Der FC Bayern im Nationalsozialismus

Der FC Bayern im Nationalsozialismus
Der FC Bayern im Nationalsozialismus
Einleitung
Die Geschichte des FC Bayern München in der Zeit des Nationalsozialismus eignet sich besonders gut, um zu lernen, wie historische Forschung vereinfachte Erzählungen überprüft. Lange standen vor allem zwei Bilder nebeneinander: Auf der einen Seite wurde der Verein als liberaler, von den Nationalsozialisten verfolgter „Judenklub“ dargestellt, auf der anderen Seite wurde diese Selbstdarstellung als Vereinsmythos kritisiert. Die heute maßgebliche umfassende Untersuchung des Historikers Gregor Hofmann zeigt ein komplizierteres Bild: Der FC Bayern war weder geschlossen ein Widerstandsverein noch lässt er sich pauschal als nationalsozialistischer Verein beschreiben. Seine Mitglieder und Funktionäre handelten unterschiedlich. Jüdische Mitglieder wurden ausgegrenzt, verfolgt, vertrieben und ermordet; zugleich beteiligten sich nichtjüdische Funktionäre an der Gleichschaltung, unterstützten das Regime oder profitierten von ihm. Andere bewahrten persönliche Bindungen, halfen Verfolgten oder leisteten Widerstand.[1]
Dieser aiMOOC untersucht deshalb fünf Schwerpunkte: die Verfolgung jüdischer Vereinsmitglieder, die Gleichschaltung des Vereins, das Leben von Kurt Landauer, die Entstehung von Vereinsmythen und den Stand der historischen Forschung. Du lernst dabei nicht nur Fakten, sondern übst Quellenkritik, den Umgang mit widersprüchlichen Überlieferungen und die Unterscheidung zwischen Erinnerungskultur und historischer Forschung.

Die Grafik zeigt die Aufstellungen des Endspiels um die Deutsche Meisterschaft 1932. Der Titelgewinn war ein Höhepunkt jener Phase, in der der FC Bayern unter Präsident Kurt Landauer sportlich und organisatorisch professionalisiert wurde.
Die Podiumsdiskussion des Instituts für Zeitgeschichte München–Berlin von 2023 stellt Gregor Hofmanns Forschung zum FC Bayern im Nationalsozialismus vor.
Der FC Bayern vor 1933
Ein bürgerlicher und politisch heterogener Verein
Der FC Bayern war in der Weimarer Republik tief im Münchner Bürgertum verankert. Er war zugleich politisch keineswegs einheitlich. Unter den Mitgliedern befanden sich Sozialdemokraten, konservative Nationalisten, jüdische Unternehmer, Anhänger völkischer Vorstellungen und bereits vor 1933 auch Nationalsozialisten. Die neuere Forschung warnt deshalb davor, den gesamten Verein rückblickend als durchgehend „liberal“ oder grundsätzlich antinationalsozialistisch zu charakterisieren.[1]
Bemerkenswert war der Anteil jüdischer Mitglieder. Bis 1933 stellten Menschen, die nach der späteren nationalsozialistischen Kategorisierung als jüdisch verfolgt wurden, ungefähr zehn Prozent der Mitgliedschaft, möglicherweise etwas mehr. Es handelte sich um weit über hundert Personen. Sie bildeten keine einheitliche Gruppe: Sie unterschieden sich nach sozialer Lage, politischer Haltung, Religiosität und Rolle im Verein. Manche spielten Fußball oder fuhren Ski, andere waren Funktionäre, Förderer oder Zuschauer.[1]
Zu den wichtigsten Persönlichkeiten gehörten Kurt Landauer und der Jugendfunktionär Otto Albert Beer. Landauer war Kaufmann, früher selbst Spieler und in mehreren Amtszeiten Präsident. Unter seiner Präsidentschaft entwickelte sich der FC Bayern zu einem der führenden deutschen Fußballvereine. 1932 gewann der Verein erstmals die Deutsche Meisterschaft. Otto Beer wirkte besonders in der Nachwuchsarbeit und gehörte zu den prägenden jüdischen Funktionären des Vereins.[2]
Kurt Landauer und die Modernisierung des Vereins
Kurt Landauer wurde 1884 in Planegg geboren und trat 1901 dem FC Bayern bei. Er amtierte 1913 bis 1914, 1919 bis 1921, 1922 bis 1933 und erneut 1947 bis 1951 als Präsident. Landauer setzte auf leistungsorientierten Fußball, internationale Kontakte, qualifizierte Trainer und eine strukturierte Nachwuchsarbeit. In der Forschung gilt er als eine zentrale Figur des Aufstiegs des FC Bayern in der Weimarer Republik.[3]
Landauers Bedeutung sollte jedoch nicht zu einer Heldengeschichte verkürzt werden. Der sportliche Aufstieg beruhte auf dem Zusammenwirken vieler Spieler, Trainer, Funktionäre und Förderer und war zugleich Teil des allgemeinen Booms des deutschen Fußballs in den 1920er-Jahren.[1]
1933: Machtübernahme und Gleichschaltung
Landauers Rücktritt
Nach der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 begann die schnelle Zerstörung der demokratischen Ordnung. Jüdinnen und Juden wurden aus öffentlichen und beruflichen Bereichen verdrängt. Am 22. März 1933 trat Kurt Landauer als Präsident des FC Bayern zurück. Seine jüdische Herkunft machte ein Fortbestehen im Amt unter den neuen politischen Bedingungen praktisch unmöglich. Kurz danach verlor er auch seine berufliche Stellung beim Verlag Knorr & Hirth.[3]
