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Die Berliner Mauer - Geschichte

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Die Berliner Mauer - Geschichte



Die Berliner Mauer - Geschichte

Studienfach: Geschichte

Niveau: Sekundarstufe I, gymnasiale Oberstufe und einführende Hochschullehre

Zentrale Fragestellung: Wie entstand die Berliner Mauer, wie prägte sie den Kalten Krieg und den Alltag der Menschen, und warum wurde ihre Öffnung am 9. November 1989 möglich?


Einleitung

Die Berliner Mauer war von 1961 bis 1989 das sichtbarste Symbol der deutschen Teilung und der politischen, militärischen und ideologischen Konfrontation des Kalten Krieges. Sie trennte nicht einfach zwei Stadtteile voneinander. Die insgesamt etwa 155 Kilometer langen Grenzanlagen umschlossen West-Berlin, durchschnitten Straßen, Verkehrswege, Wohnviertel und Familienbeziehungen und schränkten die Bewegungsfreiheit der Bevölkerung der DDR gewaltsam ein. Die SED ließ die Grenze errichten, um die Flucht aus der DDR über Berlin zu stoppen. Die sowjetische Führung stimmte der Abriegelung zu.

Dieser aiMOOC untersucht die Berliner Mauer nicht nur als Bauwerk, sondern als Herrschaftsinstrument, als internationalen Konfliktraum, als Erfahrungsort und als Gegenstand der Erinnerungskultur. Du lernst, politische Entscheidungen, gesellschaftliche Entwicklungen und individuelle Lebensgeschichten miteinander zu verbinden. Außerdem übst Du historische Methoden wie Quellenkritik, Multiperspektivität, Sachurteil und Werturteil.

Die Darstellung folgt dem aktuellen Forschungsstand. Nach Angaben der Stiftung Berliner Mauer wurden zwischen 1961 und 1989 mindestens 140 Menschen an der Berliner Mauer getötet oder kamen in unmittelbarem Zusammenhang mit dem DDR-Grenzregime ums Leben.[1]


Leitfragen des Kurses

Leitfrage Historische Kompetenz
Warum wurde die Berliner Mauer gebaut? Ursachen analysieren und politische Interessen unterscheiden
Wie funktionierte das Grenzregime? Strukturen von Herrschaft, Kontrolle und Gewalt untersuchen
Wie erlebten Menschen die Teilung? Erfahrungen aus unterschiedlichen Perspektiven rekonstruieren
Warum öffnete sich die Grenze am 9. November 1989? Kurzfristige Auslöser und langfristige Ursachen gewichten
Wie wird heute an die Mauer erinnert? Formen und Konflikte der Geschichtskultur beurteilen


Kompetenzen und Lernziele

Nach der Bearbeitung des Kurses kannst Du die Vorgeschichte des Mauerbaus seit 1945 erklären, die Entscheidung vom August 1961 in den internationalen und inneren Kontext der DDR einordnen und den Aufbau der Grenzanlagen beschreiben. Du kannst zwischen der offiziellen Rechtfertigung der SED und der tatsächlichen Funktion der Mauer unterscheiden. Du kannst Quellen wie Fotografien, Reden, Nachrichtensendungen, Karten und Zeitzeugenberichte kritisch auswerten. Du kannst begründet beurteilen, weshalb der Mauerfall weder allein durch einen Versprecher noch allein durch internationale Politik erklärt werden kann.


Historischer Kontext: Berlin nach 1945


Vier Mächte und eine geteilte Stadt

Nach der bedingungslosen Kapitulation des Deutschen Reiches im Mai 1945 teilten die Siegermächte Vereinigte Staaten, Sowjetunion, Vereinigtes Königreich und Frankreich Deutschland in vier Besatzungszonen. Auch Berlin wurde in vier Sektoren aufgeteilt, obwohl die Stadt vollständig innerhalb der sowjetischen Besatzungszone lag. Für Berlin galt deshalb ein besonderer Viermächte-Status.

Die Zusammenarbeit der ehemaligen Kriegsalliierten zerbrach rasch. Unterschiedliche Vorstellungen über Wirtschaftsordnung, politische Herrschaft und die Zukunft Deutschlands verschärften den Ost-West-Konflikt. Die westlichen Sektoren Berlins wurden politisch und wirtschaftlich eng an die westlichen Besatzungszonen und später an die Bundesrepublik Deutschland gebunden. Der sowjetische Sektor wurde zum politischen Zentrum der 1949 gegründeten DDR. West-Berlin blieb jedoch ein Gebiet mit besonderem alliiertem Status und war staatsrechtlich nicht einfach ein reguläres Bundesland der Bundesrepublik.


Blockade, Luftbrücke und Staatsgründungen

Die Berlin-Blockade von 1948 bis 1949 war eine frühe Zuspitzung des Kalten Krieges. Die Sowjetunion sperrte die Land- und Wasserwege nach West-Berlin. Die Westmächte versorgten die Bevölkerung über die Berliner Luftbrücke. Die Blockade scheiterte, verstärkte aber die politische Teilung.

1949 entstanden zwei deutsche Staaten: im Westen die Bundesrepublik Deutschland, im Osten die DDR. Beide beanspruchten zunächst, für ganz Deutschland zu sprechen. Berlin wurde zum Brennpunkt dieses Systemkonflikts. Während die innerdeutsche Grenze ab 1952 zunehmend abgeriegelt wurde, blieb die Sektorengrenze in Berlin zunächst vergleichsweise durchlässig.


Volksaufstand und Berlin-Krise

Am 17. Juni 1953 protestierten Arbeiterinnen und Arbeiter in Ost-Berlin gegen erhöhte Arbeitsnormen. Die Proteste weiteten sich in vielen Orten der DDR zu einem Aufstand gegen die SED-Herrschaft aus. Sowjetische Truppen schlugen ihn nieder. Das Ereignis zeigte die Instabilität der Diktatur und prägte das Sicherheitsdenken der SED-Führung.

1958 forderte der sowjetische Regierungschef Nikita Chruschtschow, die Westmächte sollten Berlin verlassen und West-Berlin solle zu einer „freien Stadt“ werden. Das Ultimatum blieb erfolglos. Die ungelöste Berlin-Frage verband die innere Krise der DDR mit der globalen Konfrontation der Supermächte.


