Wembley 2013 – Bayern gegen Dortmund

Wembley 2013 – Bayern gegen Dortmund
Wembley 2013 – Bayern gegen Dortmund
Einleitung
Am 25. Mai 2013 blickte die europäische Fußballwelt nach London. Im Wembley-Stadion trafen Borussia Dortmund und der FC Bayern München im Finale der UEFA Champions League aufeinander. Zum ersten Mal standen sich zwei deutsche Vereine in einem Endspiel des wichtigsten europäischen Vereinswettbewerbs gegenüber. Das Finale wurde damit zu einem historischen Moment für den deutschen Vereinsfußball. Bayern gewann mit 2:1. Arjen Robben erzielte in der 89. Minute den entscheidenden Treffer.[1]

Dieses Spiel war jedoch mehr als ein einzelnes Finale. Es bündelte viele Entwicklungen der vorangegangenen Jahre: Dortmunds Aufstieg unter Jürgen Klopp, Bayerns Reaktion auf zwei Jahre ohne Meisterschaft, mehrere emotional aufgeladene direkte Duelle, die schmerzhafte Münchner Finalniederlage von 2012 und den Wechsel von Mario Götze vom BVB zum FC Bayern. Deshalb lässt sich Wembley 2013 zugleich als sporthistorisches Ereignis, taktisches Duell und Höhepunkt einer besonderen Rivalität untersuchen.
In diesem aiMOOC lernst Du den historischen Hintergrund des Finales kennen, analysierst den Weg beider Mannschaften nach Wembley, rekonstruierst die drei Tore, untersuchst Robbens Siegtreffer und setzt Dich kritisch mit dem Begriff Rivalität auseinander. Außerdem beschäftigst Du Dich damit, wie ein einzelner Moment die Erinnerung an Spieler, Mannschaften und ganze Epochen prägen kann.
Lernziele
Nach der Arbeit mit diesem aiMOOC kannst Du erklären, warum das Champions-League-Finale von 2013 historisch besonders war. Du kannst den Spielverlauf mit seinen drei Toren rekonstruieren, die Rollen wichtiger Spieler und Trainer beschreiben und Robbens Siegtreffer taktisch einordnen. Darüber hinaus kannst Du erläutern, warum sich die Rivalität zwischen Bayern und Dortmund gerade in den Jahren vor Wembley stark zuspitzte. Du lernst außerdem, sportliche Ereignisse nicht nur als Ergebnis, sondern als Zusammenspiel von Taktik, Psychologie, Medien, Vereinsgeschichte und Erinnerungskultur zu betrachten.
Historischer Hintergrund
Das erste rein deutsche Champions-League-Finale
Das Endspiel 2013 war das erste rein deutsche Finale in der Geschichte des Europapokals der Landesmeister beziehungsweise der späteren UEFA Champions League. Damit war bereits vor dem Anpfiff sicher, dass der wichtigste europäische Vereinstitel an einen deutschen Klub gehen würde.[2]
Für den deutschen Fußball war dies ein starkes internationales Signal. Beide Finalisten hatten auf dem Weg nach Wembley europäische Spitzenmannschaften ausgeschaltet. Dortmund setzte sich im Halbfinale gegen Real Madrid durch, Bayern dominierte den FC Barcelona mit insgesamt 7:0 Toren aus Hin- und Rückspiel. Das Finale war deshalb nicht bloß ein zufälliges nationales Duell auf europäischer Bühne, sondern der Endpunkt einer Saison, in der zwei Bundesligisten sportlich zu den stärksten Mannschaften Europas gehörten.

Wembley als Bühne
Das Wembley-Stadion in London gehört zu den berühmtesten Fußballstadien der Welt. Der Neubau wurde 2007 eröffnet und steht am Ort des früheren Wembley-Stadions. Charakteristisch ist der große Bogen über dem Stadion. Für ein Champions-League-Finale besitzt Wembley zusätzlich eine symbolische Bedeutung: Europäische Endspiele an diesem Ort werden häufig mit großen Momenten der Fußballgeschichte verbunden.