Der Rücktritt Landauers darf aber nicht so erzählt werden, als sei anschließend ein bisher völlig unpolitischer Verein nur von außen „übernommen“ worden. Bereits am 9. April 1933 beteiligte sich der FC Bayern gemeinsam mit anderen süddeutschen Spitzenvereinen an der sogenannten „Stuttgarter Erklärung“, die sich antisemitisch positionierte und Loyalität gegenüber dem neuen Regime signalisierte. Am 12. April reorganisierte sich der Verein nach dem nationalsozialistischen Führerprinzip.[1]
Gleichschaltung und Selbstmobilisierung
Der Begriff Gleichschaltung beschreibt die Unterwerfung gesellschaftlicher Organisationen unter die nationalsozialistische Herrschaft. Historisch wichtig ist die Frage, wie viel davon durch staatlichen Zwang geschah und wie viel durch eigenes Mitmachen. Für den FC Bayern zeigt die Forschung beides: Es gab den massiven politischen Druck der Diktatur, aber Funktionäre und Mitglieder verfügten auch über Handlungsspielräume. Viele passten den Verein aus eigenem Antrieb an die neuen Verhältnisse an. Hofmann spricht deshalb von einer „Selbstmobilisierung“ des bürgerlichen Sports.[1]
Der erste „Vereinsführer“ Siegfried Herrmann verdeutlicht die Widersprüche. Er setzte das Führerprinzip um und bewegte sich damit innerhalb der neuen Ordnung. Gleichzeitig gibt es Hinweise, dass er besonders radikalen Antisemiten im Verein entgegentrat und zunächst am Gedanken einer Gemeinschaft „alter Bayern“ festhielt, in der frühere jüdische Mitglieder weiterhin Anerkennung fanden. Solche Befunde zeigen, warum einfache Kategorien wie „Widerstand“ oder „Anpassung“ allein nicht ausreichen.[1]
Ausgrenzung jüdischer Mitglieder
Kein Ausschluss in einem einzigen Schritt
Die Ausgrenzung jüdischer Mitglieder verlief beim FC Bayern nicht in einem einzigen Moment. Schon im Frühjahr 1933 verließen auffällig viele jüdische Mitglieder den Verein. Ein Grund war, dass der FC Bayern mit der „Stuttgarter Erklärung“ öffentlich signalisiert hatte, sich in die neue Ordnung einzufügen. Zugleich wurden einzelne jüdische Mitglieder 1934 noch in den Clubnachrichten für ihre langjährige Vereinszugehörigkeit geehrt. Der jüdische Tuchhändler Berthold Kaufmann konnte noch bis Juni 1935 in der Vereinszeitschrift inserieren.[1]
Am 27. März 1935 beschloss der FC Bayern einen sogenannten „Arierparagrafen“. Er schloss Menschen aus, die nach der rassistischen NS-Ideologie als „nichtarisch“ galten, ließ zunächst aber Ausnahmen zu, unter anderem für langjährige Mitglieder und Frontkämpfer des Ersten Weltkriegs. Im August 1935 wurde diese Regelung verschärft; nun entfielen die Ausnahmen. Nach Hofmann bestand zu diesem Zeitpunkt noch kein allgemeiner staatlicher Zwang, jüdische Mitglieder aus Sportvereinen auszuschließen. Gerade deshalb ist der Beschluss ein wichtiger Hinweis auf Eigeninitiative und Mitverantwortung der Vereinsgemeinschaft.[1]
Die Sprache der damaligen Satzung beruhte auf der pseudowissenschaftlichen und rassistischen Weltanschauung des Nationalsozialismus. Wenn historische Begriffe wie „Arierparagraf“ verwendet werden, müssen sie deshalb als Quellenbegriffe kenntlich gemacht und kritisch eingeordnet werden.
Folgen für die Betroffenen
Der Ausschluss aus einem Sportverein war mehr als eine organisatorische Maßnahme. Vereine waren soziale Räume, in denen Menschen Freundschaften pflegten, Anerkennung erhielten und am städtischen Leben teilnahmen. Die Verdrängung aus dem FC Bayern war deshalb Teil einer umfassenderen gesellschaftlichen Isolation jüdischer Münchnerinnen und Münchner.
Nach der IfZ-Studie flohen die meisten der früheren weit über hundert jüdischen Bayern-Mitglieder aus Deutschland. Mindestens 27 wurden ermordet; vier starben durch Suizid. Diese Zahlen beziehen sich auf den damaligen Forschungsstand und auf rekonstruierte Biografien. Die heute erweiterte Wanderausstellung des FC Bayern Museums spricht darüber hinaus von weit über hundert ehemaligen und aktiven Vereinsmitgliedern, die aus politischen Gründen fliehen mussten, deportiert oder ermordet wurden oder in den Suizid getrieben wurden. Diese beiden Angaben beziehen sich nicht auf exakt dieselbe Personengruppe und dürfen deshalb nicht einfach gleichgesetzt werden.[4]

Die zerstörte Ohel-Jakob-Synagoge in München nach den Novemberpogromen 1938 steht für die radikale Eskalation der antisemitischen Gewalt. Auch zahlreiche frühere und damalige FC-Bayern-Mitglieder wurden in diesen Tagen verfolgt und verhaftet.
