Geschichte der Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter - Deutschland

Geschichte der Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter - Deutschland
Geschichte der Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter - Deutschland
Arbeit, Familie und gesellschaftliche Teilhabe – ein aiMOOC für den Geschichtsunterricht in den Klassen 8–13.
Einleitung
Die Geschichte der sogenannten Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter gehört zur Geschichte der Bundesrepublik Deutschland und zur Geschichte der europäischen Migration. Seit der Mitte der 1950er-Jahre warb die Bundesrepublik Arbeitskräfte aus anderen Staaten an. Viele kamen zunächst mit dem Plan, nur einige Jahre zu bleiben, Geld zu verdienen und danach zurückzukehren. Auch Politik und Unternehmen gingen lange davon aus, dass der Aufenthalt vorübergehend sein würde. Aus zeitlich begrenzter Arbeitsmigration wurde für viele Menschen jedoch ein dauerhaftes Leben in Deutschland.
Der Begriff „Gastarbeiter“ ist ein historischer Begriff. Er macht sichtbar, dass die Zugewanderten damals häufig als vorübergehende „Gäste“ betrachtet wurden. Zugleich kann der Begriff problematisch sein: Wer Jahrzehnte in einem Land lebt, arbeitet, eine Familie gründet und die Gesellschaft mitprägt, ist nicht einfach nur Gast. Deshalb wird heute oft von Arbeitsmigrantinnen und Arbeitsmigranten oder von der Gastarbeitergeneration gesprochen.
Dieser aiMOOC konzentriert sich vor allem auf die Bundesrepublik Deutschland. In der DDR gab es ein anderes System der Arbeitsmigration: Dort kamen sogenannte Vertragsarbeiterinnen und Vertragsarbeiter auf der Grundlage staatlicher Verträge. Beide Geschichten gehören zur deutschen Migrationsgeschichte, dürfen aber nicht gleichgesetzt werden.

Das Foto zeigt die Unterzeichnung des deutsch-spanischen Anwerbeabkommens von 1960. Solche Abkommen regelten die staatlich organisierte Vermittlung von Arbeitskräften.
Warum wurden Arbeitskräfte angeworben?
In den 1950er- und 1960er-Jahren wuchs die westdeutsche Wirtschaft stark. Fabriken, Bergwerke, Bauunternehmen und andere Betriebe suchten viele Beschäftigte. Zugleich nahm das verfügbare Arbeitskräfteangebot in der Bundesrepublik ab. Unternehmen und Staat setzten deshalb auf die organisierte Anwerbung von Menschen aus dem Ausland.
Die Bundesrepublik schloss zwischen 1955 und 1968 zentrale Anwerbeabkommen mit mehreren Staaten:
| Staat | Jahr des Abkommens |
|---|---|
| Italien | 1955 |
| Spanien | 1960 |
| Griechenland | 1960 |
| Türkei | 1961 |
| Marokko | 1963 |
| Portugal | 1964 |
| Tunesien | 1965 |
| Jugoslawien | 1968 |
Die Vermittlung lief häufig über staatliche Stellen. Je nach Herkunftsland und Zeitraum mussten Bewerberinnen und Bewerber Auswahlverfahren oder medizinische Untersuchungen durchlaufen. Die Arbeits- und Aufenthaltserlaubnisse waren zunächst meist befristet. Dahinter stand die Vorstellung eines Rotationsprinzips: Arbeitskräfte sollten nach einiger Zeit zurückkehren und durch neue ersetzt werden.
Von der geplanten Rückkehr zum dauerhaften Bleiben
Die Wirklichkeit entwickelte sich anders als geplant. Unternehmen wollten eingearbeitete Beschäftigte oft behalten, und viele Arbeitsmigrantinnen und Arbeitsmigranten verlängerten ihren Aufenthalt. Zwischen 1955 und 1973 kamen insgesamt rund 14 Millionen ausländische Arbeitskräfte in die Bundesrepublik; der größte Teil kehrte wieder in die Herkunftsländer zurück. Mehrere Millionen Menschen blieben jedoch länger oder dauerhaft.
Die Lebensentscheidungen waren sehr verschieden. Manche Menschen pendelten mehrfach zwischen Deutschland und dem Herkunftsland. Andere kehrten endgültig zurück. Wieder andere holten ihre Familien nach, gründeten in Deutschland Haushalte und verlegten ihren Lebensmittelpunkt dauerhaft hierher. Deshalb ist die Geschichte der Gastarbeitergeneration keine einzige Geschichte, sondern besteht aus vielen unterschiedlichen Lebenswegen.
