Friedrich Schleiermacher - Pädagogik 1


Friedrich Schleiermacher - Pädagogik 1
Friedrich Schleiermacher - Pädagogik

| Studienfach | Pädagogik / Erziehungswissenschaft |
|---|---|
| Niveau | Hochschule: Bachelor, Master und Lehramt |
| Zentrale Frage | Wie lässt sich das Handeln der älteren gegenüber der jüngeren Generation pädagogisch und ethisch verantworten? |
Einleitung
Friedrich Schleiermacher gehört zu den einflussreichen Denkern der modernen Pädagogik. Er war Theologe, Philosoph, Hermeneutiker, Prediger, Hochschullehrer und Akteur der preußischen Bildungsreform. Seine pädagogischen Überlegungen entstanden vor allem in Vorlesungen, Gutachten und bildungspolitischen Stellungnahmen. Theorie, institutionelle Praxis und politische Gestaltung stehen bei ihm deshalb in enger Verbindung.
Im Zentrum seiner Erziehungstheorie steht das Generationenverhältnis. Schleiermacher fragt: „Was will denn eigentlich die ältere Generation mit der jüngeren?“ Erwachsene wirken auf Heranwachsende ein, obwohl die Zukunft offen, gesellschaftliche Normen umstritten und junge Menschen zur eigenen Tätigkeit bestimmt sind.
Schleiermacher versteht Pädagogik als Kunstlehre. Damit meint er eine reflektierte Lehre situationsabhängigen Handelns. Pädagogische Theorie ersetzt die Praxis nicht durch starre Rezepte. Sie klärt Begriffe, macht Voraussetzungen sichtbar, prüft Ziele und unterstützt professionelles Urteilen.
Lernziele
Nach der Bearbeitung kannst Du:
- Generationenverhältnis: Schleiermachers Ausgangsfrage erklären.
- Kunstlehre: Pädagogik als reflexive Theorie des Handelns erläutern.
- Theorie und Praxis: Eigenständigkeit und Reflexionsbedürftigkeit der Praxis unterscheiden.
- Ethik: Die normative Dimension pädagogischer Ziele analysieren.
- Selbsttätigkeit: Die aktive Mitwirkung Lernender herausarbeiten.
- Individualität und Gemeinschaft: Die Spannung zwischen persönlicher Besonderheit und sozialer Teilhabe erklären.
- Historische Bildungsforschung: Die Überlieferung der Vorlesungen quellenkritisch beurteilen.
- Pädagogische Professionalität: Schleiermachers Begriffe auf aktuelle Fälle übertragen.
Biografischer und historischer Kontext
Lebensstationen
Friedrich Daniel Ernst Schleiermacher wurde am 21. November 1768 in Breslau geboren und starb am 12. Februar 1834 in Berlin. Seine Jugend war durch die Herrnhuter Brüdergemeine geprägt. Nach dem Studium in Halle arbeitete er unter anderem als Hauslehrer, Prediger und Hochschullehrer.
Ab 1810 war er Professor an der neu gegründeten Berliner Universität und Gründungsdekan der Theologischen Fakultät. Als Mitglied und zeitweiliger Direktor der Wissenschaftlichen Deputation befasste er sich mit Prüfungen, Lehrplänen, Lehrerbildung und der Organisation des höheren Schulwesens.
Preußische Bildungsreform
Die politischen Umbrüche zu Beginn des 19. Jahrhunderts verstärkten in Preußen den Reformdruck. Bildung galt als Voraussetzung gesellschaftlicher Erneuerung. Schleiermacher arbeitete in diesem Umfeld neben Wilhelm von Humboldt. Beide betonten allgemeine Bildung und wissenschaftliche Selbsttätigkeit, vertraten jedoch keine identischen Positionen.
Für Schleiermacher sollte die Universität nicht nur fertiges Wissen weitergeben. Studierende sollten in die lebendige Tätigkeit der Wissenschaft eingeführt werden.