Kurt Landauer: Verfolgung, Exil und Rückkehr
Haft im KZ Dachau
Nach den Novemberpogromen vom 9. und 10. November 1938 wurde Kurt Landauer am 10. November verhaftet und in das KZ Dachau verschleppt. Dort blieb er 33 Tage inhaftiert. Als ehemaliger Soldat des Ersten Weltkriegs wurde er wieder entlassen. Im Mai 1939 gelang ihm die Emigration in die Schweiz.[5]

Das Eingangstor des KZ Dachau erinnert an den Ort, an dem Landauer und zahlreiche weitere jüdische Münchner nach den Novemberpogromen inhaftiert wurden. Das Bild zeigt die Gedenkstätte Jahrzehnte später und ist deshalb keine Aufnahme aus Landauers Haftzeit.
Vier von Landauers sechs Geschwistern wurden in der Shoah ermordet. Seine eigene Flucht war deshalb kein „glückliches Ende“, sondern Überleben unter dem Verlust eines großen Teils seiner Familie und seiner bisherigen Lebenswelt.[3]
Der Beitrag von DW Deutsch zeigt, wie Fans und Initiativen Kurt Landauers Geschichte wieder stärker in das öffentliche Gedächtnis des Vereins zurückbrachten.
Exil in der Schweiz
Landauer lebte während des Krieges in der Schweiz. Aus seinem Briefwechsel mit Maria Baumann ist bekannt, wie sehr ihn die Trennung von München, die Sorge um Angehörige und die nationalsozialistische Verfolgung beschäftigten. Die 2021 veröffentlichte Edition des Jüdischen Museums München macht deutlich, dass Landauer nicht nur als Fußballfunktionär, sondern als Verfolgter mit persönlichen Beziehungen, Ängsten und Hoffnungen betrachtet werden muss.[3]
Eine bekannte Erzählung besagt, Bayern-Spieler hätten Landauer bei einem Freundschaftsspiel in der Schweiz 1943 demonstrativ auf der Tribüne begrüßt und damit der Gestapo getrotzt. Dass ein Spiel gegen eine Schweizer Auswahl stattfand und Landauer mit diesem Ereignis in Verbindung gebracht wurde, ist Teil der Überlieferung. Die spektakuläre Begrüßung ist jedoch durch zeitgenössische Quellen nicht eindeutig gesichert. Sie sollte deshalb nicht als bewiesener Beleg für einen vereinsweiten Widerstand verwendet werden.[6]
Rückkehr nach München
1947 kehrte Landauer nach München zurück. Im selben Jahr wurde er erneut zum Präsidenten des FC Bayern gewählt und blieb bis 1951 im Amt. Seine Rückkehr gehört zu den bemerkenswertesten Biografien der Nachkriegszeit: Ein Verfolgter des Nationalsozialismus übernahm erneut Verantwortung in einem Verein, der sich während der Diktatur an antisemitischen Ausschlüssen beteiligt hatte.
Die spätere Erinnerung an Landauer verlief jedoch nicht geradlinig. Über Jahrzehnte spielte seine jüdische Geschichte im öffentlichen Vereinsgedächtnis nur eine geringe Rolle. Erst seit den 2000er-Jahren trugen besonders engagierte Fans, Historiker, das Vereinsmuseum, das Jüdische Museum München und weitere Initiativen dazu bei, seine Biografie wieder stärker sichtbar zu machen.
In dieser Lesung des FC Bayern werden Briefe aus Landauers Korrespondenz mit Maria Baumann vorgestellt. Solche Ego-Dokumente sind wichtige historische Quellen, müssen aber ebenso quellenkritisch gelesen werden wie amtliche Akten.
Weitere Verfolgte aus dem Umfeld des FC Bayern
Otto Albert Beer
Otto Albert Beer war seit seiner Jugend Mitglied des FC Bayern und engagierte sich besonders im Nachwuchsbereich. Nach den Novemberpogromen wurde auch er am 10. November 1938 in das KZ Dachau verschleppt und nach 33 Tagen entlassen. Seine Versuche, mit seiner Familie nach Kenia, Rhodesien oder Neuseeland auszuwandern, scheiterten. Am 20. November 1941 wurden Otto Beer, seine Frau Nelly und ihre beiden Söhne aus München nach Kaunas deportiert. Am 25. November 1941 wurden sie dort ermordet.[2]
Die Biografie Beers macht sichtbar, dass die Geschichte des FC Bayern im Nationalsozialismus nicht auf Kurt Landauer reduziert werden darf. Hinter abstrakten Zahlen stehen individuelle Lebenswege, Familien und zerstörte Zukunftsmöglichkeiten.
Walter Stark und Willy Buisson
Der jüdische Jugendspieler Walter Stark wehrte sich gegen antisemitische Beleidigungen und floh 1935 über Großbritannien in die USA. Sein Lebensweg zeigt, dass Verfolgte eigene Entscheidungen trafen und Handlungsmöglichkeiten suchten, auch wenn diese unter ständig wachsendem Zwang standen.[1]
Der Sozialdemokrat Willy Buisson gehörte nicht zu den jüdischen Opfern. Er hatte sich bereits vor 1933 gegen Nationalsozialisten gestellt, ging ins Exil und beteiligte sich am Widerstand. 1940 wurde er wegen angeblichen Landesverrats zum Tode verurteilt und in Berlin-Plötzensee hingerichtet. Seine Biografie erweitert den Blick auf die politische Verfolgung jenseits des antisemitischen Terrors.[1]
Der Verein im nationalsozialistischen System
Funktionäre und NSDAP-Mitgliedschaften
Die IfZ-Untersuchung überprüfte 119 Funktionäre und Spieler genauer. Rund 35 Prozent dieser Stichprobe gehörten irgendwann der NSDAP an. Betrachtet man nur die Vereinsführung zwischen 1933 und 1945, waren nach dem damaligen Forschungsstand 53 Prozent der Funktionäre Parteimitglieder. Unter 31 untersuchten aktiven Spielern waren dagegen nur drei NSDAP-Mitglieder.[1]
Solche Zahlen dürfen nicht mechanisch als moralische Rangliste gelesen werden. Eine Parteimitgliedschaft ist ein wichtiger Hinweis auf politische Positionierung, beweist aber nicht automatisch eine Beteiligung an konkreten Verbrechen. Umgekehrt konnten Menschen auch ohne Parteibuch antisemitisch handeln oder von Verfolgung profitieren. Historische Urteile benötigen deshalb biografische und institutionelle Zusammenhänge.
