Advance Organizer - Pädagogik


Advance Organizer - Pädagogik
Advance Organizer - Pädagogik
Einleitung
Ein Advance Organizer ist eine vorangestellte Orientierungs- und Organisationshilfe für Lernprozesse. Er wird vor der vertieften Begegnung mit einem neuen Lerngegenstand eingesetzt und macht zentrale Begriffe, Beziehungen, Leitfragen und Strukturen sichtbar. Seine Aufgabe besteht darin, eine gedankliche Brücke zwischen dem vorhandenen Vorwissen und den neu zu erarbeitenden Inhalten zu bilden. Im deutschsprachigen Bildungsbereich werden dafür auch Bezeichnungen wie Lernlandkarte, Begriffsnetz oder Organisationshilfe verwendet.
Dieser aiMOOC richtet sich vor allem an Studierende der Pädagogik, Erziehungswissenschaft, Bildungswissenschaft, Lehramtsausbildung und Hochschuldidaktik. Du lernst den Advance Organizer nicht nur als Methode kennen, sondern analysierst seine lernpsychologischen Grundlagen, seine empirische Befundlage, seine Gestaltungskriterien und seine Grenzen. Anschließend entwickelst, erprobst und evaluierst Du eigene Organizer für pädagogische Lehr-Lern-Situationen.

Leitidee des Kurses: Ein Advance Organizer ist weder bloß eine Inhaltsübersicht noch eine dekorative Grafik. Er soll die kognitive Struktur der Lernenden für das Kommende vorbereiten, relevante Wissensbestände aktivieren und Beziehungen zwischen Begriffen verständlich vorstrukturieren.
Lernziele
Nach der Bearbeitung dieses aiMOOCs kannst Du:
- Begriffsverständnis: den Advance Organizer fachlich definieren und von Agenda, Zusammenfassung, Mindmap, Concept-Map und grafischem Organizer abgrenzen.
- Lerntheorie: die Methode mit David Paul Ausubel, sinnvollem Lernen, Subsumption, progressiver Differenzierung und integrativer Versöhnung erklären.
- Didaktische Analyse: Lerngegenstände auf Kernideen, Oberbegriffe, Relationen, Vorwissensanschlüsse und mögliche Fehlvorstellungen hin untersuchen.
- Gestaltungskompetenz: expositorische und vergleichende Advance Organizer adressatengerecht, barrierearm und medienbewusst gestalten.
- Unterrichtsplanung: Organizer in Lehrveranstaltungen, Seminaren, Unterrichtsreihen und selbstorganisierten Lernprozessen sinnvoll einsetzen.
- Forschungskompetenz: empirische Befunde differenziert interpretieren und Wirkungsannahmen nicht mit Wirkungsgarantien verwechseln.
- Reflexionskompetenz: Chancen, Grenzen, Machtwirkungen und inklusive Anforderungen des vorstrukturierten Lernens beurteilen.
- Evaluation: die Qualität und Nutzung eines Organizers mit geeigneten Beobachtungs-, Befragungs- und Lernaufgaben überprüfen.
Grundbegriff und Funktion
Was bedeutet Advance Organizer?
Der Ausdruck Advance Organizer bezeichnet ein Einführungselement, das dem eigentlichen Lernmaterial zeitlich vorausgeht. Es steht auf einer höheren Ebene der Allgemeinheit und Abstraktion als viele später behandelte Einzelinformationen, bleibt aber so anschaulich, dass Lernende es mit ihrem Vorwissen verbinden können. Ein Organizer soll die nachfolgenden Inhalte nicht vollständig vorwegnehmen. Stattdessen stellt er einen begrifflichen Rahmen bereit, in den Details später eingeordnet werden können.
Der korrekte englische Ausdruck lautet advance organizer, also sinngemäß „vorangestellter Organisator“. Die gelegentlich verwendete Form „advanced organizer“ bedeutet wörtlich eher „fortgeschrittener Organisator“ und trifft die ursprüngliche Bedeutung nicht genau.

Ein Advance Organizer kann als kurzer Text, Diagramm, Begriffsnetz, Analogie, Modell, Bildfolge, Tabelle, Leitfragenstruktur, Audioimpuls, Video oder interaktive Visualisierung gestaltet sein. Entscheidend ist nicht das Medium, sondern seine didaktische Funktion: Er soll vor dem Lernen eine tragfähige Struktur anbieten.
Die Brückenfunktion
Die häufig verwendete Metapher der Brücke verdeutlicht drei Bezugspunkte:
- Ausgangswissen: Welche Begriffe, Erfahrungen, Alltagsvorstellungen und fachlichen Schemata bringen die Lernenden mit?
- Zielwissen: Welche zentralen Konzepte, Beziehungen und Unterscheidungen sollen aufgebaut werden?
- Verbindung: Welche Oberbegriffe, Analogien, Kontraste oder Leitfragen können den Übergang zwischen Ausgangs- und Zielwissen unterstützen?
Die Brücke ist keine Einbahnstraße. Lernende prüfen neue Informationen an vorhandenen Vorstellungen, verändern ihre Wissensstruktur und deuten zugleich Bekanntes neu. Ein guter Organizer ermöglicht deshalb Rückbezüge während und nach der Lernphase.
Abgrenzung zu ähnlichen Darstellungen
| Format | Hauptfunktion | Zeitpunkt | Typische Besonderheit |
|---|---|---|---|
| Advance Organizer | Vorwissen und neue Wissensstruktur verbinden | Vor der vertieften Erarbeitung | Übergeordnete Begriffe und Beziehungen |
| Agenda | Ablauf und Termine anzeigen | Zu Beginn | Organisiert Aktivitäten, nicht zwingend Wissen |
| Zusammenfassung | Bereits behandelte Inhalte verdichten | Meist nach der Erarbeitung | Rückblick statt begrifflicher Vorstrukturierung |
| Mindmap | Assoziationen um ein Zentrum sammeln | Vor, während oder nach dem Lernen | Häufig radial und offen |
| Concept-Map | Begriffe durch benannte Relationen verknüpfen | Vor, während oder nach dem Lernen | Aussagen entstehen aus Begriffen und Relationswörtern |
| Grafischer Organizer | Informationen visuell ordnen | In allen Lernphasen | Oberbegriff für viele Diagrammformen |
| Skript oder Handout | Inhalte dokumentieren und vertiefen | Begleitend | Kann umfangreich und detailreich sein |
Eine Concept-Map kann als Advance Organizer eingesetzt werden, ist aber nicht automatisch einer. Sie erfüllt diese Funktion erst dann, wenn sie vor dem neuen Lernstoff präsentiert wird, relevante Vorkenntnisse aufgreift und einen verständlichen Orientierungsrahmen für die folgende Auseinandersetzung schafft.

