Nachhaltiger Tourismus - Baden-Württemberg

Nachhaltiger Tourismus - Baden-Württemberg
Nachhaltiger Tourismus - Baden-Württemberg
Einleitung
Nachhaltiger Tourismus versucht, Reisen so zu gestalten, dass Natur, Klima, Bevölkerung und regionale Wirtschaft langfristig profitieren. Für Baden-Württemberg ist das besonders relevant: Das Land verbindet stark besuchte Städte und Kulturziele mit dem Schwarzwald, der Schwäbischen Alb, dem Bodensee, Weinlandschaften, Heilbädern und zahlreichen ländlichen Urlaubsregionen.
Nachhaltigkeit ist dabei kein einzelnes Umweltprojekt. Sie betrifft die gesamte touristische Leistungskette: die An- und Abreise, die Mobilität am Urlaubsort, Unterkunft und Gastronomie, den Umgang mit Schutzgebieten, Arbeitsbedingungen, Barrierefreiheit, Beschaffung, regionale Produkte sowie die Frage, wie viel touristische Wertschöpfung tatsächlich in einer Region bleibt.
Das Statistische Landesamt Baden-Württemberg meldete für das Jahr 2025 rund 58,7 Millionen Übernachtungen. Damit wird deutlich, welche wirtschaftliche und räumliche Bedeutung der Tourismus im Land besitzt. Gleichzeitig entstehen Herausforderungen: Verkehr, Energie- und Flächenverbrauch, Nutzungskonflikte in der Natur und eine hohe Nachfrage zu bestimmten Zeiten und an besonders bekannten Orten müssen professionell gesteuert werden.
Statistisches Landesamt Baden-Württemberg: Tourismus 2025

Nachhaltiger Tourismus als Managementaufgabe
Nachhaltiger Tourismus verbindet drei Perspektiven. Die ökologische Nachhaltigkeit fragt beispielsweise nach Klimaschutz, Energieverbrauch, Biodiversität und Abfallvermeidung. Die ökonomische Nachhaltigkeit untersucht, ob touristische Betriebe dauerhaft wirtschaftlich arbeiten können und ob Einnahmen in der Region zirkulieren. Die soziale und kulturelle Nachhaltigkeit richtet den Blick auf Beschäftigte, Gäste, Barrierefreiheit, Lebensqualität der Bevölkerung und den respektvollen Umgang mit regionaler Kultur.
Für Ausbildung und Studium ist wichtig, diese drei Perspektiven nicht getrennt zu betrachten. Eine Maßnahme kann mehrere Wirkungen haben. Ein Hotel, das Lebensmittel von regionalen Betrieben bezieht, kann Transportwege verkürzen, regionale Produzenten stärken, Gästen ein glaubwürdiges kulinarisches Erlebnis vermitteln und lokale Identität sichtbar machen. Umgekehrt entstehen Zielkonflikte: Mehr Besucherinnen und Besucher können zusätzliche Einnahmen bringen, aber sensible Lebensräume oder die Verkehrsinfrastruktur stärker belasten.
| Dimension | Leitfrage für das Tourismusmanagement | Beispiel |
|---|---|---|
| Ökologisch | Wie lassen sich Ressourcen und Natur schützen? | Bahn- und Busanreise, Energieeffizienz, Besucherlenkung |
| Ökonomisch | Wie bleibt touristische Wertschöpfung möglichst in der Region? | Regionale Lieferketten, lokale Betriebe, längere Aufenthalte |
| Sozial und kulturell | Wie profitieren Bevölkerung, Beschäftigte und Gäste? | Faire Arbeit, Barrierefreiheit, Beteiligung, regionale Kultur |
Die Tourismus Marketing GmbH Baden-Württemberg beschreibt nachhaltige Reiseziele ebenfalls als Zusammenspiel ökologischer, wirtschaftlicher und soziokultureller Verantwortung. Für Betriebe und Destinationen bedeutet das: Nachhaltigkeit sollte messbar in Strategie, Angebot und tägliche Abläufe integriert werden.
