Die elf Gründungsmitglieder des FC Bayern

Die elf Gründungsmitglieder des FC Bayern
Die elf Gründungsmitglieder des FC Bayern
Am 27. Februar 1900 entstand in München ein neuer Fußballverein. Im Mittelpunkt dieser Geschichte stehen elf junge Männer, die sich nach einem Konflikt mit dem Männer-Turn-Verein München von 1879 im Café Gisela zusammenfanden und den F.C. Bayern München gründeten. Ihr Schritt war keine spontane Laune eines einzigen Abends. Er war das Ergebnis einer längeren Auseinandersetzung um die Frage, welchen Stellenwert der damals noch junge Fußballsport haben sollte und wie selbstständig die Fußballer ihre sportliche Zukunft gestalten durften.
Dieser aiMOOC beschäftigt sich mit den Männern der ersten Stunde, ihren nachweisbaren gemeinsamen Zielen, ihren unterschiedlichen Biografien und der berühmten Gründungsgeschichte vom Gasthaus Bäckerhöfl zum Café Gisela. Dabei lernst Du auch, historische Überlieferungen kritisch zu prüfen: Auf der zur Gründungsurkunde gewordenen Namensliste stehen 17 Namen, während die bekannte Gründungsnacht von elf anwesenden Männern getragen wurde. Je nach Quelle und Definition findest Du deshalb sowohl die Bezeichnung „elf Gründungsmitglieder“ als auch einen größeren Kreis von 17 Gründern beziehungsweise Gründungsvätern.

Einleitung
Der heutige FC Bayern München begann nicht mit einem großen Stadion, einer professionellen Mannschaft oder einer umfangreichen Vereinsverwaltung. Im Jahr 1900 bestand der entscheidende Gründerkreis aus jungen Fußballbegeisterten, die ihren Sport ernst nehmen wollten. Fußball war in Deutschland erst seit wenigen Jahrzehnten verbreitet und wurde von Teilen der traditionellen Turnbewegung noch skeptisch betrachtet. Viele Sportvereine verstanden das Turnen als ihre eigentliche Aufgabe; der aus England übernommene Wettkampfsport Fußball wirkte auf manche Funktionäre fremd oder wenig traditionsgemäß.
Die Fußballer des MTV München wollten dagegen am organisierten Spielbetrieb teilnehmen. Ein entscheidender Streitpunkt war der gewünschte Beitritt zum Verband Süddeutscher Fußball-Vereine. Damit wäre die Teilnahme an einem geregelten überregionalen beziehungsweise regionalen Ligabetrieb möglich geworden. Die Leitung des MTV unterstützte diesen Schritt zunächst nicht. Für Franz John und seine Mitstreiter ging es deshalb um mehr als die Frage, wann und wo trainiert werden durfte: Es ging um sportliche Selbstständigkeit, Wettbewerb und die Zukunft des Fußballs in München.
Die elf Männer, die am Abend des 27. Februar 1900 den entscheidenden Schritt gingen, waren:
- Franz John: Fotograf, wichtigste treibende Kraft der Abspaltung und erster Vorsitzender des neuen Vereins.
- Josef Pollack: Fußballpionier mit Erfahrungen aus Freiburg, enger Mitstreiter Johns und erster Schriftführer.
- Paul Francke: Fußballer aus Leipzig, erster Mannschaftskapitän und in der Anfangszeit für Training und Aufstellung mitverantwortlich.
- Wilhelm Focke: aus Bremen stammender Künstler, Erfinder und Fußballpionier; in der jungen Mannschaft zweiter Kapitän.
- Otto Ludwig Naegele: Münchner Grafiker, Illustrator und Maler; erster Torhüter des FC Bayern und Gestalter eines frühen Vereinszeichens.
- Arthur Ringler: Gründungsmitglied, später unter anderem als Architekt beziehungsweise Stadtbaumeister in Innsbruck tätig.
- Albert Zoepfel: einer der elf bei der Gründungsnacht anwesenden Männer; zu seiner individuellen Motivation ist deutlich weniger überliefert als zu Franz John oder Josef Pollack.
- Fritz Wamsler: Münchner Gründungsmitglied aus der Unternehmerfamilie Wamsler; später Ingenieur und Unternehmer.
- Carl Wamsler: Bruder von Fritz Wamsler und ebenfalls einer der elf Männer der Gründungsnacht.
- Georg Schmid: früher Bayern-Spieler und später auch in Vereinsfunktionen aktiv; er blieb dem Verein über Jahrzehnte verbunden.
- Kuno Friederich: Gründungsmitglied und Spieler der frühen Bayern-Mannschaft.