Quellenlage und Werküberlieferung
Schleiermacher hielt pädagogische Vorlesungen 1813/14, 1820/21 und 1826. Die Vorlesung von 1826 wurde unter Titeln wie Grundzüge der Erziehungskunst oder Grundsätze der Erziehungskunst überliefert. Erhalten sind eigene Notizen, studentische Nachschriften und spätere editorische Bearbeitungen.
1849 veröffentlichte Carl Platz eine umfangreiche Erziehungslehre aus dem Nachlass und aus Vorlesungsnachschriften. Sie ist keine von Schleiermacher selbst abgeschlossene Monografie. Moderne textkritische Ausgaben unterscheiden die verschiedenen Quellen und Entwicklungsstufen genauer.
| Zeitraum | Überlieferung | Bedeutung |
|---|---|---|
| 1813/14 | Vorlesung und Notizen | Frühe systematische Ausarbeitung |
| 1820/21 | Vorlesung und Nachschriften | Weiterentwicklung zentraler Argumente |
| 1826 | Umfangreiche Berliner Vorlesung | Hauptgrundlage späterer Darstellungen |
| 1849 | Posthume Edition durch Carl Platz | Wirkungsmächtige Erziehungslehre |
Für das Studium gilt: Eine Aussage muss daraufhin geprüft werden, aus welcher Vorlesung, Notiz, Nachschrift oder Edition sie stammt. Quellenkritik untersucht Textsorte, Autorschaft, Entstehungszeit, institutionellen Kontext und editorische Eingriffe.
Grundlegung der Pädagogik
Das Generationenverhältnis
Schleiermacher beginnt nicht beim isolierten Kind, sondern beim Verhältnis aufeinanderfolgender Generationen. Die ältere Generation verfügt über Erfahrungen, Institutionen, Sprache, Wissen und Macht. Die jüngere Generation ist auf Fürsorge und Einführung angewiesen, entwickelt aber eigene Fähigkeiten, Interessen und Deutungen.
Erziehung soll gemeinsame Lebensformen weitergeben und zugleich Erneuerung ermöglichen. Reine Bewahrung könnte notwendige Veränderungen verhindern. Ein vollständiger Traditionsabbruch würde dagegen Sprache, Orientierung und institutionelle Voraussetzungen des Handelns entziehen.
| Dimension | Pädagogische Aufgabe |
|---|---|
| Tradierung | Wissen, Sprache und kulturelle Praktiken zugänglich machen |
| Erneuerung | Urteilskraft und neue Entscheidungen ermöglichen |
| Fürsorge | Schutz und Unterstützung gewährleisten |
| Mündigkeit | Abhängigkeit schrittweise verringern |
| Verantwortung | Folgen heutiger Entscheidungen für kommende Generationen prüfen |
Pädagogik als Kunstlehre
Eine Kunstlehre ist eine Theorie, die auf verantwortliches Handeln in veränderlichen Situationen bezogen ist. Pädagogische Situationen lassen sich nicht vollständig standardisieren. Lernende unterscheiden sich, Ziele können kollidieren und Folgen sind nicht sicher vorhersehbar.
Die Kunstlehre liefert daher keine mechanischen Rezepte. Sie ordnet Wahrnehmungen, klärt Begriffe und unterstützt Urteilskraft. Schleiermacher betont zugleich die eigene Würde der Praxis: Pädagogische Praxis ist älter als ihre Theorie. Theorie erzeugt die Praxis nicht erst, kann sie aber bewusster, begründeter und kritisierbarer machen.
Theorie und Praxis
Schleiermacher vermeidet zwei Verkürzungen. Ein Technizismus überschätzt allgemeine Verfahren und unterschätzt den besonderen Fall. Ein Praktizismus erklärt Erfahrung für ausreichend und entzieht Routinen der Kritik.