Tourismus Baden-Württemberg: Nachhaltiges Reiseziel
Mobilität: Die Reise beginnt vor dem Urlaubsort
Die Wahl des Verkehrsmittels ist ein zentraler Hebel nachhaltiger Tourismusentwicklung. Entscheidend ist nicht nur die Anreise, sondern die gesamte Reisekette: Weg zum Bahnhof, Hauptverkehrsmittel, Umstieg, letzte Strecke zur Unterkunft und Mobilität während des Aufenthalts. Ein gutes nachhaltiges Angebot funktioniert deshalb nur, wenn Informationen, Fahrpläne, Tickets, Gepäcklösungen, Fahrradmitnahme und Anschlüsse zusammenspielen.
In Baden-Württemberg erleichtern Angebote des öffentlichen Verkehrs die autofreie oder autoarme Reise. Der bwtarif verbindet Fahrten über Verbundgrenzen hinweg. Die Mobilitätsmarke bwegt bündelt Informationen rund um den regionalen öffentlichen Verkehr und stellt auch Freizeitangebote vor, die mit Bus und Bahn erreichbar sind.

Ein besonderes Beispiel aus dem Schwarzwald ist die KONUS-Gästekarte. In teilnehmenden Urlaubsorten können Übernachtungsgäste Busse und Bahnen des Nahverkehrs während ihres Aufenthalts ohne zusätzliches Fahrticket nutzen. Das verbindet Gästeservice mit regionaler Mobilität und kann dazu beitragen, Ausflüge ohne eigenen Pkw attraktiver zu machen.
Schwarzwald Tourismus: KONUS-Gästekarte
Auch Radverkehr und Bahn lassen sich kombinieren. Für touristische Regionen ist dabei nicht nur ein Radweg entscheidend. Notwendig sind sichere Wegführung, verständliche Beschilderung, Abstellmöglichkeiten, Reparaturangebote, Fahrradmitnahme und passende Informationen.

Für das Destinationsmanagement ergibt sich daraus eine wichtige Erkenntnis: Nachhaltige Mobilität ist ein Produkt. Sie muss aus Sicht des Gastes einfach, verständlich und zuverlässig sein. Wenn ein Anschluss schlecht funktioniert oder die letzte Strecke zur Unterkunft ungeklärt ist, wird trotz guter Bahnverbindung häufig der Pkw gewählt.
Tourismus Baden-Württemberg: Nachhaltige Mobilität
Wandern und Freizeit ohne Auto
Gerade für Wanderregionen ist die Verbindung von öffentlichem Verkehr und Wegenetz interessant. Idealerweise beginnen Touren an Haltestellen und enden dort, wo eine Rückfahrt möglich ist. Dadurch müssen Wanderungen nicht zwingend als Rundweg geplant werden. Gleichzeitig kann der Besucherstrom auf mehrere Ausgangspunkte verteilt werden.
Für die Planung eines nachhaltigen Angebots solltest Du deshalb nicht nur fragen: Was ist die schönste Route? Ebenso wichtig sind Fragen wie: Ist der Start mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar? Gibt es realistische Anschlüsse am Wochenende? Wie wird über Baustellen oder saisonale Änderungen informiert? Können Menschen mit unterschiedlichen körperlichen Voraussetzungen teilnehmen?
Natur schützen und erlebbar machen
Baden-Württemberg besitzt unterschiedliche Schutz- und Modellregionen. Dazu gehören der Nationalpark Schwarzwald, Biosphärengebiete und sieben Naturparke. Tourismus kann dort Naturerfahrung und Umweltbildung ermöglichen, muss aber an die Belastbarkeit von Lebensräumen angepasst werden.