Vom offenen Grenzraum zur Abriegelung


Fluchtbewegung und Krise der DDR

Zwischen 1949 und August 1961 verließen etwa 2,7 bis 3 Millionen Menschen die DDR. Viele waren jung und gut ausgebildet. Die Gründe unterschieden sich: politische Verfolgung, fehlende Freiheitsrechte, wirtschaftliche Erwartungen, Konflikte am Arbeitsplatz, familiäre Bindungen oder Ablehnung der SED-Politik. West-Berlin war für viele der wichtigste Fluchtweg, weil die innerdeutsche Grenze bereits stark gesichert war.[2]

Für die DDR-Führung bedrohte die Abwanderung Wirtschaft, Verwaltung und politische Stabilität. Sie sprach abwertend von „Republikflucht“ und kriminalisierte das unerlaubte Verlassen des Landes. Der Begriff verdeckt, dass die Menschen ein international anerkanntes Freiheitsrecht beanspruchten: das Recht, das eigene Land zu verlassen.


Planung und Entscheidung

Am 15. Juni 1961 sagte der SED-Parteichef Walter Ulbricht auf einer internationalen Pressekonferenz: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.“ Zu diesem Zeitpunkt erwog die SED-Führung bereits seit Jahren verschiedene Formen der Abriegelung. Die konkrete Entscheidung erforderte jedoch die Zustimmung der Sowjetunion, da jede Veränderung in Berlin die Interessen der vier Siegermächte berührte.

Anfang August 1961 stimmte Chruschtschow der Schließung der Sektorengrenze zu. Die operative Vorbereitung leitete auf DDR-Seite Erich Honecker. Die Aktion wurde geheim geplant. Die SED wollte die Fluchtbewegung stoppen, ohne einen direkten militärischen Konflikt mit den Westmächten auszulösen.


Der 13. August 1961

In der Nacht vom 12. auf den 13. August 1961 riegelten Einheiten der Volkspolizei, der Nationalen Volksarmee, der Grenzpolizei und der Kampfgruppen der Arbeiterklasse die Grenze um West-Berlin ab. Straßen wurden aufgerissen, Schienenverbindungen unterbrochen und Stacheldrahtverhaue errichtet. In den folgenden Tagen ersetzten Mauern und weitere Sperren die provisorischen Barrikaden.

Über 50.000 Menschen, die bisher aus dem Ostteil oder dem Umland zu Arbeitsplätzen in West-Berlin gependelt waren, verloren unmittelbar ihren gewohnten Zugang. Familien, Freundeskreise und Nachbarschaften wurden getrennt. An der Bernauer Straße verlief die Grenze unmittelbar vor den Häusern: Die Fassaden gehörten zum Osten, der Gehweg zum Westen. Menschen sprangen aus Fenstern, bevor die Häuser geräumt, Fenster zugemauert und Gebäude später abgerissen wurden.

Die SED bezeichnete die Mauer propagandistisch als „antifaschistischen Schutzwall“. Sie behauptete, die DDR müsse sich vor westlicher Aggression, Spionage und „Menschenhandel“ schützen. Tatsächlich war das Grenzsystem vor allem nach innen gerichtet. Es sollte die eigene Bevölkerung an der Ausreise hindern und die Herrschaft der SED stabilisieren.


Internationale Reaktionen

Die Westmächte protestierten, griffen aber nicht militärisch ein. Ihre vorrangige rote Linie war der freie Zugang nach West-Berlin, nicht die Bewegungsfreiheit der DDR-Bevölkerung. Diese Reaktion enttäuschte viele Betroffene, verhinderte aber zugleich eine unmittelbare militärische Eskalation zwischen den Atommächten. Der Mauerbau stabilisierte damit auf zynische Weise den Status quo: Die DDR wurde innerlich abgesichert, während die westliche Präsenz in West-Berlin bestehen blieb.


Aufbau und Funktion des Grenzsystems

Die Bezeichnung „Mauer“ vereinfacht ein komplexes, mehrfach umgebautes Sperrsystem. Es umschloss West-Berlin auf rund 155 Kilometern Länge; etwa 43 Kilometer verliefen durch das Stadtgebiet zwischen Ost- und West-Berlin. Die Anlagen unterschieden sich je nach Ort und wurden fortlaufend modernisiert.[3]

Bestandteil Funktion Historische Bedeutung
Hinterlandmauer Begrenzte das Grenzgebiet auf der Ostseite Hielt Menschen bereits vom eigentlichen Grenzstreifen fern
Signal- und Sperrzäune Meldeten Berührungen und erschwerten das Vordringen Verband technische Überwachung mit militärischer Kontrolle
Kontrollstreifen Machte Fußspuren sichtbar Erleichterte die Verfolgung von Fluchtversuchen
Kolonnenweg Diente Patrouillenfahrzeugen Beschleunigte den Einsatz der Grenztruppen
Kfz-Sperrgraben und Fahrzeugsperren Verhinderten Durchbrüche mit Fahrzeugen Reagierten auf frühere Fluchtmethoden
Beobachtungstürme Ermöglichten Überwachung und Schussfeldkontrolle Symbolisierten die dauernde Präsenz staatlicher Gewalt
Grenzmauer zum Westen Bildete das äußerste Hindernis War auf West-Berliner Seite sichtbar und häufig mit Graffiti bedeckt
Grenzübergang Kontrollierte genehmigte Reisen und Transitverkehr Zeigte, dass die Grenze nicht völlig geschlossen, sondern selektiv durchlässig war

Der im Westen häufig „Todesstreifen“ genannte Grenzraum war kein überall identischer Korridor. Breite, Ausstattung und Bebauung variierten. Historisch wichtig ist die Funktion: Mehrere Hindernisse sollten Zeit gewinnen, Fluchtversuche sichtbar machen und Grenzposten den Zugriff ermöglichen. Die Grenzsoldaten waren in ein Befehls- und Sanktionssystem eingebunden. Der Schusswaffengebrauch war Teil des Grenzregimes, auch wenn konkrete Situationen, Befehlslagen und individuelles Verhalten differenziert untersucht werden müssen.


