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Benjamin Bloom - Pädagogik

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Benjamin Bloom - Pädagogik




Benjamin Bloom - Pädagogik

Studienfach: Pädagogik

Niveau: Hochschulstudium

Zielgruppe: Studierende der Erziehungswissenschaft, Pädagogik, Psychologie, Lehramtsausbildung und Weiterbildung sowie Lehrende, die Lernziele, Lehr-Lern-Prozesse und Prüfungen wissenschaftlich fundiert planen möchten.


Einleitung

Benjamin Samuel Bloom war ein US-amerikanischer pädagogischer Psychologe, dessen Arbeiten die internationale Diskussion über Lernziele, Leistungsbeurteilung, formatives Assessment, Mastery Learning und Begabungsförderung nachhaltig geprägt haben. Besonders bekannt ist die nach ihm benannte Bloom’sche Taxonomie, mit der Bildungsziele nach unterschiedlichen Arten und Anspruchsniveaus des Lernens geordnet werden können. Die Taxonomie ist kein fertiges Unterrichtsrezept und keine vollständige Lerntheorie. Sie dient vielmehr als analytisches Werkzeug, mit dem Du Lernziele präzisieren, Aufgaben entwickeln, Prüfungen ausrichten und die Passung zwischen Lehre und Bewertung prüfen kannst.

Dieser aiMOOC behandelt Bloom nicht nur als Urheber einer populären Stufenfolge. Im Mittelpunkt stehen seine wissenschaftliche Biografie, die Entstehung und Überarbeitung der Taxonomie, die drei Lerndomänen, das Konzept des Mastery Learning, das sogenannte Zwei-Sigma-Problem, seine Arbeiten zur Entwicklung außergewöhnlicher Leistungen sowie die Kritik an vereinfachenden Anwendungen. Du lernst außerdem, die Taxonomie auf pädagogische Fallbeispiele zu übertragen und sie mit Constructive Alignment, Kompetenzorientierung, Inklusion, Diagnostik und digital gestütztem Lernen zu verbinden.

Die University of Chicago war der zentrale akademische Wirkungsort Benjamin Blooms.

Das deutschsprachige Video führt in die Grundidee der Bloom’schen Taxonomie ein.


Lernziele des aiMOOCs

Nach der Bearbeitung kannst Du

  1. Blooms Biografie in ihren wissenschafts- und bildungshistorischen Kontext einordnen.
  2. die ursprüngliche und die revidierte Taxonomie vergleichen.
  3. kognitive, affektive und psychomotorische Lerndomänen unterscheiden.
  4. präzise, beobachtbare und prüfbare Lernziele formulieren.
  5. Lernziele, Lernaktivitäten und Prüfungsformen im Sinne des Constructive Alignment aufeinander abstimmen.
  6. das Modell des Mastery Learning erklären und für konkrete Lehrsituationen entwerfen.
  7. das Zwei-Sigma-Problem interpretieren und seine Aussagekraft kritisch beurteilen.
  8. Chancen, Grenzen und verbreitete Fehlanwendungen der Taxonomie analysieren.
  9. Blooms Ansätze auf Hochschullehre, Schule, Ausbildung und digitales Lernen übertragen.


Benjamin Bloom: Leben und wissenschaftlicher Kontext

Benjamin Bloom wurde am 21. Februar 1913 in Lansford im US-Bundesstaat Pennsylvania geboren und starb am 13. September 1999 in Chicago. Er studierte an der Pennsylvania State University und promovierte an der University of Chicago. Dort arbeitete er über Jahrzehnte in Forschung, Lehre und Prüfungswesen. Von 1943 bis 1959 war er als University Examiner an der Entwicklung und Auswertung von Prüfungen beteiligt. Diese Tätigkeit lenkte seinen Blick auf die Frage, wie Bildungsziele so beschrieben werden können, dass Lehrende, Forschende und Prüfende über vergleichbare Kategorien verfügen.[1]

In den späten 1940er-Jahren begann eine Gruppe von Fachleuten, darunter Bloom, David Krathwohl, Max Engelhart, Edward Furst und Walter Hill, an einer systematischen Klassifikation von Bildungszielen zu arbeiten. Das Ergebnis für den kognitiven Bereich erschien 1956 als Taxonomy of Educational Objectives: Handbook I, Cognitive Domain. Bloom war Herausgeber und Vorsitzender der beteiligten Arbeitsgruppe; die Taxonomie war also eine kollektive wissenschaftliche Leistung und nicht das Werk einer Einzelperson.

Blooms Forschung verschob sich im Laufe seiner Karriere von Fragen der Prüfung und Messung zunehmend zu Bedingungen erfolgreichen Lernens. Er untersuchte, wie Lernzeit, Unterrichtsqualität, Rückmeldung, Korrektur, Vorwissen und individuelle Förderung Lernergebnisse beeinflussen. Seine Grundannahme war optimistisch: Unterschiede in Leistungen sind nicht einfach als feste Unterschiede in Begabung hinzunehmen. Pädagogische Bedingungen können erheblich dazu beitragen, dass mehr Lernende anspruchsvolle Ziele erreichen.[2]


Bedeutung für die Pädagogik

Blooms Arbeiten verbinden mehrere Kernfelder der Pädagogik:

  1. Didaktik: Lernziele werden nach der Art der erwarteten geistigen, emotionalen oder praktischen Leistung geordnet.
  2. Pädagogische Diagnostik: Lernstände werden nicht nur abschließend bewertet, sondern zur Steuerung weiterer Lernprozesse genutzt.
  3. Leistungsbeurteilung: Prüfungen sollen tatsächlich das erfassen, was in den Lernzielen angekündigt wurde.
  4. Differenzierung: Lernzeit, Hilfen und Übungswege können variieren, ohne dass die grundlegenden Qualitätsansprüche aufgegeben werden.
  5. Begabungsförderung: Herausragende Leistungen werden als Ergebnis langfristiger Lerngelegenheiten, Unterstützung und intensiver Übung untersucht.
  6. Bildungsgerechtigkeit: Pädagogische Systeme tragen Verantwortung dafür, Barrieren zu verringern und Lernchancen zu eröffnen.


