Backmittel und Backzutaten

Backmittel und Backzutaten
Backmittel und Backzutaten
Einleitung
Backmittel und Backzutaten gehören zur professionellen Bäckerei- und Konditoreitechnologie. Sie beeinflussen nicht nur Geschmack und Nährwert, sondern können gezielt die Teigeigenschaften, die Verarbeitungssicherheit, die Gärstabilität, das Gebäckvolumen, die Porung, die Krustenbildung, die Frischhaltung und die Haltbarkeit verändern. Für Fachkräfte in der Ausbildung ist deshalb entscheidend, nicht nur Produktnamen zu kennen, sondern die technologische Funktion einzelner Zutaten zu verstehen.
Backmittel sind meist zusammengesetzte Lebensmittelzubereitungen, die je nach Einsatzzweck beispielsweise Getreideerzeugnisse, Quellmehle, Quellstärken, Malzerzeugnisse, Zuckerarten, Milch- oder Eiprodukte, Emulgatoren, Enzyme, Hydrokolloide, Säuerungsmittel, Oxidations- oder Reduktionsmittel enthalten können. Sie sollen Rohstoffschwankungen ausgleichen, Arbeitsabläufe stabilisieren und definierte Gebäckqualitäten ermöglichen. Backzutaten ist der weiter gefasste Begriff: Dazu zählen sowohl klassische wert- und geschmackgebende Zutaten als auch Stoffe und Zubereitungen mit einer spezifischen technologischen Wirkung.

Professionelles Backen ist ein komplexes Zusammenspiel aus Rezeptur, Rohstoffqualität und Prozessführung. Eine funktionelle Zutat kann nur dann sinnvoll beurteilt werden, wenn Du gleichzeitig Mehlqualität, Wasseraufnahme, Knetung, Teigtemperatur, Teigruhe, Gärführung, Backprozess und gewünschte Produkteigenschaften betrachtest.

Kompetenzen
Nach der Bearbeitung dieses aiMOOCs kannst Du Backmittel und Backzutaten fachlich unterscheiden, wichtige Funktionsgruppen erklären und deren Wirkung auf Teig, Masse und Gebäck beurteilen. Du kannst Emulgatoren, Enzyme und Quellstoffe einem technologischen Zweck zuordnen, mögliche Folgen von Unter- oder Überdosierungen abschätzen und Zutaten gezielt für betriebliche Problemstellungen auswählen. Außerdem kannst Du Angaben auf Spezifikationen, Zutatenlisten und Anwendungshinweisen kritisch prüfen und rechtliche sowie arbeitsschutzbezogene Aspekte berücksichtigen.
Grundbegriffe und Systematik
Backzutaten
Als Backzutaten können Rohstoffe und Lebensmittelzubereitungen bezeichnet werden, die einen wertgebenden, geschmackgebenden oder technologischen Beitrag zu Backwaren leisten. Dazu zählen beispielsweise Mehle, Stärken, Malzerzeugnisse, Zuckerarten, Fette, Saaten, Milch- und Eiprodukte, Aromen, Gewürze, Früchte, Füllungen, Überzugsmassen sowie funktionelle Zutaten wie Emulgatoren, Enzyme, Gelier- und Verdickungsmittel.
Entscheidend ist die Funktion in der jeweiligen Rezeptur. Dieselbe Zutat kann mehrere Aufgaben gleichzeitig erfüllen. Zucker süßt beispielsweise nicht nur, sondern beeinflusst auch Wasseraktivität, Teigkonsistenz, Hefegärung, Bräunung und Frischhaltung. Fett wirkt geschmacklich, strukturgebend und mürbend. Proteine können Wasser binden, Schäume stabilisieren oder zur Ausbildung eines Teiggerüstes beitragen.
Backmittel
Backmittel sind Zubereitungen, die zur Verbesserung oder Standardisierung der Herstellung und der Qualität von Backwaren eingesetzt werden. Sie können in Pulverform, als Paste, Flüssigkeit oder Konzentrat vorliegen. Typische Ziele sind eine bessere Maschinengängigkeit, eine höhere Gärtoleranz, stabilere Teige, ein größeres Gebäckvolumen, eine definierte Porung, eine gewünschte Rösche oder verlängerte Frischhaltung.
Ein Backmittel ist nicht mit einem einzelnen Zusatzstoff gleichzusetzen. Es kann aus mehreren Lebensmitteln, Zusatzstoffen und Enzymzubereitungen bestehen. Für die fachliche Bewertung musst Du deshalb immer die Einzelkomponenten und ihre Funktionen betrachten.
Backmittel, Zusatzstoffe und Verarbeitungshilfsstoffe unterscheiden
Ein Lebensmittelzusatzstoff wird einem Lebensmittel aus technologischen Gründen zugesetzt und unterliegt den jeweiligen lebensmittelrechtlichen Zulassungs- und Kennzeichnungsregeln. Emulgatoren wie Lecithine oder Mono- und Diglyceride von Speisefettsäuren gehören zu solchen Funktionsklassen, sofern sie entsprechend eingesetzt werden.
Ein Verarbeitungshilfsstoff wird dagegen während der Herstellung für einen technologischen Zweck eingesetzt und soll im Enderzeugnis keine technologische Wirkung mehr ausüben. Bei Lebensmittelenzymen hängt die rechtliche Einordnung unter anderem von Anwendung, Funktion und Wirkung im Endprodukt ab. Für die Praxis gilt deshalb: Spezifikation, Produktinformation, aktuelle Rechtslage und betriebliche Kennzeichnungsvorgaben müssen zusammen geprüft werden.