Das Video von Terra X History erklärt am Beispiel der Migration aus der Türkei, wie aus geplanter Arbeitsmigration ein dauerhaftes Kapitel deutscher Gesellschaftsgeschichte wurde.
Arbeit: gebraucht, aber oft stark belastet
Viele angeworbene Menschen arbeiteten dort, wo besonders viele Arbeitskräfte gebraucht wurden: in der Auto- und Metallindustrie, im Bergbau, auf Baustellen, in der Lebensmittelproduktion, in Textilbetrieben und in weiteren Bereichen der industriellen Massenproduktion. Häufig handelte es sich um un- oder angelernte Tätigkeiten mit hoher körperlicher Belastung, Schichtarbeit, Lärm, Hitze oder monotonen Arbeitsabläufen.
Die Arbeitskräfte trugen erheblich zur Produktion und zum wirtschaftlichen Wachstum der Bundesrepublik bei. Gleichzeitig waren Aufstiegschancen oft begrenzt. Viele Beschäftigte übernahmen Tätigkeiten, die am unteren Ende betrieblicher Hierarchien lagen. Das bedeutete nicht, dass die Menschen unqualifiziert waren: Auch ausgebildete Fachkräfte konnten in Deutschland in einfacheren Tätigkeiten eingesetzt werden, weil ihre Qualifikationen nicht genutzt oder nicht anerkannt wurden.

Das Bild aus Walsum von 1962 steht für die Bedeutung ausländischer Arbeitskräfte im Bergbau.
Gastarbeiterinnen: lange übersehen
In der öffentlichen Erinnerung dominierte lange das Bild des männlichen Fabrikarbeiters. Tatsächlich wurden auch viele Frauen gezielt angeworben. Zwischen 1960 und 1973 stieg die Zahl der ausländischen Arbeitnehmerinnen in der Bundesrepublik von rund 43.000 auf mehr als 706.000. Ihr Anteil an allen ausländischen Beschäftigten wuchs in diesem Zeitraum von etwa 15 Prozent auf mehr als 30 Prozent.
Frauen arbeiteten zum Beispiel in der Lebensmittel-, Elektro- und Textilindustrie oder in Dienstleistungsbereichen. Auch sie waren Arbeitsmigrantinnen aus eigenem Entschluss und nicht nur Ehefrauen nachziehender Männer. Eine geschlechtergeschichtliche Perspektive korrigiert deshalb ein einseitiges Bild der Migration.

Italienische Gastarbeiterinnen beim Verpacken von Schokolade in Köln im Jahr 1962.
Wohnen, Alltag und Kontakte
Zu Beginn lebten viele allein eingereiste Beschäftigte in Wohnheimen, Baracken oder betrieblichen Unterkünften. Mehrere Personen teilten sich oft ein Zimmer. Die Ausstattung war teilweise einfach, und der Alltag war stark durch Arbeit bestimmt. Viele wollten möglichst viel sparen und schickten einen Teil ihres Lohns an Angehörige im Herkunftsland.

Eine Unterkunft für Gastarbeiter beim Volkswagenwerk in Wolfsburg verdeutlicht den provisorischen Charakter vieler Wohnsituationen.
Kontakte entstanden am Arbeitsplatz, in Nachbarschaften, Kirchengemeinden, Vereinen, Gewerkschaften, Cafés und Geschäften. Gleichzeitig erschwerten Sprachbarrieren, getrennte Wohnformen und Diskriminierung Begegnungen. Besonders auf dem Wohnungsmarkt wurden Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit häufig benachteiligt. Mit längerer Aufenthaltsdauer suchten viele eigene Wohnungen und bauten dauerhafte soziale Netzwerke auf.
Familie: Aus Arbeitsmigration wird Alltag in Deutschland
Viele der ersten Angeworbenen kamen zunächst ohne Ehepartner oder Kinder. Familien lebten über Ländergrenzen hinweg. Briefe, Telefonate, Besuche und Geldüberweisungen verbanden Menschen über große Entfernungen. Die geplante Rückkehr wurde jedoch oft verschoben.
