Choreografien der Bayern-Fans

Choreografien der Bayern-Fans
Choreografien der Bayern-Fans
Einleitung
Choreografien der Fans des FC Bayern München sind geplante, gemeinschaftlich ausgeführte Bilder im Stadion. Tausende Menschen halten gleichzeitig Folien, Fahnen, Schals oder Papptafeln hoch, große Blockfahnen werden entfaltet, Spruchbänder verbinden Bild und Text. Für wenige Minuten verwandelt sich eine Tribüne oder sogar das gesamte Stadion in eine visuelle Botschaft. Solche Aktionen sind deshalb mehr als Dekoration: Sie sind Ausdruck von Fankultur, kollektiver Identität, Erinnerung, Unterstützung der Mannschaft und manchmal auch Kritik oder gesellschaftlichem Gedenken.
Dieser aiMOOC untersucht bedeutende Choreografien der Bayern-Fans, ihre Gestaltung, ihre Botschaften und ihre Einbettung in die aktive Fanszene. Als „bedeutend“ werden hier Beispiele behandelt, die besonders groß angelegt waren, prägnante Bildideen nutzten, historische Ereignisse erinnerten oder sichtbar machten, wie Fans ihre Rolle im Verein und im Fußball verstehen. Die Auswahl ist nicht vollständig.

Die Allianz Arena ist seit 2005 die Heimspielstätte des FC Bayern. Ihre steilen Ränge, die drei Ebenen der Südkurve und die geschlossene Stadionform ermöglichen großflächige Bilder. Gleichzeitig müssen Choreografien an die Architektur, Sichtachsen, Fluchtwege, Brandschutzvorgaben und organisatorischen Regeln des jeweiligen Wettbewerbs angepasst werden.
Das offizielle Video des FC Bayern zu zehn Jahren Allianz Arena zeigt mehrere historische Fan-Choreografien und eignet sich als Einstieg, um Formen, Farben, Größenverhältnisse und die Wirkung im Stadion zu vergleichen.
Fankultur und Südkurve
Die aktive Fanszene des FC Bayern ist vielfältig. Neben vielen Fanclubs und Einzelpersonen gehören Gruppen und Zusammenschlüsse dazu, die Gesänge koordinieren, Auswärtsfahrten organisieren, historische Themen aufarbeiten oder optische Aktionen vorbereiten. Eine wichtige Plattform ist der Club Nr. 12. Er beschreibt sich selbst als unabhängige Vereinigung aktiver Bayern-Fans und nennt die Organisation von Stadionchoreografien ausdrücklich als Teil seiner Arbeit. Der Name verweist auf die symbolische Rolle der Fans als „zwölfter Mann“.

Eine Choreografie entsteht nicht einfach durch einen einzelnen Entwurf. Sie ist ein Gemeinschaftsprojekt. Ideen müssen diskutiert, Bildmotive recherchiert, Flächen vermessen, Materialien vorbereitet, Helfende koordiniert und die Zuschauenden am Spieltag einbezogen werden. Gerade diese kollektive Arbeit ist für viele Beteiligte Teil der Bedeutung: Das sichtbare Ergebnis dauert oft nur wenige Minuten, doch dahinter können viele Stunden ehrenamtlicher Vorbereitung stehen.
Die Bezeichnung Südkurve steht beim FC Bayern nicht nur für einen Ort im Stadion. Sie ist zugleich ein kultureller Bezugspunkt der aktiven Fanszene. Gesänge, Fahnen, Banner und Choreografien bündeln dort die Unterstützung. Große Aktionen können aber auch Nordkurve, Gegengerade, Haupttribüne oder das gesamte Stadion einbeziehen.
Choreografie als „Geschenk“ der Fans
Der Club Nr. 12 hat Choreografien als „Geschenk der Fans an den Verein und die Mannschaft“ beschrieben. Diese Sichtweise betont die Eigeninitiative der Fans. Entwürfe werden deshalb häufig bis zum Spieltag nicht öffentlich gemacht: Der Überraschungseffekt ist Teil der Inszenierung.
Diese Vorstellung erklärt auch Konflikte um die Frage, wer eine Choreografie gestaltet. 2017 kritisierte der Club Nr. 12 eine vom Verein beauftragte Eventagentur und unterschied sie ausdrücklich von ehrenamtlich organisierten Fanaktionen. Für die Analyse von Fankultur ist diese Debatte wichtig: Ein großes Stadionbild kann äußerlich ähnlich aussehen, aber aus Sicht aktiver Fans eine andere Bedeutung haben, je nachdem, ob es aus der Kurve heraus oder als professionell bestellte Inszenierung entsteht.
Gestaltungsmittel
Eine gute Choreografie muss aus großer Entfernung lesbar sein. Deshalb arbeiten Fan-Choreografien oft mit wenigen, kontrastreichen Farben, klarer Typografie und stark vereinfachten Bildern. Beim FC Bayern dominieren naturgemäß Rot und Weiß; Schwarz wird häufig als Kontrast eingesetzt. In besonderen Situationen kommen weitere Farben hinzu, wenn sie für die Aussage wichtig sind.
Typische Gestaltungsmittel sind:
- Farbflächen: Viele einzelne Folien oder Tafeln ergeben aus der Distanz Streifen, Buchstaben, Wappen oder große Bildfelder.