Lernpsychologische Grundlagen
David Paul Ausubel und sinnvolles Lernen
Das Konzept wurde von dem Psychologen und Pädagogen David Paul Ausubel im Zusammenhang mit seiner Theorie des sinnvollen verbalen Lernens entwickelt. Ausubel veröffentlichte 1960 eine frühe experimentelle Untersuchung zum Einsatz vorangestellter Organizer.[1]
Sinnvolles Lernen liegt in dieser Theorie vor, wenn neue Informationen nicht nur wortwörtlich auswendig gelernt, sondern nichtbeliebig und inhaltlich nachvollziehbar mit bereits verfügbaren Begriffen verbunden werden. Dafür müssen drei Bedingungen zusammenspielen:
- Das Lernmaterial muss begrifflich strukturierbar und potenziell bedeutungsvoll sein.
- Die lernende Person muss über anschlussfähige Wissensbestände verfügen.
- Die lernende Person muss bereit sein, Beziehungen herzustellen, statt Informationen ausschließlich mechanisch zu memorieren.
Der Advance Organizer zielt vor allem auf die ersten beiden Bedingungen. Er macht die Struktur des Materials sichtbar und aktiviert geeignete Ankerpunkte im Vorwissen. Die aktive Bedeutungsbildung kann er jedoch nicht erzwingen.
Kognitive Struktur und Subsumption
Mit kognitiver Struktur ist das organisierte begriffliche Wissen einer Person gemeint. Neue Informationen werden nach Ausubel unter bereits vorhandene, umfassendere Begriffe eingeordnet. Dieser Vorgang wird als Subsumption bezeichnet. Ein Beispiel:
Eine Studentin kennt bereits den Oberbegriff Sozialisation. Im Seminar lernt sie anschließend die Begriffe primäre, sekundäre und tertiäre Sozialisation kennen. Ein Advance Organizer kann den Oberbegriff aktivieren, die Lebensbereiche andeuten und die neuen Differenzierungen vorbereiten. Die Einzelbegriffe erscheinen dadurch nicht als isolierte Definitionen, sondern als Teile eines übergeordneten Zusammenhangs.
Dabei verändert sich auch der Oberbegriff. Nach der differenzierten Auseinandersetzung versteht die Studentin „Sozialisation“ präziser als zuvor. Lernen bedeutet somit nicht bloß Ablage neuer Informationen, sondern Umbau und Ausdifferenzierung von Wissensstrukturen.
Progressive Differenzierung
Progressive Differenzierung bedeutet, dass ein Lerngebiet zunächst über allgemeine und umfassende Ideen erschlossen und anschließend schrittweise in spezifischere Begriffe, Fälle und Beziehungen ausdifferenziert wird. Ein Advance Organizer unterstützt diesen Verlauf, indem er die übergeordnete Struktur voranstellt.
Für eine Lehrveranstaltung zu Bildungsungleichheit könnte der Organizer beispielsweise mit dem allgemeinen Zusammenhang zwischen Bildungschancen und gesellschaftlichen Bedingungen beginnen. Später werden soziale Herkunft, institutionelle Übergänge, kulturelles Kapital, Diskriminierung, Sprache, Geschlecht, Behinderung und regionale Faktoren genauer untersucht.
Integrative Versöhnung
Integrative Versöhnung oder integrative reconciliation bezeichnet die Klärung von Beziehungen, Gemeinsamkeiten, Unterschieden und scheinbaren Widersprüchen zwischen Begriffen. Lernende sollen nicht nur neue Unterbegriffe aufnehmen, sondern auch bereits vorhandene Konzepte neu aufeinander beziehen.
Ein vergleichender Organizer kann beispielsweise Erziehung, Bildung, Sozialisation und Lernen gegenüberstellen. Er zeigt Überschneidungen, aber auch unterschiedliche theoretische Schwerpunkte. Dadurch wird verhindert, dass nahe Begriffe unverbunden nebeneinanderstehen oder fälschlich gleichgesetzt werden.

Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Metakognition
Aus heutiger Sicht lassen sich mehrere plausible Wirkpfade beschreiben:
- Aufmerksamkeit: Der Organizer lenkt den Blick auf zentrale Konzepte und Beziehungen.
- Vorwissensaktivierung: Relevante Schemata werden leichter verfügbar.
- Enkodierung: Neue Informationen können relational statt isoliert verarbeitet werden.
- Abruf: Eine verständliche Struktur bietet Hinweise für das spätere Erinnern.
- Metakognition: Lernende erkennen, was sie bereits verstehen, wo Lücken bestehen und wie Einzelthemen zusammenhängen.
- Selbstregulation: Der Organizer kann als Navigationshilfe für Planung, Überwachung und Rückblick dienen.
Diese Erklärungen sind mit Erkenntnissen der Kognitionspsychologie vereinbar, dürfen aber nicht als Beleg dafür missverstanden werden, dass jeder grafisch ansprechende Überblick automatisch Lernen verbessert.

Verhältnis zur Cognitive Load Theory
Der Advance Organizer entstand vor der Cognitive Load Theory. Beide Ansätze sind deshalb nicht identisch. Dennoch lassen sich Berührungspunkte beschreiben. Eine klare Vorstrukturierung kann unnötige Suchprozesse verringern und Lernenden helfen, relevante Elemente zu gruppieren. Ein überladener, unklarer oder gleichzeitig ausführlich erklärter Organizer kann dagegen zusätzliche Belastung erzeugen.
Für die Gestaltung folgt daraus: Reduktion bedeutet nicht, fachliche Komplexität zu verleugnen. Sie bedeutet, die Komplexität in eine lernbare Reihenfolge zu bringen, zentrale Beziehungen hervorzuheben und Details erst dann einzuführen, wenn ein Rahmen für ihre Einordnung vorhanden ist.
Arten von Advance Organizern
Expositorischer Organizer
Ein expositorischer Organizer wird vor allem genutzt, wenn Lernende zu einem Gebiet noch wenig tragfähiges Vorwissen besitzen. Er führt übergeordnete Ideen, Basiskategorien oder ein orientierendes Modell ein, das als Anker für das neue Material dienen kann.