Mit längerer Aufenthaltsdauer gewann der Familiennachzug an Bedeutung. Ehepartner und Kinder zogen nach Deutschland, neue Kinder wurden hier geboren, und aus einem Aufenthalt im Wohnheim wurde ein Familienleben in einer eigenen Wohnung. Gerade der Anwerbestopp von 1973 führte nicht einfach zur Rückkehr: Für viele stellte sich nun die Frage, ob sie dauerhaft in Deutschland bleiben oder endgültig ausreisen sollten. Weil eine spätere erneute Arbeitsmigration schwieriger geworden war, entschieden sich zahlreiche Familien für das Bleiben und Zusammenleben in Deutschland.

Eine italienische Gastarbeiterfamilie in Wolfsburg 1973. Solche Aufnahmen zeigen, dass Migrationsgeschichte auch Familien- und Alltagsgeschichte ist.

Familien gestalteten ihren Alltag zwischen Arbeit, Wohnen, Konsum, Besuchen und Verbindungen in die Herkunftsländer.
Schule und die zweite Generation
Mit dem Familiennachzug wurden Kindergärten und Schulen zu wichtigen Orten der Migrationsgeschichte. Viele Kinder kamen erst im Schulalter nach Deutschland und mussten gleichzeitig eine neue Sprache lernen, sich in einem neuen Schulsystem orientieren und die Trennung von früheren Bezugspersonen verarbeiten. Andere Kinder wurden bereits in Deutschland geboren.
Die Bildungspolitik war auf dauerhaftes Einwandern lange nicht vorbereitet. Je nach Bundesland und Zeitraum gab es unterschiedliche Modelle: Regelklassen, Vorbereitungsklassen oder besondere Klassen für ausländische Kinder. Teilweise stand weiterhin die mögliche Rückkehr der Familien im Mittelpunkt. Dadurch wurden Chancen auf höhere Bildungsabschlüsse häufig erschwert. Gleichzeitig entwickelten Schulen Sprachförderung und neue pädagogische Konzepte, und viele Kinder der Gastarbeitergeneration erkämpften sich Bildungs- und Berufswege, die ihren Eltern oft nicht offenstanden.

Das Bundesarchiv-Foto von 1962 dokumentiert italienische Gastarbeiterkinder in Walsum und macht deutlich, dass Schule früh Teil der Migrationsgeschichte wurde.
Gesellschaftliche Teilhabe: zwischen Ausgrenzung und Mitgestaltung
Arbeitsmigrantinnen und Arbeitsmigranten waren nicht nur Arbeitskräfte. Sie gründeten Vereine, eröffneten Geschäfte und Restaurants, beteiligten sich an Gewerkschaften, Gemeinden und Kulturvereinen, produzierten Musik und Literatur und veränderten Städte und Nachbarschaften. Viele engagierten sich für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen.
Ein bekanntes Beispiel ist der Ford-Streik 1973 in Köln. Vor allem türkische Beschäftigte protestierten gegen Entlassungen, hohe Arbeitsbelastung und unzureichende Interessenvertretung. Im selben Jahr streikten beim Automobilzulieferer Pierburg in Neuss viele migrantische Frauen gegen ungerechte Lohnstrukturen. Solche Konflikte zeigen: Gesellschaftliche Teilhabe bedeutete auch, Rechte einzufordern und nicht nur Anpassung zu leisten.
Teilhabe stieß zugleich auf Grenzen. Menschen ohne deutsche Staatsangehörigkeit hatten nur eingeschränkte politische Mitbestimmungsrechte. Rassistische Vorurteile und Benachteiligungen prägten Erfahrungen in Betrieben, auf dem Wohnungsmarkt, in Behörden und im Alltag. Dennoch entstanden langfristig vielfältige Formen der Selbstorganisation und Repräsentation.
Die Dokumentation des Hessischen Rundfunks betrachtet Lebenswege über mehrere Generationen und fragt danach, wie Migration Familien, Zugehörigkeit und gesellschaftliche Teilhabe prägt.
Der Anwerbestopp von 1973 und seine Folgen
Am 23. November 1973 stoppte die Bundesregierung die Anwerbung von Arbeitskräften aus Staaten außerhalb der damaligen Europäischen Gemeinschaft, für die die Anwerbeprogramme galten. Hintergrund waren wirtschaftliche Probleme und eine bereits länger laufende Debatte über die Folgen der Arbeitsmigration.
Der Anwerbestopp bedeutete aber nicht das Ende der Einwanderung. Bereits in Deutschland lebende Menschen konnten bleiben, und der Familiennachzug gewann weiter an Bedeutung. Damit wurde sichtbar, dass die Bundesrepublik nicht nur Arbeitskräfte angeworben hatte, sondern dass Menschen mit Beziehungen, Familien, Zukunftsplänen und Rechten angekommen waren.