- Blockfahnen: Sehr große bedruckte oder bemalte Stoffflächen können Porträts, Symbole oder historische Szenen zeigen.
- Spruchbänder: Kurze Sätze geben dem Bild eine eindeutige Botschaft oder erzeugen eine Pointe.
- Symbole: Pokale, historische Vereinswappen, Trikots, Bäume, Stadtwappen oder Porträts verdichten komplexe Geschichten zu einem Bild.
- Sequenzen: Manche Choreografien verändern sich in mehreren Schritten. Dadurch entsteht eine kleine visuelle Erzählung.
- Typografie: Große, blockhafte Buchstaben müssen auch von gegenüberliegenden Tribünen und Fernsehkameras erkennbar bleiben.
- Stadtbezüge: Münchner Skyline, Münchner Kindl oder lokale Redewendungen verbinden den Verein mit seiner Stadt.
Planung und Durchführung
Die konkrete Organisation hängt vom Stadion, Wettbewerb und Sicherheitskonzept ab. Didaktisch lässt sich der Prozess in sieben Phasen gliedern:
- Ideenfindung: Ein Anlass wird ausgewählt, etwa ein Jubiläum, ein wichtiges Spiel, eine Vereinslegende oder ein Erinnerungsanlass.
- Recherche: Historische Daten, Bildvorlagen, Zitate und Symbole werden geprüft, damit die Botschaft sachlich stimmt.
- Entwurf: Die Tribüne wird wie ein Raster behandelt. Farben, Schrift und Bildmotive werden so vereinfacht, dass sie aus großer Distanz funktionieren.
- Produktion: Materialien werden zugeschnitten, bemalt, sortiert und den vorgesehenen Bereichen zugeordnet.
- Abstimmung: Organisierende klären Zugänge, Sicherheitsregeln, Brandschutz und den Ablauf mit den zuständigen Stellen.
- Koordination: Helfende verteilen Material und Hinweise. Startsignal und Timing müssen für viele Menschen gleichzeitig verständlich sein.
- Durchführung und Nachbereitung: Die Choreografie wird beim Einlaufen oder vor dem Anpfiff gezeigt; danach werden Materialien eingesammelt und der Ablauf dokumentiert.
Beim Champions-League-Spiel gegen Manchester United am 9. April 2014 wurde die Koordination besonders sichtbar: Für „Kings of the Cup“ gab es eine mehrstufige Anleitung. Die Zuschauenden sollten rechtzeitig auf ihren Plätzen sein, Materialien nicht vertauschen, auf Signale achten und die Folien im richtigen Moment hochhalten. Das Beispiel zeigt, dass Gestaltung und Organisation untrennbar zusammengehören.
Wichtig: Dieser aiMOOC behandelt legale optische Choreografien. Pyrotechnik unterliegt rechtlichen, sicherheitstechnischen und verbandsbezogenen Regeln und kann Sanktionen auslösen. Sie ist kein Bestandteil der hier vorgeschlagenen Schulprojekte.
Bedeutende Choreografien
Die folgenden Beispiele zeigen unterschiedliche Funktionen: Unterstützung, lokale Identität, Erinnerung an Vereinsgeschichte, Würdigung von Persönlichkeiten, gesellschaftliches Gedenken und Selbstdarstellung der Fanszene.
2001: Mailand – „Heute ist ein guter Tag, um Geschichte zu schreiben“
Ein wichtiger früher Bezugspunkt großer Bayern-Fanaktionen ist das Champions-League-Finale 2001 gegen den FC Valencia im Mailänder San Siro. Die Bayern-Fans zeigten ein riesiges Spruchband mit der Botschaft „Heute ist ein guter Tag, um Geschichte zu schreiben“. Bayern gewann das Finale im Elfmeterschießen und holte erstmals seit 1976 wieder den wichtigsten europäischen Vereinspokal.
Das Beispiel zeigt eine Grundform der späteren Choreografiekultur: Ein kurzer Satz wird durch Größe, Anlass und kollektive Präsentation zu einer gemeinsamen Selbstvergewisserung. Der Text ist zugleich Vorhersage, Motivation und historische Rahmung.
2005 und 2006: Die neue Allianz Arena wird zur Bildfläche
Zur Eröffnung der Allianz Arena am 31. Mai 2005 bedeckte eine rot-weiße Choreografie die Ränge. Damit wurde das neue Stadion sofort auch als Raum für visuelle Fankultur markiert.
Am 21. Februar 2006 folgte vor dem Champions-League-Spiel gegen die AC Mailand eine besonders bildhafte Idee: Ein großer Schalthebel stand für die Aufforderung, sportlich „einen Gang hochzuschalten“. Die Gänge symbolisierten den Weg durch den Wettbewerb, während ein blau markierter Rückwärtsgang mit „60“ auf den damaligen Münchner Stadtrivalen TSV 1860 anspielte.
Dieses Beispiel verbindet Metapher, Humor und Rivalität. Ein technisches Alltagsobjekt wird zum Bild für sportliche Leistung; eine kleine farbliche Pointe erweitert die Botschaft für ein lokales Publikum.
