Blätterteig herstellen und verarbeiten

Blätterteig herstellen und verarbeiten
Blätterteig herstellen und verarbeiten
Einleitung
Blätterteig gehört zu den klassischen Ziehteigen der Bäckerei und Konditorei. Seine charakteristische, blättrige und splitterige Struktur entsteht nicht durch Hefe oder chemische Backtriebmittel, sondern durch eine physikalische Lockerung mit Wasserdampf. Für diese Lockerung müssen beim Tourieren viele dünne, möglichst gleichmäßige und durchgängige Teig- und Fettschichten aufgebaut werden.
In diesem aiMOOC lernst Du Blätterteig auf dem Niveau der beruflichen Ausbildung herzustellen, fachgerecht zu tourieren, zu lagern, aufzuarbeiten, zu backen und qualitativ zu beurteilen. Du arbeitest dabei mit Fachbegriffen wie Grundteig, Ziehfett, Tourierfett, einfache Tour, doppelte Tour, Lamellierung, Plastizität, Teigentspannung, physikalische Lockerung und Aufarbeitung.

Nach der Bearbeitung sollst Du nicht nur einzelne Arbeitsschritte nennen können. Du sollst vor allem verstehen, warum Temperatur, Fettkonsistenz, Tourenzahl, Ruhezeiten, Ausrollrichtung, Schnitttechnik und Backführung unmittelbar über Blätterung, Volumen und Rösche entscheiden.
Lernziele
Du kannst nach diesem aiMOOC
- Blätterteig von Plunderteig und anderen Teigen fachlich abgrenzen.
- Rohstoffe eines Blätterteigs und ihre technologischen Funktionen erklären.
- einfache und doppelte Touren fachgerecht durchführen und die entstehende Schichtzahl nachvollziehen.
- die physikalische Lockerung durch Wasserdampf erklären.
- deutschen, französischen und holländischen Blätterteig unterscheiden.
- typische Fehlerbilder erkennen, Ursachen analysieren und geeignete Korrekturmaßnahmen ableiten.
- typische Blätterteiggebäcke fachgerecht aufarbeiten und Qualitätsmerkmale beurteilen.
Fachliche Grundlagen
Was ist Blätterteig?
Blätterteig ist ein hefefreier, tourierter Ziehteig. Ein wasserhaltiger Grundteig wird mit einem plastischen Ziehfett zu einem Schichtsystem verarbeitet. Bei der klassischen Herstellung wird der Grundteig zunächst hergestellt und entspannt. Anschließend wird das Ziehfett eingeschlagen. Durch wiederholtes Ausrollen und Zusammenlegen entstehen immer mehr dünne Teig- und Fettlamellen.
Entscheidend ist die Abgrenzung zum Plunderteig. Plunderteig ist ebenfalls touriert, enthält aber Backhefe. Er wird deshalb durch zwei Lockerungsprinzipien gelockert: biologisch durch die Hefe und physikalisch durch Wasserdampf. Klassischer Blätterteig enthält dagegen keine Hefe und keine chemischen Backtriebmittel.

Merke: Ein klassisches Croissant ist trotz sichtbarer Lamellierung kein Blätterteiggebäck, sondern ein touriertes Hefegebäck und damit dem Plunderbereich zuzuordnen.
Rechtliche und fachliche Einordnung
Blätterteiggebäcke zählen zu den Feinen Backwaren. In der veröffentlichten Fassung der Leitsätze für Feine Backwaren, Stand 9. Januar 2025, werden Blätterteiggebäcke als Gebäcke mit blättriger Struktur beschrieben, die ohne Triebmittel hergestellt werden. Genannt werden mindestens 45 kg Butter oder eine entsprechende Menge anderer dort aufgeführter Fette je 100 kg Getreideerzeugnisse.
Für die Ausbildung ist wichtig, zwischen einem betrieblichen Rezept, technologischen Zielwerten und lebensmittelrechtlich beziehungsweise leitsatzbezogen beschriebenen Verkehrsauffassungen zu unterscheiden. Die konkrete Rezeptur eines Betriebes kann deutlich mehr Ziehfett enthalten.