Lernziele
Nach diesem aiMOOC kannst Du die Gründung des FC Bayern in den historischen Zusammenhang des Fußballs um 1900 einordnen. Du kannst die elf Männer der Gründungsnacht benennen, den Konflikt mit dem MTV München erklären und zwischen belegten gemeinsamen Motiven und lediglich vermuteten persönlichen Beweggründen unterscheiden. Außerdem kannst Du erklären, warum Quellen einmal von elf und einmal von 17 Gründungsmitgliedern sprechen und weshalb diese Differenz für historisches Arbeiten wichtig ist.
Fußball in München um 1900
Eine junge Sportart sucht ihren Platz
Fußball verbreitete sich im Deutschen Reich im späten 19. Jahrhundert zunehmend. In München gehörten zunächst vor allem Schüler, Studenten, junge Berufstätige, Künstler und andere sportbegeisterte Männer zu denjenigen, die das Spiel ausprobierten und Vereine oder Fußballabteilungen bildeten. Feste Plätze, Umkleideräume, professionelle Trainerstäbe oder eine umfangreiche Infrastruktur waren keineswegs selbstverständlich.
Der Sport stand zudem in Konkurrenz zu etablierten Vorstellungen von Körpererziehung. Die deutsche Turnbewegung verfügte bereits über ausgeprägte Vereinsstrukturen und Traditionen. Fußball war dagegen stärker auf unmittelbaren Wettkampf zwischen zwei Mannschaften ausgerichtet und besaß internationale, besonders englische Wurzeln. Für die jungen Fußballer war gerade diese moderne Form des sportlichen Wettbewerbs attraktiv.
München als Kunst- und Bildungsstadt
Auffällig ist, dass mehrere frühe Bayern eng mit dem kulturellen Leben der Stadt verbunden waren. Franz John arbeitete als Fotograf, Otto Ludwig Naegele als Grafiker und Künstler, Wilhelm Focke als Maler und Bildhauer, Paul Francke beschäftigte sich ebenfalls mit bildnerischer Gestaltung. Andere Gründer waren Studenten, angehende Akademiker oder später in technischen Berufen tätig.
Viele von ihnen waren nicht in München geboren. Sie kamen unter anderem aus Brandenburg, Freiburg, Leipzig oder Bremen. Das München der Jahrhundertwende zog junge Menschen wegen seiner Hochschulen, seiner Kunstakademie und seines kulturellen Lebens an. Der FC Bayern entstand damit nicht nur aus einer lokalen Nachbarschaftsgruppe, sondern auch aus einem mobilen, jungen und vergleichsweise kosmopolitischen Milieu.

Das Werk Otto Ludwig Naegeles verdeutlicht, wie eng bei mehreren Gründern Sport, Kunst und modernes städtisches Leben miteinander verbunden waren.
Der Konflikt mit dem MTV München
Der Wunsch nach organisiertem Wettbewerb
Franz John und andere Fußballer des MTV München wollten, dass ihre Abteilung dem Verband Süddeutscher Fußball-Vereine beitrat. Ein solcher Verband organisierte Begegnungen und Wettbewerbe und half dabei, Fußball als eigenständige Sportart zu etablieren. Die Leitung des MTV lehnte den gewünschten Schritt ab.
Damit prallten zwei Vorstellungen aufeinander. Auf der einen Seite stand ein traditioneller Turnverein, dessen organisatorischer Schwerpunkt beim Turnen lag. Auf der anderen Seite standen Fußballer, die ihren Sport in einem eigenen Wettbewerbs- und Verbandsgefüge weiterentwickeln wollten.
Der Konflikt lässt sich deshalb nicht sinnvoll auf die einfache Formel „alt gegen jung“ reduzieren. Er war zugleich ein Konflikt um Vereinsstrukturen, Entscheidungsmacht, sportliche Prioritäten und Autonomie.
Franz John bereitet den Bruch vor
Franz John war am 27. Februar 1900 nicht unvorbereitet. Schon zuvor hatte er mit möglichen Mitstreitern gesprochen und Unterschriften für einen eigenen Fußballclub gesammelt. Eine überlieferte Liste enthielt eine zunächst vorsichtige Formulierung: Die Unterzeichnenden würden gegebenenfalls einem FC Bayern beitreten.
Diese Liste ist für Historikerinnen und Historiker besonders interessant, weil sie später zur Gründungsurkunde wurde. Sie zeigt, dass die Idee einer Vereinsgründung bereits vor dem berühmten Abend existierte. Das Café Gisela war also der Ort der entscheidenden Umsetzung eines Plans, der sich vorher entwickelt hatte.
