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Das Ende des Deutschen Kaiserreichs - Geschichte

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Das Ende des Deutschen Kaiserreichs - Geschichte




Das Ende des Deutschen Kaiserreichs - Geschichte

Studienfach Geschichte
Thema Das Ende des Deutschen Kaiserreichs im Herbst 1918 und der Übergang zur Weimarer Republik
Niveau Oberstufe, Studium und historisch-politische Bildung
Zentrale Leitfrage Warum endete das Deutsche Kaiserreich 1918, und in welchem Verhältnis standen militärische Niederlage, Verfassungsreform und Novemberrevolution zueinander?


Einleitung

Das Deutsche Kaiserreich, das 1871 gegründet worden war, endete im Herbst 1918 nicht durch ein einziges Ereignis. Sein Zusammenbruch war das Ergebnis einer mehrfachen Krise: der militärischen Niederlage im Ersten Weltkrieg, der sozialen Not im Inneren, des Vertrauensverlusts in die politische und militärische Führung, der verspäteten Oktoberreformen und der revolutionären Mobilisierung von Matrosen, Soldaten und Arbeitern. Am 9. November 1918 wurde die Abdankung Wilhelms II. bekannt gegeben und in Berlin zweimal die Republik ausgerufen. Am 10. November ging der Kaiser ins niederländische Exil, am 11. November trat der Waffenstillstand von Compiègne in Kraft und am 28. November unterzeichnete Wilhelm II. seine formelle Abdankungserklärung.[1]

Historisch sinnvoll ist es deshalb, zwischen mehreren Ebenen des Endes zu unterscheiden. Das Kaiserreich endete politisch mit dem Verlust monarchischer Herrschaft am 9. November 1918, dynastisch und formal mit den Abdankungen der deutschen Fürsten und der Erklärung Wilhelms II. vom 28. November und verfassungsgeschichtlich mit dem Aufbau einer republikanischen Ordnung, der Wahl der Weimarer Nationalversammlung und dem Inkrafttreten der Weimarer Reichsverfassung im August 1919. Diese Übergangsphase war offen, konfliktreich und von unterschiedlichen Zukunftsentwürfen geprägt.

Der aiMOOC untersucht nicht nur Daten und Akteure. Du lernst, historische Ursachen zu gewichten, Begriffe wie Revolution, Reform, Kontinuität und Zäsur kritisch zu verwenden, Bild- und Textquellen zu analysieren und konkurrierende Deutungen des Jahres 1918 zu beurteilen. Damit eignet sich der Kurs besonders für das Studienfach Geschichte, für Seminare zur deutschen und europäischen Zeitgeschichte sowie für die gymnasiale Oberstufe.


Lernziele

Nach der Bearbeitung dieses aiMOOCs kannst Du:

  1. Ursachen analysieren: Du erklärst das Ende des Kaiserreichs als Zusammenspiel militärischer, politischer, sozialer und wirtschaftlicher Faktoren.
  2. Ereignisse einordnen: Du ordnest die Entwicklungen von der militärischen Krise im September 1918 bis zur republikanischen Neuordnung 1919 zeitlich ein.
  3. Akteure vergleichen: Du unterscheidest die Interessen von Kaiser, Oberster Heeresleitung, Reichsregierung, Parteien, Räten, Gewerkschaften und revolutionären Gruppen.
  4. Quellen kritisch prüfen: Du analysierst Fotografien, Zeitungsseiten, Reden und politische Erklärungen im Hinblick auf Urheber, Perspektive, Zweck und Überlieferung.
  5. Historische Urteile entwickeln: Du diskutierst, ob 1918 als erfolgreiche demokratische Revolution, unvollendete Revolution oder erzwungener Systemwechsel zu deuten ist.
  6. Geschichtskulturelle Folgen erkennen: Du erklärst, wie die Dolchstoßlegende die Erinnerung an Niederlage und Revolution politisch verzerrte.


Das Kaiserreich vor seinem Ende


Politische Struktur und Verfassungsproblem

Das Deutsche Kaiserreich war eine föderale konstitutionelle Monarchie. Der Reichstag wurde nach allgemeinem Männerwahlrecht gewählt, doch die Reichsregierung war nicht parlamentarisch verantwortlich. Der Reichskanzler wurde vom Kaiser ernannt und benötigte bis zu den Reformen von 1918 nicht das Vertrauen einer Reichstagsmehrheit. Der Kaiser besaß erheblichen Einfluss auf Außenpolitik und Militär, während der von den Regierungen der Bundesstaaten beschickte Bundesrat an der Gesetzgebung beteiligt war.

Diese Ordnung verband moderne und vormoderne Elemente. Parteien, Verbände, Massenpresse und Wahlen entwickelten sich dynamisch, zugleich blieben Regierung, Militärführung und Teile der Verwaltung der parlamentarischen Kontrolle entzogen. Das preußische Dreiklassenwahlrecht verstärkte soziale Ungleichheit im politisch dominierenden Bundesstaat Preußen. Die Spannungen zwischen gesellschaftlicher Modernisierung und begrenzter Parlamentarisierung verschärften die Legitimationskrise am Kriegsende.


Der Erste Weltkrieg als Belastungsprobe

Der Erste Weltkrieg veränderte die Machtverhältnisse im Reich. Seit 1916 gewannen die Oberste Heeresleitung unter Paul von Hindenburg und Erich Ludendorff und die militärische Logik erheblichen Einfluss auf die Politik. Der Krieg forderte Millionen Tote und Verwundete, trennte Familien, belastete die Arbeitswelt und führte zu massiver Knappheit. Die britische Seeblockade, Ernteausfälle, Transportprobleme und eine ineffiziente Versorgungspolitik verschärften Hunger und Mangel.

Die anfängliche Zustimmung großer Teile der Bevölkerung zum Krieg wich zunehmender Erschöpfung. Der sogenannte Steckrübenwinter 1916/17 wurde zum Symbol der Versorgungskrise. Streiks, Proteste und politische Konflikte nahmen zu. Die Friedensresolution des Reichstags von 1917 zeigte, dass eine parlamentarische Mehrheit einen Verständigungsfrieden anstrebte. Im Januar 1918 beteiligten sich Hunderttausende Beschäftigte an politischen Streiks. Ihre Forderungen verbanden bessere Versorgung, Frieden und Demokratisierung.