Fachbegriffe im Überblick
| Fachbegriff | Bedeutung |
|---|---|
| Grundteig | Wasserhaltiger, hefefreier Teig, in den das Ziehfett eingearbeitet wird. |
| Ziehfett | Plastisches Fett mit geeigneter Festigkeit zum gleichmäßigen Ausrollen in dünnen Schichten. |
| Tourieren | Wiederholtes Ausrollen und Falten des Teig-Fett-Pakets zur Bildung vieler Lamellen. |
| Einfache Tour | Faltung auf drei übereinanderliegende Lagen. |
| Doppelte Tour | Faltung auf vier übereinanderliegende Lagen. |
| Lamellierung | Aufbau vieler dünner, abwechselnder Teig- und Fettschichten. |
| Plastizität | Fähigkeit des Ziehfetts, sich unter Druck gleichmäßig zu verformen, ohne zu brechen oder zu schmieren. |
| Teigentspannung | Ruhephase, in der mechanisch beanspruchter Kleber Spannungen abbaut. |
| Aufarbeitung | Formen, Schneiden, Füllen, Garnieren und Vorbereitung der Teiglinge zum Backen. |
| Rösche | Trockene, knusprige, splitterige Gebäckbeschaffenheit. |
Rohstoffe und ihre Funktionen
Mehl
Für klassischen Blätterteig wird in der Regel Weizenmehl verwendet. Das Mehl muss ein belastbares, aber ausreichend dehnbares Klebergerüst bilden können. Dieses Gerüst hält die beim Backen entstehenden Dampfdrücke aus und stabilisiert die auseinandergetriebenen Schichten.
Ein zu schwacher Teig kann reißen und Fett austreten lassen. Ein sehr straffer, wenig entspannter Teig kann sich beim Ausrollen stark zusammenziehen. Deshalb muss die Teigentwicklung zur späteren mechanischen Belastung durch das Tourieren passen.
Wasser
Wasser erfüllt mehrere Funktionen. Es hydratisiert die Mehlbestandteile, ermöglicht die Kleberbildung und liefert einen wesentlichen Anteil des Wassers, das beim Backen zu Wasserdampf wird. Dieser Dampf ist das zentrale Lockerungsmedium des Blätterteigs.
Salz
Speisesalz beeinflusst Geschmack und Teigeigenschaften. Es wirkt auf die Struktur des Klebergerüstes und gehört zu den typischen Bestandteilen des Grundteigs.
Fett im Grundteig und Ziehfett
Eine kleine Fettmenge kann Bestandteil des Grundteigs sein. Technologisch besonders wichtig ist jedoch das Ziehfett. Verwendet werden je nach Rezeptur und Betrieb beispielsweise Tourierbutter oder spezielle Ziehmargarine.
Das Ziehfett muss zur Verarbeitungstemperatur passen. Es soll
- ausreichend plastisch sein,
- beim Ausrollen nicht brechen,
- nicht schmieren,
- nicht aus dem Teig austreten,
- möglichst eine ähnliche Festigkeit wie der Grundteig besitzen.
Ist das Fett deutlich härter als der Teig, kann es beim Ausrollen in Plattenstücke zerbrechen. Ist es deutlich weicher, kann es verschmieren und in den Grundteig gedrückt werden. In beiden Fällen wird die gewünschte Schichtbildung gestört.
Säure und weitere Rezepturbestandteile
Einige Rezepturen verwenden geringe Mengen Essig oder eine andere Säure. Sie kann die Verarbeitungseigenschaften des Teiges beeinflussen. Solche Zusätze sind jedoch rezepturabhängig und ersetzen weder eine passende Mehlqualität noch eine fachgerechte Teigführung.
Blätterteigarten
Deutscher Blätterteig
Beim deutschen Blätterteig liegt der Grundteig außen. Das Ziehfett wird vom Grundteig vollständig umschlossen. Diese Variante ist im Ausbildungsbereich besonders wichtig, weil sich an ihr Einschlagen, Tourieren und Schichtbildung sehr gut erklären lassen.
Französischer Blätterteig
Beim französischen Blätterteig liegt das Fett außen und der Grundteig innen. Die Verarbeitung stellt hohe Anforderungen an die Plastizität des Fettes und an eine kühle, kontrollierte Arbeitsweise. Das Prinzip der Lamellierung bleibt gleich: Teig- und Fettschichten werden durch wiederholtes Ausrollen und Falten vervielfacht.
Holländischer Blätterteig oder Blitzblätterteig
Beim holländischen Blätterteig, auch Blitzblätterteig genannt, wird kaltes Fett stückig in den Teig eingearbeitet. Dadurch entstehen weniger gleichmäßige und weniger durchgängige Fettschichten als bei deutschem oder französischem Blätterteig. Das Verfahren ist schneller, führt aber in der Regel zu geringerem Hochziehen. Es eignet sich deshalb besonders für Anwendungen, bei denen extreme Höhe weniger wichtig ist, beispielsweise bestimmte Böden oder flache Gebäckteile.