Die berühmte Gründungsnacht im Café Gisela
Zuerst: die Sitzung im Bäckerhöfl
Am 27. Februar 1900 traf sich die Fußballabteilung des MTV München im Gasthaus Bäckerhöfl. Die weitere Zukunft der Fußballer wurde kontrovers diskutiert. Gegen etwa 21:30 Uhr verließen elf Männer die Versammlung.
Zu ihnen gehörten Arthur Ringler, Otto Ludwig Naegele, Albert Zoepfel, Josef Pollack, Fritz Wamsler, Carl Wamsler, Georg Schmid, Paul Francke, Kuno Friederich, Wilhelm Focke und Franz John.
Sie gingen anschließend zum Gisela, das in Quellen als Café, Weinhaus oder Restaurant bezeichnet wird. Der historische Ort lag an der Fürsten- beziehungsweise Jägerstraße nahe dem Odeonsplatz; die heutige Straßenbezeichnung lautet Kardinal-Döpfner-Straße. Nach heutiger Stadtgliederung liegt der Ort in der Maxvorstadt.
Im Gisela wird aus dem Plan ein Verein
Im Café Gisela gründeten die elf anwesenden Fußballer noch am selben Abend ihren eigenen Verein. Franz John führte die Gruppe und wurde zum ersten Vorsitzenden gewählt. Der neue Club hieß F.C. Bayern München. Als Vereinsfarben wurden zunächst Blau und Weiß festgelegt; der Mitgliedsbeitrag betrug eine Mark.
Besonders anschaulich ist die Geschichte der Unterschriftenliste. Aus der sinngemäßen Absichtserklärung, die Unterzeichnenden würden gegebenenfalls einem FC Bayern beitreten, machte John eine verbindliche Erklärung. Damit wurde aus einem vorbereitenden Dokument eine Urkunde des neuen Vereins.
Die Sitzung endete nach der überlieferten Vereinsgeschichte um 23:15 Uhr. Aus einer Auseinandersetzung innerhalb eines Turnvereins war innerhalb weniger Stunden eine eigenständige Vereinsorganisation geworden.
Das offizielle Video des FC Bayern führt anlässlich des 125-jährigen Vereinsjubiläums an den historischen Gründungsort zurück und macht die räumliche Dimension der Geschichte anschaulich.
Warum Café, Restaurant oder Weinhaus Gisela?
Bei historischen Orten können unterschiedliche Bezeichnungen gleichzeitig richtig sein. Zeitgenössische und spätere Quellen bezeichnen das Gisela als Restaurant, Weinhaus oder Café. In der Erinnerungskultur des FC Bayern hat sich vor allem die Bezeichnung Café Gisela durchgesetzt.
Für historisches Lernen ist das ein gutes Beispiel: Eine unterschiedliche Wortwahl bedeutet nicht automatisch, dass Quellen verschiedene Orte meinen. Entscheidend sind Lage, Kontext und weitere übereinstimmende Angaben.
Elf oder siebzehn Gründungsmitglieder?
Auf der zur Gründungsurkunde gewordenen Liste befinden sich 17 Namen. Am entscheidenden Abend werden in der etablierten Darstellung jedoch elf anwesende Männer genannt, die nach dem Streit im Bäckerhöfl ins Gisela gingen und dort den Verein gründeten.
Deshalb begegnen Dir in Literatur, Vereinsgeschichte und Museum zwei Zählweisen. Manche Darstellungen sprechen mit Blick auf die Urkunde und den größeren vorbereitenden Kreis von 17 Gründungsmitgliedern oder Gründungsvätern. Andere konzentrieren sich auf die elf Männer, die bei der eigentlichen Gründungsnacht anwesend waren.
Dieser aiMOOC folgt bewusst dem Titel „Die elf Gründungsmitglieder des FC Bayern“ und untersucht die elf Männer des Abends im Café Gisela. Gleichzeitig sollst Du wissen, dass die Zahl 17 keine bloße Fehlangabe ist, sondern aus der Überlieferung der Namensliste und aus einer weiter gefassten Definition des Gründerkreises entsteht.
Quellenkritik statt Vereinslegende
Historische Forschung fragt nicht nur: „Was ist passiert?“, sondern auch: „Woher wissen wir das?“ Bei der FC-Bayern-Gründung spielen mehrere Quellentypen zusammen: die Gründungsurkunde, Erinnerungen Beteiligter, frühe Vereinsberichte, Melderegister, Vereinsarchive, Stadtarchive und spätere historische Forschungen.
Gerade bei Personen, über die nur wenige Dokumente erhalten sind, ist Zurückhaltung wichtig. Es wäre zum Beispiel falsch, jedem der elf Männer eine genau formulierte persönliche Motivation zuzuschreiben, wenn keine entsprechende Aussage von ihm überliefert ist. Sicherer ist es, zwischen gemeinsamen, dokumentierten Zielen und biografisch plausiblen, aber nicht direkt belegten persönlichen Beweggründen zu unterscheiden.
