Hasan Salihamidžić als Bayern-Spieler

Hasan Salihamidžić als Bayern-Spieler
Hasan Salihamidžić als Bayern-Spieler

Hasan Salihamidžić, oft „Brazzo“ genannt, prägte zwischen 1998 und 2007 eine erfolgreiche Phase des FC Bayern München. Er war kein Spieler, der sich nur über eine einzige Spezialposition definierte. Seine Bedeutung lag besonders in der Verbindung von Vielseitigkeit, hohem läuferischem Aufwand, taktischer Anpassungsfähigkeit und konsequenter Arbeit für die Mannschaft. Der Höhepunkt seiner Bayern-Zeit war der Gewinn der UEFA Champions League 2001. Im Finale gegen den FC Valencia stand er in der Startelf, blieb bis zum Ende der Verlängerung auf dem Platz und verwandelte im anschließenden Elfmeterschießen den ersten erfolgreichen Bayern-Elfmeter.
Dieser aiMOOC untersucht Salihamidžić ausdrücklich als Spieler. Du lernst seine Karriere vom Hamburger SV über den FC Bayern bis zu Juventus Turin und dem VfL Wolfsburg kennen. Im Mittelpunkt stehen aber nicht nur Daten und Titel. Du analysierst, warum ein vielseitiger Außenbahnspieler für eine Mannschaft wertvoll sein kann, wie sich Einsatzbereitschaft taktisch zeigt und weshalb das Champions-League-Finale 2001 ein besonders gutes Beispiel für Verantwortung unter Druck ist.
Einleitung
Hasan Salihamidžić wurde am 1. Januar 1977 in Jablanica geboren. Seine Jugend begann beim FK Turbina Jablanica und führte über den FK Velež Mostar nach Deutschland. 1992 kam er als Jugendlicher nach Hamburg; der Krieg in Bosnien und Herzegowina bildete dabei den dramatischen historischen Hintergrund seiner Übersiedlung. Beim Hamburger SV entwickelte er sich vom Nachwuchsspieler zum Bundesligaprofi. 1998 wechselte er zum FC Bayern München und blieb dort neun Spielzeiten.
Seine Spielerkarriere macht deutlich, dass sportlicher Wert nicht allein an Toren gemessen werden kann. Salihamidžić war zwar offensiv gefährlich, doch sein Profil umfasste wesentlich mehr: Er konnte auf der Außenbahn unterschiedliche Aufgaben übernehmen, arbeitete in beide Spielrichtungen, unterstützte Mitspieler, half beim Schließen von Räumen und war bereit, seine Rolle an die Anforderungen eines Spiels anzupassen. Genau darin liegt der didaktische Schwerpunkt dieses aiMOOCs: Vielseitigkeit ist im Mannschaftssport nicht Beliebigkeit, sondern die Fähigkeit, verschiedene Aufgaben auf hohem Niveau und im Sinne eines gemeinsamen Plans zu erfüllen.

Das Bild zeigt eine Szene aus einem Freundschaftsspiel zwischen Persepolis und dem FC Bayern im Januar 2006. Solche Spielszenen eignen sich, um nicht nur den ballführenden Spieler zu betrachten, sondern auch Abstände, Laufwege, Absicherungen und die Einbindung von Außenbahnspielern in die gesamte Mannschaftsstruktur zu untersuchen.
Lernziele
Nach diesem aiMOOC kannst Du die wichtigsten Stationen von Salihamidžićs Spielerkarriere zeitlich einordnen. Du kannst erklären, was seine Vielseitigkeit für den FC Bayern bedeutete, und Du kannst Einsatzbereitschaft von bloßem unkontrolliertem Laufen unterscheiden. Außerdem kannst Du den Verlauf des Champions-League-Finales 2001 beschreiben, seine Rolle im Elfmeterschießen erklären und aus diesem Beispiel allgemeine Aussagen über Teamarbeit, Taktik, Resilienz und Verantwortung im Leistungssport ableiten.
Von Jablanica nach Hamburg
Salihamidžić begann als Kind in seiner Heimatstadt Jablanica mit dem organisierten Fußball und spielte später im Nachwuchs von Velež Mostar. 1992 kam er als 15-Jähriger nach Hamburg. Beim Hamburger SV erhielt er die Möglichkeit, seine fußballerische Ausbildung fortzusetzen. Dieser Abschnitt seiner Biografie zeigt, wie stark eine Sportkarriere von historischen und gesellschaftlichen Umständen beeinflusst werden kann.