Herstellung des Grundteigs
Kneten und Teigentwicklung
Der Grundteig soll homogen, glatt und verarbeitungsfähig sein. Er darf weder stark kleben noch unnötig straff sein. Zu intensive mechanische Belastung kann die spätere Ausrollbarkeit verschlechtern. Die genaue Knetung richtet sich nach Rezeptur, Mehlqualität, Maschinentechnik und betrieblichen Vorgaben.
Nach dem Kneten wird der Grundteig zweckmäßig eckig zugestoßen. Die eckige Form erleichtert später das gleichmäßige Einschlagen des Ziehfettes und das rechteckige Ausrollen.
Entspannen und Kühlen
Nach der Teigherstellung benötigt der Grundteig eine Ruhephase. Die Teigruhe reduziert mechanische Spannung im Klebergerüst. Gleichzeitig kann die Temperatur für die anschließende Tourierung eingestellt werden.
Der Teig muss vor Austrocknung geschützt werden. Eine verhautete Oberfläche kann beim Ausrollen reißen und die Schichtbildung stören.
Ziehfett einschlagen
Beim deutschen Verfahren wird der Grundteig auf eine Form ausgerollt, in der sich die Fettplatte vollständig einschließen lässt. Die Fettplatte soll gleichmäßig dick sein. Nach dem Einschlagen müssen die Teigkanten geschlossen sein, damit das Fett während des ersten Ausrollens nicht herausgepresst wird.
Ein zentrales Qualitätskriterium ist die Konsistenzangleichung: Grundteig und Ziehfett sollen sich beim Walzen möglichst ähnlich verformen. Genau hier entscheidet sich häufig, ob die späteren Fettschichten durchgängig bleiben.
Tourierung
Was bedeutet Tourieren?
Tourieren bedeutet, das eingeschlagene Teig-Fett-Paket wiederholt auszurollen und nach festgelegten Faltmustern zusammenzulegen. Jede Tour vervielfacht die Zahl der vorhandenen Fettschichten.
Nach jeder Tour wird die Ausrollrichtung üblicherweise um 90 Grad verändert. Dadurch wird der Teig in wechselnden Richtungen beansprucht und gleichmäßiger ausgewalzt.
Einfache Tour
Bei der einfachen Tour wird die rechteckig ausgerollte Teigplatte gedanklich in drei gleich große Bereiche geteilt. Ein Drittel wird zur Mitte geschlagen, das gegenüberliegende Drittel darübergelegt. Es entstehen drei Lagen.

Eine einfache Tour vervielfacht die bisherige Zahl der Fettschichten mit dem Faktor 3.
Doppelte Tour
Bei der doppelten Tour werden beide Seiten zur Mitte gelegt und anschließend das gesamte Paket noch einmal zusammengeklappt. Es entstehen vier Lagen.

Eine doppelte Tour vervielfacht die bisherige Zahl der Fettschichten mit dem Faktor 4.
Klassische Tourenfolge und Schichtzahl
Eine in der beruflichen Ausbildung häufig behandelte Tourenfolge für deutschen Blätterteig ist
einfache Tour – doppelte Tour – Ruhe – einfache Tour – doppelte Tour.
Rechnerisch ergibt sich bei einer anfänglichen Fettschicht:
3 × 4 × 3 × 4 = 144 Fettschichten.
Zwischen den Fettlagen liegen Teiglamellen. Das Rechenmodell verdeutlicht vor allem, wie stark sich wenige Faltungen auf die Schichtzahl auswirken. In der praktischen Herstellung können Randbereiche, Druck, Temperatur und Aufarbeitung die idealisierte Struktur beeinflussen.
Warum überschüssiges Mehl abgefegt wird
Zum Ausrollen wird nur so viel Mehl eingesetzt, wie zur Vermeidung von Ankleben erforderlich ist. Überschüssiges Mehl wird vor dem Falten abgefegt. Bleiben größere Mehlmengen zwischen den Lagen, können sie als unerwünschte Trennschicht wirken und die Haftung zwischen zusammengehörenden Teigbereichen stören.
Warum Ruhezeiten notwendig sind
Tourieren beansprucht den Teig mechanisch und erwärmt Teig sowie Ziehfett. Ruhephasen erfüllen daher zwei Funktionen:
- Der Kleber kann sich entspannen, wodurch sich der Teig anschließend leichter und formstabiler ausrollen lässt.
- Das Ziehfett kann wieder eine geeignete Festigkeit annehmen, sodass es beim nächsten Ausrollen nicht verschmiert.
Die Dauer richtet sich nach Teigtemperatur, Fett, Raumtemperatur, Touriermaschine und betrieblichem Prozess. In Ausbildungssituationen werden nach mehreren Touren häufig Kühl- und Entspannungszeiten von etwa 15 bis 20 Minuten demonstriert.
