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Der Investiturstreit - Geschichte

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Der Investiturstreit - Geschichte




Der Investiturstreit - Geschichte

Studienfach Geschichte
Teilgebiet Mittelalterliche Geschichte, Kirchengeschichte, Verfassungsgeschichte, Politische Geschichte
Niveau Studium, gymnasiale Oberstufe und historisch interessierte Erwachsene
Zeitlicher Schwerpunkt 11. und frühes 12. Jahrhundert
Zentrale Leitfrage Wie veränderte der Konflikt um die Einsetzung von Bischöfen und Äbten das Verhältnis von geistlicher und weltlicher Herrschaft?


Einleitung

Der Investiturstreit war ein grundlegender Konflikt um die Ordnung der lateinischen Christenheit im 11. und frühen 12. Jahrhundert. Im Zentrum stand die Frage, wer Bischöfe und Äbte in ihr Amt einsetzen durfte und welche Rechte mit diesen Ämtern verbunden waren. Dabei ging es nicht nur um einen kirchlichen Ritus. Bischöfe und Äbte waren zugleich geistliche Amtsträger, Grundherren, Berater, Gerichtsherren und Träger politisch wichtiger Herrschaftsrechte. Wer ihre Auswahl beeinflusste, entschied deshalb über Macht, Besitz, Loyalität und die politische Ordnung des römisch-deutschen Reiches.

Der Konflikt wird häufig als Kampf zwischen Papst und Kaiser zusammengefasst. Diese Formel ist eingängig, aber verkürzt. Als der Streit zwischen Gregor VII. und Heinrich IV. eskalierte, war Heinrich noch römisch-deutscher König. Erst 1084 wurde er zum Kaiser gekrönt. Außerdem wirkten zahlreiche weitere Gruppen mit: Reichsfürsten, Bischöfe, Klöster, Domkapitel, städtische Eliten, Reformnetzwerke, Gegenpäpste und Gegenkönige. Der Investiturstreit war daher kein Zweikampf zweier Einzelpersonen, sondern ein vielschichtiger Prozess politischer, religiöser, sozialer und rechtlicher Neuordnung.

Der berühmte Gang nach Canossa von 1077 war ein dramatischer Höhepunkt, aber weder der Beginn noch das Ende des Konflikts. Die Auseinandersetzungen reichten von der Kirchenreform des 11. Jahrhunderts über die Bannung Heinrichs IV. bis zum Wormser Konkordat von 1122. Auch danach blieb umstritten, wie geistliche und weltliche Gewalt zusammenwirken sollten.


Lernziele und Kompetenzen

Nach der Bearbeitung dieses aiMOOCs kannst Du:

  1. Investitur: den Begriff erklären und zwischen geistlicher Amtseinsetzung und der Übertragung weltlicher Rechte unterscheiden.
  2. Kirchenreform: die Reformbewegungen des 11. Jahrhunderts in ihren religiösen und politischen Zusammenhängen einordnen.
  3. Heinrich IV. und Gregor VII.: Interessen, Handlungsspielräume und Kommunikationsstrategien der zentralen Akteure analysieren.
  4. Gang nach Canossa: das Ereignis als religiöses Ritual, politische Strategie und späteren Erinnerungsort untersuchen.
  5. Wormser Konkordat: die Regelungen des Kompromisses von 1122 differenziert darstellen.
  6. Quellenkritik: Briefe, Chroniken, Rechtstexte, Bilder und Rituale als unterschiedliche historische Quellenarten bewerten.
  7. Historische Urteilsbildung: teleologische Deutungen wie die Vorstellung einer geradlinigen Trennung von Kirche und Staat kritisch prüfen.
  8. Mittelalterliche Herrschaft: personale Bindungen, symbolische Kommunikation und konsensuale Entscheidungsformen berücksichtigen.


Historischer Kontext


Das römisch-deutsche Reich im 11. Jahrhundert

Das römisch-deutsche Reich war kein moderner Territorialstaat mit einer einheitlichen Verwaltung. Herrschaft beruhte stark auf persönlichen Beziehungen, Reiseherrschaft, öffentlicher Anerkennung, Konsens mit geistlichen und weltlichen Großen sowie der Verfügung über Königsgut und Reichsrechte. Der König war auf die Zusammenarbeit mit Herzögen, Grafen, Bischöfen, Äbten und anderen Eliten angewiesen.

Seit den Ottonen und frühen Saliern spielten Bischöfe und Reichsäbte eine zentrale Rolle in der Königsherrschaft. Sie verfügten über Bildung, Verwaltungswissen und überregionale Netzwerke. Da sie dem Zölibatsideal unterlagen und keine legitimen ehelichen Erben haben sollten, konnten ihre Ämter und Reichsrechte nach ihrem Tod neu vergeben werden. Dieses Gefüge wird in der Forschung häufig als Reichskirchensystem bezeichnet. Der Begriff ist nützlich, darf aber nicht den Eindruck eines vollständig geplanten und zentral gesteuerten Systems erwecken. Tatsächlich beruhte das Zusammenwirken von König und Reichskirche auf wechselnden Beziehungen, Privilegien, lokalen Interessen und Aushandlungen.


Was bedeutete Investitur?

Das lateinische Wort investire bedeutet ursprünglich einkleiden oder in Besitz setzen. Im mittelalterlichen Zusammenhang bezeichnete Investitur die symbolische Einsetzung in ein Amt oder die Übertragung von Rechten. Bei Bischöfen und Äbten konnten mehrere Vorgänge zusammenkommen:

  1. Kanonische Wahl: die Auswahl eines Kandidaten durch ein kirchliches Wahlgremium, etwa ein Domkapitel oder eine Klostergemeinschaft.
  2. Weihe: die sakramentale Aufnahme in das geistliche Amt durch kirchliche Amtsträger.
  3. Investitur mit Ring und Stab: die symbolische Einsetzung mit Zeichen, die als geistliche Amtsinsignien verstanden wurden.
  4. Regalien: die Übertragung weltlicher Herrschaftsrechte, Güter, Einkünfte und Pflichten.
  5. Huldigung: die Herstellung eines persönlichen Treueverhältnisses zwischen dem geistlichen Fürsten und dem König.