| Verkürzung | Problem | Alternative |
|---|---|---|
| Theorie schreibt Praxis vollständig vor | Besonderheiten werden unterschätzt. | Theorie bietet Orientierung und Prüfkriterien. |
| Praxis braucht keine Theorie | Vorurteile und Routinen bleiben unreflektiert. | Praxis wird theoretisch geprüft. |
| Erfolg rechtfertigt jedes Mittel | Ethische Grenzen verschwinden. | Ziele, Mittel und Nebenfolgen werden gemeinsam beurteilt. |
Ethische und anthropologische Grundlagen
Pädagogik und Ethik
Erziehung setzt Vorstellungen darüber voraus, was gut, gerecht oder förderlich sein soll. Deshalb ist Pädagogik bei Schleiermacher auf Ethik bezogen. Das gesellschaftlich Geltende darf jedoch nicht automatisch mit dem Guten gleichgesetzt werden. Pädagogische Ziele müssen begründet und kritisierbar bleiben.
Zu prüfen sind insbesondere Erziehungsziele, Legitimation, Mittel, Nebenfolgen, Macht, Pluralität und Zukunftsoffenheit.
Selbsttätigkeit und Einwirkung
Schleiermacher lehnt sowohl unbegrenzte pädagogische Machbarkeit als auch die Wirkungslosigkeit von Erziehung ab. Menschen entwickeln sich durch äußere Einwirkungen und eigene Tätigkeit. Lernende sind keine passiven Materialien. Sie deuten Erfahrungen, stimmen zu, widersprechen und wirken an ihrer Bildung mit.
| Ebene | Bedeutung |
|---|---|
| Anlage und Leiblichkeit | Körperliche Voraussetzungen und Dispositionen |
| Sozialisation | Prägung durch Sprache, Beziehungen und Institutionen |
| Selbsttätigkeit | Aktive Mitwirkung an der eigenen Entwicklung |
Individualität und Allgemeinheit
Schleiermacher betont die persönliche Eigentümlichkeit jedes Menschen. Erziehung soll nicht bloß Kopien gesellschaftlicher Erwartungen hervorbringen. Zugleich entsteht Individualität innerhalb gemeinsamer Sprache, Kultur und Institutionen.
Bildung vermittelt daher Allgemeinheit und Besonderheit. In der Schule zeigt sich diese Spannung zwischen gemeinsamen Curricula und individuellen Lernwegen, einheitlichen Prüfungen und unterschiedlichen Voraussetzungen.
Dialektische Struktur pädagogischen Handelns
Bewahrung und Verbesserung
Erziehung vermittelt zwischen gesellschaftlicher Kontinuität und Veränderung. Bewahrung sichert Wissen, Erinnerung, Sprache und Institutionen. Verbesserung fördert die Fähigkeit, Mängel zu erkennen und Verhältnisse zu verändern. Bewahrung ohne Kritik stabilisiert Ungerechtigkeit; Verbesserung ohne historisches Verständnis kann orientierungslos bleiben.
Unterstützende und gegenwirkende Tätigkeit
Unterstützung fördert Fähigkeiten, Interessen, Urteilskraft und Teilhabe durch Anregung, Übung, Ermutigung und geeignete Lernumgebungen. Gegenwirkung begrenzt begründet schädliche Handlungen oder Entwicklungen.
Gegenwirkung benötigt eine besonders sorgfältige Legitimation. Verbote und Sanktionen greifen in Selbsttätigkeit und Beziehungen ein. Sie sollten transparent, verhältnismäßig, überprüfbar und mit Beteiligungsmöglichkeiten verbunden sein.
Rezeption und Spontaneität
Bildung vollzieht sich im Wechsel von Aufnehmen und eigener Tätigkeit. Lernende sind für Erklärungen, Beispiele und Beziehungen empfänglich, verarbeiten sie aber aktiv. In der Hochschule gehören Lektüre, Diskussion, Schreiben und Forschen deshalb wesentlich zur wissenschaftlichen Bildung.
