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Die Entstehung des Islam - Geschichte

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Die Entstehung des Islam - Geschichte




Die Entstehung des Islam - Geschichte


Einleitung

Die Entstehung des Islam gehört zu den folgenreichsten Transformationsprozessen der Spätantike und des frühen Mittelalters. Im 7. Jahrhundert bildete sich auf der Arabischen Halbinsel um die Verkündigung Mohammeds eine religiöse und politische Gemeinschaft. Aus ihr gingen nach Mohammeds Tod ein Kalifat, weitreichende Eroberungen, neue Formen von Herrschaft und langfristig eine vielgestaltige islamische Zivilisation hervor.

Dieser aiMOOC ist für das Studienfach Geschichte, für die gymnasiale Oberstufe und für fortgeschrittene Lernende konzipiert. Du untersuchst die Entstehung des Islam nicht nur als Abfolge von Ereignissen. Du lernst, zwischen religiöser Überlieferung, historischer Rekonstruktion und moderner Deutung zu unterscheiden. Dabei arbeitest Du mit Korantexten, Handschriften, Münzen, Inschriften, Bauwerken, Karten und späteren Erzählquellen.

Leitfrage: Wie entstand im spätantiken Arabien eine neue religiöse Gemeinschaft, und wie wurde daraus innerhalb weniger Jahrzehnte ein überregionales Herrschaftsgebilde?

Die Karte zeigt die Großmächte Byzanz und Sassanidenreich um 600. Arabien lag nicht außerhalb der Weltgeschichte, sondern zwischen politischen, wirtschaftlichen und religiösen Einflussräumen.

Das Video bietet einen Überblick über das 7. Jahrhundert. Prüfe beim Ansehen, welche Aussagen als gesichert, welche als vereinfachend und welche als deutend erscheinen.


Lernziele und Kompetenzen

Nach der Bearbeitung des Kurses kannst Du:

  1. Spätantike: die politischen, wirtschaftlichen und religiösen Voraussetzungen der islamischen Entstehungsgeschichte erklären.
  2. Quellenkritik: Koran, Prophetenbiografie, Hadith, Inschrift, Münze, Papyrus und archäologischen Befund nach Entstehungszeit, Absicht und Überlieferungsweg unterscheiden.
  3. Mohammed: die traditionelle Chronologie von Mekka, Hidschra, Medina und der Einigung Arabiens historisch einordnen.
  4. Umma: die Bildung einer neuen Gemeinschaft als religiösen, sozialen und politischen Prozess analysieren.
  5. Koran: die frühe Textüberlieferung und die Bedeutung materieller Handschriftenfunde erläutern.
  6. Kalifat: Nachfolgekonflikte, Expansion und Staatsbildung zwischen 632 und 750 differenziert beurteilen.
  7. Islamische Expansion: politische Eroberung, Arabisierung und religiöse Konversion begrifflich trennen.
  8. Geschichtskultur: verbreitete Vereinfachungen über die Entstehung des Islam erkennen und mit Quellenargumenten prüfen.


Historischer Zugang und Begriffe


Religion und Geschichte unterscheiden

Eine historische Untersuchung entscheidet nicht darüber, ob eine Offenbarung göttlich ist. Sie fragt vielmehr, wann, wo, durch wen, für wen und unter welchen Bedingungen Texte, Institutionen und Erinnerungen entstanden. Gläubige Musliminnen und Muslime verstehen den Koran als Offenbarung Gottes an Mohammed. Die Geschichtswissenschaft untersucht zusätzlich die sprachliche Form, die Handschriftenüberlieferung, den sozialen Kontext und die Wirkungsgeschichte des Textes.

Diese Perspektiven müssen nicht vermischt werden. Historische Forschung respektiert religiöse Selbstdeutungen, behandelt sie aber zugleich als Quellen, die nach den Regeln der historischen Methode untersucht werden.


Zentrale Fachbegriffe

Begriff Historische Bedeutung
Islam Arabisch für Hingabe oder Unterwerfung unter Gott; zugleich Bezeichnung einer Religion, deren historische Gestalt sich seit dem 7. Jahrhundert entwickelte.
Muslim Mensch, der sich Gott hingibt; als eindeutige Gruppenbezeichnung wurde der Begriff im Verlauf der frühen Gemeindebildung gefestigt.
Koran Zentrale Offenbarungsschrift des Islam und zugleich die früheste umfangreiche Textquelle aus dem entstehenden islamischen Milieu.
Hidschra Auswanderung Mohammeds und seiner Anhänger von Mekka nach Yathrib beziehungsweise Medina im Jahr 622; später Beginn der islamischen Zeitrechnung.
Umma Gemeinschaft der Gläubigen; in Medina zugleich ein politisch und sozial organisierter Verband.
Kalif Nachfolger Mohammeds in der Leitung der Gemeinschaft, nicht jedoch als neuer Prophet.
Kalifat Herrschaftsordnung unter einem Kalifen; ihre konkrete Form war von Beginn an umstritten und veränderte sich.
Dschāhilīya Islamischer Überlieferungsbegriff für die Zeit vor dem Islam; als wertender theologischer Begriff kein neutraler Ersatz für „vorislamisches Arabien“.
Fitna Prüfung, Aufruhr oder Bürgerkrieg; in der Geschichtsschreibung besonders für innermuslimische Konflikte verwendet.
Islamisierung Langfristiger Prozess, der politische Herrschaft, religiöse Konversion, gesellschaftliche Institutionen und kulturelle Veränderungen umfassen kann.


Arabien in der Spätantike


Geografie, Handel und politische Ordnung

Die Arabische Halbinsel war durch Wüsten, Steppen, Oasen, Gebirge und Küstenräume geprägt. Lebensweisen reichten von mobiler Viehzucht bis zu städtischem Handel und bewässerter Landwirtschaft. Mekka lag im westarabischen Hedschas, Yathrib war eine Oasenstadt mit Landwirtschaft, während im Süden ältere Staatsbildungen wie Himyar bestanden.