Für Betriebe in Deutschland und der Europäischen Union sind insbesondere die jeweils geltenden Vorschriften des Lebensmittelzusatzstoffrechts, des Lebensmittelenzymrechts und der Lebensmittelinformationsverordnung zu beachten. Clean Label ist dagegen kein einheitlich gesetzlich definierter Rechtsbegriff, sondern ein markt- und verbraucherbezogenes Konzept.
Emulgatoren
Grundprinzip
Emulgatoren besitzen Molekülbereiche mit unterschiedlicher Affinität zu Wasser und Fett. Ein Teil ist eher hydrophil, ein anderer eher lipophil. Dadurch können Emulgatoren Grenzflächen zwischen nicht mischbaren Phasen beeinflussen. In Backwaren reicht ihre Wirkung jedoch über die reine Stabilisierung von Öl-Wasser-Emulsionen hinaus: Sie können mit Lipiden, Proteinen und Stärke wechselwirken und dadurch Teigstabilität, Gashaltevermögen, Krumenstruktur oder Frischhaltung verändern.


Lecithine
Lecithine werden lebensmittelrechtlich unter E 322 zusammengefasst. Es handelt sich überwiegend um Gemische verschiedener Phospholipide. In Backwaren können Lecithine Fett und Wasser besser verteilen, die Benetzung von Bestandteilen erleichtern und die Verarbeitung bestimmter Teige oder Massen unterstützen. Je nach Rezeptur können auch Volumen, Porung und Krumenweichheit beeinflusst werden.
Bei Lecithin ist die Rohstoffquelle wichtig. Soja- oder Eilecithin kann allergenrechtlich relevant sein. Deshalb reicht es im Betrieb nicht aus, nur die Funktionsklasse Emulgator zu kennen; auch Herkunft, Spezifikation und Allergenstatus müssen geprüft werden.

Mono- und Diglyceride sowie DATEM
Mono- und Diglyceride von Speisefettsäuren werden als E 471 bezeichnet. Sie können mit Stärke wechselwirken und dadurch unter anderem die Krumenstruktur und das Festwerden der Krume während der Lagerung beeinflussen. Ihre technologische Wirkung hängt stark von Zusammensetzung, Herstellungsverfahren und Rezeptur ab.
DATEM ist die gebräuchliche Fachbezeichnung für Diacetylweinsäureester von Mono- und Diglyceriden von Speisefettsäuren, E 472e. In Hefeteigen wird DATEM vor allem als teigstärkender Emulgator eingesetzt. Es kann das Gashaltevermögen und die Knettoleranz verbessern und dadurch Volumen und Formstabilität fördern. Die konkrete Verwendung muss immer mit der für das Produkt geltenden Zulassung und Dosierung abgeglichen werden.
Technologische Beurteilung von Emulgatoren
Bei der Auswahl eines Emulgators solltest Du nicht nach dem Prinzip „mehr ist besser“ arbeiten. Ein Emulgator muss zum Produkt und Prozess passen. In einem Weizenbrötchenteig kann Teigstärkung erwünscht sein, während bei einem Mürbeteig eher eine kontrollierte Schwächung des Klebergerüstes und eine kurze Struktur angestrebt wird. In Feinen Backwaren können Aufschlagvermögen, Fettverteilung und Schaumbeständigkeit wichtiger sein als Gashaltevermögen eines Hefeteiges.
Enzyme
Enzyme als Biokatalysatoren
Enzyme sind Biokatalysatoren. Sie beschleunigen spezifische Reaktionen, ohne dabei wie ein klassischer Reaktionspartner verbraucht zu werden. Ihre Wirkung hängt von Substrat, Temperatur, pH-Wert, Wasserverfügbarkeit, Einwirkzeit und Dosierung ab. Beim Backen werden Enzyme durch die zunehmende Temperatur während des Backprozesses meist zunehmend inaktiviert beziehungsweise denaturiert; Zeitpunkt und Ausmaß sind jedoch enzymabhängig.

Bei Enzymen ist die Substratspezifität besonders wichtig. Eine Amylase wirkt auf Stärke, eine Protease auf Proteine und eine Xylanase auf bestimmte Nicht-Stärke-Polysaccharide. Deshalb muss die Auswahl immer von der konkreten Problemstellung ausgehen.
Amylasen
Amylasen spalten Bestandteile der Stärke. In Weizenmehl sind bereits natürliche amylolytische Aktivitäten vorhanden. Zusätzlich eingesetzte Amylasen können die Bildung vergärbarer und reduzierender Zucker fördern. Dadurch können Hefegärung, Ofentrieb und Bräunung beeinflusst werden.
Alpha-Amylasen spalten innere alpha-1,4-glykosidische Bindungen der Stärke und bilden unter anderem Dextrine. Beta-Amylase löst vor allem Maltoseeinheiten von nicht reduzierenden Kettenenden. Amyloglucosidase kann Glucose freisetzen. Maltogene Amylasen werden besonders zur Beeinflussung der Krumenfestigkeit während der Lagerung eingesetzt.