Schichtbildung

Die typische Struktur des Blätterteigs entsteht nur, wenn dünne, zusammenhängende Fett- und Teiglamellen aufgebaut werden. Ziel ist keine bloße Vermischung von Fett und Teig, sondern eine möglichst saubere Phasentrennung.
Die Teigschichten liefern unter anderem Wasser, Stärke und Proteine. Die Fettschichten wirken als Trenn- und Sperrschichten. Werden die Fettschichten durch Wärme, zu starken Druck oder ungeeignete Konsistenz zerstört, können benachbarte Teiglamellen verkleben. Die Folge ist eine schwächere Blätterung.
Plastizität als Schlüsselgröße
Die Plastizität des Ziehfettes beschreibt seine Fähigkeit, sich unter mechanischer Belastung gleichmäßig zu verformen. Fachgerechtes Tourieren funktioniert besonders gut, wenn Ziehfett und Grundteig bei der Verarbeitung eine vergleichbare Festigkeit besitzen.
Zu kaltes, hartes Fett kann brechen. Zu warmes, weiches Fett kann schmieren. Passend temperiertes Fett bildet gleichmäßige Lamellen.
Lockerung durch Wasserdampf
Physikalisches Lockerungsprinzip
Beim Backen wird das in den Teigschichten enthaltene Wasser erhitzt und verdampft. Der Wasserdampf vergrößert sein Volumen und erzeugt Druck. Die dünnen Fettschichten erschweren ein unmittelbares Entweichen des Dampfes zwischen den Lamellen. Dadurch werden die Teigschichten auseinandergetrieben.
Gleichzeitig beginnen Proteine zu gerinnen und Stärke verkleistert. Dadurch stabilisiert sich die angehobene Teigstruktur. Im weiteren Backverlauf wird Wasser abgegeben und die Oberfläche trocknet. So entsteht die typische blättrige, rösche und splitterige Beschaffenheit.
Warum Blätterteig ohne Hefe aufgeht
Der Begriff Lockerung wird in der Backtechnologie für unterschiedliche Mechanismen verwendet:
- Biologische Lockerung: beispielsweise durch Hefe.
- Chemische Lockerung: beispielsweise durch Backpulver.
- Physikalische Lockerung: beispielsweise durch Wasserdampf.
Blätterteig nutzt im klassischen Fall die physikalische Lockerung. Sein Volumen hängt deshalb besonders stark von einer intakten Lamellierung ab.
Verarbeitung und Aufarbeitung
Ausrollen auf Endstärke
Nach der letzten Tour und der erforderlichen Ruhephase wird der Teig auf die für das jeweilige Gebäck vorgesehene Endstärke ausgerollt. Die Endstärke ist produktabhängig. Für bestimmte feine Gebäckteile werden sehr dünne Platten benötigt, für Pastetenringe dagegen deutlich stärkere Teiglagen.
Gleichmäßige Dicke ist entscheidend. Unterschiedliche Dicken führen zu ungleichmäßiger Lockerung, unregelmäßiger Bräunung und schwankender Gebäckhöhe.
Schneiden ohne Quetschen
Blätterteig wird mit einem scharfen Messer, Rollschneider oder geeigneten Ausstecher sauber getrennt. Stumpfe Werkzeuge drücken die Schnittkanten zusammen. Dadurch können die Lamellen am Rand verkleben und das Hochziehen wird behindert.
Nach dem Schneiden sollen offene Kanten möglichst nicht unnötig zusammengedrückt werden.
Eistreiche und freie Schnittkanten
Bei Gebäckstücken mit Eistreiche wird darauf geachtet, dass die Streichmasse nicht über die offenen Schnittkanten läuft. Trocknet Eistreiche dort an, kann sie die Schichten miteinander verkleben und damit den Ofentrieb an den Rändern vermindern.
Stippen und Beschweren
Nicht jedes Blätterteiggebäck soll maximal hochziehen. Für flache Böden oder Schichtgebäcke kann der Teig gestippt, mit einer Gabel eingestochen oder beim Backen kontrolliert beschwert werden. Dadurch kann Dampf gezielt entweichen und das Volumen begrenzt werden.
Füllen
Füllungen können vor oder nach dem Backen eingesetzt werden. Vor dem Backen eingebrachte Füllungen dürfen die Teigkanten nicht so stark befeuchten oder verschmieren, dass die Lamellen verkleben. Bei Taschen muss die Naht sicher geschlossen werden, ohne die übrigen Schnittkanten zu zerdrücken.