Bereits seit 1930 saß mit August Harlacher ein NSDAP-Mitglied im Vorstand. Während der Diktatur waren mehrere Funktionäre tief in nationalsozialistische Strukturen eingebunden. Der „Dietwart“ Theodor Slipek arbeitete hauptamtlich für die SS. Der zeitweilige „Vereinsführer“ Josef Kellner machte Karriere in der Verwaltung des besetzten beziehungsweise annektierten „Sudetengaus“ und war dort an Unterdrückung und Verfolgung beteiligt. Andere Vereinsangehörige profitierten von der sogenannten Arisierung, also der erzwungenen Verdrängung jüdischer Eigentümer aus der Wirtschaft.[1]
Handlungsspielräume und Gegenbeispiele
Neben Anpassung und Beteiligung gab es einzelne Gegenbeispiele. Franz Herzing hielt bis zu Landauers Flucht 1939 an der Freundschaft mit ihm fest. Siegfried Herrmann trat 1933/34 offenbar besonders radikalen Antisemiten im Verein entgegen. Willy Buisson ging in den politischen Widerstand. Solche Fälle sind historisch wichtig, weil sie zeigen, dass Menschen Handlungsspielräume hatten. Gerade deshalb entschuldigen sie das verbreitete Mitmachen nicht: Wenn einzelne Personen anders handeln konnten, wird die Verantwortung jener sichtbarer, die Ausgrenzung unterstützten oder vorantrieben.[1]
Fußball im Krieg und die „Volksgemeinschaft“
Der FC Bayern setzte seinen Spielbetrieb im Zweiten Weltkrieg unter schwierigen Bedingungen fort. Der Verein gewann 1944 und 1945 regionale Gauliga-Meisterschaften. Diese sportliche Stabilität ist kein Beleg dafür, dass der Club vom Regime besonders bevorzugt wurde, aber ebenso wenig passt sie zu der Vorstellung eines systematisch unterdrückten Vereins.[1]
Besonders aufschlussreich ist ein Detail aus dem Kriegsalltag: Für einige Heimspiele ab 1940/41 wurden Kriegsgefangene zum Schneeräumen im Stadion eingesetzt. Hier verbindet sich die scheinbar normale Freizeitwelt des Fußballs direkt mit der Zwangs- und Ausbeutungsordnung des Krieges. Die Forschung benutzt solche Beispiele, um den Begriff der nationalsozialistischen Volksgemeinschaft zu erklären: Zugehörigkeit und Versorgung bestimmter Deutscher standen neben Ausschluss, Zwang und Gewalt gegenüber anderen.[1]
Vereinsmythen und historische Prüfung
Was ist ein Vereinsmythos?
Ein Mythos im geschichtswissenschaftlichen Sinn muss nicht vollständig erfunden sein. Oft besteht er aus realen Ereignissen, die ausgewählt, vereinfacht und zu einer identitätsstiftenden Geschichte verbunden werden. Vereinsmythen können Stolz erzeugen und Erinnerung strukturieren. Problematisch werden sie, wenn widersprechende Quellen ausgeblendet oder ungesicherte Erzählungen als Tatsachen behandelt werden.
Der Sporthistoriker Markwart Herzog kritisierte besonders die frühere Darstellung, der FC Bayern sei im Nationalsozialismus vor allem Opfer gewesen und habe eine außergewöhnlich „heroische“ Geschichte geschrieben. Seine Arbeiten seit 2017 führten zu einer intensiven Debatte über Vereinsgeschichte, Marketing und Erinnerungskultur.[7]
Mythos 1: Der FC Bayern als systematisch verfolgter Verein
Ältere Darstellungen erklärten sportliche und organisatorische Probleme des FC Bayern teilweise damit, dass das NS-Regime den Verein wegen seiner jüdischen Vergangenheit gezielt benachteiligt habe. Die umfassende IfZ-Studie fand für eine systematische, vom Regime beabsichtigte Benachteiligung des Vereins keine überzeugenden Belege. Münchner NS-Funktionäre und die lokale Presse begegneten dem FC Bayern teilweise sogar wohlwollend, und einzelne Spieler erhielten Unterstützung durch kommunale Netzwerke.[1]
Das bedeutet nicht, dass die Verfolgung jüdischer Vereinsmitglieder gering gewesen wäre. Im Gegenteil: Sie war existenziell und mörderisch. Historisch muss aber zwischen der Verfolgung von Menschen und der behaupteten systematischen Verfolgung des Vereins als Institution unterschieden werden.