Das Ende des Kaiserreichs war daher nicht allein die Folge einer kurzfristigen Revolte. Es beruhte auf länger gewachsenen Spannungen zwischen Kriegsgesellschaft, autoritären Entscheidungsstrukturen, sozialer Ungleichheit und wachsendem politischem Beteiligungsanspruch.


Die militärische Niederlage von 1918


Vom Scheitern der Frühjahrsoffensive zur Krise der Obersten Heeresleitung

Nach dem Ausscheiden Russlands aus dem Krieg versuchte die deutsche Führung im Frühjahr 1918, im Westen eine Entscheidung zu erzwingen. Die Offensiven brachten zunächst Geländegewinne, erreichten aber keinen strategischen Durchbruch. Die deutschen Truppen erlitten hohe Verluste, Nachschub und Reserven wurden knapp. Gleichzeitig trafen in wachsender Zahl Soldaten der Vereinigten Staaten in Europa ein.

Die alliierte Gegenoffensive bei Amiens am 8. August 1918 machte die militärische Schwäche deutlich. Ludendorff bezeichnete den Tag später als schweren Einbruch in die Kampfkraft des Heeres. Im September zerfielen zudem die verbündeten Fronten der Mittelmächte. Bulgarien schied aus dem Krieg aus, das Osmanische Reich und Österreich-Ungarn standen vor dem Zusammenbruch. Am 29. September 1918 erklärte die Oberste Heeresleitung der politischen Führung, ein Waffenstillstandsgesuch sei unverzüglich notwendig.[2]


Verantwortung und politische Strategie

Die militärische Führung verlangte nun eine Regierung, die sich auf die Reichstagsmehrheit stützte. Dahinter standen mehrere Motive: Eine breiter legitimierte Regierung sollte bessere Waffenstillstandsbedingungen erreichen, innenpolitische Unruhen begrenzen und Verantwortung für die Niederlage übernehmen. Dadurch konnten später Vertreter der Obersten Heeresleitung behaupten, nicht das Militär, sondern zivile Politiker hätten den Krieg beendet.

Diese Verantwortungsverschiebung war eine wichtige Voraussetzung der späteren Dolchstoßlegende. Sie behauptete fälschlich, das im Feld angeblich unbesiegte Heer sei durch Revolutionäre, Demokraten und andere innere Gegner verraten worden. Tatsächlich ging die Initiative zum Waffenstillstand von der Obersten Heeresleitung aus, weil sie die militärische Lage als aussichtslos bewertete.


Revolution von oben: Die Oktoberreformen

Am 3. Oktober 1918 wurde Max von Baden Reichskanzler. Seine Regierung stützte sich erstmals auf die Mehrheitsparteien des Reichstags: die MSPD, das Zentrum und die Fortschrittliche Volkspartei. Sie richtete ein Waffenstillstandsgesuch an den US-amerikanischen Präsidenten Woodrow Wilson. Wilsons Antworten machten deutlich, dass eine glaubwürdige Demokratisierung und eine Begrenzung monarchischer Macht erwartet wurden.

Die Ende Oktober beschlossenen Oktoberreformen machten den Reichskanzler vom Vertrauen des Reichstags abhängig und banden Kriegserklärungen sowie Friedensschlüsse stärker an das Parlament. Das Kaiserreich wurde damit rechtlich in Richtung einer parlamentarischen Monarchie verändert. Die Reformen kamen jedoch zu spät. Sie wurden von vielen Menschen nicht als überzeugender Neubeginn wahrgenommen, sondern als Versuch, eine zusammenbrechende Ordnung zu retten und die Verantwortung für die Niederlage auf parlamentarische Parteien zu übertragen.

Eine zentrale historische Frage lautet daher: Hätte eine frühere Parlamentarisierung die Monarchie stabilisieren können? Eine eindeutige Antwort ist nicht möglich. Die Reformen beseitigten wichtige Verfassungsdefizite, trafen aber auf eine Gesellschaft, die durch Krieg, Hunger, Niederlage und Vertrauensverlust bereits tief erschüttert war.


Der Flottenbefehl und der Matrosenaufstand


Der letzte Flottenvorstoß

Am 24. Oktober 1918 erließ die Seekriegsleitung den Befehl, die deutsche Hochseeflotte zu einem letzten Vorstoß gegen die britische Flotte auslaufen zu lassen. Führende Marineoffiziere hofften auf eine militärische Demonstration und wollten die Ehre der Flotte retten. Für viele Matrosen wirkte der Plan wie ein sinnloses Opferunternehmen, zumal die Regierung bereits über einen Waffenstillstand verhandelte.

Besatzungen verweigerten Befehle. Die Marineleitung ließ zahlreiche Matrosen festnehmen und nach Kiel bringen. Proteste gegen die Verhaftungen verbanden sich dort mit Forderungen nach Frieden, politischer Freiheit und dem Ende militärischer Willkür. Am 3. November wurden Demonstrierende beschossen; es gab Tote und Verletzte. Am 4. November übernahmen aufständische Matrosen und Arbeiter in Kiel wichtige Einrichtungen und bildeten einen Arbeiter- und Soldatenrat.


Vom lokalen Aufstand zur reichsweiten Revolution

Die Bewegung breitete sich rasch über Häfen, Garnisonen, Bahnknotenpunkte und Industriestädte aus. Matrosen reisten in andere Städte, Soldaten verweigerten ihren bisherigen Vorgesetzten den Gehorsam, Arbeiter traten in Streiks und vielerorts entstanden Räte. Die Räte waren jedoch keine einheitliche politische Kraft. Manche wollten vor allem Frieden und geordnete Demokratisierung, andere verlangten tiefgreifende sozialistische Veränderungen.

Am 7. November rief Kurt Eisner in München den Freistaat Bayern aus. In den folgenden Tagen verloren die Monarchien der deutschen Bundesstaaten ihre politische Grundlage. Die Revolution war zugleich spontan und organisiert: Sie entstand aus lokalen Protesten, griff aber auf bestehende Netzwerke von Parteien, Gewerkschaften, Betrieben und Soldaten zurück.