Backprozess
Blätterteig benötigt genügend Anfangshitze, damit schnell Wasserdampf entsteht und die Lamellen auseinandergetrieben werden. Gleichzeitig muss die Backzeit lang genug sein, um die aufgegangene Struktur zu stabilisieren und ausreichend Feuchtigkeit auszutreiben.
Backtemperatur und Backzeit richten sich nach Gebäckgröße, Füllung, Teigstärke, Ofensystem, Belegung und betrieblicher Rezeptur. Für viele handwerkliche Blätterteiggebäcke liegen Backtemperaturen im Bereich um 200 bis 220 °C, doch ist dies kein universeller Wert.
Eine zu niedrige Backtemperatur kann dazu beitragen, dass Fett ausläuft, bevor der Teig ausreichend stabilisiert ist. Eine zu hohe Temperatur kann zu schneller Oberflächenbräunung führen, während das Innere noch nicht ausreichend ausgebacken ist.
Typische Blätterteiggebäcke
Apfeltaschen und Fruchttaschen
Bei Apfeltaschen wird der ausgerollte Teig meist quadratisch oder rechteckig zugeschnitten, gefüllt und zusammengelegt. Die Füllmenge muss so dosiert sein, dass die Naht sicher geschlossen werden kann.

Schweineohren oder Palmiers
Schweineohren werden aus Blätterteig und Zucker geformt. Der Zucker karamellisiert beim Backen und trägt zur typischen knusprigen Oberfläche bei. Besonders wichtig ist ein entspannter Teig, damit die Form beim Backen gleichmäßig bleibt.

Königinpasteten und Vol-au-vents
Für Pasteten werden häufig Boden und Ring aus unterschiedlich stark ausgerolltem Blätterteig zusammengesetzt. Der Ring muss hochziehen können, deshalb sind intakte Schnittkanten und durchgängige Lamellen besonders wichtig. Die Füllung wird vielfach erst nach dem Backen eingebracht.


Mille-feuille und Cremeschnitten
Beim Mille-feuille werden flache, knusprige Blätterteigplatten mit Creme geschichtet. Hier ist kontrolliertes, eher flaches Backen wichtiger als maximales Hochziehen. Gleichmäßige Dicke und vollständiges Ausbacken der Platten sind entscheidend.
Weitere typische Erzeugnisse
Weitere Anwendungen sind unter anderem
- Käsegebäck: herzhafte Stangen, Formen oder kleine Stückgebäcke.
- Sahneröllchen: um Formen gewickelte Teigstreifen, die nach dem Backen gefüllt werden.
- Windmühlen: dekorative Teilchenform aus eingeschnittenen Quadraten.
- Blätterteigböden: flache Grundlagen für süße oder herzhafte Auflagen.
- Fleurons: kleine dekorative Blätterteigformen als Garnitur.
- Tarte Tatin: französische Tarte, die unter anderem mit Blätterteig hergestellt werden kann.
Qualitätsmerkmale
Ein fachgerecht hergestelltes Blätterteiggebäck zeigt
- eine deutlich sichtbare Blätterung,
- ein gutes, zum Produkt passendes Volumen,
- eine gleichmäßige, goldbraune Gebäckfarbe,
- eine trockene, rösche und splitterige Kruste,
- eine lockere, lamellenartige Krumenstruktur,
- keinen roh-mehligen oder speckigen Innenbereich,
- keinen unangenehm dominierenden Fettgeschmack,
- eine zum Produkt passende Form ohne starke Schrumpfung oder Verformung.
