean Piaget) (!Sigmund Freud) (!Burrhus Skinner) (!Albert Bandura)




Welchem Entwicklungsstadium ordnete Piaget die Objektpermanenz zu? (Dem sensomotorischen Stadium) (!Dem formal-operationalen Stadium) (!Dem konkret-operationalen Stadium) (!Dem moralischen Stadium)




Welches Verhalten spricht in einer klassischen Aufgabe für Objektpermanenz? (Das Kind sucht nach einem verdeckten Gegenstand) (!Das Kind benennt jede Farbe korrekt) (!Das Kind vermeidet jeden Blickkontakt) (!Das Kind wiederholt ein gehörtes Wort)




Was kennzeichnet den A-nicht-B-Suchfehler? (Das Kind sucht am früheren statt am neuen Versteck) (!Das Kind verwechselt zwei Farben) (!Das Kind erkennt eine Person nicht) (!Das Kind kann keinen Gegenstand greifen)




Welche Größe wird in vielen Violation-of-Expectation-Studien gemessen? (Die Blickzeit) (!Der Wortschatz) (!Die Körpergröße) (!Die Schreibgeschwindigkeit)




Warum können klassische Suchaufgaben Fähigkeiten unterschätzen? (Sie verlangen zusätzlich Gedächtnis Motorik und Inhibition) (!Sie enthalten grundsätzlich keine sichtbaren Gegenstände) (!Sie können nur mit Erwachsenen durchgeführt werden) (!Sie messen ausschließlich Sprachwissen)




Worin unterscheidet sich Objektkonstanz von Objektpermanenz? (Objektkonstanz betrifft eher stabile emotionale Personenrepräsentationen) (!Objektkonstanz bezeichnet eine unveränderliche Körpergröße) (!Objektkonstanz ist ein anderes Wort für Blickzeit) (!Objektkonstanz beschreibt nur tierisches Verhalten)




Welche Regel ist bei Forschung mit Säuglingen besonders wichtig? (Die Untersuchung wird bei Unwohlsein sofort beendet) (!Die Teilnahme muss möglichst lange dauern) (!Die Sorgeberechtigten dürfen nichts erfahren) (!Alle Reaktionen müssen erzwungen werden)




Welche Schlussfolgerung ist wissenschaftlich angemessen? (Verschiedene Methoden können unterschiedliche Aspekte derselben Fähigkeit erfassen) (!Eine einzelne Aufgabe beweist die gesamte kognitive Entwicklung) (!Längeres Hinschauen hat immer nur eine mögliche Ursache) (!Piagets Altersangaben gelten für jedes Kind exakt)





Memory

Objektpermanenz Fortbestehen verdeckter Objekte
Jean Piaget Theorie der kognitiven Entwicklung
A-nicht-B-Suchfehler Suche am früheren Versteck
Blickzeit Indirektes Maß für Erwartungen
Inhibition Hemmung einer eingeübten Reaktion
Kompetenz Zugrunde liegende Fähigkeit
Performanz Beobachtete Aufgabenleistung
Sensomotorik Verbindung von Wahrnehmung und Bewegung





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Objektpermanenz Fortbestehen eines verdeckten Gegenstands
A-nicht-B-Suchfehler Rückkehr zum zuvor erfolgreichen Versteck
Blickzeitverfahren Messung visueller Aufmerksamkeit
Inhibition Unterdrückung einer gewohnten Reaktion
Performanz Sichtbares Verhalten in einer Aufgabe




...


Kreuzworträtsel

Permanenz Wie heißt das Fortbestehen trotz fehlender Sichtbarkeit?
Piaget Wer entwickelte die klassische Stufentheorie?
Blickzeit Welches Maß wird bei Erwartungsverletzungen häufig erhoben?
Inhibition Wie heißt die Hemmung einer eingeübten Reaktion?
Sichtschutz Was verdeckt in klassischen Aufgaben den Gegenstand?
Schema Wie nennt Piaget eine organisierte Wissensstruktur?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.
Die Fähigkeit, verdeckte Gegenstände als weiterhin existent zu verstehen, heißt