Die Entstehung der Bloom’schen Taxonomie

Eine Taxonomie ist ein Ordnungssystem. Im pädagogischen Kontext ordnet sie Lernziele nach bestimmten Merkmalen. Die Arbeitsgruppe um Bloom wollte eine gemeinsame Fachsprache für Curricula, Unterricht und Prüfungen schaffen. Lehrende sollten unterscheiden können, ob eine Aufgabe lediglich das Wiedergeben von Wissen verlangt oder ob Lernende Zusammenhänge analysieren, begründete Urteile fällen oder etwas Neues hervorbringen sollen.

Die Taxonomie sollte Kommunikation und Vergleichbarkeit verbessern. Sie war nie als starre Schablone gedacht, die jede Lernsituation vollständig abbildet. Dennoch wurde sie häufig als Pyramide dargestellt. Diese Visualisierung ist anschaulich, kann aber zu der falschen Vorstellung führen, Lernen müsse immer streng von unten nach oben verlaufen oder höhere Kategorien seien in jeder Hinsicht wertvoller als niedrigere.

Deutschsprachige Darstellung der revidierten kognitiven Prozessdimension nach Anderson und Krathwohl.

Das Video erläutert die Taxonomie als Werkzeug zur Strukturierung von Lernwegen.


Drei Lerndomänen

Im Umfeld des Taxonomieprojekts wurden drei große Lerndomänen unterschieden:

Lerndomäne Schwerpunkt Pädagogische Beispiele
Kognitiv Wissen, Verstehen, Problemlösen, Urteilen und Gestalten eine Theorie erklären, Daten analysieren, ein Unterrichtskonzept entwerfen
Affektiv Aufmerksamkeit, Einstellungen, Werte und wertbezogenes Handeln unterschiedliche Perspektiven respektieren, Verantwortung übernehmen, eine professionelle Haltung entwickeln
Psychomotorisch Wahrnehmungs- und Bewegungsabläufe, praktische Fertigkeiten und automatisierte Handlungen eine pflegerische Handlung ausführen, ein Instrument bedienen, eine sportliche Technik verfeinern

Der kognitive Bereich wurde 1956 ausgearbeitet. Die Taxonomie des affektiven Bereichs erschien 1964 unter maßgeblicher Beteiligung von David Krathwohl, Bloom und Bertram Masia. Für den psychomotorischen Bereich legte Blooms ursprüngliche Arbeitsgruppe kein vergleichbar abgeschlossenes Handbuch vor. Spätere Modelle, etwa von Elizabeth Simpson, Anita Harrow oder R. H. Dave, werden deshalb häufig ergänzend verwendet. Du solltest diese Modelle nicht unbesehen als von Bloom selbst entwickelte Stufen ausgeben.


Die ursprüngliche kognitive Taxonomie von 1956

Die ursprüngliche Fassung ordnete kognitive Lernziele in sechs Hauptkategorien. Sie wurden als Substantive bezeichnet:

Kategorie Kernidee Beispiel aus dem Pädagogikstudium
Wissen Begriffe, Fakten, Regeln oder Modelle erinnern Merkmale formativer Diagnostik nennen
Verstehen Bedeutungen erfassen und in eigener Form wiedergeben den Unterschied zwischen Lernen und Leistung erklären
Anwendung Wissen in einer neuen oder konkreten Situation nutzen ein Beobachtungsraster auf einen Unterrichtsfall anwenden
Analyse Strukturen, Beziehungen und Annahmen untersuchen ein Prüfungskonzept auf verdeckte Anforderungen analysieren
Synthese Bestandteile zu einer neuen Gesamtstruktur verbinden ein Förderkonzept für eine Lerngruppe entwickeln
Evaluation anhand von Kriterien urteilen die Güte einer Studie begründet bewerten

Die Kategorien wurden hierarchisch interpretiert: Komplexere Leistungen bauen meist auf weniger komplexen Voraussetzungen auf. In realen Lernprozessen sind die Übergänge jedoch nicht immer linear. Eine Person kann beispielsweise beim Gestalten eines ersten Entwurfs neue Einsichten gewinnen, bevor alle Einzelheiten vollständig verstanden sind.

Eine Visualisierung der ursprünglichen kognitiven Domäne.


Die revidierte Taxonomie von 2001

Lorin Anderson, ein früherer Schüler Blooms, und David Krathwohl veröffentlichten 2001 mit weiteren Fachleuten eine Revision. Sie reagierte auf Entwicklungen in Kognitionspsychologie, Curriculumtheorie, Unterrichtsforschung und pädagogischer Diagnostik. Besonders wichtig waren drei Veränderungen:[3]

  1. Aus Substantiven wurden Verben, damit Lernziele als beobachtbare Handlungen formuliert werden.
  2. Synthese wurde durch Erschaffen ersetzt und an die oberste Position gesetzt.
  3. Neben der Prozessdimension wurde eine eigene Wissensdimension ausgewiesen.


Kognitive Prozessdimension

Stufe Leitfrage Mögliche Operatoren Beispiel
Erinnern Kannst Du relevantes Wissen abrufen? nennen, erkennen, definieren, zuordnen zentrale Begriffe der Taxonomie nennen
Verstehen Kannst Du Bedeutung konstruieren? erklären, zusammenfassen, vergleichen, veranschaulichen Blooms Grundannahme in eigenen Worten erklären
Anwenden Kannst Du ein Verfahren nutzen? durchführen, einsetzen, berechnen, übertragen eine Lernzielformulierung auf ein Seminar anwenden
Analysieren Kannst Du Bestandteile und Beziehungen untersuchen? unterscheiden, strukturieren, prüfen, zuordnen Aufgaben nach ihren kognitiven Anforderungen analysieren
Bewerten Kannst Du anhand von Kriterien urteilen? begründen, kritisieren, einschätzen, validieren die Passung einer Prüfung zu Lernzielen bewerten
Erschaffen Kannst Du Elemente zu einem neuen Produkt verbinden? entwerfen, entwickeln, planen, produzieren ein vollständiges Lehr-Lern-Arrangement entwickeln

Das Video behandelt die überarbeitete Taxonomie nach Anderson und Krathwohl.