Beispiel aus der Pädagogik: Vor einer Einführung in qualitative Forschungsmethoden zeigt ein Organizer die Grundidee, dass qualitative Forschung Bedeutungen, Perspektiven und soziale Praktiken rekonstruiert. Erst danach werden Interview, Beobachtung, Dokumentenanalyse, Sampling, Kodierung und Gütekriterien differenziert.
Vergleichender Organizer
Ein vergleichender Organizer ist geeignet, wenn Lernende bereits verwandte Begriffe oder Modelle kennen. Er arbeitet Ähnlichkeiten, Unterschiede, Übergänge und mögliche Verwechslungen heraus.
Beispiel aus der Pädagogik: Vor einer Sitzung zu formativer und summativer Evaluation aktiviert der Organizer den bekannten Begriff Leistungsbeurteilung. Er ordnet beide Formen nach Zweck, Zeitpunkt, Rückmeldung und Konsequenz. So können neue Details in ein vorhandenes Unterscheidungsschema integriert werden.
Darstellungsformen
| Form | Geeigneter Einsatz | Mögliches Risiko |
|---|---|---|
| Textlicher Überblick | Begriffspräzise Einführung in theoretische Themen | Zu dicht oder bereits wie ein Lehrbuchkapitel |
| Begriffsnetz | Sichtbarmachen von Relationen | Pfeile ohne eindeutige Bedeutung |
| Vergleichsmatrix | Abgrenzung naher Konzepte | Scheinbar starre Gegensätze |
| Zeitstrahl | Historische Entwicklung oder Prozessfolge | Reduktion komplexer Wechselwirkungen auf Chronologie |
| Metapher oder Analogie | Anschluss an vertraute Erfahrungen | Fehlübertragung von Merkmalen |
| Bildfolge | Prozess- und Handlungsorientierung | Dekoration ohne begriffliche Funktion |
| Kurzvideo | Anschaulicher Einstieg in dynamische Zusammenhänge | Passiver Konsum und Ablenkung |
| Interaktive Karte | Selbststeuerung und adaptive Vertiefung | Technische oder barrierebezogene Hürden |

Didaktische Funktionen im Studium der Pädagogik
Orientierung in komplexen Theorien
Pädagogische Theorien enthalten häufig abstrakte Begriffe, historische Bezüge, normative Annahmen und konkurrierende Perspektiven. Ein Advance Organizer kann die wichtigsten Bezugsebenen sichtbar machen, bevor Studierende Originaltexte lesen. Für eine Sitzung zu kritischer Erziehungswissenschaft könnte er beispielsweise Gesellschaftsanalyse, Mündigkeit, Herrschaftskritik, Bildungspraxis und Forschungsinteresse miteinander verbinden.
Der Organizer ersetzt die Lektüre nicht. Er bietet eine erste Struktur, die während der Textarbeit geprüft, ergänzt oder korrigiert wird.
Verbindung von Theorie und Fall
Ein Organizer kann auch die Übersetzung zwischen Theorie und pädagogischem Fall vorbereiten. Vor einer Fallanalyse zur Schulverweigerung könnten die Perspektiven Individuum, Familie, Peers, Schule, Sozialraum und Bildungssystem als miteinander verbundene Analyseebenen dargestellt werden. Die Studierenden erhalten damit keine fertige Diagnose, sondern ein Raster für begründete Fragen.
Strukturierung von Lehrveranstaltungen
In Vorlesungen und Seminaren kann der Advance Organizer auf verschiedenen Zeitskalen eingesetzt werden:
- Vor einem einzelnen Themenblock als fünfminütige Orientierung.
- Zu Beginn einer Sitzung als begrifflicher Rahmen.
- Zu Beginn eines Moduls als Lernlandkarte für mehrere Wochen.
- Vor einer komplexen Lektüre als Lesegerüst.
- Vor einem Praxisprojekt als Verbindung von Ziel, Theorie, Methode und Evaluation.
- Vor einer Prüfungsvorbereitung als Übersicht, die anschließend eigenständig rekonstruiert wird.
Unterstützung wissenschaftlichen Lesens
Für wissenschaftliche Texte kann ein Advance Organizer folgende Fragen bündeln:
- Welches Problem untersucht der Text?
- Auf welche Theorie bezieht er sich?
- Welche zentralen Begriffe werden unterschieden?
- Welche Methode wird verwendet?
- Welche Art von Aussage erlaubt das Design?
- Welche Ergebnisse sind zentral?
- Welche Grenzen und Alternativerklärungen bestehen?
Ein solcher Organizer erleichtert die Orientierung, darf aber nicht zum starren Formular werden. Unterschiedliche Textsorten benötigen unterschiedliche Lesegerüste.
Unterstützung selbstorganisierten Lernens
Im selbstorganisierten Lernen dient ein Organizer als gemeinsame Referenz. Lernende können markieren, welche Bereiche bereits bearbeitet wurden, welche Beziehungen unklar bleiben und wo eigene Beispiele fehlen. Besonders wirksam wird die Lernlandkarte, wenn sie nicht nur betrachtet, sondern ergänzt, kommentiert, rekonstruiert und mit Aufgaben verbunden wird.
Einen hochwertigen Advance Organizer entwickeln
Schritt 1: Lerngegenstand analysieren
Beginne nicht mit Farben oder Symbolen, sondern mit einer didaktischen Analyse. Kläre:
- Welche Kernidee trägt den Lerngegenstand?
- Welche Begriffe sind unverzichtbar?
- Welche Beziehungen müssen verstanden werden?
- Welche Details können später folgen?
- Wo liegen typische Verwechslungen oder Fehlvorstellungen?
- Welche gesellschaftliche, biografische oder professionelle Bedeutung besitzt das Thema?
Ein Organizer ist dann tragfähig, wenn er die Tiefenstruktur des Lerngegenstands abbildet und nicht lediglich Kapitelüberschriften nebeneinanderstellt.
Schritt 2: Adressatinnen und Adressaten analysieren
Erhebe oder erschließe das wahrscheinliche Vorwissen der Lerngruppe. Geeignet sind kurze Diagnosefragen, Assoziationssammlungen, Begriffssortierungen, Fallvignetten oder Selbsteinschätzungen. Berücksichtige außerdem Fachsprache, Sprachkompetenz, Studienphase, Interessen, kulturelle Erfahrungen, Sinnesbeeinträchtigungen und technische Zugänge.