Alltag in der geteilten Stadt

Die Mauer veränderte Arbeit, Wohnen, Verkehr, Freizeit und Familienleben. Ost-Berlinerinnen und Ost-Berliner durften grundsätzlich nicht mehr nach West-Berlin reisen. Für viele Rentnerinnen und Rentner sowie in besonderen Familienangelegenheiten entstanden später begrenzte Ausnahmeregelungen. West-Berliner konnten Ost-Berlin unter kontrollierten Bedingungen besuchen, mussten Dokumente vorlegen und zeitweise einen Mindestumtausch leisten.

Das Verkehrsnetz wurde getrennt. Einige West-Berliner U- und S-Bahn-Linien fuhren unter Ost-Berlin hindurch, hielten dort aber nicht. Die abgeriegelten Stationen wurden als Geisterbahnhöfe bekannt. Bewaffnete Posten bewachten Bahnsteige, Zugänge waren verschlossen oder vermauert.

Im Osten war die Mauer aus dem normalen Stadtbild oft weiter entfernt als im Westen, weil ein Sperrgebiet vorgelagert war. Viele Menschen entwickelten alltägliche Strategien, um mit Trennung, Reisebeschränkungen und staatlicher Kontrolle zu leben. Zugleich darf Anpassung nicht mit Zustimmung verwechselt werden. Biografien zeigen ein breites Spektrum zwischen Loyalität, Rückzug, Eigensinn, Protest, Ausreiseantrag und Flucht.


Passierscheinabkommen und begrenzte Begegnungen

Das erste Passierscheinabkommen von 1963 ermöglichte West-Berlinerinnen und West-Berlinern zeitweise Besuche bei Verwandten im Ostteil. Weitere Abkommen folgten. Diese Regelungen linderten menschliche Härten, änderten aber nichts am grundsätzlichen Machtverhältnis: Die DDR entschied, wer reisen durfte, und nutzte Genehmigungen als politisches Steuerungsmittel.


Flucht, Fluchthilfe und Todesopfer

Bereits am 15. August 1961 sprang der junge Bereitschaftspolizist Conrad Schumann über einen Stacheldrahtverhau in den Westen. Das Foto wurde zu einer Ikone des Kalten Krieges. Als Quelle zeigt es einen realen Moment, zugleich verkürzt es eine komplexe Biografie auf den Augenblick des Sprungs. Eine quellenkritische Betrachtung fragt deshalb auch nach Fotograf, Bildausschnitt, Verbreitung und späterer Symbolbildung.

Menschen versuchten, die Grenze durch Tunnel, umgebaute Fahrzeuge, Seilbahnen, Ballons, Schwimmen oder Sprünge aus Häusern zu überwinden. Fluchthelferinnen und Fluchthelfer handelten aus politischen, persönlichen oder finanziellen Motiven. Manche Aktionen gelangen, andere endeten mit Verhaftung, Verletzung oder Tod.

Zu den bekannten Opfern gehört Peter Fechter, der am 17. August 1962 bei einem Fluchtversuch angeschossen wurde und im Grenzstreifen starb. Sein Tod vor den Augen vieler Beobachter wurde zu einem Symbol für die Unmenschlichkeit des Grenzregimes. Die Erinnerung darf sich jedoch nicht auf wenige bekannte Namen beschränken. Hinter der Zahl von mindestens 140 Todesopfern stehen unterschiedliche Lebensgeschichten: Flüchtende, unbeteiligte Personen, Grenzsoldaten und Menschen, die unter besonderen Umständen im Grenzgebiet starben.


Historische und ethische Fragen

Die Beschäftigung mit Fluchten verlangt Sensibilität. Erfolgreiche Fluchten dürfen nicht als bloße Abenteuer erzählt werden. Sie waren Reaktionen auf fehlende Bewegungsfreiheit und konnten andere Menschen gefährden. Ebenso ist eine pauschale Gleichsetzung aller Grenzsoldaten historisch unzureichend. Verantwortlichkeit muss auf mehreren Ebenen untersucht werden: politische Führung, Gesetzgebung, Befehlsstrukturen, konkrete Vorgesetzte und individuelles Handeln.


Die Mauer im Kalten Krieg

Im Oktober 1961 standen sich am Checkpoint Charlie amerikanische und sowjetische Panzer gegenüber. Auslöser war ein Streit über die Rechte westalliierter Vertreter beim Zugang nach Ost-Berlin. Die Konfrontation zeigte, wie schnell ein lokaler Konflikt globale Folgen haben konnte. Beide Seiten zogen ihre Panzer schrittweise zurück.

Am 26. Juni 1963 besuchte US-Präsident John F. Kennedy West-Berlin und erklärte seine Solidarität mit der eingeschlossenen Stadt. Seine Rede mit dem Satz „Ich bin ein Berliner“ wurde zu einem zentralen Erinnerungsbild westlicher Berlin-Politik. Gleichzeitig erkannte die US-Regierung faktisch an, dass die Mauer nicht ohne unkalkulierbares Kriegsrisiko beseitigt werden konnte.

Die Mauer war damit zugleich ein Zeichen der Schwäche und der Stabilisierung. Sie zeigte, dass die DDR ihre Bevölkerung nicht freiwillig halten konnte. Zugleich verringerte sie die unmittelbare Gefahr, dass die DDR durch die Massenabwanderung kollabierte und die Berlin-Krise militärisch eskalierte.


Entspannungspolitik und geregelte Durchlässigkeit

Seit Ende der 1960er Jahre setzte die sozialliberale Bundesregierung unter Willy Brandt auf eine Neue Ostpolitik. Das Ziel lautete nicht, die Teilung anzuerkennen und unveränderlich zu machen, sondern durch praktische Vereinbarungen menschliche Erleichterungen und politische Kommunikation zu ermöglichen. Der Ansatz wurde mit der Formel „Wandel durch Annäherung“ verbunden.

Das Viermächteabkommen über Berlin von 1971 verbesserte den Zugang nach West-Berlin und bestätigte zugleich den besonderen Status der Stadt. Das Transitabkommen regelte den Verkehr zwischen der Bundesrepublik und West-Berlin. Der Grundlagenvertrag von 1972 ordnete die Beziehungen zwischen Bundesrepublik und DDR neu. Beide deutschen Staaten wurden 1973 Mitglieder der Vereinten Nationen.