Wissensdimension

Die revidierte Taxonomie unterscheidet vier Wissensarten:

Wissensart Beschreibung Beispiel aus der Pädagogik
Faktenwissen grundlegende Begriffe und spezifische Einzelinformationen Definition von formativer Evaluation
Konzeptuelles Wissen Modelle, Kategorien, Prinzipien und Beziehungen Verhältnis von Lernziel, Lernaktivität und Prüfung
Prozedurales Wissen Verfahren, Techniken und Kriterien für ihre Anwendung Durchführung einer qualitativen Inhaltsanalyse
Metakognitives Wissen Wissen über eigenes Denken, Strategien und Bedingungen des Lernens Einschätzung der eigenen Lernstrategie und ihrer Grenzen

Die Verbindung beider Dimensionen ergibt eine Taxonomietabelle. Ein Lernziel kann beispielsweise Analysieren von konzeptuellem Wissen oder Anwenden von prozeduralem Wissen verlangen. Dadurch wird deutlich, dass ein Verb allein die kognitive Qualität einer Aufgabe nicht zuverlässig bestimmt. Das Verb erklären kann eine einfache Wiedergabe oder eine anspruchsvolle theoretische Rekonstruktion bezeichnen. Entscheidend sind Inhalt, Kontext, Selbstständigkeit, Begründungstiefe und Qualitätskriterien.

Darstellung von Zusammenhängen innerhalb der Bloom’schen Taxonomie.


Lernziele professionell formulieren

Ein Lernziel beschreibt, was Lernende nach einer Lernphase können sollen. Für die Hochschuldidaktik ist es sinnvoll, vier Elemente zu prüfen:

  1. Handlung: Welche beobachtbare oder erschließbare Leistung wird erwartet?
  2. Inhalt: Auf welchen Gegenstand bezieht sich die Leistung?
  3. Bedingung: Unter welchen Hilfsmitteln, Zeitvorgaben oder sozialen Bedingungen erfolgt sie?
  4. Qualitätsmaßstab: Woran wird eine angemessene Leistung erkannt?

Ein präzises Lernziel lautet beispielsweise: Die Studierenden analysieren anhand dreier fachlich begründeter Kriterien ein Prüfungsformat auf seine Passung zu den angekündigten Lernzielen und dokumentieren ihr Urteil in einem zweiseitigen Gutachten. Hier werden Prozess, Gegenstand, Kriterien und Produkt sichtbar.

Eine schwache Formulierung wie Die Studierenden kennen Bloom bleibt unklar. Das Verb kennen zeigt nicht, welche Leistung erwartet wird. Sollst Du biografische Daten wiedergeben, Konzepte erklären, Modelle vergleichen, eine Studie beurteilen oder ein Lehrkonzept entwickeln?

Das Video zeigt, wie messbare Lernziele mit der Taxonomie formuliert werden können.


Beispiele für Lernziele im Pädagogikstudium

Prozess Beispiel eines Lernziels Passende Lernaktivität Möglicher Leistungsnachweis
Erinnern Studierende nennen die sechs Prozesse der revidierten Taxonomie. Karteikarten und Abrufübung Kurztest
Verstehen Studierende erklären den Unterschied zwischen formativer und summativer Evaluation. Partnererklärung mit Beispielen begründete Kurzantwort
Anwenden Studierende klassifizieren Lernziele eines Modulhandbuchs. Analyse authentischer Dokumente kommentierte Zuordnung
Analysieren Studierende untersuchen eine Prüfung auf Über- und Unterrepräsentation kognitiver Anforderungen. Fallarbeit Analysematrix
Bewerten Studierende beurteilen die Aussagekraft des Zwei-Sigma-Befunds. strukturierte Kontroverse wissenschaftliche Stellungnahme
Erschaffen Studierende entwickeln ein inklusives Lehr-Lern-Arrangement mit abgestimmten Zielen, Aktivitäten und Prüfungen. Projektwerkstatt Portfolio mit didaktischer Begründung


Constructive Alignment und Prüfungskultur

Constructive Alignment bezeichnet die bewusste Abstimmung von Lernzielen, Lernaktivitäten und Prüfungen. Die Bloom’sche Taxonomie unterstützt diese Abstimmung, ersetzt sie aber nicht. Ein Lernziel auf der Ebene des Analysierens ist nicht angemessen geprüft, wenn ausschließlich Fakten in einem Reproduktionstest abgefragt werden. Ebenso wäre es problematisch, in einer Prüfung eine komplexe Entwicklung zu verlangen, wenn die Lehrveranstaltung nur aus dem Anhören von Vorträgen bestand.

Für eine faire Prüfungskultur solltest Du prüfen:

  1. Werden angekündigte Lernziele tatsächlich gelehrt und geprüft?
  2. Sind die kognitiven Anforderungen transparent?
  3. Können Lernende die geforderten Prozesse vor der Prüfung üben?
  4. Sind Kriterien und Rückmeldungen verständlich?
  5. Berücksichtigt das Format Barrierefreiheit und unterschiedliche Zugänge?
  6. Wird neben dem Produkt auch der Lernprozess sichtbar?

Die Taxonomie kann dabei helfen, eine Prüfungsmatrix zu erstellen. In einer solchen Matrix werden Inhalte und Anspruchsniveaus gekreuzt. So lässt sich erkennen, ob eine Klausur fast nur Erinnern prüft oder ob unterschiedliche Formen des Denkens angemessen vertreten sind.


Affektive Domäne

Die affektive Taxonomie beschreibt, wie Aufmerksamkeit, Reaktion, Wertschätzung und stabile Werthaltungen entwickelt werden können. In einer verbreiteten Fassung werden fünf Ebenen unterschieden:

Ebene Bedeutung Pädagogisches Beispiel
Aufnehmen bereit sein, einen Reiz oder ein Thema wahrzunehmen einer kontroversen Perspektive aufmerksam zuhören
Reagieren sich aktiv beteiligen in einer Diskussion auf Argumente eingehen
Werten einem Gegenstand Bedeutung zuschreiben wissenschaftliche Redlichkeit als wichtig anerkennen
Organisieren verschiedene Werte in ein begründetes Verhältnis bringen Fürsorge und Autonomie in einem Fall abwägen
Charakterisieren dauerhaft und konsistent wertorientiert handeln eine professionelle Haltung auch unter Druck vertreten

Affektive Ziele sind pädagogisch bedeutsam, dürfen aber nicht mit Gesinnungskontrolle verwechselt werden. Lehrende sollten keine inneren Überzeugungen erzwingen. Bewertbar sind eher begründete Reflexion, respektvolle Kommunikation, verantwortliches Handeln und die Fähigkeit, Werte transparent gegeneinander abzuwägen.