In der Saison 1995/96 gelang ihm der Durchbruch in die Bundesligamannschaft des HSV. In seinen drei Bundesligajahren für die Hamburger bestritt er 72 Ligaspiele und erzielte 19 Tore. Besonders auffällig war seine Saison 1997/98, in der er zehn Bundesligatore erzielte. Damit war er längst mehr als ein Nachwuchstalent und wurde für größere Vereine interessant.
Karriere im Überblick
| Zeitraum | Verein | Bedeutung für die Entwicklung |
|---|---|---|
| Jugend bis 1992 | FK Turbina Jablanica und FK Velež Mostar | Grundlagen der fußballerischen Ausbildung in Bosnien und Herzegowina |
| 1992 bis 1998 | Hamburger SV | Entwicklung vom Jugendspieler zum etablierten Bundesligaprofi |
| 1998 bis 2007 | FC Bayern München | Erfolgreichste Phase der Spielerkarriere mit nationalen Titeln, Champions-League-Sieg und Weltpokal |
| 2007 bis 2011 | Juventus Turin | Neue taktische und kulturelle Herausforderung in der italienischen Serie A |
| 2011 bis 2012 | VfL Wolfsburg | Letzte Profistation und Abschluss der aktiven Spielerkarriere |
Die Tabelle zeigt einen roten Faden: Salihamidžić musste sich mehrfach an neue sportliche Umgebungen anpassen. Anpassungsfähigkeit war deshalb nicht nur eine Eigenschaft innerhalb eines Spiels, sondern auch ein Merkmal seiner gesamten Karriere.
Der Wechsel zum FC Bayern 1998
1998 schloss sich Salihamidžić dem FC Bayern an. Bereits in seiner ersten Bundesliga-Saison für München kam er auf 30 Einsätze. Auch 1999/2000 waren es 30, in der Meisterschaftssaison 2000/01 sogar 31. Diese regelmäßige Verfügbarkeit ist ein wichtiger Hinweis darauf, warum Trainer ihn häufig einsetzten: Wer mehrere Rollen ausfüllen kann und zugleich zuverlässig hohe Intensität anbietet, erweitert die taktischen Möglichkeiten einer Mannschaft.
Beim FC Bayern arbeitete Salihamidžić unter verschiedenen Trainern und in unterschiedlichen Mannschaftskonstellationen. Die erfolgreichste Phase zu Beginn seiner Münchner Zeit war eng mit Ottmar Hitzfeld verbunden. Hitzfelds Teams mussten sowohl in der Bundesliga als auch in der Champions League flexibel auf sehr unterschiedliche Gegner reagieren. Ein Spieler, der auf der Außenbahn offensiv und defensiv denken konnte, war dafür besonders wertvoll.
Erfolge als Bayern-Spieler
Zu den wichtigsten Titeln Salihamidžićs als Bayern-Spieler gehören sechs deutsche Meisterschaften, vier DFB-Pokalsiege, der Champions-League-Sieg 2001 und der Weltpokalsieg 2001. Hinzu kamen Erfolge im damaligen Ligapokal. Die Titel allein erklären seine Rolle jedoch nicht. Aussagekräftiger ist die Kombination aus Einsatzhäufigkeit, Positionsflexibilität und der Tatsache, dass er auch in entscheidenden internationalen Spielen Verantwortung übernahm.
| Wettbewerb | Zentrale Erfolge mit Bayern | Lernperspektive |
|---|---|---|
| Bundesliga | Deutscher Meister 1999, 2000, 2001, 2003, 2005 und 2006 | Konstanz über viele Spielzeiten |
| DFB-Pokal | Sieger 2000, 2003, 2005 und 2006 | Erfolg in K.-o.-Spielen |
| UEFA Champions League | Sieger 2001 | Leistung unter höchstem internationalen Druck |
| Weltpokal | Sieger 2001 | Internationaler Titel gegen den südamerikanischen Klubmeister |
Vielseitigkeit als sportliche Stärke
In vielen Spielerprofilen wird Salihamidžić als Mittelfeldspieler beschrieben; zugleich konnte er auch als Außenverteidiger eingesetzt werden. Entscheidend ist weniger die Frage, ob eine einzelne Positionsbezeichnung „richtig“ ist, sondern welche Aufgaben er in verschiedenen Rollen erfüllen konnte. Auf dem Flügel musste er Breite geben, nach vorne starten, Flankenräume besetzen und gleichzeitig nach Ballverlusten zurückarbeiten. In einer defensiveren Außenrolle verschob sich der Schwerpunkt stärker auf Zweikämpfe, Absicherung und das Verteidigen des Raums hinter dem Mittelfeld.