Fehler erkennen und korrigieren
| Fehlerbild | Mögliche Ursache | Technologische Erklärung | Korrektur |
|---|---|---|---|
| Fett läuft aus | Fett zu weich, Teig gerissen, Backtemperatur zu niedrig oder Fettschichten zu dick | Fett verlässt die Lamellierung, bevor das Teiggerüst stabil ist | Temperatur kontrollieren, schonender tourieren, Schichtaufbau und Backführung prüfen |
| Geringes Volumen | Lamellen verklebt, zu wenig oder falsche Touren, Schnittkanten gequetscht | Wasserdampf kann die Schichten nicht ausreichend trennen | Tourenfolge dokumentieren, scharf schneiden, Temperaturführung verbessern |
| Ungleichmäßige Blätterung | Teig ungleichmäßig ausgerollt, Fett ungleich verteilt | Unterschiedliche Schichtdicken erzeugen ungleichen Dampfdruck | gleichmäßiger walzen, Fettplatte passend vorbereiten |
| Fett bricht in Plattenstücken | Ziehfett zu kalt oder zu hart | Fett kann der Verformung des Teiges nicht folgen | Fett temperieren und Konsistenz angleichen |
| Fett schmiert | Ziehfett zu warm, Raum zu warm oder zu lange Tourierphase | Fett verliert ausreichende Festigkeit und dringt in den Teig ein | kühlen, Arbeitszeit verkürzen, Raum- und Teigtemperatur kontrollieren |
| Teig zieht sich zusammen | zu kurze Entspannungszeit | Klebergerüst steht unter hoher mechanischer Spannung | Ruhezeit verlängern |
| Gebäck bleibt speckig | ungenügend ausgebacken oder Lamellierung gestört | Feuchtigkeit bleibt im Inneren, Struktur trocknet nicht ausreichend | Backzeit und Backführung prüfen |
| Ränder ziehen nicht hoch | Kanten gequetscht oder mit Eistreiche verklebt | offene Lamellen sind am Rand verschlossen | scharf schneiden und Schnittkanten sauber halten |
Arbeitshygiene, Organisation und Sicherheit
Hygienisches Arbeiten
Arbeitsflächen, Werkzeuge, Touriermaschine und Kühlflächen müssen sauber sein. Rohstoffe werden nach betrieblichem Hygienekonzept gelagert. Bei butterhaltigen Teigen ist die Temperaturführung nicht nur technologisch, sondern auch organisatorisch wichtig.
Füllungen, insbesondere creme- oder eihaltige Füllungen, können andere hygienische Anforderungen besitzen als der ungefüllte Blätterteig. Deshalb müssen Herstellungsprozess und Kühlkette für das gesamte Endprodukt betrachtet werden.
Arbeitssicherheit
Bei Touriermaschinen besteht Einzugs- und Quetschgefahr. Schutzvorrichtungen dürfen nicht umgangen werden. Hände werden nicht in den Einzugsbereich der Walzen gebracht. Schneidwerkzeuge und Ausstecher werden sicher geführt und abgelegt. Bleche und Backöfen erfordern geeigneten Hitzeschutz.
Arbeitsorganisation
Professionelle Herstellung verlangt eine abgestimmte Zeitplanung. Teigruhe, Kühlung, Tourieren, Aufarbeitung und Backen müssen so ineinandergreifen, dass der Teig nicht unnötig warm wird oder zu lange offen liegt.
Ein sinnvoller Arbeitsplan dokumentiert
- Teigmenge und Rezeptur,
- Ziehfettmenge,
- Tourenfolge,
- Ruhe- und Kühlzeiten,
- Endstärke,
- Teiglingsgröße,
- Backparameter,
- Qualitätskontrolle.
Fachliche Vertiefung
Schichtzahl berechnen
Wenn eine Fettschicht als Ausgangspunkt angenommen wird, gilt für die idealisierte Berechnung:
Anzahl Fettschichten = 3 hoch Anzahl einfacher Touren × 4 hoch Anzahl doppelter Touren.
Beispiel mit zwei einfachen und zwei doppelten Touren:
3² × 4² = 9 × 16 = 144 Fettschichten.
Die Rechnung hilft, Tourierpläne zu verstehen. Sie ersetzt jedoch nicht die praktische Qualitätskontrolle. Ein rechnerisch korrekt tourierter Teig kann trotzdem fehlerhaft sein, wenn Fett gebrochen, verschmiert oder ausgetreten ist.
Zusammenhang zwischen Fettmenge und Tourenzahl
Je höher die eingezogene Fettmenge ist, desto wichtiger wird eine ausreichende Unterteilung in dünne Fettlamellen. Zu dicke Fettschichten können beim Backen stärker ausschmelzen und die Blätterung beeinträchtigen. Tourenzahl, Fettmenge, Endstärke und Gebäckart müssen deshalb aufeinander abgestimmt sein.
Unterschied zwischen maximalem Hochziehen und kontrollierter Blätterung
Nicht jedes Erzeugnis benötigt dasselbe Volumen. Eine Königinpastete soll deutlich hochziehen. Ein Mille-feuille benötigt dagegen flachere, gleichmäßige Platten. Beim professionellen Arbeiten wird die Tourierung daher nicht isoliert betrachtet, sondern immer im Zusammenhang mit dem gewünschten Endprodukt.