Ein Zuviel an amylolytischer Aktivität kann zu unerwünschten Effekten führen, etwa zu einer klebrigen, schlecht schneidbaren Krume. Deshalb werden Mehle unter anderem über die Fallzahl beziehungsweise Falling Number auf ihre alpha-Amylase-Aktivität beurteilt. Eine niedrige Fallzahl weist im Grundsatz auf eine hohe amylolytische Aktivität hin; die Interpretation muss jedoch immer im Zusammenhang mit Mehlart, Prozess und Zielprodukt erfolgen.
Xylanasen
Xylanasen verändern Arabinoxylane, die zu den Nicht-Stärke-Polysacchariden des Getreides gehören. Durch eine kontrollierte Veränderung dieser Polysaccharide kann Wasser im Teig anders verteilt werden. Das kann Teigkonsistenz, Dehnbarkeit, Gashaltevermögen und Gebäckvolumen beeinflussen.
Eine Überdosierung oder ungeeignete Enzymaktivität kann den Teig jedoch zu weich oder klebrig machen. In der Praxis ist deshalb die Kombination aus Enzymtyp, Mehlqualität, Wasserzugabe und Teigführung entscheidend.
Proteasen
Proteasen hydrolysieren Peptidbindungen in Proteinen. In Weizenteigen kann dadurch das Klebergerüst geschwächt und die Dehnbarkeit erhöht werden. Diese Wirkung kann beispielsweise bei bestimmten Dauerbackwaren, Crackern oder Waffelprodukten nützlich sein, bei denen ein zu starkes Gluten-Netzwerk unerwünscht ist.
In Brot- und Brötchenteigen kann eine zu hohe Proteaseaktivität dagegen die Gashaltung deutlich verschlechtern. Das Ergebnis können flache Gebäcke, geringe Formstabilität und klebrige Teige sein.
Lipasen und Phospholipasen
Lipasen und Phospholipasen verändern Lipide oder Phospholipide. Dabei können im Teig oberflächenaktive Verbindungen entstehen oder vorhandene Lipidstrukturen verändert werden. Dadurch lassen sich in bestimmten Rezepturen Teigstabilität, Gashaltevermögen und Krumenstruktur beeinflussen. Solche Enzymsysteme werden unter anderem eingesetzt, wenn klassische Emulgatoren reduziert oder ersetzt werden sollen.
Oxidasen
Glucoseoxidase katalysiert unter geeigneten Bedingungen die Oxidation von Glucose. Dabei entsteht Wasserstoffperoxid, das indirekt oxidative Vernetzungsprozesse im Teig unterstützen kann. Das kann zu einer festeren Teigstruktur und verbessertem Gashaltevermögen führen.
Wie bei allen Enzymen gilt: Die Wirkung ist nicht isoliert zu beurteilen. Sauerstoffeintrag beim Kneten, Mehlzusammensetzung, Teigtemperatur und vorhandene Redoxsysteme beeinflussen das Ergebnis.
Enzymdosierung und Arbeitsschutz
Enzyme werden häufig in sehr kleinen Mengen eingesetzt. Deshalb kommen oft standardisierte Enzymzubereitungen mit Trägerstoffen zum Einsatz, damit eine homogene Dosierung möglich wird. Die Herstellerangaben beziehen sich häufig auf die Mehlmenge oder auf eine definierte Enzymaktivität.
Enzymstäube können bei wiederholter beruflicher Exposition sensibilisierend wirken. Im Betrieb sind deshalb staubarme Produktformen, geschlossene Dosiersysteme, Absaugung, sachgerechte persönliche Schutzausrüstung und die jeweiligen Betriebs- und Sicherheitsanweisungen wichtig. Aerosolbildung und unnötige Staubentwicklung sollen vermieden werden.
Quellstoffe und Hydrokolloide
Funktion von Quellstoffen
Quellstoffe nehmen Wasser auf und erhöhen dadurch Wasserbindung, Viskosität oder Strukturstabilität. Im Bäckereibereich werden darunter unterschiedliche Stoffgruppen zusammengefasst. Dazu gehören Quellmehle, Quellstärken, Pflanzenfasern und Hydrokolloide.
Quellmehle und Quellstärken sind thermisch oder technologisch so behandelt, dass sie bereits in kaltem oder nur mäßig warmem Wasser deutlich quellen können. Sie können die Teigausbeute erhöhen, freie Feuchtigkeit binden, die Verarbeitung verbessern und zur Frischhaltung beitragen.
Xanthan
Xanthan ist ein mikrobiell erzeugtes Polysaccharid und wird als Verdickungs- und Stabilisierungsmittel eingesetzt. In wasserreichen Systemen kann es bereits bei niedrigen Einsatzmengen eine hohe Viskosität erzeugen. In glutenfreien Backwaren wird Xanthan häufig genutzt, um die fehlende Struktur des Glutennetzwerks teilweise funktionell zu ersetzen.


Guarkernmehl
Guarkernmehl wird aus dem Endosperm der Guarsamen gewonnen. Sein Hauptpolysaccharid ist ein Galactomannan. Es besitzt eine hohe Wasserbindung und verdickende Wirkung. In Backwaren kann es die Teig- oder Massenviskosität erhöhen, Wasser zurückhalten und dadurch Saftigkeit oder Frischhaltung unterstützen.