Diese Flexibilität machte ihn für Trainer besonders nützlich. Fiel ein Spieler aus oder verlangte ein Gegner eine andere Struktur, konnte Salihamidžić in eine veränderte Rolle wechseln, ohne dass die Mannschaft vollständig umgebaut werden musste. In der modernen Fußballtaktik spricht man bei solchen Spielern häufig von Positions- oder Rollenflexibilität.
Was Vielseitigkeit nicht bedeutet
Vielseitigkeit bedeutet nicht, dass ein Spieler „irgendwo“ aufgestellt wird. Jede Position besitzt eigene Anforderungen. Ein vielseitiger Profi muss deshalb mehrere technische, taktische und körperliche Kompetenzbereiche verbinden. Dazu gehören Orientierung vor der Ballannahme, saubere erste Kontakte, Timing bei Vorstößen, Rückwärtsbewegung, Kommunikation und die Fähigkeit, Spielsituationen schnell zu lesen.
Bei Salihamidžić lässt sich diese Idee gut beobachten: Seine Stärken waren nicht auf einen einzigen spektakulären Spielzug beschränkt. Sein Wert entstand auch daraus, dass er laufend zwischen offensiver Unterstützung und defensiver Verantwortung wechselte.
Taktisches Gedankenexperiment
Stell Dir vor, Bayern führt zehn Minuten vor Schluss knapp. Ein offensiver Außenbahnspieler ist müde, zugleich muss die Mannschaft gegnerische Flanken verhindern. Ein vielseitiger Spieler wie Salihamidžić kann in einer solchen Situation seine Position tiefer interpretieren, einen Außenverteidiger unterstützen oder selbst eine defensivere Rolle übernehmen. Liegt Bayern dagegen zurück, kann derselbe Spieler höher schieben, Überzahlsituationen am Flügel erzeugen und früher in den Strafraum starten. Die Position auf dem Aufstellungsbogen bleibt dabei nur ein Ausgangspunkt; entscheidend sind die Aufgaben im jeweiligen Spielmoment.
Einsatzbereitschaft und Mannschaftsdienst
Der FC Bayern beschreibt Salihamidžić in Rückblicken auf seine Spielerzeit als ausgesprochen kämpferischen Teamplayer. Für eine sachliche Analyse sollte „Kampf“ jedoch nicht mit Härte um jeden Preis verwechselt werden. Gute Einsatzbereitschaft zeigt sich vor allem in wiederholten, zielgerichteten Aktionen für die Mannschaft: nach Ballverlusten zurücksprinten, Passwege schließen, einen Mitspieler absichern, einen zweiten Laufweg anbieten, nach einem verlorenen Zweikampf sofort wieder in die Ordnung finden und auch unter Ermüdung konzentriert bleiben.
Ein aufschlussreiches Indiz liefert die Saison 2000/01. Salihamidžić bestritt 31 Bundesligaspiele und kam in 15 Champions-League-Partien zum Einsatz. In der Königsklasse erzielte er in dieser Saison zwei Tore. Diese Zahlen beweisen allein keine „Mentalität“, zeigen aber, dass er in einer extrem belastenden Saison regelmäßig zur eingesetzten Mannschaft gehörte.
Einsatzbereitschaft intelligent verstehen
Für Dein eigenes Sportverständnis ist eine Unterscheidung wichtig. Einsatzbereitschaft ist dann wertvoll, wenn sie mit Spielintelligenz verbunden ist. Wer jedem Ball blind hinterherläuft, kann Räume öffnen und die Mannschaft schwächen. Wer dagegen erkennt, wann ein Sprint nötig ist, wann ein Raum geschlossen werden muss und wann ein Mitspieler Unterstützung braucht, verbindet körperliche Arbeit mit taktischer Disziplin.
Damit wird Salihamidžićs Spielertyp zu einem guten Beispiel für eine allgemeine Frage im Mannschaftssport: Wie kann ein einzelner Spieler durch viele scheinbar kleine Aktionen die Leistungsfähigkeit des gesamten Teams erhöhen?