Politische Ordnung beruhte häufig auf Stämmen, Clans, Schutzbeziehungen, Bündnissen und lokalen Führungsgruppen. Diese Gesellschaften waren nicht „staatenlos“ im Sinne völliger Unordnung. Normen der Abstammung, Ehre, Vergeltung, Gastfreundschaft und Vermittlung regelten Konflikte. Überregionale Heiligtümer und Märkte ermöglichten Kontakte über Stammesgrenzen hinweg.

Die wirtschaftliche Bedeutung Mekkas wird in der Forschung unterschiedlich gewichtet. Sicher ist, dass die Quraisch eine führende Gruppe der Stadt waren und die Kaaba als Heiligtum eine zentrale Rolle spielte. Vorsicht ist bei der Vorstellung geboten, Mekka sei zwingend das Zentrum des gesamten spätantiken Welthandels gewesen.

Die Fotografie von 1880 zeigt die Kaaba in einer viel späteren Epoche. Sie ist keine Quelle für das 7. Jahrhundert, veranschaulicht aber die langfristige Bedeutung des Ortes. Gerade diese zeitliche Distanz muss bei der Bildanalyse benannt werden.


Religiöse Vielfalt

Vorislamisches Arabien war religiös plural. Neben lokalen und überregionalen Gottheiten gab es jüdische, christliche und weitere monotheistische Gemeinschaften. Südarabien, Äthiopien, Syrien, Mesopotamien und der Persische Golf waren über Handel, Migration, Diplomatie und Krieg miteinander verbunden. Begriffe, Erzählmotive und Streitfragen des spätantiken Judentums und Christentums bildeten einen Teil der Umwelt, in der koranische Verkündigung verständlich wurde.

Der Koran setzt bei seinem Publikum Kenntnisse über Abraham, Mose, Maria, Jesus, Gericht, Auferstehung und Prophetie voraus. Das bedeutet nicht, dass der Islam lediglich eine Kopie älterer Religionen war. Historisch erkennbar ist vielmehr ein eigenständiger Prozess der Aufnahme, Auseinandersetzung und Neuordnung spätantiker Traditionen.


Byzanz, Sassaniden und Aksum

Das Byzantinische Reich und das Sassanidenreich führten im frühen 7. Jahrhundert einen langen und erschöpfenden Krieg. Zugleich wirkten das christliche Reich Aksum und süd- sowie nordarabische Bündnispartner in die Halbinsel hinein. Der byzantinisch-sassanidische Krieg von 602 bis 628 schwächte beide Großmächte, zerstörte aber nicht ihre Verwaltungs- und Militärstrukturen vollständig.

Diese Lage erklärt die späteren arabischen Erfolge nicht allein. Sie bildete jedoch einen wichtigen Rahmen: Grenzregionen waren militarisiert, lokale Gruppen verfügten über Erfahrung im Dienst großer Reiche, und politische Loyalitäten konnten sich rasch verändern.


Quellen zur Frühgeschichte des Islam


Der Koran als Quelle

Der Koran ist die wichtigste zeitnahe Quelle für die Verkündigung und die entstehende Gemeinschaft. Er ist jedoch keine fortlaufende Chronik. Die Suren sind überwiegend nicht nach Entstehungszeit geordnet, nennen nur wenige Ereignisse ausdrücklich und sprechen oft in Anspielungen, die ein ursprüngliches Publikum verstanden haben dürfte.

Historikerinnen und Historiker fragen deshalb nach Sprache, Gattung, wiederkehrenden Gegnerbildern, rechtlichen Regelungen, biblischen Bezügen und vermuteten Kommunikationssituationen. Die Unterscheidung zwischen mekkanischen und medinensischen Suren beruht auf islamischer Überlieferung, sprachlichen Beobachtungen und historischer Rekonstruktion.

Die Birmingham-Fragmente enthalten Teile der Suren 18 bis 20. Das Pergament wurde mit der Radiokarbonmethode in einen Zeitraum datiert, der nahe an der Lebenszeit Mohammeds liegt. Die Datierung betrifft das Tiermaterial des Pergaments, nicht automatisch den Zeitpunkt, zu dem die Tinte aufgetragen wurde.

Diese Handschrift in Hidschāzī-Schrift aus dem 7. Jahrhundert macht sichtbar, dass Textgeschichte auch Materialgeschichte ist. Schriftform, Zeilenaufteilung, fehlende oder sparsame Punkte und spätere Lesehilfen sind historische Informationen.

Der Vortrag von Hartmut Bobzin eignet sich zur Vertiefung. Notiere, wie zwischen Korantext, Offenbarungsverständnis, literarischer Form und europäischer Forschungsgeschichte unterschieden wird.


Sīra, Hadith und spätere Geschichtswerke

Die Sīra ist die biografische Überlieferung über Mohammed. Besonders wichtig wurde das Werk Ibn Ishāqs aus dem 8. Jahrhundert, das vor allem in der Bearbeitung Ibn Hischāms aus dem 9. Jahrhundert erhalten ist. Hadithe überliefern Aussprüche und Handlungen Mohammeds über Tradentenkette und Text. Große Sammlungen wurden überwiegend im 9. Jahrhundert zusammengestellt.

Diese Werke bewahren wahrscheinlich ältere Überlieferungen, entstanden aber in späteren politischen, rechtlichen und theologischen Debatten. Sie dürfen deshalb weder pauschal verworfen noch unkritisch als Augenzeugenberichte gelesen werden. Quellenkritik untersucht Überlieferungsvarianten, Interessen, Anachronismen und die Entwicklung von Erzählmustern.


Nichtmuslimische Texte, Papyri, Inschriften und Münzen

Syrische, griechische, armenische und andere nichtmuslimische Texte erwähnen arabische Eroberer, einen Propheten oder neue religiöse Formeln. Sie sind unabhängig von späterer islamischer Geschichtsschreibung, aber ebenfalls parteilich, fragmentarisch und oft schwer zu datieren.

Papyri dokumentieren Verwaltung, Steuern und Alltag. Inschriften zeigen religiöse Formeln und Herrschaftsansprüche. Münzen belegen, wie neue Machthaber zunächst byzantinische und sassanidische Formen weiterverwendeten und später eine deutlichere islamische Symbolsprache entwickelten.

Die Münze aus der Zeit der rechtgeleiteten Kalifen übernimmt ein sassanidisches Herrscherbild und ergänzt eine arabische religiöse Formel. Kontinuität und Veränderung stehen nebeneinander.