Die elf Männer der ersten Stunde
Franz John – Initiator und erster Vorsitzender
Franz John wurde 1872 in Pritzwalk in Brandenburg geboren und arbeitete als Fotograf. Vor seiner Münchner Zeit hatte er bereits im Berliner Raum Fußball gespielt. In München schloss er sich dem MTV an.
John ist die zentrale Figur der Gründungsgeschichte. Er wollte den Fußball organisatorisch voranbringen, setzte sich für die Zugehörigkeit zum süddeutschen Fußballverband ein, führte Gespräche mit Mitstreitern und bereitete eine mögliche Vereinsgründung vor. Nach dem Bruch mit dem MTV leitete er die Gründung des FC Bayern und wurde mit 27 Jahren dessen erster Vorsitzender.
Bei John ist die persönliche Motivation vergleichsweise gut greifbar: Fußball sollte nicht nur geduldet, sondern als eigenständiger Wettkampfsport organisiert und weiterentwickelt werden.
Josef Pollack – Vernetzer und Mitstreiter
Josef Pollack stammte aus Freiburg und hatte schon vor seiner Münchner Zeit Erfahrungen mit organisiertem Fußball gesammelt. Er gehörte zum Umfeld des Freiburger Fußballs und war mit frühen Netzwerken des süddeutschen Fußballs verbunden.
In München arbeitete er eng mit Franz John zusammen. Pollack wurde nach der Gründung erster Schriftführer des FC Bayern und gehörte auch sportlich zu den wichtigen Spielern der Anfangszeit. Seine Biografie zeigt, dass die Gründung nicht isoliert betrachtet werden kann: Frühe Fußballpioniere waren über Städte und Vereine hinweg miteinander vernetzt.
Paul Francke – erster Kapitän und Organisator auf dem Platz
Paul Francke hatte zuvor in Leipzig Fußball gespielt. Beim jungen FC Bayern wurde er zum ersten Mannschaftskapitän gewählt. In einer Zeit ohne modernen Trainerstab bedeutete das weit mehr als das Tragen einer Kapitänsbinde: Francke war an Training, Mannschaftsaufstellung und der praktischen Organisation des Spielbetriebs beteiligt.
Damit zeigt seine Rolle, wie klein und selbstorganisiert der junge Verein war. Die Gründer mussten gleichzeitig Spieler, Funktionäre und Organisatoren sein.
Wilhelm Focke – Künstler, Erfinder und Fußballpionier
Wilhelm Focke kam aus Bremen. Er war künstlerisch tätig und beschäftigte sich später auch intensiv mit technischen Entwicklungen und der frühen Luftfahrt. Beim FC Bayern gehörte er zu den Gründern und wurde in der Anfangszeit zweiter Kapitän.
Seine Biografie passt zum kulturellen Umfeld mehrerer Gründer: Für manche Männer jener Zeit gehörten technische Neugier, Kunst, neue Freizeitformen und moderne Sportarten zu derselben Aufbruchswelt. Daraus darf man jedoch nicht automatisch ein wörtlich überliefertes individuelles Gründungsmotiv ableiten.
Otto Ludwig Naegele – Torhüter und Gestalter
Otto Ludwig Naegele wurde 1880 in München geboren und arbeitete als Grafiker, Illustrator und Maler. Er stand in den Anfangsjahren im Tor des FC Bayern und übernahm auch organisatorische Aufgaben. Ihm wird zudem die Gestaltung eines frühen Vereinszeichens zugeschrieben.

Naegeles Verbindung von Fußball und Gestaltung macht sichtbar, warum die frühe Bayern-Geschichte gelegentlich als Geschichte eines Künstler-Clubs beschrieben wird.
Arthur Ringler – Gründer mit späterer Laufbahn im Bauwesen
Arthur Ringler gehörte zu den elf Männern, die das Bäckerhöfl verließen und an der Gründung im Gisela teilnahmen. Später wurde er im Bauwesen tätig und ist unter anderem als Stadtbaumeister beziehungsweise Stadtarchitekt in Innsbruck überliefert.
Über sein ganz persönliches Motiv am 27. Februar 1900 ist weniger dokumentiert als über dasjenige Franz Johns. Sicher ist deshalb vor allem seine aktive Teilnahme am gemeinsamen Schritt in die Selbstständigkeit.
Albert Zoepfel – ein Gründer mit lückenhafter Überlieferung
Albert Zoepfel ist ein gutes Beispiel dafür, dass historische Bedeutung und Quellenfülle nicht dasselbe sind. Sein Name gehört zum Kreis der elf anwesenden Gründer, doch über seine Biografie und seine persönlichen Beweggründe ist deutlich weniger zuverlässig überliefert.