Institutionen der Erziehung
Familie und Gemeinwesen
Familien können sich an der Besonderheit einzelner Kinder orientieren und langfristige Beziehungen gestalten. Öffentliche Institutionen entwickeln allgemeine Regeln, organisieren Zugänge und tragen gesellschaftliche Verantwortung. Erziehung ist daher zwischen Familie und Gemeinwesen aufgeteilt.
| Bereich | Stärke | Gefahr |
|---|---|---|
| Familie | Nähe und Kontinuität | Abhängigkeit und ungleiche Ressourcen |
| Schule | Allgemeiner Zugang und systematische Bildung | Standardisierung und Selektion |
| Hochschule | Wissenschaftliche Selbsttätigkeit | Ausschluss und Verschulung |
| Digitale Lernumgebung | Zugang und Vernetzung | Überwachung und Plattformabhängigkeit |
Schule und Universität
Die Schule vermittelt zwischen häuslichem Leben, Öffentlichkeit und Wissenschaft. Lehrpläne, Prüfungen und Lehrerbildung sind nicht bloß organisatorisch, sondern enthalten Vorstellungen darüber, welches Wissen zählt und wie Chancen verteilt werden.
Die Universität soll Studierende nicht nur mit Ergebnissen versorgen, sondern in wissenschaftliches Denken und Forschen einführen. Forschendes Lernen, Primärquellenarbeit und eigene Fragen entsprechen diesem Anspruch.
Religiöse Bildung
Schleiermacher war Prediger und Theologe. Religiöse Bildung gehörte für ihn zum gemeinschaftlichen und sittlichen Leben. Eine heutige Rezeption muss jedoch Religionsfreiheit, weltanschauliche Vielfalt und die Rechte der Lernenden berücksichtigen.

Anfang und Ende der Erziehung
Das Ende der Erziehung ist bei Schleiermacher kein einzelner Stichtag, sondern ein Übergang zu wachsender Selbstständigkeit. Pädagogische Stellvertretung verliert ihre Berechtigung, wenn ein Mensch selbst verantwortlich handeln kann. Bildung und Lernen können dennoch lebenslang fortbestehen.
Hermeneutik und pädagogisches Verstehen
Schleiermachers Hermeneutik untersucht Verstehen im Verhältnis von Sprache, Zusammenhang, Individualität und Geschichte. Pädagogisches Verstehen bewegt sich zwischen Einzelbeobachtung und Gesamtkontext. Diagnosen und Bewertungen sind Deutungen und müssen begründet, überprüft und revidierbar sein.
| Bewegung | Leitfrage |
|---|---|
| Vom Teil zum Ganzen | Welche Bedeutung erhält eine Äußerung in ihrem Kontext? |
| Vom Ganzen zum Teil | Wie verändert eine neue Beobachtung das Fallverständnis? |
| Vom Verstehen zur Kritik | Welche Machtverhältnisse und Ausschlüsse werden sichtbar? |
Rezeption und Kritik
Pädagogischer Klassiker
Im 20. Jahrhundert griff die Geisteswissenschaftliche Pädagogik Schleiermachers Überlegungen zur Eigenständigkeit der Praxis, zur Geschichtlichkeit der Erziehung und zum Theorie-Praxis-Verhältnis auf. Ein Klassiker gilt dabei nicht als zeitlos wahr. Er wird erneut gelesen, weil seine Begriffe grundlegende Fragen bündeln.

Kritische Grenzen
Eine heutige Rezeption muss mehrere Grenzen untersuchen. Aus dem gesellschaftlich Geltenden kann nicht unmittelbar das Gute abgeleitet werden. Die ältere Generation besitzt Macht über Curricula, Prüfungen und Sanktionen. Schleiermachers Vorstellungen von Familie und Geschlecht entstanden in patriarchalen Verhältnissen. Zudem finden sich in seinem Werk problematische antijudaistische Deutungsmuster.
Historischer Kontext erklärt Positionen, rechtfertigt sie aber nicht. Moderne Maßstäbe wie Menschenrechte, Kinderrechte, demokratische Teilhabe und Diskriminierungsschutz müssen in die Kritik einbezogen werden.
Gegenwartsbezüge
Digitalisierung und künstliche Intelligenz
Digitale Plattformen strukturieren Kommunikation, Bewertung und Aufmerksamkeit. KI-Systeme können Erklärungen und Rückmeldungen erzeugen, übernehmen aber keine moralische Verantwortung. Schleiermachers Kunstlehre warnt vor der Annahme, pädagogische Situationen könnten vollständig automatisiert werden.
