Der Atomkern - Chemie


Der Atomkern - Chemie
Der Atomkern - Chemie
Einleitung
Der Atomkern ist das sehr kleine Zentrum eines Atoms. Er enthält fast die gesamte Masse des Atoms. Im Kern befinden sich Protonen und meistens auch Neutronen. Zusammen heißen diese Teilchen Nukleonen.
Für die Chemie ist der Atomkern besonders wichtig, weil die Anzahl der Protonen festlegt, zu welchem chemischen Element ein Atom gehört. Die Zahl der Neutronen bestimmt mit, welches Isotop eines Elements vorliegt.
In diesem aiMOOC lernst Du:
- Proton und Neutron zu unterscheiden.
- Ordnungszahl und Massenzahl zu deuten.
- die Zahl der Neutronen zu berechnen.
- Isotope zu erkennen.
- die Bedeutung des Rutherfordschen Streuversuchs zu erklären.
- Zusammenhänge zwischen Atomkern, Periodensystem und chemischen Elementen herzustellen.

Die Abbildung zeigt ein Heliumatom. Der Atomkern ist stark vergrößert dargestellt. Die dunkle Wolke beschreibt den Aufenthaltsbereich der Elektronen.
Aufbau eines Atoms
Ein Atom besteht aus zwei Bereichen:
Der Kern ist im Vergleich zum gesamten Atom winzig. Ein Atom besitzt typischerweise eine Größe von ungefähr . Die Größe eines Atomkerns liegt ungefähr im Bereich von bis . Trotzdem befindet sich fast die gesamte Masse des Atoms im Kern.

Wichtig: Solche Darstellungen sind vereinfachte Modelle. Elektronen bewegen sich nicht wie Planeten auf festen Kreisbahnen. In der Chemie helfen Modelle trotzdem dabei, den Aufbau eines Atoms übersichtlich zu beschreiben.
Protonen, Neutronen und Elektronen
| Teilchen | Ort | Elektrische Ladung | Relative Masse |
|---|---|---|---|
| Proton | Atomkern | positiv | ungefähr 1 |
| Neutron | Atomkern | neutral | ungefähr 1 |
| Elektron | Atomhülle | negativ | ungefähr |
Protonen und Neutronen besitzen fast die gleiche Masse. Elektronen sind sehr viel leichter. Deshalb kann man bei einfachen chemischen Betrachtungen sagen: Die Masse des Atoms steckt fast vollständig im Kern.
Die Kernladung
Jedes Proton trägt eine positive Elementarladung. Neutronen sind elektrisch neutral. Die positive Ladung des Atomkerns hängt deshalb nur von der Anzahl der Protonen ab.
Ein Kern mit sechs Protonen besitzt die Kernladung . Dabei steht für die Elementarladung.
In einem elektrisch neutralen Atom ist die Zahl der Elektronen genauso groß wie die Zahl der Protonen. Dadurch gleichen sich positive und negative Ladungen aus.
Ordnungszahl und Massenzahl
Die Ordnungszahl
Die Ordnungszahl wird mit bezeichnet. Sie gibt die Anzahl der Protonen im Atomkern an.
Die Protonenzahl bestimmt das Element:
- Ein Proton bedeutet Wasserstoff.
- Sechs Protonen bedeuten Kohlenstoff.
- Acht Protonen bedeuten Sauerstoff.
- Elf Protonen bedeuten Natrium.
Ändert sich die Protonenzahl, entsteht ein anderes Element. Deshalb ist die Ordnungszahl die eindeutige Kennzahl eines chemischen Elements.
Die Massenzahl
Die Massenzahl wird mit bezeichnet. Sie ist die Summe aus Protonen und Neutronen.
Dabei bedeutet:
- : Massenzahl
- : Protonenzahl
- : Neutronenzahl
Die Neutronenzahl lässt sich berechnen:
Die Nuklidschreibweise
Ein bestimmter Atomkern kann so geschrieben werden:
Dabei steht für das Elementsymbol.
Beispiel Natrium-23:
Der Kern enthält:
- 11 Protonen, weil ist.
- 12 Neutronen, weil ist.
- insgesamt 23 Nukleonen.
Ein neutrales Natriumatom besitzt außerdem 11 Elektronen.
Isotope
Isotope sind Atome desselben Elements mit gleicher Protonenzahl, aber unterschiedlicher Neutronenzahl. Sie haben deshalb dieselbe Ordnungszahl, jedoch verschiedene Massenzahlen.
Ein wichtiges Beispiel sind die Wasserstoffisotope:
- Protium besitzt ein Proton und kein Neutron.
- Deuterium besitzt ein Proton und ein Neutron.
- Tritium besitzt ein Proton und zwei Neutronen.