2012: „Unsere Stadt, unser Stadion, unser Pokal“
Vor dem Champions-League-Finale am 19. Mai 2012 gegen den FC Chelsea verwandelte sich die Bayern-Kurve in ein rot-weiß gestreiftes Bild. Zu sehen waren ein großer Europapokal und Elemente der Münchner Skyline. Die Spruchbänder formulierten die Erwartung des „Finale dahoam“: „Unsere Stadt, unser Stadion, unser Pokal“.

Gestalterisch verband die Aktion drei Ebenen: Ort, Heimstadion und sportliches Ziel. Die Skyline stand für München, die Stadionkulisse für den Heimvorteil, der Pokal für den erhofften Champions-League-Sieg. Dass Chelsea das Finale später im Elfmeterschießen gewann, gab der Choreografie im Rückblick eine zusätzliche emotionale Bedeutung. Sie wurde zu einem Bild für Hoffnung und Enttäuschung zugleich.
2013: Farbwechsel gegen Borussia Dortmund
Vor dem DFB-Pokalspiel gegen Borussia Dortmund am 27. Februar 2013 arbeitete die Südkurve mit einer überraschenden Farbdramaturgie. Zunächst erschienen gelb-schwarze Farbbänder und der Satz „Die Farben der geilsten Stadt“. Danach wechselte die Kurve zu Rot-Weiß und dem Satz „Die Farben des besten Vereins“.
Die Pointe funktioniert nur durch die Rivalität der Farbcodes. Schwarz-Gelb wird im deutschen Fußball stark mit Dortmund verbunden; Rot-Weiß steht für Bayern. Die Choreografie nahm die gegnerischen Farben auf, ordnete sie aber zuerst der Stadt München zu und stellte anschließend die eigenen Vereinsfarben heraus. Das Beispiel zeigt, wie eine Choreografie mit Ironie, Farbsemantik und zeitlicher Abfolge arbeiten kann, ohne auf eine komplizierte Bildsprache angewiesen zu sein.
2014: Erinnerung an Kurt Landauer
Am 2. Februar 2014 zeigte die Fanszene eine Choreografie zu Ehren von Kurt Landauer, dem langjährigen Präsidenten des FC Bayern, der als Jude während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt wurde und 1939 in die Schweiz emigrieren musste. Nach dem Krieg kehrte er nach München zurück und übernahm erneut Verantwortung im Verein.
Die Choreografie steht für eine Form von Fankultur, die Vereinsgeschichte nicht nur als Titelsammlung versteht. Sie verbindet Fußball mit Erinnerungskultur und der Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus. Für die Kurt-Landauer-Choreografie erhielt die Gruppierung Schickeria einen 11FREUNDE-Preis; ihr Engagement gegen Diskriminierung wurde außerdem mit dem Julius-Hirsch-Preis des DFB gewürdigt.
Damit zeigt dieses Beispiel: Eine Fan-Choreografie kann eine historische Bildungsfunktion haben. Sie macht eine Person sichtbar, deren Biografie über den Fußball hinaus Fragen nach Verfolgung, Verantwortung, Erinnerung und demokratischer Haltung eröffnet.
2014: „Kings of the Cup“ gegen Manchester United
Am 9. April 2014 empfing Bayern Manchester United im Champions-League-Viertelfinale. Über alle drei Ränge der Südkurve entstand nach einer abgestimmten Sequenz der Schriftzug „Kings of the Cup“. Die Botschaft bezog sich auf den Champions-League-Triumph von 2013 und inszenierte die Mannschaft als amtierenden europäischen Titelträger.
Besonders lehrreich ist dieses Beispiel wegen der Choreografie des Ablaufs: Nicht nur das Endbild, sondern auch der Moment des Erscheinens war geplant. Konfetti, Folien und Signale wurden zeitlich aufeinander abgestimmt. Die Kurve wurde dadurch selbst zu einem bewegten Medium.
2015: 115 Jahre FC Bayern – der Vereinsbaum
Zum 115. Vereinsgeburtstag am 27. Februar 2015 zeigte die Südkurve vor dem Heimspiel gegen den 1. FC Köln einen großen Baum über mehrere Ränge. An Ästen und Zweigen wurden Personen und Meilensteine der Vereinsgeschichte dargestellt. Dazu stand sinngemäß die Idee im Mittelpunkt, dass aus einem einst gesäten Samenkorn etwas Großes gewachsen sei.
Der Baum ist ein starkes Symbol, weil er Ursprung, Wachstum, Verzweigung und Kontinuität zugleich darstellen kann. Anders als eine reine Jubiläumszahl erzählt er Geschichte als Entwicklung. Für den Unterricht eignet sich das Beispiel besonders gut, um zu untersuchen, wie Metaphern visuell umgesetzt werden.
2015: „Niemals aufgeben!“ gegen Porto
Nach einer 1:3-Niederlage im Viertelfinal-Hinspiel der Champions League gegen den FC Porto stand vor dem Rückspiel am 21. April 2015 in der Südkurve die klare Botschaft „Niemals aufgeben!“. Bayern gewann das Rückspiel 6:1.
Die Choreografie ist ein Beispiel für die Funktion Motivation. Sie blickt nicht primär zurück, sondern versucht, die Stimmung vor einem sportlich schwierigen Spiel zu beeinflussen. Die Gestaltung muss dafür nicht historisch komplex sein: Ein kurzer Satz kann als gemeinschaftlicher Imperativ eine starke Wirkung entfalten.