Das spätere offizielle Bayern-Interview trägt den Titel „I always give 100 %“. Da es aus seiner Zeit als Sportdirektor stammt, darfst Du es nicht als unmittelbaren Beweis für einzelne Spielszenen seiner Profikarriere behandeln. Es eignet sich aber gut für eine Quellenaufgabe: Vergleiche die spätere Selbstdarstellung mit überprüfbaren Spieldaten und zeitgenössischen Berichten. So lernst Du, zwischen Selbstbeschreibung, Vereinsdarstellung und beobachtbarer Leistung zu unterscheiden.
Die Saison 2000/01
Die Saison 2000/01 war für den FC Bayern und Salihamidžić außergewöhnlich. In der Bundesliga wurde die Meisterschaft erst am letzten Spieltag entschieden. Beim Hamburger SV geriet Bayern kurz vor Schluss in Rückstand, ehe Patrik Andersson in der Nachspielzeit zum 1:1 traf. Dieses Unentschieden reichte zur Meisterschaft.
Nur vier Tage später stand das Champions-League-Finale in Mailand an. Der Weg dorthin war anspruchsvoll. Im Viertelfinale setzte sich Bayern gegen Manchester United durch, im Halbfinale gegen Real Madrid. Damit besiegten die Münchner auf dem Weg ins Endspiel zwei europäische Spitzenklubs, bevor im Finale der FC Valencia wartete.
Champions League 2001: Der Weg durch die K.-o.-Runden
| Runde | Hinspiel | Rückspiel | Ergebnis für Bayern |
|---|---|---|---|
| Viertelfinale | Manchester United – Bayern 0:1 | Bayern – Manchester United 2:1 | Bayern erreicht das Halbfinale |
| Halbfinale | Real Madrid – Bayern 0:1 | Bayern – Real Madrid 2:1 | Bayern erreicht das Finale |
| Finale | Bayern – Valencia 1:1 nach Verlängerung | Bayern gewinnt 5:4 im Elfmeterschießen | |
Die Ergebnisse zeigen, dass Bayern nicht zufällig ins Finale gelangte. Die Mannschaft musste in verschiedenen Spielsituationen stabil bleiben: auswärts verteidigen, Führungen absichern, zuhause Druck erzeugen und schließlich ein Finale bewältigen, das durch Strafstöße und ein langes Elfmeterschießen geprägt war.
Das Champions-League-Finale am 23. Mai 2001

Das Finale wurde im Stadio Giuseppe Meazza, besser bekannt als San Siro, in Mailand ausgetragen. Das eingebundene freie Bild zeigt das Stadion im Jahr 2001 und vermittelt Dir einen Eindruck vom Austragungsort jener Saison.
Valencia ging bereits in der dritten Minute durch einen Elfmeter von Gaizka Mendieta in Führung. Bayern erhielt später ebenfalls einen Strafstoß, den Mehmet Scholl nicht verwerten konnte. In der zweiten Halbzeit bekam Bayern einen weiteren Elfmeter; Kapitän Stefan Effenberg verwandelte in der 50. Minute zum 1:1. Nach 90 Minuten und Verlängerung blieb es bei diesem Stand.
Salihamidžić stand in der Bayern-Startelf. Ein Rückblick des FC Bayern beschreibt ihn in diesem Finale auf der linken Außenbahn. Er wurde während der Partie nicht ausgewechselt und war deshalb auch nach 120 Minuten noch auf dem Platz, als die Entscheidung im Elfmeterschießen fiel.
Das offizielle UEFA-Video zeigt Höhepunkte des Finals. Achte beim Anschauen nicht nur auf Tore und Paraden. Beobachte auch, wie sich die Mannschaften nach Ballverlusten ordnen, wie groß die Abstände zwischen den Mannschaftsteilen sind und wie sich die psychologische Spannung im Elfmeterschießen verändert.
Salihamidžić im Elfmeterschießen
Im Elfmeterschießen verschoss zunächst Paulo Sérgio für Bayern. Valencia ging durch Mendieta in Führung. Danach trat Salihamidžić an und verwandelte zum 1:1. Damit war er der erste Bayern-Spieler, der in diesem Elfmeterschießen erfolgreich traf. Sein Treffer gewann zusätzlich an Bedeutung, weil Bayern nach dem ersten Fehlschuss sofort unter Druck stand.