Da Isotope eines Elements die gleiche Protonenzahl besitzen, haben neutrale Atome dieser Isotope auch die gleiche Elektronenzahl. Ihre chemischen Eigenschaften sind deshalb meist sehr ähnlich. Unterschiede können besonders bei leichten Elementen messbar sein.
Nuklid und Isotop
Ein Nuklid ist eine Atomart mit einer genau festgelegten Protonen- und Neutronenzahl. Kohlenstoff-12 und Kohlenstoff-14 sind zwei verschiedene Nuklide.
Der Begriff Isotop beschreibt die Beziehung mehrerer Nuklide desselben Elements. Kohlenstoff-12 und Kohlenstoff-14 sind Isotope des Elements Kohlenstoff.
Die Atommasse im Periodensystem
Im Periodensystem steht meistens keine ganze Massenzahl, sondern eine mittlere relative Atommasse. Sie berücksichtigt die Massen und natürlichen Häufigkeiten der Isotope eines Elements.
Chlor besitzt zum Beispiel eine mittlere Atommasse von ungefähr 35,45. Dieser Wert entsteht, weil natürliches Chlor vor allem aus Chlor-35 und Chlor-37 besteht. Die Zahl 35,45 beschreibt deshalb kein einzelnes Atom und keine einzelne Massenzahl.
Nuklidkarte
Eine Nuklidkarte ordnet Atomkerne nach ihrer Protonen- und Neutronenzahl. Sie zeigt stabile und instabile Nuklide. Bei leichten stabilen Kernen sind Protonen- und Neutronenzahl oft ähnlich. Schwere stabile Kerne benötigen meist mehr Neutronen als Protonen.

Wie wurde der Atomkern entdeckt?
Vor der Entdeckung des Atomkerns nahm man an, die positive Ladung sei gleichmäßig im Atom verteilt. Diese Vorstellung wurde durch den Rutherfordschen Streuversuch widerlegt.
Hans Geiger und Ernest Marsden schossen positiv geladene Alphateilchen auf eine sehr dünne Goldfolie. Die meisten Teilchen flogen fast gerade durch die Folie. Einige wurden abgelenkt. Sehr wenige wurden stark abgelenkt oder sogar zurückgestreut.

Aus den Beobachtungen folgerte Ernest Rutherford:
- Ein Atom besteht größtenteils aus leerem Raum.
- Die positive Ladung ist in einem sehr kleinen Bereich konzentriert.
- Fast die gesamte Masse befindet sich in diesem kleinen Zentrum.
- Dieses Zentrum ist der Atomkern.
Vom Kern-Hülle-Modell zum modernen Atommodell
Rutherfords Kern-Hülle-Modell war ein entscheidender Fortschritt. Es erklärte die Ergebnisse des Streuversuchs. Spätere Modelle beschrieben genauer, wie sich Elektronen in der Atomhülle verhalten.
Das heutige quantenmechanische Atommodell arbeitet mit Orbitalen und Aufenthaltswahrscheinlichkeiten. Für viele Aufgaben in der Schulchemie reichen jedoch Kern-Hülle-Modell und Schalenmodell als vereinfachte Vorstellungen aus.

Kräfte im Atomkern
Protonen sind positiv geladen und stoßen sich deshalb elektrisch ab. Trotzdem bleiben Protonen und Neutronen im Kern zusammen. Verantwortlich ist die starke Kernkraft.
Die starke Kernkraft:
- wirkt nur über sehr kurze Entfernungen.
- wirkt zwischen Nukleonen.
- ist im Kern stärker als die elektrische Abstoßung der Protonen.
- trägt zur Bindung des Atomkerns bei.
Nicht jede Kombination aus Protonen und Neutronen ist stabil. Instabile Atomkerne können sich spontan umwandeln. Dieser Vorgang heißt radioaktiver Zerfall.

Die Bindungsenergie pro Nukleon ist ein Maß dafür, wie fest ein Kern gebunden ist. Für den Einstieg genügt der Merksatz: Stabile Kerne besitzen eine günstige Zusammensetzung aus Protonen und Neutronen.
Blick in ein Proton
Protonen und Neutronen sind nicht elementar. Sie bestehen aus Quarks, die durch die starke Wechselwirkung gebunden werden. Dieses Wissen gehört bereits zur Teilchenphysik und geht über die grundlegende Schulchemie hinaus.