Psychomotorische Domäne

Psychomotorische Lernziele betreffen die Entwicklung praktischer und körperlich koordinierter Fertigkeiten. Sie sind besonders wichtig in Berufspädagogik, Pflegepädagogik, Sportpädagogik, Musikpädagogik, Kunstpädagogik und technischen Studiengängen. Mögliche Entwicklungsverläufe reichen von Wahrnehmung und Nachahmung über angeleitete Ausführung und Präzision bis zu sicherer, flexibler und eigenständiger Handlung.

Die psychomotorische Domäne macht deutlich, dass Wissen allein keine Handlungskompetenz garantiert. Wer eine Unterrichtsmethode beschreiben kann, kann sie noch nicht automatisch professionell moderieren. Praktische Kompetenz benötigt Demonstration, Übung, Rückmeldung, Wiederholung und Reflexion.


Mastery Learning

Mastery Learning ist ein Lehr-Lern-Ansatz, bei dem zentrale Inhalte in überschaubare Einheiten gegliedert werden. Lernende bearbeiten eine Einheit, erhalten eine formative Überprüfung und bekommen anschließend gezielte Korrektur- oder Vertiefungsangebote. Erst wenn ein festgelegtes Beherrschungsniveau erreicht ist, wird zur nächsten zentralen Einheit übergegangen. Leistungsstärkere Lernende erhalten in dieser Zeit Erweiterungsaufgaben, nicht bloß zusätzliche Routineübungen.

Ein typischer Zyklus umfasst:

  1. klare Lernziele und transparente Erfolgskriterien,
  2. qualitativ hochwertige Erstinstruktion,
  3. eine formative Lernstandsdiagnose,
  4. zeitnahe, konkrete Rückmeldung,
  5. alternative Erklärungen, zusätzliche Übung oder Unterstützung,
  6. erneute Gelegenheit zum Nachweis,
  7. Vertiefung und Transfer für Lernende, die das Ziel bereits erreicht haben.

Blooms Ansatz verändert die Interpretation von Leistungsunterschieden. Nicht alle Lernenden benötigen dieselbe Zeit oder dieselben Hilfen. Gleichheit bedeutet deshalb nicht, allen exakt dasselbe Lernangebot im selben Tempo zu geben. Der Qualitätsanspruch kann gemeinsam bleiben, während Lernwege, Lernzeit und Unterstützung variieren.

Kurze Einführung in Mastery Learning.


Formative und summative Evaluation

Formative Evaluation dient der Verbesserung eines laufenden Lernprozesses. Sie beantwortet Fragen wie: Was wurde verstanden? Wo liegen Fehlvorstellungen? Welche Rückmeldung oder Übung ist jetzt hilfreich? Summative Evaluation bilanziert dagegen den erreichten Stand am Ende eines Abschnitts, etwa durch eine Modulprüfung oder Abschlussleistung.

Für Bloom war die formative Überprüfung kein kleiner Vorabtest, der nur eine Note erzeugt. Sie sollte diagnostische Information liefern und konkrete pädagogische Konsequenzen haben. Ohne Korrektur, alternative Lernwege oder erneute Lerngelegenheiten verliert formative Diagnostik ihren zentralen Sinn.


Das Zwei-Sigma-Problem

In seinem Aufsatz The 2 Sigma Problem von 1984 diskutierte Bloom Untersuchungen, in denen Lernende mit Einzelunterricht und Mastery-Learning-Elementen im Durchschnitt deutlich bessere Leistungen erreichten als konventionell unterrichtete Vergleichsgruppen. Zwei Standardabweichungen entsprechen in einer idealisierten Normalverteilung einem sehr großen Unterschied. Bloom formulierte daraus eine Herausforderung: Wie können Formen des Gruppenunterrichts ähnlich wirksam werden wie hochwertige individuelle Betreuung, ohne für jede lernende Person dauerhaft eine eigene Lehrkraft bereitzustellen?[4]

Das MIT-Video thematisiert Blooms Zwei-Sigma-Befund und interaktive Lehre.


Kritische Einordnung des Befunds

Das Zwei-Sigma-Ergebnis darf nicht als zeitloses Naturgesetz verstanden werden. Die zugrunde liegenden Studien waren spezifisch, kombinierten Einzelbetreuung mit weiteren Maßnahmen und wurden nicht in jeder Hinsicht unabhängig repliziert. Neuere Diskussionen weisen darauf hin, dass der populäre Slogan häufig stärker verallgemeinert wird, als es die ursprüngliche Evidenz erlaubt.

Pädagogisch bleibt die Forschungsfrage dennoch relevant: Welche Merkmale guter Einzelbetreuung lassen sich in Gruppenunterricht übertragen? Dazu zählen diagnostische Aufmerksamkeit, adaptive Rückmeldung, aktive Lernzeit, passende Herausforderungen, direkte Reaktion auf Fehlvorstellungen und mehrere Chancen zur Verbesserung. Digitale Lernsysteme und Künstliche Intelligenz können einzelne Funktionen skalieren, ersetzen aber nicht automatisch pädagogische Beziehungen, fachliche Urteilskraft, Datenschutz, Barrierefreiheit oder soziale Lernprozesse.


Entwicklung von Begabung und außergewöhnlicher Leistung

Bloom leitete außerdem ein Forschungsprojekt zur Entwicklung herausragender Leistungen. Für das Buch Developing Talent in Young People wurden Lebens- und Lernverläufe von Personen untersucht, die in Bereichen wie Musik, Sport, Kunst, Mathematik und Medizin sehr hohe Leistungsniveaus erreicht hatten. Die Studien betonten die Bedeutung langfristiger Übung, geeigneter Lehrpersonen, familiärer Unterstützung, wachsender Motivation und zunehmend anspruchsvoller Lernumgebungen.