Später verwandelten für Bayern unter anderem Alexander Zickler, Stefan Effenberg, Bixente Lizarazu und Thomas Linke. Torhüter Oliver Kahn parierte mehrere Versuche Valencias. Thomas Linke traf schließlich zum 5:4, bevor Kahn den entscheidenden Versuch von Mauricio Pellegrino hielt. Bayern war Champions-League-Sieger.
Warum dieser Elfmeter mehr als eine Randnotiz ist
Ein Elfmeterschießen verdichtet viele Eigenschaften, die im Mannschaftssport sonst über längere Zeiträume verteilt sind: Technik, Routine, Mut, Konzentration und Verantwortung. Salihamidžić hatte bereits 120 Minuten gespielt. Trotzdem musste er in einem isolierten Moment eine technisch saubere Aktion ausführen. Sein Treffer zeigt deshalb besonders anschaulich, wie körperliche Belastung und mentale Kontrolle zusammenkommen.
Du solltest daraus aber keine einfache Heldengeschichte machen. Bayern gewann nicht wegen eines einzelnen Spielers. Der Titel entstand aus dem Zusammenspiel der gesamten Mannschaft: aus Torwartparaden, verwandelten Elfmetern, defensiver Arbeit, taktischer Stabilität und der Fähigkeit, nach Rückschlägen weiterzumachen. Gerade darin liegt der Bezug zu Salihamidžićs Spielertyp: individuelle Leistung erhält ihren Wert im Zusammenhang mit der Mannschaft.

Das Bild zeigt die Form des originalen Champions-League-Pokals, wie er in den Spielzeiten von 1995 bis 2005 verwendet wurde. Dadurch passt es historisch besonders gut zum Triumph von 2001.
Was das Jahr 2001 über Salihamidžić zeigt
Die Meisterschaft und die Champions League innerhalb weniger Tage verdeutlichen die enorme Belastungsdichte im Spitzenfußball. Salihamidžić war in beiden Wettbewerben regelmäßig eingesetzt worden. Für die Interpretation seiner Einsatzbereitschaft ist das wichtiger als eine einzelne besonders spektakuläre Szene.
Das Jahr 2001 zeigt außerdem drei Ebenen seiner Rolle. Erstens war er verfügbar und belastbar. Zweitens konnte er taktisch unterschiedliche Außenbahnaufgaben erfüllen. Drittens übernahm er im entscheidenden Elfmeterschießen persönliche Verantwortung. Diese drei Ebenen – körperliche Arbeit, taktische Flexibilität und mentale Bereitschaft – helfen Dir, den Begriff „Einsatzbereitschaft“ differenziert zu verstehen.
Die späteren Bayern-Jahre
Nach 2001 blieb Salihamidžić noch sechs weitere Spielzeiten beim FC Bayern. Er gewann weitere Meisterschaften und DFB-Pokale. Besonders die Doubles 2004/05 und 2005/06 unter Trainer Felix Magath zeigen, dass seine erfolgreiche Bayern-Zeit nicht auf eine einzige Mannschaft oder einen einzigen Trainer beschränkt war.
Verletzungen und Konkurrenz um die Plätze gehörten ebenfalls zur Karriere. Vielseitigkeit kann in solchen Situationen ein Vorteil sein, weil ein Spieler mehrere Wege in die Mannschaft besitzt. Gleichzeitig verlangt sie, sich immer wieder auf veränderte Aufgaben einzustellen. Für Salihamidžić war diese Anpassungsfähigkeit ein wiederkehrendes Merkmal seiner Münchner Jahre.
Nach Bayern: Juventus und Wolfsburg
2007 verließ Salihamidžić den FC Bayern und wechselte zu Juventus Turin. Vier Spielzeiten in Italien bedeuteten einen neuen Fußballkontext. Die Serie A stellte andere taktische Anforderungen, und Salihamidžić musste sich erneut in eine veränderte Mannschaftsstruktur einfügen. Auch dort wurde seine Fähigkeit wertvoll, unterschiedliche Rollen auf der Außenbahn zu übernehmen.

Das freie Wikimedia-Commons-Foto zeigt Salihamidžić während seiner Zeit als Juventus-Spieler. Es markiert damit anschaulich den Übergang von seiner Münchner Karriere zu einer neuen sportlichen Umgebung.
2011 kehrte er in die Bundesliga zurück und spielte eine Saison für den VfL Wolfsburg. Dort absolvierte er 15 Bundesligaspiele und erzielte drei Ligatore. 2012 endete seine Profikarriere. Vom ersten Bundesligajahr beim HSV bis zum Karriereende lagen damit mehr als anderthalb Jahrzehnte Profifußball.