Flohsamenschalen
Flohsamenschalen sind eine quellfähige, ballaststoffreiche Zutat. Ihre Schleimstoffe binden große Wassermengen und bilden viskose Strukturen. Besonders bei glutenfreien Broten können sie zur Ausbildung eines zusammenhängenden Teigsystems beitragen und dadurch Formbarkeit, Gashaltung und Krumenstruktur verbessern.

Weitere Hydrokolloide
Je nach Produkt werden außerdem Carrageen, Johannisbrotkernmehl, Cellulosederivate oder andere Hydrokolloide eingesetzt. Hydroxypropylmethylcellulose, kurz HPMC, ist beispielsweise in glutenfreien Hefeteigen technologisch bedeutsam, weil sie während der Erhitzung zur Stabilisierung der Gaszellen beitragen kann.
Hydrokolloide sind nicht automatisch Emulgatoren. Ihre Hauptwirkung liegt häufig in Wasserbindung, Viskositätsaufbau, Gelbildung oder Stabilisierung. Dennoch können sie durch die Veränderung der kontinuierlichen Wasserphase indirekt auch die Stabilität disperser Systeme verbessern.
Oxidations- und Reduktionsmittel
Ascorbinsäure
Ascorbinsäure wird als E 300 geführt. Obwohl sie chemisch als Reduktionsmittel bekannt ist, wirkt sie im Weizenteig über das enzymatische Redoxsystem nach ihrer Oxidation zu Dehydroascorbinsäure teigstärkend. Sie unterstützt damit die Ausbildung eines belastbareren Proteinnetzwerks und kann Knettoleranz, Gashaltevermögen und Volumen verbessern.

Die Wirkung ist prozessabhängig. Sauerstoffeintrag beim Kneten und die Aktivität der im Mehl vorhandenen Oxidationssysteme beeinflussen, wie stark die gewünschte Teigstärkung ausfällt.
Cystein und reduzierende Systeme
L-Cystein wirkt reduzierend und kann Disulfidbindungen im Proteinnetzwerk beeinflussen. Dadurch lässt sich ein sehr straffer Weizenteig entspannen und seine Dehnbarkeit erhöhen. Das kann die Knetzeit oder Formgebung in bestimmten Anwendungen erleichtern.
Eine zu starke Reduktion schwächt jedoch das Teiggerüst. Das zeigt ein zentrales Prinzip der Backtechnologie: Teigstärkung und Teigentspannung müssen zum Prozess passen. Die rechtliche Zulässigkeit und Kennzeichnung solcher Stoffe ist immer produkt- und anwendungsbezogen zu prüfen.
Weitere funktionelle Backzutaten
Malz und Malzerzeugnisse
Malz liefert je nach Herstellungsart Aroma, Farbe, Zucker und gegebenenfalls enzymatische Aktivität. Enzymaktives Malz kann zusätzliche amylolytische Aktivität einbringen und dadurch die Verfügbarkeit vergärbarer Zucker erhöhen. Enzyminaktives Malz wird dagegen vor allem für Geschmack und Farbe eingesetzt.
Bei aktivem Malz muss die vorhandene Mehlaktivität berücksichtigt werden. Ein bereits sehr enzymaktives Mehl zusätzlich stark zu malzen kann zu übermäßiger Stärkehydrolyse und einer klebrigen Krume führen.
Weizenkleber
Vitaler Weizenkleber ist ein proteinreiches Weizenerzeugnis. Er kann den Proteingehalt und die teigbildende Proteinfraktion erhöhen. Das ist unter anderem bei sehr ballaststoffreichen oder schweren Teigen nützlich, bei denen das natürliche Klebergerüst stark beansprucht wird.
Die Zugabe ersetzt jedoch keine korrekte Knetung und keine passende Wasserführung. Mehr Gluten kann außerdem die Wasseraufnahme verändern und erfordert deshalb eine Anpassung der Rezeptur.
Stärken und modifizierte Stärken
Native und modifizierte Stärken werden zur Struktur-, Viskositäts- und Wassersteuerung eingesetzt. Modifizierte Stärken sind chemisch oder physikalisch so verändert, dass bestimmte Verarbeitungseigenschaften gezielt verbessert werden. Quellstärken können beispielsweise ohne klassische Kochung Wasser aufnehmen.
Für die Auswahl sind Gelatinierungstemperatur, Quellvermögen, Scher- und Gefrier-Tau-Stabilität sowie die gewünschte Textur wichtig.
Säuren, Säureregulatoren und Mineralsalze
Milchsäure, Citronensäure und andere Säuerungsmittel können den pH-Wert beeinflussen. Das verändert Geschmack, Teigstruktur, Enzymaktivität und mikrobiologische Stabilität. Mineralsalze und Phosphate können je nach Anwendung als Säureregulatoren, Puffersubstanzen, Triebmittelkomponenten oder funktionelle Salze wirken.
Bei chemisch gelockerten Backwaren müssen Säureträger und Hydrogencarbonate zeitlich so reagieren, dass die Gasentwicklung zum Misch-, Ruhe- und Backprozess passt.
Backtriebmittel
Backtriebmittel setzen Gase frei und vergrößern dadurch das Volumen von Teigen und Massen. Natriumhydrogencarbonat ist eine zentrale alkalische Komponente vieler Backpulversysteme. Zusammen mit geeigneten Säureträgern entsteht Kohlendioxid.