Der 9. November 1918 in Berlin


Generalstreik, Machtverlust und Abdankungsverkündung

Für den 9. November riefen die Revolutionäre Obleute und der Spartakusbund zum Generalstreik auf. Auch die MSPD unterstützte den Ausstand, um Einfluss auf die Bewegung zu behalten und eine gewaltsame Eskalation zu vermeiden. Hunderttausende zogen in das Berliner Zentrum. Viele Soldaten schlossen sich den Demonstrierenden an oder blieben neutral. Die kaiserliche Regierung verfügte kaum noch über zuverlässige Machtmittel.

Reichskanzler Max von Baden gab am Vormittag eigenmächtig bekannt, Kaiser Wilhelm II. habe abgedankt, obwohl dessen formelle Erklärung noch nicht vorlag. Anschließend übertrug er das Amt des Reichskanzlers an Friedrich Ebert, den Vorsitzenden der MSPD. Ebert wollte zunächst eine geordnete verfassungsrechtliche Lösung und eine spätere Entscheidung über die Staatsform durch eine Nationalversammlung. Die revolutionäre Dynamik machte dieses Vorgehen unmöglich.


Zwei Ausrufungen der Republik

Am frühen Nachmittag rief Philipp Scheidemann von einem Fenster des Reichstags die deutsche Republik aus. Er wollte einer weitergehenden sozialistischen Proklamation zuvorkommen und die parlamentarische Demokratie sichern. Wenige Stunden später verkündete Karl Liebknecht am Berliner Schloss eine freie sozialistische Republik. Die beiden Ausrufungen standen für konkurrierende Vorstellungen von Revolution und politischer Ordnung.

Akteur Zielvorstellung Politisches Verfahren Sozialer Wandel
Philipp Scheidemann und die MSPD Parlamentarisch-demokratische Republik Rasche Wahl einer verfassunggebenden Nationalversammlung Reformen innerhalb einer geordneten Rechts- und Staatskontinuität
Karl Liebknecht und der Spartakusbund Sozialistische Republik Macht der Arbeiter- und Soldatenräte als Ausgangspunkt Grundlegende Veränderung von Eigentums- und Machtverhältnissen

Die oft verwendete Formulierung von den „zwei Republiken“ darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass die politischen Lager vielfältiger waren. Auch innerhalb von MSPD, USPD, Gewerkschaften, Räten und revolutionären Gruppen gab es unterschiedliche Positionen. Die Zukunft Deutschlands war am 9. November noch nicht vollständig entschieden.


Abdankung, Exil und Waffenstillstand


Wilhelm II. verliert die Herrschaft

Wilhelm II. befand sich seit Ende Oktober im Großen Hauptquartier in Spa. Er erwog zeitweise, nur als Kaiser, nicht aber als König von Preußen zurückzutreten oder mit Truppen gegen die Revolution vorzugehen. Die militärische Führung machte ihm jedoch deutlich, dass die Armee für einen Bürgerkrieg zugunsten der Monarchie nicht zuverlässig zur Verfügung stand.

In den frühen Morgenstunden des 10. November 1918 überschritt Wilhelm II. die Grenze zu den neutralen Niederlanden und erhielt dort Asyl. Die formelle Abdankungserklärung unterzeichnete er am 28. November. Auch die übrigen deutschen Fürsten dankten im Verlauf des Novembers ab. Damit endete die monarchische Ordnung in allen Gliedstaaten des Reiches.[3]


Der Waffenstillstand von Compiègne

Am 11. November 1918 unterzeichnete eine deutsche Delegation unter Leitung des Zentrumspolitikers Matthias Erzberger im Wald von Compiègne den Waffenstillstand. Er beendete die Kampfhandlungen, nicht aber rechtlich den Kriegszustand. Der Friedensschluss erfolgte 1919 mit dem Vertrag von Versailles.

Die Bedingungen des Waffenstillstands waren hart: Deutschland musste besetzte Gebiete räumen, große Mengen militärischen Materials abgeben und den Alliierten strategische Sicherheiten gewähren. Die politische Führung akzeptierte die Bedingungen, weil eine Fortsetzung des Krieges militärisch aussichtslos war. Dennoch wurden Erzberger und andere republikanische Politiker später für die Niederlage verantwortlich gemacht. Diese Umdeutung blendete die vorherige Entscheidung der Obersten Heeresleitung aus.


Die neue Machtordnung


Rat der Volksbeauftragten und Ebert-Groener-Pakt

Am 10. November bestätigte eine Versammlung Berliner Arbeiter- und Soldatenräte eine provisorische Regierung, den Rat der Volksbeauftragten. Ihm gehörten zunächst je drei Vertreter von MSPD und USPD an. Die Regierung verkündete politische Freiheitsrechte, hob kriegsbedingte Einschränkungen auf, leitete das allgemeine, gleiche, direkte und geheime Wahlrecht für Frauen und Männer ein und bereitete Wahlen zu einer Nationalversammlung vor.

Am selben Tag verständigten sich Friedrich Ebert und General Wilhelm Groener im sogenannten Ebert-Groener-Pakt. Die Heeresleitung sagte Unterstützung für die neue Regierung zu, Ebert akzeptierte im Gegenzug die militärische Kommandostruktur und erwartete Hilfe gegen radikale Umsturzversuche. Diese Zusammenarbeit stabilisierte kurzfristig die Regierung, bewahrte aber auch Teile der alten militärischen Eliten und belastete das Verhältnis zwischen gemäßigten und radikalen Linken.


Parlamentarische Demokratie oder Rätedemokratie?

Im Zentrum der Revolution stand ein Konflikt über politische Legitimation. Die Mehrheit der MSPD verlangte eine schnell gewählte Nationalversammlung. Viele Räte unterstützten dieses Ziel. Andere Kräfte wollten die Räte dauerhaft als Grundlage staatlicher Macht etablieren und wirtschaftliche Schlüsselbereiche sozialisieren.