Die Entspannungspolitik machte die Grenze berechenbarer, beseitigte sie aber nicht. Die DDR verband internationale Anerkennung mit innerer Abgrenzung. Reisegenehmigungen blieben selektiv, Ausreiseanträge konnten berufliche und soziale Nachteile auslösen, und das Grenzregime bestand fort.


Die Krise des Jahres 1989

Der Mauerfall hatte lange und kurze Ursachen. Die DDR litt unter wirtschaftlichen Problemen, politischer Erstarrung und wachsendem Vertrauensverlust. Die Reformpolitik des sowjetischen Staatschefs Michail Gorbatschow veränderte den Handlungsspielraum in Osteuropa. Anders als früher signalisierte die Sowjetunion, dass sie verbündete Regierungen nicht automatisch mit militärischer Gewalt retten würde.

Im Frühjahr und Sommer 1989 fochten Bürgerinnen und Bürger die Ergebnisse der DDR-Kommunalwahlen an. Viele suchten Zuflucht in bundesdeutschen Botschaften oder verließen die DDR über Ungarn, nachdem dort Grenzsicherungen abgebaut und im September die Ausreise nach Österreich ermöglicht worden war. Gleichzeitig wuchs eine oppositionelle Bewegung innerhalb der DDR.

Die Montagsdemonstrationen in Leipzig und anderen Städten forderten Reisefreiheit, politische Reformen und demokratische Beteiligung. Der Ruf „Wir sind das Volk“ richtete sich gegen den Alleinvertretungsanspruch der SED. Die weitgehend friedlichen Massendemonstrationen, die Zurückhaltung der Sicherheitskräfte in entscheidenden Momenten und die Erosion der Staatsführung schufen die Voraussetzungen für die Grenzöffnung.

Am 18. Oktober 1989 trat Erich Honecker zurück. Am 4. November demonstrierten Hunderttausende auf dem Alexanderplatz für freie Wahlen, Meinungsfreiheit und demokratische Veränderungen. Die SED-Führung versuchte, mit einer neuen Reiseregelung Kontrolle zurückzugewinnen.


Der 9. November 1989


Schabowskis Pressekonferenz

Am Abend des 9. November 1989 verlas Günter Schabowski, Mitglied des SED-Politbüros, auf einer internationalen Pressekonferenz eine neue Reiseregelung. Auf die Frage, wann sie in Kraft trete, antwortete er sinngemäß: sofort, unverzüglich. Die Regelung sollte nach internen Planungen eigentlich erst später und mit einem geordneten Antragsverfahren gelten. Schabowski war unzureichend informiert.

Westliche Nachrichtenmedien meldeten eine Öffnung der Grenze. Viele DDR-Bürgerinnen und DDR-Bürger gingen daraufhin zu den Berliner Übergängen. Die Grenztruppen hatten keine klaren Befehle, wie sie mit den wachsenden Menschenmengen umgehen sollten. Die Lage verband Kommunikationsfehler, Medienwirkung, massenhaften Druck und den bereits fortgeschrittenen Autoritätsverlust der SED.


Bornholmer Straße und weitere Übergänge

Am Grenzübergang Bornholmer Straße ließ der verantwortliche Offizier Harald Jäger gegen 23:30 Uhr die Kontrollen faktisch einstellen. Tausende Menschen strömten nach West-Berlin. Danach öffneten weitere Übergänge. Die Bilder feiernder Menschen verbreiteten sich weltweit.

Phase Geschehen Historische Einordnung
Pressekonferenz Schabowski kündigt eine neue Reiseregelung an Ein missverständlicher Auslöser trifft auf eine tiefe Staatskrise
Nachrichten Medien formulieren die Meldung als Grenzöffnung Öffentliche Kommunikation verändert die Handlungslage
Menschen an den Übergängen Wachsende Gruppen verlangen die Ausreise Die Bevölkerung verwandelt eine Ankündigung in politische Realität
Öffnung Bornholmer Straße Grenzposten geben dem Druck nach Lokales Handeln verhindert Gewalt und durchbricht das System
Öffnung weiterer Übergänge Die Kontrolle bricht in der Stadt zusammen Der Vorgang wird unumkehrbar

Der Begriff Mauerfall ist bildhaft. In der Nacht stürzte die Mauer nicht als Bauwerk ein. Zunächst öffneten sich die Grenzübergänge. Erst danach begann die schrittweise Beseitigung der Anlagen. Historisch entscheidend war, dass die Mauer ihre Funktion als Instrument der erzwungenen Einschließung verlor.


Von der Grenzöffnung zur deutschen Einheit

Nach dem 9. November schlugen sogenannte Mauerspechte Stücke aus der Mauer. Neue Übergänge entstanden, am 22. Dezember 1989 wurde das Brandenburger Tor wieder geöffnet. Der systematische Abbau der Grenzanlagen begann 1990. Einzelne Abschnitte blieben als Denkmale oder Kunstorte erhalten.

Die staatliche Einheit war im November 1989 keineswegs automatisch festgelegt. In der DDR wurden zunächst unterschiedliche Zukunftsmodelle diskutiert: eine demokratisch erneuerte eigenständige DDR, eine Konföderation oder ein rascher Beitritt zur Bundesrepublik. Bei der ersten freien Volkskammerwahl am 18. März 1990 erhielten die Kräfte starken Zuspruch, die eine schnelle Einheit anstrebten.

Die Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion trat am 1. Juli 1990 in Kraft. Der Zwei-plus-Vier-Vertrag regelte die außenpolitischen Fragen der Einheit mit den vier Siegermächten. Am 3. Oktober 1990 trat die DDR dem Geltungsbereich des Grundgesetzes bei. Die deutsche Einheit beendete die staatliche Teilung, nicht aber sofort die wirtschaftlichen, sozialen und biografischen Unterschiede, die aus vier Jahrzehnten unterschiedlicher Entwicklung entstanden waren.


Erinnerungskultur und historische Orte

Die Berliner Mauer ist heute an vielen Stellen verschwunden. Im Straßenraum markieren Pflastersteine ihren früheren Verlauf. Der Berliner Mauerweg folgt der ehemaligen Grenze. Die Gedenkstätte Berliner Mauer an der Bernauer Straße bewahrt einen Abschnitt der Grenzanlagen, dokumentiert Opferbiografien und erklärt die Funktionsweise des Grenzregimes.