In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich das politische Verständnis von Migration nur langsam weiter. Fragen nach Staatsangehörigkeit, Bildung, Gleichberechtigung, Schutz vor Diskriminierung und politischer Repräsentation wurden immer wichtiger. Die Kinder und Enkel der Gastarbeitergeneration prägen heute Wirtschaft, Wissenschaft, Kunst, Sport, Medien und Politik in Deutschland.
Erinnerungskultur: Wessen Geschichte ist deutsche Geschichte?
Lange standen die Lebensgeschichten der angeworbenen Arbeiterinnen und Arbeiter nur am Rand offizieller Geschichtserzählungen. Heute sammeln Archive, Museen und Initiativen Arbeitsverträge, Koffer, Briefe, Fotos, Musik, Interviews und Alltagsgegenstände. Solche Quellen erweitern die Perspektive: Die Geschichte der Bundesrepublik lässt sich nicht vollständig erzählen, wenn Migration nur als Randthema behandelt wird.

Die Gedenktafel am Bahnhof Köln Messe/Deutz erinnert an Armando Rodrigues de Sá, der 1964 symbolisch als millionster Gastarbeiter begrüßt wurde. Sie steht zugleich für die wachsende öffentliche Erinnerung an Einwanderungsgeschichte.
Zentrale Zusammenhänge
Die Geschichte der Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter verbindet Wirtschafts-, Sozial-, Familien-, Bildungs- und Demokratiegeschichte. Entscheidend ist der Zusammenhang: Eine Politik, die Menschen vor allem als vorübergehende Arbeitskräfte betrachtete, führte langfristig zu einer dauerhaften Einwanderungsgesellschaft. Arbeit bestimmte den Anfang vieler Lebenswege, doch Familie, Schule, Nachbarschaft, Kultur, Protest und politische Teilhabe machten daraus Gesellschaftsgeschichte.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Mit welchem Staat schloss die Bundesrepublik 1955 das erste Anwerbeabkommen der Gastarbeiterzeit? (Italien) (!Türkei) (!Portugal) (!Jugoslawien)
Warum warb die Bundesrepublik seit den 1950er-Jahren ausländische Arbeitskräfte an? (Weil viele Betriebe zusätzliche Arbeitskräfte benötigten) (!Weil alle deutschen Betriebe geschlossen wurden) (!Weil Migration nur dem Tourismus dienen sollte) (!Weil die Bundesrepublik ihre Bevölkerung vollständig austauschen wollte)
In welchen Bereichen arbeiteten viele Gastarbeiterinnen und Gastarbeiter? (In Industrie Bergbau Bau und Produktion) (!Fast ausschließlich in Universitäten) (!Nur in staatlichen Ministerien) (!Ausschließlich in der Landwirtschaft)
Welche Aussage über Gastarbeiterinnen ist richtig? (Frauen wurden ebenfalls gezielt als Arbeitskräfte angeworben) (!Frauen kamen erst nach 1990 nach Deutschland) (!Frauen durften in der Bundesrepublik nicht arbeiten) (!Alle Frauen kamen ausschließlich als Ehefrauen)
Welche Wohnform war für viele allein eingereiste Arbeitsmigranten zunächst typisch? (Wohnheime und betriebliche Unterkünfte) (!Eigene Einfamilienhäuser bei der Ankunft) (!Kostenlose Hotels auf Dauer) (!Studentenwohnheime der Universitäten)
Was beschreibt Familiennachzug in diesem Zusammenhang? (Ehepartner und Kinder ziehen zu bereits in Deutschland lebenden Angehörigen) (!Arbeiter wechseln innerhalb derselben Fabrik die Abteilung) (!Menschen fahren täglich zwischen Wohnung und Arbeitsplatz) (!Unternehmen ziehen mit allen Maschinen in ein anderes Land)
Was bewirkte der Anwerbestopp von 1973? (Die staatliche Anwerbung vieler neuer Arbeitskräfte wurde beendet) (!Alle bereits Zugewanderten mussten sofort ausreisen) (!Der Familiennachzug wurde automatisch beendet) (!Deutschland hatte danach keine Migration mehr)
Warum war Schule für viele Kinder der Gastarbeitergeneration eine besondere Herausforderung? (Spracherwerb und ein wenig vorbereitetes Schulsystem trafen oft zusammen) (!Kinder durften grundsätzlich keine Schule besuchen) (!Alle Kinder sprachen bereits vor der Einreise perfekt Deutsch) (!Es gab in Deutschland keine Schulpflicht)