Im Nationalpark Schwarzwald steht die natürliche Entwicklung von Waldökosystemen im Mittelpunkt. Besucherinnen und Besucher können Natur erleben, sollen aber Schutzregeln respektieren. Wegeführung, Informationen, Rangerarbeit und Bildungsangebote sind Instrumente der Besucherlenkung. Sie sollen Naturerlebnis ermöglichen und gleichzeitig sensible Bereiche entlasten.


Ein typischer Zielkonflikt entsteht, wenn besonders attraktive Orte durch soziale Medien schnell bekannt werden. Mehr Aufmerksamkeit kann Gastronomie und Beherbergung stärken, gleichzeitig aber Parkdruck, Trittschäden, Lärm oder Störungen von Wildtieren verursachen. Professionelles Destinationsmanagement reagiert darauf nicht nur mit Verboten. Es kombiniert Information, attraktive Alternativangebote, Mobilitätskonzepte, räumliche Lenkung und gegebenenfalls zeitliche Steuerung.

Ministerium für Umwelt Baden-Württemberg: Nationalpark Schwarzwald
Biosphärengebiete und Naturparke als Modellräume
Biosphärengebiete verfolgen einen besonders breiten Ansatz. Sie verbinden Naturschutz mit nachhaltiger Regionalentwicklung, Landwirtschaft, Bildung, Forschung und Tourismus. Im Biosphärengebiet Schwäbische Alb zeigen Initiativen für regionale Produkte, wie Landschaftspflege und wirtschaftliche Nutzung miteinander verbunden werden können. Wenn landwirtschaftliche Betriebe durch regionale Vermarktung zusätzliche Absatzmöglichkeiten erhalten, kann Tourismus zur Sicherung von Kulturlandschaften beitragen.
Naturparke sind ebenfalls wichtige Räume für Erholung, Umweltbildung und regionale Entwicklung. Für Tourismusfachleute ist dabei entscheidend, dass Natur nicht nur als Kulisse betrachtet wird. Die Qualität der Landschaft ist selbst eine Grundlage des touristischen Angebots und muss deshalb langfristig erhalten werden.
Biosphärengebiet Schwäbische Alb
Regionale Wertschöpfung: Was bleibt vom touristischen Euro?
Regionale Wertschöpfung beschreibt, welcher wirtschaftliche Nutzen in einer Region entsteht. Ein Gast zahlt beispielsweise für Unterkunft, Restaurant, Eintritt, Nahverkehr, Fahrradverleih oder Einkauf. Diese Betriebe kaufen ihrerseits Waren und Dienstleistungen ein und zahlen Löhne. Je stärker solche Beziehungen innerhalb der Region stattfinden, desto größer kann die regionale Wirkung sein.
Das Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg weist für das Jahr 2023 einen touristischen Bruttoumsatz von rund 25,9 Milliarden Euro aus. Davon profitieren nicht nur Hotels und Gaststätten, sondern auch Einzelhandel, Dienstleistungen, Verkehr, Handwerk, Landwirtschaft und weitere Zulieferer. Wandern und Radtourismus sind ebenfalls bedeutsame Teilbereiche.
Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus Baden-Württemberg: Wirtschaftsfaktor Tourismus
Eine nachhaltige Wertschöpfungsstrategie versucht deshalb, lokale Wirtschaftskreisläufe zu stärken. Ein Restaurant kann Gemüse, Käse, Brot oder Wein aus der Umgebung beziehen. Eine Unterkunft kann mit einem regionalen Fahrradverleih kooperieren. Eine Tourist-Information kann lokale Produzentinnen und Produzenten in Führungen oder Themenrouten einbinden. Wichtig ist, dass „regional“ nicht nur als Werbewort verwendet wird, sondern die Herkunft nachvollziehbar ist.


Auch die Aufenthaltsdauer spielt eine Rolle. Wer länger an einem Ort bleibt, benötigt nicht für jeden Urlaubstag eine neue An- und Abreise und nutzt häufig vielfältigere Angebote vor Ort. Für Betriebe kann eine bessere Auslastung außerhalb der Hauptsaison zudem wirtschaftlich stabilisierend wirken.