Der Konflikt entstand, weil diese Elemente in der Praxis eng miteinander verbunden waren. Eine einfache Trennung zwischen rein geistlich und rein weltlich entsprach zunächst nicht der politischen Realität. Genau diese Trennung wurde jedoch im Verlauf des Investiturstreits zunehmend rechtlich und symbolisch ausgearbeitet.


Die Kirchenreform des 11. Jahrhunderts

Der Investiturstreit entwickelte sich aus einem breiteren Reformprozess. Reformgruppen strebten nach einer Erneuerung kirchlichen Lebens und kritisierten besonders:

  1. Simonie: den Erwerb geistlicher Ämter oder geistlicher Güter durch Geld, Geschenke oder politische Gegenleistungen.
  2. Nikolaitismus: einen zeitgenössischen Kampfbegriff gegen Ehen und sexuelle Beziehungen von Klerikern.
  3. Eigenkirchenwesen: die starke Verfügung weltlicher Herren über Kirchen, Klöster und deren Besitz.
  4. Laieninvestitur: die Einsetzung geistlicher Amtsträger durch nichtgeistliche Herrscher.
  5. Libertas ecclesiae: die Forderung nach Freiheit der Kirche von unzulässiger weltlicher Kontrolle.

Das Kloster Cluny wurde lange als alleiniger Ausgangspunkt der Reformen dargestellt. Heute betrachtet die Forschung ein breiteres Netzwerk aus Klöstern, Bischöfen, Kanonikern, Päpsten und weltlichen Unterstützern. Die sogenannte Gregorianische Reform war daher keine einheitliche Bewegung mit einem von Anfang an feststehenden Programm. Ihre Ziele wandelten und radikalisierten sich im Verlauf der Konflikte.


Akteure und Interessen


Heinrich IV. und die salische Königsherrschaft

Heinrich IV. wurde 1050 geboren, 1054 zum König gekrönt und trat nach einer langen Minderjährigkeitsregierung selbstständig hervor. Seine Herrschaft war schon vor dem offenen Konflikt mit Gregor VII. belastet. Besonders der Sachsenkrieg band militärische und politische Kräfte. Heinrich musste seine Autorität gegenüber Fürsten behaupten und war auf loyale Bischöfe angewiesen.

Für Heinrich war die Mitwirkung an Bischofserhebungen kein nebensächliches Privileg. Sie gehörte zum überlieferten Verständnis königlicher Verantwortung für Reich und Kirche. Ein Verlust dieses Einflusses hätte seine Möglichkeiten eingeschränkt, Ämter zu besetzen, regionale Machtzentren zu kontrollieren und loyale Partner zu gewinnen. Zugleich wäre es falsch, Heinrich nur als Gegner jeder Reform zu beschreiben. Auch Könige förderten Klöster, Disziplin und kirchliche Erneuerung, solange dadurch ihre eigene sakrale und politische Stellung nicht grundsätzlich infrage gestellt wurde.


Gregor VII. und der päpstliche Führungsanspruch

Gregor VII., ursprünglich Hildebrand, wurde 1073 Papst. Er war seit Jahrzehnten im Umfeld der römischen Reformpäpste tätig. Sein Amtsverständnis betonte die besondere Autorität des Papstes als Nachfolger des Apostels Petrus. Daraus leitete er weitreichende Ansprüche gegenüber Bischöfen und weltlichen Herrschern ab.

Gregor verstand den Papst nicht nur als Ehrenoberhaupt, sondern als höchste Instanz für kirchliche Ordnung, Gehorsam und gegebenenfalls die Beurteilung christlicher Herrscher. Seine Position war jedoch nicht überall anerkannt. Bischöfe konnten sich auf ihre eigene Amtsautorität, traditionelle Rechte und die Unterstützung des Königs berufen. Der päpstliche Anspruch musste daher erst kommunikativ, rechtlich und politisch durchgesetzt werden.


Fürsten, Bischöfe und Vermittlerinnen

Die Reichsfürsten waren keine bloßen Zuschauer. Einige unterstützten Heinrich, andere nutzten seine Bannung, um ihre eigenen politischen Interessen zu verfolgen. Die Fürstenopposition verband religiöse Argumente mit Konflikten um Königsherrschaft, Besitz und regionale Autonomie.

Auch die Bischöfe handelten nicht als geschlossener Block. Manche standen dem König nahe, andere unterstützten die Reformpäpste, viele wechselten ihre Position oder suchten Kompromisse. Kirchliche und politische Loyalitäten überschnitten sich.

Eine besonders wichtige Rolle spielte Mathilde von Tuszien, auch Mathilde von Canossa genannt. Sie beherrschte umfangreiche Gebiete in Nord- und Mittelitalien, unterstützte Gregor VII. und stellte Räume, Schutz und politische Kontakte bereit. Hugo von Cluny wirkte als angesehener Vermittler. Das mittelalterliche Konfliktgeschehen lässt sich deshalb nur verstehen, wenn neben formalen Ämtern auch Netzwerke, Verwandtschaft, Gastfreundschaft, Fürsprache und persönliche Bindungen untersucht werden.


Die Eskalation zwischen 1073 und 1077


Mailand, Bischofserhebungen und wachsendes Misstrauen

Ein wichtiger Konfliktraum war Mailand. Dort kämpften Reformgruppen, lokale Eliten, Geistliche, der König und der Papst um Einfluss auf die Besetzung des Erzbistums. Heinrich hielt an der königlichen Mitwirkung fest, während Gregor die Anerkennung päpstlicher Entscheidungen verlangte. Der Streit um einzelne Personen wurde so zum Grundsatzkonflikt über Gehorsam, kirchliche Ordnung und die Grenzen königlicher Gewalt.