Der gleiche Lerngegenstand benötigt im ersten Bachelorsemester einen anderen Organizer als in einem Masterseminar oder in einer Fortbildung für erfahrene Fachkräfte.
Schritt 3: Organizer-Typ wählen
Wähle einen expositorischen Organizer, wenn der Stoff weitgehend neu ist. Wähle einen vergleichenden Organizer, wenn vorhandene Konzepte geklärt, erweitert oder voneinander abgegrenzt werden sollen. Mischformen sind möglich, sollten aber didaktisch begründet sein.
Schritt 4: Kernbegriffe und Relationen bestimmen
Reduziere den Lerngegenstand auf wenige tragende Begriffe. Formuliere Beziehungen möglichst als verständliche Aussagen. Statt eines unbeschrifteten Pfeils zwischen „Vorwissen“ und „neuem Wissen“ kann beispielsweise stehen: „bietet Anker für“ oder „wird verändert durch“.
Eine bloße Sammlung von Substantiven ist noch keine Wissensstruktur. Erst benannte Beziehungen machen sichtbar, wie Begriffe zusammenhängen.
Schritt 5: Hierarchie und Lernweg gestalten
Ordne von allgemeinen zu spezifischeren Ideen, sofern diese Struktur dem Gegenstand entspricht. Zeige zugleich Querverbindungen, Spannungen und Rückkopplungen. Lege eine sinnvolle Blickführung fest. Nutze räumliche Nähe, Größenunterschiede, Linien und Weißraum konsistent.
Der Organizer soll einen möglichen Lernweg anbieten, aber nicht behaupten, es gebe nur eine legitime Denkbewegung.
Schritt 6: Verständlichkeit und Barrierearmut sichern
Beachte folgende Gestaltungsprinzipien:
- Verwende gut lesbare Schrift und ausreichende Größe.
- Nutze hohe Kontraste und verlasse Dich nicht allein auf Farben.
- Erkläre Symbole und Pfeilarten.
- Formuliere kurze, fachlich präzise Texte.
- Biete bei komplexen Grafiken eine lineare Textalternative.
- Verwende Alternativtexte für digitale Bilder.
- Prüfe die Darstellung auf kleinen Bildschirmen.
- Vermeide flackernde, rein dekorative oder übermäßig animierte Elemente.
- Sprich Abkürzungen aus und führe Fachbegriffe ein.
- Berücksichtige unterschiedliche Sprachstände, ohne Inhalte zu banalisieren.
Schritt 7: Präsentation planen
Ein Advance Organizer sollte aktiv eingeführt werden. Eine mögliche Präsentationsfolge lautet:
- Nenne das Thema und eine tragende Leitfrage.
- Aktiviere eine passende Erfahrung oder einen bekannten Begriff.
- Zeige zunächst die Gesamtstruktur.
- Erläutere die wichtigsten Beziehungen, ohne alle Details vorwegzunehmen.
- Fordere die Lernenden zu Vermutungen, Fragen oder Markierungen auf.
- Verweise darauf, wie und wann der Organizer erneut genutzt wird.
Die Präsentation bleibt kurz im Verhältnis zur nachfolgenden Lernphase. Entscheidend ist nicht eine starre Minutenzahl, sondern die Balance zwischen Orientierung und eigentlicher Erarbeitung.
Schritt 8: Wiederaufnahme und Weiterentwicklung
Ein Organizer entfaltet seinen Nutzen nicht nur am Anfang. Greife ihn im Verlauf wieder auf:
- Markiere bearbeitete Bereiche.
- Ergänze Beispiele, Gegenbeispiele und neue Relationen.
- Korrigiere vereinfachte Anfangsannahmen.
- Lasse Lernende Teilbereiche aus dem Gedächtnis rekonstruieren.
- Vergleiche die Ausgangsversion mit einer Abschlussversion.
- Nutze offene Stellen als Ausgangspunkt für weitere Forschung.
Schritt 9: Wirkung evaluieren
Prüfe nicht nur, ob Lernende den Organizer „schön“ finden. Untersuche, ob er tatsächlich Orientierung und begriffliche Verknüpfung unterstützt. Mögliche Indikatoren sind:
- Qualität von Erklärungen und Begründungen.
- Fähigkeit, neue Fälle einzuordnen.
- Zahl und Art fachlich sinnvoller Relationen.
- Verringerung typischer Verwechslungen.
- Nutzung des Organizers beim selbstständigen Arbeiten.
- Langfristiger Abruf zentraler Strukturen.
- Wahrgenommene Orientierung bei unterschiedlichen Lernvoraussetzungen.
Qualitätskriterien
Checkliste für die Planung
| Kriterium | Prüffrage |
|---|---|
| Vorangestellt | Erscheint der Organizer vor der vertieften Bearbeitung? |
| Anschlussfähig | Knüpft er an wahrscheinliches Vorwissen oder vertraute Erfahrungen an? |
| Übergeordnet | Zeigt er allgemeine Ideen statt einer Ansammlung von Details? |
| Relational | Werden Zusammenhänge zwischen Begriffen verständlich benannt? |
| Reduziert | Enthält er nur Elemente, die für die Orientierung notwendig sind? |
| Fachlich korrekt | Vermeidet er irreführende Vereinfachungen und falsche Gegensätze? |
| Adressatengerecht | Passen Sprache, Beispiele und Abstraktionsniveau zur Lerngruppe? |
| Aktivierend | Werden Lernende zum Fragen, Ordnen, Vergleichen oder Ergänzen angeregt? |
| Wiederverwendbar | Kann der Organizer im Lernprozess erneut aufgegriffen werden? |
| Barrierearm | Ist die Information auch ohne Farbsehen, Ton oder visuelle Interpretation zugänglich? |
| Evaluierbar | Ist erkennbar, woran sein didaktischer Nutzen geprüft werden kann? |
Häufige Fehlformen
Ein Advance Organizer verliert seine Funktion, wenn er:
- nur die Tagesordnung zeigt,
- eine vollständige Zusammenfassung vorwegnimmt,
- mit Details, Farben und Symbolen überladen ist,
- Beziehungen durch unklare Pfeile ersetzt,
- unbekannte Fachbegriffe mit weiteren unbekannten Fachbegriffen erklärt,
- ausschließlich dekorativ eingesetzt wird,
- nach der Einführung nie wieder erscheint,
- von allen Lernenden dieselbe Interpretation erwartet,
- eine umstrittene Theorie als eindeutige Wahrheit darstellt,
- keinen Bezug zum tatsächlichen Lernmaterial besitzt.