Am 25. Mai 2013 kamen offiziell 86.298 Zuschauerinnen und Zuschauer zum Finale. Schiedsrichter war der Italiener Nicola Rizzoli.[3]

Die besondere Rivalität
Keine klassische Stadt-Rivalität
Bayern gegen Dortmund ist kein Derby im traditionellen geografischen Sinn. München und Dortmund liegen weit voneinander entfernt, und Dortmunds klassischer regionaler Rivale ist der FC Schalke 04 im Revierderby. Die Rivalität zwischen Bayern und Dortmund entstand daher vor allem aus dem sportlichen Wettbewerb um nationale Titel, Prestige, Spitzenspieler und die Rolle als führender deutscher Klub.
Gerade zu Beginn der 2010er-Jahre verschärfte sich dieser Konkurrenzkampf erheblich. Borussia Dortmund wurde 2011 Deutscher Meister und verteidigte 2012 den Titel. Im selben Jahr gewann der BVB zusätzlich den DFB-Pokal und besiegte Bayern im Finale mit 5:2. Es war Dortmunds erster Gewinn des nationalen Doubles.[4]
Für Bayern bedeutete diese Phase eine sportliche Herausforderung. Der Verein war an nationale Dominanz gewöhnt, musste aber erleben, dass Dortmund unter Jürgen Klopp zwei Meisterschaften in Folge gewann und mehrere direkte Duelle für sich entschied. So erhielt die Begegnung zunehmend den Charakter eines Gipfeltreffens um die Vorherrschaft im deutschen Vereinsfußball.
Dortmunds Aufstieg unter Jürgen Klopp
Jürgen Klopp hatte Borussia Dortmund 2008 übernommen. Seine Mannschaft entwickelte einen intensiven, laufstarken und aggressiven Stil. Besonders bekannt wurde Dortmund für schnelles Umschalten, frühes Attackieren des Gegners und ein kollektiv organisiertes Pressing. Junge Spieler wie Mats Hummels, İlkay Gündoğan, Marco Reus, Robert Lewandowski und Mario Götze wurden zu wichtigen Figuren.
Dortmunds Erfolg war auch deshalb bemerkenswert, weil der Verein einige Jahre zuvor eine schwere wirtschaftliche Krise erlebt hatte. Die Mannschaft der frühen 2010er-Jahre wurde deshalb häufig als Symbol eines sportlichen Neuaufbaus wahrgenommen.
Bayerns Antwort in der Saison 2012/13
Der FC Bayern reagierte auf die Dortmunder Erfolge mit einer außergewöhnlich starken Saison. Unter Trainer Jupp Heynckes gewann Bayern die Bundesliga 2012/13 mit 91 Punkten und 25 Punkten Vorsprung auf Dortmund. Damit hatten die Münchner die nationale Rangordnung bereits vor dem Finale wieder deutlich zu ihren Gunsten verschoben.[5]
Doch die Champions League besaß für Bayern eine zusätzliche emotionale Bedeutung. Der Klub hatte das Finale 2010 gegen Inter Mailand verloren. Noch schmerzhafter war das Finale 2012 im eigenen Stadion gegen den FC Chelsea. Bayern führte damals spät mit 1:0, kassierte den Ausgleich und verlor schließlich im Elfmeterschießen. Arjen Robben hatte in der Verlängerung einen Elfmeter vergeben. Wembley 2013 bot ihm und mehreren Mitspielern daher die Möglichkeit, eine besonders bittere Erinnerung durch einen Titelgewinn zu überlagern.
Der Götze-Wechsel als zusätzlicher Konflikt
Kurz vor dem Champions-League-Halbfinale 2013 wurde bekannt, dass Mario Götze Borussia Dortmund zum Saisonende verlassen und zum FC Bayern wechseln würde. Der Transfer wurde zu einem Symbol der Rivalität, weil ein herausragender Dortmunder Spieler direkt zum wichtigsten nationalen Konkurrenten wechselte.