Was zeigt der Ford-Streik von 1973 besonders deutlich? (Migrantische Beschäftigte forderten selbst bessere Arbeitsbedingungen und Rechte) (!Gastarbeiter interessierten sich nicht für ihre Arbeitsbedingungen) (!Nur Arbeitgeber bestimmten gesellschaftliche Teilhabe) (!Arbeitskämpfe waren in der Bundesrepublik vollständig unbekannt)
Warum wird der Begriff Gastarbeiter heute oft kritisch eingeordnet? (Er kann den Eindruck erwecken dass Zugewanderte nur vorübergehende Gäste seien) (!Er bezeichnet ausschließlich Menschen ohne Arbeitsvertrag) (!Er war der offizielle Name einer deutschen Staatsbürgerschaft) (!Er meint nur Touristinnen und Touristen)
Memory
| Anwerbeabkommen | staatlich geregelte Vermittlung von Arbeitskräften |
| Rotationsprinzip | Vorstellung eines nur vorübergehenden Aufenthalts |
| Wohnheim | häufige erste Unterkunft allein eingereister Beschäftigter |
| Gewerkschaft | Interessenvertretung von Beschäftigten |
| Fordstreik | migrantisch geprägter Arbeitskampf in Köln |
| Teilhabe | aktive Mitwirkung am gesellschaftlichen Leben |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Anwerbeabkommen | organisierte Vermittlung ausländischer Arbeitskräfte |
| Arbeitsmigration | Wanderung mit dem Ziel einer Erwerbstätigkeit |
| Familiennachzug | Zusammenleben zuvor getrennter Angehöriger |
| Selbstorganisation | Gründung eigener Vereine Initiativen oder Interessenvertretungen |
| Erinnerungskultur | öffentliche Auseinandersetzung mit Vergangenheit und Gedenken |
...
Kreuzworträtsel
| Italien | Mit welchem Staat begann 1955 die Reihe der zentralen Anwerbeabkommen? |
| Rotation | Wie hieß die Vorstellung vom regelmäßigen Austausch vorübergehend beschäftigter Arbeitskräfte in Kurzform? |
| Wohnheim | Welche Unterkunftsform war für viele allein eingereiste Arbeiter typisch? |
| Familiennachzug | Wie heißt der Zuzug von Ehepartnern und Kindern zu bereits Eingewanderten? |
| Gewerkschaft | Welche Organisation vertritt die Interessen von Beschäftigten im Arbeitsleben? |
| Teilhabe | Welcher Begriff bezeichnet aktive Mitwirkung an Gesellschaft und Öffentlichkeit? |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Zeitleiste: Erstelle eine Zeitleiste von 1955 bis 1973 und markiere mindestens fünf Wendepunkte. Ergänze zu jedem Punkt einen kurzen Satz darüber, warum er wichtig ist.
- Bildanalyse: Wähle eines der Wikimedia-Commons-Bilder aus dem aiMOOC. Beschreibe zuerst nur, was Du siehst. Deute danach, was das Bild über Arbeit, Wohnen oder Familie aussagen kann und was es nicht zeigt.
- Begriffsgeschichte: Erkläre in eigenen Worten, warum der Ausdruck „Gastarbeiter“ historisch wichtig, aber heute erklärungsbedürftig ist.
- Migrationsgeschichte: Zeichne den möglichen Lebensweg einer fiktiven Arbeitsmigrantin oder eines fiktiven Arbeitsmigranten von der Anwerbung bis zum Familienleben in Deutschland. Trenne historische Fakten klar von Deiner erfundenen Figur.
Standard
- Quellenvergleich: Vergleiche ein Foto aus dem Bundesarchiv mit einem heutigen Erinnerungstext. Untersuche Perspektive, Entstehungszeit und Aussageabsicht.
- Oral History: Führe mit ausdrücklicher Zustimmung ein Interview über Arbeitsmigration, Schule oder Familiennachzug. Wenn Dir keine geeignete Person zur Verfügung steht, nutze ein veröffentlichtes Zeitzeugeninterview aus einem Museum oder Archiv.
- Podcast: Produziere eine fünf- bis achtminütige Podcastfolge mit dem Titel „Vom Arbeitsplatz zum Lebensmittelpunkt“. Verbinde Arbeit, Familie und gesellschaftliche Teilhabe.