Die East Side Gallery entstand 1990 auf einem erhaltenen Abschnitt der Hinterlandmauer an der Mühlenstraße. Künstlerinnen und Künstler aus vielen Ländern gestalteten Bilder zu Freiheit, Hoffnung, politischem Wandel und globalen Konflikten. Sie ist Kunstort, Denkmal und touristische Sehenswürdigkeit zugleich.

Erinnerungskultur ist nicht neutral. Debatten drehen sich um die Frage, welche Teile erhalten bleiben, wie Opfer gewürdigt werden, wie Alltagserfahrungen dargestellt werden und ob touristische Vermarktung historische Gewalt verharmlost. Ein verantwortungsvoller Umgang verbindet Information, Empathie und kritische Distanz.


Die Mauer als globales Symbol

Mauersegmente stehen heute in vielen Ländern. Sie symbolisieren je nach Kontext Freiheit, das Ende des Kalten Krieges, die Überwindung von Grenzen oder die Teilung von Gesellschaften. Solche Übertragungen können produktiv sein, bergen aber die Gefahr, verschiedene historische Grenzregime vorschnell gleichzusetzen. Historisches Vergleichen verlangt deshalb klare Kriterien: Zweck, Rechtslage, Gewaltpraxis, Bewegungsrichtung, Dauer und politischer Kontext.


Historisches Arbeiten: Quellen und Deutungen

Die Geschichte der Berliner Mauer ist durch eine große Vielfalt an Quellen überliefert: Akten der SED und der Grenztruppen, diplomatische Dokumente, Fotografien, Filme, Karten, private Briefe, Tagebücher, Fluchthilfeberichte, Gerichtsakten, Interviews und materielle Überreste. Keine Quelle spricht für sich selbst.


Schritte der Quellenkritik

Schritt Leitfrage
Quellenart bestimmen Handelt es sich um Foto, Rede, Gesetz, Akte, Interview oder Gegenstand?
Urheber und Entstehung klären Wer schuf die Quelle, wann, wo und in welcher Situation?
Adressaten und Zweck untersuchen Für wen war sie bestimmt und was sollte sie bewirken?
Inhalt erschließen Welche Aussagen, Begriffe, Symbole und Auslassungen sind erkennbar?
Perspektive prüfen Welche Interessen, Erfahrungen und Begrenzungen prägen die Darstellung?
Kontextualisieren Welche Ereignisse und Strukturen sind zum Verständnis notwendig?
Mit anderen Quellen vergleichen Wo bestätigen, ergänzen oder widersprechen sich Überlieferungen?
Aussagewert beurteilen Welche Frage kann die Quelle beantworten und welche nicht?


Fotografien als historische Quellen

Fotos vom Mauerbau, von Fluchten oder vom 9. November 1989 wirken unmittelbar. Dennoch zeigen sie nur einen ausgewählten Moment. Der Standort des Fotografen, der Bildausschnitt, die Bildunterschrift und die spätere Veröffentlichung beeinflussen die Bedeutung. Ein häufig reproduziertes Bild kann zur Ikone werden und andere Erfahrungen verdrängen.


Zeitzeugenberichte

Zeitzeuginnen und Zeitzeugen vermitteln persönliche Erfahrungen, Gefühle und Deutungen. Erinnerungen können sich im Laufe der Zeit verändern und durch spätere Ereignisse beeinflusst werden. Das macht sie nicht wertlos. Es bedeutet, dass Du zwischen damaligem Erleben und heutiger Erinnerung unterscheiden und Interviews mit weiteren Quellen verbinden solltest.


Begriffe und Sprache

Begriffe tragen Perspektiven. „Antifaschistischer Schutzwall“ war eine offizielle Selbstbezeichnung der DDR und Teil ihrer Propaganda. „Schandmauer“ war eine westliche politische Kampfbezeichnung. „Todesstreifen“ beschreibt die tödliche Funktion des Grenzraums, kann aber räumliche Unterschiede verdecken. Historisches Lernen verlangt, solche Begriffe nicht unkommentiert zu übernehmen.


Chronologie

Datum Ereignis Bedeutung
1945 Deutschland und Berlin werden in vier Besatzungszonen beziehungsweise Sektoren geteilt Grundlage des besonderen Berlin-Status
1948 bis 1949 Berlin-Blockade und Luftbrücke Früher Höhepunkt des Kalten Krieges
1949 Gründung von Bundesrepublik und DDR Staatliche Teilung Deutschlands
17. Juni 1953 Volksaufstand in der DDR Offene Krise der SED-Herrschaft
1958 Chruschtschows Berlin-Ultimatum Neue internationale Berlin-Krise
15. Juni 1961 Ulbrichts Pressekonferenz Berühmte öffentliche Verneinung einer Mauerabsicht
13. August 1961 Abriegelung der Grenze um West-Berlin Beginn des Mauerbaus
Oktober 1961 Panzerkonfrontation am Checkpoint Charlie Direkte Konfrontation der Supermächte
1963 Erstes Passierscheinabkommen und Kennedy-Besuch Menschliche Erleichterung und westliche Solidarität
1971 bis 1972 Viermächteabkommen, Transitabkommen und Grundlagenvertrag Entspannung und geregelte Beziehungen
Frühjahr bis Herbst 1989 Ausreisen, Proteste und Montagsdemonstrationen Erosion der SED-Herrschaft
9. November 1989 Öffnung der Berliner Grenzübergänge Funktionsverlust der Mauer
18. März 1990 Freie Volkskammerwahl Demokratische Legitimation des Einheitskurses
3. Oktober 1990 Deutsche Einheit Ende der staatlichen Teilung


Schlüsselbegriffe

Begriff Erklärung
Kalter Krieg Globaler Systemkonflikt zwischen dem westlichen und dem sowjetisch geführten Machtblock
SED-Diktatur Politische Herrschaft der SED ohne freie Wahlen und wirksame Gewaltenteilung
Republikflucht Kriminalisierender DDR-Begriff für unerlaubtes Verlassen des Staates
Grenzregime Zusammenspiel von Anlagen, Gesetzen, Befehlen, Kontrollen und Sanktionen
Viermächte-Status Besondere Rechte und Verantwortung der vier Siegermächte in Berlin
Friedliche Revolution Massenproteste und politische Umwälzung in der DDR 1989
Mauerfall Bezeichnung für die Öffnung der Grenze am 9. November 1989 und den anschließenden Bedeutungsverlust der Mauer
Deutsche Wiedervereinigung Herstellung der staatlichen Einheit Deutschlands am 3. Oktober 1990
Erinnerungskultur Gesellschaftlicher Umgang mit Geschichte in Gedenkstätten, Medien, Kunst und Öffentlichkeit


Zusammenfassung

Die Berliner Mauer entstand aus dem Zusammenspiel der deutschen Teilung, der globalen Blockkonfrontation und der inneren Krise der DDR. Ihr unmittelbarer Zweck war die Verhinderung von Flucht. Sie stabilisierte die SED-Herrschaft, zerstörte Bewegungsfreiheit und trennte Menschen. Gleichzeitig wurde sie zu einem internationalen Symbol des Kalten Krieges.