2019 und 2020: Geschichte als Stadionbild
Am 9. November 2019 erinnerten Bayern-Fans an das erste Double aus Meisterschaft und DFB-Pokal, das 50 Jahre zuvor gewonnen worden war. Mannschaftsbilder und Jubelszenen griffen die Generation um Sepp Maier, Franz Beckenbauer und Gerd Müller auf.
Zum 120. Geburtstag des FC Bayern am 8. März 2020 wurde das Prinzip noch größer: Die Choreografie umfasste die Ränge um das gesamte Spielfeld. Drei historische Vereinswappen und ein großer Schriftzug zum 120-jährigen Bestehen machten die Veränderung des Vereins über die Zeit sichtbar.
Beide Beispiele zeigen, wie Fanbilder als visuelles Archiv funktionieren können. Historische Fotos, Wappen und Zahlen werden nicht in einem Museum, sondern in einer lebendigen Spieltagssituation präsentiert.
2022: 50 Jahre Südkurve
Im August 2022 feierten Bayern-Fans vor dem Bundesliga-Spiel gegen Borussia Mönchengladbach 50 Jahre Südkurve. Der Bezugspunkt war das Jahr 1972, als mit dem neu eröffneten Münchner Olympiastadion die Südkurve zum dauerhaften Ort der aktiven Bayern-Fans wurde.
Die Jubiläumschoreografie richtete den Blick damit auf die Fanszene selbst. Nicht Mannschaft, Titel oder Einzelspieler standen im Mittelpunkt, sondern die Geschichte des Fanortes und der Generationen, die dort unterstützt, gesungen, Fahnen geschwenkt und Choreografien organisiert hatten. Damit wird Fankultur zum eigenen historischen Thema.
2023: Erinnerung an Wembley 2013
Am 29. November 2023, beim 100. Europapokalspiel in der Allianz Arena, erinnerte eine Choreografie an den Champions-League-Sieg von Wembley 2013. Auf mehreren großen Wappen beziehungsweise Bildfeldern erschienen zentrale Figuren des damaligen Triumphs; die begleitende Textzeile nahm den entscheidenden Treffer von Arjen Robben auf.
Die Botschaft verband Spielortgeschichte und Vereinsmythos: Ein aktuelles Europapokalspiel wurde mit dem größten europäischen Erfolg einer früheren Mannschaft verknüpft. Erinnern bedeutet hier nicht nur Rückschau, sondern die Herstellung einer Verbindung zwischen Generationen von Spielern und Fans.
2024: „Im Namen der Stadt“ und das Münchner Kindl
Vor dem Champions-League-Achtelfinal-Rückspiel gegen Lazio Rom am 5. März 2024 zeigte die Südkurve das Münchner Kindl, die Wappenfigur der Stadt. Am unteren Rand stand „Im Namen der Stadt“.
Diese Choreografie ist ein besonders klares Beispiel für lokale Identität. Der Verein wird nicht isoliert gezeigt, sondern als Teil Münchens. Das Stadtwappen wird zum Bindeglied zwischen Fußballclub, Fans und urbanem Selbstverständnis.
2024: Franz Beckenbauer als „Dirigent“
Vor dem Champions-League-Halbfinale gegen Real Madrid am 30. April 2024 ehrten die Fans Franz Beckenbauer. Sein Porträt erstreckte sich über die drei Ränge der Südkurve; ein Spruchband erinnerte an seine Rolle als „Dirigent“ auf dem Feld und an seine weltweite Bekanntheit.
Die Choreografie übersetzte die Spielweise Beckenbauers in eine kulturelle Metapher: Ein Dirigent steuert ein Orchester, Beckenbauer lenkte als Libero das Spiel. So wurde aus einer sportlichen Eigenschaft ein Bild für Vereinsgeschichte und Erinnerung.
2025: Gedenken an verfolgte Vereinsmitglieder
Am 1. Februar 2025 zeigte die Südkurve rund um den Holocaust-Gedenktag Motive von verfolgten Mitgliedern des FC Bayern. Banner erinnerten an die Betroffenen und trugen die Botschaft „Nie wieder ist jetzt!“.
Diese Aktion verdeutlicht, dass Fankultur gesellschaftliche Verantwortung beanspruchen kann. Die Geschichte des Vereins wird mit der Geschichte der Verfolgung im Nationalsozialismus verbunden. Für den Unterricht ist entscheidend, die dargestellten Biografien nicht nur als Fan-Symbolik zu betrachten, sondern sie historisch zu recherchieren und in den Kontext von Ausgrenzung und Verfolgung einzuordnen.
2025: 125 Jahre FC Bayern – Choreografie im ganzen Stadion
Am 8. März 2025 wurde das 125-jährige Bestehen des FC Bayern mit einer Choreografie gefeiert, die sich über die gesamte Allianz Arena erstreckte. Rote, weiße und schwarze Folien bildeten ein geschlossenes Gesamtbild. Auf Haupttribüne, Nordkurve und Gegengerade war „Fußballclub Bayern München“ zu lesen; in der Südkurve erschien ein historisches Vereinslogo aus der Gründerzeit.