Auch frühe umayyadische Kupfermünzen griffen byzantinische Bildmuster auf. Solche Objekte widersprechen der einfachen Vorstellung eines sofortigen vollständigen Kulturbruchs.


Quellenkritische Grundregel

Frage bei jeder Quelle:

  1. Quellenart: Handelt es sich um einen normativen Text, eine Erzählung, eine Münze, ein Bauwerk, eine Inschrift oder einen Verwaltungsbeleg?
  2. Datierung: Wie nah liegt die Quelle am untersuchten Ereignis?
  3. Autorenschaft: Wer stellte die Quelle her, und für welches Publikum?
  4. Intention: Sollte die Quelle informieren, legitimieren, erinnern, überzeugen oder verwalten?
  5. Überlieferung: Ist ein Original erhalten, eine Abschrift, eine Bearbeitung oder nur ein Zitat?
  6. Vergleich: Welche anderen Quellen bestätigen, ergänzen oder widersprechen der Aussage?


Mohammed und die mekkanische Verkündigung


Herkunft und Berufung

Nach islamischer Überlieferung wurde Mohammed um 570 in Mekka in den Clan der Haschimiten innerhalb der Quraisch geboren. Das genaue Geburtsjahr ist historisch nicht sicher. Um 610 soll er erste Offenbarungserfahrungen gemacht haben. Zunächst verkündete er in einem kleinen Kreis, später öffentlich.

Die frühen Verkündigungen betonten die Einzigkeit Gottes, das kommende Gericht, die Verantwortung des Menschen, Gebet, Fürsorge für Bedürftige und Kritik an Selbstgenügsamkeit. Die Botschaft verband religiöse, moralische und soziale Dimensionen.


Konflikt in Mekka

Die neue Verkündigung griff die religiöse Ordnung und das Ansehen führender Gruppen an. Der Konflikt lässt sich nicht auf einen einzigen wirtschaftlichen Grund reduzieren. Er betraf Gottesvorstellungen, Ahnenreligion, soziale Bindungen, Autorität und die Frage, wer über Wahrheit und Gemeinschaft entscheiden durfte.

Ein Teil der frühen Anhänger suchte nach islamischer Überlieferung zeitweise Schutz im christlichen Aksum. Mohammeds Position verschlechterte sich, als familiäre Schutzbeziehungen schwächer wurden. Kontakte zu Gruppen aus Yathrib eröffneten einen Ausweg.


Hidschra und Gemeindebildung in Medina


Die Auswanderung von 622

Die Hidschra bezeichnet die Auswanderung Mohammeds und seiner Anhänger von Mekka nach Yathrib, das später als Medina bekannt wurde. Sie war keine bloße Flucht. Sie bedeutete den Übergang von einer bedrängten Verkündigungsgruppe zu einer Gemeinschaft mit eigener politischer Handlungsfähigkeit.

Die islamische Jahreszählung beginnt mit dem Jahr der Hidschra. Diese Festlegung erfolgte erst unter dem Kalifen Umar, zeigt aber die zentrale Erinnerung an den Übergang von Mekka nach Medina.

Die Karte rekonstruiert eine traditionell überlieferte Route. Sie ist eine moderne Darstellung und muss von zeitgenössischen Quellen unterschieden werden.

Prüfe im Video, ob die Hidschra nur als Flucht oder auch als sozialer und politischer Wendepunkt erklärt wird.


Die Umma und die Gemeindeordnung von Medina

In Medina entstand die Umma als neue Form von Gemeinschaft. Zugehörigkeit beruhte nicht ausschließlich auf Abstammung, sondern zunehmend auf gemeinsamer religiöser Bindung und politischen Pflichten. Die sogenannte Gemeindeordnung von Medina ist in späteren biografischen Werken überliefert. Viele Forschende halten zumindest einen Kern für früh, während Datierung, Einheitlichkeit und genaue Reichweite diskutiert werden.

Der Text regelt Beziehungen zwischen Auswanderern aus Mekka, medinensischen Unterstützern und weiteren Gruppen. Er zeigt, dass Gemeindebildung zunächst durch Bündnisse, Schutzpflichten und Verhandlungen organisiert wurde. Die frühe Umma war kein fertiger Nationalstaat und keine vollständig homogene Religionsgemeinschaft.


Konflikte, Bündnisse und Ritualentwicklung

Die medinensische Phase war von Verhandlungen und militärischen Konflikten mit Mekka geprägt. Zu den zentralen Ereignissen der islamischen Überlieferung gehören die Schlacht von Badr 624, die Schlacht von Uhud 625 und die Grabenschlacht 627. Der Vertrag von Hudaibiya 628 schuf einen Waffenstillstand und stärkte Mohammeds politische Stellung.

In Medina erhielten religiöse Praktiken und soziale Normen deutlichere Formen. Dazu gehören Gebetsordnung, Almosenpflicht, Fasten, Familienrecht und Regeln für die Gemeinschaft. Nach islamischer Überlieferung wurde auch die Gebetsrichtung von Jerusalem nach Mekka verändert.

Die Beziehungen zu jüdischen Gruppen in Medina entwickelten sich konflikthaft. Spätere islamische Quellen berichten von Vertreibung und im Fall der Banū Quraiza von Tötungen nach einem militärischen Konflikt. Da die ausführlichen Darstellungen aus späteren Quellen stammen, müssen Details, Zahlen und Deutungen besonders kritisch geprüft werden.

Die Aufnahme der Prophetenmoschee von 1908 dokumentiert nicht das Bauwerk des 7. Jahrhunderts. Sie eignet sich, um nach Umbau, Erinnerung und der materiellen Überformung heiliger Orte zu fragen.


Von Hudaibiya bis zum Tod Mohammeds


Die Einnahme Mekkas

Der Vertrag von Hudaibiya ermöglichte eine Phase wachsender Bündnisse. 630 nahm Mohammed Mekka mit seinen Anhängern ein. Die Kaaba wurde nach islamischer Überlieferung von Kultbildern gereinigt und zum zentralen Heiligtum des monotheistischen Islam erklärt.

