Der Ausbildungsvertrag - Handwerk


Der Ausbildungsvertrag - Handwerk
Der Ausbildungsvertrag - Handwerk

Einleitung
Der Berufsausbildungsvertrag ist die rechtliche Grundlage Deiner dualen Ausbildung im Handwerk. Er verbindet den Ausbildungsbetrieb und Dich als auszubildende Person. Im Handwerk wird das Ausbildungsverhältnis zusätzlich in die Lehrlingsrolle der zuständigen Handwerkskammer eingetragen.
Dieser aiMOOC zeigt Dir kurz und praxisnah, was im Vertrag stehen muss, welche Rechte und Pflichten gelten und welche Punkte Du vor dem Ausbildungsstart prüfen solltest. Rechtsgrundlagen sind vor allem das Berufsbildungsgesetz und die Handwerksordnung. Rechtsstand: Juli 2026.

Lernziele
Nach diesem aiMOOC kannst Du einen Ausbildungsvertrag systematisch prüfen, Rechte und Pflichten zuordnen, die Rolle der Handwerkskammer erklären und bei Problemen geeignete Ansprechpartner benennen.
Vertrag und duale Ausbildung
Mit dem Vertrag verpflichtet sich der Betrieb, Dir die berufliche Handlungsfähigkeit für einen anerkannten Ausbildungsberuf zu vermitteln. Du verpflichtest Dich, aktiv zu lernen und an den vorgesehenen Ausbildungsmaßnahmen teilzunehmen.
Die Ausbildung findet vor allem an diesen Lernorten statt:
| Lernort | Aufgabe |
|---|---|
| Ausbildungsbetrieb | Praktische Fertigkeiten, Kundenaufträge, Werkzeuge, Maschinen und Arbeitsabläufe |
| Berufsschule | Fachtheorie, Wirtschafts- und Sozialkunde sowie allgemeinbildende Inhalte |
| Überbetriebliche Lehrlingsunterweisung | Ergänzende praktische Inhalte, die nicht jeder Betrieb vollständig vermitteln kann |

Wer schließt den Vertrag?
Vertragspartner sind der Ausbildungsbetrieb und die auszubildende Person. Bei Minderjährigen werden zusätzlich die gesetzlichen Vertreterinnen oder Vertreter einbezogen. Ausbildender und Ausbilder sind nicht immer dieselbe Person: Der Betrieb schließt den Vertrag, während eine fachlich und persönlich geeignete Person die Ausbildung praktisch durchführen kann.
Textform und digitale Übermittlung
Der wesentliche Vertragsinhalt muss spätestens vor Beginn der Ausbildung in Textform vorliegen. Eine elektronische Übermittlung ist möglich, wenn Du das Dokument speichern und ausdrucken kannst. Der Betrieb muss den Empfang nachweisen. Änderungen wesentlicher Vertragsinhalte müssen ebenfalls dokumentiert werden.
Was muss im Ausbildungsvertrag stehen?
| Prüffeld | Vertragsinhalt |
|---|---|
| Vertragspartner | Namen und Anschriften; bei Minderjährigen zusätzlich die gesetzlichen Vertretungen |
| Ausbildungsberuf | Art, Ziel sowie sachliche und zeitliche Gliederung der Ausbildung |
| Zeitraum | Beginn und Dauer der Ausbildung |
| Lernorte | Ausbildungsstätte und Maßnahmen außerhalb des Betriebs |
| Arbeitszeit | Regelmäßige tägliche Ausbildungszeit |
| Probezeit | Mindestens ein Monat und höchstens vier Monate |
| Vergütung | Höhe, Zahlung, Bestandteile sowie Ausgleich oder Bezahlung von Überstunden |
| Urlaub | Zahl der Urlaubstage |
| Kündigung | Voraussetzungen für die Beendigung des Vertrags |
| Regelwerke | Hinweise auf geltende Tarifverträge sowie Betriebs- oder Dienstvereinbarungen |
| Ausbildungsnachweis | Vereinbarte Form des Berichtshefts |
Dein Vertragscheck vor dem Start
- Ausbildungsberuf: Stimmen Berufsbezeichnung, Fachrichtung und Schwerpunkt?
- Ausbildungsplan: Sind Inhalte und zeitlicher Ablauf nachvollziehbar?
- Ausbildungsvergütung: Stimmen Beträge für jedes Ausbildungsjahr?
- Arbeitszeit: Sind tägliche Zeit, Pausen und mögliche Überstunden geregelt?
- Urlaub: Entspricht der Anspruch dem Gesetz oder einem günstigeren Tarifvertrag?
- Probezeit: Liegt sie zwischen einem und vier Monaten?
- Berufsschule: Sind Freistellung und Lernorte geklärt?
- Ansprechpartner: Kennst Du Ausbilder, Betriebsleitung und Ausbildungsberatung?
Besonderheit im Handwerk: Lehrlingsrolle
Der Betrieb muss nach Abschluss des Vertrags die Eintragung in die Lehrlingsrolle beantragen. Dazu werden der Handwerkskammer unter anderem die Vertragsabfassung und der Empfangsnachweis übermittelt. Die Kammer prüft, ob Vertrag, Betrieb und Ausbildung grundsätzlich den rechtlichen Anforderungen entsprechen.