Verantwortung bleibt bei Personen und Institutionen, die Ziele setzen, Daten verarbeiten und Entscheidungen treffen. Lernende benötigen Transparenz, Mitgestaltung, Datenschutz und die Fähigkeit zur Quellenkritik.
Demokratie, Nachhaltigkeit und Inklusion
Demokratiebildung verbindet die Weitergabe gemeinsamer Regeln mit realer Beteiligung. Bildung für nachhaltige Entwicklung verschärft die Frage intergenerationeller Verantwortung. Inklusive Pädagogik vermittelt gemeinsame Ziele mit individuellen Zugängen und kritisiert institutionelle Aussonderung.
Fallanalyse
Eine Schule führt eine Plattform ein, die Lernzeiten sammelt, Leistungsprognosen erstellt und Aufgaben empfiehlt. Einige Lernende profitieren, andere fühlen sich überwacht.
| Kategorie | Analysefrage |
|---|---|
| Generationenverhältnis | Welche Absichten verfolgt die Institution? |
| Selbsttätigkeit | Können Lernende Ziele und Wege mitgestalten? |
| Unterstützung | Welche Lernmöglichkeiten werden erweitert? |
| Gegenwirkung | Welche Risiken sollen begrenzt werden? |
| Ethik | Wie werden Datennutzung und Bewertung legitimiert? |
| Theorie und Praxis | Wie werden Erfahrungen geprüft und Entscheidungen revidiert? |
Eine verantwortliche Lösung könnte Datensparsamkeit, transparente Kriterien, Beteiligung, menschliche Überprüfung und alternative Lernwege verlangen.
Zusammenfassung
Schleiermachers Pädagogik beginnt mit der Verantwortung der älteren gegenüber der jüngeren Generation. Pädagogische Theorie ist Kunstlehre: Sie ersetzt das Handeln nicht, sondern macht es klarer, begründeter und kritisierbarer. Erziehung vermittelt Selbsttätigkeit und Einwirkung, Individualität und Gemeinschaft, Bewahrung und Verbesserung sowie Familie und Öffentlichkeit.
Seine Begriffe bleiben für aktuelle Fragen der Professionalisierung, Digitalisierung und intergenerationellen Verantwortung produktiv. Eine wissenschaftliche Rezeption muss zugleich Macht, patriarchale Voraussetzungen, Antijudaismus und historische Grenzen kritisch untersuchen.

Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Welche Beziehung bildet den Ausgangspunkt von Schleiermachers Pädagogik? (Das Verhältnis der älteren zur jüngeren Generation) (!Die Konkurrenz zwischen Schulen) (!Die Beziehung zwischen Staat und Markt) (!Die Trennung von Forschung und Lehre)
Was bedeutet Kunstlehre in Schleiermachers Pädagogik? (Eine reflexive Theorie situationsabhängigen Handelns) (!Eine Anleitung zum Zeichnen) (!Eine Sammlung unveränderlicher Rezepte) (!Eine rein statistische Lerntheorie)
Welche Funktion hat Theorie gegenüber der pädagogischen Praxis? (Sie kann die Praxis bewusster und begründeter machen) (!Sie erzeugt Praxis erst vollständig) (!Sie ersetzt jede konkrete Entscheidung) (!Sie macht Erfahrung überflüssig)
Warum ist Pädagogik bei Schleiermacher mit Ethik verbunden? (Weil Erziehung Ziele und Vorstellungen des Guten voraussetzt) (!Weil Erziehung nur religiöse Inhalte vermittelt) (!Weil Ethik jede Unterrichtsmethode festlegt) (!Weil moralische Ziele niemals umstritten sind)
Was bezeichnet Selbsttätigkeit? (Die aktive Mitwirkung des Subjekts an seiner Entwicklung) (!Die vollständige Wirkungslosigkeit von Erziehung) (!Das Lernen ohne jede soziale Beziehung) (!Die mechanische Wiederholung von Vorgaben)