Praxisbeispiel aus der Pädagogik
Beispielthema: Bildungsungleichheit
Eine Dozentin plant eine Einführung in Bildungsungleichheit. Die Studierenden kennen aus eigener Erfahrung unterschiedliche Bildungswege, verfügen aber noch nicht über ein gemeinsames theoretisches Modell.
Leitfrage: Wie entstehen ungleiche Bildungschancen im Zusammenspiel von Person, Institution und Gesellschaft?
Der Advance Organizer enthält fünf Hauptbereiche:
- Ausgangslagen: soziale Herkunft, Sprache, Geschlecht, Behinderung, Migrationserfahrung und regionale Bedingungen.
- Institutionelle Prozesse: Übergänge, Leistungsbewertung, Erwartungen, Beratung, Schulformen und Zugänge.
- Ressourcen: ökonomisches, kulturelles und soziales Kapital sowie Unterstützungsangebote.
- Mechanismen: Selektion, Diskriminierung, Selbstselektion, Passung und kumulative Vorteile.
- Folgen und Handlungsebenen: Teilhabe, Abschlüsse, Bildungswege sowie Interventionen auf Unterrichts-, Institutions- und Systemebene.
Die Dozentin erläutert zunächst nur die Beziehungen zwischen den Bereichen. Anschließend markieren die Studierenden, welche Zusammenhänge sie aus Forschung, Praxis oder Biografie bereits kennen. Während des Semesters werden empirische Studien, Theorien und Gegenbeispiele an der Lernlandkarte verortet. Am Ende überarbeiten die Studierenden den Organizer und begründen jede Veränderung.
Warum dieses Beispiel ein Advance Organizer ist
Die Darstellung:
- geht der vertieften Erarbeitung voraus,
- aktiviert vorhandene Erfahrungen,
- stellt übergeordnete Kategorien bereit,
- macht Beziehungen zwischen Ebenen sichtbar,
- bleibt offen für Ergänzung und Korrektur,
- wird im weiteren Lernprozess wieder aufgegriffen.
Eine bloße Liste der Sitzungstitel würde diese Funktionen nicht erfüllen.
Inklusion, Heterogenität und Sprachbildung
Potenziale für heterogene Lerngruppen
Advance Organizer können Lernenden Orientierung geben, die mit impliziten akademischen Strukturen noch wenig vertraut sind. Sie können Fachwortschatz vorbereiten, einen Überblick über längere Lernprozesse bieten und die Beteiligung an Diskussionen erleichtern. Davon können insbesondere Studienanfängerinnen und Studienanfänger, mehrsprachige Lernende und Personen mit Schwierigkeiten bei Planung oder Arbeitsgedächtnis profitieren.
Diese Potenziale entstehen jedoch nur, wenn die Darstellung zugänglich ist. Eine komplexe Grafik ohne lineare Beschreibung kann Lernende mit Sehbeeinträchtigung ausschließen. Eine metaphorisch stark aufgeladene Darstellung kann kulturell oder sprachlich schwer verständlich sein. Eine vermeintlich vereinfachte Version kann zentrale fachliche Beziehungen unterschlagen.
Sprachsensibler Einsatz
Ein sprachsensibler Organizer:
- führt zentrale Fachbegriffe in verständliche Kontexte ein,
- verbindet Fachwort, kurze Erklärung und Beispiel,
- kennzeichnet Beziehungen mit Verben,
- nutzt konsistente Satzmuster,
- erlaubt mündliche, schriftliche und visuelle Zugänge,
- fordert Lernende auf, Beziehungen in eigenen Worten zu formulieren,
- macht Mehrdeutigkeiten und alltagssprachliche Bedeutungen sichtbar.
Beim Begriff „Bildung“ sollte beispielsweise geklärt werden, ob ein formaler Abschluss, ein individueller Entwicklungsprozess, ein kulturelles Ideal oder eine gesellschaftliche Institution gemeint ist.
Partizipative Gestaltung
Organizer müssen nicht ausschließlich von Lehrenden erstellt werden. Möglich sind drei Beteiligungsstufen:
- Lehrendengeführt: Die Lehrperson erstellt und erläutert die Ausgangsstruktur.
- Ko-konstruktiv: Die Lehrperson stellt Kernbegriffe bereit, Lernende ergänzen Relationen, Beispiele und Fragen.
- Lernendengeführt: Lernende entwickeln eigene Organizer, vergleichen Varianten und begründen ihre Strukturentscheidungen.
Für neue und sehr komplexe Themen kann eine stärkere Vorstrukturierung hilfreich sein. Mit wachsender Expertise sollte die Verantwortung schrittweise auf die Lernenden übergehen.
Digitale und KI-gestützte Organizer
Digitale Möglichkeiten
Digitale Organizer können Ebenen ein- und ausblenden, Begriffe verlinken, Audioerklärungen anbieten, Beispiele öffnen und Lernwege dokumentieren. Sie eignen sich für hybride Lehre, Lernplattformen und kollaborative Wissenskonstruktion.
Interaktivität ist jedoch nur dann didaktisch sinnvoll, wenn sie das Erkennen von Beziehungen unterstützt. Klickbare Flächen, Animationen und viele Verzweigungen können die Orientierung ebenso verschlechtern wie eine überfüllte statische Grafik.
Einsatz generativer KI
Generative Künstliche Intelligenz kann bei der Entwicklung eines Advance Organizers helfen, indem sie:
- mögliche Kernbegriffe sammelt,
- Hierarchieentwürfe vorschlägt,
- Vergleichsdimensionen formuliert,
- sprachliche Vereinfachungen erzeugt,
- alternative Beispiele anbietet,
- Barrierefreiheitsprüfungen vorbereitet,
- Varianten für unterschiedliche Vorkenntnisse erstellt.
Die fachliche Verantwortung bleibt bei den Lehrenden und Lernenden. KI-Ausgaben können Begriffe erfinden, Zusammenhänge verzerren, Kontroversen glätten oder Quellen vortäuschen. Deshalb müssen alle Vorschläge fachlich geprüft, mit Literatur abgeglichen und auf die konkrete Lerngruppe bezogen werden.