. Piaget ordnete ihre Entwicklung dem

Stadium zu. Beim A-nicht-B-Suchfehler wird häufig am

Versteck gesucht. Blickzeitstudien untersuchen die Reaktion auf verletzte

. Eine längere Betrachtung ist dabei ein

Hinweis. Suchaufgaben beanspruchen zusätzlich das Arbeitsgedächtnis und die

. Objektkonstanz betrifft eher eine stabile emotionale

. Forschung mit Säuglingen benötigt die informierte

der Sorgeberechtigten.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Begriffsnetz: Erstelle ein Begriffsnetz mit Objektpermanenz, Wahrnehmung, Gedächtnis, Inhibition und Repräsentation.
  2. Bildanalyse: Beschreibe, wie eines der Bilder im Kurs das Fortbestehen einer verdeckten Person oder eines Gegenstands veranschaulicht.
  3. Erklärkarte: Gestalte eine Lernkarte mit Definition, Beispiel und einem typischen Missverständnis.
  4. Alltagsbeobachtung: Sammle drei Alltagssituationen, in denen Menschen mit unsichtbaren, aber weiterhin vorhandenen Dingen rechnen.


Standard

  1. Versuchsplan: Entwirf eine sichere, rein hypothetische Suchaufgabe mit zwei Verstecken und formuliere unabhängige sowie abhängige Variable.
  2. Methodenvergleich: Stelle Suchaufgabe und Blickzeitverfahren in einer übersichtlichen Grafik gegenüber.
  3. Videoanalyse: Analysiere eines der eingebetteten Videos hinsichtlich Aufgabe, beobachtetem Verhalten und möglicher Alternativerklärungen.
  4. Kompetenz und Performanz: Entwickle ein Fallbeispiel, in dem vorhandenes Wissen wegen hoher Aufgabenanforderungen nicht sichtbar wird.


Schwer

  1. Literaturvergleich: Vergleiche Piagets Deutung mit einer neueren Erklärung des A-nicht-B-Suchfehlers.
  2. Datenauswertung: Erfinde einen kleinen Blickzeitdatensatz und begründe, welche Schlussfolgerungen zulässig und welche überzogen wären.
  3. Forschungsexposé: Plane eine ethisch vertretbare Studie zur Rolle von Verzögerung, Aufmerksamkeit oder Inhibition bei Suchhandlungen.
  4. Wissenschaftsdebatte: Verfasse eine begründete Stellungnahme zur Frage, ob Blickzeit bereits als Beweis für begriffliches Wissen gelten kann.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Fallanalyse: Ein Kind verfolgt einen verdeckten Gegenstand mit den Augen, greift später aber zum falschen Versteck. Erkläre den Befund mithilfe von Kompetenz und Performanz.
  2. Methodenkritik: Beurteile, welche zusätzlichen Anforderungen eine Suchaufgabe stellt und wie diese das Ergebnis verzerren können.
  3. Dateninterpretation: Zwei Gruppen unterscheiden sich in ihrer Blickzeit. Formuliere mindestens zwei plausible Erklärungen und entscheide, welche Zusatzdaten benötigt werden.
  4. Theorietransfer: Übertrage das Prinzip der Objektpermanenz auf ein Tierexperiment und erläutere mögliche artspezifische Störvariablen.
  5. Forschungsdesign: Entwickle eine Untersuchung, mit der sich der Einfluss einer Wartezeit auf den A-nicht-B-Suchfehler prüfen ließe.
  6. Begriffsabgrenzung: Erkläre anhand eines selbst gewählten Beispiels den Unterschied zwischen Objektpermanenz, Objektkonstanz und Arbeitsgedächtnis.




Lernnachweis

Für einen Lernnachweis sind wichtig:

  1. eine präzise Definition der Objektpermanenz.
  2. die Einordnung in Piagets sensomotorisches Stadium.
  3. eine korrekte Erklärung des A-nicht-B-Suchfehlers.
  4. der Vergleich von Suchaufgabe und Violation-of-Expectation-Paradigma.
  5. die Unterscheidung von Kompetenz und Performanz.
  6. eine methodenkritische Interpretation empirischer Befunde.
  7. die Berücksichtigung von Forschungsethik und Datenschutz.
  8. ein eigenständiger Transfer auf eine neue Forschungs- oder Alltagssituation.




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