Götze selbst konnte im Finale nicht spielen. Er hatte sich im Halbfinal-Rückspiel gegen Real Madrid eine Muskelverletzung zugezogen und wurde für Wembley nicht rechtzeitig fit.[6]
Die besondere Spannung des Endspiels entstand also aus mehreren Ebenen gleichzeitig: aktuelle sportliche Konkurrenz, unterschiedliche Vereinsgeschichten, frühere direkte Duelle, Transferpolitik und die Frage, welcher Klub den deutschen Fußball auf Europas größter Vereinsbühne repräsentieren würde.

Der Weg nach Wembley
Borussia Dortmund
Dortmund bekam in der Gruppenphase eine besonders anspruchsvolle Gruppe mit Real Madrid, Manchester City und Ajax Amsterdam. Alle drei Gegner waren als amtierende Meister ihrer Länder in die Saison gegangen. Trotzdem blieb Dortmund in der Gruppenphase ungeschlagen und wurde vor Real Madrid Gruppensieger.[7]
Im Achtelfinale setzte sich der BVB gegen Schachtar Donezk durch. Im Viertelfinale folgte eines der dramatischsten Spiele der Vereinsgeschichte gegen FC Málaga. Nach einem 0:0 im Hinspiel lag Dortmund im Rückspiel kurz vor Schluss mit 1:2 zurück. Zwei Treffer in der Nachspielzeit drehten das Spiel zum 3:2.
Im Halbfinale wartete erneut Real Madrid. Im Hinspiel in Dortmund gewann der BVB 4:1. Robert Lewandowski erzielte alle vier Dortmunder Tore. Im Rückspiel verlor Dortmund in Madrid mit 0:2, erreichte aber aufgrund des Gesamtergebnisses das Finale.
FC Bayern München
Bayern gewann seine Gruppe vor FC Valencia, BATE Baryssau und OSC Lille. Im Achtelfinale traf die Mannschaft auf den FC Arsenal. Nach einem 3:1-Auswärtssieg in London verlor Bayern das Rückspiel zu Hause mit 0:2 und kam nach der damals geltenden Auswärtstorregel weiter.
Im Viertelfinale besiegte Bayern Juventus Turin zweimal mit 2:0. Das Halbfinale gegen den FC Barcelona wurde zu einer Machtdemonstration. Bayern gewann in München 4:0 und im Rückspiel in Barcelona 3:0. Das Gesamtergebnis von 7:0 machte die Mannschaft vor dem Endspiel zum Favoriten.
Damit trafen in Wembley zwei Teams aufeinander, die unterschiedliche Geschichten mitbrachten: Dortmund galt als junge, dynamische Mannschaft, die sich gegen zahlreiche europäische Spitzenteams behauptet hatte. Bayern wirkte erfahrener, körperlich sehr stark und in der Saison 2012/13 außergewöhnlich dominant.
Aufstellungen und taktische Grundideen

Die Dortmunder Startelf bestand aus Roman Weidenfeller im Tor, Łukasz Piszczek, Neven Subotić, Mats Hummels und Marcel Schmelzer in der Abwehr, Sven Bender und İlkay Gündoğan im zentralen Mittelfeld sowie Jakub Błaszczykowski, Marco Reus und Kevin Großkreutz hinter Robert Lewandowski.
Bayern begann mit Manuel Neuer im Tor. Philipp Lahm, Jérôme Boateng, Dante und David Alaba bildeten die Abwehr. Javi Martínez und Bastian Schweinsteiger spielten im zentralen Mittelfeld. Arjen Robben, Thomas Müller und Franck Ribéry unterstützten Mittelstürmer Mario Mandžukić.[8]
Dortmunds Idee: Druck und Tempo
Dortmund begann sehr intensiv. Die Mannschaft versuchte, Bayerns geordneten Spielaufbau früh zu stören und nach Ballgewinnen schnell in Richtung Tor zu spielen. Robert Lewandowski, Marco Reus und Jakub Błaszczykowski kamen in der Anfangsphase zu gefährlichen Aktionen.
Ein wichtiges taktisches Ziel bestand darin, Bayern nicht ungestört Kontrolle über Ball und Rhythmus gewinnen zu lassen. Dortmund wollte aus hohem Tempo und aggressivem Anlaufen Chancen erzeugen, bevor sich Bayerns Defensive vollständig ordnen konnte.