Der Bodensee als Beispiel für vernetzte Tourismusangebote
Am Bodensee treffen Naturraum, Städte, Kultur, internationale Verkehrsbeziehungen, Radverkehr, Schifffahrt und landwirtschaftliche Produktion aufeinander. Gerade solche Räume zeigen, warum nachhaltiger Tourismus nur über Kooperation funktioniert. Einzelne Hotels können ihre Energieeffizienz verbessern, aber Fragen wie Verkehrssteuerung, Radwege, Uferzugang oder Besucherinformation müssen zwischen Gemeinden, Verkehrsunternehmen, Tourismusorganisationen und weiteren Akteuren abgestimmt werden.

Für angehende Tourismusmanagerinnen und Tourismusmanager ist deshalb Stakeholder-Management eine Kernkompetenz. Unterschiedliche Interessen müssen erkannt, Konflikte moderiert und gemeinsame Ziele entwickelt werden.
Nachhaltigkeit im touristischen Betrieb
Auch ein einzelner Betrieb kann systematisch handeln. Dabei reicht es nicht aus, Handtücher seltener zu wechseln oder einzelne Produkte mit einem Umweltlabel anzubieten. Nachhaltigkeitsmanagement umfasst Beschaffung, Energie, Wasser, Abfall, Mobilitätsinformationen, Personal, Barrierefreiheit, Kommunikation und die Zusammenarbeit mit Partnerbetrieben.
| Handlungsfeld | Mögliche Maßnahme | Sinnvolle Kennzahl |
|---|---|---|
| Energie | Effiziente Technik und erneuerbare Energie einsetzen | Energieverbrauch je Übernachtung |
| Wasser | Sparsame Armaturen und Verbrauchskontrolle | Liter je Gastnacht |
| Beschaffung | Regionale und saisonale Produkte bevorzugen | Anteil regionaler Lieferanten |
| Abfall | Mehrweg und Vermeidung von Einwegprodukten | Abfallmenge je Gast |
| Personal | Faire Arbeitsbedingungen und Weiterbildung | Fluktuation und Mitarbeiterzufriedenheit |
| Mobilität | ÖPNV-Anreise aktiv erklären und fördern | Anteil autofrei anreisender Gäste |
| Barrierefreiheit | Angebote für unterschiedliche Bedürfnisse zugänglich machen | Anteil geprüfter barrierearmer Leistungen |
Ein wichtiger Grundsatz lautet: Messen vor Behaupten. Erst Kennzahlen ermöglichen es, Fortschritte über mehrere Jahre zu vergleichen. Für Ausbildung und Studium solltest Du deshalb Nachhaltigkeitsberichte und Zertifikate nicht nur als Kommunikationsinstrument betrachten, sondern als Teil eines Managementsystems.
Destinationen: Nachhaltigkeit gemeinsam organisieren
Eine Destination ist mehr als eine einzelne Sehenswürdigkeit. Sie umfasst Unterkunft, Gastronomie, Mobilität, Freizeitangebote, Landschaft, öffentliche Infrastruktur und die Wahrnehmung durch Gäste. Viele Leistungen werden von unterschiedlichen Organisationen erbracht. Nachhaltiges Destinationsmanagement braucht deshalb Kooperation.
Baden-Württemberg arbeitet mit dem Ansatz Nachhaltiges Reiseziel. Dabei werden ökologische, wirtschaftliche und soziokulturelle Themen zusammengeführt. Für Tourismusbetriebe gibt es zudem Instrumente zur Selbsteinschätzung, mit denen die eigene Nachhaltigkeitsleistung strukturiert überprüft werden kann.
Ein Zertifikat ist allerdings nicht automatisch der Endpunkt. Entscheidend ist ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess: Ziele definieren, Daten erfassen, Maßnahmen durchführen, Wirkungen prüfen und neue Ziele setzen.