Ihre Öffnung am 9. November 1989 war das Ergebnis einer langen Herrschaftskrise, internationaler Veränderungen und der Friedlichen Revolution. Schabowskis Pressekonferenz war ein wichtiger Auslöser, aber nicht die alleinige Ursache. Die Menschen an den Grenzübergängen machten aus einer unklaren Ankündigung eine unumkehrbare politische Tatsache.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Welchem Hauptzweck diente der Bau der Berliner Mauer aus Sicht der SED-Führung? (Die Flucht aus der DDR über Berlin zu stoppen) (!West-Berlin wirtschaftlich zu vergrößern) (!Den alliierten Flugverkehr zu sichern) (!Eine gemeinsame Hauptstadt beider deutscher Staaten zu schaffen)




Wann begann die systematische Abriegelung der Grenze um West-Berlin? (Am 13. August 1961) (!Am 17. Juni 1953) (!Am 26. Juni 1963) (!Am 3. Oktober 1990)




Was kennzeichnete den politischen Status West-Berlins? (Ein besonderer Viermächte-Status bei enger Bindung an die Bundesrepublik) (!Die vollständige Eingliederung in die DDR) (!Die Verwaltung ausschließlich durch die Vereinten Nationen) (!Die Zugehörigkeit zur sowjetischen Besatzungszone ohne Sonderrechte)




Was umschlossen die rund 155 Kilometer langen Grenzanlagen? (West-Berlin) (!Nur den Alexanderplatz) (!Die gesamte Bundesrepublik) (!Ausschließlich den Checkpoint Charlie)




Was war der Ausdruck antifaschistischer Schutzwall? (Eine propagandistische Rechtfertigung der DDR-Führung) (!Die amtliche Bezeichnung der Berliner Luftbrücke) (!Ein Begriff für die westlichen Besatzungszonen) (!Der Name des Zwei-plus-Vier-Vertrags)




Was geschah im Oktober 1961 am Checkpoint Charlie? (Amerikanische und sowjetische Panzer standen sich gegenüber) (!Die deutsche Einheit wurde beschlossen) (!Die erste freie Volkskammerwahl fand statt) (!Die Berliner Luftbrücke begann)




Welche Wirkung hatte Schabowskis Pressekonferenz am 9. November 1989? (Sie löste einen massenhaften Andrang auf die Grenzübergänge aus) (!Sie ordnete den Bau einer zweiten Mauer an) (!Sie beendete sofort die Existenz der DDR) (!Sie setzte den Zwei-plus-Vier-Vertrag in Kraft)




Welcher Übergang wurde am Abend des 9. November 1989 zuerst faktisch geöffnet? (Bornholmer Straße) (!Glienicker Brücke) (!Flughafen Tempelhof) (!Bahnhof Friedrichstraße Westhalle)




Wie viele Menschen starben nach dem Forschungsstand mindestens an der Berliner Mauer oder im unmittelbaren Zusammenhang mit dem Grenzregime? (140) (!14) (!40) (!1400)




Warum lässt sich der Mauerfall nicht allein mit einem Kommunikationsfehler erklären? (Weil Friedliche Revolution Staatskrise und internationaler Wandel die Voraussetzungen geschaffen hatten) (!Weil die Mauer bereits seit 1971 vollständig abgebaut war) (!Weil West-Berlin die DDR militärisch besetzt hatte) (!Weil die Vereinten Nationen die Grenze eigenständig öffneten)





Memory

Mauerbau Abriegelung
Bornholmer Straße Erste faktische Öffnung
Checkpoint Charlie Panzerkonfrontation
Schabowski Pressekonferenz
Bernauer Straße Geteilte Häuserzeile
East Side Gallery Bemalter Mauerabschnitt
Geisterbahnhof Durchfahrt ohne Halt
Zwei-plus-Vier-Vertrag Äußere Aspekte der Einheit





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Historische Bedeutung
Berlin-Blockade Versorgung West-Berlins durch eine Luftbrücke
Republikflucht Kriminalisierender Begriff für unerlaubte Ausreise
Hinterlandmauer Östliche Begrenzung des Grenzgebiets
Passierscheinabkommen Zeitweilige Besuchsmöglichkeiten für West-Berliner
Montagsdemonstrationen Friedlicher Massendruck auf die SED-Herrschaft
Mauerspechte Private Entfernung kleiner Mauerstücke
Erinnerungskultur Gesellschaftlicher Umgang mit der Vergangenheit






Kreuzworträtsel

Stacheldraht Welches Material wurde zu Beginn der Grenzabriegelung als provisorische Sperre eingesetzt?
Schabowski Welcher Politiker verkündete am 9. November 1989 die neue Reiseregelung?
Bornholmer Welcher Straßenname gehört zum zuerst geöffneten Berliner Grenzübergang?
Grenzregime Wie heißt das Zusammenspiel aus Sperranlagen Kontrollen Befehlen und Sanktionen?
Mauerspechte Wie wurden Menschen genannt die nach der Öffnung Stücke aus der Mauer schlugen?
Wiedervereinigung Welcher Begriff bezeichnet die Herstellung der deutschen staatlichen Einheit?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Berlin in vier

geteilt. West-Berlin blieb trotz seiner Lage in der sowjetischen Besatzungszone eng mit der

verbunden. Viele Menschen verließen die DDR vor 1961 über das vergleichsweise offene

. In der Nacht zum 13. August 1961 begann die SED-Führung mit der

. Die Grenzanlagen um West-Berlin waren insgesamt ungefähr 155 Kilometer

. Die offizielle Bezeichnung antifaschistischer Schutzwall diente der politischen