Bayerns Idee: Kontrolle, Flügelspiel und Erfahrung
Bayern überstand die starke Dortmunder Anfangsphase und fand zunehmend besser in das Spiel. Dabei waren die Flügelspieler Franck Ribéry und Arjen Robben besonders wichtig. Sie sollten Eins-gegen-eins-Situationen schaffen, Räume neben der Dortmunder Abwehr nutzen und Mario Mandžukić beziehungsweise nachrückende Mittelfeldspieler bedienen.
Javi Martínez und Bastian Schweinsteiger sollten im Zentrum Stabilität erzeugen. Philipp Lahm und David Alaba unterstützten zusätzlich über die Außenbahnen. Durch diese Struktur konnte Bayern zwischen kontrolliertem Ballbesitz und schnellen Angriffen wechseln.
Der Spielverlauf
Erste Halbzeit: Dortmund startet stärker
In der Anfangsphase war Dortmund gefährlicher. Manuel Neuer musste mehrere Schüsse abwehren. Unter anderem prüften Lewandowski, Błaszczykowski, Reus und Bender den Bayern-Torhüter. Dortmund gelang es zunächst, Bayerns Spielaufbau unter Druck zu setzen.
Im Verlauf der ersten Halbzeit wurde Bayern jedoch stärker. Mario Mandžukić zwang Roman Weidenfeller nach einer Ribéry-Flanke zu einer Parade. Auch Arjen Robben tauchte mehrfach frei vor dem Dortmunder Tor auf, konnte seine Chancen aber nicht nutzen. Beide Torhüter waren wichtige Gründe dafür, dass es zur Pause 0:0 stand.[9]
Minute: Mandžukić trifft zum 0:1
In der 60. Minute erzielte Bayern die Führung. Ribéry und Robben kombinierten auf der linken Seite. Robben gelangte bis in den Strafraum und spielte den Ball flach in die Mitte. Mario Mandžukić musste nur noch einschieben.
Dieser Treffer zeigt, wie wichtig Bewegungen ohne Ball sind. Mandžukić orientierte sich so, dass er vor dem Tor anspielbar wurde, während Robben nach seinem Durchbruch nicht selbst abschloss, sondern die bessere Passoption wählte.
Minute: Gündoğan gleicht aus
Dortmund reagierte schnell. Dante brachte Marco Reus im Strafraum zu Fall. Schiedsrichter Nicola Rizzoli entschied auf Elfmeter. İlkay Gündoğan übernahm die Verantwortung und verwandelte zum 1:1.
Der Ausgleich veränderte die Dynamik erneut. Beide Mannschaften konnten nun den Titel mit einem einzigen weiteren Treffer gewinnen. Das Spiel wurde dadurch in der Schlussphase zunehmend von der Frage geprägt, wer Risiko eingehen und zugleich einen entscheidenden Fehler vermeiden würde.
Die Rettungsaktion von Subotić
Nach dem Ausgleich hatte Bayern eine große Möglichkeit zur erneuten Führung. Thomas Müller umspielte Roman Weidenfeller und brachte den Ball in Richtung Tor. Robben lief zum möglichen Abschluss ein, doch Neven Subotić klärte in höchster Not vor der Torlinie.
Solche Szenen zeigen, dass ein Finale nicht nur durch Tore entschieden wird. Auch Rettungsaktionen, Zweikämpfe und Torwartparaden beeinflussen den Verlauf und können für die spätere Erinnerung an ein Spiel wichtig sein.
Robbens Siegtreffer
Die Szene in der 89. Minute
In der 89. Minute kam ein hoher Ball in den Dortmunder Strafraum. Franck Ribéry kontrollierte ihn und leitete ihn in Robbens Laufweg weiter. Robben setzte sich zwischen mehreren Dortmunder Spielern durch und schob den Ball an Roman Weidenfeller vorbei ins Tor. Bayern führte 2:1. Wenige Minuten später war das Spiel beendet.