Datenschutz und Urheberrecht
Bei digitalen oder KI-gestützten Organizern dürfen keine personenbezogenen Lern- oder Falldaten unkontrolliert in externe Systeme eingegeben werden. Verwendete Bilder, Texte und Symbole benötigen passende Nutzungsrechte. Für Open Educational Resources sind offene Lizenzen, korrekte Namensnennung und dokumentierte Bearbeitungen zu beachten.
Empirische Forschung und kritische Einordnung
Forschungsbefunde
Die Forschung zum Advance Organizer umfasst experimentelle Studien, Reviews und Metaanalysen. Eine Metaanalyse von Luiten, Ames und Ackerson untersuchte 135 veröffentlichte und unveröffentlichte Studien und berichtete insgesamt förderliche Effekte auf Lernen und Behalten.[2] Stone analysierte 29 Berichte mit 112 Studien und kam ebenfalls zu einem insgesamt positiven Ergebnis, wies aber darauf hin, dass nicht alle Muster den theoretischen Vorhersagen Ausubels entsprachen.[3]
Eine neuere wissenschaftshistorische und theoretische Aufarbeitung betont, dass Ausubels Ansatz weiterhin anregend ist, zugleich aber begrifflich und empirisch kritisch geprüft werden muss.[4]
Aus diesen Befunden folgt keine pauschale Wirkungsgarantie. Durchschnittliche Effekte über viele Studien verdecken Unterschiede zwischen Fächern, Altersgruppen, Medienformen, Vorwissensständen, Testformaten und Gestaltungsqualitäten.
Bedingungen möglicher Wirksamkeit
Ein lernförderlicher Effekt ist eher plausibel, wenn:
- der Organizer auf das tatsächliche Lernmaterial abgestimmt ist,
- relevante Vorkenntnisse angesprochen werden,
- die Darstellung verständlich und überschaubar bleibt,
- zentrale Beziehungen erklärt werden,
- Lernende den Organizer aktiv verarbeiten,
- er im weiteren Lernprozess wieder aufgegriffen wird,
- Lernaufgaben das relationale Verständnis prüfen.
Weniger wahrscheinlich ist ein Nutzen, wenn Lernende bereits sehr hohe Expertise besitzen, der Organizer nur Bekanntes wiederholt, das Material trivial ist oder die Darstellung selbst mehr Verwirrung als Orientierung erzeugt.
Methodische Grenzen der Forschung
Bei der Interpretation von Studien sind mehrere Fragen wichtig:
- Wie wurde „Advance Organizer“ operationalisiert?
- War die Kontrollbedingung in Zeit, Aufmerksamkeit und Materialumfang vergleichbar?
- Wurde kurzfristiges Erinnern oder langfristiger Transfer geprüft?
- Entsprach der Test dem Organizer besonders stark?
- Wurden Vorwissen und Lernvoraussetzungen erfasst?
- Wie groß und repräsentativ war die Stichprobe?
- Wurden Studien mit kleinen oder nicht signifikanten Effekten veröffentlicht?
- Lassen sich ältere Studien auf heutige digitale Lernumgebungen übertragen?
Eine wissenschaftlich verantwortliche Bewertung trennt theoretische Plausibilität, beobachtete Effekte und praktische Empfehlungen voneinander.
Kritik am Advance Organizer
Kritisch zu diskutieren sind insbesondere:
- Lehrendenzentrierung: Die vorgegebene Struktur kann alternative Deutungen verdrängen.
- Scheinbare Eindeutigkeit: Diagramme lassen umstrittene Zusammenhänge leicht stabiler erscheinen, als sie sind.
- Übervereinfachung: Komplexe pädagogische Prozesse können in Kästchen und Pfeilen verengt werden.
- Fehlende Passung: Ein Organizer kann am tatsächlichen Vorwissen vorbeigehen.
- Passive Rezeption: Ohne Aktivierung bleibt die Darstellung ein weiterer Präsentationsgegenstand.
- Kognitive Überlastung: Zu viele Elemente, Ebenen und Medien können Orientierung verhindern.
- Barrieren: Visuell dominierte Darstellungen können nicht für alle Lernenden zugänglich sein.
- Prüfungsfixierung: Wird der Organizer als vollständiger Prüfungsstoff behandelt, kann er Tiefenlernen begrenzen.
Die angemessene Antwort auf diese Kritik ist nicht die Abschaffung der Methode, sondern eine reflektierte, partizipative und evaluierte Gestaltung.
Vergleich mit weiteren pädagogischen Ansätzen
Advance Organizer und Scaffolding
Scaffolding bezeichnet temporäre Unterstützung, die Lernende bei Aufgaben erhalten und die mit wachsender Selbstständigkeit zurückgenommen wird. Der Advance Organizer kann eine Form des Scaffolding sein, wenn er Orientierung bietet und später zunehmend von selbst erstellten Strukturen abgelöst wird. Scaffolding ist jedoch breiter und umfasst auch Hinweise, Modellierungen, Rückfragen, Feedback und kooperative Unterstützung.
Advance Organizer und entdeckendes Lernen
Der Advance Organizer wird häufig mit stärker angeleitetem, rezeptivem Lernen verbunden. Entdeckendes Lernen betont dagegen die eigenständige Erschließung von Problemen und Strukturen. Beide müssen nicht als absolute Gegensätze behandelt werden. Ein knapper Organizer kann den Problemraum öffnen, ohne Lösungen vorzugeben. Lernende können anschließend eigene Hypothesen entwickeln und die angebotene Struktur kritisch prüfen.
Advance Organizer und Concept Mapping
Beim Concept Mapping erstellen oder bearbeiten Lernende Begriffsnetze. Ein lehrendenerstellter Organizer bietet zunächst Orientierung; eine lernendenerstellte Concept-Map macht individuelle Wissensstrukturen sichtbar. Eine didaktisch produktive Kombination besteht darin, mit einem reduzierten Advance Organizer zu beginnen und ihn später durch eigene Concept-Maps zu ersetzen oder zu erweitern.