Aufgaben der Handwerkskammer
| Bereich | Bedeutung für Dich |
|---|---|
| Lehrlingsrolle | Erfassung des Berufsausbildungsverhältnisses |
| Ausbildungsberatung | Hilfe bei Fragen oder Konflikten |
| Überwachung | Prüfung der Eignung von Betrieb, Ausbildern und Ausbildungsstätte |
| Prüfungswesen | Organisation oder Begleitung von Zwischen-, Gesellen- und Abschlussprüfungen |
Rechte und Pflichten
Deine wichtigsten Pflichten
Du sollst die berufliche Handlungsfähigkeit erwerben, übertragene Ausbildungsaufgaben sorgfältig ausführen, Weisungen im Rahmen der Ausbildung beachten, Betriebsordnung und Sicherheitsregeln einhalten, Werkzeuge pfleglich behandeln, Betriebsgeheimnisse wahren und den Ausbildungsnachweis führen.
Pflichten des Ausbildungsbetriebs
Der Betrieb muss planmäßig ausbilden, geeignete Ausbilder einsetzen, erforderliche Ausbildungsmittel kostenlos bereitstellen, Dich für Berufsschule, Prüfungen und vereinbarte außerbetriebliche Maßnahmen freistellen, nur ausbildungsbezogene Aufgaben übertragen, Deine Sicherheit schützen und eine angemessene Vergütung zahlen.
Berichtsheft und Ausbildungsnachweis
Im Berichtsheft dokumentierst Du Tätigkeiten, Unterweisungen und Lerninhalte. Der Betrieb muss Dir Gelegenheit geben, den Ausbildungsnachweis am Arbeitsplatz zu führen, und ihn regelmäßig kontrollieren. Ein ordnungsgemäßer Ausbildungsnachweis ist für die Prüfungszulassung wichtig.

Ausbildungsvergütung
Die Vergütung muss angemessen sein und mit jedem Ausbildungsjahr steigen. Tarifverträge können die konkrete Höhe bestimmen.
Für Ausbildungen, die zwischen dem 1. Januar und dem 31. Dezember 2026 beginnen, gelten grundsätzlich folgende monatliche gesetzliche Mindestbeträge:
| Ausbildungsjahr | Mindestvergütung bei Ausbildungsbeginn 2026 |
|---|---|
| Erstes Ausbildungsjahr | 724 Euro |
| Zweites Ausbildungsjahr | 854 Euro |
| Drittes Ausbildungsjahr | 977 Euro |
| Viertes Ausbildungsjahr | 1.014 Euro |
Prüfe zusätzlich den Tarifvertrag für Dein Gewerk und Deine Region. Tarifrechtliche Sonderregeln können maßgeblich sein.
Arbeitszeit, Urlaub und Überstunden
Die regelmäßige tägliche Ausbildungszeit und der Urlaub stehen im Vertrag. Für Minderjährige gelten zusätzliche Schutzregeln des Jugendarbeitsschutzgesetzes. Berufsschulzeiten werden nach den gesetzlichen Regeln auf die Ausbildungszeit angerechnet.
Überstunden dürfen nicht zum Dauerzustand werden. Sie müssen dem Ausbildungszweck dienen und durch Freizeit oder zusätzliche Vergütung ausgeglichen werden.
Probezeit, Kündigung und Ende
Die Probezeit dauert mindestens einen und höchstens vier Monate. Während dieser Zeit kann das Ausbildungsverhältnis jederzeit ohne Kündigungsfrist beendet werden. Die Kündigung muss schriftlich erfolgen.
Nach der Probezeit ist eine fristlose Kündigung nur aus wichtigem Grund möglich. Du kannst außerdem mit einer Frist von vier Wochen kündigen, wenn Du die Berufsausbildung aufgibst oder Dich für eine andere Berufstätigkeit ausbilden lassen willst.
Das Ausbildungsverhältnis endet normalerweise mit Ablauf der vereinbarten Ausbildungsdauer. Bestehst Du die Abschluss- oder Gesellenprüfung früher, endet es mit Bekanntgabe des Ergebnisses. Bei nicht bestandener Prüfung kann es auf Deinen Antrag bis zur nächsten Wiederholungsprüfung verlängert werden, höchstens um ein Jahr.
Verkürzung und Verlängerung
Eine Verkürzung kann möglich sein, wenn das Ausbildungsziel voraussichtlich früher erreicht wird. Eine Verlängerung kommt etwa in Betracht, wenn sie notwendig ist, um das Ausbildungsziel zu erreichen. Entscheidungen trifft die zuständige Stelle auf Antrag und nach Prüfung des Einzelfalls.
Unzulässige Vertragsklauseln
Nicht wirksam sind insbesondere Vereinbarungen, nach denen Du für die Berufsausbildung eine Entschädigung zahlen sollst, eine Vertragsstrafe leisten musst, auf gesetzliche Schadensersatzansprüche verzichtest oder pauschale Schadensersatzbeträge akzeptieren sollst.