Die Ergebnisse sprechen gegen eine rein statische Vorstellung von Begabung. Sie beweisen jedoch nicht, dass biologische Voraussetzungen bedeutungslos wären oder jede Person in jedem Bereich dasselbe Spitzenniveau erreichen könne. Pädagogisch wichtig ist vielmehr, frühe Leistungen nicht vorschnell als unveränderliche Grenze zu interpretieren. Entwicklung benötigt Zeit, Gelegenheiten, kompetente Begleitung, Zugang zu Ressourcen und eine Lernkultur, in der Fehler bearbeitet werden können.


Kritik und Grenzen der Bloom’schen Taxonomie

Die Taxonomie ist ein einflussreiches Werkzeug, aber ihre Verwendung verlangt theoretische Sorgfalt.


Hierarchie ist keine starre Treppe

Erinnern und Verstehen sind nicht minderwertig. Anspruchsvolles Denken benötigt häufig umfangreiches und gut organisiertes Wissen. Umgekehrt können Lernende schon früh entwerfen, ausprobieren und gestalten. Lernprozesse verlaufen rekursiv: Beim Erschaffen entstehen neue Analysefragen, und beim Bewerten wird Wissen erneut abgerufen.


Verben reichen nicht aus

Ein Operator bestimmt nicht automatisch das Anspruchsniveau. Vergleichen kann zwei klar sichtbare Merkmale betreffen oder eine komplexe theoretische Gegenüberstellung verlangen. Aufgabenqualität hängt vom Gegenstand, der Offenheit, den verfügbaren Hilfen, der erforderlichen Begründung und dem Vorwissen ab.


Domänenspezifisches Wissen bleibt zentral

Allgemeine Denkfähigkeiten lassen sich nicht vollständig vom Fachwissen trennen. Kritisches Denken in Pädagogik setzt andere Begriffe, Methoden und Qualitätskriterien voraus als kritisches Denken in Medizin oder Physik. Die Taxonomie strukturiert Prozesse, liefert aber nicht das notwendige Fachwissen.


Kognitive Engführung vermeiden

In der Praxis wird oft nur die kognitive Domäne verwendet. Bildung umfasst jedoch auch Haltungen, Beziehungen, körperlich-praktische Fertigkeiten, ästhetische Erfahrungen, Verantwortung und Teilhabe. Eine rein kognitive Prüfungslogik kann wichtige Bildungsziele unsichtbar machen.


Kulturelle und normative Fragen

Welche Lernziele als wertvoll gelten, ist keine neutrale technische Entscheidung. Curricula spiegeln gesellschaftliche Interessen, Machtverhältnisse und Vorstellungen guter Bildung. Die Taxonomie hilft beim Ordnen von Zielen, beantwortet aber nicht, welche Ziele demokratisch, gerecht oder pädagogisch wünschenswert sind.

Vergleich von Bloom’s Taxonomie mit der SOLO-Taxonomie.

Richard Mayer diskutiert die revidierte Taxonomie im Verhältnis zu kognitiver Lerntheorie.


Verantwortliche Anwendung in der Hochschullehre

Für eine reflektierte Nutzung kannst Du folgende Regeln beachten:

  1. Beginne mit fachlich und gesellschaftlich bedeutsamen Bildungszielen, nicht mit einer dekorativen Pyramide.
  2. Beschreibe Leistungen konkret und verbinde Prozess, Inhalt, Bedingungen und Kriterien.
  3. Plane Lernaktivitäten, in denen die angekündigten Leistungen tatsächlich geübt werden.
  4. Nutze verschiedene Prüfungsformen, wenn unterschiedliche Lernziele erfasst werden sollen.
  5. Prüfe die kognitive Anforderung einer Aufgabe im Kontext und nicht allein anhand eines Verbs.
  6. Verbinde formative Rückmeldung mit realen Verbesserungsmöglichkeiten.
  7. Berücksichtige affektive und psychomotorische Ziele, wenn sie fachlich relevant sind.
  8. Gestalte Lernwege adaptiv und barrierearm, ohne Anspruchsniveaus vorschnell zu senken.
  9. Reflektiere kulturelle, ethische und machtbezogene Voraussetzungen von Lernzielen.
  10. Verwende die Taxonomie als Gesprächs- und Analysewerkzeug, nicht als unfehlbare Rangordnung.

Die kreisförmige Darstellung erinnert daran, dass kognitive Prozesse nicht nur als lineare Treppe verstanden werden müssen.


Fallbeispiel: Seminar zur inklusiven Pädagogik

Ein Seminar trägt den Titel Inklusive Lernumgebungen planen. Ein ungeeignetes Lernziel wäre: Die Studierenden kennen Inklusion. Ein präziseres Ziel könnte lauten: Die Studierenden analysieren eine dokumentierte Unterrichtssituation mithilfe eines Modells zu Barrieren und Teilhabe, bewerten zwei Handlungsoptionen anhand transparenter Kriterien und entwickeln einen begründeten Verbesserungsvorschlag.

Dieses Ziel verbindet mehrere Prozesse und Wissensarten. Die Studierenden benötigen Faktenwissen zu rechtlichen und begrifflichen Grundlagen, konzeptuelles Wissen über Inklusionsmodelle, prozedurales Wissen zur Fallanalyse und metakognitives Wissen über eigene Vorannahmen. Passende Lernaktivitäten wären eine gemeinsame Modellanalyse, angeleitete Fallarbeit, Peer-Feedback und Überarbeitung. Ein reiner Multiple-Choice-Test wäre als alleiniger Leistungsnachweis nicht ausreichend. Ein Fallgutachten mit Kriterienraster wäre besser ausgerichtet.


Digitale Bildung und Künstliche Intelligenz

Digitale Systeme können Blooms Ansätze auf verschiedene Weise unterstützen: adaptive Übung, unmittelbare Rückmeldung, Lernstandsvisualisierung, zusätzliche Erklärungen und variable Aufgaben. Generative Künstliche Intelligenz kann Lernziele umformulieren, Beispiele erzeugen oder Rückfragen simulieren. Dabei entstehen neue pädagogische Anforderungen:

  1. Ergebnisse müssen fachlich geprüft werden.
  2. Lernende müssen den eigenen Denk- und Arbeitsprozess sichtbar machen.
  3. Aufgaben sollten Begründung, Transfer, Quellenkritik und Reflexion verlangen.
  4. Datenschutz, Urheberrecht und Fairness sind zu beachten.
  5. KI-Unterstützung darf nicht dazu führen, dass anspruchsvolles Denken lediglich ausgelagert wird.