. Der tatsächliche Hauptzweck bestand in der Verhinderung von

. Im Oktober 1961 standen sich am Checkpoint Charlie amerikanische und sowjetische

gegenüber. Im Jahr 1989 schwächten Ausreisen und friedliche Proteste die Herrschaft der

. Schabowskis Pressekonferenz führte zu einem großen Andrang auf die

. Zuerst wurde der Übergang an der Bornholmer Straße faktisch

. Am 3. Oktober 1990 wurde die staatliche deutsche

hergestellt.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Zeitleiste Berliner Mauer: Gestalte eine visuelle Zeitleiste mit acht Schlüsselereignissen von 1945 bis 1990 und begründe die Auswahl jedes Ereignisses in einem Satz.
  2. Historische Karte: Markiere auf einer Karte West-Berlin, Ost-Berlin, die Mauer, die Bernauer Straße, den Checkpoint Charlie und die Bornholmer Straße.
  3. Begriffsplakat: Erstelle ein Plakat, das die Begriffe Grenzregime, Viermächte-Status, Friedliche Revolution und Erinnerungskultur mit eigenen Formulierungen erklärt.
  4. Bildanalyse Berliner Mauer: Wähle ein Bild aus diesem Kurs und beschreibe zunächst nur sichtbare Details, bevor Du eine historische Deutung formulierst.


Standard

  1. Quellenvergleich Mauerbau: Vergleiche die öffentliche Aussage Walter Ulbrichts vom 15. Juni 1961 mit den Ereignissen des 13. August. Untersuche Aussageabsicht, Kontext und Glaubwürdigkeit.
  2. Zeitzeugeninterview: Entwickle einen Leitfaden für ein Interview über Erfahrungen mit der deutschen Teilung. Kennzeichne offene Fragen und formuliere Regeln für einen respektvollen Umgang.
  3. Audioguide Bernauer Straße: Produziere einen drei- bis fünfminütigen Audioguide zu einem historischen Ort an der ehemaligen Grenze. Verbinde Ortsbeschreibung, Kontext und eine Opferbiografie.
  4. Nachrichtenvergleich Mauerfall: Vergleiche zwei Nachrichtendarstellungen des 9. November 1989. Untersuche Wortwahl, Bildauswahl, Informationsstand und Wirkung.


Schwer

  1. Kontroverse Mauerfall: Verfasse einen argumentativen Essay zur These „Schabowskis Versprecher brachte die Mauer zu Fall“. Gewichte strukturelle Ursachen, Protestbewegung, Medienwirkung und situatives Handeln.
  2. Forschungsprojekt Erinnerungskultur: Untersuche, wie ein heutiger Erinnerungsort die Berliner Mauer darstellt. Analysiere Auswahl, Gestaltung, Leerstellen, Zielgruppen und touristische Nutzung.
  3. Vergleich von Grenzregimen: Entwickle Kriterien für einen historischen Vergleich der Berliner Mauer mit einer anderen befestigten Grenze. Vermeide Gleichsetzungen und arbeite Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede heraus.
  4. Digitale Ausstellung: Kuratiere eine digitale Ausstellung mit mindestens sechs Quellen aus unterschiedlichen Quellengattungen. Verfasse Objekttexte, eine Leitfrage, eine Einleitung und eine reflektierte Schlussdeutung.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Ursachenmodell Mauerbau: Entwickle ein Ursachenmodell mit langfristigen, mittelfristigen und kurzfristigen Faktoren. Zeige Wechselwirkungen und entscheide, welche Ursache Du für besonders gewichtig hältst.
  2. Herrschaft und Grenze: Erkläre an drei Elementen der Grenzanlage, wie Technik, Recht und politische Macht zusammenwirkten. Beziehe die Perspektive betroffener Menschen ein.
  3. Sachurteil Mauerbau: Prüfe die Aussage, der Mauerbau habe den Kalten Krieg zugleich verschärft und stabilisiert. Formuliere ein abgewogenes Sachurteil.
  4. Handlungsspielräume: Vergleiche die Handlungsspielräume eines Mitglieds der SED-Führung, eines Grenzsoldaten, einer fluchtwilligen Person und eines Westalliierten im Jahr 1961.
  5. Medien und Mauerfall: Analysiere, wie Pressekonferenz, Fernsehen und Menschenmengen an den Übergängen einander beeinflussten. Entwickle eine kausale Ereigniskette.
  6. Werturteil Reisefreiheit: Beurteile das DDR-Grenzregime aus der Perspektive damaliger Rechtsnormen, universeller Menschenrechte und heutiger demokratischer Maßstäbe. Trenne Sach- und Werturteil.
  7. Erinnerungskonzept: Entwirf ein Konzept für einen kleinen lokalen Erinnerungsort. Begründe, welche Quellen, Biografien und Gestaltungselemente Du auswählst und welche Formen der Vereinfachung Du vermeidest.




Lernnachweis

Für einen überzeugenden Lernnachweis sind folgende Leistungen wichtig:

  1. Historische Orientierung: Du ordnest zentrale Ereignisse von 1945 bis 1990 chronologisch und räumlich korrekt ein.
  2. Kausalanalyse: Du unterscheidest Ursachen, Anlass, Verlauf und Folgen des Mauerbaus sowie der Grenzöffnung.
  3. Quellenkritik: Du analysierst mindestens zwei unterschiedliche Quellengattungen nach Urheber, Kontext, Absicht, Perspektive und Aussagewert.
  4. Multiperspektivität: Du berücksichtigst Erfahrungen und Interessen verschiedener Akteure, ohne Diktatur und demokratische Ordnung gleichzusetzen.
  5. Begriffsgenauigkeit: Du verwendest Fachbegriffe wie Grenzregime, Viermächte-Status, Friedliche Revolution und Erinnerungskultur korrekt.
  6. Urteilskompetenz: Du formulierst ein begründetes Sachurteil und ein transparentes Werturteil.
  7. Darstellungskompetenz: Du präsentierst Ergebnisse strukturiert, sprachlich präzise und mit nachvollziehbaren Belegen.
  8. Reflexion: Du benennst Grenzen Deiner Quellen und mögliche alternative Deutungen.