Die Triebmittelwahl beeinflusst nicht nur Volumen, sondern auch pH-Wert, Bräunung, Geschmack und Porenstruktur. Ein Überschuss an Hydrogencarbonat kann einen unerwünscht alkalischen Geschmack und eine starke Oberflächenbräunung verursachen.
Fette und funktionelle Fettkomponenten
Backfette beeinflussen Mürbung, Plastizität, Lufteintrag, Gleitverhalten und Aromawahrnehmung. In Feinen Backwaren ist die Kristallstruktur des Fettes wichtig für Aufschlagvermögen und Verarbeitungstemperatur. Emulgierte Fettzubereitungen können speziell auf Massen, Cremes oder Hefefeinteige abgestimmt sein.
Zuckerarten und Feuchthaltemittel
Zuckerarten tragen zu Süße, Bräunung, Hefegärung, Gefrierpunktserniedrigung und Wasserbindung bei. Glucose, Invertzucker oder Sirupe verhalten sich technologisch anders als Saccharose. In weichen Feinen Backwaren können zugelassene Feuchthaltemittel wie Glycerin oder Sorbit produktabhängig eingesetzt werden, um die Wasserverfügbarkeit und Textur während der Lagerung zu beeinflussen.
Konservierungsstoffe und Haltbarkeitskonzepte
Sorbinsäure beziehungsweise Sorbate und Propionsäure beziehungsweise Propionate können in hierfür rechtlich zugelassenen Backwaren zur Hemmung bestimmter Schimmelpilze oder anderer Verderbsorganismen verwendet werden. Ihre Wirksamkeit hängt unter anderem von pH-Wert, Wasseraktivität, Verpackung, Hygiene und Produktmatrix ab.
Konservierungsstoffe ersetzen keine gute Betriebshygiene. Ein professionelles Haltbarkeitskonzept kombiniert Rohstoffkontrolle, hygienische Herstellung, ausreichende Erhitzung, kontrollierte Auskühlung, geeignete Verpackung und gegebenenfalls weitere Hürden.
Wirkungen im Teigsystem
Wasserbindung und Teigausbeute
Wasser ist im Teig nicht vollständig „frei“. Proteine, Stärke, Pentosane, Fasern und Hydrokolloide konkurrieren um Wasser. Wird ein stark quellender Stoff zugesetzt, kann die bisherige Wassermenge deshalb zu niedrig sein. Die Folge wäre ein zu fester Teig, obwohl die Zutat eigentlich die Frischhaltung verbessern sollte.
Bei der Rezepturentwicklung muss deshalb nach jeder Änderung erneut geprüft werden, welche Wasserzugabe für Knetung, Formgebung, Gärung und Gebäckqualität optimal ist.
Gluten, Gasbildung und Gashaltung
In Weizenteigen bildet sich während der Knetung ein viskoelastisches Netzwerk aus Glutenproteinen. Hefe produziert während der Gärung Kohlendioxid. Entscheidend für ein voluminöses Gebäck ist daher nicht nur die Gasproduktion, sondern auch die Fähigkeit des Teiges, dieses Gas zu halten.
Emulgatoren, Oxidationssysteme, Enzyme und Vitalgluten können dieses Gleichgewicht beeinflussen. Eine Zutat, die das Teiggerüst zu stark verfestigt, kann die Dehnbarkeit begrenzen. Eine zu starke proteolytische oder reduzierende Wirkung kann das System dagegen zu weich machen.
Stärkeverkleisterung und Krumenbildung
Beim Erhitzen nimmt Stärke Wasser auf und verkleistert. Gleichzeitig denaturieren Proteine und die Krumenstruktur wird fixiert. Während der Lagerung ordnen sich Stärkebestandteile teilweise neu an. Dieser als Retrogradation bezeichnete Prozess trägt zum Festwerden der Krume bei.
Emulgatoren und bestimmte Amylasen können die Stärke beziehungsweise ihre Wechselwirkungen so beeinflussen, dass die Krumenfestigkeit langsamer zunimmt.

Dosierung und betriebliche Anwendung
Bäckerprozente
Viele Backmittel und funktionelle Zutaten werden in Prozent bezogen auf die Mehlmenge dosiert. Bei 100 kg Mehl entsprechen 1,0 % also 1,0 kg Zutat. Eine Dosierung von 0,2 % entspricht 200 g je 100 kg Mehl.
Die Berechnung lautet:
Dosierung in % = Masse der Zutat ÷ Mehlmasse × 100
Bei Mikrokomponenten wie Enzymen sind deutlich kleinere Mengen üblich. Hier sind standardisierte Vormischungen und kalibrierte Dosiertechnik besonders wichtig.
Einwaage und Mischreihenfolge
Pulverförmige Mikrokomponenten müssen gleichmäßig verteilt werden. Direkter Kontakt hochkonzentrierter Enzyme oder Oxidationsmittel mit nur einem kleinen Teigbereich kann lokale Überdosierungen verursachen. Deshalb werden solche Komponenten häufig über Trägerstoffe oder Vormischungen verteilt.
Flüssige Emulgator- oder Enzymzubereitungen müssen hinsichtlich Temperatur, Pumpfähigkeit, Homogenität und Dosiergenauigkeit kontrolliert werden. Die Herstellerangaben zur Zugabereihenfolge sind Teil der Prozessvorgabe.