Die Gestaltung verbindet Gründung, Name und Gegenwart. Bemerkenswert ist die räumliche Dimension: Nicht nur die aktive Kurve, sondern das ganze Stadion wurde Teil des Bildes. Passend zum Jubiläum wurde vor dem Spiel auch erstmals eine neue Stadionhymne gespielt, die aus der Fanszene heraus entstanden war. So verbanden sich visuelle und musikalische Fankultur.
2025: Abschied für Thomas Müller
Vor dem letzten Heimspiel von Thomas Müller für den FC Bayern im Mai 2025 würdigten die Fans den langjährigen Spieler mit einer Choreografie. Mehrere Bilder Müllers wurden mit der Botschaft verbunden, dass er seit 25 Jahren alles für die Vereinsfarben gegeben habe.
Hier steht nicht ein Titel, sondern eine Biografie im Mittelpunkt. Die Choreografie macht sichtbar, wie Fans Vereinszugehörigkeit über lange Zeiträume erzählen: Jugend, Profikarriere, Erfolge, Persönlichkeit und Identifikation verschmelzen zu einer Abschiedserzählung.
2026: „Alles in unserer Hand“ gegen Real Madrid
Vor dem Champions-League-Viertelfinal-Rückspiel gegen Real Madrid am 15. April 2026 zeigte die Südkurve ein großes rot-weißes Bayern-Trikot über drei Ränge. Dazu stand der Satz „Alles in unserer Hand“.
Das Motiv arbeitet mit einer doppelten Bedeutung. Das Trikot steht für Mannschaft und Verein; der Satz formuliert zugleich Verantwortung und Zuversicht vor einem entscheidenden Spiel. Die Choreografie führt damit die Tradition motivierender Europapokalbilder fort.
2026: „Schießt uns ins Finale“ gegen Paris Saint-Germain
Vor dem Champions-League-Halbfinal-Rückspiel gegen Paris Saint-Germain am 6. Mai 2026 zeigte die Südkurve über drei Ränge einen rot-weißen Bayern-Spieler mit Ball. Darunter stand „Schießt uns ins Finale“.
Die Botschaft ist besonders direkt: Das Bild visualisiert die Handlung, die der Text fordert. Spielerfigur, Ball und Finalwunsch bilden eine Einheit. Damit lässt sich gut untersuchen, wie Bild und Sprache in einer Choreografie nicht nur nebeneinanderstehen, sondern sich gegenseitig erklären und verstärken.
Botschaften lesen: Was sagt eine Choreografie?
Eine Choreografie kann auf mehreren Ebenen gleichzeitig gelesen werden. Für eine fundierte Analyse solltest Du nicht nur fragen, was zu sehen ist, sondern auch wann, wo, von wem und für wen das Bild gezeigt wird.
Unterstützung und Motivation
Botschaften wie „Niemals aufgeben!“ oder „Alles in unserer Hand“ richten sich unmittelbar an Mannschaft und Stadionpublikum. Sie verwandeln die Tribüne in einen sichtbaren Unterstützungsraum. Das Bild sagt: Die Fans verstehen sich als aktiver Teil des Spiels, auch wenn sie sportlich nicht eingreifen können.
Identität und Stadt
Motive wie das Münchner Kindl, die Skyline oder lokale Sprache verknüpfen den FC Bayern mit München. Dadurch entsteht eine räumliche Identität: Der Verein wird als Teil der Stadtgeschichte und Stadtkultur dargestellt. Gleichzeitig kann diese Selbstbeschreibung im internationalen Fußball als Gegenpol zu einer globalen Marke verstanden werden.
Vereinsgeschichte und Erinnerung
Historische Wappen, frühere Mannschaften, Jubiläen oder Persönlichkeiten wie Kurt Landauer und Franz Beckenbauer machen die Tribüne zu einem temporären Erinnerungsort. Solche Bilder wählen immer aus: Sie entscheiden, welche Personen und Ereignisse hervorgehoben werden. Deshalb ist es sinnvoll, auch zu fragen, welche Teile der Geschichte nicht gezeigt werden.
Gesellschaftliche Haltung
Gedenkchoreografien zu verfolgten Vereinsmitgliedern zeigen, dass Fankultur nicht auf Tore und Titel beschränkt ist. Erinnerung an den Nationalsozialismus, Engagement gegen Diskriminierung und die Auseinandersetzung mit historischen Biografien können Teil einer Fußballkultur sein.
Protest und Fanpolitik
Banner und Choreografien können auch Kritik an Verbänden, Regeln, Kommerzialisierung oder Entscheidungen im Fußball ausdrücken. Dabei ist zwischen einer großen, bildhaften Choreografie und einem einzelnen Protestbanner zu unterscheiden. Beides gehört jedoch zur visuellen Kommunikation von Fans.

Das freie Commons-Foto zeigt ein Protestbanner von Fans des FC Bayern München II im Jahr 2022. Es ist keine der großen Erstmannschafts-Choreografien dieses aiMOOCs, veranschaulicht aber, wie Schriftbanner als Medium für fanpolitische Botschaften genutzt werden.