Der Reichsrätekongress vom 16. bis 21. Dezember 1918 votierte mit deutlicher Mehrheit für Wahlen zu einer Nationalversammlung. Damit setzte sich der parlamentarische Weg durch. Der Konflikt war jedoch nicht beendet. Nach Auseinandersetzungen um die Berliner Sicherheitskräfte schieden die USPD-Mitglieder Ende Dezember aus dem Rat der Volksbeauftragten aus.


Soziale Kompromisse und begrenzter Strukturwandel

Am 15. November 1918 vereinbarten Gewerkschaften und Arbeitgeber im Stinnes-Legien-Abkommen die Anerkennung der Gewerkschaften als Vertretung der Beschäftigten, Tarifvereinbarungen und den Achtstundentag. Der Kompromiss sollte Produktion und Versorgung stabilisieren und eine umfassende Sozialisierung verhindern.

Die Revolution veränderte die Staatsform und erweiterte politische Rechte grundlegend. Sie ließ jedoch große Teile von Verwaltung, Justiz, Militär und Wirtschaftseliten bestehen. Darin sehen Historikerinnen und Historiker sowohl eine Voraussetzung geordneter Staatlichkeit als auch eine langfristige Belastung der Republik.


Gewalt und Fortgang der Revolution 1918/19

Die revolutionäre Übergangszeit endete nicht am 9. November. Im Dezember 1918 kam es in Berlin zu bewaffneten Konflikten. Im Januar 1919 entwickelte sich aus Protesten gegen die Absetzung des Berliner Polizeipräsidenten Emil Eichhorn ein Aufstand, der häufig als Spartakusaufstand bezeichnet wird. Die Regierung ließ ihn mit regulären Truppen und Freikorps niederschlagen. Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht wurden am 15. Januar von Freikorpsoffizieren ermordet.

Auch in anderen Regionen kam es zu Kämpfen, Streiks und Rätebewegungen. Die Münchner Räterepublik wurde im Frühjahr 1919 gewaltsam beseitigt. Die Gewalt vertiefte die Spaltung der Arbeiterbewegung und belastete die junge Republik. Zugleich fanden am 19. Januar 1919 Wahlen zur Nationalversammlung statt. Frauen konnten erstmals reichsweit wählen und gewählt werden. Die Nationalversammlung trat in Weimar zusammen und verabschiedete die republikanische Verfassung.


Warum endete das Kaiserreich? Eine mehrdimensionale Erklärung

Das Ende des Kaiserreichs lässt sich nicht auf eine einzige Ursache reduzieren. Eine überzeugende historische Erklärung verbindet mehrere Ebenen:

  1. Militärische Ebene: Die deutsche Führung konnte den Weltkrieg 1918 nicht mehr gewinnen. Das Heer war erschöpft, Verbündete brachen weg und die Oberste Heeresleitung forderte selbst den Waffenstillstand.
  2. Soziale Ebene: Hunger, Verluste, Arbeitsbelastung, Ungleichheit und Kriegsmüdigkeit zerstörten die Bereitschaft, weitere Opfer zu akzeptieren.
  3. Politische Ebene: Die begrenzte parlamentarische Verantwortlichkeit und die Dominanz monarchischer und militärischer Eliten schwächten die Legitimation des Systems.
  4. Verfassungsrechtliche Ebene: Die Oktoberreformen veränderten die Ordnung, kamen aber zu spät, um Vertrauen zurückzugewinnen.
  5. Revolutionäre Ebene: Befehlsverweigerung, Matrosenaufstand, Rätebewegung, Generalstreik und Massendemonstrationen entzogen der Monarchie praktisch die Macht.
  6. Akteursebene: Entscheidungen von Ludendorff, Hindenburg, Max von Baden, Ebert, Scheidemann, Liebknecht, lokalen Räten und vielen unbekannten Beteiligten wirkten zusammen.
  7. Kontingenz und Handlungsspielräume: Der konkrete Verlauf war nicht vorbestimmt. Andere Entscheidungen hätten Tempo, Gewaltgrad oder institutionelle Form des Übergangs verändern können.


Kontinuitäten und Brüche

Bereich Bruch mit dem Kaiserreich Kontinuität über 1918 hinaus
Staatsform Abschaffung der Monarchie und Ausrufung der Republik Der Staatsname „Deutsches Reich“ blieb bestehen
Politische Beteiligung Parlamentarische Verantwortlichkeit, allgemeines Frauenwahlrecht und demokratische Verfassung Parteien und Verbände aus der Kaiserzeit bestanden fort
Militär Ende der kaiserlichen Kommandogewalt Führungspersonal, Hierarchien und antirepublikanische Einstellungen blieben teilweise erhalten
Verwaltung und Justiz Unterordnung unter eine republikanische Regierung Viele Beamte und Richter wurden übernommen
Sozialordnung Anerkennung von Gewerkschaften, Achtstundentag und Ausbau politischer Rechte Eigentumsordnung und wirtschaftliche Machtstrukturen wurden nicht grundlegend umgestaltet
Politische Kultur Demokratische Öffentlichkeit und neue Beteiligungsmöglichkeiten Monarchismus, Nationalismus, Antisemitismus und autoritäre Einstellungen wirkten fort

Die Unterscheidung zwischen Kontinuität und Bruch schützt vor vereinfachenden Urteilen. 1918 war weder nur ein vollständiger Neubeginn noch bloß ein Austausch von Personen. Die Republik entstand durch einen tiefen politischen Umbruch, übernahm aber Institutionen und Eliten, deren Loyalität zur Demokratie unterschiedlich stark war.


Deutungen in der Geschichtswissenschaft


Erfolgreiche demokratische Revolution

Aus dieser Perspektive beseitigte die Revolution die Monarchie, schuf eine parlamentarische Demokratie, führte das Frauenwahlrecht ein, garantierte politische Freiheitsrechte und ermöglichte soziale Reformen. Gemessen an diesen Ergebnissen war 1918/19 ein grundlegender demokratischer Erfolg.