Die traditionelle Erzählung setzt häufig ein allgemeines päpstliches Investiturverbot bereits für 1075 voraus. Die Quellenlage ist jedoch kompliziert. Ein eindeutig überliefertes allgemeines Verbot der Laieninvestitur begegnet erst 1078. Für die Eskalation von 1075 und 1076 waren nicht nur Investiturfragen ausschlaggebend, sondern auch der päpstliche Führungsanspruch, Heinrichs Umgang mit gebannten Räten und die Frage, wer über Bischöfe und Könige urteilen durfte.


Der Dictatus Papae

Im päpstlichen Register Gregors VII. findet sich unter dem Jahr 1075 eine Sammlung von 27 kurzen Leitsätzen, die später als Dictatus Papae bezeichnet wurde. Darin erscheinen weitreichende Aussagen über die Vorrangstellung der römischen Kirche und die Autorität des Papstes. Dazu gehören die Vorstellung, dass allein der Papst bestimmte Insignien gebrauchen dürfe, dass er Bischöfe absetzen könne und dass ihm unter bestimmten Voraussetzungen die Lösung von Treueiden gegenüber ungerechten Herrschern zukomme.

Quellenkritischer Hinweis: Der Dictatus Papae war keine moderne Verfassung und wahrscheinlich kein öffentlich verkündetes Gesetzbuch. Funktion, Entstehung und unmittelbare Verbindlichkeit der Leitsätze sind in der Forschung umstritten. Als Quelle zeigt der Text jedoch, welche außerordentlichen Möglichkeiten päpstlicher Autorität im Umfeld Gregors VII. gedacht und formuliert werden konnten.


Die Synode von Worms und der Bann von 1076

Im Januar 1076 versammelten sich Heinrich und zahlreiche Bischöfe in Worms. Die Versammlung erklärte Gregor VII. den Gehorsam auf und bestritt seine Rechtmäßigkeit. Heinrich forderte Gregor in scharfer Sprache zum Rücktritt auf. Der Konflikt wurde öffentlich und persönlich zugespitzt.

Gregor reagierte auf der römischen Fastensynode im Februar 1076. Er schloss Heinrich aus der kirchlichen Gemeinschaft aus, untersagte ihm die Ausübung königlicher Herrschaft und löste seine Untertanen vom Treueid. Der Kirchenbann war religiös bedeutsam, wirkte aber nur deshalb unmittelbar politisch, weil Gegner Heinrichs ihn aufgriffen. Spirituelle Sanktion und innerweltliche Machtpolitik verstärkten sich gegenseitig.


Trebur und die politische Wirkung des Banns

Im Oktober 1076 trafen sich oppositionelle Fürsten in Trebur. Sie drohten Heinrich mit dem Verlust seiner Herrschaft, falls er sich nicht vom Bann löse und den Konflikt mit dem Papst kläre. Für Februar 1077 war ein Treffen mit Gregor in Augsburg vorgesehen. Heinrich stand deshalb unter enormem Zeitdruck. Eine Reise zum Papst konnte als Demütigung erscheinen, bot aber auch die Chance, den Gegnern im Reich ihr wichtigstes Argument zu entziehen.


Der Gang nach Canossa


Reise, Buße und Absolution

Heinrich überquerte im Winter mit seiner Gemahlin Bertha von Savoyen, seinem Sohn Konrad und einem Gefolge die Alpen. Weil wichtige Übergänge von Gegnern kontrolliert wurden, nahm die Gruppe einen beschwerlichen Weg über den Mont Cenis. Gregor hielt sich auf der Burg Canossa im Herrschaftsbereich Mathildes von Tuszien auf.

Ende Januar 1077 erschien Heinrich als Büßer vor Canossa. Zeitgenössische Berichte beschreiben, dass er mehrere Tage in Bußkleidung auf Einlass wartete. Nach Vermittlung durch Mathilde von Tuszien, Hugo von Cluny und weitere Personen erteilte Gregor ihm die Absolution. Der Papst war als Seelsorger verpflichtet, einen glaubwürdig bußfertigen Christen wieder in die Gemeinschaft aufzunehmen. Heinrich erreichte damit sein unmittelbares Ziel: Der Bann, auf den sich seine Gegner beriefen, war aufgehoben.


War Canossa eine Niederlage?

Canossa lässt sich nicht eindeutig als vollständiger Sieg einer Seite deuten. Mehrere Ebenen müssen unterschieden werden:

  1. Religiöses Ritual: Heinrich unterwarf sich einem öffentlich sichtbaren Bußverfahren und erkannte damit die geistliche Schlüsselgewalt des Papstes an.
  2. Politische Strategie: Durch die Absolution entzog Heinrich der Fürstenopposition vorübergehend ein zentrales Argument.
  3. Päpstliches Dilemma: Gregor konnte einem Büßer die Vergebung schwer verweigern, ohne sein eigenes priesterliches Amt infrage zu stellen.
  4. Symbolische Kommunikation: Kleidung, Warten, Fürsprache, Schwur und gemeinsames Mahl vermittelten Botschaften, die für Zeitgenossen ebenso wichtig waren wie schriftliche Verträge.
  5. Offener Konflikt: Die Absolution regelte weder die Königsherrschaft endgültig noch die Investiturfrage.

Die berühmte Vorstellung, Heinrich habe drei Tage barfuß im Schnee gestanden, beruht auf erzählenden Quellen mit eigener politischer Perspektive. Historikerinnen und Historiker fragen daher nicht nur, was genau geschah, sondern auch, wie das Ereignis inszeniert, erinnert und später umgedeutet wurde.