Bildsprache und Ästhetik
Farbe als Bedeutungsträger
Rot und Weiß markieren Zugehörigkeit zum FC Bayern. Schwarz kann Tiefe und Kontrast schaffen. Andere Farben können bewusst „fremd“ wirken und dadurch eine Pointe ermöglichen, wie beim Wechsel von Schwarz-Gelb zu Rot-Weiß gegen Dortmund 2013.
Maßstab und Perspektive
Eine Choreografie wird für die Distanz entworfen. Was aus wenigen Metern wie eine Ansammlung einzelner Folien aussieht, wird von der Gegentribüne oder einer Kamera zu einem geschlossenen Bild. Deshalb müssen Entwürfe stark vereinfacht werden. Kleine Details verschwinden; große Konturen, klare Kanten und lesbare Schrift dominieren.

Die Stadionperspektive macht deutlich, warum Tribünen wie große Bildflächen gedacht werden können. Für die Planung müssen Oberrang, Mittelrang und Unterrang als zusammenhängende, aber unterschiedlich geneigte Flächen berücksichtigt werden.
Dramaturgie und Zeit
Manche Choreografien bestehen nur aus einem Endbild. Andere nutzen eine Abfolge. Der Dortmunder Farbwechsel 2013 oder das koordinierte „Kings of the Cup“ 2014 zeigen, dass Zeit ein Gestaltungsmittel ist. Eine Sequenz kann Überraschung erzeugen, einen Witz aufbauen oder Spannung steigern.
Intertextualität und Popkultur
Fan-Choreografien greifen mitunter bekannte Bilder aus Film, Musik, Comics oder Stadtgeschichte auf. Ein Beispiel ist die 2015 gezeigte Anspielung „The real Badman & Robben“, die den Klang von „Batman and Robin“ mit den Namen Franck Ribéry und Arjen Robben verband. Solche Anspielungen funktionieren, wenn das Publikum die Vorlage erkennt.
Fankultur zwischen Gemeinschaft, Autonomie und Kommerzialisierung
Choreografien entstehen im Spannungsfeld verschiedener Interessen. Fans wollen ihre Mannschaft unterstützen und gleichzeitig eine eigene Kultur bewahren. Vereine und Verbände achten auf Sicherheit, Vermarktung, Fernsehbilder und organisatorische Abläufe. Behörden und Stadionbetreiber müssen Vorschriften durchsetzen. Daraus können Kooperationen, aber auch Konflikte entstehen.
Aus Sicht aktiver Fanorganisationen ist Autonomie wichtig: Eine aus eigener Idee, eigener Arbeit und Fanfinanzierung entstandene Choreografie wird als Ausdruck der Kurve verstanden. Eine vom Verein oder einer Agentur produzierte Aktion kann dagegen als Eventinszenierung wahrgenommen werden. Diese Bewertung ist eine Perspektive innerhalb der Fankultur und sollte im Unterricht als solche diskutiert werden.
Auch das Thema Sicherheit gehört zur Realität. Großflächige Materialien müssen mit Fluchtwegen, Brandschutz und Stadionregeln vereinbar sein. Der Club Nr. 12 hat öffentlich mehrfach über Auseinandersetzungen um Brandschutzvorgaben und Genehmigungen berichtet. Daran lässt sich erkennen, dass Fankultur nicht nur ästhetisch, sondern auch organisatorisch und rechtlich geprägt ist.
Medien zur Fankultur

Das Foto aus dem Umfeld der Allianz Arena verweist auf die Bedeutung von Erinnerung und Sammelkultur. Fanmuseen, Ausstellungen, Banner und Choreografien haben gemeinsam, dass sie Vereinsgeschichte sichtbar machen.
Auswärtsfahrten gehören ebenfalls zur Fankultur. Choreografien müssen in fremden Stadien unter anderen räumlichen und organisatorischen Bedingungen funktionieren.

Dieses freie Commons-Foto stammt aus dem Champions-League-Spiel Salzburg gegen Bayern 2022 und dokumentiert den Rahmen eines internationalen Auswärtsspiels.
Analysemodell für Choreografien
Wenn Du eine Choreografie untersuchst, kannst Du mit sechs Fragen arbeiten:
- Anlass: Zu welchem Spiel, Jubiläum oder historischen Ereignis wurde die Aktion gezeigt?
- Urheber: Welche Fangruppen oder Organisationen waren beteiligt und welche Perspektive vertreten sie?
- Gestaltung: Welche Farben, Formen, Symbole, Porträts, Schriften und Materialien sind erkennbar?
- Raum: Welche Tribünen werden genutzt und wie verändert die Stadionarchitektur die Bildwirkung?
- Botschaft: Welche Aussage richtet sich an Mannschaft, Gegner, Verein, Stadt, Öffentlichkeit oder Verbände?
- Kontext: Welche historischen, gesellschaftlichen oder fanpolitischen Hintergründe musst Du kennen, um die Choreografie zu verstehen?
Dieses Modell hilft, eine Choreografie nicht nur mit „schön“ oder „beeindruckend“ zu bewerten, sondern sie wie ein visuelles Dokument zu analysieren.
Quellen und Vertiefung
- FC Bayern: Unvergessliche Choreos der FC Bayern-Fans – offizielle Bildergalerie mit frühen Allianz-Arena-Beispielen und zahlreichen späteren Choreografien.