OERs zum Thema


Verlässliche Informations- und Lernangebote

  1. Stiftung Berliner Mauer: Geschichte, Orte und Sammlungen
  2. Chronik der Mauer: multimediale Chronik und Quellen
  3. Bundeszentrale für politische Bildung: Bau der Berliner Mauer
  4. Bundesstiftung Aufarbeitung: Recherche und Bildungsangebote
  5. Bundesarchiv: Schriftgut, Fotos und Filme zur deutschen Zeitgeschichte
  6. Wikimedia Commons: freie Medien zur Berliner Mauer


Verknüpfte Lernbereiche


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Prüfungsliteratur 2026
Bundesland Bücher Kurzbeschreibung
Baden-Württemberg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Mittlere Reife

  1. Der Markisenmann - Jan Weiler oder Als die Welt uns gehörte - Liz Kessler
  2. Ein Schatten wie ein Leopard - Myron Levoy oder Pampa Blues - Rolf Lappert

Abitur Dorfrichter-Komödie über Wahrheit/Schuld; Roman über einen Ort und deutsche Geschichte. Mittlere Reife Wahllektüren (Roadtrip-Vater-Sohn / Jugendroman im NS-Kontext / Coming-of-age / Provinzroman).

Bayern

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Lustspiel über Machtmissbrauch und Recht; Roman als Zeitschnitt deutscher Geschichte an einem Haus/Grundstück.

Berlin/Brandenburg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Der Biberpelz - Gerhart Hauptmann
  4. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Gerichtskomödie; soziales Drama um Ausbeutung/Armut; Komödie/Satire um Diebstahl und Obrigkeit; Roman über Erinnerungsräume und Umbrüche.

Bremen

Abitur

  1. Nach Mitternacht - Irmgard Keun
  2. Mario und der Zauberer - Thomas Mann
  3. Emilia Galotti - Gotthold Ephraim Lessing oder Miss Sara Sampson - Gotthold Ephraim Lessing

Abitur Roman in der NS-Zeit (Alltag, Anpassung, Angst); Novelle über Verführung/Massenpsychologie; bürgerliche Trauerspiele (Moral, Macht, Stand).

Hamburg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun

Abitur Justiz-/Machtkritik als Komödie; Großstadtroman der Weimarer Zeit (Rollenbilder, Aufstiegsträume, soziale Realität).

Hessen

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  4. Der Prozess - Franz Kafka

Abitur Gerichtskomödie; Fragmentdrama über Gewalt/Entmenschlichung; Erinnerungsroman über deutsche Brüche; moderner Roman über Schuld, Macht und Bürokratie.

Niedersachsen

Abitur

  1. Der zerbrochene Krug - Heinrich von Kleist
  2. Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun
  3. Die Marquise von O. - Heinrich von Kleist
  4. Über das Marionettentheater - Heinrich von Kleist

Abitur Schwerpunkt auf Drama/Roman sowie Kleist-Prosatext und Essay (Ehre, Gewalt, Unschuld; Ästhetik/„Anmut“).

Nordrhein-Westfalen

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Komödie über Wahrheit und Autorität; Roman als literarische „Geschichtsschichtung“ an einem Ort.

Saarland

Abitur

  1. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  2. Furor - Lutz Hübner und Sarah Nemitz
  3. Bahnwärter Thiel - Gerhart Hauptmann

Abitur Erinnerungsroman an einem Ort; zeitgenössisches Drama über Eskalation/Populismus; naturalistische Novelle (Pflicht/Überforderung/Abgrund).

Sachsen (berufliches Gymnasium)

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Irrungen, Wirrungen - Theodor Fontane
  4. Der gute Mensch von Sezuan - Bertolt Brecht
  5. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  6. Der Trafikant - Robert Seethaler

Abitur Mischung aus Klassiker-Drama, sozialem Drama, realistischem Roman, epischem Theater und Gegenwarts-/Erinnerungsroman; zusätzlich Coming-of-age im historischen Kontext.

Sachsen-Anhalt

Abitur

  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Themenfelder)

Abitur Schwerpunktsetzung über Themenfelder (u. a. Literatur um 1900; Sprache in politisch-gesellschaftlichen Kontexten), ohne feste Einzeltitel.

Schleswig-Holstein

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Recht/Gerechtigkeit und historische Tiefenschichten eines Ortes – umgesetzt über Drama und Gegenwartsroman.

Thüringen

Abitur

  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool)

Abitur In der Praxis häufig Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool; landesweite Einzeltitel je nach Vorgabe/Handreichung nicht einheitlich ausgewiesen.

Mecklenburg-Vorpommern

Abitur

  1. (Quelle aktuell technisch nicht abrufbar; Beteiligung am gemeinsamen Aufgabenpool bekannt)

Abitur Land beteiligt sich am länderübergreifenden Aufgabenpool; konkrete, veröffentlichte Einzeltitel konnten hier nicht ausgelesen werden.

Rheinland-Pfalz

Abitur

  1. (keine landesweit einheitliche Pflichtlektüre; schulische Auswahl)

Abitur Keine landesweite Einheitsliste; Auswahl kann schul-/kursbezogen erfolgen.




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THE MONKEY DANCE




The Monkey DanceaiMOOCs

  1. Trust Me It's True: #Verschwörungstheorie #FakeNews
  2. Gregor Samsa Is You: #Kafka #Verwandlung
  3. Who Owns Who: #Musk #Geld
  4. Lump: #Trump #Manipulation
  5. Filth Like You: #Konsum #Heuchelei
  6. Your Poverty Pisses Me Off: #SozialeUngerechtigkeit #Musk
  7. Hello I'm Pump: #Trump #Kapitalismus
  8. Monkey Dance Party: #Lebensfreude
  9. God Hates You Too: #Religionsfanatiker
  10. You You You: #Klimawandel #Klimaleugner
  11. Monkey Free: #Konformität #Macht #Kontrolle
  12. Pure Blood: #Rassismus
  13. Monkey World: #Chaos #Illusion #Manipulation
  14. Uh Uh Uh Poor You: #Kafka #BerichtAkademie #Doppelmoral
  15. The Monkey Dance Song: #Gesellschaftskritik
  16. Will You Be Mine: #Love
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  18. And Thanks for Your Meat: #AntiFactoryFarming #AnimalRights #MeatIndustry


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