Nationalmannschaft von Bosnien und Herzegowina
Salihamidžić spielte von den 1990er-Jahren bis 2006 auch für die Nationalmannschaft von Bosnien und Herzegowina. Die Nationalmannschaft war für ihn eine andere sportliche Umgebung als seine Vereinsmannschaften. Spieler kommen dort aus unterschiedlichen Klubs zusammen, Trainingszeit ist begrenzt und taktische Abläufe müssen schnell abgestimmt werden. Auch hier ist Anpassungsfähigkeit besonders wichtig.

Das Mannschaftsfoto von 2002 zeigt Salihamidžić im Kreis der Nationalmannschaft. Für eine Bildanalyse kannst Du untersuchen, wie Sportfotografien Zugehörigkeit und kollektive Identität darstellen – ganz anders als ein Aktionsfoto aus einem Vereinsspiel.
Spielerprofil: Vier Kernkompetenzen
| Kernkompetenz | Bedeutung bei Salihamidžić | Allgemeiner Transfer |
|---|---|---|
| Vielseitigkeit | Einsatz in verschiedenen Außenbahnrollen im Mittelfeld und in defensiveren Positionen | Mehrere Rollen erhöhen taktische Optionen einer Mannschaft |
| Einsatzbereitschaft | Hoher Lauf- und Arbeitsaufwand sowie konsequente Unterstützung des Teams | Intensität muss mit taktischer Disziplin verbunden sein |
| Anpassungsfähigkeit | Erfolgreiche Karriere in Hamburg, München, Turin und Wolfsburg | Neue Systeme und Umgebungen verlangen Lernfähigkeit |
| Verantwortung | Verwandelter Elfmeter im Champions-League-Finale 2001 nach 120 Spielminuten | Unter Druck werden Technik und mentale Kontrolle gleichzeitig gefordert |
Quellenkritik: Wie entsteht das Bild eines „Kämpfers“?
Sportgeschichte besteht nicht nur aus Ergebnissen. Sie wird auch durch Medien, Vereine, Statistiken und Erinnerungen erzählt. Ein Vereinsartikel kann einen ehemaligen Spieler besonders positiv darstellen. Ein Statistikportal zeigt dagegen Einsätze und Tore, erklärt aber nicht automatisch die Qualität einzelner Laufwege. Ein Video vermittelt konkrete Szenen, enthält jedoch nur einen Ausschnitt des gesamten Spiels.
Für eine fundierte Beurteilung solltest Du deshalb verschiedene Quellenarten kombinieren. Beim Thema Salihamidžić lassen sich offizielle Ergebnisdaten von UEFA und FC Bayern, Einsatzdaten des DFB, freie Bilder aus Wikimedia Commons und Videoausschnitte miteinander vergleichen. So kannst Du zwischen nachprüfbaren Fakten und Interpretationen unterscheiden.
Verwendete und geeignete Quellen zur Vertiefung
Die historischen Eckdaten dieses aiMOOCs wurden unter anderem mit dem DFB-Datencenter, der offiziellen Bayern-Seite zum Champions-League-Sieg 2001, dem Bayern-Rückblick auf Salihamidžićs Spielerzeit, Informationen der UEFA Champions League sowie dem Wikipedia-Artikel zu Hasan Salihamidžić abgeglichen. Die verwendeten Bilder stammen aus Wikimedia Commons; ihre jeweiligen Lizenzinformationen findest Du auf den Dateiseiten.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
In welchem Jahr wechselte Hasan Salihamidžić zum FC Bayern München? (1998) (!1995) (!2001) (!2007)
Von welchem Verein wechselte Salihamidžić 1998 zum FC Bayern? (Hamburger SV) (!Juventus Turin) (!VfL Wolfsburg) (!Real Madrid)
Welche Eigenschaft beschreibt Salihamidžićs taktischen Wert besonders gut? (Vielseitigkeit auf der Außenbahn) (!Festlegung auf die Torwartposition) (!Ausschließlicher Einsatz als Mittelstürmer) (!Verzicht auf Defensivarbeit)
Gegen welchen Verein spielte Bayern im Champions-League-Finale 2001? (FC Valencia) (!Manchester United) (!Real Madrid) (!Juventus Turin)
In welcher Stadt fand das Champions-League-Finale 2001 statt? (Mailand) (!München) (!Hamburg) (!Turin)