Gerade deshalb eignet sich Zoepfel für eine Übung in Quellenkritik: Wo Dokumente fehlen, darf eine anschauliche Erzählung nicht durch erfundene Details ergänzt werden.
Fritz Wamsler – Fußballer aus einer Münchner Unternehmerfamilie
Fritz Wamsler wurde 1881 in München geboren. Er stammte aus der Familie des Herd- und Ofenfabrikanten Friedrich Wamsler. Später wurde Fritz Wamsler Ingenieur und Unternehmer und war auch in Verbänden und Politik tätig.
Für die frühe Vereinsgeschichte war die Familie besonders nützlich: Friedrich Wamsler senior unterstützte die jungen Bayern und stellte ihnen später ein Grundstück an der Clemensstraße als Spielstätte zur Verfügung. Fritz Wamsler war jedoch nicht nur Sohn eines Unterstützers, sondern selbst einer der elf Männer der Gründungsnacht.
Carl Wamsler – gemeinsam mit seinem Bruder im Gründerkreis
Carl Wamsler war der Bruder von Fritz Wamsler und ebenfalls im Café Gisela dabei. Auch bei ihm ist die individuelle Motivlage weniger ausführlich dokumentiert. Seine Anwesenheit zeigt aber, dass er den gemeinsamen Schritt der Fußballer aus den Strukturen des MTV in einen selbstständigen Club mittrug.
In historischen Quellen findest Du seinen Vornamen teilweise auch in der Schreibweise Karl. Solche Varianten sind bei älteren Quellen nicht ungewöhnlich und müssen bei Recherchen berücksichtigt werden.
Georg Schmid – vom frühen Spieler zum langjährigen Bayern
Georg Schmid gehörte zu den elf Gründern, spielte in der frühen Mannschaft und übernahm später Aufgaben im Verein. Seine Verbindung zum FC Bayern reichte weit über die Gründungsnacht hinaus. Er starb 1960 und gilt nach den Forschungen des FC Bayern Museums als letzter Überlebender des Kreises der elf Männer der Gründungsnacht.
Schmids Biografie verdeutlicht, dass eine Vereinsgründung nicht mit der Unterschrift endet. Ein neuer Club muss anschließend durch Training, Spiele, Organisation und langfristiges Engagement mit Leben gefüllt werden.
Kuno Friederich – Spieler der ersten Bayern-Jahre
Kuno Friederich war einer der elf Männer des 27. Februar 1900 und spielte für den jungen FC Bayern. Mit den ersten Spielplätzen und Begegnungen des Vereins ist auch sein Name verbunden. So wird er als erster Bayern-Torschütze auf dem später genutzten Platz an der Clemensstraße überliefert.
Wie bei mehreren Mitgründern ist seine persönliche Motivlage in den erhaltenen Quellen weniger detailliert dokumentiert als seine Zugehörigkeit zum Gründerkreis.
Was waren ihre Motive?
Gut belegte gemeinsame Ziele
Die Quellen erlauben eine klare Beschreibung mehrerer gemeinsamer Motive und Ziele:
- Sportliche Selbstständigkeit: Die Fußballer wollten über die Entwicklung ihres Sports nicht dauerhaft von einer Turnvereinsleitung abhängig sein, die andere Prioritäten setzte.
- Verbandszugehörigkeit: Sie strebten die Einbindung in die organisierte süddeutsche Fußballstruktur an.
- Geregelter Wettkampf: Fußball sollte in einem verlässlichen Spiel- und Ligabetrieb stattfinden können.
- Förderung des Fußballs: Franz John und seine Mitstreiter wollten die junge Sportart in München voranbringen.
- Eigene Organisation: Mit einem selbstständigen Verein konnten die Fußballer über Mannschaft, Spiele, Beiträge und Vereinsentwicklung eigenständiger entscheiden.
Was wir nicht sicher wissen
Nicht jeder Gründer hinterließ ein Tagebuch, einen Brief oder eine spätere ausführliche Aussage darüber, warum er persönlich mitging. Deshalb wäre eine Formulierung wie „Albert Zoepfel gründete Bayern aus genau diesem persönlichen Grund“ ohne Quelle problematisch.
Historisch sauber ist folgende Unterscheidung:
Belegt sind der Konflikt um die Stellung des Fußballs, die gewünschte Verbandszugehörigkeit, das Streben nach Unabhängigkeit und die konkrete Gründungshandlung.
Biografisch erkennbar sind bei mehreren Männern große Sportbegeisterung, Mobilität, künstlerische oder technische Interessen und die Zugehörigkeit zu einem jungen städtischen Milieu.