Bildkritik: Die beiden Holzschnitte entstanden 1570, fast fünf Jahrhunderte nach dem Ereignis. Sie sind keine Augenzeugenbilder. Sie zeigen, wie Canossa in der konfessionell geprägten Geschichtskultur der Frühen Neuzeit dargestellt wurde.


Vom Gegenkönigtum zur Kaiserkrönung


Rudolf von Rheinfelden und der Bürgerkrieg

Trotz Heinrichs Absolution wählten oppositionelle Fürsten im März 1077 Rudolf von Rheinfelden zum Gegenkönig. Damit wurde sichtbar, dass der Konflikt nicht allein religiös begründet war. Es ging auch um Wahlrechte, fürstliche Mitwirkung und die Grenzen königlicher Herrschaft.

In den folgenden Jahren kam es zu einem Bürgerkrieg. Gregor versuchte zunächst, zwischen den Parteien zu entscheiden. 1080 bannte er Heinrich erneut und unterstützte Rudolf. Heinrichs Anhänger erklärten Gregor wiederum für abgesetzt und erhoben Wibert von Ravenna zum Gegenpapst Clemens III.

Rudolf starb 1080 nach der Schlacht an der Weißen Elster. Obwohl Heinrichs Heer die Schlacht nicht eindeutig für sich entschieden hatte, deuteten seine Anhänger den Verlust von Rudolfs rechter Hand, der Schwurhand, als Gottesurteil. Dieses Beispiel zeigt, wie militärische Ereignisse durch religiöse Symbolik politisch gedeutet wurden.


Rom 1084 und Gregors Ende

Heinrich zog nach Italien, nahm 1084 Rom ein und ließ sich von Gegenpapst Clemens III. zum Kaiser krönen. Gregor VII. wurde von normannischen Truppen unter Robert Guiskard befreit. Die Plünderungen der Normannen entfremdeten Gregor jedoch Teile der römischen Bevölkerung. Er starb 1085 im Exil in Salerno.

Der Ausgang widerlegt eine einfache Siegergeschichte. Gregor verlor seine unmittelbare Machtstellung und starb außerhalb Roms. Dennoch wirkten zentrale Elemente seines Papstverständnisses fort. Heinrich erreichte die Kaiserkrönung, konnte aber die innere Opposition und die strukturelle Krise seiner Herrschaft nicht dauerhaft überwinden.


Die zweite Phase des Investiturstreits


Reformpäpste nach Gregor VII.

Nach Gregors Tod setzten Päpste wie Urban II. und Paschalis II. wesentliche Reformziele fort. Das Reformpapsttum stabilisierte seine Netzwerke und gewann mit der Kreuzzugsbewegung neue öffentliche Autorität. Der Investiturstreit war damit nicht an Gregors Person gebunden.

Heinrich IV. blieb bis zu seinem Tod 1106 in Konflikte verwickelt. Sein Sohn Heinrich V. verbündete sich zunächst mit Gegnern des Vaters, zwang ihn 1105 zum Herrschaftsverzicht und übernahm die Königsherrschaft. Bald zeigte sich jedoch, dass auch Heinrich V. nicht auf den Einfluss bei Bischofserhebungen und auf die Regalien der Reichskirche verzichten wollte.


Das gescheiterte Abkommen von 1111

1111 versuchten Heinrich V. und Papst Paschalis II. eine radikale Lösung. Die Bischöfe sollten auf weltliche Regalien verzichten, während der König im Gegenzug die Investitur aufgeben sollte. Dieses Modell scheiterte am Widerstand der betroffenen geistlichen und weltlichen Fürsten. Die Besitz- und Herrschaftsverhältnisse waren zu eng miteinander verflochten.

Heinrich setzte den Papst daraufhin gefangen und erzwang ein Investiturprivileg sowie seine Kaiserkrönung. Eine römische Synode verwarf das erzwungene Privileg später. Der Vorgang zeigte, dass weder einseitige päpstliche Forderungen noch königlicher Zwang eine dauerhafte Ordnung schaffen konnten.


Das Wormser Konkordat von 1122


Der Kompromiss zwischen Heinrich V. und Calixt II.

Am 23. September 1122 einigten sich Kaiser Heinrich V. und Papst Calixt II. in Worms. Das sogenannte Wormser Konkordat bestand aus zwei aufeinander bezogenen Urkunden. Es war kein Konkordat im modernen völkerrechtlichen Sinn, sondern ein öffentlich bekräftigter Kompromiss zwischen Kaiser und Papst.

Heinrich verzichtete auf die Investitur mit Ring und Stab und erkannte freie kanonische Wahlen sowie freie Weihen an. Der Papst gestand dem Herrscher im deutschen Reichsteil eine geregelte Mitwirkung bei Wahlen zu. Der Gewählte erhielt die weltlichen Regalien durch das Zepter und erfüllte daraus folgende Pflichten. Für Italien und Burgund galten teilweise andere zeitliche Abläufe.

Die Lösung trennte symbolisch und rechtlich stärker zwischen:

  1. Spiritualien: geistlichem Amt, Weihe und kirchlicher Autorität.
  2. Temporalien: weltlichen Gütern, Regalien, Herrschaftsrechten und politischen Pflichten.
  3. Ring und Stab: Zeichen der geistlichen Einsetzung.
  4. Zepter: Zeichen der Übertragung weltlicher Rechte durch den Herrscher.

Das Konkordat beseitigte nicht jede königliche Einflussnahme. Wahlen blieben politische Ereignisse, und die Anwesenheit des Königs konnte erhebliches Gewicht haben. Dennoch wurde die direkte sakrale Einsetzung durch den Laienherrscher begrenzt.


Warum war der Kompromiss möglich?