Fachliche Quellen und Medien
- Wikipedia: Blätterteig
- Wikipedia: Tourieren
- Leitsätze für Feine Backwaren
- Back Dir Deine Zukunft: Grundlagen Blätterteig
- Back Dir Deine Zukunft: Blätterteig tourieren
- Wikimedia Commons: Puff pastry
- Wikimedia Commons: Vol-au-vent
- Wikimedia Commons: Mille-feuille
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Welches Lockerungsprinzip ist für klassischen Blätterteig entscheidend? (Physikalische Lockerung durch Wasserdampf) (!Biologische Lockerung durch Hefe) (!Chemische Lockerung durch Backpulver) (!Mechanische Lockerung durch Aufschlagen)
Was geschieht bei einer einfachen Tour? (Der Teig wird auf drei Lagen zusammengelegt) (!Der Teig wird auf zwei Lagen zusammengelegt) (!Der Teig wird auf vier Lagen zusammengelegt) (!Das Ziehfett wird vollständig ausgeknetet)
Wie viele Lagen entstehen bei einer doppelten Tour? (Vier Lagen) (!Zwei Lagen) (!Drei Lagen) (!Sechs Lagen)
Warum sollen Grundteig und Ziehfett eine ähnliche Festigkeit besitzen? (Damit beide beim Ausrollen gleichmäßig verformt werden) (!Damit das Fett vollständig in den Teig eingeknetet wird) (!Damit Hefe schneller gärt) (!Damit der Teig chemisch gelockert wird)
Welche Aussage beschreibt klassischen Blätterteig korrekt? (Er enthält keine Hefe als Lockerungsmittel) (!Er wird ausschließlich mit Backpulver gelockert) (!Er muss vor dem Backen immer garen) (!Er besteht nur aus Mehl und Fett)
Welche Folge kann zu warmes Ziehfett beim Tourieren haben? (Es kann verschmieren und die Lamellierung zerstören) (!Es wird spröde und zerbricht) (!Es verstärkt automatisch die Schichtbildung) (!Es ersetzt die Teigruhe)
Warum werden offene Schnittkanten nicht mit Eistreiche verklebt? (Damit die Lamellen am Rand hochziehen können) (!Damit der Teig mehr Salz aufnimmt) (!Damit das Gebäck weniger Wasser enthält) (!Damit der Zucker schneller karamellisiert)
Welches Gebäck ist ein typisches Blätterteiggebäck? (Schweinsohr) (!Croissant) (!Brioche) (!Berliner)
Was ist beim holländischen Blätterteig typisch? (Das Fett wird stückig in den Teig eingearbeitet) (!Der Grundteig enthält zwingend Hefe) (!Das Ziehfett liegt vollständig außen) (!Der Teig wird nicht ausgerollt)
Welche Schichtzahl ergibt das idealisierte Rechenmodell bei zwei einfachen und zwei doppelten Touren? (144 Fettschichten) (!24 Fettschichten) (!48 Fettschichten) (!1000 Fettschichten)
Memory
| Tourieren | Wiederholtes Ausrollen und Falten |
| Ziehfett | Plastisches Fett für die Lamellierung |
| Einfache Tour | Faltung auf drei Lagen |
| Doppelte Tour | Faltung auf vier Lagen |
| Wasserdampf | Physikalisches Lockerungsmedium |
| Rösche | Knusprige splitterige Gebäckbeschaffenheit |
| Grundteig | Wasserhaltige Teigkomponente |
| Teigentspannung | Abbau mechanischer Kleberspannung |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Thema |
|---|---|
| Einfache Tour | Dreilagige Faltung |
| Doppelte Tour | Vierlagige Faltung |
| Ziehfett | Plastische Fettkomponente |
| Wasserdampf | Physikalische Lockerung |
| Ruhephase | Teigentspannung und Rückkühlung |
Kreuzworträtsel
| Tourieren | Wie heißt das wiederholte Ausrollen und Falten eines Ziehteigs? |
| Ziehfett | Welches Fett wird schichtweise in den Grundteig eingearbeitet? |
| Wasserdampf | Welches gasförmige Medium lockert Blätterteig? |
| Lamellen | Wie heißen die dünnen schichtartigen Bereiche im tourierten Teig? |
| Pastete | Welches Blätterteiggebäck kann als Hohlkörper nach dem Backen gefüllt werden? |
| Plastizität | Welche Eigenschaft muss Ziehfett für gleichmäßiges Verformen besitzen? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Fachwortkarten: Erstelle zwölf Karteikarten mit Fachbegriffen aus diesem aiMOOC und erkläre jeden Begriff mit einem eigenen Beispielsatz aus der Backstube.
- Tourierplan zeichnen: Zeichne eine einfache und eine doppelte Tour aus der Vogelperspektive. Kennzeichne Faltkanten, Ausrollrichtung und 90-Grad-Drehung.
- Gebäckvergleich: Fotografiere drei unterschiedliche Blätterteiggebäcke im Anschnitt und beschreibe sichtbar erkennbare Unterschiede bei Volumen, Blätterung und Bräunung.