In den folgenden Jahren erkannten viele arabische Gruppen Mohammeds Autorität an. Diese Anerkennung konnte religiöse, politische und fiskalische Elemente verbinden. Deshalb sollte nicht jede Unterwerfung automatisch als sofortige individuelle Konversion im heutigen Sinn verstanden werden.

Das Stadtbild von 1910 hilft, räumliche Beziehungen zwischen Heiligtum und Stadt zu erfassen, ist aber fast dreizehn Jahrhunderte jünger als die Ereignisse der Frühzeit.


Mohammeds Tod und die offene Nachfolgefrage

Mohammed starb 632 in Medina. Die Gemeinschaft musste klären, wie religiöse Autorität, politische Führung und soziale Einheit ohne den Propheten fortgesetzt werden konnten. Die Überlieferungen zur Nachfolge wurden später unterschiedlich gedeutet.

Bei einer Versammlung in der Saqīfa wurde Abū Bakr als erster Kalif anerkannt. Anhänger Alīs betonten dagegen dessen besondere Nähe zu Mohammed und entwickelten eine andere Erinnerung an legitime Führung. Die späteren sunnitischen und schiitischen Positionen waren 632 noch nicht als vollständig ausgeformte Konfessionen vorhanden.


Korantext und frühe Textgeschichte


Mündliche und schriftliche Überlieferung

Die koranische Verkündigung wurde rezitiert, memoriert und auch schriftlich festgehalten. Islamische Überlieferungen berichten von einer ersten Sammlung unter Abū Bakr und von einer Vereinheitlichung des Konsonantentextes unter dem Kalifen Uthmān. Historische Forschung vergleicht diese Berichte mit frühen Handschriften, Inschriften und Zitaten.

Viele Befunde sprechen dafür, dass ein weitgehend stabiler Konsonantentext bereits im 7. Jahrhundert verbreitet war. Gleichzeitig bestanden unterschiedliche Lesarten, orthografische Varianten und eine Entwicklung von Punktierung und Vokalzeichen. Früh bedeutet daher weder völlig ungeordnet noch in jeder Einzelheit unverändert.


Was Radiokarbondaten zeigen und was nicht

Die Radiokarbonmethode datiert organisches Material wie Pergament. Sie gibt einen Wahrscheinlichkeitszeitraum für den Tod des verwendeten Tieres an. Das Schreibdatum kann etwas später liegen. Paläografie untersucht zusätzlich Schriftformen, ist aber ebenfalls mit Unsicherheiten verbunden.

Eine gute historische Aussage verbindet mehrere Methoden. Eine Handschrift allein beweist weder die vollständige traditionelle Erzählung noch eine radikale Gegenthese. Sie grenzt mögliche Datierungen ein und liefert materielle Vergleichsdaten.


Der Koran im spätantiken Kommunikationsraum

Das Forschungsprojekt Corpus Coranicum untersucht den Koran als Text der Spätantike. Vergleiche mit jüdischen, christlichen, altarabischen, äthiopischen und syrischen Texten zeigen gemeinsame Themen und zugleich eigenständige koranische Argumentationen.

Dieser Ansatz ersetzt die Frage nach Mohammed nicht. Er erweitert sie: Die Verkündigung erscheint als Teil einer mehrsprachigen Welt, in der religiöse Geschichten, Handelskontakte, Liturgien und politische Krisen zirkulierten.


Das Kalifat und die Expansion


Abū Bakr und die Ridda-Kriege

Unter Abū Bakr von 632 bis 634 kam es zu den sogenannten Ridda-Kriegen. Mehrere arabische Gruppen lösten Bindungen an Medina, verweigerten Abgaben oder folgten konkurrierenden Propheten. Die medinensische Führung setzte ihren Anspruch militärisch durch.

Die Konflikte zeigen, dass die Einigung Arabiens 632 noch nicht dauerhaft gesichert war. Erst die erneute Unterwerfung und Integration schuf die militärische und politische Grundlage für weitere Expansion.


Umar, Uthman und die Eroberungen

Unter Umar von 634 bis 644 und Uthmān von 644 bis 656 eroberten arabisch-muslimische Heere große Teile Syriens, Palästinas, Mesopotamiens, Ägyptens und des Sassanidenreiches. Die Schlacht am Jarmuk 636 schwächte die byzantinische Herrschaft in Syrien. Das Sassanidenreich verlor nach mehreren Niederlagen seine politische Selbstständigkeit.

Die Eroberungen waren keine einheitliche Bewegung mit überall gleichem Ablauf. Städte konnten durch Vertrag, Kapitulation oder Kampf unter neue Herrschaft gelangen. Bestehende Verwaltungen, Münzsysteme und lokale Eliten wurden häufig zunächst weitergenutzt.


Warum expandierte das frühe Kalifat so schnell?

Historische Erklärungen kombinieren mehrere Faktoren:

  1. Großmachtkonflikt: Byzanz und Sassaniden waren durch jahrzehntelange Kriege belastet.
  2. Militärische Mobilisierung: Die Einigung großer arabischer Verbände stellte kampferfahrene Truppen bereit.
  3. Führung und Logistik: Feldherren, Garnisonsstädte und Beute- beziehungsweise Soldordnungen förderten dauerhafte Präsenz.
  4. Lokale Bedingungen: Regionale Eliten und Bevölkerungen reagierten je nach Steuerlast, Konfession, Sicherheitslage und Machtinteressen unterschiedlich.
  5. Pragmatische Verwaltung: Neue Herrscher übernahmen zunächst vielfach Personal, Sprachen und Verfahren der Vorgängerreiche.

Keine einzelne Ursache erklärt alle Regionen. Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen Eroberung und Konversion. In vielen Gebieten blieben Christen, Juden und Zoroastrier noch über Generationen oder Jahrhunderte große Bevölkerungsgruppen.

Die Karte unterscheidet die Expansion unter Mohammed, den rechtgeleiteten Kalifen und den Umayyaden. Moderne Staatsgrenzen dienen nur der Orientierung und gehörten nicht zur historischen Welt des 7. und 8. Jahrhunderts.