Unvollendete oder gebremste Revolution

Andere Deutungen betonen, dass Militär, Verwaltung, Justiz und wirtschaftliche Machtzentren nicht tiefgreifend demokratisiert wurden. Die Zusammenarbeit der MSPD-Führung mit der alten Heeresleitung und der Einsatz von Freikorps gegen linke Aufstände hätten Chancen für weitergehende Veränderungen begrenzt und antidemokratische Kräfte gestärkt.


Revolution unter extremem Handlungsdruck

Neuere Zugänge heben die offene, regional unterschiedliche und gewaltgeprägte Situation hervor. Entscheidungsträger mussten gleichzeitig Demobilisierung, Versorgung, Staatszerfall, Grenzfragen und politische Konflikte bewältigen. Aus dieser Sicht sollten Alternativen ernst genommen werden, ohne im Nachhinein einfache Lösungen zu unterstellen. Die Revolution war ein Prozess mit vielen lokalen Akteuren und wechselnden Koalitionen, nicht nur ein Konflikt weniger Parteiführer.[4]


Die Dolchstoßlegende als Kampf um Erinnerung

Die Dolchstoßlegende trennte militärische Niederlage und politische Revolution künstlich voneinander. Rechte und nationalistische Akteure behaupteten, das Heer sei an der Front unbesiegt gewesen und durch Sozialdemokraten, Revolutionäre, Juden oder andere angebliche „innere Feinde“ zu Fall gebracht worden. Diese Behauptung war sachlich falsch und häufig antisemitisch.

Politisch wirkte die Legende besonders folgenreich, weil sie demokratische Politiker als Verräter markierte, den Versailler Vertrag mit der Revolution verknüpfte und die Verantwortung der militärischen Führung verdeckte. Sie schwächte die Legitimität der Weimarer Republik und erleichterte politische Gewalt gegen ihre Vertreter. Für die Quellenkritik ist entscheidend, zwischen zeitgenössischer Behauptung, politischer Funktion und empirisch belegbarem Verlauf zu unterscheiden.[5]


Methodenwerkstatt für das Geschichtsstudium


Bildquellen analysieren

Historische Fotografien wirken unmittelbar, sind aber keine neutralen Fenster in die Vergangenheit. Prüfe bei jedem Bild:

  1. Provenienz: Wer nahm das Bild auf, wer archivierte und veröffentlichte es?
  2. Datierung: Entstand es tatsächlich am angegebenen Ort und Tag?
  3. Bildunterschrift: Stammt die Beschreibung aus der Entstehungszeit oder wurde sie später ergänzt?
  4. Inszenierung: Ist die Situation spontan, arrangiert oder nachgestellt?
  5. Bildausschnitt: Was ist sichtbar und was bleibt außerhalb des Rahmens?
  6. Überlieferungsgeschichte: Wurde das Bild retuschiert, beschnitten oder propagandistisch neu verwendet?

Gerade bei Bundesarchiv-Fotografien ist zu beachten, dass historische Bildunterschriften ideologisch geprägt oder sachlich fehlerhaft sein können. Eine Aufnahme, die lange als „Kieler Matrosenaufmarsch“ bezeichnet wurde, konnte später etwa als Berliner Trauerzug identifiziert werden. Gute Quellenkritik vergleicht daher Bild, Metadaten und Forschungsliteratur.


Zeitungen und Reden vergleichen

Die Ausgabe des „Vorwärts“ vom 9. November 1918 ist gleichzeitig Quelle für Ereignisse, politische Mobilisierung und sozialdemokratische Selbstdeutung. Untersuche Schlagzeilen, Wortwahl, Adressaten und Auslassungen. Vergleiche sie mit konservativen, liberalen oder revolutionär-sozialistischen Zeitungen. Frage außerdem, ob eine später verbreitete Redeabschrift tatsächlich dem gesprochenen Wortlaut entspricht.


Struktur und Ereignis verbinden

Eine wissenschaftliche Erklärung muss langfristige Strukturen und kurzfristige Entscheidungen zusammendenken. Krieg, Verfassung und Sozialordnung bilden den Rahmen. Der Flottenbefehl, die Abdankungsverkündung oder die doppelte Republikausrufung waren konkrete Ereignisse, durch die sich Handlungsspielräume öffneten oder schlossen. Vermeide sowohl einen starren Determinismus als auch eine reine Abfolge großer Männer und Einzelentscheidungen.


Chronologie des Endes

Datum Ereignis Historische Bedeutung
8. August 1918 Alliierter Durchbruch bei Amiens Sichtbares Zeichen der militärischen Krise des deutschen Heeres
29. September 1918 Die Oberste Heeresleitung verlangt ein sofortiges Waffenstillstandsgesuch Militärische Niederlage wird gegenüber der politischen Führung eingestanden
3. Oktober 1918 Max von Baden wird Reichskanzler Beginn einer Regierung auf Grundlage der Reichstagsmehrheit
24. Oktober 1918 Flottenbefehl der Seekriegsleitung Unmittelbarer Auslöser der Befehlsverweigerungen
28. Oktober 1918 Oktoberreformen treten in Kraft Übergang zu einer parlamentarisierten Monarchie
3. und 4. November 1918 Demonstrationen, Tote und Machtübernahme der Räte in Kiel Beginn der reichsweiten Novemberrevolution
7. November 1918 Ausrufung des Freistaats Bayern Sturz der Monarchie in einem deutschen Bundesstaat
9. November 1918 Abdankungsverkündung, Amtsübergabe an Ebert und doppelte Republikausrufung Politisches Ende der kaiserlichen Herrschaft
10. November 1918 Wilhelm II. geht ins Exil; Rat der Volksbeauftragten und Ebert-Groener-Pakt Konsolidierung einer provisorischen republikanischen Regierung
11. November 1918 Waffenstillstand von Compiègne Ende der Kampfhandlungen des Ersten Weltkriegs
12. November 1918 Regierungsprogramm des Rats der Volksbeauftragten Freiheitsrechte und allgemeines Wahlrecht für Frauen und Männer
15. November 1918 Stinnes-Legien-Abkommen Sozialpolitischer Kompromiss zwischen Gewerkschaften und Arbeitgebern
16. bis 21. Dezember 1918 Reichsrätekongress Entscheidung für Wahlen zu einer Nationalversammlung
28. November 1918 Formelle Abdankung Wilhelms II. Dynastisch-rechtliche Bestätigung des Herrschaftsverlusts
19. Januar 1919 Wahl der Nationalversammlung Demokratische Legitimation der verfassunggebenden Versammlung
11. August 1919 Unterzeichnung der Weimarer Reichsverfassung Verfassungsrechtliche Konsolidierung der Republik