- Arbeitsablauf ordnen: Formuliere aus den Herstellungsschritten einen Ablaufplan vom Abwiegen der Rohstoffe bis zum ausgekühlten Gebäck.
Standard
- Fehlerdiagnose: Untersuche ein absichtlich zu warm touriertes Teigstück und ein korrekt gekühltes Vergleichsstück. Dokumentiere Unterschiede in Fettverteilung, Ausrollbarkeit und Backergebnis.
- Schichtzahl berechnen: Entwickle drei unterschiedliche Tourenfolgen und berechne die theoretische Zahl der Fettschichten. Erkläre, warum mehr Schichten nicht automatisch bessere Qualität bedeuten.
- Produktentwicklung: Entwickle ein süßes oder herzhaftes Blätterteiggebäck für den Verkauf. Lege Teigstärke, Form, Füllung, Stückgewicht, Backführung und Qualitätskriterien fest.
- Interview in der Backstube: Befrage eine Bäckerin, einen Bäcker, eine Konditorin oder einen Konditor zur praktischen Temperaturführung beim Tourieren. Vergleiche die Aussagen mit dem Fachtext.
Schwer
- Versuchsreihe Fettkonsistenz: Plane einen Versuch mit drei unterschiedlichen Temperaturen des Ziehfetts. Definiere messbare Beobachtungskriterien und leite aus dem Backergebnis ein optimales Prozessfenster ab.
- Prozessanalyse: Erstelle ein Ursache-Wirkungs-Diagramm für das Fehlerbild „zu geringes Volumen“. Berücksichtige Rohstoffe, Mensch, Maschine, Methode, Temperatur und Backprozess.
- Produktionskalkulation: Kalkuliere für eine Ausbildungsbackstube die Herstellung von 100 gefüllten Blätterteigtaschen einschließlich Teigmenge, Verschnitt, Füllung, Zeitbedarf und Backblechbelegung.
- Prüfplan: Entwirf einen betrieblichen Prüfplan mit Kontrollpunkten für Teigtemperatur, Fettkonsistenz, Tourenfolge, Endstärke, Teiglingsmaß, Backfarbe, Volumen und Blätterung.


Lernkontrolle
- Transferaufgabe Fettverlust: Ein Blätterteig läuft im Ofen stark fettig aus und bleibt flach. Entwickle mindestens drei plausible Ursachen entlang der Prozesskette und begründe, wie Du jede Ursache überprüfen würdest.
- Prozessvergleich: Zwei Betriebe verwenden dieselbe Rezeptur, aber unterschiedliche Tourenfolgen. Erkläre, welche Auswirkungen Tourenfolge, Ruhezeit und Endstärke auf die Lamellierung haben können.
- Technologie erklären: Begründe einem Auszubildenden, warum das Weglassen von Hefe bei klassischem Blätterteig kein Fehler ist und unter welchen Bedingungen der Teig trotzdem stark aufgehen kann.
- Produktbezogene Prozesssteuerung: Du sollst aus demselben Blätterteig Königinpasteten und Mille-feuille-Platten herstellen. Beschreibe, wie sich die gewünschte Volumenentwicklung bei der Aufarbeitung und beim Backen unterscheiden muss.
- Qualitätsentscheidung: Ein Gebäck ist außen goldbraun, innen aber speckig. Analysiere, warum eine reine Sichtkontrolle der Oberfläche nicht genügt und welche Prozessparameter Du zusätzlich prüfen würdest.
- Konsistenzangleichung: Erkläre anhand eines Vergleichs, warum ein sehr harter Fettziegel in einem weichen Grundteig ebenso problematisch ist wie ein weiches Fett in einem festen Grundteig.
Lernnachweis
Für einen überzeugenden Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du
- den Unterschied zwischen Blätterteig und Plunderteig fachlich korrekt erklären kannst,
- die Funktionen von Mehl, Wasser, Salz und Ziehfett zuordnen kannst,
- eine einfache und eine doppelte Tour praktisch zeigen und fachsprachlich beschreiben kannst,
- die theoretische Schichtzahl einer Tourenfolge berechnen kannst,
- den Zusammenhang zwischen Lamellierung und physikalischer Lockerung erklären kannst,
- mindestens vier typische Fehlerbilder mit Ursache und Gegenmaßnahme analysieren kannst,
- mindestens vier typische Blätterteiggebäcke fachgerecht unterscheiden kannst,
- Arbeitssicherheit, Hygiene und Temperaturführung in einen Arbeitsablauf integrieren kannst,
- ein eigenes Blätterteigprodukt planen, herstellen, dokumentieren und anhand fachlicher Qualitätskriterien beurteilen kannst.
OERs zum Thema
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