Nachfolgekonflikte und religiöse Differenzierung


Uthmans Ermordung und die Erste Fitna

Unzufriedenheit mit Ämtervergabe, Verteilung von Ressourcen und regionaler Machtpolitik führte 656 zur Ermordung Uthmāns. Alī wurde Kalif, doch seine Herrschaft war umstritten. Konflikte mit einer Gruppe um Aischa, Talha und az-Zubair führten zur Kamelschlacht. Der syrische Statthalter Muʿāwiya forderte Vergeltung für Uthmān und bekämpfte Alī.

Nach der Schlacht von Siffin und einem Schiedsverfahren spalteten sich die Charidschiten ab. Alī wurde 661 ermordet. Muʿāwiya setzte sich durch und begründete die umayyadische Dynastie.


Sunniten und Schiiten

Die spätere Trennung zwischen Sunniten und Schiiten hat Wurzeln in der Nachfolgefrage, entwickelte sich aber über längere Zeit. Schiitische Traditionen betonten die besondere Führung der Familie Mohammeds und der Imame aus der Linie Alīs und Fātimas. Sunnitische Traditionen erkannten die ersten vier Kalifen rückblickend als rechtgeleitet an und entwickelten andere Modelle legitimer Gemeinschaftsführung.

Das Ereignis von Kerbela 680, bei dem Alīs Sohn Husain getötet wurde, vertiefte die schiitische Erinnerung an Leiden, Gerechtigkeit und legitime Führung. Historisch ist daher zwischen dem Konflikt von 632, der Ersten Fitna und der späteren konfessionellen Ausformung zu unterscheiden.

Erstelle beim Ansehen eine Zeitleiste, die Nachfolgefrage, Erste Fitna und Kerbela voneinander trennt.


Umayyadische Staatsbildung


Von der Eroberung zur imperialen Ordnung

Unter den Umayyaden von 661 bis 750 wurde Damaskus zum Zentrum eines weitgespannten Reiches. Herrschaft musste über unterschiedliche Sprachen, Religionen, Rechtsgewohnheiten und Verwaltungsräume hinweg organisiert werden.

Besonders unter ʿAbd al-Malik wurden in den 690er Jahren arabische Verwaltung, eigenständige Münzprägung und öffentlich sichtbare islamische Bekenntnisformeln ausgebaut. Diese Maßnahmen zeigen, dass die Ausbildung eines eindeutig islamisch-arabischen Reichsprofils ein Prozess war und nicht bereits 632 vollständig vorlag.

Der sogenannte stehende Kalif verbindet ältere Münztraditionen mit neuer Herrschaftssymbolik. Kurz darauf setzte sich ein weitgehend schriftbasiertes, bildloses Münzdesign durch.


Architektur als Herrschaftsaussage

Der Felsendom in Jerusalem wurde unter ʿAbd al-Malik 691 oder 692 vollendet. Seine Inschriften formulieren monotheistische und christologisch zugespitzte Aussagen. Das Bauwerk ist daher zugleich Heiligtum, Monument imperialer Präsenz und Quelle religiöser Selbstbeschreibung.

Die heutige Aufnahme zeigt den Felsendom und den Kettendom. Für die Analyse der Frühzeit müssen spätere Restaurierungen von der ursprünglichen Bau- und Inschriftenschicht unterschieden werden.

Die Umayyadenmoschee in Damaskus entstand im frühen 8. Jahrhundert an einem Ort mit älteren römischen und christlichen Bauten. Sie macht sichtbar, wie neue Herrschaft bestehende urbane Zentren überformte und zugleich an deren Bedeutung anknüpfte.

Architektur ist keine bloße Illustration. Grundriss, Standort, Baumaterial, Inschrift und Nutzung erschließen politische und religiöse Programme.


Forschungsdebatten


Traditionelle Rekonstruktion und kritische Prüfung

Eine traditionelle historische Darstellung folgt weitgehend der späteren islamischen Überlieferung: Offenbarungsbeginn in Mekka, Hidschra, Gemeindebildung in Medina, Eroberung Mekkas, Kalifat und Expansion. Viele Grundzüge dieser Chronologie werden auch in der Forschung anerkannt.

Kritische Forschung fragt jedoch, welche Details erst in späteren Erzählungen gestaltet wurden. Sie vergleicht islamische Texte mit Koranmanuskripten, nichtmuslimischen Zeugnissen, Inschriften, Münzen und Archäologie. Dabei entstehen unterschiedliche Grade von Sicherheit.


Revisionistische Ansätze

Seit dem 20. Jahrhundert stellten einige Forschende die spätere islamische Überlieferung besonders radikal infrage. Diese Ansätze stärkten das Bewusstsein für Quellenabstand und politische Interessen. Viele weitreichende Gegenthesen gelten heute jedoch als unzureichend belegt, wenn sie frühe Handschriften, Inschriften oder die sprachliche Verankerung des Korans im 7. Jahrhundert zu wenig berücksichtigen.

Quellenkritik bedeutet deshalb nicht, grundsätzlich die späteste oder spektakulärste Alternative zu wählen. Gute Forschung erklärt möglichst viele unabhängige Befunde mit möglichst wenigen Zusatzannahmen.


Spätantike und „Bewegung der Gläubigen“

Der spätantike Ansatz untersucht, wie der Koran an jüdische und christliche Debatten anschließt und zugleich eine eigene Gemeinschaft formt. Der Historiker Fred Donner hat vorgeschlagen, die früheste Bewegung zunächst als breitere monotheistische „Bewegung der Gläubigen“ zu verstehen, deren klare konfessionelle Grenzen sich später schärften.

Diese These ist ein Forschungsmodell, kein endgültig bewiesener Befund. Du solltest prüfen, welche Koranstellen, Verwaltungszeugnisse und Inschriften sie stützen und welche Quellen für eine frühere klare muslimische Identität sprechen.

Der Vortrag von Fred Donner stellt zentrale Deutungsprobleme der Frühgeschichte vor. Formuliere nach dem Ansehen zwei Argumente für und zwei mögliche Einwände gegen sein Modell.

Das Gespräch über Mohammed eignet sich für eine Quellenkritik: Welche Aussagen beruhen auf Koran, späterer Überlieferung oder moderner Rekonstruktion?