- tz: Die besten Choreographien der Bayern-Fans – Rückblick mit dem Mailänder Finale 2001 als frühem Bezugspunkt großer Fanaktionen.
- Sky: 50 Jahre Südkurve – Dokumentation der Jubiläumschoreografie 2022.
- FC Bayern: Choreographie zum 125-jährigen Jubiläum – Beschreibung der Stadionchoreografie vom 8. März 2025.
- FC Bayern: Choreographie zum Holocaust-Gedenktag – Dokumentation der Gedenkaktion vom 1. Februar 2025.
- FC Bayern: „Alles in unserer Hand“ – Choreografie vor dem Real-Madrid-Spiel 2026.
- FC Bayern: „Schießt uns ins Finale“ – Choreografie vor dem PSG-Spiel 2026.
- FC Bayern Museum: Erinnerung an Kurt Landauer – Hintergrund zur Choreografie und Erinnerungskultur.
- Club Nr. 12: Geschichte – Selbstverständnis und Bedeutung von Stadionchoreografien aus Sicht der aktiven Fans.
- Club Nr. 12: Choreos & Aktionen – Archiv zahlreicher Aktionen nach Saisons.
- tz: Fünf Schritte zur Südkurven-Choreographie – Beispiel für die organisatorische Koordination von „Kings of the Cup“ 2014.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Was ist eine Stadionchoreografie im Kontext der Bayern-Fans? (Eine geplante gemeinschaftliche visuelle Aktion auf den Tribünen) (!Eine taktische Formation der Mannschaft) (!Eine Trainingsform für Nachwuchsspieler) (!Eine musikalische Halbzeitshow)
Welche Farben prägen viele Choreografien des FC Bayern besonders? (Rot und Weiß) (!Blau und Gelb) (!Grün und Orange) (!Violett und Türkis)
Welche Choreografie verband 2012 Münchner Stadtmotive mit dem Traum vom Champions-League-Pokal? (Unsere Stadt unser Stadion unser Pokal) (!Kings of the Cup) (!Niemals aufgeben) (!Alles in unserer Hand)
Was war das zentrale Gestaltungsmittel der Choreografie gegen Dortmund 2013? (Ein inszenierter Wechsel der Farbcodes) (!Eine Lasershow über dem Spielfeld) (!Eine Projektion auf das Stadiondach) (!Eine reine Lautsprecheransage)
Welche historische Persönlichkeit wurde 2014 mit einer erinnerungskulturellen Choreografie geehrt? (Kurt Landauer) (!Oliver Kahn) (!Giovanni Trapattoni) (!Ottmar Hitzfeld)
Welche Aussage trug die Südkurve 2014 gegen Manchester United? (Kings of the Cup) (!Finale in Berlin) (!München leuchtet blau) (!Nur der Norden zählt)
Welches Symbol stand 2015 für 115 Jahre Vereinsgeschichte? (Ein großer Baum) (!Ein Leuchtturm) (!Ein Flugzeug) (!Eine Krone aus Eis)
Wofür stand das Münchner Kindl in der Choreografie von 2024 besonders? (Für die Verbindung von Verein und Stadt) (!Für den Gegner Lazio Rom) (!Für einen neuen Trikotsponsor) (!Für die Bundesliga-Tabelle)
Was zeigte die Choreografie zum 125-jährigen Vereinsjubiläum 2025 in der Südkurve? (Ein historisches Vereinslogo) (!Das Wappen von Borussia Dortmund) (!Eine Europakarte) (!Ein Abbild des Eiffelturms)
Welche Frage gehört zu einer guten Choreografie-Analyse? (Welche Botschaft erzeugen Bild Anlass und Kontext gemeinsam) (!Wie viele Tore fallen nach einer Choreografie garantiert) (!Welche Spieler müssen danach ausgewechselt werden) (!Welche Wetterlage gewinnt das Spiel)
Memory
| Kurt Landauer | Erinnerungskultur |
| Münchner Kindl | Stadtidentität |
| Vereinsbaum | Wachstum |
| Kings of the Cup | Titelbewusstsein |
| Rot-Weiß | Vereinsfarben |
| Spruchband | Textbotschaft |
| Blockfahne | Großbild |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Stadtidentität | Münchner Kindl |
| Erinnerungskultur | Kurt Landauer |
| Motivation | Niemals aufgeben |
| Jubiläum | Vereinsbaum |
| Titelbewusstsein | Kings of the Cup |
Kreuzworträtsel
| Südkurve | Wie heißt der zentrale Fanbereich des FC Bayern in der Allianz Arena? |
| Landauer | Welcher frühere Bayern-Präsident steht für eine wichtige Erinnerungschoreografie? |
| Wembley | Welcher Ort ist eng mit dem Champions-League-Triumph von 2013 verbunden? |
| Folien | Welches Material wird bei vielen farbigen Stadionbildern hochgehalten? |
| Botschaft | Wie nennt man die zentrale Aussage einer Choreografie? |
| Beckenbauer | Welche Bayern-Legende wurde 2024 als Dirigent auf dem Feld geehrt? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Farbanalyse: Suche drei Fotos verschiedener Bayern-Choreografien und beschreibe, wie Rot, Weiß, Schwarz oder andere Farben die Wirkung verändern.