Der Kompromiss wurde möglich, weil beide Seiten Erfahrungen mit den Kosten jahrzehntelanger Eskalation gesammelt hatten. Mehrere Faktoren wirkten zusammen:

  1. Erschöpfung des Konflikts: Kriege, Gegenkönige, Gegenpäpste und wechselnde Bündnisse hatten keine dauerhafte Entscheidung gebracht.
  2. Rechtliche Differenzierung: Geistliche Weihe und weltliche Regalien konnten nun begrifflich und symbolisch stärker getrennt werden.
  3. Fürstliche Vermittlung: Reichsfürsten waren an einer verlässlichen Ordnung interessiert und wirkten an den Verhandlungen mit.
  4. Gesichtswahrender Ausgleich: Beide Seiten konnten zentrale Grundsätze behaupten, ohne die politische Wirklichkeit vollständig zu ignorieren.
  5. Institutionelles Lernen: Der Konflikt hatte neue Formen der Schriftlichkeit, Beratung, Synodalentscheidung und öffentlichen Begründung gefördert.


Folgen und historische Bedeutung


Keine moderne Trennung von Kirche und Staat

Der Investiturstreit führte nicht unmittelbar zu einer modernen Trennung von Kirche und Staat. Mittelalterliche Menschen dachten geistliche und weltliche Ordnung weiterhin als Teile einer umfassenden christlichen Welt. Papst, Kaiser, Könige, Bischöfe und Fürsten sollten zusammenwirken, stritten aber über Rang, Zuständigkeit und die richtige Ordnung.

Das Ergebnis war daher eher eine Differenzierung als eine vollständige Trennung. Geistliche und weltliche Kompetenzen wurden deutlicher unterschieden, blieben aber praktisch miteinander verflochten.


Stärkung des Papsttums und des Kirchenrechts

Das Reformpapsttum gewann langfristig an institutioneller Eigenständigkeit. Papstbriefe, Legaten, Synoden und kirchenrechtliche Sammlungen verbanden lokale Kirchen stärker mit Rom. Im 12. Jahrhundert entstand eine ausgeprägtere päpstliche Leitungsstruktur, die häufig als Päpstliche Monarchie bezeichnet wird.

Gleichzeitig entwickelte sich das kanonische Recht weiter. Konflikte wurden zunehmend durch systematische Unterscheidungen, gelehrte Argumentation und schriftlich fixierte Verfahren bearbeitet. Die Entstehung des Decretum Gratiani um 1140 gehört in diesen breiteren Prozess rechtlicher Verdichtung.


Veränderung der Königsherrschaft

Die salische Königsherrschaft verlor nicht einfach jede Kontrolle über die Reichskirche. Der König blieb an Wahlen, Regalien und politischen Beziehungen beteiligt. Dennoch war die frühere Praxis direkter Einsetzung mit geistlichen Symbolen nicht mehr uneingeschränkt möglich.

Die Fürsten gewannen als Wähler, Vermittler, Zeugen und Vertragspartner an Gewicht. Der Investiturstreit trug damit zu einer politischen Ordnung bei, in der königliche Entscheidungen stärker ausgehandelt und öffentlich legitimiert werden mussten. Diese Entwicklung war allerdings weder geradlinig noch unumkehrbar.


Europäische Dimension

Ähnliche Konflikte gab es auch außerhalb des Reiches. In England stritten Heinrich I. von England und Anselm von Canterbury um Investitur und Huldigung. Ein Kompromiss von 1107 trennte die geistliche Investitur von der weltlichen Huldigung. In Frankreich verlief die Entwicklung weniger konfrontativ, weil Königtum und Kirche häufig pragmatische Lösungen fanden.

Der Investiturstreit war daher ein europäisches Ringen um die Ordnung der lateinischen Christenheit. Die besonders dramatische Entwicklung im römisch-deutschen Reich hing mit der engen Verbindung von Königsherrschaft, Reichskirche, Italienpolitik und Kaiseridee zusammen.


Quellen und historische Methode


Quellengattungen

Für die Erforschung des Investiturstreits stehen unterschiedliche Quellen zur Verfügung:

  1. Papstregister: Briefe, Synodalbeschlüsse und Verwaltungsnotizen aus dem Umfeld der Kurie.
  2. Königsurkunde: rechtliche Verfügungen und Privilegien des Herrschers.
  3. Chronik und Annalen: erzählende Darstellungen mit regionalen und politischen Perspektiven.
  4. Streitschrift: polemische Texte, die päpstliche oder königliche Positionen begründeten.
  5. Ritual: öffentliches Handeln wie Buße, Bann, Huldigung, Krönung oder Versöhnung.
  6. Bildquelle: zeitgenössische und spätere Darstellungen, die Vorstellungen von Herrschaft vermitteln.
  7. Vertrag: schriftlich fixierte Kompromisse wie das Wormser Konkordat.


Leitfragen der Quellenkritik

Bei der Analyse einer Quelle solltest Du folgende Fragen stellen:

  1. Urheberschaft: Wer verfasste oder veranlasste die Quelle?
  2. Adressat: Für wen war sie bestimmt?
  3. Entstehungssituation: In welcher Konfliktlage entstand sie?
  4. Gattung: Welche Regeln und Erwartungen prägten die Text- oder Bildform?
  5. Interesse: Welche Position sollte legitimiert oder delegitimiert werden?
  6. Überlieferung: Ist der Text im Original, in einer Abschrift oder nur indirekt erhalten?
  7. Sprache und Begriffe: Welche Bedeutungen hatten Wörter im 11. oder 12. Jahrhundert?
  8. Vergleich: Welche anderen Quellen bestätigen, ergänzen oder widersprechen der Darstellung?