Mythos 2: Der „Judenklub“ als gesicherte zeitgenössische Bezeichnung
Der FC Bayern hatte einen ungewöhnlich hohen Anteil jüdischer Mitglieder und war wahrscheinlich in Teilen der Münchner Öffentlichkeit als „jüdisch“ konnotiert. Die prägnante Bezeichnung „Judenklub“ lässt sich nach Hofmann für die Zeit vor 1945 jedoch nicht als feste zeitgenössische Bezeichnung des FC Bayern belegen. Außerdem hatten auch andere Vereine wie Eintracht Frankfurt oder der 1. FC Nürnberg bedeutende jüdische Mitgliederanteile.[1]
Wenn eine Bezeichnung in späteren Erinnerungen häufig vorkommt, ist das noch kein Beweis dafür, dass sie in derselben Form bereits zeitgenössisch verbreitet war. Genau hier beginnt Quellenkritik.
Mythos 3: Der Verein habe jüdische Mitglieder bis zuletzt geschützt
Es stimmt, dass einzelne jüdische Mitglieder beim FC Bayern länger sichtbar blieben als in manchen anderen süddeutschen Vereinen. Noch 1934 und 1935 finden sich öffentliche Hinweise auf jüdische Vereinsangehörige. Daraus folgt jedoch nicht, dass der Verein ihre Mitgliedschaft dauerhaft verteidigte. 1935 beschlossen die Mitglieder selbst antisemitische Satzungsbestimmungen, die schließlich keine Ausnahmen mehr zuließen.[1]
Historisch angemessen ist deshalb die Formulierung: Der Ausschluss erfolgte beim FC Bayern teilweise später und widersprüchlicher als bei manchen anderen Vereinen, aber er erfolgte dennoch durch Entscheidungen der Vereinsgemeinschaft.
Mythos 4: Die Begrüßung Landauers 1943 als bewiesener Widerstandsakt
Die Geschichte einer demonstrativen Begrüßung Landauers durch Bayern-Spieler bei einem Schweiz-Spiel ist emotional stark und wurde häufig weitererzählt. Für die konkrete Szene fehlen jedoch eindeutige zeitgenössische Belege. Sie darf deshalb nicht als sicherer Beweis eines organisierten Widerstands des Vereins dienen.[6]
Eine historisch saubere Darstellung unterscheidet zwischen einem möglichen Ereignis, späterer Erinnerung und gesichertem Quellenbefund.
Aktuelle historische Forschung
Vom Wiederentdecken Landauers zur umfassenden Vereinsgeschichte
Seit den 2000er-Jahren trugen besonders engagierte Fans dazu bei, Kurt Landauers Biografie und die jüdische Geschichte des FC Bayern wieder stärker bekannt zu machen. Später entstanden Ausstellungen, Gedenkprojekte und wissenschaftliche Arbeiten. Dietrich Schulze-Marmeling legte wichtige Studien zur jüdischen Geschichte des Vereins vor. Markwart Herzog kritisierte daraufhin eine zu heroische Vereinselbstdarstellung und wies auf bislang wenig beachtete nationalsozialistische Verbindungen hin.
2017 beauftragte der FC Bayern das Institut für Zeitgeschichte München–Berlin mit einer umfassenden Untersuchung. Das Projekt wurde als Dissertation von Gregor Hofmann durchgeführt und nach mehrjähriger Forschung abgeschlossen. 2022 erschien die Monografie Mitspieler der „Volksgemeinschaft“. Die Studie nutzt Vereinsakten, Clubnachrichten, Personalunterlagen, NSDAP-Mitgliedskarten, Entnazifizierungsakten, Pressequellen und biografisches Material und ordnet den FC Bayern vergleichend in die Geschichte des deutschen Fußballs ein.[8]
Das zentrale Ergebnis lautet nicht, dass „alles frühere falsch“ gewesen sei. Vielmehr werden einige reale Besonderheiten bestätigt und zugleich überhöhte Deutungen korrigiert: Der hohe Anteil jüdischer Mitglieder war charakteristisch. Das Miteinander verschwand 1933 nicht sofort. Gleichzeitig beteiligte sich der Verein früh an der Gleichschaltung, beschloss antisemitische Ausschlüsse und verfügte über zahlreiche NSDAP-Mitglieder in der Führung. Die Regel war nicht organisierter Widerstand, sondern weitgehendes Mitmachen; individuelle Abweichungen zeigen jedoch vorhandene Handlungsspielräume.[1]
Erinnerungskultur heute
Die aktuelle Wanderausstellung des FC Bayern Museums trägt den Untertitel „Opfer, Mitläufer, Täter“. Schon diese drei Begriffe markieren einen Wandel der Erinnerungskultur: Statt nur an berühmte Opfer oder mutige Ausnahmen zu erinnern, werden auch Beteiligung, Anpassung und Täterschaft innerhalb des Vereins thematisiert.[4]

Die Gedenktafel für Kurt Landauer vor der Allianz Arena ist ein Beispiel dafür, wie der Verein heute an einen lange wenig beachteten Teil seiner Geschichte erinnert.
Erinnerungskultur und Forschung erfüllen unterschiedliche Aufgaben. Gedenken kann Menschen würdigen und Verantwortung sichtbar machen. Forschung muss darüber hinaus widersprüchliche Quellen prüfen, Unsicherheiten benennen und auch Ergebnisse veröffentlichen, die nicht zu einer positiven Selbstdarstellung passen.
Wie Historikerinnen und Historiker arbeiten
Bei diesem Thema ist besonders wichtig, unterschiedliche Quellengattungen zu vergleichen. Vereinszeitungen zeigen, wie der FC Bayern öffentlich kommunizierte. Mitgliederlisten können Austritte und Ausschlüsse sichtbar machen. NSDAP-Karteien und Personalakten helfen, politische Biografien zu rekonstruieren. Entnazifizierungsakten enthalten oft Selbstrechtfertigungen und müssen deshalb besonders kritisch gelesen werden. Briefe wie jene Kurt Landauers eröffnen persönliche Perspektiven. Deportationslisten und Gedenkbücher dokumentieren Verfolgungswege. Zeitungsberichte und spätere Erinnerungen können ein Ereignis unterschiedlich schildern.