Der Treffer war technisch nicht spektakulär im Sinne eines Distanzschusses oder Fallrückziehers. Seine Bedeutung entstand aus Timing, Raumgefühl, Ballkontrolle und Spielsituation. Robben erkannte die Lücke, beschleunigte im richtigen Moment und brachte den Ball unter maximalem Druck am Torhüter vorbei.
Warum gerade Robben?
Arjen Robben war bereits vor Wembley einer der bekanntesten Offensivspieler Europas. Gleichzeitig war seine Bayern-Zeit bis dahin auch von schmerzhaften Momenten geprägt. Besonders der verschossene Elfmeter in der Verlängerung des Champions-League-Finales 2012 gegen Chelsea wurde häufig mit ihm verbunden.
Im Finale 2013 hatte Robben schon vor seinem Tor mehrere gute Chancen vergeben. Dass ausgerechnet er in der 89. Minute traf, verlieh dem Siegtreffer deshalb eine besondere persönliche Dramaturgie: Aus einem Spieler, der mit einer bitteren Finalniederlage verbunden worden war, wurde der entscheidende Torschütze des nächsten Endspiels.
Sporthistorisch ist es sinnvoll, solche Erzählungen kritisch zu betrachten. Ein Finale wird niemals von nur einer Person gewonnen. Ohne Neuers Paraden, Mandžukićs Führungstor, Ribérys Vorarbeit, die Arbeit des Mittelfelds oder die Defensivleistung wäre Robbens Treffer nicht zum Siegtreffer geworden. Trotzdem konzentriert sich kollektive Erinnerung häufig auf einen einzigen Moment und eine einzelne Person.
Der Moment und die Erinnerungskultur
Ein spätes Siegtor besitzt eine besondere Wirkung, weil für den Gegner kaum noch Zeit zur Reaktion bleibt. Dadurch entsteht der Eindruck einer unmittelbaren Entscheidung. Robbens Treffer wurde in den folgenden Jahren deshalb zu einem Symbol für Bayerns Saison 2012/13.
Der Begriff „Wembley 2013“ steht heute in vielen Fußballerzählungen nicht nur für das Stadion oder das Datum. Er funktioniert als Kurzform für Bayerns Champions-League-Sieg, Robbens spätes Tor, das deutsch-deutsche Finale und eine Phase besonders intensiver Konkurrenz zwischen Bayern und Dortmund.
Folgen des Finales
Bayern vollendet später das Triple
Mit dem Sieg in Wembley gewann Bayern zum fünften Mal den Europapokal der Landesmeister beziehungsweise die Champions League. Die Mannschaft hatte zu diesem Zeitpunkt bereits die Bundesliga gewonnen. Eine Woche später folgte ein 3:2-Sieg gegen den VfB Stuttgart im DFB-Pokalfinale. Damit wurde der FC Bayern als erster deutscher Verein Sieger von Meisterschaft, DFB-Pokal und Champions League in derselben Saison.[10]

Dortmund zwischen Enttäuschung und Anerkennung
Für Borussia Dortmund war die Niederlage besonders bitter, weil die Mannschaft über weite Phasen auf Augenhöhe spielte und selbst Chancen zur Führung besaß. Gleichzeitig bestätigte der Finaleinzug, dass der BVB auch international zur europäischen Spitze gehörte.
Die Saison 2012/13 prägte das Bild dieser Dortmunder Mannschaft nachhaltig. Der dramatische Viertelfinalsieg gegen Málaga, Lewandowskis vier Tore gegen Real Madrid und das Finale in Wembley wurden zu zentralen Erinnerungen an die Klopp-Ära.
Rivalität nach Wembley
Die Konkurrenz zwischen beiden Vereinen blieb auch nach 2013 intensiv. In den folgenden Jahren trafen Bayern und Dortmund regelmäßig in wichtigen Bundesliga-, Pokal- und Supercupspielen aufeinander. Spieler wechselten zwischen den Klubs oder standen nacheinander für beide Vereine auf dem Platz. Besonders die späteren Wechsel von Robert Lewandowski und Mats Hummels nach München verstärkten öffentliche Diskussionen über Machtverhältnisse im deutschen Spitzenfußball.