Wie verhalten sich Familie und Gemeinwesen in Schleiermachers Analyse? (Sie teilen sich in unterschiedlichen Formen die Erziehungsaufgabe) (!Die Familie ist für Bildung bedeutungslos) (!Der Staat übernimmt immer die gesamte Erziehung) (!Beide Bereiche haben identische Methoden)
Wie ist das Ende der Erziehung am besten zu verstehen? (Als allmählicher Übergang zu wachsender Selbstständigkeit) (!Als plötzliches Ende an jedem Geburtstag) (!Als Abschluss der Grundschule) (!Als lebenslange Herrschaft der Erziehenden)
Welche Spannung prägt die Bildung des Individuums? (Die Spannung zwischen persönlicher Eigentümlichkeit und gemeinsamer Teilhabe) (!Die Spannung zwischen Kunst und Sport) (!Die Spannung zwischen Stadt und Land) (!Die Spannung zwischen Lesen und Schreiben)
Warum ist die Edition der pädagogischen Texte anspruchsvoll? (Weil Vorlesungen durch Notizen Nachschriften und spätere Bearbeitungen überliefert sind) (!Weil Schleiermacher ausschließlich Bilder hinterließ) (!Weil alle Texte anonym veröffentlicht wurden) (!Weil keine pädagogische Vorlesung bekannt ist)
Welche kritische Ergänzung ist heute notwendig? (Die Prüfung von Macht Diskriminierung und historischen Ausschlüssen) (!Die unveränderte Übernahme aller historischen Normen) (!Die Ablehnung jeder ethischen Reflexion) (!Die Beschränkung auf biografische Daten)
Memory
| Generationenverhältnis | Verantwortung der älteren gegenüber der jüngeren Generation |
| Kunstlehre | Reflexive Theorie situationsabhängigen Handelns |
| Dignität der Praxis | Eigenwert pädagogischer Tätigkeit |
| Selbsttätigkeit | Aktive Mitwirkung des lernenden Subjekts |
| Eigentümlichkeit | Individuelle Besonderheit eines Menschen |
| Unterstützung | Förderung positiv beurteilter Entwicklung |
| Gegenwirkung | Begrenzung begründet negativer Tendenzen |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Schleiermachers Pädagogik |
|---|---|
| Generationenverhältnis | Grundfrage der Erziehung |
| Ethik | Normative Orientierung |
| Praxis | Älter als ihre wissenschaftliche Theorie |
| Familie | Nähe und Orientierung am einzelnen Menschen |
| Gemeinwesen | Öffentliche Verantwortung |
| Selbsttätigkeit | Aktive Beteiligung an der eigenen Entwicklung |
Kreuzworträtsel
| Kunstlehre | Wie nennt Schleiermacher die reflexive Theorie pädagogischen Handelns? |
| Generation | Welcher Begriff bezeichnet eine Altersgruppe im historischen Verhältnis? |
| Selbsttaetigkeit | Wie heißt die aktive Mitwirkung des Subjekts an seiner Entwicklung? |
| Gemeinschaft | In welchem sozialen Zusammenhang entwickelt sich der Mensch? |
| Ethik | Welche Disziplin liefert normative Orientierung? |
| Praxis | Was besitzt eine von der Theorie unabhängige Würde? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Begriffslandkarte: Erstelle eine Concept-Map mit acht Grundbegriffen und mindestens zehn begründeten Verbindungen.
- Zitatinterpretation: Interpretiere Schleiermachers Generationenfrage in 250 bis 350 Wörtern.
- Zeitleiste: Gestalte eine Zeitleiste mit Lebensstationen, Vorlesungen und Reformtätigkeit.
- Medienanalyse: Untersuche ein Kursbild als historische Quelle und benenne seine Grenzen.
Standard
- Fallanalyse: Analysiere einen schulischen Konflikt mit Selbsttätigkeit, Unterstützung, Gegenwirkung, Individualität und Gemeinschaft.