Beispiel: Canossa als Erinnerungsort

Canossa wurde in späteren Jahrhunderten immer wieder neu gedeutet. Im 19. Jahrhundert erschien das Ereignis in nationalen und konfessionellen Erzählungen häufig als Demütigung deutscher Herrschaft durch das Papsttum. Im Kulturkampf erklärte Reichskanzler Otto von Bismarck 1872, man werde nicht nach Canossa gehen. Damit wurde ein mittelalterliches Bußritual zu einer politischen Metapher der Moderne.

Moderne Mediävistik untersucht stärker die Regeln symbolischer Kommunikation, die Handlungsspielräume aller Beteiligten und die Mehrdeutigkeit des Rituals. Canossa war zugleich Buße, Verhandlung, Inszenierung, Krisenlösung und Ausgangspunkt neuer Konflikte.


Chronologie

Jahr Ereignis Historische Bedeutung
1046 Synode von Sutri unter Heinrich III. Zeigt den starken königlichen Einfluss auf das Papsttum vor der Reformphase.
1059 Papstwahldekret Stärkt die Rolle der Kardinalbischöfe bei der Papstwahl.
1073 Wahl Gregors VII. Ein erfahrener Reformpolitiker übernimmt das Papstamt.
1075 Dictatus Papae und Konflikte um Bischofserhebungen Päpstliche Autoritätsansprüche werden besonders scharf formuliert.
Januar 1076 Synode von Worms Heinrich und zahlreiche Bischöfe sagen Gregor den Gehorsam auf.
Februar 1076 Bann Heinrichs IV. Eine geistliche Sanktion löst eine schwere politische Krise aus.
Oktober 1076 Fürstentag von Trebur Die Opposition setzt Heinrich unter Zeitdruck.
Januar 1077 Gang nach Canossa Heinrich erhält die Absolution, der politische Konflikt bleibt offen.
März 1077 Wahl Rudolfs von Rheinfelden Der Thronstreit führt zum Bürgerkrieg.
1080 Erneuter Bann Heinrichs und Erhebung eines Gegenpapstes Die Fronten verhärten sich.
1084 Kaiserkrönung Heinrichs durch Clemens III. Heinrich erreicht einen symbolischen Höhepunkt seiner Herrschaft.
1085 Tod Gregors VII. in Salerno Der Konflikt überdauert seinen prominentesten päpstlichen Akteur.
1105 Herrschaftswechsel von Heinrich IV. zu Heinrich V. Der Sohn nutzt den kirchenpolitischen Konflikt gegen den Vater.
1111 Gescheiterter Einigungsversuch und Gefangennahme Paschalis' II. Eine radikale Entflechtung geistlicher und weltlicher Rechte erweist sich als undurchführbar.
1122 Wormser Konkordat Ring und Stab werden von der Übertragung der Regalien unterschieden.
1123 Erstes Laterankonzil Die kirchliche Seite bestätigt die Vereinbarung.


Zentrale Begriffe

  1. Investitur: symbolische Einsetzung in ein Amt oder Übertragung von Rechten.
  2. Laieninvestitur: Einsetzung eines Geistlichen durch einen nichtgeistlichen Herrscher.
  3. Regalien: weltliche Rechte, Einkünfte und Herrschaftsbefugnisse eines Amtes.
  4. Spiritualien: geistliche Amtsgewalt und kirchliche Funktionen.
  5. Kirchenbann: Ausschluss aus der kirchlichen Gemeinschaft.
  6. Exkommunikation: kirchenrechtlicher Begriff für den Ausschluss von den Sakramenten und der Gemeinschaft der Gläubigen.
  7. Gegenkönig: ein gegen einen bereits herrschenden König erhobener Rivale.
  8. Gegenpapst: ein konkurrierender Papst, dessen Rechtmäßigkeit umstritten ist.
  9. Kanonische Wahl: Wahl nach kirchlichen Regeln.
  10. Simonie: Erwerb geistlicher Güter oder Ämter durch unzulässige Gegenleistungen.
  11. Libertas ecclesiae: Freiheit der Kirche von als unzulässig bewerteter weltlicher Verfügung.
  12. Sakralherrschaft: Herrschaft, die religiös begründet und symbolisch vermittelt wird.
  13. Symbolische Kommunikation: öffentliches Handeln, durch das Rang, Zustimmung, Konflikt oder Versöhnung sichtbar gemacht werden.
  14. Konsensuale Herrschaft: Herrschaftspraxis, die auf Beratung und Zustimmung politischer Eliten angewiesen ist.


Forschungsfragen und Kontroversen


Beginn und Periodisierung

Die Bezeichnung Investiturstreit kann den Eindruck erwecken, von Anfang an habe allein die Investiturfrage im Mittelpunkt gestanden. Tatsächlich verbanden sich Konflikte um Papstwahl, Bischofserhebungen, Gehorsam, Kirchenreform, Königsherrschaft und Fürstenopposition. Deshalb unterscheiden manche Forschende zwischen einer frühen Auseinandersetzung um die Gesamtordnung von Sacerdotium und Imperium und einem später stärker auf Investiturverfahren konzentrierten Konflikt.


Gewinner und Verlierer

Eine eindeutige Bilanz ist problematisch. Das Papsttum setzte die Ablehnung der Investitur mit Ring und Stab durch, musste aber königliche Mitwirkung und die Übertragung von Regalien akzeptieren. Das Königtum verlor einen sakralen Einsetzungsakt, blieb jedoch politisch beteiligt. Die Fürsten stärkten ihre Rolle, ohne zu souveränen Staatsorganen im modernen Sinn zu werden. Der Konflikt schuf daher weniger einen klaren Sieger als eine neue Balance verschiedener Gewalten.


Revolution oder langfristiger Wandel?

In der Forschung wird diskutiert, ob die Kirchenreform des 11. Jahrhunderts als päpstliche Revolution oder als langfristiger Transformationsprozess zu verstehen ist. Für einen tiefen Umbruch sprechen die neue Reichweite päpstlicher Ansprüche, die rechtliche Differenzierung und die Mobilisierung breiter Reformnetzwerke. Gegen die Vorstellung eines plötzlichen Bruchs sprechen fortbestehende ältere Praktiken, regionale Unterschiede und zahlreiche Kompromisse.