Wichtig ist dabei eine differenzierte Sicht: Die Rivalität besitzt zwar große sportliche Bedeutung, sie ist aber historisch anders entstanden als ein lokales Derby. Sie hängt stark mit Phasen zusammen, in denen beide Vereine gleichzeitig um Meisterschaften und Pokale konkurrierten.
Wembley 2013 als Beispiel für Sportgeschichte
Sportgeschichte besteht nicht nur aus Tabellen und Ergebnissen. Ein Spiel wie Wembley 2013 zeigt, wie mehrere Ebenen zusammenwirken.
Erstens gibt es die sportliche Ebene: Taktik, Chancen, Tore, Zweikämpfe und individuelle Entscheidungen. Zweitens gibt es die historische Ebene: frühere Meisterschaften, Finalniederlagen und langfristige Entwicklungen der Vereine. Drittens gibt es die psychologische Ebene: Druck, Erwartungen und der Umgang mit früheren Misserfolgen. Viertens gibt es die mediale Ebene: Bestimmte Bilder, Begriffe und Spieler werden zu Symbolen einer Geschichte. Fünftens gibt es die gesellschaftliche Ebene: Millionen Menschen verfolgen ein solches Ereignis gemeinsam und verbinden damit persönliche Erinnerungen.
Wenn Du Sportgeschichte untersuchst, solltest Du deshalb nicht nur fragen: „Wer hat gewonnen?“, sondern auch: „Warum war dieses Spiel zu diesem Zeitpunkt so bedeutend, und warum erinnern sich Menschen gerade an bestimmte Szenen?“
Schlüsselbegriffe
- UEFA Champions League: Wichtigster europäischer Vereinswettbewerb im Männerfußball.
- Wembley-Stadion: Austragungsort des Champions-League-Finales 2013 in London.
- Borussia Dortmund: Finalist von 2013 und Deutscher Meister 2011 und 2012.
- FC Bayern München: Sieger des Finales und späterer Triple-Gewinner der Saison 2012/13.
- Arjen Robben: Bayern-Offensivspieler und Schütze des entscheidenden Tores in der 89. Minute.
- Jürgen Klopp: Trainer von Borussia Dortmund im Finale.
- Jupp Heynckes: Trainer des FC Bayern im Finale.
- Rivalität im Sport: Konkurrenz, die durch wiederholte bedeutende Duelle, Titelkämpfe, Geschichte und öffentliche Wahrnehmung geprägt werden kann.
- Pressing: Taktisches Verhalten, bei dem eine Mannschaft den Gegner gezielt unter Druck setzt, um Ballgewinne zu erzwingen.
- Umschaltspiel: Schneller Wechsel zwischen Angriff und Verteidigung nach Ballgewinn oder Ballverlust.
Quellen und Vertiefung
- ↑ UEFA: Borussia Dortmund – Bayern München, Finale 2013
- ↑ UEFA: German rivals face Wembley showdown
- ↑ DFB-Datencenter: Borussia Dortmund – Bayern München 1:2
- ↑ UEFA: Dortmund holt erstmals das Double
- ↑ Bundesliga: Bayerns Saison 2012/13
- ↑ UEFA: Dortmund denied Götze for Saturday's final
- ↑ UEFA: Tough group stage gave Dortmund confidence
- ↑ UEFA: Technischer Bericht Champions League 2012/13
- ↑ UEFA: Robben ends Bayern's run of final misery
- ↑ UEFA: Bayern gewinnen Pokal und schreiben Geschichte
- UEFA: Champions-League-Saison 2012/13
- Wikipedia: UEFA-Champions-League-Finale 2013
- Wikimedia Commons: Medien zum Finale 2013
Interaktive Aufgaben
Quiz: Teste Dein Wissen
Welche Besonderheit hatte das Champions-League-Finale 2013? (Es war das erste Finale mit zwei deutschen Mannschaften) (!Es war das erste Finale ohne Zuschauer) (!Es war das erste Finale außerhalb Europas) (!Es war das erste Finale mit drei Mannschaften)