Chronologie

Zeit Ereignis Historische Einordnung
um 570 Traditionelles Geburtsdatum Mohammeds Das genaue Jahr ist unsicher.
um 610 Beginn der Offenbarungsverkündigung Vor allem aus islamischer Überlieferung rekonstruiert.
um 615 Auswanderung einer Gruppe nach Aksum Hinweis auf Verfolgung, Schutzsuche und christlich-arabische Kontakte.
622 Hidschra nach Medina Wendepunkt der Gemeindebildung und später Beginn der islamischen Zeitrechnung.
624 Schlacht von Badr Früher militärischer Erfolg der medinensischen Gemeinschaft.
628 Vertrag von Hudaibiya Waffenstillstand und politische Aufwertung Mohammeds.
630 Einnahme Mekkas Kaaba wird Zentrum des islamischen Kultes.
632 Tod Mohammeds und Kalifat Abū Bakrs Beginn der Nachfolgedebatte.
632 bis 634 Ridda-Kriege Erneute politische Einigung großer Teile Arabiens.
634 bis 644 Kalifat Umars Große Eroberungen in Syrien, Ägypten und im Sassanidenreich.
644 bis 656 Kalifat Uthmāns Expansion, Verwaltungsfragen und Konflikte um Herrschaft.
656 bis 661 Kalifat Alīs und Erste Fitna Bürgerkrieg und dauerhafte Erinnerungskonflikte.
661 Beginn der umayyadischen Dynastie Damaskus wird politisches Zentrum.
691 oder 692 Vollendung des Felsendoms Frühes Monument islamischer Herrschaft und Theologie.
696 oder 697 Münzreform ʿAbd al-Maliks Eigenständige islamische Inschriftenprägung wird reichsweit sichtbar.
750 Ende der Umayyadenherrschaft im Kernreich Übergang zum abbasidischen Kalifat.


Historische Deutungsfehler vermeiden


Fünf häufige Vereinfachungen

Vereinfachung Historisch angemessenere Aussage
„Arabien war vor dem Islam isoliert.“ Arabien war über Handel, Migration, Religion und Krieg mit Byzanz, Persien, Afrika und dem Indischen Ozean verbunden.
„Der Islam entstand an einem einzigen Tag.“ Verkündigung, Gemeindebildung, Textüberlieferung, Recht und politische Institutionen entwickelten sich über Jahrzehnte.
„Eroberte Gebiete wurden sofort muslimisch.“ Politische Herrschaft wechselte schnell, religiöse Konversion verlief vielerorts langsam und regional unterschiedlich.
„Sunniten und Schiiten existierten 632 bereits als fertige Konfessionen.“ Die Nachfolgefrage war früh, konfessionelle Lehren und Institutionen bildeten sich schrittweise.
„Spätere Quellen sind wertlos.“ Spätere Quellen können ältere Traditionen bewahren, müssen aber nach Überlieferungsweg, Interesse und Entstehungskontext geprüft werden.


Quellenwerkstatt


Arbeitsauftrag zu Handschriften

Untersuche die Abbildungen der frühen Koranfragmente.

  1. Materialität: Beschreibe Pergament, Tinte, Schriftlage und sichtbare Korrekturen.
  2. Paläografie: Erkläre, welche Aussagen eine Schriftform über Datierung ermöglicht und wo Unsicherheit bleibt.
  3. Radiokarbonmethode: Unterscheide Materialdatum und Schreibdatum.
  4. Textvergleich: Prüfe, ob Abweichungen orthografisch, lesungsbezogen oder inhaltlich sind.
  5. Aussagegrenze: Formuliere, was der Befund nicht beweisen kann.


Arbeitsauftrag zu Münzen

Vergleiche die rashidunische, die pseudo-byzantinische und die umayyadische Münze.

  1. Kontinuität: Welche älteren Herrscherbilder, Symbole und Sprachen bleiben erhalten?
  2. Transformation: Welche arabischen oder islamischen Elemente treten hinzu?
  3. Adressaten: Welche Bevölkerungsgruppen sollten die Münzen akzeptieren?
  4. Herrschaftslegitimation: Wie wird politische Autorität sichtbar?
  5. Periodisierung: Begründe, warum ein allmählicher Wandel überzeugender sein kann als die Vorstellung eines sofortigen Bruchs.


Arbeitsauftrag zu Karten

Vergleiche die Karte der Großreiche um 600 mit der Karte der Kalifatsausbreitung.

  1. Kartenkritik: Welche modernen Grenzen, Farben und Kategorien strukturieren die Darstellung?
  2. Raumgeschichte: Welche Verkehrsachsen, Grenzräume und Städte fehlen?
  3. Kausalität: Warum zeigt räumliche Nähe noch keine Ursache?
  4. Maßstab: Welche lokalen Unterschiede verschwinden in einer Reichskarte?
  5. Narrativ: Welche Geschichte erzählt die Karte durch ihre Farbfolge?


Literatur und digitale Forschungsangebote


Ausgewählte Fachliteratur

  1. Angelika Neuwirth: Der Koran als Text der Spätantike. Ein europäischer Zugang, Berlin 2010.
  2. Fred M. Donner: Muhammad and the Believers. At the Origins of Islam, Cambridge, Massachusetts 2010.
  3. Robert G. Hoyland: In God's Path. The Arab Conquests and the Creation of an Islamic Empire, Oxford 2015.
  4. Sean W. Anthony: Muhammad and the Empires of Faith. The Making of the Prophet of Islam, Oakland 2020.
  5. Nicolai Sinai: The Qur'an. A Historical-Critical Introduction, Edinburgh 2017.
  6. Hugh N. Kennedy: The Great Arab Conquests, London 2007.
  7. Chase F. Robinson: Islamic Historiography, Cambridge 2003.
  8. Tilman Nagel: Mohammed. Leben und Legende, München 2008.