- Theorienvergleich: Vergleiche Schleiermacher mit Johann Friedrich Herbart, Immanuel Kant oder John Dewey.
- Editionsvergleich: Vergleiche zwei Fassungen eines pädagogischen Textes hinsichtlich Begriffen und Gliederung.
- Seminardebatte: Diskutiere die These, Bildungsziele seien nur legitim, wenn die jüngere Generation zustimmen kann.
Schwer
- Forschungsdesign: Entwickle eine qualitative Studie zum Verständnis intergenerationeller Verantwortung bei Lehrkräften.
- Curriculumentwicklung: Entwirf eine dreistündige Hochschulsequenz mit Primärquellenarbeit und Fallanalyse.
- Ideologiekritik: Untersuche patriarchale oder antijudaistische Begrenzungen anhand wissenschaftlicher Literatur.
- Policy Paper: Verfasse ein Kurzgutachten zur KI-Nutzung in Schulen mit Schleiermachers Theorie-Praxis-Verhältnis.


Lernkontrolle
- Digitale Überwachung: Entwickle eine begründete Entscheidung zur automatischen Erfassung schulischer Lernaktivitäten.
- Klimabildung: Prüfe, warum nachhaltige Bildung nicht nur Verhaltensänderungen Jugendlicher verlangen darf.
- Familie und Schule: Entwickle für einen Konflikt zwischen Eltern, Schule und Jugendlichem ein beteiligungsorientiertes Verfahren.
- Theorie-Praxis-Reflexion: Analysiere eine Praxiserfahrung und zeige, wie Theorie neue Aspekte sichtbar macht.
- Inklusion: Entwirf eine gemeinsame Lernaufgabe mit individuellen Zugängen und begründe sie.
- Demokratiebildung: Entwickle Kriterien zur Unterscheidung echter Mitentscheidung von symbolischer Beteiligung.
- Quellenkritik: Erkläre, wie eine studentische Nachschrift die Interpretation eines Textes beeinflusst.
- Pädagogische Gegenwirkung: Beurteile ein schulisches Verbot nach Zweck, Verhältnismäßigkeit und Nebenfolgen.
Lernnachweis
Für den Lernnachweis sind wichtig:
- Begriffsverständnis: Präzise Erklärung der zentralen Kategorien.
- Historische Einordnung: Verbindung von Theorie, Bildungsreform und Universitätsgeschichte.
- Quellenkritik: Unterscheidung von Notiz, Nachschrift und Edition.
- Systematische Rekonstruktion: Darstellung zentraler Spannungsverhältnisse.
- Transfer: Anwendung auf einen gegenwärtigen pädagogischen Fall.
- Kritische Urteilskraft: Reflexion von Macht, Diskriminierung und historischen Grenzen.
- Wissenschaftliches Arbeiten: Belegte Aussagen und klare Trennung von Quelle und Bewertung.
Ein geeignetes Portfolio enthält eine Primärquellenanalyse, eine Fallstudie, eine kritische Literaturauswertung und eine Abschlussreflexion.
Quellen und Literatur
- Friedrich Schleiermacher: Erziehungslehre, herausgegeben von Carl Platz, Berlin 1849.
- Friedrich Schleiermacher: Texte zur Pädagogik. Kommentierte Studienausgabe, herausgegeben von Michael Winkler und Jens Brachmann, Frankfurt am Main 2000.
- Friedrich Schleiermacher: Vorlesungen über die Pädagogik und amtliche Voten zum öffentlichen Unterricht, Kritische Gesamtausgabe, Abteilung II, Band 12.
- Jens Brachmann: Friedrich Schleiermacher. Ein pädagogisches Porträt, Weinheim und Basel 2002.
- Otto Friedrich Bollnow: Einige Bemerkungen zu Schleiermachers Pädagogik, 1986.
- Ingrid Lohmann: Über den Beginn der Etablierung allgemeiner Bildung, 1984.
- Matthias Blum: Ich wäre ein Judenfeind? Zum Antijudaismus in Friedrich Schleiermachers Theologie und Pädagogik, Köln 2010.
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