Bedeutung des Atomkerns für die Chemie
Der Atomkern beeinflusst mehrere wichtige Bereiche der Chemie:
- Periodensystem: Die Protonenzahl bestimmt die Position eines Elements.
- Isotop: Unterschiedliche Neutronenzahlen führen zu verschiedenen Isotopen.
- Atommasse: Die Isotopenhäufigkeiten bestimmen die mittlere Atommasse.
- Analytische Chemie: Isotope können Stoffwege sichtbar machen.
- Radiochemie: Instabile Kerne werden bei Zerfällen und Kernreaktionen untersucht.
Isotope werden unter anderem in Medizin, Forschung, Archäologie und Umweltwissenschaften eingesetzt. Bei solchen Anwendungen müssen Strahlenschutz und fachgerechter Umgang beachtet werden.
Zusammenfassung
Merke:
- Der Atomkern enthält Protonen und Neutronen.
- Protonen bestimmen das chemische Element.
- Die Ordnungszahl ist die Protonenzahl.
- Die Massenzahl ist die Summe aus Protonen und Neutronen.
- Isotope besitzen gleich viele Protonen, aber unterschiedlich viele Neutronen.
- Fast die gesamte Masse eines Atoms befindet sich im Kern.
- Der Rutherfordsche Streuversuch lieferte den Nachweis eines kleinen, positiv geladenen Atomkerns.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Welche Teilchen befinden sich im Atomkern? (Protonen und Neutronen) (!Protonen und Elektronen) (!Neutronen und Elektronen) (!Nur Elektronen)
Welche Größe bestimmt, zu welchem Element ein Atom gehört? (Die Protonenzahl) (!Die Neutronenzahl) (!Die Zahl der Schalen) (!Die Massenzahl allein)
Was gibt die Ordnungszahl an? (Die Anzahl der Protonen) (!Die Anzahl der Neutronen) (!Die Summe aller Teilchen) (!Die Anzahl der Isotope)
Wie wird die Massenzahl berechnet? (Protonenzahl plus Neutronenzahl) (!Protonenzahl minus Neutronenzahl) (!Elektronenzahl plus Neutronenzahl) (!Protonenzahl mal Elektronenzahl)
Was unterscheidet zwei Isotope desselben Elements? (Die Anzahl der Neutronen) (!Die Anzahl der Protonen) (!Das Elementsymbol) (!Die Kernladung)
Ein Kern hat die Massenzahl 23 und die Ordnungszahl 11. Wie viele Neutronen besitzt er? (12) (!11) (!23) (!34)
Welche Beobachtung beim Rutherford-Versuch sprach für einen kleinen Atomkern? (Einige Alphateilchen wurden stark abgelenkt) (!Alle Alphateilchen blieben in der Folie) (!Alle Alphateilchen wurden gleich stark abgelenkt) (!Die Goldfolie begann zu leuchten)
Wo befindet sich fast die gesamte Masse eines Atoms? (Im Atomkern) (!In der äußersten Elektronenschale) (!Gleichmäßig im gesamten Atom) (!Zwischen den Elektronen)
Welche elektrische Ladung besitzt ein Neutron? (Keine elektrische Ladung) (!Eine positive Ladung) (!Eine negative Ladung) (!Zwei positive Ladungen)
Was kann mit einem instabilen Atomkern geschehen? (Er kann radioaktiv zerfallen) (!Er verliert immer alle Elektronen) (!Er wird automatisch zu einem Molekül) (!Er vergrößert seine Elektronenhülle dauerhaft)
Memory
| Proton | positive Kernladung |
| Neutron | ungeladenes Kernteilchen |
| Nukleon | Oberbegriff für Kernteilchen |
| Ordnungszahl | Anzahl der Protonen |
| Massenzahl | Summe aus Protonen und Neutronen |
| Isotop | Variante eines chemischen Elements |
| Kernkraft | Bindung der Nukleonen |
| Nuklid | Atomart mit festgelegtem Kern |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Beschreibung |
|---|---|
| Proton | positiv geladenes Kernteilchen |
| Neutron | ungeladenes Kernteilchen |
| Ordnungszahl | Anzahl der Protonen |
| Massenzahl | Summe aus Protonen und Neutronen |
| Isotop | gleiche Protonenzahl und andere Neutronenzahl |
| Atomkern | Zentrum mit fast der gesamten Atommasse |
Kreuzworträtsel
| Proton | Welches positiv geladene Teilchen befindet sich im Atomkern? |
| Neutron | Welches ungeladene Teilchen befindet sich im Atomkern? |
| Nukleon | Wie lautet der Oberbegriff für Proton und Neutron? |
| Isotop | Wie heißt eine Variante eines Elements mit anderer Neutronenzahl? |
| Massenzahl | Welche Zahl ist die Summe aus Protonen und Neutronen? |
| Rutherford | Welcher Forscher deutete den Streuversuch mit einem kleinen Atomkern? |
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Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Atomkernmodell: Baue aus Knete oder Papier ein Modell eines Atomkerns mit unterschiedlich gefärbten Protonen und Neutronen. Beschrifte die Teilchen.
- Nuklidschreibweise: Erstelle drei Karteikarten zu verschiedenen Nukliden. Notiere Elementsymbol, Ordnungszahl, Massenzahl sowie Protonen- und Neutronenzahl.
- Erklärbild: Zeichne ein übersichtliches Atom mit Kern und Hülle. Kennzeichne Ladungen und erkläre, welche Größen im Modell nicht maßstabsgetreu sind.
- Begriffsnetz: Verbinde die Begriffe Atomkern, Proton, Neutron, Nukleon, Ordnungszahl, Massenzahl und Isotop in einer Concept-Map.
Standard
- Isotope des Wasserstoffs: Gestalte ein Lernplakat zu Protium, Deuterium und Tritium. Vergleiche Aufbau, Stabilität und Verwendung.
- Rutherfordscher Streuversuch: Entwickle ein Storyboard mit sechs Bildern, das Versuchsaufbau, Beobachtung und Schlussfolgerung erklärt.
- Periodensystemanalyse: Wähle fünf Elemente aus dem Periodensystem und bestimme für jeweils ein Nuklid die Protonen-, Neutronen- und Elektronenzahl.
- Atommasse: Erkläre an einem selbst gewählten Beispiel, warum die Atommasse im Periodensystem häufig keine ganze Zahl ist.
Schwer
- Modellkritik: Vergleiche Kern-Hülle-Modell, Schalenmodell und Orbitalmodell. Beurteile, welche Fragen jedes Modell beantworten kann und wo seine Grenzen liegen.
- Isotopenforschung: Recherchiere eine medizinische, archäologische oder ökologische Anwendung von Isotopen. Erstelle dazu einen sachlichen Kurzvortrag mit Quellenangaben.
- Nuklidkarte: Untersuche einen Ausschnitt einer Nuklidkarte. Formuliere Regeln, nach denen sich stabile und instabile Kerne unterscheiden.
- Wissenschaftskommunikation: Produziere ein zweiminütiges Erklärvideo zum Thema „Warum ist der Atomkern klein, aber schwer?“. Verwende eigene Grafiken und kennzeichne vereinfachte Darstellungen.