Eine KI-Aufgabe ist nicht automatisch anspruchsvoll, nur weil sie der Stufe Erschaffen zugeordnet wird. Entscheidend ist, ob Lernende Entscheidungen treffen, Alternativen prüfen, Kriterien anwenden und Verantwortung für das Produkt übernehmen.


Zusammenfassung

Benjamin Bloom prägte die Pädagogik durch ein Forschungsprogramm, das Bildungsziele, Diagnostik, Unterrichtsqualität und Entwicklungsmöglichkeiten zusammendachte. Die Bloom’sche Taxonomie bietet eine Sprache für verschiedene Arten kognitiver Leistungen und wurde 2001 durch eine Prozess- und Wissensdimension weiterentwickelt. Mastery Learning verbindet klare Ziele, formative Diagnose, Rückmeldung, Korrektur und erneute Lerngelegenheiten. Das Zwei-Sigma-Problem verdeutlicht das Potenzial individualisierter Unterstützung, muss aber methodisch vorsichtig interpretiert werden. Für eine professionelle Nutzung gilt: Die Taxonomie ist ein Werkzeug zur Analyse und Planung, keine vollständige Theorie des Lernens und keine starre Pyramide.


Interaktive Aufgaben


Quiz: Teste Dein Wissen

Welche Funktion hat eine pädagogische Lernzieltaxonomie? (Sie ordnet Lernziele nach Arten und Anspruchsniveaus) (!Sie legt für jedes Fach einen verbindlichen Lehrplan fest) (!Sie ersetzt jede Form pädagogischer Diagnostik) (!Sie bestimmt die Intelligenz einer lernenden Person)




In welchem Jahr erschien das Handbuch zur kognitiven Domäne? (1956) (!1946) (!1964) (!2001)




Welche Kategorie steht in der revidierten kognitiven Taxonomie an oberster Stelle? (Erschaffen) (!Erinnern) (!Verstehen) (!Anwenden)




Welche Wissensart gehört zur revidierten Taxonomie? (Metakognitives Wissen) (!Emotionale Intelligenz) (!Soziale Herkunft) (!Motorische Geschwindigkeit)




Was kennzeichnet Mastery Learning? (Formative Rückmeldung wird mit Korrektur und neuer Lerngelegenheit verbunden) (!Alle Lernenden erhalten unabhängig vom Lernstand dieselbe Zusatzaufgabe) (!Der Unterricht verzichtet vollständig auf Lernziele) (!Leistungen werden nur am Ende eines Studiengangs geprüft)




Welche Domäne betrifft Einstellungen und Werte? (Affektive Domäne) (!Kognitive Domäne) (!Psychomotorische Domäne) (!Statistische Domäne)




Was beschreibt das Zwei-Sigma-Problem? (Die Suche nach Gruppenunterricht mit Wirkungen hochwertiger Einzelbetreuung) (!Die Messung von zwei verschiedenen Intelligenzarten) (!Die Einteilung von Lernzielen in zwei Stufen) (!Die Abschaffung formativer Rückmeldungen)




Welche Aussage zur psychomotorischen Domäne ist korrekt? (Sie wurde später durch verschiedene Fachleute weiter ausdifferenziert) (!Sie ist identisch mit der affektiven Domäne) (!Sie betrifft ausschließlich das Erinnern von Begriffen) (!Sie wurde 2001 vollständig abgeschafft)




Was bedeutet Constructive Alignment? (Lernziele Lernaktivitäten und Prüfungen werden aufeinander abgestimmt) (!Alle Prüfungen bestehen aus Multiple Choice) (!Jede Lehrveranstaltung folgt derselben Methode) (!Lernziele werden erst nach der Prüfung festgelegt)




Welche Kritik an einer vereinfachten Bloom-Pyramide ist berechtigt? (Lernprozesse verlaufen nicht immer streng linear) (!Faktenwissen ist in jedem Fach bedeutungslos) (!Kreative Aufgaben benötigen niemals Vorwissen) (!Die Taxonomie verbietet praktische Übungen)





Memory

Erinnern Wissen abrufen
Verstehen Bedeutung erklären
Anwenden Verfahren nutzen
Analysieren Beziehungen untersuchen
Bewerten Kriteriengeleitet urteilen
Erschaffen Neues Produkt entwickeln
Formativ Lernen verbessern
Summativ Ergebnis bilanzieren





Drag and Drop

Ordne die richtigen Begriffe zu. Thema
Faktenwissen Begriffe und Einzelinformationen
Konzeptuelles Wissen Modelle und Beziehungen
Prozedurales Wissen Verfahren und Techniken
Metakognitives Wissen Wissen über eigenes Denken
Formative Evaluation Rückmeldung für den weiteren Lernprozess
Summative Evaluation Bilanz am Ende einer Lernphase






Kreuzworträtsel

Taxonomie Wie heißt ein systematisches Ordnungssystem für Lernziele?
Mastery Welches englische Wort bezeichnet das Beherrschen eines Lerngegenstands?
Kognition Welcher Begriff bezeichnet geistige Informationsverarbeitung?
Feedback Wie heißt eine lernbezogene Rückmeldung?
Evaluation Wie heißt die systematische Bewertung von Prozessen oder Ergebnissen?
Metakognition Wie heißt das Nachdenken über das eigene Denken und Lernen?





LearningApps


Lückentext

Vervollständige den Text.

Benjamin Bloom arbeitete über viele Jahre an der

.
Das Handbuch zur kognitiven Domäne erschien im Jahr

.
Die revidierte Taxonomie verwendet überwiegend

.
Die höchste Prozesskategorie der Revision heißt

.
Neben der Prozessdimension unterscheidet die Revision eine

.
Rückmeldung während des Lernprozesses wird als

bezeichnet.
Mastery Learning verbindet Diagnose mit gezielter

.
Das Zwei-Sigma-Problem thematisiert die Wirkung hochwertiger

.
Die Domäne der Werte und Einstellungen heißt

.
Die Taxonomie ist ein Werkzeug und keine vollständige

.