Zusammenfassung

Das Ende des Deutschen Kaiserreichs war ein Prozess und kein punktuelles Ereignis. Die militärische Niederlage entzog dem politischen System seine wichtigste Stütze. Soziale Not und Kriegsmüdigkeit verstärkten den Vertrauensverlust. Die Oberste Heeresleitung verlangte eine parlamentarisch gestützte Regierung, versuchte aber zugleich, Verantwortung abzuwälzen. Die Oktoberreformen kamen zu spät. Der Flottenbefehl löste Befehlsverweigerungen aus, der Kieler Matrosenaufstand entwickelte sich zur reichsweiten Revolution. Am 9. November zerfiel die monarchische Staatsgewalt, die Republik wurde ausgerufen und Friedrich Ebert übernahm die Regierung. Der Waffenstillstand beendete am 11. November die Kampfhandlungen. Die Revolution schuf Demokratie und politische Gleichheit, ließ aber wichtige institutionelle und gesellschaftliche Kontinuitäten bestehen.


Belege und Vertiefung

  1. Deutsches Historisches Museum, LeMO: Revolution 1918/19
  2. Bundeszentrale für politische Bildung: Vom Kaiserreich zur Republik 1918/19
  3. Bundeszentrale für politische Bildung: Die deutsche Revolution 1918/19
  4. Wikipedia: Novemberrevolution
  5. Wikipedia: Oktoberreformen
  6. Wikipedia: Abdankung Wilhelms II.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Welcher Faktor löste die unmittelbare revolutionäre Dynamik Ende Oktober und Anfang November 1918 aus? (Der Flottenbefehl und die anschließende Befehlsverweigerung von Matrosen) (!Die Verkündung des Versailler Vertrags) (!Die Auflösung der Weimarer Nationalversammlung) (!Der Kapp-Putsch)




Warum verlangte die Oberste Heeresleitung Ende September 1918 ein Waffenstillstandsgesuch? (Sie bewertete die militärische Lage als aussichtslos) (!Sie hatte bereits einen vollständigen Sieg errungen) (!Sie wollte die Monarchie durch eine neue Kaiserkrönung stärken) (!Sie reagierte auf die Besetzung Berlins durch alliierte Truppen)




Was veränderten die Oktoberreformen von 1918 wesentlich? (Der Reichskanzler wurde vom Vertrauen des Reichstags abhängig) (!Das Frauenwahlrecht wurde wieder abgeschafft) (!Der Bundesrat wurde zur alleinigen Regierung) (!Deutschland wurde sofort in Besatzungszonen geteilt)




Was geschah am 9. November 1918 in Berlin? (Die Abdankung des Kaisers wurde bekannt gegeben und die Republik ausgerufen) (!Der Versailler Vertrag trat in Kraft) (!Die Weimarer Verfassung wurde verabschiedet) (!Die Monarchie wurde durch eine Volksabstimmung bestätigt)




Worin unterschieden sich die politischen Ziele Scheidemanns und Liebknechts besonders? (Scheidemann zielte auf eine parlamentarische Republik und Liebknecht auf eine sozialistische Räteordnung) (!Scheidemann verlangte die Rückkehr des Kaisers und Liebknecht eine Militärdiktatur) (!Beide wollten die Monarchie unverändert fortsetzen) (!Beide lehnten jede politische Beteiligung der Arbeiterschaft ab)




Welche Aufgabe hatte der Rat der Volksbeauftragten? (Er führte als provisorische Regierung den Übergang zur Republik) (!Er leitete die kaiserliche Marine im Weltkrieg) (!Er war das oberste Gericht des Kaiserreichs) (!Er verhandelte den Berliner Kongress von 1878)




Was kennzeichnete den Ebert-Groener-Pakt? (Eine Verständigung zwischen der neuen Regierung und der Heeresleitung) (!Ein Friedensvertrag zwischen Deutschland und Frankreich) (!Ein Wahlbündnis zwischen Zentrum und Spartakusbund) (!Eine Vereinbarung zur Wiedereinsetzung Wilhelms II.)




Wann unterzeichnete Wilhelm II. seine formelle Abdankungserklärung? (Am 28. November 1918) (!Am 18. Januar 1871) (!Am 11. August 1919) (!Am 30. Januar 1933)




Warum ist die Dolchstoßlegende historisch falsch? (Die militärische Führung hatte selbst wegen der aussichtslosen Lage einen Waffenstillstand verlangt) (!Deutschland hatte den Krieg militärisch gewonnen) (!Die Revolution begann erst nach dem Versailler Vertrag) (!Die Oberste Heeresleitung war 1918 bereits aufgelöst)




Welche Aussage beschreibt das Verhältnis von Kontinuität und Bruch nach 1918 am besten? (Die Staatsform änderte sich grundlegend, während Teile von Verwaltung, Justiz und Militär fortbestanden) (!Alle Institutionen und Eliten des Kaiserreichs verschwanden sofort) (!Die Monarchie blieb unverändert und nur der Reichstag wurde umbenannt) (!Die Republik übernahm weder Gesetze noch Behörden aus der Kaiserzeit)





Memory

Oktoberreformen Parlamentarisierung
Kieler Matrosen Befehlsverweigerung
Philipp Scheidemann Parlamentsrepublik
Karl Liebknecht Räterepublik
Friedrich Ebert Volksbeauftragte
Wilhelm Groener Heeresleitung
Matthias Erzberger Waffenstillstand
Wilhelm II. Exil





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Historische Bedeutung
Militärische Niederlage Zwang die politische Führung zur Suche nach einem Waffenstillstand
Oktoberreformen Machten den Reichskanzler vom Vertrauen des Reichstags abhängig
Kieler Matrosenaufstand Verwandelte Befehlsverweigerung in eine reichsweite Revolutionsbewegung
Republikausrufung Markierte den offenen Bruch mit der monarchischen Staatsform
Rat der Volksbeauftragten Übernahm provisorisch die Regierungsgewalt
Weimarer Nationalversammlung Erarbeitete die republikanische Verfassung




...