Digitale Angebote

  1. Corpus Coranicum: Forschungsdaten zu Textgeschichte, Chronologie, Kommentar und Umwelttexten des Korans.
  2. Birmingham Qur'an Manuscript: Informationen der Universität Birmingham zu Handschrift, Datierung und Konservierung.
  3. British Museum Collection: Münzen und Objekte zur frühislamischen Geschichte.
  4. Wikimedia Commons: frei lizenzierte Medien zum frühen Islam.
  5. Wikipedia: Überblick zur politischen und sozialen Geschichte des Islam mit weiterführenden Nachweisen.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Welche Aussage beschreibt den historischen Kontext der Entstehung des Islam am besten? (Arabien war in spätantike Handels politische und religiöse Netzwerke eingebunden) (!Arabien war vollständig von Byzanz Persien und Afrika isoliert) (!Alle Bewohner Arabiens gehörten vor 610 derselben Religion an) (!Die Arabische Halbinsel war um 600 ein einheitlicher Zentralstaat)




Warum ist die Hidschra von 622 historisch bedeutsam? (Sie markiert den Übergang zu einer politisch organisierten Gemeinschaft in Medina) (!Sie beendet die umayyadische Dynastie) (!Sie ist die erste arabische Eroberung Ägyptens) (!Sie bezeichnet die Münzreform Abd al-Maliks)




Welche Aussage zum Koran als Geschichtsquelle ist zutreffend? (Er ist eine frühe Quelle aber keine fortlaufende Chronik) (!Er wurde erst im 11 Jahrhundert erstmals schriftlich festgehalten) (!Er enthält zu jedem Ereignis eine genaue Jahreszahl) (!Er kann ohne sprachlichen und historischen Kontext vollständig erklärt werden)




Was zeigt die Gemeindeordnung von Medina vor allem? (Die frühe Gemeinschaft wurde durch Bündnisse Rechte und Pflichten organisiert) (!In Medina bestand von Beginn an ein moderner Nationalstaat) (!Alle Stammesbindungen verschwanden unmittelbar) (!Der Text ist als Originalurkunde aus dem Jahr 622 erhalten)




Warum müssen Sira und Hadith quellenkritisch gelesen werden? (Ihre erhaltenen Fassungen entstanden mit zeitlichem Abstand und in späteren Debatten) (!Sie enthalten grundsätzlich keine ältere Überlieferung) (!Sie sind ausschließlich archäologische Fundberichte) (!Sie wurden von byzantinischen Kaisern verfasst)




Welche Unterscheidung ist für die islamische Expansion besonders wichtig? (Politische Eroberung und religiöse Konversion verliefen nicht automatisch gleichzeitig) (!Jede Eroberung führte am selben Tag zur vollständigen Konversion) (!Arabisierung war vor jeder militärischen Expansion abgeschlossen) (!Christliche Gemeinden verschwanden überall im Jahr 632)




Wer wurde nach der Versammlung in der Saqifa als erster Kalif anerkannt? (Abu Bakr) (!Abd al-Malik) (!Muawiya) (!Harun ar-Raschid)




Was bezeichnet die Erste Fitna? (Einen innermuslimischen Bürgerkrieg in der Mitte des 7 Jahrhunderts) (!Den Krieg zwischen Byzanz und Persien von 602 bis 628) (!Die erste Offenbarung in Mekka) (!Die Gründung Bagdads)




Welche Quelle zeigt besonders gut den schrittweisen Wandel frühislamischer Herrschaftssymbolik? (Münzen mit übernommenen und neu hinzugefügten Bildelementen und Inschriften) (!Eine moderne Romanverfilmung) (!Ein heutiger Stadtplan ohne historische Angaben) (!Eine Legende ohne bekannten Überlieferungsweg)




Welche Aussage zur Entstehung von Sunniten und Schiiten ist historisch angemessen? (Frühe Nachfolgekonflikte bildeten eine Wurzel aber die Konfessionen entwickelten sich über längere Zeit) (!Beide Konfessionen waren bereits vor Mohammed vollständig ausgebildet) (!Die Trennung entstand erst im 20 Jahrhundert) (!Die Trennung hatte keinerlei Bezug zur Frage legitimer Führung)





Memory

Hidschra Auswanderung nach Medina
Umma Gemeinschaft der Gläubigen
Sīra Prophetenbiografie
Fitna Innerer Konflikt und Bürgerkrieg
Kalifat Nachfolgeordnung der Gemeindeleitung
Hidschāzī Frühe arabische Schriftform
Ridda Absetzbewegungen nach Mohammeds Tod
Numismatik Wissenschaft von Münzen





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Historische Aussage
Koranmanuskript Materielle Textüberlieferung
Münze Offizielle Herrschaftssymbolik
Inschrift Öffentliche religiöse Formel
Papyrus Verwaltung und Alltagskommunikation
Sīra Spätere biografische Erinnerung




...


Kreuzworträtsel

Hidschra Wie heißt die Auswanderung Mohammeds von Mekka nach Medina?
Medina Welche Stadt wurde 622 zum Zentrum der neuen Gemeinschaft?
Kalifat Wie heißt die Herrschaftsordnung unter einem Nachfolger Mohammeds?
Koran Welche Schrift ist die früheste umfangreiche Quelle aus dem entstehenden islamischen Milieu?
Umayyaden Welche Dynastie herrschte im Kernreich von 661 bis 750?
Numismatik Wie heißt die Wissenschaft von Münzen?





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Lückentext

Vervollständige den Text.

Die Entstehung des Islam gehört historisch in die

. Die Auswanderung Mohammeds nach Medina heißt

. In Medina bildete sich die Gemeinschaft der Gläubigen als

. Der Koran ist eine frühe Quelle, aber keine fortlaufende

. Spätere Prophetenbiografien werden als

bezeichnet. Organisches Material wie Pergament kann mit der

datiert werden. Nach Mohammeds Tod wurde Abu Bakr als erster

anerkannt. Die Absetzbewegungen in Arabien führten zu den

. Politische Eroberung und religiöse

verliefen nicht überall gleichzeitig. Der innermuslimische Bürgerkrieg ab 656 heißt Erste

. Die Umayyaden machten

zum politischen Zentrum. Münzen werden von der historischen Hilfswissenschaft

untersucht. Der Felsendom entstand unter dem Kalifen

. Eine neutrale Geschichtsschreibung unterscheidet religiöse Überzeugung und historische

.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Zeitleiste zur Entstehung des Islam: Gestalte eine Zeitleiste von etwa 570 bis 750 und kennzeichne bei jedem Eintrag, ob das Datum sicher, ungefähr oder aus späterer Überlieferung erschlossen ist.
  2. Begriffsnetz Frühislam: Verbinde Hidschra, Umma, Koran, Kalifat, Fitna und Islamisierung in einem Begriffsnetz und erläutere jede Verbindung in einem Satz.
  3. Bildquelle Kaaba: Vergleiche die Fotografien von 1880 und 1910. Beschreibe, was sie zeigen, und erkläre, warum sie keine direkten Bildquellen für das 7. Jahrhundert sind.
  4. Kartenkritik: Untersuche die Karte der Kalifatsausbreitung. Markiere drei Informationen, die sie vermittelt, und drei historische Aspekte, die sie nicht sichtbar macht.