Eine gute historische Aussage beantwortet deshalb vier Fragen: Wer hat die Quelle erstellt? Wann entstand sie? Welchen Zweck hatte sie? Welche anderen Quellen bestätigen oder widersprechen ihr?
Zeitleiste
| Zeitpunkt | Ereignis | Historische Bedeutung |
|---|---|---|
| 1932 | FC Bayern wird erstmals Deutscher Meister. | Höhepunkt der sportlichen Entwicklung unter Präsident Kurt Landauer. |
| 30. Januar 1933 | Hitler wird Reichskanzler. | Beginn der nationalsozialistischen Diktatur und beschleunigte Ausgrenzung jüdischer Menschen. |
| 22. März 1933 | Kurt Landauer tritt als Präsident zurück. | Jüdische Funktionäre verlieren unter dem neuen Regime ihre bisherigen Handlungsmöglichkeiten. |
| 9. April 1933 | Beteiligung an der „Stuttgarter Erklärung“. | Der Verein signalisiert öffentlich Anpassung an die antisemitische neue Ordnung. |
| 12. April 1933 | Reorganisation nach dem Führerprinzip. | Institutionelle Gleichschaltung des Vereins. |
| 27. März 1935 | Erster sogenannter „Arierparagraf“. | Jüdische Mitglieder werden satzungsmäßig ausgeschlossen; zunächst bestehen Ausnahmen. |
| August 1935 | Verschärfung des „Arierparagrafen“. | Die Ausnahmen werden beseitigt. |
| 10. November 1938 | Kurt Landauer und weitere jüdische Bayern-Mitglieder werden nach den Novemberpogromen verhaftet. | Der antisemitische Terror eskaliert zur offenen Massengewalt. |
| Mai 1939 | Landauer emigriert in die Schweiz. | Flucht vor weiterer Verfolgung. |
| 20. November 1941 | Otto Beer und seine Familie werden aus München deportiert. | Fünf Tage später werden sie in Kaunas ermordet. |
| 1947 | Landauer kehrt nach München zurück und wird erneut Präsident. | Ein Verfolgter übernimmt Verantwortung beim Wiederaufbau des Vereins. |
| 2017 | FC Bayern beauftragt das Institut für Zeitgeschichte mit einer umfassenden Studie. | Beginn einer systematischen wissenschaftlichen Neubewertung. |
| 2022 | Gregor Hofmann veröffentlicht Mitspieler der „Volksgemeinschaft“. | Die Forschung korrigiert vereinfachte Opfer- und Heldenerzählungen. |
Quellen und Literatur
- Gregor Hofmann: Mitspieler der „Volksgemeinschaft“. Der FC Bayern und der Nationalsozialismus. Wallstein, Göttingen 2022.
- Markwart Herzog: FC Bayern Munich as a ‘victim’ of National Socialism? Construction and critique of a ‘heroic myth’. In: Sport in History 41/1, 2021.
- Dietrich Schulze-Marmeling: Der FC Bayern, seine Juden und die Nazis. Verlag Die Werkstatt, Göttingen, 3. Auflage 2017.
- Jüdisches Museum München: Kurt Landauer – Der Präsident des FC Bayern. Lebensbericht und Briefwechsel mit Maria Baumann. 2021.
- Institut für Zeitgeschichte: Zusammenfassung der Studie „Der FC Bayern und der Nationalsozialismus“
- Historisches Lexikon Bayerns: FC Bayern München
- FC Bayern Museum: Der FC Bayern München im Nationalsozialismus. Opfer, Mitläufer, Täter
- Kurt Landauer Stiftung: Gedenkbuch der verfolgten FC-Bayern-Mitglieder
- ↑ 1,00 1,01 1,02 1,03 1,04 1,05 1,06 1,07 1,08 1,09 1,10 1,11 1,12 1,13 1,14 1,15 1,16 1,17 1,18 1,19 Gregor Hofmann: Mitspieler der „Volksgemeinschaft“. Der FC Bayern und der Nationalsozialismus. Wallstein, Göttingen 2022. Zusammenfassung des Forschungsprojekts des Instituts für Zeitgeschichte: Der FC Bayern und der Nationalsozialismus.
- ↑ 2,0 2,1 Stadt München, Gedenkbuch für die Münchner Opfer der nationalsozialistischen Judenverfolgung: Otto Albert Beer.
- ↑ 3,0 3,1 3,2 3,3 Jüdisches Museum München: Kurt Landauer – Der Präsident des FC Bayern. Lebensbericht und Briefwechsel mit Maria Baumann.
- ↑ 4,0 4,1 FC Bayern Museum: Der FC Bayern München im Nationalsozialismus. Opfer, Mitläufer, Täter.
- ↑ FC Bayern München: Kurt Landauer.
- ↑ 6,0 6,1 Bundeszentrale für politische Bildung / Shared History: Film von FC Bayern vs. Eintracht Frankfurt, Meisterschaftsfinale 1932.
- ↑ Markwart Herzog: FC Bayern Munich as a ‘victim’ of National Socialism? Construction and critique of a ‘heroic myth’, in: Sport in History, 41/1, 2021, S. 131–152. DOI.