Ausbildung und Studium: Berufsfeld nachhaltiger Tourismus
Nachhaltigkeit verändert berufliche Aufgaben im Tourismus. In klassischen Ausbildungsberufen wie Tourismuskaufmann beziehungsweise Tourismuskauffrau, Kaufmann beziehungsweise Kauffrau für Tourismus und Freizeit, Hotelfachmann beziehungsweise Hotelfachfrau oder in gastronomischen Berufen werden Beratung, Organisation, Gästeservice und Wirtschaftlichkeit zunehmend mit Fragen zu Ressourcen, Mobilität und regionalen Angeboten verbunden.
Im Studium werden diese Themen stärker analytisch und strategisch bearbeitet. Die Hochschule Heilbronn bietet beispielsweise einen Bachelorstudiengang Tourismusmanagement sowie den Masterstudiengang Tourismus und Nachhaltigkeitsmanagement an. Die Duale Hochschule Baden-Württemberg in Ravensburg bietet einen dualen Bachelor im Bereich BWL – Tourismus, Hotellerie und Gastronomie. Das duale Modell verbindet Hochschulphasen mit praktischer Arbeit bei einem Partnerunternehmen.
Hochschule Heilbronn: Tourismusmanagement Hochschule Heilbronn: Tourismus und Nachhaltigkeitsmanagement DHBW Ravensburg
Für Studium und Beruf sind insbesondere folgende Kompetenzen wichtig: betriebswirtschaftliches Denken, Destinationsmanagement, Datenanalyse, Projektmanagement, Marketing, Kommunikation, Fremdsprachen, Mobilitätsplanung, Qualitätsmanagement und die Fähigkeit, ökologische sowie soziale Folgen wirtschaftlicher Entscheidungen zu beurteilen.
Praxisfall: Drei Tage nachhaltig im Schwarzwald
Stell Dir vor, Du entwickelst ein dreitägiges Angebot für zwei Gäste im Schwarzwald. Die Anreise erfolgt per Bahn. Die Unterkunft erklärt bereits vor Reisebeginn die letzte Strecke vom Bahnhof und informiert über die Nutzung des regionalen Nahverkehrs. Vor Ort werden Wanderziele ausgewählt, die mit Bus und Bahn erreichbar sind. Eine Tour wird bewusst auf einen weniger stark besuchten Ausgangspunkt gelegt.
Beim Essen werden regionale und saisonale Produkte angeboten. Die Gäste erhalten Informationen darüber, von welchen Betrieben diese stammen. Für den Nationalpark werden Schutzregeln und Wegehinweise erklärt. Statt möglichst viele Programmpunkte in kurzer Zeit zu sammeln, konzentriert sich das Angebot auf längere Aufenthalte an wenigen Orten.
Dieses Beispiel zeigt: Nachhaltigkeit entsteht nicht durch eine einzelne Entscheidung. Sie ist das Ergebnis einer aufeinander abgestimmten Reisekette.
Zielkonflikte erkennen
Im professionellen Tourismusmanagement gibt es selten Lösungen ohne Nebenwirkungen. Eine neue Buslinie verursacht Kosten, kann aber Pkw-Verkehr reduzieren. Ein Aussichtspunkt erzeugt Aufmerksamkeit für eine Region, kann aber bei hoher Nachfrage überlastet werden. Eine regionale Speisekarte kann lokale Betriebe stärken, ist jedoch möglicherweise saisonal weniger flexibel. Eine strengere Besucherlenkung schützt sensible Flächen, kann aber als Einschränkung wahrgenommen werden.
Deshalb brauchst Du für nachhaltige Entscheidungen mehrere Kriterien. Neben Umsatz und Gästezahlen können beispielsweise der Modal Split der Anreise, die Aufenthaltsdauer, saisonale Verteilung, Ausgaben bei lokalen Betrieben, Energie- und Wasserverbrauch je Gastnacht, Fluktuation von Beschäftigten, Gästezufriedenheit sowie die Akzeptanz in der Bevölkerung betrachtet werden.