Hilfe bei Fragen und Konflikten
Sprich Probleme frühzeitig an. Geeignete Stellen sind der Ausbilder, die Betriebsleitung, die Jugend- und Auszubildendenvertretung, die Berufsschule, die Ausbildungsberatung der Handwerkskammer, die Innung oder eine Gewerkschaft. Bei rechtlichen Streitigkeiten kann eine fachkundige Rechtsberatung erforderlich sein.
Rechtsgrundlagen und geprüfte Informationen
- § 11 BBiG – Vertragsabfassung
- § 13 BBiG – Pflichten Auszubildender
- § 14 BBiG – Pflichten Ausbildender
- § 17 BBiG – Ausbildungsvergütung
- § 22 BBiG – Kündigung
- § 29 HwO – Eintragung in die Lehrlingsrolle
- § 30 HwO – Antrag auf Eintragung
- BIBB – Mindestausbildungsvergütung
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Welche Stelle führt im Handwerk die Lehrlingsrolle? (Die Handwerkskammer) (!Die Berufsschule) (!Das Finanzamt) (!Die Krankenkasse)
Wie lang muss die Probezeit mindestens dauern? (Einen Monat) (!Eine Woche) (!Sechs Monate) (!Ein Jahr)
Wie lang darf die Probezeit höchstens dauern? (Vier Monate) (!Fünf Monate) (!Sechs Monate) (!Zwölf Monate)
Was muss bei elektronischer Vertragsabfassung möglich sein? (Speichern und Ausdrucken) (!Nur mündliches Vorlesen) (!Nur einmaliges Ansehen) (!Automatisches Löschen)
Wer muss bei minderjährigen Auszubildenden zusätzlich einbezogen werden? (Die gesetzliche Vertretung) (!Die Kundschaft) (!Die Nachbarschaft) (!Der Prüfungsausschuss)
Welche Aufgabe gehört zu den Pflichten des Ausbildungsbetriebs? (Erforderliche Ausbildungsmittel kostenlos bereitstellen) (!Privatfahrten anordnen) (!Vertragsstrafen verlangen) (!Berufsschule verbieten)
Welche Pflicht haben Auszubildende? (Den Ausbildungsnachweis führen) (!Prüfungen selbst organisieren) (!Die Lehrlingsrolle verwalten) (!Den Tarifvertrag festlegen)
Was gilt für die Vergütung während der Ausbildung? (Sie steigt mindestens jährlich) (!Sie sinkt jedes Jahr) (!Sie wird nur nach der Prüfung gezahlt) (!Sie ist grundsätzlich freiwillig)
Was ist während der Probezeit möglich? (Kündigung ohne Kündigungsfrist) (!Kündigung nur nach der Gesellenprüfung) (!Kündigung nur durch die Handwerkskammer) (!Kündigung nur mit zwölf Monaten Frist)
Wann endet die Ausbildung bei vorzeitig bestandener Abschlussprüfung? (Mit Bekanntgabe des Prüfungsergebnisses) (!Erst am Jahresende) (!Vier Wochen nach der Prüfung) (!Erst nach einem neuen Vertrag)
Memory
| Lehrlingsrolle | Verzeichnis der Ausbildungsverhältnisse im Handwerk |
| Probezeit | Kennenlernphase von einem bis vier Monaten |
| Berichtsheft | Dokumentation der Ausbildungsinhalte |
| Ausbildungsvergütung | Monatliche Zahlung an Auszubildende |
| Berufsschule | Lernort für Fachtheorie und Allgemeinbildung |
| Handwerkskammer | Zuständige Stelle und Ausbildungsberatung |
| Ausbildungsplan | Sachliche und zeitliche Gliederung |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Name und Anschrift | Vertragspartner |
| Ein bis vier Monate | Probezeit |
| Kostenlose Werkzeuge | Ausbildungsmittel |
| Speicherbar und druckbar | Digitale Vertragsabfassung |
| Vier Wochen | Berufsaufgabekündigung |
| Eintragung des Vertrags | Lehrlingsrolle |
...
Kreuzworträtsel
| Lehrlingsrolle | Wie heißt das Verzeichnis der Ausbildungsverhältnisse im Handwerk? |
| Probezeit | Welche Phase steht am Beginn des Ausbildungsverhältnisses? |
| Vergütung | Wie heißt die monatliche Zahlung an Auszubildende? |
| Berichtsheft | Worin dokumentierst Du Deine Ausbildungsinhalte? |
| Berufsschule | Welcher Lernort vermittelt vor allem Fachtheorie? |
| Kündigung | Wie heißt die einseitige Beendigung des Vertrags? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Vertragsbegriffe: Erstelle ein Glossar mit zehn wichtigen Begriffen aus einem Ausbildungsvertrag.
- Vertragscheck: Markiere in einem Mustervertrag Ausbildungsberuf, Probezeit, Vergütung, Urlaub und Arbeitszeit.
- Ansprechpartner: Gestalte eine Kontaktkarte mit betrieblichen und außerbetrieblichen Hilfsstellen.
- Medienanalyse: Fasse eines der eingebetteten Videos in fünf eigenen Sätzen zusammen.
Standard
- Rollenspiel: Spiele ein Gespräch zwischen einem Azubi und einem Ausbilder über unklare Überstundenregelungen.
- Vergütungsvergleich: Vergleiche die Vergütung aus einem Mustervertrag mit einem passenden Tarifvertrag und der gesetzlichen Untergrenze.
- Ausbildungsplan: Ordne typische Tätigkeiten Deines Gewerks den Ausbildungsjahren zu.
- Interview: Befrage einen Gesellen, Meister oder Ausbildungsberater zu häufigen Vertragsfragen und dokumentiere die Ergebnisse.
Schwer
- Fallanalyse: Beurteile einen Fall, in dem ein Azubi regelmäßig ausbildungsfremde Arbeiten erledigen soll.
- Konfliktplan: Entwickle einen mehrstufigen Lösungsweg für einen Streit über Berufsschulfreistellung.
- Vertragsentwurf: Erstelle einen verkürzten Mustervertrag mit allen gesetzlichen Mindestangaben.
- Erklärvideo: Produziere ein dreiminütiges Video mit dem Titel Mein Ausbildungsvertrag in zehn Prüfschritten.