Wie stand es im Champions-League-Finale 2001 nach der Verlängerung? (1 zu 1) (!2 zu 0) (!2 zu 1) (!0 zu 0)
Wie wurde das Champions-League-Finale 2001 entschieden? (Im Elfmeterschießen) (!Durch Golden Goal) (!Durch Wiederholungsspiel) (!Durch Losentscheid)
Welche besondere Rolle hatte Salihamidžić im Elfmeterschießen 2001? (Er verwandelte den ersten erfolgreichen Bayern-Elfmeter) (!Er war Torhüter) (!Er schoss den entscheidenden letzten Elfmeter) (!Er wurde vor dem Elfmeterschießen ausgewechselt)
Zu welchem Verein wechselte Salihamidžić nach seiner Bayern-Zeit? (Juventus Turin) (!Hamburger SV) (!VfL Wolfsburg) (!FC Valencia)
Bei welchem Verein beendete Salihamidžić 2012 seine Profikarriere? (VfL Wolfsburg) (!FC Bayern München) (!Juventus Turin) (!Hamburger SV)
Memory
| Vielseitigkeit | Einsatz in verschiedenen Rollen |
| Einsatzbereitschaft | zielgerichtete Arbeit für die Mannschaft |
| Mailand | Austragungsort des Finals 2001 |
| Valencia | Finalgegner des FC Bayern 2001 |
| Juventus | nächste Profistation nach Bayern |
| Wolfsburg | letzte Profistation |
| Hamburg | Ort des Bundesliga-Durchbruchs |
| Elfmeterschießen | Entscheidung des Champions-League-Finals 2001 |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Außenmittelfeld | Verbindung von Angriff und Rückwärtsarbeit am Flügel |
| Außenverteidigung | defensivere Rolle an der Seitenlinie |
| Startelfspieler | Salihamidžić im Finale 2001 |
| Elfmeterschütze | Salihamidžić in der Entscheidung von Mailand |
| Teamplayer | eigene Aktionen am Mannschaftsziel ausrichten |
...
Kreuzworträtsel
| Hamburg | In welcher Stadt gelang Salihamidžić beim HSV der Durchbruch zum Bundesligaprofi? |
| Bayern | Für welchen Münchner Verein spielte Salihamidžić von 1998 bis 2007? |
| Valencia | Welcher Klub war 2001 der Finalgegner in der Champions League? |
| Mailand | In welcher Stadt wurde das Champions-League-Finale 2001 ausgetragen? |
| Juventus | Zu welchem italienischen Klub wechselte Salihamidžić 2007? |
| Wolfsburg | Bei welchem Klub endete seine Profikarriere? |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Karriere-Timeline: Gestalte eine Zeitleiste von Jablanica über Hamburg und München bis Turin und Wolfsburg. Markiere mindestens vier sportliche Wendepunkte und erkläre jeweils in einem Satz, warum sie wichtig waren.
- Positionsprofil: Zeichne ein Fußballfeld und markiere die Außenbahnrollen, die ein vielseitiger Spieler wie Salihamidžić übernehmen konnte. Ergänze zu jeder Position zwei typische Aufgaben.
- Finale 2001: Erstelle eine kurze Bildergeschichte mit sechs Stationen vom frühen Valencia-Elfmeter bis zur Entscheidung im Elfmeterschießen. Trenne Fakten und Deine eigene Interpretation sichtbar.
- Begriffsarbeit Einsatzbereitschaft: Formuliere eine eigene Definition von Einsatzbereitschaft im Mannschaftssport und nenne drei Beispiele, die nichts mit Fouls oder unnötiger Härte zu tun haben.
Standard
- Videoanalyse Fußball: Analysiere das eingebettete UEFA-Video zum Finale 2001. Notiere fünf Beobachtungen zu Laufwegen, Raumaufteilung oder Reaktionen nach Ballverlusten und belege jede Beobachtung mit einer konkreten Szene.
- Quellenvergleich Sportgeschichte: Vergleiche einen Vereinsartikel, einen Statistikdatensatz und einen Videoausschnitt zu Salihamidžić. Untersuche, welche Art von Aussage jede Quelle besonders gut und welche nur eingeschränkt stützen kann.
- Taktiktafel: Entwickle zwei taktische Varianten für dieselbe Mannschaft: einmal mit Salihamidžić als offensiverem Außenbahnspieler und einmal in einer defensiveren Außenrolle. Erkläre, wie sich Aufgaben der Mitspieler verändern.