Nicht automatisch belegt ist, welche dieser Erfahrungen jeder Einzelne im Moment der Entscheidung als sein wichtigstes persönliches Motiv empfand.
Vom Gründerabend zum Fußballverein
Die Gründung allein garantierte noch keinen Erfolg. Der neue Club benötigte Spieler, Gegner, Plätze, Regeln und eine funktionierende Organisation. Bereits in den ersten Monaten traten die Bayern zu Spielen gegen andere Münchner Mannschaften an. Der Verein entwickelte sich schnell zu einer wichtigen Kraft im Münchner Fußball.
Eine frühe Mannschaftsaufnahme zeigt, wie überschaubar der Kreis damals noch war. Zwischen Gründern, Spielern und Funktionären bestanden kaum die heute selbstverständlichen Grenzen.

Die Aufnahme dokumentiert eine Begegnung zwischen dem 1. FC Nürnberg und dem FC Bayern im Jahr 1901 und macht die frühe Wettkampfpraxis sichtbar.
Der Platz an der Clemensstraße
Eine entscheidende praktische Hilfe kam aus dem Umfeld der Familie Wamsler. Friedrich Wamsler senior stellte dem jungen Verein ein Grundstück an der Clemensstraße zur Verfügung. Dort konnte der FC Bayern ab 1900 einen eigenen Spielplatz nutzen. Beim ersten dort ausgetragenen Spiel gegen den MTV München im Dezember 1900 erzielte Kuno Friederich nach der Überlieferung der Kurt Landauer Stiftung das erste Bayern-Tor auf diesem Platz.
Das Beispiel zeigt, wie eine Vereinsidee erst durch materielle Ressourcen Wirklichkeit wird. Enthusiasmus allein reicht nicht: Ein Fußballclub braucht einen Platz, Tore, Ausrüstung, Gegner und Menschen, die organisatorische Verantwortung übernehmen.
Das Café Gisela als Erinnerungsort
Das ursprüngliche Gebäude des Gründungslokals existiert nicht mehr in seiner damaligen Form. Dennoch ist der Ort Teil der Erinnerungskultur des Vereins. In der heutigen Kardinal-Döpfner-Straße erinnert eine Markierung beziehungsweise Gedenkinstallation an die Gründung. Auch das FC Bayern Museum hat das Café Gisela in Ausstellungen rekonstruiert.
Damit wird aus einem alltäglichen städtischen Ort ein historischer Erinnerungsort. Für Fans symbolisiert das Café den Beginn einer langen Vereinsgeschichte; für Historikerinnen und Historiker ist es zugleich ein Anlass zu fragen, wie aus einem realen Ereignis eine immer wieder erzählte Gründungslegende entsteht.
Historisches Denken: Ereignis, Quelle und Legende
Die Gründungsgeschichte wirkt heute beinahe filmisch: Streit im Bäckerhöfl, elf Männer verlassen die Sitzung, ein kurzer Weg durch München, ein Tisch im Gisela, Franz John ändert die Formulierung auf einem Blatt Papier und ein neuer Club ist geboren. Diese Dramaturgie ist ein Grund dafür, dass die Geschichte so bekannt wurde.
Gerade deshalb solltest Du drei Ebenen unterscheiden:
- Ereignis: Was am 27. Februar 1900 nach den verfügbaren Quellen tatsächlich geschah.
- Quelle: Welche Dokumente, Erinnerungen und Archivfunde darüber Auskunft geben.
- Erinnerung: Wie der Verein und seine Fans die Gründungsnacht später erzählen, darstellen und symbolisch aufladen.
Eine gute historische Darstellung muss spannend erzählen dürfen, aber sie darf Lücken nicht als Gewissheiten ausgeben.