Lernkontrolle
- Vertragsprüfung: Prüfe einen fehlerhaften Mustervertrag und begründe jede notwendige Änderung.
- Rechte und Pflichten: Analysiere einen Werkstattkonflikt und ordne die Verantwortung von Betrieb und Azubi zu.
- Kündigungsfall: Entwickle für drei unterschiedliche Situationen jeweils einen rechtlich passenden Handlungsweg.
- Vergütungsfall: Beurteile eine Vergütungsvereinbarung unter Berücksichtigung von Ausbildungsbeginn, Ausbildungsjahr und Tarifbindung.
- Kammerverfahren: Erkläre, warum die Eintragung in die Lehrlingsrolle der Qualitätssicherung dienen kann.
- Transfer: Vergleiche den Berufsausbildungsvertrag mit einem normalen Arbeitsvertrag und erläutere den besonderen Ausbildungszweck.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis solltest Du zeigen, dass Du:
- einen Ausbildungsvertrag anhand einer Checkliste prüfen kannst,
- gesetzliche Mindestangaben sicher erkennst,
- Rechte und Pflichten beider Vertragsparteien auf Fälle anwendest,
- Probezeit, Kündigung und Vertragsende unterscheiden kannst,
- Vergütungsangaben fachgerecht beurteilst,
- die Aufgaben der Handwerkskammer erklärst,
- passende Beratungsstellen für Konflikte auswählst,
- Deine Ergebnisse nachvollziehbar begründest.
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