Advance Organizer und Universal Design for Learning
Universal Design for Learning fordert vielfältige Zugänge zu Information, Handlung und Motivation. Ein barrierearm gestalteter Organizer kann hierzu beitragen, ersetzt aber kein umfassendes inklusives Lehrdesign. Mehrere Darstellungsformen, Wahlmöglichkeiten und zugängliche Alternativen sollten von Beginn an vorgesehen werden.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Welche Hauptfunktion hat ein Advance Organizer? (Er verbindet relevantes Vorwissen mit der Struktur neuer Inhalte) (!Er ersetzt die vollständige Erarbeitung eines Themas) (!Er dokumentiert ausschließlich den zeitlichen Ablauf) (!Er bewertet die Prüfungsleistung der Lernenden)
Wann wird ein Advance Organizer im engeren Sinn eingesetzt? (Vor der vertieften Bearbeitung neuer Inhalte) (!Ausschließlich nach einer Abschlussprüfung) (!Nur während einer freien Gruppenphase) (!Erst nach dem vollständigen Auswendiglernen)
Mit welchem Theoretiker ist das Konzept besonders verbunden? (David Paul Ausubel) (!Burrhus Frederic Skinner) (!Lawrence Kohlberg) (!Sigmund Freud)
Was kennzeichnet sinnvolles Lernen nach Ausubel? (Neue Informationen werden nachvollziehbar mit vorhandenem Wissen verknüpft) (!Neue Informationen werden ohne Bedeutungsbezug wiederholt) (!Lernende vermeiden jede Form von Vorwissen) (!Nur motorische Fertigkeiten werden aufgebaut)
Wofür eignet sich ein expositorischer Organizer besonders? (Für weitgehend neue und wenig vertraute Themen) (!Für die Benotung abgeschlossener Projekte) (!Für rein administrative Terminabsprachen) (!Für das zufällige Sammeln unverbundener Details)
Wofür eignet sich ein vergleichender Organizer besonders? (Für die Klärung ähnlicher und unterschiedlicher Konzepte) (!Für die Messung der Lesegeschwindigkeit) (!Für die automatische Vergabe von Noten) (!Für die Vermeidung aller Fachbegriffe)
Was unterscheidet eine Zusammenfassung typischerweise vom Advance Organizer? (Sie blickt meist auf bereits behandelte Inhalte zurück) (!Sie enthält immer nur Bilder) (!Sie darf keine zentralen Begriffe nennen) (!Sie wird ausschließlich mündlich verwendet)
Welche Gestaltung unterstützt die Verständlichkeit? (Wenige zentrale Begriffe mit eindeutig benannten Beziehungen) (!Möglichst viele unbeschriftete Pfeile) (!Sehr kleine Schrift mit vielen Farben) (!Eine vollständige Wiedergabe des Lehrbuchs)
Welche Aussage zur Forschung ist angemessen? (Die Wirkung hängt unter anderem von Gestaltung und Lernkontext ab) (!Jeder Organizer garantiert automatisch Lernerfolg) (!Es gibt keinerlei empirische Untersuchungen) (!Nur die Farbwahl bestimmt die Wirkung)
Wie kann ein Organizer im Lernprozess weiter genutzt werden? (Er kann ergänzt, korrigiert und zur Orientierung erneut aufgegriffen werden) (!Er muss nach der Einführung verborgen bleiben) (!Er darf niemals von Lernenden verändert werden) (!Er ist nur für die Lehrkraft bestimmt)
Memory
| Advance Organizer | Vorangestellte Wissensstruktur |
| Expositorischer Organizer | Orientierung bei weitgehend neuem Stoff |
| Vergleichender Organizer | Klärung von Ähnlichkeiten und Unterschieden |
| Subsumption | Einordnung unter umfassendere Begriffe |
| Progressive Differenzierung | Schrittweise Ausarbeitung vom Allgemeinen zum Spezifischen |
| Integrative Versöhnung | Verbindung und Abgrenzung verwandter Konzepte |
| Vorwissensaktivierung | Bereitstellung passender gedanklicher Anker |
| Scaffolding | Zeitweilige Unterstützung des Lernprozesses |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Bedeutung |
|---|---|
| Expositorischer Organizer | Führt übergeordnete Ideen für ein wenig vertrautes Thema ein |
| Vergleichender Organizer | Verdeutlicht Beziehungen zwischen Bekanntem und Neuem |
| Agenda | Zeigt vor allem den organisatorischen Ablauf |
| Zusammenfassung | Verdichtet bereits behandelte Inhalte |
| Concept-Map | Verknüpft Begriffe durch benannte Relationen |
| Progressive Differenzierung | Entwickelt allgemeine Ideen schrittweise genauer |
| Integrative Versöhnung | Klärt Gemeinsamkeiten Unterschiede und Widersprüche |
...
Kreuzworträtsel
| Ausubel | Wer entwickelte das Konzept des Advance Organizers im Rahmen seiner Lerntheorie? |
| Vorwissen | Welcher Wissensbestand soll vor dem neuen Lernen aktiviert werden? |
| Subsumption | Wie heißt die Einordnung neuer Informationen unter umfassendere Begriffe? |
| Organizer | Welcher englische Bestandteil bezeichnet die ordnende Funktion der Methode? |
| Scaffolding | Wie heißt eine zeitweilige Unterstützung beim Lernen? |
| Metakognition | Wie heißt das Nachdenken über das eigene Denken und Lernen? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Begriffsvergleich: Erstelle eine Tabelle, in der Du Advance Organizer, Agenda, Zusammenfassung und Mindmap anhand von Funktion, Zeitpunkt und Aufbau vergleichst.
- Vorwissensdiagnose: Formuliere fünf kurze Fragen, mit denen Du das Vorwissen einer Seminargruppe zum Thema Inklusion erheben könntest.
- Fehleranalyse: Suche eine überladene Übersicht aus einem eigenen Lernkontext und markiere mindestens fünf Merkmale, die Orientierung erschweren.
- Mini-Organizer: Entwirf einen einseitigen Advance Organizer zum Thema Erziehungsstile mit höchstens sieben Kernbegriffen und eindeutig benannten Beziehungen.
Standard
- Theorie-Praxis-Transfer: Entwickle einen expositorischen Organizer für eine Einführung in qualitative Forschung und begründe jede Auswahl und Auslassung.
- Vergleichender Organizer: Gestalte einen Organizer, der Bildung, Erziehung, Sozialisation und Lernen unterscheidet und zugleich ihre Überschneidungen zeigt.
- Barrierefreiheit: Prüfe einen vorhandenen Organizer auf Lesbarkeit, Kontrast, Alternativzugang, Sprachsensibilität und mobile Nutzbarkeit. Überarbeite ihn anschließend.