Quellen und weiterführende Hinweise
- FC Bayern München: Von Beginn an erfolgreich – die frühen Vereinsjahre
- FC Bayern Museum: Exponat der Woche – Gründungsurkunde
- FC Bayern Museum: Die Suche nach den Gründungsvätern
- MunichArtToGo / FC Bayern Museum: Das Café Gisela
- Wikipedia: FC Bayern München
- Kurt Landauer Stiftung: Denkmal Clemensstraße
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
An welchem Datum wurde der FC Bayern im Café Gisela gegründet? (27. Februar 1900) (!27. Februar 1910) (!1. Januar 1901) (!4. Juli 1900)
Wo fand die entscheidende MTV-Sitzung vor dem Gang zum Café Gisela statt? (Im Bäckerhöfl) (!Im Hofbräuhaus) (!Im Grünwalder Stadion) (!Im Rathaus)
Welcher Streitpunkt trug wesentlich zur Abspaltung der Fußballer vom MTV bei? (Der gewünschte Beitritt zum süddeutschen Fußballverband) (!Die Wahl eines neuen Vereinswappens) (!Der Bau eines großen Stadions) (!Die Verpflichtung eines Profitrainers)
Wie viele Männer gingen nach der bekannten Darstellung vom Bäckerhöfl ins Gisela und gründeten dort den Verein? (Elf) (!Sechs) (!Siebzehn) (!Zweiundzwanzig)
Wer wurde zum ersten Vorsitzenden des neuen FC Bayern gewählt? (Franz John) (!Josef Pollack) (!Paul Francke) (!Otto Ludwig Naegele)
Welche Rolle übernahm Paul Francke in der frühen Mannschaft? (Erster Mannschaftskapitän) (!Erster Vereinsarzt) (!Erster Stadionarchitekt) (!Erster Schiedsrichter)
Welche sportliche Rolle hatte Otto Ludwig Naegele in der frühen Bayern-Mannschaft? (Torhüter) (!Schiedsrichter) (!Masseur) (!Platzwart)
Warum taucht neben der Zahl elf auch die Zahl siebzehn in der Gründungsgeschichte auf? (Auf der zur Gründungsurkunde gewordenen Liste stehen siebzehn Namen) (!Die erste Mannschaft hatte siebzehn Spieler gleichzeitig auf dem Platz) (!Das Café Gisela hatte siebzehn Besitzer) (!Der Verein wurde siebzehn Jahre lang geplant)
Was lässt sich als gemeinsames Ziel der Gründer gut belegen? (Mehr Selbstständigkeit für den organisierten Fußball) (!Die Einführung des Profifußballs in Deutschland) (!Der sofortige Bau eines Stadions mit zehntausend Plätzen) (!Die Gründung einer europäischen Profiliga)
Warum sollte man bei den persönlichen Motiven einzelner Gründer vorsichtig formulieren? (Nicht für jeden Gründer sind individuelle Aussagen überliefert) (!Die Namen der Gründer sind vollständig unbekannt) (!Es gibt überhaupt keine Quellen zur Gründung) (!Der Verein wurde erst Jahrzehnte später erfunden)
Memory
| Franz John | Erster Vorsitzender |
| Josef Pollack | Erster Schriftführer |
| Paul Francke | Erster Mannschaftskapitän |
| Otto Ludwig Naegele | Früher Torhüter |
| Bäckerhöfl | Ausgangspunkt der Konfliktsitzung |
| Café Gisela | Ort der Vereinsgründung |
| Wilhelm Focke | Zweiter Kapitän |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Bedeutung |
|---|---|
| Franz John | Erster Vorsitzender |
| Paul Francke | Erster Mannschaftskapitän |
| Otto Ludwig Naegele | Früher Torhüter |
| Bäckerhöfl | Ort der MTV-Konfliktsitzung |
| Café Gisela | Ort der Vereinsgründung |
Kreuzworträtsel
| John | Welcher Nachname gehört zum Initiator und ersten Vorsitzenden des FC Bayern? |
| Pollack | Welcher Mitgründer wurde erster Schriftführer? |
| Francke | Welcher Mitgründer war der erste Mannschaftskapitän? |
| Focke | Welcher Mitgründer war Künstler und später auch Luftfahrtpionier? |
| Naegele | Welcher Mitgründer stand als früher Torhüter im Bayern-Tor und arbeitete als Grafiker? |
| Gisela | Wie hieß das Lokal, in dem der neue Verein gegründet wurde? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Zeitleiste zur Gründungsnacht: Gestalte eine Zeitleiste vom Konflikt im MTV über das Verlassen des Bäckerhöfl bis zum Ende der Gründungssitzung im Café Gisela.
- Gründer-Steckbrief: Wähle einen der elf Gründer aus und erstelle einen kurzen Steckbrief. Markiere deutlich, welche Angaben sicher belegt sind und wo Quellenlücken bestehen.
- Weg zum Café Gisela: Zeichne auf Grundlage eines historischen oder heutigen Münchner Stadtplans den Weg vom Bäckerhöfl zum Gründungsort ein und erläutere, warum räumliche Nähe für die Erzählung des Abends wichtig ist.
- Elf oder siebzehn: Erkläre in eigenen Worten, warum sowohl die Zahl elf als auch die Zahl 17 in Darstellungen der Vereinsgründung vorkommen.
Standard
- Münchner Abendblatt 1900: Schreibe einen fiktiven Zeitungsbericht vom 28. Februar 1900 über die Vereinsgründung. Trenne dabei belegte Fakten von erfundenen journalistischen Ausschmückungen.
- Audio-Reportage: Produziere eine drei- bis fünfminütige Audio-Reportage über die Gründungsnacht. Baue mindestens zwei verschiedene historische Perspektiven ein.