- Interviewprojekt Fußball: Interviewe eine Trainerin, einen Trainer oder eine erfahrene Spielerin beziehungsweise einen erfahrenen Spieler zum Wert vielseitiger Teammitglieder. Vergleiche die Aussagen anschließend mit Salihamidžićs Karriere.
Schwer
- Spielerrollen im Wandel: Untersuche, wie sich die Aufgaben von Außenbahnspielern seit den frühen 2000er-Jahren verändert haben. Vergleiche Salihamidžićs Profil mit einem heutigen Profi, ohne vorschnell unterschiedliche Epochen gleichzusetzen.
- Belastungssteuerung im Fußball: Analysiere die Belastung des FC Bayern im Mai 2001 zwischen Meisterschaftsentscheidung und Champions-League-Finale. Entwickle einen realistischen Regenerationsplan und begründe jede Maßnahme sportwissenschaftlich.
- Elfmeterschießen und Psychologie: Erstelle eine Präsentation oder ein Erklärvideo darüber, welche technischen und psychologischen Faktoren bei einem Elfmeter nach 120 Minuten eine Rolle spielen. Nutze Salihamidžićs Versuch 2001 als Fallbeispiel.
- Vielseitigkeit als Teamressource: Entwickle ein Bewertungsmodell, mit dem Du den taktischen Wert eines vielseitigen Spielers erfassen kannst. Berücksichtige mindestens Positionsflexibilität, Entscheidungsqualität, Belastbarkeit, Kommunikation und Mannschaftsnutzen.


Lernkontrolle
- Taktischer Transfer: Bayern führt in einem wichtigen Spiel knapp. Entwickle zwei sinnvolle Möglichkeiten, wie ein vielseitiger Außenbahnspieler zur Stabilisierung beitragen kann. Begründe, welche Risiken jede Variante hat.
- Einsatzbereitschaft beurteilen: Ein Spieler läuft die meisten Kilometer seines Teams, öffnet dabei aber wiederholt gefährliche Räume. Beurteile, ob man allein deshalb von hoher Einsatzbereitschaft im taktischen Sinn sprechen sollte.
- Finalanalyse 2001: Erkläre, warum Salihamidžićs verwandelter Elfmeter wichtig war, obwohl Oliver Kahns Paraden und Thomas Linkes späterer Treffer stärker mit der endgültigen Entscheidung verbunden werden.
- Quellenkritik: Ein Vereinsartikel bezeichnet einen ehemaligen Profi als „Kämpfernatur“, während Statistiken nur Einsätze und Tore zeigen. Entwickle ein Verfahren, mit dem Du diese Charakterisierung möglichst fair überprüfen würdest.
- Karrieretransfer: Vergleiche den Wechsel vom HSV zu Bayern mit dem späteren Wechsel zu Juventus. Welche Arten von Anpassungsleistung können bei beiden Übergängen erforderlich gewesen sein?
- Teamleistung: Zeige am Champions-League-Finale 2001, warum es problematisch wäre, den Titelgewinn nur einem einzigen Spieler zuzuschreiben. Ordne mindestens vier verschiedene Beiträge der Mannschaft in einen Zusammenhang ein.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du nicht nur Jahreszahlen wiedergeben kannst, sondern Zusammenhänge erklärst.
- Du kannst Salihamidžićs wichtigste Vereinsstationen in eine sinnvolle zeitliche Reihenfolge bringen und die Funktion der Wechsel für seine Entwicklung erläutern.
- Du kannst den Begriff Vielseitigkeit anhand konkreter Fußballrollen erklären und von bloßer Positionswechselhäufigkeit unterscheiden.
- Du kannst Einsatzbereitschaft als Verbindung von Intensität, taktischer Disziplin und Mannschaftsnutzen beschreiben.
- Du kannst Verlauf und Bedeutung des Champions-League-Finales 2001 sachlich darstellen und Salihamidžićs Rolle im Elfmeterschießen korrekt einordnen.
- Du kannst Statistiken, Vereinsdarstellungen, Bilder und Videos kritisch als unterschiedliche Quellenarten bewerten.
- Du kannst Erkenntnisse aus Salihamidžićs Karriere auf allgemeine Fragen zu Teamarbeit, Verantwortung und Anpassungsfähigkeit übertragen.
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