Ein zentrales Lernziel ist, nicht nur zu fragen: Wie viele Gäste kommen? Ebenso wichtig sind die Fragen: Wie kommen sie, wann kommen sie, wie lange bleiben sie, wo geben sie Geld aus und welche Wirkungen entstehen?
Quellen und Vertiefung
- Statistisches Landesamt Baden-Württemberg: Tourismus 2025
- Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus: Wirtschaftsfaktor Tourismus
- Tourismus Baden-Württemberg: Nachhaltige Mobilität
- Tourismus Baden-Württemberg: Nachhaltiges Reiseziel
- Schwarzwald Tourismus: KONUS-Gästekarte
- Ministerium für Umwelt Baden-Württemberg: Nationalpark Schwarzwald
- Biosphärengebiet Schwäbische Alb
- Hochschule Heilbronn: Tourismusmanagement
- Hochschule Heilbronn: Tourismus und Nachhaltigkeitsmanagement
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Welche drei Perspektiven verbindet nachhaltiger Tourismus? (Ökologie Ökonomie und soziale Verantwortung) (!Nur Werbung Wachstum und Unterhaltung) (!Nur Naturschutz Technik und Architektur) (!Nur Unterkunft Gastronomie und Einzelhandel)
Was ist das Ziel einer gut geplanten touristischen Reisekette? (Die gesamte Fahrt vom Ausgangsort bis zum Angebot vor Ort soll einfach funktionieren) (!Nur der Parkplatz am Urlaubsort soll größer werden) (!Alle Gäste sollen dasselbe Verkehrsmittel benutzen) (!Die Anreise soll vom touristischen Angebot getrennt werden)
Welche Funktion hat die KONUS-Gästekarte im Schwarzwald? (Sie erleichtert Übernachtungsgästen die Nutzung des regionalen Nahverkehrs) (!Sie ersetzt den Personalausweis im Urlaub) (!Sie garantiert freien Eintritt in alle Freizeitparks) (!Sie ist eine reine Rabattkarte für Fernflüge)
Was bedeutet Besucherlenkung in einem Schutzgebiet? (Gäste so zu führen dass Naturerlebnis und Schutz besser vereinbar werden) (!Gäste ausschließlich in Einkaufszentren zu führen) (!Alle Wege unabhängig von der Natur zu verbreitern) (!Die Zahl der Informationen für Gäste zu reduzieren)
Was stärkt regionale Wertschöpfung besonders? (Die Zusammenarbeit mit regionalen Betrieben und Lieferanten) (!Der vollständige Einkauf aller Waren außerhalb der Region) (!Eine möglichst kurze Aufenthaltsdauer aller Gäste) (!Die Trennung von Tourismus und Landwirtschaft)
Warum sind Kennzahlen für Nachhaltigkeitsmanagement wichtig? (Sie machen Entwicklungen und Wirkungen vergleichbar) (!Sie ersetzen jede fachliche Entscheidung) (!Sie dienen nur der Gestaltung von Werbeplakaten) (!Sie verhindern grundsätzlich alle Zielkonflikte)
Welche Aufgabe gehört zum nachhaltigen Destinationsmanagement? (Interessen verschiedener Akteure koordinieren) (!Nur die Zimmerpreise eines einzelnen Hotels festlegen) (!Ausschließlich internationale Flugreisen bewerben) (!Naturschutz und Mobilität getrennt voneinander behandeln)
Was ist ein sinnvoller Indikator für nachhaltige Mobilität? (Der Anteil autofrei anreisender Gäste) (!Die Anzahl gedruckter Speisekarten) (!Die Höhe des Hoteldachs) (!Die Zahl der Fernseher in Gästezimmern)
Welche Rolle können Biosphärengebiete spielen? (Sie verbinden Naturschutz mit nachhaltiger Regionalentwicklung) (!Sie dienen ausschließlich dem Bau neuer Parkplätze) (!Sie schließen jede wirtschaftliche Nutzung grundsätzlich aus) (!Sie ersetzen alle Gemeinden durch eine zentrale Verwaltung)