Lernkontrolle
- Unbekanntes Nuklid: Ein neutrales Atom besitzt 17 Protonen und 18 Neutronen. Bestimme Element, Massenzahl und Elektronenzahl. Begründe jeden Schritt.
- Isotopenvergleich: Vergleiche Kohlenstoff-12 und Kohlenstoff-14. Erkläre, was gleich bleibt, was sich ändert und welche Folgen dies für die Stabilität haben kann.
- Modell und Wirklichkeit: Eine Zeichnung zeigt einen Atomkern so groß wie ein Drittel des Atoms. Erkläre, warum die Zeichnung nützlich und zugleich irreführend ist.
- Rutherford-Auswertung: Begründe, weshalb die geradlinige Bewegung der meisten Alphateilchen und die starke Ablenkung weniger Teilchen gemeinsam zum Kern-Hülle-Modell führen.
- Periodensystem und Kern: Erkläre, warum zwei Atome mit gleicher Massenzahl nicht unbedingt zum selben Element gehören.
- Anwendung von Isotopen: Entwickle Kriterien, mit denen eine Isotopenanwendung hinsichtlich Nutzen, Messbarkeit und Sicherheit beurteilt werden kann.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis solltest Du zeigen, dass Du:
- Protonen, Neutronen und Elektronen nach Ort, Ladung und Masse unterscheiden kannst.
- Ordnungszahl, Massenzahl und Neutronenzahl sicher verwendest.
- die Nuklidschreibweise lesen und auf Beispiele anwenden kannst.
- Isotope als Atome desselben Elements mit unterschiedlicher Neutronenzahl erklärst.
- den Zusammenhang zwischen Protonenzahl und Stellung im Periodensystem herstellst.
- Beobachtungen des Rutherfordschen Streuversuchs fachlich deutest.
- vereinfachte Atommodelle kritisch beurteilst.
- eine Anwendung von Isotopen sachlich erklärst und Sicherheitsaspekte berücksichtigst.
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