Wo wurde das Finale 2013 ausgetragen? (Im Wembley-Stadion in London) (!Im Olympiastadion in Berlin) (!In der Allianz Arena in München) (!Im Signal Iduna Park in Dortmund)
Wie endete das Finale? (Borussia Dortmund verlor mit 1 zu 2 gegen Bayern München) (!Borussia Dortmund gewann mit 2 zu 1) (!Bayern München gewann mit 4 zu 0) (!Das Spiel endete 0 zu 0)
Wer erzielte Bayerns Führungstreffer? (Mario Mandžukić) (!Robert Lewandowski) (!Marco Reus) (!Bastian Schweinsteiger)
Wer verwandelte den Elfmeter zum Dortmunder Ausgleich? (İlkay Gündoğan) (!Mats Hummels) (!Jakub Błaszczykowski) (!Kevin Großkreutz)
Wer erzielte den Siegtreffer in der 89. Minute? (Arjen Robben) (!Franck Ribéry) (!Thomas Müller) (!Philipp Lahm)
Wer trainierte Borussia Dortmund im Finale? (Jürgen Klopp) (!Jupp Heynckes) (!Pep Guardiola) (!Ottmar Hitzfeld)
Welche Mannschaft hatte Bayern im Halbfinale deutlich ausgeschaltet? (FC Barcelona) (!Manchester City) (!Real Madrid) (!FC Chelsea)
Warum konnte Mario Götze nicht im Finale spielen? (Er war verletzt) (!Er war gesperrt) (!Er war bereits für Bayern spielberechtigt) (!Er hatte seine Karriere beendet)
Welche historische Leistung vollendete Bayern kurz nach dem Wembley-Sieg? (Das erste Triple eines deutschen Vereins) (!Den ersten Bundesliga-Aufstieg) (!Den ersten Sieg im Revierderby) (!Die erste Saison ohne ein einziges Spiel)
Memory
| Wembley-Stadion | Finalort in London |
| Arjen Robben | Später Siegtreffer |
| Mario Mandžukić | Bayerns Führungstor |
| İlkay Gündoğan | Dortmunder Elfmetertor |
| Jürgen Klopp | Trainer der Borussia |
| Jupp Heynckes | Trainer der Münchner |
Drag and Drop
| Ordne die richtigen Begriffe zu. | Rolle im Finale |
|---|---|
| Mario Mandžukić | Führungstreffer |
| İlkay Gündoğan | Ausgleichstreffer |
| Arjen Robben | Siegtreffer |
| Jürgen Klopp | Dortmund-Trainer |
| Jupp Heynckes | Bayern-Trainer |
Kreuzworträtsel
| Robben | Welcher Bayern-Spieler erzielte den entscheidenden Treffer? |
| Wembley | Wie heißt das Stadion, in dem das Finale stattfand? |
| Mandzukic | Welcher Stürmer erzielte Bayerns erstes Tor? |
| Guendogan | Welcher Dortmunder verwandelte den Elfmeter? |
| Heynckes | Wie hieß Bayerns Trainer im Finale? |
| Dortmund | Welche Stadt vertrat der unterlegene Finalist? |
LearningApps
Lückentext
Offene Aufgaben
Leicht
- Spielbericht: Schreibe einen eigenen kurzen Spielbericht über das Finale. Achte darauf, die drei Tore in der richtigen Reihenfolge zu erklären.
- Zeitstrahl: Gestalte einen Zeitstrahl vom Beginn der Dortmunder Meisterjahre bis zum Triple des FC Bayern und markiere mindestens sechs für die Rivalität wichtige Ereignisse.
- Sportfotoanalyse: Wähle eines der im aiMOOC verwendeten Wembley-Bilder aus und beschreibe, welche Informationen über Atmosphäre, Fans oder Bedeutung des Finales daraus gewonnen werden können.
- Spielerporträt: Erstelle ein kurzes Porträt von Arjen Robben, Mario Mandžukić oder İlkay Gündoğan und erkläre die Rolle der gewählten Person im Finale.
Standard
- Taktikanalyse: Schaue Dir die Final-Highlights an und untersuche drei Spielszenen darauf, wie Raum, Laufwege und Passentscheidungen die jeweilige Situation beeinflussen.