Welche Kompetenz ist für nachhaltigen Tourismus im Studium besonders wichtig? (Ökologische soziale und wirtschaftliche Folgen gemeinsam beurteilen) (!Nur möglichst viele Gäste unabhängig von Folgen gewinnen) (!Kennzahlen grundsätzlich vermeiden) (!Regionale Akteure aus Planungen ausschließen)
Memory
| KONUS | Nahverkehr für Übernachtungsgäste |
| Besucherlenkung | Schutz und Naturerlebnis verbinden |
| Regionale Wertschöpfung | Einnahmen in lokalen Wirtschaftskreisläufen |
| Modal Split | Verteilung auf verschiedene Verkehrsmittel |
| Biosphärengebiet | Modellregion für nachhaltige Entwicklung |
| Destination | Vernetzter touristischer Erlebnisraum |
| Saisonalität | Schwankende Nachfrage im Jahresverlauf |
| Barrierefreiheit | Teilhabe für unterschiedliche Bedürfnisse |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Wirkung |
|---|---|
| Bahnreise | Klimafreundlichere Anreise |
| Regionale Küche | Lokale Lieferketten |
| Wegegebot | Schutz sensibler Lebensräume |
| Mehrweg | Abfallvermeidung |
| Barrierefreiheit | Soziale Teilhabe |
Kreuzworträtsel
| KONUS | Wie heißt die Gästekarte für die Nahverkehrsnutzung in vielen Schwarzwaldorten? |
| Mobilität | Welcher Begriff beschreibt die Art und Weise wie Menschen unterwegs sind? |
| Naturschutz | Welcher Begriff bezeichnet den Schutz von Arten Lebensräumen und Landschaften? |
| Regionalität | Welcher Begriff beschreibt die bewusste Orientierung an der eigenen Region? |
| Saisonalität | Wie heißt die jahreszeitlich schwankende touristische Nachfrage? |
| Wertschöpfung | Wie nennt man die Entstehung wirtschaftlichen Nutzens durch Leistungen und Produkte? |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Nachhaltige Anreise: Suche für einen touristischen Ort in Baden-Württemberg eine Verbindung mit Bus und Bahn und vergleiche sie mit einer Pkw-Anreise nach Kriterien wie Reisezeit, Umstiege und Komfort.
- Regionale Produkte: Fotografiere oder dokumentiere fünf regionale Produkte aus Deiner Umgebung und erkläre, wie sie in ein touristisches Angebot eingebunden werden könnten.
- Besucherlenkung: Entwirf ein Hinweisschild für einen Wanderweg, das Naturschutz verständlich erklärt, ohne Gäste abzuschrecken.
- Tourismusberufe: Wähle einen Ausbildungsberuf im Tourismus und beschreibe drei Situationen, in denen Nachhaltigkeitswissen im Berufsalltag nützlich ist.
Standard
- Mobilitätskonzept: Entwickle für eine Unterkunft ein Informationsblatt zur autofreien Anreise und Mobilität während des Aufenthalts.
- Regionale Wertschöpfung: Erstelle eine Wertschöpfungskette für ein regionales Frühstück und kennzeichne, welche Betriebe daran beteiligt sind.
- Naturtourismus: Untersuche einen Naturraum in Baden-Württemberg und entwickle zwei Maßnahmen, die Naturerlebnis und Schutz besser miteinander verbinden.
- Nachhaltigkeitskennzahlen: Erstelle für einen fiktiven Hotelbetrieb ein kleines Kennzahlensystem mit mindestens fünf messbaren Größen und begründe Deine Auswahl.