Überdosierung erkennen
Typische Anzeichen einer ungeeigneten Dosierung können ein zu straffer oder zu weicher Teig, erhöhte Klebrigkeit, vermindertes Volumen, unregelmäßige Porung, gummiartige Krume, zu starke Bräunung oder unerwünschte Geschmacksveränderungen sein. Aus dem Fehlerbild allein lässt sich die Ursache jedoch nicht sicher ableiten.
Professionelle Fehlersuche trennt deshalb Rohstoff-, Rezeptur-, Dosier- und Prozessfehler. Erst danach wird die Rezeptur verändert.
Qualitätsprüfung
Rohstoff- und Teigprüfung
Zur Beurteilung von Mehlen und Teigen können je nach Betrieb unterschiedliche rheologische und analytische Verfahren eingesetzt werden. Dazu gehören unter anderem Fallzahl, Feuchtebestimmung, Farinogramm, Extensogramm oder Alveogramm. In der Ausbildung solltest Du verstehen, welche Fragestellung ein Prüfverfahren beantwortet.
Die Fallzahl liefert beispielsweise einen indirekten Hinweis auf die alpha-Amylase-Aktivität. Ein Farinogramm beschreibt unter anderem Wasseraufnahme und Knetverhalten. Ein Extensogramm untersucht Dehnwiderstand und Dehnbarkeit.
Gebäckprüfung
Ein Backversuch ist für viele funktionelle Zutaten unverzichtbar. Bewertet werden können Gebäckvolumen, Form, Ausbund, Krustenfarbe, Porung, Krumenelastizität, Schnittfähigkeit, Rösche, Geschmack und Lagerstabilität.
Für Entwicklungsversuche ist ein Kontrollansatz ohne die zu prüfende Zutat wichtig. Nur so kannst Du erkennen, ob eine beobachtete Veränderung tatsächlich durch die funktionelle Zutat verursacht wurde.
Kennzeichnung, Allergene und Produktspezifikation
Die Zutatenliste eines Backmittels muss von der Deklaration des damit hergestellten Gebäcks unterschieden werden. Für das Endprodukt sind die jeweils geltenden Vorschriften maßgeblich. Zusatzstoffe werden grundsätzlich nach den entsprechenden Kennzeichnungsregeln angegeben, während bei Verarbeitungshilfsstoffen andere Anforderungen gelten können.
Bei zusammengesetzten Backzutaten sind Allergene besonders wichtig. So können Bestandteile aus Weizen, Milch, Ei oder Soja enthalten sein. Betriebe müssen deshalb nicht nur das Etikett, sondern auch Spezifikation, Allergenmatrix und mögliche Kreuzkontaminationen berücksichtigen.
Für Auszubildende gilt als Grundregel: Verlasse Dich bei rechtlich relevanten Fragen nie nur auf Handelsnamen oder Werbung. Prüfe die vollständige Produktspezifikation und die im Betrieb freigegebene Rezeptur.
Fachliche Übersicht
| Funktionsgruppe | Typische Beispiele | Hauptwirkung im Backprozess | Mögliche Fehler bei ungeeignetem Einsatz |
|---|---|---|---|
| Emulgatoren | Lecithine, Mono- und Diglyceride, DATEM | Grenzflächenwirkung, Teigstabilisierung, Krumenbeeinflussung | Überstarke Struktur, ungeeignete Krumenbeschaffenheit |
| Amylasen | Alpha-Amylase, maltogene Amylase | Stärkeabbau, Zuckerbereitstellung, Frischhaltung | Klebrige Krume, zu starke Bräunung |
| Xylanasen | Endoxylanasen | Modifikation von Arabinoxylanen, Wasserverteilung | Zu weiche oder klebrige Teige |
| Proteasen | Proteinspaltende Enzyme | Erhöhung der Dehnbarkeit, Teigentspannung | Verlust von Gashaltevermögen |
| Hydrokolloide | Xanthan, Guarkernmehl, HPMC | Wasserbindung, Viskosität, Struktur | Zu feste oder gummiartige Textur |
| Quellstoffe | Quellmehl, Quellstärke, Flohsamenschalen | Wasserbindung, Saftigkeit, Frischhaltung | Zu niedrige freie Wassermenge |
| Oxidative Systeme | Ascorbinsäure, Glucoseoxidase | Teigstärkung und Stabilisierung | Zu straffer Teig |
| Reduzierende Systeme | L-Cystein | Teigentspannung, erhöhte Dehnbarkeit | Zu weicher oder instabiler Teig |
| Strukturproteine | Vitaler Weizenkleber | Verstärkung des Proteingerüstes | Zu fester Teig bei fehlender Wasseranpassung |
| Säuerungs- und Triebsysteme | Citronensäure, Phosphate, Hydrogencarbonate | pH-Steuerung, Gasentwicklung | Fehlgeschmack, falsche Bräunung, unpassender Trieb |
Fallbeispiel aus der Ausbildung
Eine Bäckerei stellt Weizenbrötchen im direkten Verfahren her. Nach einem Mehlwechsel werden die Teige weicher, die Gärtoleranz sinkt und das Volumen schwankt. Gleichzeitig möchte der Betrieb die Frischhaltung verbessern.