Kreuzworträtsel

Matrosen Welche Gruppe leitete mit Befehlsverweigerungen den unmittelbaren Revolutionsbeginn ein?
Abdankung Wie heißt der formelle Verzicht eines Monarchen auf seinen Thron?
Republik Welche Staatsform wurde am 9. November 1918 ausgerufen?
Waffenstillstand Welches Abkommen beendete am 11. November 1918 die Kampfhandlungen?
Reichstag Vor welchem Parlamentsgebäude rief Scheidemann die Republik aus?
Revolution Wie wird der politische Umbruch von 1918 und 1919 bezeichnet?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Im September 1918 bewertete die

die militärische Lage als aussichtslos. Die Regierung unter

richtete daraufhin ein Waffenstillstandsgesuch an die Vereinigten Staaten. Durch die

wurde der Reichskanzler vom Vertrauen des Reichstags abhängig. Der Befehl zu einem letzten Flottenvorstoß führte zur Verweigerung vieler

. In Kiel entstanden Arbeiter- und

. Am 9. November gab Max von Baden die

des Kaisers bekannt. Philipp Scheidemann rief eine parlamentarische

aus. Friedrich Ebert übernahm die Leitung der neuen

. Wilhelm II. ging in den Niederlanden ins

. Am 11. November beendete der Waffenstillstand von

die Kampfhandlungen. Der Reichsrätekongress entschied sich für Wahlen zu einer

. Die Behauptung eines Verrats an einem unbesiegten Heer wird als

bezeichnet.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Zeitleiste: Gestalte eine visuelle Zeitleiste mit mindestens zehn Stationen zwischen dem 8. August 1918 und dem 11. August 1919. Markiere militärische, politische und soziale Ereignisse mit unterschiedlichen Symbolen.
  2. Begriffsnetz: Erstelle ein Begriffsnetz aus „Niederlage“, „Reform“, „Revolution“, „Abdankung“, „Republik“ und „Waffenstillstand“. Begründe jede Verbindung in einem vollständigen Satz.
  3. Bildanalyse: Wähle ein im Kurs eingebundenes Foto aus. Beschreibe zunächst nur Sichtbares und formuliere danach drei quellenkritische Fragen zu Entstehung, Auswahl und Bildunterschrift.
  4. Akteursporträt: Verfasse ein kurzes historisches Porträt zu Friedrich Ebert, Philipp Scheidemann, Karl Liebknecht, Max von Baden oder Matthias Erzberger. Trenne Lebensdaten, Handlungsziele und spätere Bewertung.


Standard

  1. Quellenvergleich: Vergleiche die Titelseite des „Vorwärts“ vom 9. November 1918 mit einer zeitgenössischen Zeitung anderer politischer Richtung. Untersuche Wortwahl, Feindbilder, Handlungsaufrufe und Darstellung der Republik.
  2. Erklärvideo: Produziere ein drei- bis fünfminütiges Video zur Leitfrage „Warum endete das Kaiserreich?“. Nutze mindestens vier Ursachenebenen und kennzeichne verwendete Quellen.
  3. Debatte: Führe eine strukturierte Debatte zur These „Die Oktoberreformen hätten das Kaiserreich retten können, wenn sie früher gekommen wären“. Formuliere Argumente, Gegenargumente und ein abgewogenes Urteil.
  4. Kartenprojekt: Erstelle eine Karte zur Ausbreitung der Novemberrevolution von Kiel über wichtige Städte bis Berlin und München. Ergänze für jeden Ort ein Ereignis und erläutere, wie Nachrichten, Bahnverkehr und militärische Netzwerke die Ausbreitung erleichterten.


Schwer

  1. Forschungsessay: Schreibe einen quellenbasierten Essay zur Frage, ob die Revolution 1918/19 als erfolgreich, gescheitert oder unvollendet gelten sollte. Lege zuerst eigene Bewertungskriterien fest und diskutiere mindestens zwei Forschungspositionen.
  2. Mikrogeschichte: Untersuche das Revolutionsgeschehen in einer ausgewählten Stadt oder Region. Nutze digitale Archive, lokale Zeitungen, Ratsprotokolle oder Erinnerungsorte und vergleiche den lokalen Verlauf mit Berlin.
  3. Digitale Ausstellung: Kuratiere eine digitale Ausstellung mit mindestens acht Exponaten zu „Kontinuität und Bruch 1918“. Verfasse Objekttexte, Provenienzangaben und eine begründete Ausstellungsdramaturgie.
  4. Oral History und Erinnerungskultur: Führe ein Interview zur familiären oder lokalen Erinnerung an Kaiserreich, Revolution oder Weimarer Republik. Da keine direkten Zeitzeuginnen und Zeitzeugen von 1918 mehr leben, untersuche bewusst überlieferte Familiengeschichten, Denkmäler oder Schulnarrative und reflektiere die Grenzen dieser Überlieferung.