Ausgewählte Quellen und Literatur


Primärquellen und Quellensammlungen

  1. Dictatus Papae: Leitsatzsammlung im Register Gregors VII.; besonders geeignet zur Analyse päpstlicher Autoritätsvorstellungen.
  2. Wormser Konkordat: zwei Urkunden von 1122 zur Unterscheidung geistlicher Investitur und weltlicher Regalien.
  3. Lampert von Hersfeld: Annalen mit einer kritischen Perspektive auf Heinrich IV.
  4. Bruno von Merseburg: Darstellung des Sachsenkriegs und der Konflikte Heinrichs IV.
  5. Gregor VII.: Briefe und Registereinträge als zentrale Zeugnisse päpstlicher Kommunikation.
  6. Vita Mathildis: Lebensbeschreibung Mathildes von Tuszien mit wichtigen Bild- und Textzeugnissen.


Forschungsliteratur

  1. Claudia Zey: Der Investiturstreit, München 2017.
  2. Wilfried Hartmann: Der Investiturstreit, 3. überarbeitete und erweiterte Auflage, München 2007.
  3. Gerd Althoff: Heinrich IV., Darmstadt 2006.
  4. Rudolf Schieffer: Papst Gregor VII. Kirchenreform und Investiturstreit, München 2010.
  5. Uta-Renate Blumenthal: Der Investiturstreit, Stuttgart 1982.
  6. Gerd Tellenbach: Libertas. Kirche und Weltordnung im Zeitalter des Investiturstreits, Stuttgart 1936.


Medien zur Vertiefung

Bei jedem Erklärvideo solltest Du prüfen, welche Ereignisse ausgewählt, welche Akteure vereinfacht und welche Deutungen als selbstverständlich dargestellt werden. Ein Video ersetzt keine Quellenanalyse, kann aber Chronologie und Grundbegriffe anschaulich erschließen.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Worum ging es bei der Investitur im engeren Sinn? (Um die symbolische Einsetzung in ein Amt) (!Um die Finanzierung eines Kreuzzugs) (!Um die Wahl eines Stadtrats) (!Um die Aufteilung bäuerlicher Allmenden)




Welcher Herrscher trat 1077 den Gang nach Canossa an? (Heinrich IV.) (!Friedrich Barbarossa) (!Otto I.) (!Karl der Große)




Welcher Papst bannte Heinrich IV. im Jahr 1076? (Gregor VII.) (!Urban II.) (!Innozenz III.) (!Calixt II.)




Welche politische Wirkung hatte die erste Bannung Heinrichs IV.? (Sie stärkte die Fürstenopposition gegen den König) (!Sie beendete sofort das Königtum) (!Sie führte unmittelbar zum Wormser Konkordat) (!Sie machte Heinrich zum Papst)




Was erreichte Heinrich IV. in Canossa unmittelbar? (Die Lösung vom Kirchenbann) (!Die Kaiserkrönung) (!Die Abschaffung des Papsttums) (!Die Wahl seines Sohnes zum Papst)




Welche Aussage über den Dictatus Papae ist zutreffend? (Er enthält Leitsätze zu weitreichender päpstlicher Autorität) (!Er ist die Krönungsurkunde Heinrichs IV.) (!Er ist ein Vertrag zwischen Sachsen und Saliern) (!Er ordnet den Ersten Kreuzzug an)




Wer wurde 1077 zum Gegenkönig Heinrichs IV. gewählt? (Rudolf von Rheinfelden) (!Robert Guiskard) (!Hugo von Cluny) (!Wibert von Ravenna)




Welche Zeichen der geistlichen Investitur gab Heinrich V. im Wormser Konkordat auf? (Ring und Stab) (!Krone und Schwert) (!Schild und Lanze) (!Siegel und Fahne)




Wodurch wurden im Wormser Konkordat weltliche Regalien übertragen? (Durch das Zepter) (!Durch den Bischofsring) (!Durch die Tiara) (!Durch das Pallium)




Welche Deutung des Investiturstreits ist historisch am angemessensten? (Er war ein vielschichtiger Konflikt um geistliche und weltliche Ordnung) (!Er war nur ein persönlicher Streit zweier Männer) (!Er führte sofort zur modernen Demokratie) (!Er beseitigte jede Verbindung von Religion und Politik)





Memory

Laieninvestitur Einsetzung eines Geistlichen durch einen weltlichen Herrscher
Kirchenbann Ausschluss aus der kirchlichen Gemeinschaft
Regalien Weltliche Rechte und Einkünfte eines Kirchenamtes
Canossa Ort des Bußgangs von 1077
Dictatus Papae Sammlung päpstlicher Leitsätze
Trebur Fürstenversammlung von 1076
Gegenkönig Rudolf von Rheinfelden
Wormser Konkordat Kompromiss zwischen Kaiser und Papst





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Bedeutung im Investiturstreit
Ring und Stab Geistliche Amtszeichen
Zepter Übertragung weltlicher Regalien
Absolution Lösung vom Kirchenbann
Kanonische Wahl Auswahl nach kirchlichen Regeln
Fürstenopposition Politische Gegnerschaft im Reich






Kreuzworträtsel

Investitur Wie heißt die symbolische Einsetzung in ein Amt?
Canossa An welchem Ort erhielt Heinrich die Absolution?
Gregor Welchen Namen trug der Papst mit der Ordnungszahl sieben?
Heinrich Wie hieß der gebannte salische König?
Konkordat Wie nennt man die Wormser Einigung?
Regalien Wie heißen die weltlichen Rechte eines Kirchenamtes?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Die Einsetzung in ein geistliches Amt wird als

bezeichnet. Im römisch-deutschen Reich waren Bischöfe zugleich geistliche Amtsträger und Träger weltlicher