- Rivalitätsvergleich: Vergleiche Bayern gegen Dortmund mit einem traditionellen Lokalderby. Arbeite Gemeinsamkeiten und Unterschiede heraus und begründe, weshalb der Begriff Rivalität trotzdem passend sein kann.
- Medienanalyse: Suche zwei seriöse Rückblicke auf Wembley 2013 und vergleiche, welche Personen und Momente jeweils besonders hervorgehoben werden.
- Podcast: Produziere mit einer Partnerin oder einem Partner eine kurze Audiofolge mit der Leitfrage: Warum wurde Robbens Tor zum Symbol eines ganzen Fußballjahres?
Schwer
- Quellenkritik: Untersuche Berichte aus dem Jahr 2013 und spätere Rückblicke. Prüfe, ob sich die Deutung des Finales im Laufe der Zeit verändert hat.
- Taktiktafel: Rekonstruiere Robbens Siegtreffer auf einer selbst erstellten Taktiktafel. Erkläre die Bewegungen von Ribéry, Robben und den Dortmunder Verteidigern.
- Sportökonomie: Untersuche, wie Spielertransfers zwischen direkten Konkurrenten eine sportliche Rivalität beeinflussen können. Nutze den Götze-Wechsel als Ausgangspunkt, ohne die Untersuchung auf eine einzelne Person zu reduzieren.
- Dokumentarfilm: Plane einen fünf- bis zehnminütigen Kurzfilm über Wembley 2013. Entwickle ein Storyboard, das sportliche, historische und emotionale Perspektiven miteinander verbindet.


Lernkontrolle
- Taktischer Wendepunkt: Erkläre, warum Dortmunds starker Beginn nicht automatisch zu einem Sieg führen musste. Beziehe Spieltempo, Chancenverwertung und Bayerns Anpassung in Deine Argumentation ein.
- Robbens Rolle: Beurteile die Aussage „Arjen Robben gewann das Finale allein“. Zeige, welche Aspekte für und welche gegen diese vereinfachte Darstellung sprechen.
- Rivalität und Geschichte: Erkläre, warum Bayern gegen Dortmund trotz fehlender geografischer Nähe zu einer besonders bedeutenden Rivalität werden konnte.
- Transfer und Wahrnehmung: Analysiere, wie der bereits angekündigte Wechsel Mario Götzes zum FC Bayern die öffentliche Wahrnehmung des Finales beeinflusst haben könnte, obwohl Götze verletzt fehlte.
- Erinnerungskultur im Sport: Begründe, weshalb sich viele Menschen stärker an Robbens spätes Tor erinnern als an einzelne Paraden oder Defensivaktionen im selben Spiel.
- Historischer Vergleich: Entwickle Kriterien, mit denen Du beurteilen würdest, ob ein Fußballspiel als „historisch“ gelten kann. Wende diese Kriterien anschließend auf Wembley 2013 an.
Lernnachweis
Für einen Lernnachweis zu diesem Thema ist wichtig, dass Du nicht nur einzelne Namen und Minutenangaben kennst, sondern Zusammenhänge erklären kannst.
- Du kannst begründen, warum das Finale 2013 für den deutschen Vereinsfußball historisch war.
- Du kannst den Spielverlauf und die Bedeutung der drei Tore nachvollziehbar darstellen.
- Du kannst Robbens Siegtreffer technisch und taktisch einordnen.
- Du kannst die Entwicklung der Rivalität zwischen Bayern und Dortmund vor dem Finale erklären.
- Du kannst zwischen einer traditionellen Derby-Rivalität und einer sportlich gewachsenen Spitzenrivalität unterscheiden.
- Du kannst die Wege beider Mannschaften ins Finale miteinander vergleichen.
- Du kannst erklären, warum einzelne Spielszenen zu Symbolen einer ganzen Saison werden können.
- Du kannst Medienberichte und spätere Erinnerungen an das Finale kritisch untersuchen.
- Du kannst eigene Urteile mit nachvollziehbaren Argumenten und geeigneten Quellen begründen.
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