Offene Aufgaben


Leicht

  1. Biografie: Erstelle eine kommentierte Zeitleiste mit sechs Stationen aus Blooms Leben und ordne jeder Station eine pädagogische Fragestellung zu.
  2. Begriffsnetz: Gestalte eine Concept-Map mit den Begriffen Taxonomie, Lernziel, Diagnose, Feedback, Mastery Learning und Evaluation.
  3. Operatoren: Sammle zwölf typische Operatoren aus Modulhandbüchern Deines Studiengangs und ordne sie begründet den kognitiven Prozessen zu.
  4. Medienanalyse: Vergleiche zwei der eingebetteten Taxonomie-Grafiken und erkläre, welche Vorstellungen von Lernen sie jeweils nahelegen.


Standard

  1. Lernzielanalyse: Untersuche fünf Lernziele eines realen Seminars auf Handlung, Inhalt, Bedingungen und Qualitätskriterien und überarbeite unklare Formulierungen.
  2. Prüfungsmatrix: Erstelle für eine Lehrveranstaltung eine Matrix aus Inhalten und kognitiven Prozessen und prüfe, ob die geplante Prüfung ausgewogen ist.
  3. Mastery Learning: Entwirf einen Lernzyklus mit Erstinstruktion, formativer Diagnose, Korrektur, erneuter Lerngelegenheit und Vertiefung.
  4. Interview: Führe ein Interview mit einer Lehrperson über formative Rückmeldung und werte die Aussagen mithilfe von Blooms Konzepten aus.


Schwer

  1. Forschungsdesign: Entwickle eine kleine Studie, mit der die Wirkung zweier Rückmeldeformen auf Lernleistungen untersucht werden könnte, und diskutiere Validität sowie ethische Fragen.
  2. Zwei-Sigma-Problem: Verfasse eine wissenschaftlich begründete Stellungnahme, die den ursprünglichen Befund, seine Grenzen und heutige digitale Lösungsansätze abwägt.
  3. Inklusive Didaktik: Entwickle ein barrierearmes Lehr-Lern-Arrangement für heterogene Studierende und begründe adaptive Lernwege ohne Absenkung zentraler Qualitätsziele.
  4. Theorievergleich: Vergleiche Bloom mit der SOLO-Taxonomie oder einer anderen Lernzieltaxonomie und beurteile, welches Modell für einen konkreten Studiengang geeigneter ist.




Text bearbeiten Bild einfügen Video einbetten Interaktive Aufgaben erstellen



Lernkontrolle

  1. Transfer auf Hochschullehre: Ein Seminar kündigt das Lernziel Analysieren an, prüft aber ausschließlich Definitionen. Erkläre das Problem und entwickle eine besser passende Prüfungsaufgabe.
  2. Fallanalyse: Eine Studentin erreicht ein Lernziel beim ersten Versuch nicht. Entwirf auf Grundlage von Mastery Learning drei unterschiedliche Unterstützungswege und begründe ihre Auswahl.
  3. Kritische Urteilsbildung: Bewerte die Aussage Je höher die Stufe der Taxonomie, desto besser der Unterricht. Berücksichtige Vorwissen, Fachlichkeit und Lernprozess.
  4. Diagnostische Konsequenzen: Zeige an einem selbst gewählten Beispiel, wie formative Information in konkrete Rückmeldung, Übung und erneute Prüfung übersetzt werden kann.
  5. Curriculumentwicklung: Entwickle für ein pädagogisches Modul drei aufeinander bezogene Lernziele aus unterschiedlichen Prozess- und Wissenskategorien und begründe ihre Reihenfolge.
  6. KI und Lernen: Beurteile, unter welchen Bedingungen ein KI-Tutor Elemente hochwertiger Einzelbetreuung unterstützen kann und wo pädagogische Grenzen bestehen.




Lernnachweis

Für einen aussagekräftigen Lernnachweis solltest Du zeigen, dass Du

  1. Blooms zentrale Arbeitsfelder historisch einordnen kannst.
  2. ursprüngliche und revidierte Taxonomie fachlich korrekt unterscheidest.
  3. Prozess- und Wissensdimension an konkreten Beispielen kombinierst.
  4. Lernziele präzise und beobachtbar formulierst.
  5. Lernziele, Lernaktivitäten und Prüfungen begründet aufeinander abstimmst.
  6. ein Mastery-Learning-Arrangement mit formativer Rückmeldung entwickelst.
  7. das Zwei-Sigma-Problem methodisch vorsichtig interpretierst.
  8. Grenzen und normative Voraussetzungen der Taxonomie reflektierst.
  9. pädagogische Transferprobleme selbstständig analysierst.
  10. Quellen korrekt belegst und fachsprachlich argumentierst.

Ein geeigneter Lernnachweis kann als Portfolio, Fallgutachten, Seminarkonzept oder wissenschaftliche Hausarbeit gestaltet werden. Er sollte mindestens eine überarbeitete Lernzielmatrix, eine begründete Prüfungsaufgabe, eine kritische Reflexion und eine dokumentierte Überarbeitung nach Feedback enthalten.




OERs zum Thema


Quellen und Literatur

  1. Bloom, Benjamin S. et al.: Taxonomy of Educational Objectives. Handbook I: Cognitive Domain. New York 1956.
  2. Krathwohl, David R., Benjamin S. Bloom und Bertram B. Masia: Taxonomy of Educational Objectives. Handbook II: Affective Domain. New York 1964.
  3. Anderson, Lorin W. und David R. Krathwohl: A Taxonomy for Learning, Teaching, and Assessing. A Revision of Bloom’s Taxonomy of Educational Objectives. New York 2001.[5]
  4. Bloom, Benjamin S.: Human Characteristics and School Learning. New York 1976.
  5. Bloom, Benjamin S.: The 2 Sigma Problem: The Search for Methods of Group Instruction as Effective as One-to-One Tutoring. In: Educational Researcher, 13, 1984.
  6. Bloom, Benjamin S.: Developing Talent in Young People. New York 1985.
  7. Guskey, Thomas R.: Formative Classroom Assessment and Benjamin S. Bloom: Theory, Research, and Implications. 2005.
  8. Wikimedia Commons: Medien zur Bloom’schen Taxonomie
  9. University of Illinois Chicago: Bloom's Taxonomy of Educational Objectives
  10. University of Waterloo: Bloom's Taxonomy


Verknüpfte Lernbereiche


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  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Mittlere Reife

  1. Der Markisenmann - Jan Weiler oder Als die Welt uns gehörte - Liz Kessler
  2. Ein Schatten wie ein Leopard - Myron Levoy oder Pampa Blues - Rolf Lappert

Abitur Dorfrichter-Komödie über Wahrheit/Schuld; Roman über einen Ort und deutsche Geschichte. Mittlere Reife Wahllektüren (Roadtrip-Vater-Sohn / Jugendroman im NS-Kontext / Coming-of-age / Provinzroman).