- Frühe Mannschaftsfotografie: Analysiere eine frühe Aufnahme des FC Bayern. Beschreibe zuerst nur Sichtbares und leite erst danach vorsichtige Aussagen über Kleidung, Auftreten und Vereinsorganisation ab.
- Dokumentenvergleich: Vergleiche die Darstellung der Gründung auf der offiziellen FC-Bayern-Seite mit einem Wikipedia-Artikel oder einer weiteren seriösen Quelle. Notiere Gemeinsamkeiten, Unterschiede und mögliche Gründe dafür.
Schwer
- Mikrogeschichte eines wenig bekannten Gründers: Recherchiere Arthur Ringler, Albert Zoepfel, Carl Wamsler oder Kuno Friederich. Dokumentiere nicht nur Funde, sondern auch erfolglose Suchwege und offene Fragen.
- Mini-Ausstellung Café Gisela: Plane eine digitale oder analoge Ausstellung mit fünf Exponaten zur Gründungsnacht. Begründe für jedes Exponat, welche historische Aussage damit vermittelt werden kann.
- Motiv oder Vermutung: Verfasse einen argumentativen Text darüber, welche Motive der Gründer als gesichert gelten können und an welchen Stellen moderne Erzählungen Gefahr laufen, psychologische Motive zu erfinden.
- Erinnerungsort München: Entwickle ein Projekt zum heutigen Gründungsort. Verbinde Stadtgeschichte, Vereinsgeschichte und Erinnerungskultur und entwirf eine Informationstafel oder einen kurzen dokumentarischen Film.


Lernkontrolle
- Konfliktanalyse: Erkläre, warum die Ablehnung der gewünschten Verbandszugehörigkeit den Konflikt verschärfte. Zeige dabei mindestens zwei Folgen für die Fußballer auf.
- MTV und Gründer: Rekonstruiere die Situation einmal aus Sicht eines konservativen MTV-Funktionärs und einmal aus Sicht Franz Johns. Welche unterschiedlichen Vereinsvorstellungen könnten hinter dem Konflikt gestanden haben?
- Zählweisen prüfen: Eine Quelle nennt elf, eine andere 17 Gründungsmitglieder. Entwickle ein Verfahren, mit dem Du prüfen würdest, ob tatsächlich ein Widerspruch vorliegt oder nur unterschiedliche Definitionen verwendet werden.
- Vereinsautonomie heute: Übertrage den Gründungskonflikt auf einen heutigen Sport- oder Kulturverein. Welche Konflikte können entstehen, wenn eine Abteilung andere Ziele verfolgt als der Gesamtverein?
- Vom Lokal zum Symbol: Erkläre, wie ein gewöhnliches Lokal zu einem historischen Erinnerungsort werden kann. Beziehe das Café Gisela auf mindestens ein weiteres Beispiel aus Geschichte oder Alltagskultur.
- Belegt oder plausibel: Formuliere je zwei Aussagen über die Gründer, die durch Quellen gut belegbar sind, und zwei Aussagen, die nur plausibel erscheinen. Begründe Deine Einordnung.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du nicht nur Namen auswendig kennst, sondern historische Zusammenhänge erklären und Quellen bewerten kannst.
- Elf Männer der Gründungsnacht: Du kannst alle elf Namen korrekt nennen und mindestens vier Gründer mit einer belegten Rolle oder biografischen Information verbinden.
- Gründungsablauf: Du kannst die Ereignisse vom Konflikt im MTV bis zur Gründung im Café Gisela zeitlich und sachlich nachvollziehbar darstellen.
- Motive und Strukturen: Du kannst erklären, warum Verbandszugehörigkeit, Wettkampfbetrieb und Selbstständigkeit für die Fußballer wichtig waren.
- Elf und siebzehn: Du kannst die unterschiedlichen Zählweisen erläutern und zeigen, warum historische Begriffe von der Definition einer Quelle abhängen.
- Belege und Vermutungen: Du kannst zwischen dokumentierten Tatsachen, plausiblen Deutungen und unbelegten Behauptungen unterscheiden.
- Café Gisela als Erinnerungsort: Du kannst erklären, wie die Gründungsgeschichte später erinnert, medial dargestellt und symbolisch verdichtet wurde.
- Eigenständige Darstellung: Du kannst aus mehreren Quellen eine eigene, nachvollziehbar begründete Darstellung erstellen, ohne Quellenlücken mit erfundenen Details zu füllen.
OERs zum Thema
Der Wikipedia-Artikel zum FC Bayern München bietet einen frei zugänglichen Überblick zur Vereinsgeschichte und enthält einen Abschnitt über die Gründungsjahre.
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