Eine fachgerechte Lösung beginnt nicht mit dem ungeprüften Zusatz eines stärkeren Backmittels. Zuerst werden Mehlkennwerte, Wasseraufnahme, Knetung, Teigtemperatur, Dosieranlage und Gärführung überprüft. Danach können gezielt Maßnahmen getestet werden: eine angepasste Wasserzugabe, ein teigstärkendes System, eine geeignete Xylanase, eine Veränderung der Amylaseaktivität oder ein Emulgator. Für die Frischhaltung wäre zusätzlich zu prüfen, ob ein stärkebeeinflussendes Enzymsystem oder ein geeigneter Emulgator sinnvoll ist.
Das Beispiel zeigt, dass funktionelle Zutaten Werkzeuge der Prozesssteuerung sind. Sie können ein technologisches Problem lösen, aber eine falsche Prozessführung nicht beliebig kompensieren.
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Welche Aussage beschreibt die Hauptaufgabe eines Backmittels am treffendsten? (Es soll Verarbeitung und Gebäckqualität gezielt beeinflussen oder stabilisieren) (!Es dient ausschließlich der Süßung) (!Es ersetzt grundsätzlich das Mehl) (!Es ist immer nur ein einzelnes Enzym)
Welche Eigenschaft ist typisch für einen Emulgator? (Er besitzt hydrophile und lipophile Molekülbereiche) (!Er besteht ausschließlich aus Stärke) (!Er wirkt nur als Triebgas) (!Er kann keine Grenzflächen beeinflussen)
Welches Hauptsubstrat wird durch Amylasen verändert? (Stärke) (!Kochsalz) (!Mineralstoffe) (!Wasser)
Welche Stoffgruppe wird durch Xylanasen im Getreideteig gezielt verändert? (Arabinoxylane) (!Triglyceride) (!Saccharose) (!Natriumchlorid)
Welche Hauptwirkung haben Quellstoffe in Backwaren? (Sie binden Wasser und beeinflussen die Struktur) (!Sie erzeugen ausschließlich Kohlendioxid) (!Sie verdampfen beim Kneten vollständig) (!Sie verhindern jede Enzymaktivität)
Wie wirkt Ascorbinsäure technologisch typischerweise im Weizenbrottteig? (Sie unterstützt ein oxidativ gestärktes Teiggerüst) (!Sie wirkt ausschließlich als Fett) (!Sie spaltet Stärke direkt zu Maltose) (!Sie ersetzt die Hefe)
Welche Folge kann eine zu hohe Proteaseaktivität in einem Weizenbrottteig haben? (Das Teiggerüst wird zu stark geschwächt) (!Das Teiggerüst wird immer fester) (!Die Stärke wird vollständig entfernt) (!Das Salz wird neutralisiert)
Was weist eine vergleichsweise niedrige Fallzahl grundsätzlich eher aus? (Eine höhere alpha-Amylase-Aktivität) (!Eine höhere Fettmenge) (!Eine geringere Mehlfeuchte in jedem Fall) (!Einen höheren Salzgehalt)
Welche Aussage zu Clean Label ist fachlich richtig? (Clean Label ist kein einheitlich gesetzlich definierter Rechtsbegriff) (!Clean Label ist eine E Nummer) (!Clean Label bezeichnet nur Bio Mehl) (!Clean Label verbietet alle Enzyme)
Warum sind staubarme Enzymzubereitungen im Betrieb wichtig? (Sie vermindern die Exposition gegenüber sensibilisierendem Enzymstaub) (!Sie erhöhen automatisch den Fettgehalt) (!Sie ersetzen die Hygienereinigung) (!Sie machen jede Dosierkontrolle überflüssig)
Memory
| DATEM | Teigstärkung |
| Amylase | Stärkeabbau |
| Xylanase | Arabinoxylanmodifikation |
| Xanthan | Hydrokolloid |
| Ascorbinsäure | Oxidatives Teigverbesserungsmittel |
| Lecithin | Phospholipid-Emulgator |
| Protease | Proteinabbau |
| Quellstärke | Kaltwasserbindung |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Stärke | Amylase |
| Arabinoxylan | Xylanase |
| Protein | Protease |
| Wasserbindung | Guarkernmehl |
| Teigstärkung | Ascorbinsäure |
| Emulgierung | Lecithin |
Kreuzworträtsel
| Amylase | Welches Enzym spaltet Stärke im Backprozess? |
| Lecithin | Welcher Phospholipid-Emulgator wird häufig in Lebensmitteln eingesetzt? |
| Xanthan | Welches mikrobielle Hydrokolloid erhöht die Viskosität? |
| Gluten | Welches Proteinnetzwerk hält in Weizenteigen Gärgase zurück? |
| Cystein | Welche schwefelhaltige Aminosäure kann reduzierend auf den Teig wirken? |
| Retrogradation | Wie heißt die Neuordnung von Stärkebestandteilen während der Lagerung? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Backmittelanalyse: Fotografiere oder notiere die Zutatenliste eines handelsüblichen Backmittels aus Deinem Ausbildungsbetrieb und ordne mindestens fünf Bestandteile ihrer technologischen Funktion zu.
- Emulgatoren: Erstelle eine Skizze eines amphiphilen Emulgatormoleküls und erkläre daran, warum es an Fett-Wasser-Grenzflächen wirken kann.
- Quellstoffe: Vergleiche in einem kleinen Versuch Wasser, Xanthan, Guarkernmehl und Flohsamenschalen hinsichtlich Quellverhalten und Viskosität.