. Papst Gregor VII. betonte die Freiheit der Kirche gegenüber unzulässiger weltlicher

. Im Jahr 1076 belegte er König Heinrich IV. mit dem kirchlichen

. Die Fürstenversammlung von

erhöhte danach den politischen Druck auf den König. Heinrich suchte 1077 in

die Lösung vom Bann. Nach der Absolution wählten Gegner Heinrichs Rudolf von Rheinfelden zum

. Der Konflikt setzte sich unter Heinrich V. und Papst

fort. Im Wormser Konkordat verzichtete der Kaiser auf die Investitur mit Ring und

. Die weltlichen Rechte wurden anschließend durch das

übertragen.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Begriffskarte Investitur: Gestalte eine Begriffskarte, die Investitur, Weihe, Wahl, Regalien, Ring, Stab und Zepter voneinander unterscheidet.
  2. Chronologie des Investiturstreits: Erstelle eine bebilderte Zeitleiste von 1073 bis 1122 und markiere Wendepunkte.
  3. Akteursporträt: Verfasse ein sachliches Kurzporträt zu Heinrich IV., Gregor VII., Mathilde von Tuszien oder Heinrich V.
  4. Canossa in Bildern: Vergleiche zwei Darstellungen des Bußgangs und notiere Unterschiede in Kleidung, Körperhaltung, Raum und Machtinszenierung.


Standard

  1. Quellenanalyse Dictatus Papae: Wähle drei Leitsätze aus, erläutere ihren historischen Kontext und untersuche, welche Ordnungsvorstellung sie ausdrücken.
  2. Rollenspiel Trebur: Entwickle eine simulierte Fürstenversammlung, in der königstreue, oppositionelle und vermittelnde Positionen vertreten werden.
  3. Podcast Investiturstreit: Produziere eine fünf- bis achtminütige Podcastfolge, die erklärt, warum der Konflikt nicht nur ein Streit um religiöse Symbole war.
  4. Kartenprojekt Canossa: Rekonstruiere Heinrichs Reiseweg nach Canossa auf einer Karte und erläutere geographische sowie politische Hindernisse.


Schwer

  1. Forschungsdebatte Canossa: Vergleiche zwei wissenschaftliche Deutungen des Ereignisses und entwickle ein begründetes eigenes Urteil.
  2. Quellenvergleich Bann und Absetzung: Untersuche päpstliche und königliche Texte von 1076 hinsichtlich Sprache, Legitimation und Adressaten.
  3. Vergleichende Verfassungsgeschichte: Vergleiche den Investiturkonflikt im Reich mit der englischen Einigung von 1107 und erkläre Gemeinsamkeiten sowie Unterschiede.
  4. Digitale Ausstellung Wormser Konkordat: Konzipiere eine digitale Ausstellung mit Quellen, Karten, Bildern, Objekttexten und einer quellenkritischen Schlussbewertung.




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Lernkontrolle

  1. Strukturproblem der Reichskirche: Erkläre, warum Bischofsämter zugleich geistliche und politische Bedeutung hatten. Zeige, weshalb genau diese Doppelrolle den Konflikt verschärfte.
  2. Handlungslogik von Canossa: Beurteile Heinrichs Bußgang aus religiöser, politischer und kommunikativer Perspektive. Begründe, weshalb ein und dasselbe Ereignis als Unterwerfung und als taktischer Erfolg gelten kann.
  3. Macht des Kirchenbanns: Analysiere, unter welchen Bedingungen eine geistliche Sanktion politische Wirkung entfaltet. Übertrage Deine Überlegungen auf die Situation von 1076.
  4. Kompromissfähigkeit 1122: Erkläre, warum die Unterscheidung zwischen Spiritualien und Temporalien einen Ausweg eröffnete, obwohl beide Bereiche weiterhin verbunden blieben.
  5. Quellenkritische Bildanalyse: Untersuche eine neuzeitliche Canossa-Darstellung und entscheide, welche Aussagen sie über 1077 und welche eher über ihre eigene Entstehungszeit erlaubt.
  6. Historischer Vergleich: Vergleiche das Wormser Konkordat mit einer modernen Regelung institutioneller Zuständigkeiten. Zeige dabei ausdrücklich die Grenzen des Vergleichs.
  7. Urteil zur Zäsur: Nimm begründet Stellung zu der These, der Investiturstreit sei eine entscheidende Zäsur der europäischen Geschichte gewesen. Berücksichtige Kontinuitäten und Veränderungen.




Lernnachweis

Für einen qualifizierten Lernnachweis zu diesem Thema sind folgende Leistungen wichtig:

  1. Sachkompetenz: Du erläuterst zentrale Begriffe, Ereignisse, Akteure und die Chronologie sicher.
  2. Methodenkompetenz: Du analysierst mindestens eine Textquelle und eine Bildquelle nach nachvollziehbaren Kriterien.
  3. Kontextualisierung: Du ordnest Canossa, den Bann und das Wormser Konkordat in die politischen Strukturen des 11. und 12. Jahrhunderts ein.
  4. Multiperspektivität: Du berücksichtigst päpstliche, königliche, fürstliche, bischöfliche und regionale Interessen.
  5. Urteilskompetenz: Du entwickelst ein begründetes Urteil, ohne moderne Vorstellungen unkritisch auf das Mittelalter zu übertragen.
  6. Belegführung: Du trennst Quellenbefund, Forschungsposition und eigene Interpretation.
  7. Transfer: Du erklärst, weshalb Konflikte um Personalentscheidungen häufig zugleich Konflikte um Institutionen, Ressourcen und Legitimität sind.
  8. Präsentation: Du stellst Ergebnisse sprachlich präzise, quellenkritisch und adressatengerecht dar.




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