- ↑ FC Bayern München: IfZ-Projekt zum Vereinsleben des FC Bayern während der NS-Diktatur.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Warum trat Kurt Landauer im März 1933 als Präsident des FC Bayern zurück? (Weil seine jüdische Herkunft unter der nationalsozialistischen Herrschaft seine weitere Amtsführung unmöglich machte) (!Weil der Verein 1932 die Meisterschaft verloren hatte) (!Weil er Trainer der Mannschaft werden wollte) (!Weil er bereits 1933 dauerhaft in die Schweiz ausgewandert war)
Was zeigt die Stuttgarter Erklärung von April 1933 für die Geschichte des FC Bayern? (Der Verein beteiligte sich früh an der Anpassung an die antisemitische neue Ordnung) (!Der Verein verbot jede Zusammenarbeit mit nationalsozialistischen Organisationen) (!Der Verein setzte Kurt Landauer wieder als Präsidenten ein) (!Der Verein erklärte sich zum politischen Widerstandsverband)
Was geschah beim FC Bayern im April 1933 institutionell? (Der Verein wurde nach dem Führerprinzip reorganisiert) (!Der Verein löste sich vollständig auf) (!Der Verein trat aus allen Fußballverbänden aus) (!Der Verein wurde von Kurt Landauer aus dem Schweizer Exil geleitet)
Was ist an den sogenannten Arierparagrafen des FC Bayern von 1935 historisch besonders wichtig? (Sie zeigen eine aktive Beteiligung der Vereinsgemeinschaft an antisemitischer Ausgrenzung) (!Sie nahmen alle jüdischen Mitglieder dauerhaft vom Ausschluss aus) (!Sie wurden erst nach Kriegsende beschlossen) (!Sie betrafen ausschließlich ausländische Spieler)
Wie lange war Kurt Landauer nach den Novemberpogromen 1938 im KZ Dachau inhaftiert? (33 Tage) (!Drei Tage) (!Drei Jahre) (!Bis zum Kriegsende)
Was geschah mit Otto Albert Beer und seiner Familie 1941? (Sie wurden nach Kaunas deportiert und ermordet) (!Sie wurden in die Schweiz eingebürgert) (!Sie übernahmen die Vereinsführung) (!Sie kehrten nach München zurück)
Welches Ergebnis nennt die IfZ-Studie für die Vereinsführung zwischen 1933 und 1945? (53 Prozent der untersuchten Funktionäre in der Vereinsführung waren NSDAP-Mitglieder) (!Kein einziger Funktionär war NSDAP-Mitglied) (!Alle aktiven Spieler waren NSDAP-Mitglieder) (!Der gesamte Verein wurde 1933 Mitglied der NSDAP)
Warum ist die Geschichte von der demonstrativen Begrüßung Landauers 1943 quellenkritisch problematisch? (Die konkrete Szene ist nicht eindeutig durch zeitgenössische Quellen gesichert) (!Es gab Kurt Landauer zu diesem Zeitpunkt nicht mehr) (!Fußballspiele waren 1943 weltweit verboten) (!Der FC Bayern hatte 1943 keine Mannschaft)
Was versteht die Forschung unter einem Vereinsmythos? (Eine identitätsstiftende Erzählung, die reale Ereignisse vereinfachen oder überhöhen kann) (!Eine grundsätzlich frei erfundene Geschichte ohne jeden Bezug zur Vergangenheit) (!Eine amtliche Vereinsstatistik) (!Eine Satzungsbestimmung des Fußballverbands)
Welche Aussage entspricht dem aktuellen Forschungsstand am besten? (Der FC Bayern zeigte Anpassung, Beteiligung, Verfolgungsgeschichte und einzelne Gegenbeispiele zugleich) (!Der FC Bayern war geschlossen ein Widerstandsverein) (!Der FC Bayern war geschlossen eine nationalsozialistische Organisation) (!Die Geschichte des Vereins zwischen 1933 und 1945 ist vollständig unbekannt)
Memory
| Kurt Landauer | Präsident, Verfolgter und Emigrant |
| Otto Albert Beer | Jugendfunktionär, 1941 in Kaunas ermordet |
| Stuttgarter Erklärung | Antisemitische Anpassungserklärung vom April 1933 |
| Führerprinzip | Hierarchische Organisationsform der Gleichschaltung |
| Arierparagraf | Rassistische Ausschlussregel in der Vereinssatzung |
| Gregor Hofmann | Autor der umfassenden IfZ-Studie |
| Quellenkritik | Prüfung von Entstehung, Zweck und Aussagekraft historischer Quellen |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Kurt Landauer | Rücktritt 1933, KZ-Haft 1938, Exil und Rückkehr 1947 |
| Otto Albert Beer | Jüdischer Jugendfunktionär und Opfer des Massenmords in Kaunas |
| Gleichschaltung | Anpassung des Vereins an die politische und organisatorische Ordnung der Diktatur |
| Vereinsmythos | Identitätsstiftende Erzählung, die historische Widersprüche vereinfachen kann |
| Institut für Zeitgeschichte | Forschungseinrichtung der umfassenden neueren Studie zum FC Bayern in der NS-Zeit |
Kreuzworträtsel
| Landauer | Welcher frühere Präsident des FC Bayern wurde 1938 im KZ Dachau inhaftiert? |
| Gleichschaltung | Wie heißt die Unterwerfung gesellschaftlicher Organisationen unter die NS-Herrschaft? |
| Dachau | In welchem Konzentrationslager war Kurt Landauer 1938 inhaftiert? |
| Kaunas | In welcher Stadt wurden Otto Beer und seine Familie 1941 ermordet? |
| Antisemitismus | Wie heißt die Feindschaft gegen Jüdinnen und Juden? |
| Quellenkritik | Wie heißt die methodische Prüfung historischer Überlieferungen? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Biografie-Plakat: Gestalte eine Zeitleiste zu Kurt Landauer. Markiere sportliche Erfolge, Verfolgung, Exil und Rückkehr in unterschiedlichen Bereichen und notiere zu jedem Punkt eine überprüfbare Quelle.