- Fachwortschatz: Erstelle ein Glossar mit mindestens 15 Fachbegriffen aus diesem aiMOOC und formuliere jeweils ein eigenes Praxisbeispiel.
Standard
- Backversuch: Plane einen Vergleichsbackversuch mit einem Kontrollteig und einer Variante mit Quellstoff. Lege fest, welche Messgrößen Du vergleichst.
- Enzymwirkung: Entwickle ein Ursache-Wirkungs-Diagramm für eine mögliche Überdosierung von Amylase, Xylanase oder Protease.
- Betriebsinterview: Befrage eine Fachkraft in einer Bäckerei, welche Backmittel im Betrieb verwendet werden, wie sie dosiert werden und welche Qualitätsprobleme damit gelöst werden sollen.
- Kennzeichnungsprüfung: Vergleiche zwei Zutatenlisten ähnlicher Backwaren und untersuche, welche funktionellen Zutaten, Zusatzstoffe und Allergene erkennbar sind.
Schwer
- Rezepturentwicklung: Entwickle für ein ballaststoffreiches Weizenbrot ein begründetes Konzept aus Wasseranpassung, Quellstoff und gegebenenfalls Enzym- oder Emulgatorsystem.
- Fehlerdiagnose: Bearbeite den Fall eines zu weichen, klebrigen und gärinstabilen Brötchenteiges. Erstelle einen Prüfplan, der Rohstoff-, Dosier- und Prozessursachen systematisch trennt.
- Clean Label: Entwickle zwei technisch realistische Strategien, wie ein klassischer Emulgator in einem Brot reduziert werden könnte, und diskutiere Grenzen von Enzymen, Vorstufen, Sauerteig oder Hydrokolloiden.
- Ausbildungsvideo: Produziere ein kurzes Fachvideo, in dem Du einer neuen Auszubildenden oder einem neuen Auszubildenden den Unterschied zwischen Backmittel, Zusatzstoff, Verarbeitungshilfsstoff und Backzutat erklärst.


Lernkontrolle
- Technologische Diagnose: Ein Weizenbrötchen verliert nach einem Mehlwechsel an Volumen und Gärtoleranz. Entwickle eine Reihenfolge von Prüfungen und begründe, warum Du nicht sofort die Backmitteldosierung erhöhst.
- Rezepturtransfer: Ein glutenfreier Brotteig ist fließfähig und kann Gärgase kaum halten. Entwickle ein funktionelles Zutatenkonzept aus mindestens zwei geeigneten Stoffgruppen und erkläre deren Zusammenwirken.
- Frischhaltung: Ein verpacktes Toastbrot wird nach zwei Tagen deutlich fester, obwohl es mikrobiologisch einwandfrei ist. Erkläre den Zusammenhang mit Stärke und entwickle zwei unterschiedliche technologische Lösungsansätze.
- Dosierentscheidung: Für 100 kg Mehl soll eine funktionelle Zutat mit 0,35 % bezogen auf die Mehlmenge eingesetzt werden. Berechne die erforderliche Menge und beschreibe, welche zusätzlichen Kontrollen bei einer Mikrokomponente nötig wären.
- Fehlerbildanalyse: Nach einer Rezepturumstellung ist die Krume auffällig klebrig und die Krustenfarbe dunkler. Formuliere mindestens drei mögliche technologische Ursachen und einen Versuchsplan zur Eingrenzung.
- Produktdeklaration: Ein Betrieb möchte ein lecithinhaltiges Backmittel durch eine andere funktionelle Lösung ersetzen. Entwickle Kriterien für die Entscheidung, die Technologie, Allergenmanagement, Kennzeichnung, Kosten und Prozessstabilität berücksichtigen.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu diesem Thema solltest Du zeigen, dass Du nicht nur Begriffe wiedergeben, sondern betriebliche Entscheidungen fachlich begründen kannst.
- Backmittel: Definition, Zweck und Abgrenzung zu einzelnen Zusatzstoffen erklären.
- Backzutaten: wertgebende, geschmackgebende und technologisch funktionelle Zutaten unterscheiden.
- Emulgatoren: amphiphilen Aufbau sowie Wirkungen auf Grenzflächen, Teig und Krume beschreiben.
- Enzyme: Amylasen, Xylanasen, Proteasen, Lipasen und Oxidasen anhand ihres Substrates und ihrer Wirkung unterscheiden.
- Quellstoffe: Wasserbindung, Viskositätsaufbau und Einsatz in konventionellen sowie glutenfreien Backwaren beurteilen.
- Redoxsysteme: Wirkungsunterschiede von Ascorbinsäure und reduzierenden Stoffen auf das Glutennetzwerk erklären.
- Dosierung: Bäckerprozente sicher berechnen und Überdosierungsrisiken erkennen.
- Qualitätsprüfung: geeignete Prüfmethoden und Backversuche für eine betriebliche Fragestellung auswählen.
- Kennzeichnung: Zusatzstoff-, Enzym- und Allergenangaben anhand von Spezifikationen fachlich prüfen.
- Arbeitsschutz: Maßnahmen zum sicheren Umgang mit pulverförmigen Enzymzubereitungen erläutern.
OERs zum Thema
- Wikipedia: Backmittel
- Wikipedia: Emulgator
- Wikipedia: Lecithine
- Wissensforum Backwaren: Backmittel und Backzutaten
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