Schwer
- Destinationsmanagement: Entwickle ein Konzept für einen stark besuchten Ausflugsort, das Mobilität, Besucherlenkung, regionale Betriebe und Interessen der Bevölkerung gemeinsam berücksichtigt.
- Stakeholder-Analyse: Führe für ein touristisches Projekt eine Stakeholder-Analyse durch und stelle mögliche Zielkonflikte zwischen Gemeinde, Gästen, Naturschutz, Betrieben und Bevölkerung dar.
- Tourismusforschung: Plane eine kleine Befragung zur nachhaltigen Mobilität von Gästen. Formuliere Forschungsfrage, Stichprobe, Fragen und eine Idee zur Auswertung.
- Nachhaltiges Tourismusprodukt: Konzipiere ein dreitägiges Angebot in Baden-Württemberg mit Anreise, Unterkunft, Aktivitäten und regionaler Verpflegung. Begründe jede zentrale Entscheidung mit ökologischen, wirtschaftlichen und sozialen Kriterien.


Lernkontrolle
- Zielkonflikte im Tourismus: Ein beliebter Aussichtspunkt wird an Wochenenden von sehr vielen Menschen besucht. Entwickle ein Maßnahmenpaket und begründe, welche Interessen dadurch gestärkt oder eingeschränkt werden.
- Mobilität und Angebot: Eine Unterkunft wirbt mit Nachhaltigkeit, ist vom Bahnhof jedoch nur mit dem Taxi erreichbar. Analysiere die Schwachstelle der Reisekette und entwickle mindestens zwei realistische Verbesserungen.
- Regionale Wertschöpfung: Vergleiche zwei gastronomische Beschaffungsmodelle – überwiegend regionale Lieferanten und überwiegend überregionale Großlieferanten. Beurteile mögliche wirtschaftliche, ökologische und organisatorische Folgen.
- Kennzahlen im Tourismus: Ein Hotel senkt seinen Energieverbrauch, gleichzeitig steigt die Zahl der Pkw-Anreisen. Erkläre, warum eine einzelne Kennzahl für die Gesamtbewertung der Nachhaltigkeit nicht ausreicht.
- Besucherlenkung und Naturschutz: Entwickle für ein sensibles Wandergebiet eine Lösung, die nicht nur auf Verbote setzt. Verknüpfe Information, Mobilität und attraktive Alternativangebote.
- Tourismusmanagement: Bewerte die Aussage „Je mehr Gäste eine Destination hat, desto erfolgreicher ist sie“. Entwickle ein differenziertes Erfolgsmodell mit mindestens vier Kriterien.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu Nachhaltiger Tourismus - Baden-Württemberg solltest Du zeigen, dass Du Zusammenhänge analysieren und auf reale touristische Situationen übertragen kannst.
- Du kannst ökologische, wirtschaftliche und soziale Nachhaltigkeit voneinander unterscheiden und miteinander verknüpfen.
- Du kannst eine touristische Reisekette analysieren und Schwachstellen der nachhaltigen Mobilität erkennen.
- Du kannst erklären, wie regionale Wertschöpfung über Beherbergung, Gastronomie, Verkehr, Handel, Landwirtschaft und Dienstleistungen entsteht.
- Du kannst Zielkonflikte zwischen Tourismus, Naturschutz, Bevölkerung und wirtschaftlichen Interessen begründet beurteilen.
- Du kannst geeignete Nachhaltigkeitskennzahlen auswählen und ihre Aussagekraft kritisch einschätzen.
- Du kannst Beispiele aus Baden-Württemberg wie KONUS, Nationalpark, Biosphärengebiet oder regionale Lieferketten fachlich einordnen.
- Du kannst Ausbildungs- und Studienwege mit beruflichen Aufgaben im nachhaltigen Tourismus verbinden.
- Du kannst ein eigenes nachhaltiges Tourismusprodukt oder Destinationskonzept entwickeln und Deine Entscheidungen nachvollziehbar begründen.
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