- Begriffsarbeit: Erkläre in einem kurzen Text, warum der Ausschluss aus einem Sportverein Teil gesellschaftlicher Ausgrenzung sein konnte.
- Quellencheck: Vergleiche zwei Darstellungen über den FC Bayern in der NS-Zeit und markiere Aussagen, die als Fakt, Deutung oder Erinnerung erkennbar sind.
- Gedenkort: Recherchiere die Kurt-Landauer-Gedenktafel oder einen anderen Erinnerungsort in München und erkläre, welche Botschaft er heute vermittelt.
Standard
- Biografische Recherche: Erstelle ein digitales Kurzporträt Otto Beers und verbinde seine Vereinsgeschichte mit der Verfolgung seiner Familie.
- Vereinsanalyse: Untersuche, welche Schritte zwischen März und August 1935 zeigen, dass Gleichschaltung nicht nur von staatlichem Zwang, sondern auch von Eigeninitiative getragen wurde.
- Mythenwerkstatt: Wähle eine verbreitete Erzählung über den FC Bayern im Nationalsozialismus und erstelle eine Tabelle mit „Behauptung“, „Quelle“, „Gegenquelle“ und „Urteil“.
- Interviewprojekt: Entwickle Fragen für ein Interview mit einer Historikerin, einem Historiker oder einer Person aus der heutigen Erinnerungskultur des Fußballs. Die Fragen sollen auf Quellen, Unsicherheiten und Verantwortung zielen.
Schwer
- Forschungsdossier: Rekonstruiere anhand mehrerer Quellengattungen die Entwicklung vom Landauer-Rücktritt bis zum verschärften Ausschluss jüdischer Mitglieder im August 1935.
- Vereinsvergleich: Vergleiche den FC Bayern mit einem anderen deutschen Fußballverein in der NS-Zeit. Untersuche jüdische Mitglieder, Gleichschaltung, NSDAP-Verflechtungen und spätere Erinnerungskultur.
- Ausstellungskonzept: Entwirf fünf Tafeln für eine kleine Schulausstellung mit dem Titel „Opfer, Mitläufer, Täter beim FC Bayern“. Begründe Auswahl, Reihenfolge und Quellen.
- Debattenanalyse: Analysiere, wie sich die Darstellung des FC Bayern im Nationalsozialismus seit etwa 2000 verändert hat. Beziehe Faninitiativen, Vereinsmuseum, Markwart Herzogs Kritik und Gregor Hofmanns Forschung ein.


Lernkontrolle
- Quellenurteil: Eine Vereinschronik bezeichnet den FC Bayern als „systematisch verfolgten Judenklub“. Formuliere ein historisches Prüfprogramm: Welche Quellen würdest Du benötigen, welche Gegenhypothesen würdest Du testen und welche Begriffe müssten geklärt werden?
- Handlungsspielräume: Erkläre anhand der Jahre 1933 bis 1935, warum der Begriff „Gleichschaltung“ beim FC Bayern sowohl staatlichen Druck als auch vereinsinterne Eigeninitiative berücksichtigen muss.
- Mythos und Gedenken: Beurteile die Aussage: „Wenn eine Vereinslegende moralisch vorbildlich ist, muss ihre historische Genauigkeit nicht so wichtig sein.“ Entwickle eine begründete Position.
- Biografie und Institution: Zeige, warum Landauers persönliche Verfolgungsgeschichte nicht automatisch beweist, dass der FC Bayern als Institution insgesamt Widerstand leistete.
- Volksgemeinschaft: Erkläre am Beispiel des Einsatzes von Kriegsgefangenen zum Schneeräumen, wie Freizeit, Privilegien und Ausbeutung im nationalsozialistischen Alltag miteinander verbunden sein konnten.
- Forschungsfortschritt: Beschreibe, wie neue Quellen und neue Fragestellungen ältere Deutungen verändern können, ohne dass deshalb alle früheren Forschungsergebnisse wertlos werden.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du nicht nur Daten nennst, sondern historische Zusammenhänge erklären und unterschiedliche Ebenen auseinanderhalten kannst.
- Du kannst die Rolle Kurt Landauers vor, während und nach der NS-Zeit historisch einordnen.
- Du kannst die Verfolgung jüdischer Mitglieder an mehreren Biografien erläutern.
- Du kannst erklären, wie die Gleichschaltung des Vereins verlief und wo eigene Handlungsspielräume bestanden.
- Du kannst zwischen individueller Verfolgung und der institutionellen Rolle des Vereins unterscheiden.
- Du kannst die Bedeutung der „Stuttgarter Erklärung“ und der sogenannten „Arierparagrafen“ bewerten.
- Du kannst Vereinsmythen als Gegenstand von Erinnerungskultur und Quellenkritik untersuchen.
- Du kannst den Forschungsstreit zwischen älteren heroischen Deutungen, kritischen Einwänden und der umfassenden IfZ-Studie zusammenfassen.
- Du kannst historische Aussagen mit Quellen belegen und Unsicherheiten ausdrücklich benennen.
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