Standard

  1. Quellenvergleich Hidschra: Vergleiche einen Lexikontext, eine Passage aus einer Prophetenbiografie und die moderne Routenkarte. Bewerte Nähe zum Ereignis, Absicht und Aussagegrenze.
  2. Münzanalyse Frühislam: Erstelle ein digitales Poster zu den drei Münztypen des Kurses. Zeige Kontinuitäten, Veränderungen und mögliche Adressaten der Herrschaftssymbolik.
  3. Podcast Medina: Produziere einen fünfminütigen Podcast zur Frage, weshalb die Hidschra ein religiöser, sozialer und politischer Wendepunkt war.
  4. Erklärvideo Islamisierung: Erstelle ein kurzes Video, das Eroberung, Arabisierung, Verwaltungswandel und Konversion voneinander unterscheidet.


Schwer

  1. Forschungsdebatte Mohammed: Verfasse einen quellenkritischen Essay zur Frage, was Historikerinnen und Historiker über Mohammed mit unterschiedlichen Graden von Sicherheit sagen können.
  2. Corpus-Coranicum-Projekt: Wähle eine kurze Sure, untersuche zwei spätantike Paralleltexte und diskutiere, ob Ähnlichkeit eher Abhängigkeit, gemeinsamen Diskurs oder eigenständige Neuformulierung zeigt.
  3. Debatte Bewegung der Gläubigen: Organisiere eine strukturierte Kontroverse zu Fred Donners Modell. Eine Gruppe verteidigt, eine kritisiert und eine dritte bewertet die Belege.
  4. Ausstellung Früher Islam: Konzipiere eine virtuelle Ausstellung mit Handschrift, Papyrus, Münze, Inschrift, Bauwerk und Karte. Schreibe zu jedem Objekt einen quellenkritischen Katalogtext.




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Lernkontrolle

  1. Multiperspektivische Erklärung: Erkläre die Entstehung des Islam aus drei Perspektiven: religiöse Selbstdeutung, soziale Gemeindebildung und politische Staatsbildung. Zeige Überschneidungen und Unterschiede.
  2. Quellenhierarchie prüfen: Du erhältst eine Koranpassage, einen Bericht Ibn Hischāms, eine Münze und einen modernen Film. Entwickle Kriterien, mit denen Du entscheidest, welche Quelle welche Frage beantworten kann.
  3. Kausalmodell Expansion: Erstelle ein Wirkungsdiagramm zur frühen Expansion. Verbinde Großmachtkrieg, arabische Mobilisierung, Verwaltungskontinuität, lokale Interessen und religiöse Motivation, ohne eine monokausale Erklärung zu verwenden.
  4. Kontinuität und Bruch: Beurteile anhand von Münzen und Architektur die These, die islamische Herrschaft habe die spätantike Welt entweder vollständig fortgesetzt oder vollständig ersetzt.
  5. Periodisierung: Begründe, ob 622, 632, 661 oder 696 als sinnvollster Einschnitt für die „Entstehung des Islam“ gelten kann. Verwende mindestens drei unterschiedliche Quellentypen.
  6. Transfer auf andere Epochen: Vergleiche die langsame religiöse Transformation nach den arabischen Eroberungen mit einem anderen historischen Konversions- oder Staatsbildungsprozess. Benenne Gemeinsamkeiten, Unterschiede und Grenzen des Vergleichs.




Lernnachweis

Ein überzeugender Lernnachweis kann als Essay, Portfolio, Präsentation, Podcast mit schriftlichem Quellenapparat oder digitale Ausstellung erbracht werden. Wichtig sind:

  1. Fragestellung: Eine präzise historische Leitfrage, die mehr als reines Faktenwissen verlangt.
  2. Quellenauswahl: Mindestens drei unterschiedliche Quellentypen, darunter eine materielle oder epigrafische Quelle.
  3. Quellenkritik: Datierung, Autorenschaft, Intention, Überlieferungsweg und Aussagegrenzen werden sichtbar geprüft.
  4. Begriffsgenauigkeit: Eroberung, Islamisierung, Arabisierung, Konversion, Umma, Kalifat und Fitna werden korrekt unterschieden.
  5. Forschungsbezug: Mindestens zwei wissenschaftliche Deutungen werden fair dargestellt und anhand von Belegen verglichen.
  6. Chronologie: Sichere Daten, ungefähre Datierungen und spätere Überlieferungen werden klar markiert.
  7. Argumentation: Behauptungen werden durch Quellen und nachvollziehbare Schlussfolgerungen gestützt.
  8. Multiperspektivität: Religiöse Selbstdeutung und historische Analyse werden weder gleichgesetzt noch gegeneinander ausgespielt.
  9. Medienkritik: Bilder, Karten und Videos werden als gestaltete Darstellungen und nicht als unmittelbare Abbilder der Vergangenheit behandelt.
  10. Eigenständigkeit: Ergebnis, Sprache, Visualisierung und Quellenapparat zeigen eine selbstständige historische Leistung.




OERs zum Thema


Freie Vertiefung

  1. Wikimedia Commons: Suche in den Kategorien zu frühem Islam, Koranmanuskripten, Umayyaden, Mekka, Medina und islamischer Expansion nach frei lizenzierten Quellenbildern.
  2. Wikipedia: Nutze Literaturverzeichnisse und Einzelnachweise als Ausgangspunkt, nicht als Ersatz für wissenschaftliche Fachliteratur.
  3. Corpus Coranicum: Vergleiche Koranstellen, Handschriftenvarianten, Chronologie und Texte aus der Umwelt des Korans.
  4. Wikisource: Recherchiere gemeinfreie ältere Übersetzungen und bewerte deren Sprache und Forschungskontext kritisch.


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  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
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