- Migration und Bildung: Recherchiere, wie ein Bundesland in den 1960er- oder 1970er-Jahren den Schulbesuch ausländischer Kinder organisierte. Stelle Chancen, Probleme und damalige Erwartungen dar.
Schwer
- Ford-Streik 1973: Untersuche den Arbeitskampf bei Ford in Köln als Beispiel gesellschaftlicher Teilhabe. Prüfe dabei auch, wie Zeitungen über die Streikenden berichteten.
- Geschlechtergeschichte: Erstelle eine Mini-Ausstellung über Gastarbeiterinnen. Zeige, warum Frauen in älteren Darstellungen oft weniger sichtbar waren, obwohl sie einen erheblichen Teil der Arbeitsmigration ausmachten.
- Deutschland im Kalten Krieg: Vergleiche die Gastarbeiterpolitik der Bundesrepublik mit dem System der Vertragsarbeit in der DDR. Arbeite Gemeinsamkeiten und Unterschiede heraus, ohne beide Systeme gleichzusetzen.
- Digitale Ausstellung: Entwickle eine digitale Ausstellung mit mindestens sechs Quellen zu Arbeit, Familie, Schule und Teilhabe. Begründe zu jeder Quelle, warum sie für eine vielfältige Erinnerungskultur wichtig ist.


Lernkontrolle
- Ursache und Wirkung: Erkläre, warum eine ursprünglich als vorübergehend geplante Arbeitsmigration zu dauerhafter Einwanderung führen konnte. Beziehe Unternehmen, Familien und staatliche Politik ein.
- Perspektivenwechsel: Beurteile die Aussage „Deutschland holte Arbeitskräfte, aber es kamen Menschen“. Zeige, was die Aussage erklärt und wo sie vereinfacht.
- Quellenkritik: Ein Fabrikfoto zeigt konzentriert arbeitende Gastarbeiterinnen. Formuliere drei Fragen, die Du stellen musst, bevor Du daraus Aussagen über ihren gesamten Alltag ableitest.
- Bildungsgeschichte: Erkläre, wie die Annahme einer baldigen Rückkehr die Bildungschancen von Kindern beeinflussen konnte. Entwickle anschließend eine alternative schulpolitische Maßnahme.
- Teilhabe: Zeige am Beispiel eines Streiks, Vereins oder einer kulturellen Initiative, warum Integration nicht nur Anpassung an die Mehrheitsgesellschaft bedeutet.
- Erinnerungskultur: Entwirf ein Konzept für einen Erinnerungsort zur Gastarbeitergeschichte. Begründe, welche Gruppen, Objekte und Perspektiven vertreten sein müssen.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du nicht nur Daten kennst, sondern historische Zusammenhänge erklären und Quellen kritisch einordnen kannst.
- Du kannst erklären, warum die Bundesrepublik Arbeitskräfte anwarb und wie Anwerbeabkommen funktionierten.
- Du kannst die Bedeutung von Arbeit und Arbeitsbedingungen für die Lebenswege der Zugewanderten beschreiben.
- Du kannst zeigen, warum Gastarbeiterinnen in der Erinnerung lange weniger sichtbar waren.
- Du kannst erklären, wie Familiennachzug und Schule aus Arbeitsmigration dauerhafte Gesellschaftsgeschichte machten.
- Du kannst Formen von Diskriminierung und gesellschaftlicher Teilhabe anhand von Beispielen untersuchen.
- Du kannst den Anwerbestopp von 1973 als Wendepunkt beurteilen, ohne ihn mit einem Ende der Migration zu verwechseln.
- Du kannst zwischen der Gastarbeitergeschichte der Bundesrepublik und der Vertragsarbeitergeschichte der DDR unterscheiden.
- Du kannst Fotos, Interviews, Statistiken und Erinnerungstexte als historische Quellen vergleichen.
OERs zum Thema
- Wikimedia Commons: Foreign workers in Germany
- Wikipedia: Anwerbepolitik der Bundesrepublik Deutschland
Quellen und Vertiefung
- Bundeszentrale für politische Bildung: Gastarbeiterinnen in der Bundesrepublik Deutschland
- Bundeszentrale für politische Bildung: Geschichte der Migration nach und aus Deutschland
- Bundeszentrale für politische Bildung: Gastarbeiter in Köln zwischen 1955 und 1983
- Planet Wissen: Geschichte der Gastarbeiter
- Wikimedia Commons: Bildquellen zur Arbeitsmigration
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