- Symbolsuche: Sammle fünf Symbole, die in einer Choreografie für den FC Bayern oder die Stadt München funktionieren könnten, und erkläre jeweils ihre Bedeutung.
- Slogan-Werkstatt: Formuliere drei kurze, respektvolle Choreografie-Slogans für ein fiktives wichtiges Heimspiel und begründe, welcher am stärksten wirkt.
- Bildbeschreibung: Wähle eine dokumentierte Choreografie und schreibe eine genaue Bildbeschreibung für eine Person, die das Foto nicht sehen kann.
Standard
- Choreografie-Entwurf: Gestalte auf Papier oder digital einen maßstäblich vereinfachten Entwurf für eine Tribüne. Verwende höchstens vier Farben und einen kurzen Schriftzug.
- Historische Recherche: Untersuche die Biografie Kurt Landauers und erkläre, warum seine Geschichte für die Erinnerungskultur des FC Bayern wichtig ist.
- Vergleich 2012 und 2025: Vergleiche die Choreografie des Finale dahoam mit der 125-Jahre-Choreografie. Analysiere Raum, Symbole, Botschaft und historischen Kontext.
- Interview zur Fankultur: Befrage eine Fußballfan-Person zu der Frage, wann eine Choreografie als authentische Fanaktion wahrgenommen wird. Werte Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Antworten aus.
Schwer
- Semiotische Analyse: Analysiere eine Bayern-Choreografie mit den Begriffen Zeichen, Symbol, Farbcodierung, Kontext und Adressat. Formuliere daraus einen zusammenhängenden Fachtext.
- Ausstellungskonzept: Entwickle eine kleine Ausstellung mit dem Titel „Tribüne als Geschichtsbuch“. Wähle sechs Choreografien aus und schreibe Ausstellungstexte, die Gestaltung und historische Bedeutung verbinden.
- Debatte Fanautonomie: Bereite eine strukturierte Debatte zur Frage vor, ob vom Verein beauftragte Stadionbilder noch als Fankultur gelten können. Stelle mindestens zwei unterschiedliche Perspektiven fair dar.
- Videoprojekt: Produziere ein kurzes Erklärvideo über die Entstehung einer legalen Stadionchoreografie. Zeige den Weg von Recherche und Entwurf über Koordination und Sicherheitsprüfung bis zur gemeinsamen Durchführung.


Lernkontrolle
- Transfer Stadtidentität: Entwirf eine Choreografie für einen fiktiven Münchner Verein, ohne dessen Logo zu verwenden. Begründe, welche Stadtmotive trotzdem eindeutige lokale Identität erzeugen.
- Kontext verändert Bedeutung: Erkläre, wie derselbe Satz auf einem Spruchband je nach Gegner, Wettbewerb oder historischem Anlass eine andere Bedeutung bekommen kann. Nutze ein selbst gewähltes Beispiel.
- Authentizität und Auftrag: Vergleiche eine ehrenamtlich organisierte Fan-Choreografie mit einer von einer Eventagentur geplanten Stadioninszenierung. Entwickle Kriterien, mit denen Du beide Formen beurteilen würdest.
- Erinnerung im Stadion: Beurteile, welche Chancen und Grenzen eine Choreografie als Form historischer Erinnerung hat. Vergleiche sie mit einem Museum, einem Denkmal oder einer Unterrichtsstunde.
- Gestaltung unter Bedingungen: Du darfst für einen Entwurf nur drei Farben, einen Satz und ein einziges Bildsymbol verwenden. Erkläre, wie Du trotzdem eine komplexe Botschaft verständlich machen würdest.
- Perspektivenwechsel: Schreibe je einen kurzen Analyseabschnitt aus Sicht eines aktiven Fans, eines Stadionbetreibers und einer unbeteiligten Zuschauerin. Zeige, warum dieselbe Choreografie unterschiedlich bewertet werden kann.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du nicht nur einzelne Choreografien wiedererkennst, sondern ihre Gestaltung und Bedeutung erklären kannst.
- Du kannst den Begriff Stadionchoreografie definieren und von einzelnen Bannern oder kommerziellen Eventinszenierungen unterscheiden.
- Du kannst zentrale Gestaltungsmittel wie Farbflächen, Blockfahnen, Spruchbänder, Symbole, Typografie und Sequenzen erläutern.
- Du kannst mehrere bedeutende Bayern-Choreografien zeitlich und inhaltlich einordnen.
- Du kannst erklären, wie Stadtidentität, Vereinsgeschichte, Erinnerungskultur, Motivation und Protest in Fanbildern sichtbar werden.
- Du kannst eine Choreografie mit Anlass, Urheberschaft, Gestaltung, Raum, Botschaft und Kontext systematisch analysieren.
- Du kannst die Rolle ehrenamtlicher Fanorganisationen und die Bedeutung von Gemeinschaftsarbeit beschreiben.
- Du kannst Spannungen zwischen Fanautonomie, Vereinsinteressen, Sicherheitsregeln und Kommerzialisierung differenziert darstellen.
- Du kannst selbst einen legalen, sicheren und respektvollen Choreografie-Entwurf entwickeln und Deine Gestaltungsentscheidungen begründen.
OERs zum Thema
Verknüpfte Lernbereiche
aiMOOC-Projekte
NEWSLernweltNOAH fragen