- Lehrerprobung: Präsentiere Deinen Organizer in höchstens sieben Minuten einer Kleingruppe. Sammle Fragen und beobachte, welche Beziehungen verstanden oder missverstanden werden.
Schwer
- Empirische Evaluation: Plane eine kleine Vergleichsstudie, in der zwei Organizer-Varianten untersucht werden. Definiere Forschungsfrage, Variablen, Erhebungsinstrumente, ethische Bedingungen und Auswertungsstrategie.
- Kritische Diskursanalyse: Analysiere, welche Perspektiven ein Organizer zur Bildungsungleichheit sichtbar macht und welche er ausblendet. Entwickle eine alternative Gegenstruktur.
- Seminardesign: Plane eine vollständige universitäre Sitzung, in der ein Advance Organizer mit Fallanalyse, kooperativem Lernen, wissenschaftlicher Lektüre und Reflexion verbunden wird.
- KI-Reflexion: Lasse eine generative KI zwei Organizer zum gleichen pädagogischen Thema erstellen. Prüfe Fachlichkeit, Quellen, Verzerrungen, Datenschutz, Barrierefreiheit und didaktische Passung und dokumentiere alle Korrekturen.


Lernkontrolle
- Falltransfer: Eine Lehrperson zeigt zu Beginn einer Vorlesung eine Folie mit zwölf Sitzungstiteln. Beurteile, ob dies ein Advance Organizer ist, und begründe anhand von mindestens vier Qualitätskriterien, welche Änderungen erforderlich wären.
- Designentscheidung: Für ein Einführungsseminar zu Sozialisation und ein Masterseminar zu konkurrierenden Sozialisationstheorien stehen dieselben Materialien zur Verfügung. Entscheide für jede Gruppe, ob ein expositorischer oder vergleichender Organizer geeigneter ist, und begründe die unterschiedliche Gestaltung.
- Wirkungsmodell: Entwickle ein begründetes Modell, das Vorwissen, Aufmerksamkeit, kognitive Belastung, aktive Verarbeitung und Behalten miteinander verbindet. Kennzeichne, welche Beziehungen theoretische Annahmen und welche empirisch zu prüfende Hypothesen sind.
- Kritische Rekonstruktion: Ein Organizer stellt Lehrperson, Lernende und Inhalt als drei vollständig getrennte Bereiche dar. Analysiere, welche pädagogischen Annahmen darin stecken, welche Wechselwirkungen fehlen und wie eine differenziertere Darstellung aussehen könnte.
- Inklusiver Transfer: Überarbeite einen ausschließlich visuellen Organizer so, dass er auch für eine lernende Person mit Sehbeeinträchtigung, eine mehrsprachige Studentin und einen Teilnehmer mit geringer digitaler Erfahrung zugänglich wird.
- Forschungsbewertung: Eine Studie berichtet bessere Testergebnisse nach dem Einsatz eines Organizers. Formuliere mindestens sechs Fragen, die Du beantworten müsstest, bevor Du einen kausalen und verallgemeinerbaren Schluss ziehst.
- Professionelle Entscheidung: Entwirf Kriterien dafür, wann Du bewusst keinen Advance Organizer einsetzen würdest. Begründe dies anhand von Lernziel, Vorwissen, Komplexität, Zeit, Medium und Autonomie der Lernenden.
Lernnachweis
Für einen anspruchsvollen Lernnachweis im Studienfach Pädagogik sind folgende Leistungen wichtig:
- Eine fachlich korrekte Definition und begründete Abgrenzung des Advance Organizers.
- Eine nachvollziehbare Erklärung der lernpsychologischen Grundlagen nach Ausubel.
- Die Analyse eines komplexen pädagogischen Lerngegenstands.
- Ein selbst entwickelter expositorischer oder vergleichender Organizer.
- Eine schriftliche Begründung von Kernbegriffen, Relationen, Reduktionen und Darstellungsentscheidungen.
- Ein dokumentierter Bezug auf die Lernvoraussetzungen einer konkreten Zielgruppe.
- Nachweise zu Barrierearmut, Sprachsensibilität, Datenschutz und Nutzungsrechten.
- Eine kurze Erprobung mit Lernenden oder Peers.
- Eine Evaluation anhand von Beobachtungen, Rückmeldungen und einer Transferaufgabe.
- Eine kritische Reflexion der Grenzen, Auslassungen und möglichen Machtwirkungen der gewählten Struktur.
- Eine Überarbeitung des Organizers auf Grundlage der Evaluation.
- Eine korrekte wissenschaftliche Dokumentation der verwendeten Literatur und Medien.
Literatur und Quellen
- David P. Ausubel: The use of advance organizers in the learning and retention of meaningful verbal material. Journal of Educational Psychology, 51, 1960, S. 267–272.
- David P. Ausubel: Educational Psychology. A Cognitive View. Holt, Rinehart and Winston, New York 1968.
- David P. Ausubel: In defense of advance organizers. A reply to the critics. Review of Educational Research, 48, 1978, S. 251–257.
- John Luiten, Wilbur Ames und Gary Ackerson: A meta-analysis of the effects of advance organizers on learning and retention. American Educational Research Journal, 17, 1980, S. 211–218.
- Carol L. Stone: A meta-analysis of advance organizer studies. Journal of Experimental Education, 51, 1983, S. 194–199.
- Tom G. K. Bryce und David I. Blown: Ausubel's meaningful learning re-visited. Current Psychology, 42, 2023, S. 15678–15701.
- Advance Organizer im Methodenpool der Universität zu Köln.
- Concept-Map, Scaffolding, Vorwissen und Metakognition als weiterführende Lernbereiche.
- ↑ David P. Ausubel: The use of advance organizers in the learning and retention of meaningful verbal material. Journal of Educational Psychology, 51, 1960, S. 267–272. DOI: 10.1037/h0046669.
- ↑ John Luiten, Wilbur Ames und Gary Ackerson: A meta-analysis of the effects of advance organizers on learning and retention. American Educational Research Journal, 17, 1980, S. 211–218. DOI: 10.3102/00028312017002211.
- ↑ Carol L. Stone: A meta-analysis of advance organizer studies. Journal of Experimental Education, 51, 1983, S. 194–199. DOI: 10.1080/00220973.1983.11011862.
- ↑ Tom G. K. Bryce und David I. Blown: Ausubel's meaningful learning re-visited. Current Psychology, 42, 2023, S. 15678–15701.
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