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Lernkontrolle

  1. Kausalanalyse: Entwickle ein Schaubild, das militärische Niederlage, soziale Not, Verfassungsdefizite und revolutionäre Mobilisierung miteinander verbindet. Erkläre anschließend, welcher Faktor ohne die anderen vermutlich nicht zum gleichen Ergebnis geführt hätte.
  2. Kontrafaktisches Denken: Prüfe die Annahme, Wilhelm II. hätte durch eine sofortige Abdankung Anfang Oktober 1918 die Monarchie retten können. Formuliere Voraussetzungen, Gegenkräfte und Grenzen dieses Szenarios, ohne das Ergebnis als sicher darzustellen.
  3. Akteurskonflikt: Vergleiche die Handlungslogik von Ebert, Liebknecht und der Obersten Heeresleitung. Zeige, wie Sicherheitsbedürfnis, Revolutionsziel und institutionelle Macht ihre Entscheidungen beeinflussten.
  4. Urteilsbildung: Beurteile die Aussage „Der 9. November 1918 war zugleich Revolution und Staatsgründung“. Definiere beide Begriffe und belege Dein Urteil mit mindestens drei Ereignissen.
  5. Kontinuitätsproblem: Erkläre an Verwaltung, Justiz oder Militär, warum institutionelle Kontinuität sowohl Stabilität ermöglichen als auch eine Demokratie gefährden kann. Übertrage die Überlegung auf einen anderen historischen Systemwechsel.
  6. Mythenkritik: Analysiere, warum die Dolchstoßlegende trotz gegenteiliger militärischer Fakten politisch wirksam werden konnte. Beziehe Interessen, Medien, Feindbilder und psychologische Entlastung ein.
  7. Periodisierung: Entscheide begründet, welches Datum sich am besten als Ende des Kaiserreichs eignet: 9. November, 11. November oder 28. November 1918. Zeige, dass die Antwort vom verwendeten historischen Kriterium abhängt.




Lernnachweis

Für einen überzeugenden Lernnachweis solltest Du:

  1. die wichtigsten Ereignisse zwischen September 1918 und August 1919 korrekt chronologisch einordnen,
  2. militärische, soziale, politische und verfassungsrechtliche Ursachen miteinander verknüpfen,
  3. die Interessen zentraler Akteure differenziert darstellen,
  4. zwischen politischem, dynastischem und verfassungsrechtlichem Ende unterscheiden,
  5. mindestens eine Bildquelle und eine Textquelle methodisch kontrolliert analysieren,
  6. Kontinuitäten und Brüche nach 1918 an konkreten Institutionen belegen,
  7. die Dolchstoßlegende als politisch wirksamen Mythos erklären,
  8. ein eigenständiges, mit Quellen und Forschungsliteratur begründetes historisches Urteil formulieren.




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Prüfungsliteratur 2026
Bundesland Bücher Kurzbeschreibung
Baden-Württemberg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Mittlere Reife

  1. Der Markisenmann - Jan Weiler oder Als die Welt uns gehörte - Liz Kessler
  2. Ein Schatten wie ein Leopard - Myron Levoy oder Pampa Blues - Rolf Lappert

Abitur Dorfrichter-Komödie über Wahrheit/Schuld; Roman über einen Ort und deutsche Geschichte. Mittlere Reife Wahllektüren (Roadtrip-Vater-Sohn / Jugendroman im NS-Kontext / Coming-of-age / Provinzroman).

Bayern

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Lustspiel über Machtmissbrauch und Recht; Roman als Zeitschnitt deutscher Geschichte an einem Haus/Grundstück.

Berlin/Brandenburg

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  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
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  4. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Gerichtskomödie; soziales Drama um Ausbeutung/Armut; Komödie/Satire um Diebstahl und Obrigkeit; Roman über Erinnerungsräume und Umbrüche.

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  1. Nach Mitternacht - Irmgard Keun
  2. Mario und der Zauberer - Thomas Mann
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Abitur Roman in der NS-Zeit (Alltag, Anpassung, Angst); Novelle über Verführung/Massenpsychologie; bürgerliche Trauerspiele (Moral, Macht, Stand).

Hamburg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun

Abitur Justiz-/Machtkritik als Komödie; Großstadtroman der Weimarer Zeit (Rollenbilder, Aufstiegsträume, soziale Realität).

Hessen

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  4. Der Prozess - Franz Kafka

Abitur Gerichtskomödie; Fragmentdrama über Gewalt/Entmenschlichung; Erinnerungsroman über deutsche Brüche; moderner Roman über Schuld, Macht und Bürokratie.

Niedersachsen

Abitur

  1. Der zerbrochene Krug - Heinrich von Kleist
  2. Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun
  3. Die Marquise von O. - Heinrich von Kleist
  4. Über das Marionettentheater - Heinrich von Kleist

Abitur Schwerpunkt auf Drama/Roman sowie Kleist-Prosatext und Essay (Ehre, Gewalt, Unschuld; Ästhetik/„Anmut“).

Nordrhein-Westfalen

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Komödie über Wahrheit und Autorität; Roman als literarische „Geschichtsschichtung“ an einem Ort.

Saarland

Abitur

  1. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  2. Furor - Lutz Hübner und Sarah Nemitz
  3. Bahnwärter Thiel - Gerhart Hauptmann

Abitur Erinnerungsroman an einem Ort; zeitgenössisches Drama über Eskalation/Populismus; naturalistische Novelle (Pflicht/Überforderung/Abgrund).

Sachsen (berufliches Gymnasium)

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Irrungen, Wirrungen - Theodor Fontane
  4. Der gute Mensch von Sezuan - Bertolt Brecht
  5. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  6. Der Trafikant - Robert Seethaler

Abitur Mischung aus Klassiker-Drama, sozialem Drama, realistischem Roman, epischem Theater und Gegenwarts-/Erinnerungsroman; zusätzlich Coming-of-age im historischen Kontext.

Sachsen-Anhalt

Abitur

  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Themenfelder)

Abitur Schwerpunktsetzung über Themenfelder (u. a. Literatur um 1900; Sprache in politisch-gesellschaftlichen Kontexten), ohne feste Einzeltitel.

Schleswig-Holstein

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Recht/Gerechtigkeit und historische Tiefenschichten eines Ortes – umgesetzt über Drama und Gegenwartsroman.

Thüringen

Abitur

  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool)

Abitur In der Praxis häufig Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool; landesweite Einzeltitel je nach Vorgabe/Handreichung nicht einheitlich ausgewiesen.

Mecklenburg-Vorpommern

Abitur

  1. (Quelle aktuell technisch nicht abrufbar; Beteiligung am gemeinsamen Aufgabenpool bekannt)

Abitur Land beteiligt sich am länderübergreifenden Aufgabenpool; konkrete, veröffentlichte Einzeltitel konnten hier nicht ausgelesen werden.

Rheinland-Pfalz

Abitur

  1. (keine landesweit einheitliche Pflichtlektüre; schulische Auswahl)

Abitur Keine landesweite Einheitsliste; Auswahl kann schul-/kursbezogen erfolgen.




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