Bayern

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Lustspiel über Machtmissbrauch und Recht; Roman als Zeitschnitt deutscher Geschichte an einem Haus/Grundstück.

Berlin/Brandenburg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Der Biberpelz - Gerhart Hauptmann
  4. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Gerichtskomödie; soziales Drama um Ausbeutung/Armut; Komödie/Satire um Diebstahl und Obrigkeit; Roman über Erinnerungsräume und Umbrüche.

Bremen

Abitur

  1. Nach Mitternacht - Irmgard Keun
  2. Mario und der Zauberer - Thomas Mann
  3. Emilia Galotti - Gotthold Ephraim Lessing oder Miss Sara Sampson - Gotthold Ephraim Lessing

Abitur Roman in der NS-Zeit (Alltag, Anpassung, Angst); Novelle über Verführung/Massenpsychologie; bürgerliche Trauerspiele (Moral, Macht, Stand).

Hamburg

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun

Abitur Justiz-/Machtkritik als Komödie; Großstadtroman der Weimarer Zeit (Rollenbilder, Aufstiegsträume, soziale Realität).

Hessen

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  4. Der Prozess - Franz Kafka

Abitur Gerichtskomödie; Fragmentdrama über Gewalt/Entmenschlichung; Erinnerungsroman über deutsche Brüche; moderner Roman über Schuld, Macht und Bürokratie.

Niedersachsen

Abitur

  1. Der zerbrochene Krug - Heinrich von Kleist
  2. Das kunstseidene Mädchen - Irmgard Keun
  3. Die Marquise von O. - Heinrich von Kleist
  4. Über das Marionettentheater - Heinrich von Kleist

Abitur Schwerpunkt auf Drama/Roman sowie Kleist-Prosatext und Essay (Ehre, Gewalt, Unschuld; Ästhetik/„Anmut“).

Nordrhein-Westfalen

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Komödie über Wahrheit und Autorität; Roman als literarische „Geschichtsschichtung“ an einem Ort.

Saarland

Abitur

  1. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  2. Furor - Lutz Hübner und Sarah Nemitz
  3. Bahnwärter Thiel - Gerhart Hauptmann

Abitur Erinnerungsroman an einem Ort; zeitgenössisches Drama über Eskalation/Populismus; naturalistische Novelle (Pflicht/Überforderung/Abgrund).

Sachsen (berufliches Gymnasium)

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Woyzeck - Georg Büchner
  3. Irrungen, Wirrungen - Theodor Fontane
  4. Der gute Mensch von Sezuan - Bertolt Brecht
  5. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck
  6. Der Trafikant - Robert Seethaler

Abitur Mischung aus Klassiker-Drama, sozialem Drama, realistischem Roman, epischem Theater und Gegenwarts-/Erinnerungsroman; zusätzlich Coming-of-age im historischen Kontext.

Sachsen-Anhalt

Abitur

  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Themenfelder)

Abitur Schwerpunktsetzung über Themenfelder (u. a. Literatur um 1900; Sprache in politisch-gesellschaftlichen Kontexten), ohne feste Einzeltitel.

Schleswig-Holstein

Abitur

  1. Der zerbrochne Krug - Heinrich von Kleist
  2. Heimsuchung - Jenny Erpenbeck

Abitur Recht/Gerechtigkeit und historische Tiefenschichten eines Ortes – umgesetzt über Drama und Gegenwartsroman.

Thüringen

Abitur

  1. (keine fest benannte landesweite Pflichtlektüre veröffentlicht; Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool)

Abitur In der Praxis häufig Orientierung am gemeinsamen Aufgabenpool; landesweite Einzeltitel je nach Vorgabe/Handreichung nicht einheitlich ausgewiesen.

Mecklenburg-Vorpommern

Abitur

  1. (Quelle aktuell technisch nicht abrufbar; Beteiligung am gemeinsamen Aufgabenpool bekannt)

Abitur Land beteiligt sich am länderübergreifenden Aufgabenpool; konkrete, veröffentlichte Einzeltitel konnten hier nicht ausgelesen werden.

Rheinland-Pfalz

Abitur

  1. (keine landesweit einheitliche Pflichtlektüre; schulische Auswahl)

Abitur Keine landesweite Einheitsliste; Auswahl kann schul-/kursbezogen erfolgen.




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  1. Trust Me It's True: #Verschwörungstheorie #FakeNews
  2. Gregor Samsa Is You: #Kafka #Verwandlung
  3. Who Owns Who: #Musk #Geld
  4. Lump: #Trump #Manipulation
  5. Filth Like You: #Konsum #Heuchelei
  6. Your Poverty Pisses Me Off: #SozialeUngerechtigkeit #Musk
  7. Hello I'm Pump: #Trump #Kapitalismus
  8. Monkey Dance Party: #Lebensfreude
  9. God Hates You Too: #Religionsfanatiker
  10. You You You: #Klimawandel #Klimaleugner
  11. Monkey Free: #Konformität #Macht #Kontrolle
  12. Pure Blood: #Rassismus
  13. Monkey World: #Chaos #Illusion #Manipulation
  14. Uh Uh Uh Poor You: #Kafka #BerichtAkademie #Doppelmoral
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  17. Arbeitsheft
  18. And Thanks for Your Meat: #AntiFactoryFarming #AnimalRights #MeatIndustry


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